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Popgun! 07 – Mit Elfen, Ellbogen und Elbdampfern

Das nächste Elbow Album kündigt sich mit der Vorabveröffentlichung „Grounds For Divorce“ an. Video bei Youtube und Audiostream auf Myspace. Mit dem Schreiben der Songs und den Aufnahmen zum Longplayer „The Seldom Seen Kid“, der im März erscheinen soll, haben sich die fünf Jungs aus Manchester gewohnt schwer getan und, wenn man dem NME glauben kann, zwei Jahre unter dem Dach eines Tonstudios in Salford das Phantom der Oper gemacht, während sich unten die MTV Features die Klinke in die Hand gaben.

Ein Ende der ganzen Songwritingquälerei ist in Sicht. Guy Garvey, Sänger bei Elbow, kündigte bereits an, dass nach „Grounds for divorce“ nur noch ein B-Seiten Album im Herbst erscheinen soll. Danach streckt man vor dem digitalen Zeitalter die Fahnen und plant vom Album als Veröffentlichungsformat abzurücken. Guy:

MP3 culture and download culture has meant that songs are sold on an individual song basis – on the quality of an individual song.“

Schwerwiegende Ankündigung einer Band, die wie keine andere vom Zusammenhalt der Songs auf Albumlänge gelebt hat. Da wird auch der Frontman ein wenig wehmütig:

But we very definitely wanted to make one last ‚album,‘ if you know what i mean, in terms of – we are an album band, very definitely, and even if it’s picked apart it’s meant to be listened to start to finish. It’s segued, the tracks run into each other and the themes run all the way through. The best way to get the full, y’know, the work we’ve put in, the two and a half years we’ve put into the record, has been to do with how it’s ordered, how long it is, what comes after what comes after what.“

Lykke Li, die junge Schwedin, war Aufmacher der ersten Popgun! Ausgabe, vielleicht können sich die Jüngeren noch erinnern. Diese Woche wurde nun endlich das wochenlang erwartete (Selbst Warten war früher besser, man hatte einfach mehr Geduld.) Debutalbum „Youth Novels“ veröffentlicht. Und es hält was die damals, im Dezember, veröffentlichten drei Songs um „Little Bit“ versprachen: „Youth Novels“ erweitert die schwedischen Referenzen El Perro del Mar, the Knife, Peter, Björn and John spielerisch um Lilly Allen, Kate Bush und Spoken Word. Durch und durch zauberhaft exotisch auf eine Art, die bisher die Isländer abonniert hatten. Lykkes Stimme, fragil und selbstbewußt zugleich, hält die verschiedene Stile zusammen als gäbe es nichts selbstverständlicheres.
Das gesamte Album auf Myspace im Stream. Ein Interview mit ihr beim Nicorola. Weil’s so schön war nochmal das Video zu „Little Bit“ und danach auch ein Download von „Youth Novels“, offiziell versteht sich.

[Video] Lykke Li – „Little Bit“
[MP3] Lykke Li – „Tonight“

Crazy (von Olli Schulz geliehener Jugendradioanglizismus) worauf die Spex Online Redaktion steht: Rummelsnuff aus Berlin. Meine pc-sensibilisierte 3 Minuten Aufmerksamkeitsspanne hyperventiliert im Rhythmus der Kolben eines Transatlantikdampfers bei all den Symboliken und Bildern die Roger Baptist, die Kunstfigur hinter dem Kunstprojekt, herunter spielt. Etwas wirklich anstößiges ist mir dennoch bisher nicht aufgefallen. Und hey es war ja in der Spex und mit DAF und Hans Albers als Vorbilder rücken Roger und Freunde das ganze auch ins korrekte Fahrwasser. Man ist einfach zu vorsichtig. Rummelsnuff: Elektropunk mit Seemannsromantik und Bizeps und Schweiß und Tieren. Heute Abend im Dresdener Puschkin und am 15. im SchwuZ Kreuzberg. Album dann im März. Und die Diskussion ob man dies und das darf dann ganz sicher auch.

Kurz und schmerzlos [formerly: Anderswo]: Subpop, Emohochburg, hat klammheimlich einen neuen Band of Horses Song auf seine Server geladen. „No One’s Gonna Love You“ [MP3] heißt der und ist vom im Oktober veröffentlichten Album „Cease To Beginn“. Obwohl erst an dritter Stelle in der Tracklist ein hervorragender Einstiegstitel für alle, die nur aus Herz bestehen.
Bei den Popnutten eine Menge zusammengetragener Downloadlinks zu Vampire Weekend und bei mir zu Hause das sehr süße Video zu A-Punk.
Noch ein Video zum Abschluss, eins nach Maß, das neue von Fettes Brot zu „Bettina“. Produziert, wie es aussieht, von BigFish, großartiges Performancevideo. Love that chinese dubbing:

[Video] Fettes Brot – „Bettina“

Das Video in einer super Auflösung und ca. 50mb groß bei Bigfish. [via]

