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Mal kurz nachgedacht, Grüne

Angenommen es gäbe Wähler, die mit Hintergedanken für Grün stimmen. Zum Beispiel dem, dass man auf keinen Fall die CDU in einer Regierung sehen möchte. Was, liebe Grünen, passiert dann wohl mit diesen euren Wählern, wenn ihr Schwarz-Grün nicht mehr so richtig doof findet?

Bingo!

42 Kommentare

  1. 01

    Also, ich kenn da einen ziemlich gut, ehm, um ein paar Ecken, der… aber ob ich wählen will, was mit der Wahlomat seit Jahren einflüstert?

  2. 02

    Meine Oma hat auch bis in die Neunziger Jahre FDP gewählt, weil
    Opa ihr das zur Zeiten der Sozialliberalen Koalition mal so erklärt hat…

  3. 03

    @Stefan jaja. Nur: Gibt es wirklich Alternativen? Gysi find ich ja fast sympathischer als das Stehaufmännchen Lafontaine. Wobei die Grünen auch Anti waren aber eben doch FÜR was. Bei der Linken wird mir das unzureichend klar FÜR was sie sind. Gut, bevor sie FÜR was sein müssten vergehen auch wieder 5-10 Jahre.

    NETZpartei, jetzt? Oder was?

    #revolution

  4. 04

    Es gibt Wähler, die mit dem Hintergedanken für die Grünen stimmen, die CDU nicht in einer Regierung zu sehen? Ist das dann die Wahl des größten Neutrums, weil man sich mit den anderen Alternativen (mit denen das ja auch gelänge) überhaupt nicht anfreunden kann?

    Wählst Du so Johnny?

    Wenn ich mich hier auch mal als langjähriger Grünen-Wähler outen darf, so muss ich sagen, dass ich mit der sich anbahnenden Koalition in Hamburg auc nicht allzuviel anfangen kann, jedoch nicht, weil ich die CDU unbedingt vermeiden möchte, sondern weil deren Standpunkte sich nicht mit meinen decken und ich mich schon wundere, warum sie das mit den Grünen tun sollten. Insofern eine richtige Bemerkung, wie ich finde, aber die falsche Motivation aus meiner Sicht.

  5. 05

    Wenn Parteien immer so koalierten, wie ihre bisherigen Koalitionen bestanden haben, hätte es weder sozial-liberal, rot-grün oder die ein oder andere Ampel gegeben. Was ist denn die Alternative? Überall große Koalition? Oder noch besser: Hessen für den Rest des Landes?

    Eine Partei kriegt von ihren Wählern den Auftrag, die Politik, für die sie im Wahlkampf gestanden haben, möglichst getreu umzusetzen. Für kleine Parteien ist seit je her klar, dass dies nur in Koalitionen und eben doch eher ungenau geht. Und wenn man dann keine unüberbrückbaren Hindernisse sieht, mit einem vormals nicht grade geliebten Koalitionspartner zusammenzugehen, dann macht man das – eben weil ein Teil der Vorstellungen umsetzen immer noch besser als gar nicht ist.

    (Ganz abgesehen davon, dass gewisse Teile von CDU und den Grünen durchaus dichter beieinander sind als dies bei gewissen anderen Teilen von Grünen und SPD der Fall ist.)

  6. 06

    @robert: Wahlentscheidungen bestehen m.E. immer aus dem, was man will, und dem, was man nicht will. Insofern sind meine Entscheidungen auch (auch) von denen geprägt, die ich nicht will, na klar.

    Bei dir doch auch: “ „¦sondern weil deren Standpunkte sich nicht mit meinen decken „¦“. Du wählst deswegen nicht die CDU und willst sie daher auch nicht in der Regierung (interpretiere ich jetzt einfach mal).

    @einbecker: Inzwischen kann doch wirklich fast jeder mit jedem.

  7. 07

    @Johnny Haeusler: Das ist richtig interpretiert und stimmt voll und ganz, was Du sagst. Ich wähle aber eben nicht nur die Grünen, weil ich die CDU nicht ind er Regierung sehen will, sondern in erster Linie, weil deren Programm (und ja, das lese ich tatsächlich ;) ) die höchste Deckung mit meinen Vorstellungen aufweist. Ich hab mich nur ein bisschen an der Formulierung im Artikel gestört, die wurde aber ja durch Deinen Kommentar wieder relativiert.

