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Ein Jahr Next-Gen, Teil 2: Drei Milliarden Gegner — mindestens und gleichzeitig

Nix los

Foto: sfllaw

Früher, also vor zwei bis drei Jahren, da war auf Straßen, Bürgersteigen und Schlachtfeldern in Konsolenspielen etwa so viel los, wie an Mitternacht auf den Damentoiletten entlang der A1.

Angeblich fuhr man durch New York, Rom oder Tokyio, doch es wirkte wie eine isländische Kleinstadt nach einem Atomschlag; leeeeeeeeeeeeeeeer und öööööööööööööde und langweilig. Und wenn auf dem Backcover von »epischen Kämpfen gegen Horden von…« die Rede war, musste man schon Glück haben, um tatsächlich gegen drei Monster (oder so) gleichzeitig antreten zu dürfen.

Wenn man den Punkt suchen will, an dem sich die aktuelle Generation von der letzten am deutlichsten Unterscheidet, dann findet man ihn sicherlich hier. Grafik, Sound, AI, Physik und der ganze gute Technikkram — danach muss man suchen, das muss man messen und vergleichen.

500 Gegner auf dem Schirm erkennt dagegen jeder.

GameTrailesDirektN3

Gleiches gilt allgemein für Menschenmassen. Die Idee einer »lebenden, atmenden Stadt« z.B., in der nicht nur wie früher einsame NPCs ihre geskripteden Runden drehen, sondern in der tatsächlich etwas los ist — das muss man niemandem erklären, da muss sich niemand reindenken oder -fühlen, das sieht man auf den ersten Blick.GameSpotDirektMittelalter

Was man leider auch sieht, wenn auch nicht in den Videos: Klone über Klone und immer die gleichen eineiigen Mehrlinge. Das mag bei Orks und ähnlich wilden Ungeheuern ohne ausgeprägte Persönlichkeit noch relativ egal sein, bei der erwähnten »lebendigen Stadt« macht es zumindest teil- und zeitweise den guten Ersteindruck zunichte.

Wenn es dann auch noch ruckelt wie zu besten N64-Zeiten, fragt man sich schon, ob es nicht auch 20 Figuren weniger getan hätten; erst recht, wenn diese schlecht programmiert versuchen, durch Wände zu marschieren oder Statisten-Stylee im Weg herumstehen und auf offenem Feld verhungern.

Überhaupt steht die Frage im Raum, was die Menschen- bzw. Gegnermassen zum Spielerlebnis beigetragen haben. Nach dem ersten »WOW« und »yeah, 2.000 Monster« bleibt spieltechnisch nämlich wenig übrig. Ob ich 10 oder 100 böse Buben aus dem Weg räume, macht kaum einen Unterschied, und ob mir nun 5 oder 50 Fußgänger begegnen, mit denen ich ja weiterhin nicht großartig interagieren kann, ist ebenfalls relativ egal.

Das Stichwort ist hier jedoch »Atmosphäre«, und die darf man keinesfalls unterbewerten. Denn auch wenn die Menschenmassen auf dem Schirm kaum Einfluss auf meine Aktionen ausüben und mich an allen Ecken und Enden die ewig-gleichen Figuren anglotzen — die schiere Masse schindet ganz gewaltigen Eindruck und lässt die Spielewelt um ein vielfaches lebendiger wirken.

Und die letzte Generation wie aus dem Technikmuseum.

Fazit 3 Mrd. Gegner:

Spieltechnisch beinahe irrelevant, trotzdem will ich nicht mehr ohne, sondern immer mehr, mehr, mehr, mehr, mehr…

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