13 Kommentare

  1. 01
    nrq

    Öh, bisher noch nichts von „Elbow“ gehört (sieht bei last.fm zugegebenermaßen interessant aus…), wenn man kein Album mehr veröffentlicht wird sich daran aber wohl auch nichts mehr ändern. Ich verschwende meine Zeit doch nicht mit dem hören einzelner Tracks. Einzelne Tracks machen mich auf das Album aufmerksam, sonst nichts. Eher wird die Hölle zufrieren, bevor ich mir einen einzelnen Track zulege. Noch dazu gegen Geld. *brrr*

  2. 02
    Nico [Jackpot Baby!]

    dass sie sich von der album-form lösen heißt ja nicht zwingend dass sie nur noch einzelne titel verkaufen wollen, da ist doch so ziemlich alles möglich.
    allein wegen einer neuen form keine musik mehr kaufen zu wollen, ist das nicht ne entscheidung die an der musik vorbei getroffen wird?

  3. 03
    nrq

    Hoffe das ist nicht zu naiv und überinterpretiert, aber für mich liest sich das was du im Text zitiert hast irgendwie wie der Standpunkt von jemandem, der Musik nur noch für irgendwelche abstrakten „Märkte“ macht, nicht mehr um der Musik selbst willen. Und von jemandem mit dieser Haltung will ich eigentlich keine Musik hören. Schon garnicht einzelne Tracks, die dann nur komponiert werden, um irgendwelchen Leuten die bei iTunes shoppen gehen zu gefallen.

  4. 04
    Nico [Jackpot Baby!]

    wie im text auch geschrieben, machen elbow einfach keine single hits. und sie werdens auch nicht machen. ausverkauf kann man ihnen nicht vorwerfen, allein weil sie sich wirklich immer ewig zeit lassen um ein album fertig zu machen. wenn ich mich recht erinnere haben sie fürs debut sieben jahre gebraucht.
    das eine was guy macht, ist eine analyse, das andere eine verabschiedung von nem medium, aber ein zukünftigen plan scheint er bisher nicht zu haben.

  5. 05

    Was ist daran verwerflich, wenn ein Musiker die Zeichen der Zeit erkennt? Klar, er könnte auch auf Schellack bestehen „¦

  6. 06
    Nico [Jackpot Baby!]

    denke ich auch. ist doch ein großer vorteil. der/die künstler/in allein kann entscheiden wie lang seine veröffentlichung wird, wie viele titel etc.
    die einzigen, die ein problem haben werden, sind die plattenfirmen und downloadportale die sich jetzt für diesen ganzen wildwuchs preiskategorien, oder noch schlimmer künstliche formate, ausdenken müssen.

  7. 07

    Ja, wer hat schon soviel Zeit, um sie mit dem Hören einzelner Tracks zu verschwenden. Immer weiterskippen. Und weiter. Und weiter. Und weiter. Und weiter. Und weiter …

  8. 08
    nrq

    Keine Ahnung, wenn das Zeichen der Zeit ist, wieder Singles zu verkaufen dann werden die Leute wohl irgendwann über mich lachen, wie ich über Leute lache, die immer noch an Vinyl kleben. So be it…

    Ich höre mir einfach furchtbar gerne komplette Alben von vorne nach hinten an (@guido: ohne zu skippen!). Selbst wenn’s kein Konzeptalbum ist, irgendwer muss sich da was bei gedacht haben, bei der Auswahl der Songs, der Reihenfolge, bei Cover, Booklet, et cetera. Einzelne Songs sind da aber nur beliebig.

    Das die Zukunft nicht in der CD liegt ist wohl so… aber das sie darin liegt, Singles zu verkaufen hoffe ich auch nicht.

  9. 09
    PiPi

    Danke für die (vielfältigen) Hinweise

    Mein Tipp

    http://www.Mercora.com

  10. 10

    @nrq: Ich liebe Alben. Ich trauere ihnen nach (im Ernst). Aber ich denke/ fürchte einfach auch, dass das Album als Konzept, als Format im Moment ausstirbt. So wie das Cover, das Artwork (nunja, auch eine Website will gut gestaltet sein „¦) und vieles mehr. Einzelne Songs stellen aber auch irgendwie eine Renaissance dar, denn es gab ja mal Zweiten (50s, 60s), in denen „Singles“ oder Songs eher die Regel waren und Alben die Ausnahme.

  11. 11
    Löckengelöt

    Das schöne Fettes brot Video ist übrigens von Katapult (Regie: Daniel Warwick). Einfach so.

  12. 12
    Nico [Jackpot Baby!]

    okay. prima. danke fuer den hinweis.

  13. 13
    Jan(TM)

    Na toll, „Ihr iTunes Account ist nur im dt. Shop gültig“ – soviel zum Thema Globalisierung.
    Und im dt. gibts das Lykke Li Album nicht.

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