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Privater Monolog um Öffentlich-Rechtliches

Ich: Hast du Quoten, Klicks & Kohle gesehen?
Das andere Ich: Wir beide werden von demselben Sehapparat versorgt.
Ich: Ach ja. Vergesse ich immer. Ich hätte nicht gedacht, dass ich dem Focus einmal recht geben würde – aber diese Sendung war wirklich peinlich.
Das andere Ich: Ich hätte nicht gedacht, dass ich dir einmal recht geben würde. Peinlich war die. Zumindest bis ich eingeschlafen bin. Kannst du nochmal zusammenfassen, um was es ging?
Ich: Du bist so ein Penner. Ok: Ein ARD-Reporter hat einen Beitrag zusammen gestrickt, der belegen soll, dass die Verleger-Lobby die legitime Ausweitung des Sendeauftrags der Öffentlich-Rechtlichen ins Internet verhindert und damit aus dem Netz eine einzige Castingshow macht.
Das andere Ich: Dann war die Sendung zwar peinlich – eine Dauerwerbesendung halt: Aber in der Aussage hatte sie recht.

Ich: Blödsinn. Was wollen denn bitte die Öffentlich-Schrecklichen im Internet?
Das andere Ich: Na – Grundversorgung bieten. Man kann doch nicht ernsthaft freien Informationszugang für alle fordern und dann sagen: Eure Inhalte dürfen aber nicht ins Netz, nicht die Rechercheergebnisse eurer Korrespondenten, nicht die Sendungen eurer Künstler und Autoren und auch nicht die Analysen eurer Experten. Einmal dürft ihr die senden und dann ist auch gut.
Ich: Warum machen die denn dann nicht auch eine Tageszeitung? So etwas wie die Prawda – nur mit mehr Seiten für die Volksmusik?
Das andere Ich: Weil es sich historisch nicht so ergeben hat. Eine Zeitung kann man vergleichsweise preiswert herstellen, Fernsehen aber kostet. Qualität im Fernsehen rechnet sich nicht. Ein privates 3Sat ist nicht vorstellbar.
Ich: HA! Und für das Internet gilt doch dann erst recht das, was für Zeitungen gilt. Ein Blog kostet gar nichts und kann völlig ohne Rücksicht auf den Markt senden. Man braucht also den Staat nicht.
Das andere Ich: Was heißt denn hier Staat? Die Öffentlich-Rechtlichen zeichnen sich doch gerade durch ihre Staatsferne aus.
Ich: Sag mal, gab es gestern Gehirnwäsche, als ich mal kurz nicht da war? Jeder Redakteursposten, ach was – jede Büroklammer – wird nach Parteienproporz besetzt. Wo siehst du denn da bitte Staatsferne?
Das andere Ich: Du bist paranoid, seitdem du das Internet entdeckt hast. Wo hast du denn bitte kritischeren Journalismus, wo werden politische Skandale aufgedeckt: Bei Bohlen oder bei Monitor?
Ich: Du stinkst. Mit so jemanden zusammen zu wohnen ist eine echte Zumutung.
Das andere Ich: Das sagst du immer, wenn du im Unrecht bist.
Ich: Nein, das sage ich immer, wenn du die Arme hebst. Wenn du so selbstzufrieden deine Arme hinter dem Kopf verschränkst, weil du so erfolgreich Erbsen mit Nudeln verglichen hast.
Das andere Ich: Äpfel mit Birnen.
Ich: Korinthenkacker.
Das andere Ich: Verlegerbüttel.
Ich: Der freie Markt bedeutet dir wohl nichts.
Das andere Ich: Doch. Gerade.
Ich: Wie soll sich denn ein Markt entwickeln, wenn einer der Player mit Gebühren-Milliarden gedopet ist?
Das andere Ich: Konkurrenz belebt das Geschäft.
Ich: Wir reden hier von einem Markt, in dem Geld schwer zu verdienen ist. Das zwingt doch schon jetzt Spiegel und SZ dazu, mit Bildstrecken gegenüber ihren Werbekunden Klickzahlen zu suggerieren, die sie nicht haben. Dumm klickt gut. Und wo viele Dumme klicken, da scheißt die Werbeindustrie gerne hin.
Das andere Ich: Du immer mit deinen fäkaliengetränkten Bildern. Aber schon wieder: Du hast recht. Die Verlage zeigen ja bereits, dass man von ihnen keine Qualität erwarten kann. Bei Tagesschau.de findest du nicht die 500 erotischsten Biere und die aufregendsten Toten, die durch Masturbation aus dem Leben geschieden sind.
Ich: Beim Spiegelfechter auch nicht.
Das andere Ich: Und der Spiegelfechter hört auf mit dem Schreiben, weil die ARD im Netz vertreten ist?
Ich: Das nicht. Aber er hätte vielleicht 10 Mal so viele Leser, wenn das Netz in Deutschland ein Markt ohne staatlichen Marktteilnehmer wäre. Es heißt doch immer: Deutsche Blogs sind so schwach, weil in anderen Ländern der Journalismus so unterentwickelt ist, während hier staatlich subventionierter Journalismus den Markt abdeckt.
Das andere Ich: Deine These ist also: Je schlechter der Journalismus im Netz, desto besser die Blogs, desto besser also für alle?
Ich: Desto besser für eine vitale Meinungslandschaft.
Das andere Ich: Hast du Deutsch bei McKinsey gelernt? Vitale Meinungslandschaft.
Ich: Ich bin eben kreativ. Und a propos kreativ: Sind deine geliebten Staatssender nicht auch brutale Verfechter ihres Copyrights? Während ich im Schweiße meines Angesichts meine Texte frei zur Verfügung stelle, um uns zu ernähren, ja, grins nicht so doof, dich auch, pochen die darauf, dass ihre von unserem Geld gezahlten Inhalte auch ja von niemandem verwendet werden dürfen.
Das andere Ich: Du weißt ja, wie verträglich ich bin. Man könnte sich doch darauf einigen, dass ARD und ZDF alles ins Netz stellen können, wie sie wollen. Aber nur unter Creative Commons-Lizenzen.
Ich: Träumer.
Das andere Ich: Realist.
Ich: Nenn mich nicht Realist, ich habe kürzlich bei Rote Rosen geweint.
Das andere Ich: Du schaust Telenovelas in der ARD?
Ich: Ja. was dagegen? Wenn du Alexander Kluge auf Sat1 schaust, gucke ich mir gerne die Wiederholungen von Rote Rosen an. Ist ja nicht auszuhalten, wie du die ganze Zeit so tust, als würdest du den verstehen.
Das andere Ich: Ach, geh doch sterben.
Ich: Dann möchte ich dich mal sehen.