    Muss auch sagen, dass wenn die CDU morgen ein Wahlprogramm aufstellen würde, das mich mehr anspricht, käme sie für mich aus der „No Way“-Ecke auch heraus. Bin also kein „Die Partei ging noch nie und geht gar nicht“-Wähler. Das vielleicht als Relativierung zu meinem Beitrag ;)

  8. 08

    ich bezweifele ernsthaft, dass es viele Grünenwähler gibt, die so denken, wie von dir beschrieben, Johnny.

  9. 09
    Flo

    Grundsätzlich ist das ja schon in Ordnung zu sagen, dass man Grün wählt damit die CDU nicht regiert. Aber und das ist der entscheidende Punkt, wenn die Grünen zusammen mit der CDU ihre Ziele umsetzten können ohne dabei von ihrer Linie abzuweichen, zu große Kompromisse einzugehen, finde ich das schon in Ordnung. Das ist halt unsere Demokratie. Mehr sagte doch auch Trittin nicht. Es geht nur um die Umsetzung Grüner Interessen und den grünen Einfluss auf den Koalitionspartner.
    Eben darum halte ich es auch für unwahrscheinlich dass so etwas wie in Hamburg auf Bundesebene passiert könnte.

  10. 10

    Ich stelle jetzt mal die These auf, dass die Grünen mit der CDU mehr von ihrem Wahlprogramm verwirklichen können als mit der SPD. Warum? Gerade weil die Unterschiede in vielen Punkten sehr gross sind. In einer rot-grünen Koalition sind sich beide Partner zu ähnlich und verschleissen sich in Profilierungskämpfen. Mit der CDU können die Grünen sagen: wir fordern das und das, das ist unseren Wählern wichtig, lasst uns das umsetzen, mischt euch da nicht ein – dann mischen wir uns auch nicht in eure Themen ein.
    Das war die Theorie. Die Praxis können wir ja jetzt bald beobachten.

  11. 11

    Das ist die gleiche Situation, die ich als (ehemaliger?) SPD Wähler mit der Hessen-Linke-Koalition habe. Ich wähle weil ich was will und weil ich was nicht will. Das „Lustige“ ist ja jetzt, dass Schwarz-Grün eine alternative für Leute wie mich darstellt (die Beck nicht wählen wollen). Hach, das war früher einfacher…

    @Fragezeichner: Das sehe ich anders, nicht zuletzt weil wenn man weiter auseinander steht, der Weg weiter ist um zusammenzufinden.

  12. 12
    yeda

    Warum kann denn jeder mit jedem? Die machen alle die gleiche neoliberale Dreckspolitik. Irgendwann in den 90ern hat da mal eine gewaltige Gehirnwäsche eingesetzt und jetzt sind sich alle Politiker allesamt in der Wahl aller absolut notwendigen Reformen absolut sicher. Und wenn die nicht wirken, waren es halt nicht genug Reformen. Kompletter Austausch der Parteienlandschaft, Zerschlagung des Meinungskartells und in gewisser Weise auch wieder konservative Politiker, die noch wissen, daß „konservativ“ von conservare also konseriveren kommt (und damit ist nicht das Konto in Liechtenstein gemeint), das benötigen wir.

    Echauffage beendet. Boah, so n Hals, ey.

  13. 13
    Einzeiler

    altes und neues bürgertum gehen zusammen.

  14. 14

    @nilsn: der Weg ist weiter, ja. Aber in Hamburg sind sie ihn ja jetzt gegangen. Wer weiter auseinander steht, kommt sich auch weniger in die Quere…

  15. 15

    stimme @einzeiler zu. die grünen samt ihren wählerInnen geben mir seit einigen jahren das gefühl, zu den elitären kreisen des bürgertums zu gehören: nicht mehr ganz jung, gut situiert, gebildet und in führungsfunktionen in gesellschaft und wirtschaft. sozialliberal, aber nach unten schon mal angewidert gucken. von rebellischen positionen ist da nicht mehr viel zu spüren. die grünen sind im bürgertum angekommen und können nun auch koalitionen mit dem alten bürgertum-vertreter cdu eine zweckehe eingehen.

    schwierig könnte irgendwann die position der fdp werden, glaube ich jedenfalls. die grünen scheinen mir im moment dynamischer, als sich die mannschaft um westerwelle wünscht. will sagen: die grünen klauen vermutlich der fdp marktanteile.

    ich bin schon lange nicht mehr sympathisant der linken. deren arbeit ist mir zu polemisch/demagogisch. leider. aber die politikerInnen von spd, cdu, fdp und grünen müssen sich wohl langsam an diese 5. partei gewöhnen. ich habe sogar den eindruck, dass sie das längst tun und indem die orientierung an neuen koalition-modellen ja offensichtlich schon begonnen hat.

