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Toni Mahoni im Postbahnhof

Viertel nach, vielleicht zwanzig nach Acht, gähnende Leere am Eingang zum Fritzclub im Postbahnhof. Aus dem Inneren des Saals erklingt — nichts. Verdammt, denke ich. Es ist menschenleer. Niemand ist gekommen. Der arme Toni.

Ich hole tief Luft, trete in den Club und verstehe, warum es so still ist: Etwa 250 Leute hören in der gut gefüllten und bestuhlten kleinen Halle Tonis Ansage zum zweiten Song zu. Ich lächle, obwohl ich einen innerlichen Luftsprung vollziehe, mir fällt ein Stein vom Herzen. Denn an selbigem liegt uns Toni Mahoni. Sehr. Zwei Jahre lang videopodcastete er exklusiv bei Spreeblick, bevor wir gemeinsam beschlossen, den nächsten Schritt zu gehen.

Gestern Abend nun wurde beim Berliner Tourneeauftakt die Veröffentlichung der neuen CD gefeiert und obwohl ich davon ausgehe, dass Toni nebst Band alles andere als gelassen an dieses erste „große“ Konzert herangingen, war ich bestimmt fast ebenso aufgeregt. Würde der Transfer eines bisher hauptsächlich aus dem Internet bekannten Künstlers auf eine größere Bühne klappen? Würden Leute bereit sein, Eintritt zu bezahlen für etwas, das sie in anderem Rahmen kostenlos geliefert bekommen? Könnte der Mann und seine Band Spannung, Stimmung und Atmosphäre über anderthalb Stunden halten?

Die Antwort auf alle Fragen lautet: Ja.

Ich würde mich freuen, wenn andere Besucher des gestrigen Konzerts ihre Eindrücke in den Kommentaren verlinken oder posten, denn alles, was ich tippe, ist selbstverständlich voreingenommen, weil geprägt durch unsere enge Zusammenarbeit mit Toni in den letzten Jahren. Ich mute mir dennoch eine immer wieder neue Beurteilung von Tonis Schaffen zu und möchte daher noch zwei Highlights erwähnen. Denn von den — ich meine, es waren sechs — brandneuen Songs, die man gestern hören konnte, bekamen zwei besonders starken Applaus.

Da war einmal das unglaublich schöne, ernste Stück „Liebe“ („Liebe wird oft überschätzt und oft auch übersehen, du bist meine Liebe jetzt, so lass‘ ick ditt steh’n“) sowie das ungewohnt aggressive und frontale „Ick erschieß‘ dich auf’m Marktplatz“.

Ich habe mich in den letzten Monaten oft gefragt, ob Toni das Gespür für subtile Alltagsweisheiten, das seine ersten Werke prägte, dauerhaft halten können wird. Ob nach dem ersten Sturm noch genug Wind aus seiner Seele wehen würde. Seit dem gestrigen Gig und speziell nach dem Hören der neuen Songs weiß ich: Es könnte ein Orkan werden. Der Mann ist ein Ausnahme-Entertainment-Talent, mit einem Funken Glück und etwas Gerechtigkeit könnten die nächsten Jahre für ihn sensationell erfolgreich werden.

In diesem Sinne: Rinnjehaun!

12 Kommentare

  1. 01
    Lemmy

    ***voll unterschreib, ey***
    Wie ich mitbekam. war es dem einen oder anderen Zuschauer
    zu liedgutlastig, man hätte sich etwas mehr des gesprochenen
    Wortes erfreut. Alles in allem war es m.E. ein gelungener Abend.
    Den schwierigen Grat, nicht ins Helge-Oder-Sonstwer-Mäßige geschubst zu werden,“wird der Jutste schon schaffen“….

  2. 02
    Matthias

    Ich versteh immer noch nicht, was an der CD neu ist, außer dem Cover. Die Titel sind doch die gleichen wie von der ersten CD, oder?
    Aber ansonsten: Mehr davon!

  3. 03

    Er wird dann vielleicht der erste Internet-ins-IRL-Star in Deutschland, ohne dass eine finanzstarke Pro7-Marketingkampagne dahintersteckt. Wär doch was.

    Und eigentlich kann er doch in die Helge-oder sonstwer-Ecke, ist doch eine nette Gesellschaft. So in der Richtung van Dannen oder Begemann wird er sicher noch viele Fans finden, und die können ja auch davon leben.

  4. 04

    Ich wär so gern dabei gewesen, aber leider verhinderte das mein Terminplaner!

    Gibts ein Mitschnitt? Ich will mehr von Toni, er ist einfach nur genial!

