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Musik: Miumi, DJ Scientist, Equinox, Mae Shi, R.E.M.

Man kommt ja vor lauter re:publica und Twitter und neuer Software (meine Rechner-Umgebung und damit auch meine Arbeitsweise hat sich in den ersten Monaten des Jahres drastisch verändert, dazu aber später mal ein längerer Artikel) kaum noch zu was, daher hier einfach mal im Schnelldurchlauf kurze Eindrücke dessen, was gerade durch meine Lautsprecher plärrt.

Miumi aus Wiesbaden [Home, MySpace] haben uns netterweise ihre wunderschön gemachte CD „blips“ zugeschickt, die darauf enthaltene Musik überzeugt mit leidenschaftlichen Soundlandschaften und Collagen. Ich gehe davon aus, dass die Combo sowohl mit Radiohead als auch mit Notwist (siehe auch) etwas anfangen kann, (auch Rock-) Gitarren verschmelzen mit eben jenen Blips und an manchen Stellen denkt man: So würden U2 klingen, wenn sie Brian Eno auch noch das Songschreiben überlassen hätten. Für meinen Geschmack wird etwas oft dicht an der Prog-Rock-Ecke musiziert, aber auf alle Fälle gibt es viel zu entdecken bei Miumi. Sehr schön!

In einer Kreuzberger Eckkneipe, in der ab und zu ein DJ Platten dreht, habe ich zum ersten Mal DJ Scientist [Home, MySpace] gehört, davor steckte ich ofenbar in einer meiner vielen musikalischen Bildungslücken. Der Mann lebt in Berlin und hat einen Hiphop-Geschmack, mit dem ich mich sehr gut anfreunden kann (als Einflüsse werden u.a. Pharcyde, Kurtis Mantronik, Eric B. and Rakim, Prince Paul, The Dust Brothers und KRS One gelistet). Ich habe zwar keinen Schimmer, wie man die DJ-Scientist-Art von HipHop nennt, der zwar eine Menge Oldschool-Einflüsse erkennen lässt (höre auch: sein Rap-History-1983-Mix), dabei aber durch sehr aktuelle Sounds absolut modern und wunderbar ernst klingt — aber es gibt sicher schon eine Wort dafür. Denn allein ist DJ Scientist mit seinem Sound nicht, über seine Site bin ich auf einige spannende Kollegen und das Equinox-Label gestoßen: Die sehr schön gemachte Compilation „One Year & A Day – The 5inch Files“ ist zwar in physischer Form leider ausverkauft, aber der Download ist frei. Beste Einstiegsdroge für Neugierige.

The Mae Shi [Home, MySpace] aus LA sind ja auf ihrer letzten Blogrunde auch bei uns vorbeigekommen und „Run to your grave“ läuft in einigen Berliner Radiosendern völlig berechtigt hoch und runter. Das Album „Hlllyh“ ging mir aber sehr schnell auf die Nerven, sorry dafür, ich hab die 80er selbst miterleben müssen und brauche das nicht nochmal. Jodelnder Männergesang und leicht hysterische Frauenstimmen zu Songs, die sich schon bei den ersten Klängen mit einem „Ist alles nicht ernst gemeint“ zu entschuldigen scheinen: Ganz nett, ja, und insgesamt auch grundsympathisch, aber irgendwie auch Zeitverschwendung. Vielleicht hör‘ ich nochmal rein, wenn die sich exmatrikuliert haben, vielleicht aber auch nicht.

In der Abteilung „Alte Säcke“ dann R.E.M. [Home, MySpace] mit „Accelerator“, einem Album, das ich noch vor zwei Tagen als „sehr gut“ bezeichnet habe, was ein großer Irrtum war. Denn die Platte ist schlicht und ergreifend grandios. Zwei, drei R.E.M.-typische Midtempo-Nummern, der Rest rockt dermaßen straight und voller Freude und wie immer ist es ein Fest, Michael Stipe zuzuhören, musikalisch wie inhaltlich. Der letzte Song des Albums, „I’m gonna DJ“ (inkl. Blur-eskem „Whoo-hoo!“), gehört zum Besten, was ich in den letzten Jahren gehört habe, die meisten anderen Bands hätten allein aus diesem Werk drei verschiedene Lieder gemacht. Und Hey!: Das Wort „Weblogs“ kommt im Text vor!

Death is pretty final
I collected vinyl
I’m gonna DJ at the end of the world!