  16. 16

    @Fragezeichner (14): Auf Landesebene sind die Themen auch andere als auf Bundesebene. Aber wir werden es ja erleben…

  17. 17

    Die Wähler, die Grün gewählt habe, weil sie CDU verhindern wollen, werden durch die ersetzt, die jetzt Grün wählen, weil sie damit der CDU etwas mehr Ökologie injezieren können.

    Wer taktisch wählt, hat nur keine eigene politische Meinung.

  18. 18

    @Johnny Haeusler: Und wo ist dann genau das Problem, wenn die Grünen mit der CDU zusammengehen?

    (Kann natürlich schaden, was die Wähler angeht, schon klar. Aber nüchtern betrachtet ist es die einzige Hamburger Koalition, die wirklich Sinn ergibt nach diesem Wahlergebnis.)

  19. 19

    Wer Wähler und deren Beweggründe imaginiert, verrennt sich. Das Wahlvolk ist die Black Box der Politik – Demoskopie hin oder her.

  20. 20
    Daniel

    Dieses Gefühl habe ich auch zunehmend: dass die Partei „die Grünen“ mittlerweile zu einem Weg für ein junges, hippes Bürgertum geworden sind, den New York-Flug mit dem guten Gewissen und Prenzlauer Berg-Lifestyle mit einem bürgerlichen Elitenbewustsein zu verbinden. Wirklich schade.

  21. 21
    Maltefan

    Kleine Parteien hätten ja überhaupt keine Existenzberechtigung, wenn es ihnen nur erlaubt wäre, mit ganz bestimmten großen Parteien zu koalieren. Dann kann man ja auch gleich die große wählen. BTW richtet sich die FDP auf diesem Wege ja grade selbst hin.

  22. 22
    Thomas

    Da ich die CDU, einfach nicht in der Regierung haben will kann ich die Grünen wahrscheinlich auch nicht mehr wählen.

    FPD / CDU sind grundsätzlich Ausgeschlossen, wg. völliger Unvereinbarkeit mit meinen Vorstellungen.

    Es verbleiben Die Grünen, SPD und die Linke.

    Die SPD auch bekannt als CDU lässt sich nicht wählen. Da sie ihre Politik nur noch geringfügig von der Politik der CDU unterscheidet.

    Die Entfernung haben nun Endgültig ihre Seele verkauft, fallen daher auch raus.

    Toll die Linke, wählen will ich die eigentlich nicht. Leider gehen mir die Alternativen aus …

    Die Jugend zeigt kein Interesse an Politik ? Woher mag das kommen ? Vielleicht daran, das man nach einiger Zeit nur zu dem Schluss kommen kann das 99 & der Politiker einfach nur Geil auf Macht sind ?

    Bei NGO die politisch keine Position beziehen, amnesty international z. B., kann ich als Mitglied einer Ai Jugendgruppe ein starkes Interesse der Jugend, von Heute, feststellen.

  23. 23

    Nachdem der Originalkommentar (wohl wg. Link) im Filter gelandet ist, versuche ich es nochmal ohne: auf der Seite der Hamburger Grünen gibt es inzwischen den kompletten Koalitionsvertrag — als Diskussionsgrundlage auch hier sicher nicht ganz uninteressant.

  24. 24

    Achtung. Lang.

    @Till: Nee, Links werden nicht gefiltert, da muss irgendwas mit dem html-Tag nicht gestimmt haben. Sorry dafür. Tipp den Link einfach mal direkt in einen Kommentar, sollte dann automatisch verlinkt sein.

    Apropos Links (Ha. Ha. Ha.):

    Die Darstellungen der Grünen als „bürgerliche“ Partei sind sicher richtig, aber: So what? Das Bürgertum sehe ich nicht als Elite (und würde es auch nicht so definieren, wie jensjetzt das tut — vielleicht braucht der Begriff eh mal eine zeitgemäße Definition) und ich sehe im eigenen Kiez und im Bekanntenkreis, dass es ein paar gewaltige Unterschiede gibt zwischen einem CDU-Bürgertum und einem Grünen-Bürgertum.

