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Netz gegen Nazis: Interview mit Moritz Müller-Wirth

Netz gegen NazisAm Montag startete Netz gegen Nazis, eine Plattform der Zeit gegen, na, Nazis eben. Interview mit Moritz Müller-Wirth nach dem Dingens.

Spreeblick: Netz gegen Nazis will, so schreiben Sie, informieren und nicht agitieren. Gleichzeitig bieten Sie Vernetzungsmöglichkeiten an für Menschen, die aktiv gegen Nazis handeln wollen, und geben auch praktische Ratschläge. Außerdem haben Sie Aktionen angekündigt. Ist Netz gegen Nazis als Antifa-Plattform für Leute mit Wohnzimmer konzipiert?

Müller-Wirth: Definitiv nicht. Wir wenden uns mit unserer Plattform an alle, die im Alltag mit dem Rechtsextremismus befasst sind. Wir sind keine Aktivisten, sondern sehen unseren Auftrag darin, eine möglichst breite Öffentlichkeit zu informieren — und möglichst vielen Menschen die Gelegenheit zu geben, sich untereinander auszutauschen und zu helfen.

Spreeblick: Wie werden die Aktionen aussehen?

Müller-Wirth: Unsere Aktionen, die wir auf der Plattform anbieten, haben eher spielerischen Charakter: so rufen wir unsere User auf, sich mit unserem downloadbaren Plakatmotiv fotografieren zu lassen — oder Videos hochzuladen, in denen sie begründen, warum sie gegen Rechtsextremismus sind.

Spreeblick: Inwiefern arbeiten Sie mit anderen antifaschistischen Initiativen zusammen?

Müller-Wirth: Wir haben mit einer ganzen Reihen von Initiativen und Organisationen beim Aufbau unseres Portals zusammengearbeitet — und dabei nicht darauf geachtet, ob sie sich als antifaschistisch bezeichnen oder nicht. Eine genau Liste findet sich auf der Seite. Wir haben außerdem rechtzeitig vor Start des Projektes maßgebliche Initiativen, die sich gegen Rechtsextremismus wenden, angeschrieben — und sie aufgefordert, uns kurze Selbstdarstellungen zu schicken, damit wir in unserem Bereich „Was können wir tun?“ auf ihre Arbeit und ihr Engagement hinzuweisen.

Spreeblick: Inwiefern sind die Mitinitiatoren involviert? Gibt es jenseits der massenwirksamen, symbolischen Aktionen wie zum jetzigen Bundesligaspieltag ein Engagement?

Müller-Wirth: Alle unsere Partner starten innerhalb der drei Monate in ihrem jeweiligen Bereich eigene Aktionen, die Feuerwehr wird in einer Aktionswoche auf das Portal hinweisen und ihre Mitglieder auffordern sich zu bekennen. Die VZ-Gruppe (studiVZ, schülerVZ, meinVZ) wird eigene, weit gehende Schritte zur Bekämpfung rechtsextremistischer Gruppen in der Community einleiten. Der DFB und der DOSB bereiten neue Internet- und Printangebote vor, die sich mit dem Thema beschäftigen. Der öffentlichkeitswirksame Teil ist wichtig, noch wichtiger jedoch ist das, was an der Basis passiert.

Spreeblick: Als ich gestern Mittag auf der Seite war, schien es so, als wären Sie von eher rechtslastigen Kommentatoren geflutet worden – inzwischen scheint sich das Kommentatorenfeld ein bisschen aufzufächern. Wie gehen Sie jetzt und in Zukunft mit rechten Kommentatoren um?

Müller-Wirth: Wir beobachten das sehr genau — und sind, Stand im Augenblick, sehr erfreut, dass eine demokratische Mehrheit den rechtslastigen Kommentaren entschieden begegnet. Das kann sich jedoch von Minute zu Minute ändern — wir sind jedoch darauf vorbereitet und können rasch reagieren.

Spreeblick: Das Projekt läuft jetzt erst einmal drei Monate, danach sollen die Erfahrungen gedruckt und in Schulen und Vereinen verteilt werden: Warum bleiben Sie nicht länger im Netz?

Müller-Wirth: Niemand hat vor „Netz gegen Nazis“ nach drei Monaten aus dem Netz zu nehmen. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass ein komprimierter, zeitlich begrenzter Aktionszeitraum ein guter Motor für ein eher möglicherweise leiseres Weiterlaufen einer solchen Aktion ist. Die Inhalte von „Netz gegen Nazis“ werden auch nach den drei Monaten immer weiter entwickelt und genutzt werden.

Spreeblick: Wie stehen Sie zu militanten Antifa-Aktivisten?