31 Kommentare

  1. 01
    Michael

    Wenn Schweineschnitzel leise weinen! War echt kaum auszuhalten, diese Dauerwerbesendung … und für sowas gehen meine GEZ-Gebühren drauf. Nun gut, der Einschub ober Zoomer.de war ganz nett, aber das wars dann auch schon.

    Meine Meinung: ÖRs im Netz ja, auf tagesschau.de möchte ich nicht verzichten. Aber man muss es mit dem Angebot nicht übertreiben – das kostet schließlich Geld, unseres.

    Die ganzen schlechten Aktionsseiten könnte man sich sparen. Und die etlichen u.e. nicht kompatiblen Streamingangebote und Mediatheken könnte man auf einer Seite zusammenfassen – das spart Kosten und machts für den Nutzer angenehmer.

  2. 02
    michael

    Im großen und ganzen nur Duplikation der Inhalte ins Internet — bitte möglichst liberal und besser als jetzt und sowieso — und rundrum so ein bisschen Freiraum (nicht mehr als tagesschau.de jetzt nutzt) und das Problem ist gelöst.

    Auch wenn es schwer zu akzeptieren ist, öffentlich-rechtliches Fernsehen funktioniert seltsamerweise doch ziemlich gut. Warum auch immer, aber Private bringen“™s nun wirklich nicht so. (Hm. Jetzt nur weil sie wegen der unfair gedopten Konkurrenz nicht so richtig rund laufen? Glaub ich nicht, aber wer weiss.) Die öffentlich-rechtlichen teilweise auch nicht, aber teilweise eben doch. Oft eben doch.

    Andererseits fühlt sich das Internet aber nicht so an. Das Internet ist auch ohne alle öffentlich-rechtlichen Inhalte uneingeschränkt toll. An manchen Ecken. (Gibt nur so viele Ecken, das is“™ ja das tolle.) taggesschau.de ist dann nur ein nettes No-Nonsense-Angebot, mehr aber auch nicht. Nichts besonderes.