    Mir ist recht schnuppe, *wer* wen wählt, solange ich mich mit möglichst vielen Zielen einer Partei anfreunden kann. Ich halte (aus sehr lokaler Sicht und Erfahrung) die Grünen für die Partei, der ich wenigstens Interesse und Engagement bei den Themen zuspreche, die mich interessieren. Das sind so „bürgerliche“ Themen wie Bildungspolitik, Stadt- und Bezirksentwicklung und Immigrationsfragen, und auch im Bereich der Netzpolitik sind die Grünen wenigstens auf einem Weg, auf dem ich keine andere Partei sehe — widersprecht mir bitte, wenn ihr mehr wisst, denn auch wenn es so klingt: Ich bin kein Parteimitglied und ärgere mich auch oft genug über die Grünen.

    Ich bezweifle aber stark, dass Ziele der Grünen gemeinsam mit der CDU umgesetzt werden können. Ich halte das für Anbiederung auf beiden Seiten, die in der Praxis zu entsetzlichen Kompromissen führen wird. Vielleicht bin ich da zu visionslos — ich bin halt mit den Grünen (bzw. der damaligen AL, der Alternativen Liste) „aufgewachsen“ und habe meine Entwicklung in eine wie auch immer geartete Bürgerlichkeit vielleicht genau parallel mit der Partei vollzogen. Ich habe wenig Ahnung, wie das jüngere Menschen alles empfinden und einschätzen. Und gleichzeitig habe ich die CDU als Pack von bigotten Machtgeiferern hassen gelernt — ich habe 16 Jahre Kohl ertragen müssen, das vergisst man nicht. Die individuelle Sozialisierung, die man ja vom Gegenüber nicht kennt, sollte man eh immer im Hinterkopf behalten bei Partei-Diskussionen.

    Die Linke „¦ ich bin froh, dass es sie gibt. Bevor sie „meine“ Partei werden können, werden jedoch noch ein paar Jahre ins Land gehen. Wenn es sie dann noch gibt, denke ich nochmal darüber nach. Lafontaine traue ich keinen Steinwurf weit, Bisky schon eher. Und Gysi kann ich überhaupt nicht mehr einschätzen. Was man ansonsten von der Linken sieht und hört, finde ich dermaßen unsouverän und auf eigene Art kleingeistig, dass es mich an die Frühzeiten der grünen Partei(en) erinnert, was ja wiederum auch Gutes für die Zukunft verheißen könnte.

    Bevor ihr mich jetzt haut: Ich fühle mich mit keiner Partei derzeit auch nur zu 75% wohl. Mein Herz wünscht sich noch immer eine starke und klare SPD, doch den Zahn habe ich verloren, nachdem er jahrelang gewackelt hat. Und vielleicht liegt es an den Erfahrungen im Netz, dass ich davon überzeugt bin, dass alle bestehenden Parteien in einer Zeit leben, die es seit mindestens 10 Jahren nicht mehr gibt (Ausnahme: Die rechten Parteien, die sich das Mittelalter zurückwünschen).

    Insofern werden Postings wie dieses auch immer mit einer gewissen Ratlosigkeit getippt. Mich überrascht oft, wie sicher andere Kommentatoren Parteien einschätzen und bewerten können — bei mir scheint das immer eher Hoffnung und Vermutung mit einem Schuss persönlicher Erfahrung zu sein, was einfach nicht reicht, wenn man ehrlich ist. Und Spreeblick-Kommentar-Diskussionen wie diese machen mir immer sehr viel Spaß, da ich selbst daraus viel ziehen kann.

    Und trotz vorhandener Sympathien: Bitte jetzt nicht wieder die Piratenpartei ins Spiel bringen. Das Leben existiert auch außerhalb des Netzes, manche behaupten sogar, vornehmlich, und so sehe ich die Piraten (noch?) als „Nischenpartei“, ähnlich den spezialisierten Parteien für Senioren. Das reicht mir nicht.

    Achja, dann gibt es ja noch den Aspekt von Attac als mögliche Partei. Von allem, was ich bisher von „Insidern“ gehört habe, werden die das leider nie gebacken bekommen.

    Das grundsätzliche Problem scheint mir zu sein: Wer parteipolitisch arbeitet, muss scheinbar entweder von an Naivität grenzendem Optimismus und einer stoischen und damit fast lähmenden Geduld beseelt sein oder sehr macht- und karrierehungrig sein. Beides mag man nicht wirklich wählen.