Direkt

12 Kommentare

  1. 01

    REM?! Johnny, in mir sträubt sich wirklich alles… aber ich versuche jetzt mal nicht verbohrt zu sein und alle meine antrainierten Scheuklappen fallen zu lassen und werde mir zum ersten Mal seit einem gefühlten Jahrhundert freiwillig ein Album der Band mit den drei Buchstaben anhören. Und das nur weil ich deinem guten Musikgeschmack bis jetzt immer trauen konnte…schleim..

    Ich bin mir zwar ziemlich sicher, dass sich meine Grundeinstellung nicht ändern wird, aber ein Versuch ist es wert… Oh Gott! Ich habe Angst! Ernsthaft!

  2. 02

    @gero: Wenn du die nie mochtest, tu es nicht. :)

  3. 03

    da fällt mir jetzt irgendwie ein Stein vom Herzen. Schön, wenn man sich einige Konstanten erhalten kann…

  4. 04
    PiPi

    @http://download.djscientist.com/dj_scientist_-_raphistory_1983.mp3

    Vielleicht sollte man den Schlabber-Hosen tragenden
    ‚ey Yo‘ Jugend die Geschichte des Rap’s tatsächlich erklären.
    Musikgeschichte an sich ist wohl eher unpassend/uncool.

    Naja,
    Hauptsache ist, man hat Freude am Leben.

  5. 05

    @ gero: wohl bis jetzt nur „Shiny Happy People“ im Mainstream-Radio konsumiert?

    @ Johnny: schön, eine derart positive Besprechung der „Band you love to hate“ hier zu lesen. Deckt sich doch sehr mit meinem ersten Eindruck zum neuen Album. Auch wenn es „Accelerate“ heißt ;-)

  6. 06

    @O-Jay: Gerne! R.E.M. sind vielleicht Dinosaurier, bleiben aber bei mir in der Liste der wichtigsten Bands.

  7. 07

    Das hätte ich so gar nicht erwartet, da es heutzutage nicht wirklich hip erscheint, R.E.M. eine wesentliche Bedeutung beizumessen. Dinosaurier hin oder her, Alter sollte auch kein ausschlaggebendes Argument für oder wider die Qualität einer Band sein. Zumal Stipe & Co. in vielerlei Hinsicht immer am Puls der Zeit waren. Man sehe sich nur mal das exzessive Bedienen moderner Medien hinsichtlich des neuen Albums an.

  8. 08

    Trotzdem weiss ich nicht ob der Wetten Dass Auftritt verzeihbar ist.

    Hoechstens damit dass sie am August Bank Holiday Monday im Millennium Stadium spielen. Da wollte ich schon immer mal hin.

  9. 09

    @Armin: In welcher deutschen TV-Show hätten sie denn auftreten sollen? Gibt doch nix. Oder war’s so schlimm (hab’s nicht gesehen)?

  10. 10

    @Johnny Haeusler:

    Keine Ahnung. Ich kenn mich mit Deutschen TV-Shows ja nicht so aus ;-)

    Ich weiss nur dass laut so einigen Bloggern Wetten Dass und der olle Gottschalk inzwischen ziemlich schlimm sein sollen (war der nicht vor ueber 10 Jahren schon abgenutzt als ich den das letzte Mal gesehen habe?). Ob der Auftritt allerdings schlimm war weiss ich nicht, zum einen sehe ich so selten (aeh, nie) Deutsches Fernsehen, zum anderen ist der Auftritt in Erfurt erst morgen.

    PS: Aber mal was anderes, weiss jemand wo der Unterschied zwischen den einzelnen „Boxen“ ist die man sich bei http://www.supernaturalsuperserious.com/ runterladen kann? Das sind alles jeweils 250 MB zip files die trotz Broadband so ihre Zeit zum runterladen brauchen. Alles der gleiche Song in unterschiedlichen Variationen?

    PPS: Glasvegas haben einen Plattenvertrag. Yay!

  11. 11

    Armin:
    Das sind alles verschiedene Takes zum Download. Also das, was Du oben siehst, kannst Du unten downloaden.

    Und Du darfst die dann selbst schneiden und bei Youtube hochladen :)

  12. 12

    @Oliver:

    Hm, ich glaube das lasse ich dann doch sein. Der Song gefaellt mir ja schon, aber so sehr dann doch nicht.

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