    Aber das traditionelle Angebot des Rundfunks, dass auch im Flashplayer nicht viel verliert, lässt sich gut übertragen und sticht tatsächlich auch weiterhin im Internet heraus. Außerdem will ich mir Maischberger nachträglich im Internet ansehen können, wenn alle drüber reden und ich das mal wieder verpennt hab.

    So. Fertig.

  3. 03

    @Michael:

    Aber man muss es mit dem Angebot nicht übertreiben – das kostet schließlich Geld, unseres.

    Die Privaten doch auch. Das Geld was die durch die Werbung einnehmen wird doch am Ende von den Konsumenten bezahlt, also wirklich allen.

    Eigentlich ist es da sogar noch schlimmer: Wer keinerlei Fernsehen oder Radio benutzt (auch keine neuartigen ;-)) braucht keine GEZ oder TV Licensing oder aehnliche Gebuehren zu bezahlen. Die ganze Werbung muss aber wirklich jeder mitbezahlen.

  4. 04

    @Armin:
    das ist ein interessanter gedanke. das würde aber auch bedeuten, dass gebührenzahler von den ö-r doppelt gekniffen sind – denn die haben ja auch reichlich werbung laufen.

    übrigens: ich habe auf der medithek des zdf die ersten fünf folgen von kriminaldauerdienst gesehen. der stream war noch schlechter als bei youtube, es war wirklich kein reines vergnügen, aber naja: geschenkter gaul halt. und dann nehmen die das angebot einfach so aus dem netz. da frage ich mich schon, was der gedanke dahinter ist. oder ob es einen gedanken dahinter gibt.

  5. 05
    michael

    (Die Qualität in der Mediathek kann man hochregeln, dann geht das schon. Nicht so gut wie echtes Fernsehen, nicht so schlecht wie YouTube. Eben da sollte aber das Angebot ausgeweitet werden, und sowas wie KDD dauerhaft im Netz sein, nicht nur als Marketingmasche für die neue Staffel ein paar Tage. Bei Talkshows oder Nachrichten ist dann die Bildqualität nicht so wichtig.)

    Der Staat darf den Ö-R tatsächlich verbieten Werbung zu senden. Nur macht er das (bisher) nicht. Zumindest dieses Detail ist aber überhaupt kein Problem, mit eigenen Urteil des BVerfG von 1991. Und man sollte die Ausmaße der Werbung im Ö-R auch nicht übertreiben. So schlimm ist das nun nicht, und kommt auch nur wenn sowieso nur Idioten fernsehen (i.e. vor 20 Uhr). Also bitte.

    Dem Argument mit der Werbung würde ich aber entgegnen, dass man dem (theoretisch) entgeht indem man keine Sachen kauft für die Werbung gemacht wird.

  6. 06
    erlehmann

    Hey, Malte, CC-Lizenzen bedeuten nicht automatisch „freie Inhalte“ CC BY-NC-ND ist durchaus sehr restriktiv. CC verweist selber auf http://freedomdefined.org/Definition.

    P.S.: Scheiße verdammt, hört auf, meine eckigen Klammern rauszufiltern, laut RFC umklammert man damit Links.

  7. 07
    Thunder77

    @ Armin (3)

    Das Geamtbudget ALLER Privatsender ist ein Mückenschiss gegen das der ÖR.Das beträgt soviel ich weiß ca. 7 Mrd. GEZ-Einnahmen + nochmal soviel an Werbeeinnahmen.Mit so einem Haushalt sollte es doch möglich sein, gutes Programm und ein ein ensprechendes Internetangebot anzubieten.Besagte Mediathek ist einfach nur eine Katastrophe, vom TV-Programm (mit einigen Ausnahmen) ganz zu schweigen.

  8. 08

    @erlehmann:

    es sind im übrigen ja auch reichlich rechte dritter betroffen, verstehe das bitte nicht so, dass das mein lösungsansatz ist. eher eine denkgrundlage. aber danke für den hinweis!

  9. 09
    Thunder77

    @ Armin (3)

    Zum Thema GEZ: Mal nachgelesen, wann du GEZ-Pflichtig bist? Eigentlich hast du fast keine legale Möglichkeit, um diese Zwangsabgabe herumzukommen.

  10. 10

    @Malte Welding:

    Da sehe ich mal wieder wie lange ich schon aus Deutschland weg bin ;-)

    Die BBC ist werbefrei (zumindest hier, ich glaube wenn man aus dem Ausland auf eine der BBC websites geht kann da schon mal ein Werbebanner kommen), da hatte ich vergessen dass das bei Euch anders ist.