    Die erste Partei, die das Märchen der Vollbeschäftigung als Lüge eingesteht und vor allem erklären kann, dass das gar nicht so schlimm sein muss, wie wir alle denken; die erste Partei, die nicht mehr von „Arbeit“ sondern von „Aufgabe“ spricht; die erste Partei, die einen Entwurf („Vision“ war mir zu unrealistisch) einer zukünftigen Gesellschaft präsentieren kann, statt das Abbild einer vergangenen zu verkaufen — diese Partei hat große Chancen auf meine Stimme.

  25. 25

    Vermutlich liegt genau dort das Problem, es gibt in der heutigen Zeit nunmal keine Utopien, Visionen, Entwürfe mehr, weil die Vergangenheit eben gezeigt hat, daß sich eine Gesellschaft nicht entwerfen lässt, sondern Stück für Stück aus dem täglichen Prozessen unseres Zusammenlebens entsteht.

    Das ist in der politischen Praxis inzwischen weitestgehend angekommen und darum versuchen dir Parteien schlicht ihre Vorstellungen und die Vorstellungen ihrer Wähler so weit und so pragmatisch wie möglich umzusetzen, fern von ideologischen Scheuklappen.

    Die Wähler, die das noch immer nicht einsehen wollen werden sich früher oder später eben bei den Protest-Linken sammeln, zumindest solange bis auch die einmal in einer irgendwie gearteten Koalition an die Macht kommen, an ihren Versprechungen und Visionen scheitern (und das werden sie!) um anschließend von eben jenem Wählerklientel wieder verlassen zu werden, genau wie jene Wähler erst die SPD und inzwischen wohl auch die Grünen hinter sich gelassen haben…

  26. 26
  27. 27

    Ich denke, die Grünen haben schon eine Zukunft, aber die kommt nicht von alleine. Die Partei hat sich aufgerieben in Kleinkriegen um Logos und Sozialpolitik, hat jahrelang unter schlechter Führung gelitten und dabei ihre eigentliche Kernkompetenz – zukunftsgerichtete linke Politik von unten – aus den Augen verloren. Wenn die Grünen nun einen Generationswechsel hinbekommen und beginnen, sich als aktiven Teil des Parteienspektrums zu begreifen, haben sie m.E. das Schlimmste überstanden.

    Eine Koalition mit der CDU mag teilweise problematisch sein – aber wenn die CDU realisiert, dass bestimmte Sachen mit den Grünen einfach nicht laufen (Spendenskandale, Ökoskandale, Angriffskriege), dann klappt das schon. Ole von Beust ist nicht Roland Koch.

  28. 28
    guido

    und ob sich gesellschaft entwerfen lässt. 1933-45 ist ein gesellschaftsentwurf. die nachkriegszeit ebenso. gesellschaftliche veränderungen werden durch grosse umbrüche geprägt und sind keine kontinuierlichen prozesse.

    am meisten macht der politik heute der reibungsverlust zu schaffen. dass die gesellschaftlichen gegenentwürfe zum kapitalismus quasi völlig abhanden gekommen sind, erweist sich heute eher als politisches handicap, denn es besteht keine ernsthafte notwendigkeit mehr der welt neben seiner wirtschaftlichen auch seine sozial- und gesellschaftspolitische überlegenheit zu beweisen. somit entfällt auch die notwendigkeit, alle gesellschaftlichen kräfte diesem ziel unterzuordnen.

    dass der zustand politischer erschöpfung immmer wieder so lange dauern muss, bis etwas zu bruch geht, ist wohl eher ein psychologisches problem, von dem auch die grünen nicht frei sind.

  29. 29
    Harm

    Ich finde jegliche Diskussion um Inhalte bestehender Parteien (z.B. der Grünen) ja sehr vorbildlich. Mich interessiert all dies aber nicht mehr so sehr.
    Seien es Diskurse, wie und wann nun genau die Vollbeschäftigung kommt, ob die Bahn komplett, oder erstmal nur zu 24,9% privatisiert wird; „uneingeschränktete Solidarität im Kampf gegen den Terror“, oder nur Luftwaffe für Wärmebild-Aufklärung, inkl. die überfallenen Völker im Regen stehen zu lassen, wenn 4 oder 40 Berufssoldaten dann doch ihr Leben lassen müssen; kleiner oder grosser Lauschangriff?; relativ absurd oder total absurd? – ich vermisse bei dem gelebten politischen Handeln doch arg den „gesunden Menschenverstand“, ja, teilweise auch jegliche Logik.
    Parteiprogramme mögen ja ganz überzeugend sein. Solange das Personal, die Menschen dahinter, sich nicht in meiner Definition von Ehrlichkeit und Realität bewegt, drücke ich politikmüde den „ungültig“-Button am Wahlomat.