    Gruß, Markus

  5. 05

    der begemann fährt aber auch 10 monate im jahr alleine mit seinem auto durch deutschland, um davon zu überleben.

  6. 06

    Ich habe Toni Mahoni schon in Hamburg („nur“ mit Pianobegleitung von Pierre Robert) sehen können und war dort schon begeistert.

    Gestern Abend nun mit Band war der Auftritt noch runder, abwechselnd und gut ausgewogen mit Ansprachen, Geschichten und Musik. Ein sehr gelungener Abend, vor allem der erwähnte Song „Ich verkauf dich aufm Marktplatz, ich erschieß dich aufm Parkplatz“ war richtig gut und hat neue Seiten aufgezeigt, die rocken und das Repertoire gut erweitern.

  7. 07

    @Matthias: Tatsächlich ist die CD für diejenigen, die die erste Version haben, nur bedingt neu: Es ist ein weiterer Song drauf („Radler“) und alle Titel wurden entweder ganz oder teilweise neu eingespielt und abgemischt. Sie klingt „besser“ und „runder“, finden wir hier. Aber wer die erste Version hat, kennt die Songs und kann eine Rarität sein Eigen nennen: Es gab nur 500 Stück.

  8. 08

    wenn’s denn automatisch nicht geht, dann eben so.

  9. 09
  10. 10
    homecage

    So, gestern war Toni dann also in Bremen und ich also auch hin da. Wunderbar, wunderbar, mir ist ja kein Weg zu weit. Ich hatte ihn und die Band schon in Hamburg gesehen, somit zähle ich wahrscheinlich zu den weniger Menschen, die schon zwei Konzerte gesehen haben. Bin natürlich stolz wie Oscar und es war wieder soooo schön!
    Es waren nicht besonders viele Leute da, die Bremer haben da was nicht mitgekriegt. Was soll man machen, vielleicht war die Werbung auch nicht ausreichend. Also, ich sag mal, es waren vielleicht 50 Leute da. Mir tat das dann auch ein bisschen Leid, aber einem können wahrscheinlich eher die Leute leidtun, die so ein Konzert ungesehen verstreichen lassen.
    Ansonsten stimme ich vollkommen zu. Die neue Songs sind wunderbar. Beim Lied „Liebe“ habe ich durchgeheult, es war nichts zu machen und ich gestehe ganz offen, dass es mich voll erwischt hat.
    Piere Robert hat eine wirklich ganz tolle Tanzeinlage gegeben. Es gab den Tanz „Die sich selbstlösende Situation“, ich glaub so hieß das Ding.Tja, schön war’s und nun hab ich ein Eddingherz auf meiner CD-Hülle. Das ist doch was! In diesem Sinne Rinnjehaun

  11. 11

    Ich war gestern in Mannheim beim Konzert — und ich kann mich meinen Vorkommentatoren (und Eurem Spreeblick-Eindruck) nur voll anschließen: Wunderbar! Großartig!

    Toni ist so unglaublich unterhaltsam und wirkt einfach nur extrem sympathisch und kein bißchen pathetisch oder schnulzig wenn er über Liebe und andere „große Themen“ singt und redet. Und zum ersten Mal bereute ich es, eine „virtuelle CD“ bei iTunes erworben zu haben — darauf kann man einfach nicht unterschreiben lassen …

    Schlußsatz: Es müssen mehr Leute Toni kennen.

    (Mir hat das Freundschaft-Lied gefallen, gibt es das eigentlich irgendwo?)

  12. 12
    ich mach ihn ja

    Er ist einfach ein Prachtstück. Der Toni.

    Wir waren auf der Releaseparty mit dabei. Extra ausm Norden (Schwerin) angereist und hellauf begeistert. Zugegeben bin ich nur wegen ihm überhaupt bei Spreeblick gelandet. Es freut mich natürlich für ihn, dass er jetzt den nächsten Schritt gemacht hat, aber für mich ist es ein wenig traurig. Sicher konnte ich auch unschwer erkennen, dass auf Spreeblick selber ne Menge los ist. Klarer Fall. Doch so ganz ohne einen Mahohni-Lichtblick nebst den Beiträgen…

    Das Konzert war jedenfalls ein Happening. Nur Kuchen fehlte noch. Ach ich fand ja „ich überäuge dich“ ziehmlich genial. Zusammen mit seiner Mimik hab ich Tränen gelacht.

    Mir tut sich die Frage auf, warum die CD nicht gleich noch einen Bruder in Form einer Live-CD bekommt? Dort hat man wahre oder einfach Worte von ihm, sowie auch ein paar andere Lieder drauf. Könnte sich lohnen.

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