Müller-Wirth: Da zitiere ich aus unserem Mission-Statement: Wir grenzen uns ab von allen, die die Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung befürworten, die selbst rassistische, antisemitische oder andere menschenverachtende Denkmuster transportieren. Wir lehnen alle Formen von Gewalt ab.

26 Kommentare

  1. 01

    Wird bestimmt ganz viele Nazis bekehren, mein Video und mein Foto mit „downloadbarem Plakatmotiv“.
    „Netz gegen Nazis“… Wieso nicht gleich „Zeitungen gegen Nazis“, „Fernsehen gegen Nazis“, „Radio gegen Nazis“ oder „Bücher gegen Nazis“?
    Was für ein Schwachsinn…

  2. 02

    Warum Schwachsinn, Christoph? Nenn mal einen rationalen Grund statt Polemik und schau dir die Seite erst mal genauer an.

  3. 03
    Onkel Doktor

    Yup, „braunen Geist“ vertreibt man nicht mit Plakaten und Videos. So schlau sind die Macher von der Website sicher auch. Davon kann man ausgehen. Aber die Seite macht für mich viel Sinn, weil Sie relevante Themen aufgreift (Super Idee mit den 12 wichtigsten Fragen!!!) und das diskutieren lässt.

    Wenn ich also beispielsweise mal auf so eine „CD-Verteilaktionen“ treffe (hab ein Kind in einer Berliner Schule…), wird es mich bestimmt nicht mehr überraschen bzw. zu Ratlosigkeit führen. Ich weiß jetzt, in welchen Rahmen das abläuft und wie man der Aktion begegnen kann.

    Das ist wie beim 1. Hilfe Kurs… Wenn du mal plötzlich einem verunfallten Menschen versorgen musst, weißt du, was ich meine ;-)

  4. 04
    Martin

    Hi, Christoph,
    was ist daran nicht zu verstehen? ist doch völlig normal: der Kampf gegen die (z.B.)gewaltbereiten Berliner „Nazis“, immerhin schon fast 0,007% der Bevölkerung muß halt vorangetrieben werden, man gönnt sich ja sonst nichts. Und die feigen Vermummten von antifa und diversen Gruppen, die sich so todesmutig der rechten Gefahr entgegenstemmen falls die Polizei sich dazwischen postiert hat, muß man auch immer wieder antreiben. Schließlich ist auch jede Menge Geld zu verbraten..
    Und: warum soll man sich nicht in diesem „Netz“ arbeiten, wenn man sonst keine Job hat? Mutig auf Nazis, hilfsweise Fascho´s herumhacken ist immer noch besser als am Alex zu betteln oder Komasaufen zu üben.
    Q.E.D.

  5. 05

    @Martin: Was genau meinst du? Es gibt kaum Nazis und wer anderer Meinung ist, ist ein Penner?

    Hm. Vielleicht sollte man sowas einfach löschen statt auf Klarheit zu hoffen.

  6. 06

    Das grösste Problem bei diesen Anti-Nazi Seiten ist, das dort garantiert sofort wieder die üblichen Grabenkämpfe losgehen. Frei nach dem Motto „Alle die nicht so denken wie ich sind Nazis!“.

    Kommunikation ist doch mit den meisten „Nazi-Jägern“ gar nicht möglich, man muss nur mal drauf hinweisen das die „Junge Freiheit“ rechtskonservativ und nicht rechtsradikal ist, oder sagen das Odin keine Nazi war oder bei einer Nachricht vom Typ „Mädchen überfallen und mit Hakenkreuz verschandelt“ anmerken das es sich da im Normalfall um eine Selbstverletzung handelt …

    Positiv anmerken muss ich aber schon, das sich diese Seite deutlich über dem üblichen Antifa Niveau befindet. Das Lexikon ist nicht schlecht, scheint auch bitter nötig bei Fragen wie „Soll ‚Mein Kampf‘ verboten bleiben?“ im Forum (‚Mein Kampf‘ ist nicht verboten, nur Kopiergeschützt).

  7. 07

    Ich nehme das Problem durch die neuen Rechten durchaus ernst, sehe das also anders als Martin. Auf der Website wird auf Fragen wie „Ich weiß von einem geheimen Nazikonzert, was soll ich tun?“ Antworten gegeben wie: „Gib die Informationen an linke Organisationen wie die Antifa weiter“.

    Außerdem werden die Neo-Nazis dort schlicht nicht ernst genommen. Man sieht sie als tumbe Zombies, die auch andere infizieren wollen; dabei gibt es durchaus welche, die ihre Ansichten begründen können – mit mehr Inhalt als so mancher „Linker“ auf der selben Seite.
    Gerade wenn Müller-Wirth sagt: „Wir sind keine Aktivisten, sondern sehen unseren Auftrag darin, eine möglichst breite Öffentlichkeit zu informieren — und möglichst vielen Menschen die Gelegenheit zu geben, sich untereinander auszutauschen und zu helfen.“ passt der größenwahnsinnige Titel „Netz gegen Nazis“ nicht.