    (dieser Kommentar ist offizieller Teilnehmer am „Europe Challenge for abenteuerlichste Zeichensetzung 2008“)

  30. 30

    Nachdem ich grade mein Schachtelsatzposting gelöscht habe nur so viel: Ja, die Sozialisation ist entscheidend. Schröder hat bei uns Jüngeren auch des öfteren viel Frust aufgebaut (Russland…), weshalb es in unserer Generation da wenig fertige Meinungen gibt. In meinem (eher medizinisch-ingenieurmäßig geprägtem) Freundeskreis halten sich Grüne, CDU und SPD in etwa die Waage, und es gibt genug Wechselströmungen untereinander. Ich finde es nur begrüßenswert, das die Parteien inzwischen (größtenteils) aufeinander zugehen und auch neue Wege gehen, um ihre Ziele zu erreichen.

    (Und das mit keiner politischen Heimat kann ich voll unterschreiben. Manchmal wünschte ich mir die alte, liberale (im eigentlichen Sinne) FDP (ohne Altnazis) in Verknüpfung mit vielen grünen Ideen herbei, dabei aber zukunftsinteressiert und weltoffen. Hach.)

  31. 31
    Peter H aus B

    Wer wählt denn noch Grün? Doch wohl nur Nostalgiker..?

    Wie sagt der Thai?
    Grün, rot, schwarz = same,same, only different!

  32. 32

    @guido:
    Gut, dann lass es mich umformulieren:
    Geplante Gesellschaften sind zum Scheitern verurteilt, wie es eben das Dritte Reich war.
    Die Nachkriegszeit dagegen ist ganz sicher keine entworfene Gesellschaft, ich zumindest habe noch nirgendwo von einem großen Masterplan für die Nachkriegszeit gelesen, auch die Teilung Deutschlands war eine Entwicklung, die so nicht geplant war, sondern sich allmählich entwickelt hat über mehrere Jahre hinweg.

    Klar verändern sich Gesellschaften auch durch große, plötzliche Umbrüche, doch auch diese sind Folge allmählicher Entwicklungen, die zu diesen großen Umbrüchen hinführen (dem Fall der Mauer gingen auch mehrere Jahre Glasnost & Perestroika voraus).
    Geschichte findet ja nicht im luftleeren Raum statt!

  33. 33

    @Dennis: Ich glaube ebenfalls nicht, dass sich eine Gesellschaft planen lässt, doch ich erwarte von einer Partei ein gewisses Modell, eine Vorstellung, auf die man sich zubewegen kann. Denn sonst ist alles nur noch Reaktion. Ich erwarte aber Aktion.

  34. 34

    Aus süddeutscher, vollkommen schwarz-grün ungefährdeter Sicht lehne ich mich zurück, gucke, wie grün schwarz-grün wirklich ist und bin froh über eine neue Farbkombination in der politischen Landschaft… Schade einzig, dass es wohl etwas weniger Unterschiede geben wird zwischen Ampeln, Jamaika und Schwarz-Grün

  35. 35

    Johnny, Dein Posting besteht eigentlich aus genau zwei Sätzen:
    Nr. 1: Angenommen es gäbe Wähler, die mit Hintergedanken für Grün stimmen.
    Nr. 2: Zum Beispiel dem, dass man auf keinen Fall die CDU in einer Regierung sehen möchte.

    Zu Nr. 1: Das mag vorkommen. Das ist sogar zu hoffen.
    Zu Nr. 2: Das ist der falsche Ansatz. Sinnvollerweise wählt man eine Partei, um möglichst viel von ihrer Programmatik in gestalteter Politik wiederzufinden. Wenn man eine Partei wählt, um eine andere Partei auf jeden Fall nicht an der Regierung zu sehen, dann hat man das Wahlsystem der Bundesrepublik mißverstanden.

