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Kleine Fragen

Warnung: Im folgenden Kurztext taucht der Begriff „Journalisten“ auf, ohne dass die Worte „sind alle blöd“ folgen.

Zur Riege der bloggenden Journalisten gehört seit Oktober 2007 auch Robert Kindermann. Der Autor und NDR-Redakteur veröffentlicht auf seinem Blog kleinefragen.de neben eigenen Gedanken und Blog-typischen Einträgen auch Interviews, zum Beispiel mit Frank Lüngen, dem Chefermittler der proMedia, die im Auftrag einiger deutscher Plattenfirmen gegen Filesharer loszieht, mit Philipp Abresch über seine Arbeit für CNN oder mit Dr. Jörg Fachner über die Kombination „Musiker und Drogen“.

Man könnte also sagen: Robert Kindermann macht da spannendes Zeug auf seinem Weblog. Ich habe daher den Interviewer kurz interviewt, da mich der Hintergrund interessierte.

Spreeblick: Wieso beginnt man als (vermutlich) vielbeschäftigter Journalist mit dem Bloggen?

Robert Kindermann: Grundsätzlich habe ich immer ein riesiges Interesse daran Hintergrundgeschichten zu erfahren bzw. wieso manche Sachen so sind, wie sie sind. Oder einfach mal jemanden zu fragen, der direkt von bestimmten aktuellen Geschichten betroffen ist oder direkt daran mitwirkt. Das geht eher von mir persönlich aus.

Irgendwann habe ich dann gedacht, wenn du schon nachfragst, dann lass andere doch an den Antworten Teil haben. Der Grundgedanke: Es gibt zu jeder Geschichte mindestens einen zweiten oder dritten Blickwinkel. Den darzustellen finde ich schwer spannend.

Spreeblick: Sind die geposteten Interviews als eine Art (positiver) „Resteverwertung“ deines journalistischen Alltags zu verstehen?

Robert Kindermann: Bisher ist das noch nicht vorgekommen. Alle Interviews habe ich für die Seite geführt. Auch funktioniert diese Form des Interviews komplett anders als die Interviews, die ich fürs Radio und Netz mache. Ich überlege mir fünf bis acht Fragen, schicke sie per EMail und warte auf eine Antwort. Somit entfällt das Nachfragen. Was es relativ spannend macht. Ich darf bei der ersten Mail nichts vergessen.

Spreeblick: Was sagt man als Journalist und Blogger zur ewigen Diskussion, die sich um beide Schreib-Sparten dreht?

Robert Kindermann: ie Diskussion berührt mich eher negativ nervend. Warum gibt es sie überhaupt? Warum diskutieren wir über eine etwas andere/neue Form der Webseite, die es vielen Menschen durch ihre Einfachheit möglich macht online ihre Meinung darzustellen?

Bei der Diskussion empfinde ich beide Seiten als anstrengend und irritierend. Es ist für viele Journalisten sicher schön, dass sie endlich einen Überbegriff für die Leute benutzen können, vor denen sie Angst haben, weil die plötzlich journalistisch arbeiten – „Blogger“.

Und für einige Blogger ist es sicherlich schön, dass sie von den Journalisten so angegriffen werden – das sorgt für Aufmerksamkeit. Aber es ist schon bezeichnend, dass viele erfolgreiche Blogs sicher vor allem mit dem Bloggen selbst beschäftigen. In der Welt draußen wird da sicherlich nicht unterschieden. Die Nutzer wollen bestimmte Infos, also suchen sie danach bei Google und ob sie die nun in einem Blog oder bei spiegel.de finden spielt für die meisten sicherlich keine große Rolle. Hauptsache die Infos sind gut aufbereitet und korrekt. Ich würde da keinen Unterschied machen. Es ist schön, wenn einzelne Personen ihre Meinung breiter Kund tun können und so das Tool „Blog“ auch zur Meinungsvielfalt in Deutschland beiträgt.

Mir ist wichtig, dass wir in Deutschland eine riesige Angebotsvielfalt haben – die eine größtmögliche Meinungsvielfalt und vor allem Themenvielfalt sichert. Blogs bieten sich da wunderbar als Nischenfüller an (nicht negativ gemeint!), da es für große Verlage nicht rentabel ist kleine Sparten zu bedienen. Insofern würde ich vorschlagen, dass sich niemand von ein paar wirklich nervenden Menschen irritieren lässt, die unbedingt da eine Art Kleinkrieg heraufbeschwören wollen, der in der konsumierenden Gesellschaft keine Relevanz hat. Lieber konzentriert sich jeder auf sein Produkt und liefert das möglichst gut ab.

12 Kommentare

  1. 01

    „… Und für einige Blogger ist es sicherlich schön, dass sie von den Journalisten so angegriffen werden – das sorgt für Aufmerksamkeit.“

    tja… da tut einer seit (11/2007?) einen versuch. nach so vielen jahren der möglichkeit und entdeckt – überraschung! – chancen und möglichkeiten für seinen eigenen beruf. wird von dir freudigst aufgenommen und hofiert. und dann solche sätze…

    wann wird erahnt, dass das wort blog ein „neologismus“ ist? dass ein *blog* so unterschiedlich genutzt werden kann wie „telefonsex“ und „telepredigt“ am gleichen apparat? warum wird unterstellt, dass es um „aufmerksamkeit“ geht? warum wird angenommen, dass wer schreibt, journalistisch tätig sein will? warum auf deine offene frage nicht als erste idee, eine branchen-selbstkritische? (soll ich weiter machen?)

    ich fürchte, dein „interview“ hat präzis einen hinweis herausgeschält wo diese profession ihren „blinden fleck“ pflegt… sind nicht neugier, gepflegtes-nicht-wissen und klärende fragen die erste stärke von journalismus? aber methodische ansätze – wie wenigstens „teilnehmende beobachtung“ – scheinen nicht einmal im ansatz als mögliche möglichkeit in betracht gezogen zu werden. schlimmer als zu frühe antworten ist bloss noch, wenn kritik bereits rhetorisch zu verunmöglichen gesucht wird:

    „Insofern würde ich vorschlagen, dass sich niemand von ein paar wirklich nervenden Menschen irritieren lässt…“ wer nachfragt nervt nicht nur, es hat auch keine relevanz. der journalismus ist tot. es lebe der journalismus.