    Mit „Schwachsinn“ meinte ich genannte Aktionen, nicht die Seite an sich (bei der nur den Titel), eine (weitere) Infostelle gegen Nazis im Netz ist ja nicht schlecht.

  8. 08
    Frédéric Valin

    @Christoph: Ja, aber.

    Erstes aber: Es gibt auf der Seite ganz konkrete linke Organisationen genannt, an die man sich wenden kann.
    Zweites aber: Neonazis werden durchaus ernst genommen, aber nicht als Diskussionspartner, mit dem sich Argumente tauschen lässt, sondern als Gegner einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Ich bin da schon ein gebranntes Kind und der festen Überzeugung: mit Nazis diskutiert man nicht, Nazis bekämpft man. Das ist meinethalben nicht gerade demokratisch oder was auch immer: aber es gibt Meinungen, die gehören geächtet. Ein Konsens wird sich da eh nie herstellen lassen.
    Drittes aber: Den Verweis auf Linke, die bisweilen blödere Argumente haben oder ähnlich tumb sind oder whatever versteh ich nicht: Links zu sein macht selten aus Menschen bessere, intelligentere Wesen. Aber zumindest haben linke Subkulturen nicht die Absicht, national befreite Zonen zu errichten. Klar gibts auch da Leute, die regelrecht Jagd auf Nazis machen, so wie die Nazis auf Ausländer, Linke und sozial Schwache: aber es gibt da noch deutlich mehr, und die sind definitiv in der Minderzahl. Bei den Nazis ist das nicht der Fall. Überhaupt, wenn ich Antifa sage, denke ich nicht an Leute, die morgens um zehn betrunken am Alex hängen (obwohl ich nix dagegen habe, wenn Leute morgens um zehn betrunken am Alex rumhängen und mich nach nem Euro fragen, die tun mir ja nix, also was solls), sondern an Menschen wie Thomas Kuban.

  9. 09
    Martin

    @Johnny Haeusler: Johnny, warum trugst Du keine Brille? dann wäre Dir die Hinterfotzigkeit Deiner Frage schon bewußt geworden. Oh, nein, es war ja sogar eine richtige kleine Provokation. Och nö, Johnny, so was aber auch. Nun muß ich zerknirscht in mich gehen. Und wen treffe ich da? Johnny und Claudia beim Kampf gegen die, denen die schöne neue, mit geänderten Loyalitäten zu erbauende Welt nicht gefallen will. Natürlich, mein (editiert von) Johnny, gibt es Nazis, sicher zu viele, aber warum? Und vergleich Dich bitte nicht mit „Pennern“, denn Dir geht es doch, mitten in der Hängematte prima. Und der Nazis werden immer mehr, na sicher. Aber Ihr glaubt doch nicht im Ernst, diese Seiten würden daran etwas ändern. Wir beide wissen doch, daß Ihr Beide, Prinz Falin und Du doch wohl vor Allem ein Zipfelchen von der Wurstspende abhaben wollt, oder? Also, mein Johnnylein, „lösche“ mich. Ich hab´sowieso keine Zeit, jeden Rotspecht anzupinkeln.

    Liebe Grüße aus dem wirklichen Leben
    M

  10. 10

    @Martin: Ich hab‘ das „mein Johnny“ mal editiert, es gibt Beleidigungen, die gehen zu weit.

  11. 11
    Martin

    @Johnny Haeusler: Johnny, ein wenig besser mußt Du aber schon achtgeben. Dir, als überaus geübtem Editierer darf doch der vorletzte satz nicht durch die Hosenträgerchen rutschen. Oder wartest Du mit bangem Herzen auf meine Repliken?
    M

  12. 12

    Ich flipp gleich aus hier!

    Johnny, verdammt, du sollst deine Brille tragen, ich sag’s nicht nochmal und wer zum Teufel sind Claudia und dieser arabische Aristokrat Falin mit dem du Wurst schnabulierend in der Hängematte lungerst, während ich dünne Kohlsuppe für unsere blondgeschopften Knaben rühre!
    Komm du mir nach Hause!

    Danke für den Hinweis, Martin und hier einer für dich:
    Zivilisation sein dank gibt es inzwischen Keramiklatrinen! Du brauchst also keine Bäume mehr zu erklimmen um dich zu erleichtern. Das wird sicher auch den Rotspecht freuen!

  13. 13
    Martin

    @Tanja Haeusler: Treffer, versenkt!