  36. 36
    corax

    @nordlicht: Damit ich das klar sehe.
    Ich nehme jetzt mal ein ganz abstruses Beispiel mit völlig unrealistischen Zahlen.
    Angenommen die NPD hat bei einer Wahl die ansteht laut Umfrage 40%.
    Die Sozis liegen ebenfalls bei 40%. Ich bin großer Anhänger der KPD oder halt „žLinken“ und die liegen bei knapp 4%.
    Dann ist jetzt genau Was? von mir sinnvoll?

  37. 37

    @knutfinke: Folge mir mal in nem Gedankenerperiment.

    Wenn dir 1984 jemand gesagt hätte: „Ein grüner Außenminister wird die Bombardierungdie Jugoslwiens durch NATOflugzeuge mittragen.“ hättest du ggf. Sorgen um dessen geistige Gesundheit gehabt. (Bei der Voraussage einer CDU-Koalition hättest du gar keine Zweifel am Gaga-Faktor gehabt.)

    Ich sag mal so: Sobald die NPD 40% hat, ist sie auch fit für ne große Koalition. Sagen wir: 2025.

  38. 38
    corax

    @oliver gassner: So eine Antwort hatte ich befürchtet. Ich sprach ausdrücklich von völlig unrealistischen Zahlen und (beliebig austauschbaren) Parteikonstellationen nur um die These zu klären, ob es für jemanden möglicherweise sinnvoll ist Cholera statt Pest zu wählen obwohl er lieber Schnupfen nehmen würde. Aber das Abstraktionsvermögen scheint einigen nicht gegeben.

    Dein letzter Satz bedeutet also, wenn eine rechtsextreme Partei einen bestimmten Wähleranteil erreicht hat (ich gehe von gleichbleibendem Programm aus) ist sie nicht nur wählbar, sondern auch ein völlig legitimer Koalitionspartner?

    Können wir zurück zu Nr. 36?
    Abstimmung: Etwa 40% wollen „Bügeln und staubsaugen“, etwa 40% wollen „Picknick am Strand“ und ich will eigentlich „Lesen auf Couch“ lieg aber mit ca. 4% hinten. Mit dem Abstimmungsergebnis muss ich leben.
    Irgendwelche Vorschläge für mich?

  39. 39

    @corax: Mein letzter Satz bedeutet nur was im Kontzext mit dem ersten :) eine rechtsextreme Partei mit 40% ist (hoffentlich ;) ) genausowenig Rechtsextrem, wie eine GRÜNE mit 10% offenbar radikalpazifistisch udn Radikalökologisch ist.

    Ansonsten: Das leben ist voller Kompromisse. Ich schlage ‚Lesen am Strand während ddie anderen Picknicken, nachdem wir gemeinsam gebügelt und gestaubsagt haben‘ vor ;) [Gestaubsaugt hab ich heute schon, dann musste nur noch bügeln ;)]
    Walhweise müsstest du dich entscheiden, eben NICHT zu wählen und die die Chose an einem Körperteil viorbeigehen zu lassen. Eine Option, der offenbar nicht wenige Leute zuneigen, die aber natürlich unproduktiv ist.

    Anders gesagt: Dein Problem ist nicht lösbar, und dass Politiker, nachdem sie gewählt wurden, machen was sie wollen, oder gar müssen, ist halt auch nicht neu.

    Andererseits hatte ich auch ne grobe Ahnung, wie diese Große Koalition verlaufen könnte (während ich sehr geheim besseres hoffte) und fand die Haltung der FDP behämmert. So arg schief lag ich rückblickend nicht.

    Aber ggf. lernen die ‚Pols‘ ja, dass sie halt sagen: „Wir koalieren am schkuls mit dem, mit dem wir unsere Politik am besten durchsetzen können und sorgen dafür, dass Verfassngsfeinde erst gar nicht zur Wahl antreten. alle anderen sind dann kolaitionsfähig. Punkt.“

    Das lernen dann auch die Wähler.
    (Aside: Obama wird ja wohl Clinton nghemen müssen oder Clinton Obama, wenn sie Präsi werden wollen, das könnten sie nicht, wenn sie sich aktuell ZU hart beharken…)
    [Dieses Inputfeld läuft massiv langsam, ich verzichte auf ne weitere RS korr.]

  40. 40

    @corax (36): Dann kann es sinnvoll sein, die Sozis zu wählen. Zur Rettung der Welt respektive des Abendlandes ist es durchaus in Ordnung, von dem von mir vertretenen Prinzip abzuweichen. Diese Situation hatten wir aber in Hamburg nicht. Deswegen habe ich mein Posting so gemacht, wie es da steht.

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