  11. 11

    @Thunder77:

    Noe, mich persoenlich interessiert das ja nicht so ;-)

    Aber ich habe das schon mitbekommen mit den „neuartigen Rundfunkempfangsgeraeten“ oder wie das noch heisst. Und freue mich dass das hier auf der Insel anders ist, nicht nur was Computer angeht sondern auch Fernseher und aehnliches generell: Man braucht nur eine TV Licence wenn man tatsaechlich die Angebote „live“ nutzt.

    Was aber alles nichts an dem Gedankengang an sich aendert.

  12. 12
    westernworld

    @michael:
    „So schlimm ist das nun nicht, und kommt auch nur wenn sowieso nur Idioten fernsehen (i.e. vor 20 Uhr). Also bitte.“

    deshalb komm ich nicht drauf warum das nix wird mit mir, ich bin ein idiot.

    danke, da hätte ich noch jahre so vor mich hingerätselt ohne zu einem sinnvollen schluß zu gelangen.

  13. 13

    Letztendlich läuft es auch hier einmal mehr darauf hinaus: Immer auf den Sack gekloppt, es trifft immer den Richtigen. Ja doch, es gibt einiges zu kritisieren, sogar ziemlich viel einiges. Aber nie, zumindest höchst selten lese ich in Blogs über die Vorzüge der Öffentlich-Rechtlichen, und wenn nur mal der eine Aspekt erwähnt würde, daß es ÖR-Inseln gibt, auf denen man nicht ständig mit Werbung zugemüllt wird. Aber das wäre lediglich EIN Aspekt.

    Zum Thema:

    http://schmoll-et-copains.typepad.com/schmolletcopains/2008/05/arte-kostenlos.html

  14. 14
    michael

    @Thunder77:
    Das mit den 7 Milliarden kommt hin. Werbeeinnahmen liegen aber bei 400 Millionen, sind also alles andere als in der gleichen Größenordnung. Im Vergleich dazu mal die Privaten: ProSiebenSat.1 hat so 2 Milliarden, die RTL group über 5 Milliarden Umsatz. Nun kann man das nicht so richtig Vergleichen, aber deine Behauptung vom Mückenschiss des Budgets der Privaten ist sicher nicht richtig, ebenso wie die von den ebenso hohen Werbeeinnahmen wie Gebühreneinnahmen bei den ÖR.

  15. 15
  16. 16

    Schön erklärt.
    So ganz versteh ich das Geheule der privaten TV-Sender und Verlage wirklich nicht. Wenn sich die Mediennutzung vom TV zum Internet hin verlagert, aus welchen Gründen sollten die ÖR dann hier keine Angebote haben?

    Das die ÖR die Möglichkeiten des Internets nur rudimentär nutzen ist ja eine ganz andere Frage.

  17. 17
    erlehmann

    @Malte Welding: Quoten spielen keine Rolle ? Warum sehe Ich dann kein Charlotte-Roche-Äquivalent auf 3sat ? Statt dessen gibt’s Gottschalk, Pocher und Schmidt – und jede Menge Werbung.

  18. 18
    Al

    Danke, Malte.

  19. 19
    Lothar Eckstein

    @michael (14): Dein Vergleich hinkt leider. Die RTL Group macht den grössten Teil ihres Umsatzes ausserhalb Deutschlands. Und bei ProSiebenSat1 rechnest Du ganz grosszügig offenbar die nordeuropäische SBS mit ein.

    Wenn man als RTL, SAT und P7 als Sender mit ARD und ZDF als Sender vergleicht, ist der Fliegenschiss-Vergleich nicht mehr so falsch. Selbst zu ihren besten Zeiten war die ehemalige KirchGruppe nur halb so gross wie die ARD. Jene ist nach wie vor der mit Abstand grösste Fernsehkonzern in Deutschland. Der Gesamte deutsche Werbemarkt, von dem alle Privaten leben, ist kleiner als die Gebühren der ARD.

    Mir ist nicht klar, auf welcher Grundlage ARD und ZDF ins Web expandieren wollen. Man vergleicht sich dort ja gerne mit der BBC. Diese expandiert ebenfalls massiv ins Internet. Noch massiver sogar, als es ARD und ZDF gerade planen. Über die Art, wie es bei der BBC passiert kann man durchaus diskutieren: Dort gibt es ein mehrstufiges Verfahren mit externen Gutachtern, das prüft, ob eine von der BBC geplantes Angebot im Web nicht genauso gut oder besser von Privaten geleistet werden könnte. Erst wenn ein „public value“ erkannt ist, wird es mit Steuergeldern gemacht.