    Für Dich, Tanja, und gaaanz langsam:
    Claudia Roth ( könntest Du evtl. kennen)
    Valentin Falin ließ sich nach dem Zusammbruch der SU in Hamburg nieder und war seit 1992 Mitarbeiter des Instituts für die Weltprobleme an der Universität Hamburg. Er war mal, als man sich noch nicht übers web ankeifen konnte, Botschafter in der BRD.
    Und sonst: üben, üben, üben.

    M

  14. 14

    @Martin: Hui, „Martin“ hat jetzt auch Internet!

  15. 15
    Martin

    @Johnny Haeusler: Yes, Sir, sogar schon, als Jörgi noch mit vollen Pampers um den Christbaum geschlichen ist.

    M

  16. 16

    @Martin:
    Da bin ich jetzt erleichtert. Das sind Politiker, ja?
    Mit Politik kenne ich mich nicht so gut aus, das überlasse ich lieber meinem Mann. Meine Stärke liegt eher darin, ollen Mörtel von Backsteinen zu klopfen.
    Á propos: sie haben da was an der Backe!

  17. 17
    Martin

    @Tanja Haeusler: ok, ok,

    ich werde diesen Spaß zum Thema Johnny und das Alphamädchen jetzt mal beenden.

    Und denkt immer daran: Wir finden es schön, daß es Euch gibt.
    M

  18. 18

    @Martin: Na bitte, geht doch, ganz langsam beginnt es Spaß zu machen. „Martin“, gib‘ jetzt alles! Da ist noch mehr drin, ich spür’s! Nimm‘ dir den ganzen Tag Zeit, wir sind schon ganz Flitzebogen (und verdienen auch noch Geld dabei, verrückte Welt!).

  19. 19
    Martin

    @Johnny Haeusler:
    Wie ich schon in 4 sagte: jede Menge Geld!!
    Und nur soviel, mein Johnny: beeindruckend, wofür.
    M

  20. 20

    @Johnny:
    Ich find ja, Trolle ignoriert man oder löscht man. Deine Dickhäutigkeit im Bezug auf Pöbler ist schön, aber es ist imo ein bisschen unnötig sich mit denen zu kabbeln. You’re better than that!
    Außerdem störts den Lesefluss.

    @Frédéric:
    Meiner Meinung nach hätte sich aus der Skinheadszene nie dieser Nazizweig herauskristallisiert, wenn wir die nicht so ächten würden. Nerdcore-Réné hatte mal eine Doku zum Überfall auf die Zionskirche in Berlin in den 80’ern verlinkt, und da kam auch eigentlich raus, dass die „Heil Hitler“ gebrüllt haben, weil es die einfachste Art war zu provozieren. Ich denke, viele vom Prügelgeschwader wurden erst im Nachhinein „politisiert“.

  21. 21

    @Martin: Komm‘. Das kannst du besser. Das wirkt so „¦ unmotiviert. Vorher war dein Herz dabei. Jetzt sind es nur noch Reflexe.

  22. 22

    @Christoph: Ja, sorry, wir haben uns da ein wenig verrannt, aber Martin ist weder Martin noch Troll. Recht haste natürlich trotzdem, aber die Sonne scheint und ich hab‘ heut‘ Lust. Der Lesefluss ist eh dahin.

    Aber ok. Ich halt‘ mich raus. Nun also wieder: Open Stage.

  23. 23
    Frédéric Valin

    @Christoph: Sorry, das versteh ich jetzt nicht: Eine Subkultur wählt (wie viele andere auch) NS-Symbolik, um sich abzugrenzen, ist dabei erfolgreich und wird also (wie sie es ja auch wünscht) ausgegrenzt. Weil sie ihren Willen hat, wird sie rechts?

    Die Prügelgeschwader sind übrigens noch heute selten bis gar nicht richtig politisiert. Die Verbindung Nazi-Skinhead (die ja so auch eher in England gegeben war) ist allerdings schon ne Spur älter, Anfang der Achtziger ungefähr.

    (Abgesehen davon, dass ich die These, der Zionskirchvorfall sei nicht auf Nazis zurückzuführen, schon allein deswegen problematisch finde, weil da eine ganze Organisation hinter dem Überfall stand. Der war ja von langer Hand geplant.)

  24. 24

    Von langer Hand geplant? In der Doku (http://www.nerdcore.de/wp/?s=Zionskirche&x=0&y=0) wurde vom Bandenführer der Nazis -wenn ich mich richtig erinnere- behauptet, dass die saufen waren und dann spontan beschlossen „den Punks aufs Maul zu hauen“.

    Aber wer ist nun Martin? Real-Life Genosse, der bis in die Virtualität stalkt? Ich dachte immer, solche Menschen gäbe es nur im Netz, nicht außerhalb. Oder ist doch alles nur Spaß?

    Verwirrend.

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