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Märchen

Die Märchen, die der Fußball erzählt, die über den Fußball erzählt werden, diese kometenhaften Aufstiege, diese Erfolgsdichtungen mit wattebäuschigen Enden, alles wird gut, alles wird fein, aller ränkt sich ein, wirst schon sehen, Kleiner, jetzt schlaf ein, gute Nacht, schöne Träume: das sind die Grimm-Märchen, die abgespeckten Versionen volkstümlicher Erzählungen, die man mit Moral überträufelt hat, nachdem man alles Brutale, Gewaltige, Giftige, Blutige aus ihnen herausoperiert hat.

Die Misserfolgsgeschichten, die Abstürze, die Fehlleistungen, die der Fußball, die über den Fußball erzählt werden, das sind die Hauff-Märchen, Erziehungsliteratur, moralgeschwängert, mit erhobenem Zeigefinger zu lesen: Unterstreiche die Botschaft, und lerne daran.

Als Kind waren mir die Märchen von Andersen am liebsten, die seltsam brutal verlaufen und zwar häufig versöhnlich enden, aber doch: ein Zeichen des Bösen bleibt immer zurück, die Geschichte brennt sich in die Körper ein, sie vergeht nicht, ist zwar vergangen; aber immer wird man sie sehen können.

Klasnic, das war Grimm; Ailton, das ist Hauff; und Andersen, das ist Uwe Rösler:

Aber ich bin noch nicht der, der ich früher war. Den Fußballer Uwe Rösler wird es nicht mehr geben.

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