    Anders die tollen Deutschen. Auch ARD und ZDF wollen ein Prüfungsverfahren, aber bitte ohne externe Beteiligte. Hallo? Der Fuchs im Hühnerstall darf sich seine Hennen selbst zum Mahl genehmigen. Noch wichtiger aber: Obwohl ARD und ZDF ein Vielfaches pro Sendeminute ausgeben können, haben sie die letzten 30 Jahre damit verbracht, Sendeideen von privaten Sendern nachzuahmen. Aus der ARD und aus dem ZDF kamen seit der Erfindung von Wetten Dass und Am Laufenden Band keine Innovationen mehr. Nicht nur wenige – nein keine. Entweder wurde bei den Privaten abgeguckt – und die gucken ja selbst oft im Ausland ab – oder es wurde direkt dort abgeguckt. Was ich nicht erkennen mag: Wieso soll ein 7-Milliarden-Konzern-Moloch, der seit Jahrzehnten mehr und mehr privates Fernsehen imitiert, jetzt auch noch dasselbe im Web tun können?

    3Sat, Phoenix und Arte in allen Ehren. Aber da gehen keine 10% der Gebühren hin. Mit 90% machen ARD und ZDF privates Fernsehen. Und das auch noch schlecht, wie die ruinösen Altersstrukturen belegen. Und das Ganze jetzt auch im Web?

    Meines Erachtens sollten ARD und ZDF im Web allen Freiraum der Welt kriegen – aber dann wirklich „public value“ (mindestens mit den BBC Standards) produzieren. Und den Rest lassen. Dann reicht auch 1 Milliarde Gebühren statt 7. Und dazu würde ich meinen Teil grosszügig beitragen wollen.

    Bzw, es würde eine dreiviertel Milliarde reichen, wenn die Damen und Herren – dort – jenseits von Journalisten und Freien – statt 32,24 mal 38,35 Stunden pro Woche arbeiten würden.

  20. 20
    Löckengelöt

    geiler text. bin posotiv überrascht! mit den gedanken geh ich jetzt mal schwanger…spatzieren.

  21. 21

    Ich habe die Sendung auch gesehen.
    Die öffentlich rechtlichen Sender sollten sich auf ihre Kernaufgaben beschränken. 1.-3. Fernsehen, dazu einige Radiosender, etwas Internet, mit Informationen. Weg mit den zig (meist schlechten) Spartenkanälen! Die vielen (teuren) Sport und Unterhaltungssendungen sollten stark verringert und die GEZ um einiges gesenkt werden. ARD und ZDF erhöhen sich ja in regelmäßigen Abständen die GEZ- Gebühren, wie die Politiker ihre Diäten.

  22. 22

    @horch:

    Die meisten Spartenkanäle sind doch kostentechnisch vollkommen uninteressant, weil da doch eh nur Zeug läuft, was bei denen eh schon rumliegt.

  23. 23
    Christoph

    Wissen ist Macht!

    Mir ist es aus genau diesem Grund lieber, dass Informationen von Menschen verbreitet werden, die unabhängig von privatwirtschaftlichen Interessen (Werbeeinnahmen) sind, so dass möglichst objektiv berichtet werden kann. Eine echte Objektivität gibt es nie wirklich, aber bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten ist halt kein Automobilkonzern, kein Tütensuppenverkäufer und so weiter der vor der Tür steht und beleidigt abhaut, wenn über ihn einmal etwas kritisches (für uns wichtiges) verbreitet wird. Wo wären wir ohne eine wenigstens halbwegs unabhängige Berichterstattung, wenn z.B. Daimler-Benz den missglückten Elchtest unterdrücken könnte durch die Androhung die Werbung zur Konkurrenz zu bringen?

    Bei privaten Anbietern von Informationen stehen einfach immer auch die wirtschaftlichen Hintergedanken mit in der Meldung, d.h. die Abwägung ob eine Meldung mehr Profit durch verschweigen oder aufbauschen bringt .