  2. 02
    Robert Kindermann

    Hallo Stefan Seydel,

    ich hoffe Sie können gut schlafen heute Nacht. So sehr, wie ich Sie mit meinen knappen Antworten aufgewühlt habe.

    Sie sind mir nun plötzlich übrigens wahnsinnig unsympathisch und ich kenne Sie nicht mal. Ärgert Sie sowas? Vielleicht sind Sie sogar ein sehr netter Mensch.

    Aber man hat nach solchen Kommentaren einfach gleich wieder Lust seine kleine Webseite zu schließen. Würde Sie das freuen?

    Sie können mich gerne per EMail kontaktieren – ich habe Ihre leider nicht gefunden.

    Nur kurz als knappe Ergänzung: Ich mache beruflich derzeit komplett nichts was mit Interviews zu tun hat und ich sehe meine private Seite nicht im Zusammenhang mit meinem Job oder mit meinem Arbeitgeber. Wäre ich Handwerker oder Lehrer hätte ich die Seite trotzdem – eventl. – erschaffen. Und weil ich versucht habe das deutlich zu machen, habe ich meine Meinung weder als „Journalist“ noch als „Blogger“ Kund getan – sondern als Betreiber dieser Seite. Die war gefragt, dann antworte ich gerne. Wenn Sie jetzt meine Meinung als die Meinung eines „Journalisten“ fest machen, kann ich aus Ihrer Sicht die Aufregung etwas verstehen.

    Beste Grüße
    Robert

  3. 03

    ich sehe: ihr rethorisches potenzial hat noch viel subtileres zu bieten! ich habe sie also nicht unterschätzt. wunderbar | suchen sie auf unserer homepage nach dem wort „impressum“. sie werden mehr finden, als sie nutzen wollen.

    nerven sie sich nicht. es ist bloss eingetroffen, was sie erwartet haben: dass andere sich nerven… seien sie sich gut!

  4. 04

    „Insofern würde ich vorschlagen, dass sich niemand von ein paar wirklich nervenden Menschen irritieren lässt, die unbedingt da eine Art Kleinkrieg heraufbeschwören wollen, der in der konsumierenden Gesellschaft keine Relevanz hat. Lieber konzentriert sich jeder auf sein Produkt und liefert das möglichst gut ab.“

    Sehe ich genauso. Mehr gibt es zu dem in letzter Zeit wieder in D besonders krass grassierenden Unsinn nicht zu sagen.

  5. 05
    MakeAMillYen

    „Robert Kindermann:

    Hallo Stefan Seydel,“

    Ich finde es ziemlich unterste Schublade, wenn man einen (vermeintlich) Anonymen mit seinem echten Namen anspricht. Den Wunsch nach Anonymitaet zu respektieren gehoert zu den guten Manieren. Solche „Enttarnungen“ sind aggressiv und ueberfluessig.

  6. 06

    @MakeAMillYen: Wenn man auf den Namen des Kommentators klickt findet man seinen echten Namen direkt neben seinem Alias. Wer anonym bleiben will, wird wohl kaum seine Site mit seinem echten Namen verlinken.

  7. 07

    Wenn ich den Krieg hier ein bisschen ausweiten dürfte ;-) Langsam geht mir diese Versöhnungshysterie zwischen Journalisten und Bloggern nämlich fast schon etwas zu weit. Das hat nichts mit mangelndem Respekt gegenüber Journalisten zu tun, aber Bloggen und Journen sind nun einmal zwei grundlegend verschiedene Dinge.

    Ich behaupte, der Konflikt zwischen Journalisten und Bloggern ist gar Systemimannent, denn die sogenannten „Nischenplayer“, wie sie Robert nennt, haben sich insbesondere dort eingerichtet, wo die Journalisten (genau genommen die Verleger) die Massen nicht mehr bedienen können oder wollen.

    Und warum werden diese „Nischen“ nicht (mehr) bedient? Weil die Verleger mit ihren „Produkten“ in erster Linie Geld verdienen müssen. It’s simple as this. Wenn ich nur ein Paradebeispiel anfügen dürfte, um meine These zu untermauern, würde ich als erstes auf die „Stationäre Aufnahme“ verweisen.

  8. 08
    MakeAMillYen

    @Johnny:

    Erstmal hallo.

    Zu deiner Anmerkung: Ich finde es dennoch ungehoerig, den richtigen Namen preiszugeben. Wenn sich jemand hier ein anderes Handle gibt, ist eben *hier* „anonym“.

    Robert Kindermann hat die Anrede in (2) doch mit einer Absicht gewaehlt und sie hatte auch die gewollte Wirkung (3).

    Ich weiss natuerlich, dass es mit der Anonymitaet nicht weit her ist. Aber trotzdem. :-P

    Vielleicht liegt es in diesem Fall auch etwas anders, grundsaetzlich finde ich das Ans-Licht-ziehen aber miese. Muessen wir jetzt aber nicht wirklich diskutieren.

    Peace.

  9. 09

    @MakeAMillYen: Grundsätzlich gebe ich dir auch Recht. „Outen“ ist scheiße.

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