    Das ständige gejammere „dafür zahl ich Rundfunkgebühren“ kann ich gar nicht mehr hören, denn der Beitrag ist doch nicht wirklich so hoch, dass er stört. Das miserable Programm der privaten Sender:
    – 2.367 Gerichtsshows,
    – 4.862 „Ich baue mir ein Haus“-Sendungen,
    – die Millionen von Talkshows zum Thema „Mein Busen ist zu klein“,
    – die als Comicserien getarnten Verkaufssendungen für Kinder und nicht zuletzt auch
    – die 35.000ste Dokumentation über amerikanische Flugzeugträger … (und vieles mehr)
    stören mich da ehrlich gesagt viel mehr. Auch bei öffentlich-rechtlichen Sendern gibt es einigen Schrott, aber der hält sich vom Volumen her in Grenzen. Dank der regionalen und thematischen Sender von ARD und ZDF gibt es von diesen Anbietern immer etwas interssantes im Fernsehen, wohingegen die privaten zu of Mist senden (anstatt nur ein qualitativ tolles Testbild zu senden, was interessanter wäre und die Bevölkerung nicht so verdummen würde).

    Ein Vorbericht zu diesem Thema ist schon bei ZAPP (NDR) gesendet worden. Hier ist der Link zum Sendungsinhalt:
    http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID4739996_REF2488,00.html

  24. 24
    Lothar Eckstein

    @Christoph: Es gibt nur ganz wenige Fakten, die aus meiner Sicht für Deine Einschätzung sprechen -aber seitenweise welche, die dagegen sprechen.

    1. ARD und ZDF als Helden des investigativen Journalismus?

    Der Elchtest wurde in Schweden von einer privaten Autozeitschrift durchgeführt und in Deutschland von einer ebenso privaten erstmals abgedruckt – Autobild. Später hat es dann auch die Tagesschau nacherzählt. Ebenso wie die Bildzeitung, meine schwäbische Lokalzeitung (in 20km Entfernung zum Daimlerwerk) und viele Andere. Na toll. Aber das ist nur ein Beispiel. Ganz generell gilt: ARD und ZDF sind im Bereich investigativer Journalismus peinlich schwach – vor allem im Vergleich zu BBC. Deswegen braucht man sie bestimmt nicht. Praktisch alle grossen investigativen, kontroversen Geschichten wurden in den letzten 30, 40 Jahren von privaten Medien vorangetrieben – vor allem dem Spiegel. Neue-Heimat Skandal, Flickskandal, Parteispendenskandal, Barschel-Affäre. Mit fällt nicht ein einziger grosser Fall ein, wo ARD und ZDF auch nur am Rande eine Rolle gespielt hätten. Lasse mich da aber gerne korrigieren. Unterm Strich: Wenn es ein Kernversagen von ARD und ZDF in diesem System gibt, dann dass sie genau das NICHT leisten. Zumindest nicht im Vergleich zu den horrenden Milliarden, die in das System fliessen.

    2. ARD und ZDF als Helden des Agendasetting?

    Auch hier ein kompletter Ausfall. Nehmen wir ein paar grosse durch Medien ins Bewusstsein gehievte Themen der letzten Jahrzehnte: Waldsterben, AIDS-Krise aus den 80igern. Oder Klimabedrohung aus der letzten Zeit – alles Spiegel-Themen. Und dann bei ARD und ZDF nacherzählt. Das können auch die privaten TV-Sender. Und zwar gerade in der jungen Zielgruppe besser als ARD/ZDF. Ich habe die genauen Zahlen nicht im Kopf, aber die Tagesschau hat bei unter 25-Jährigen einen Marktanteil von 4%. Oder vielleicht auch nur 3%.

    3. ARD und ZDF als Helden der Neutralität?

    Halte ich für ein ziemliches Gerücht. Aber das ist subjektiv und kann man lange diskutieren. Besonders wenn die Interessen der beiden berührt sind – ich erinnere mich an Berichterstattungen zu Gebührenerhöhungen, zum Rundfunstaatsvertrag oder an solche zu Entwicklungen bei der Sportrechtevergabe, ist Schluss mit lustig. Sorry, aber die holzen da genauso viel oder wenig wie beliebige andere Kandidaten – und betrieben massive Interessenplolitik. Ist ja auch ok. Sollen genauso dürfen wie jeder andere. Die sind aber auch nicht besser als jeder andere.

    4. ZAPP ist, finde ich, einer der grossen Vorreiter der ARD, wenn es um „interessengeleitete Kommunikation“ geht, oder wie das so schön heisst. Aus meiner Sicht ein ganz ganz schlechter Kronzeuge. Dann schon lieber die Medienseite der SZ. Ich wette, dass die bei ZAPP gründlich gelesen wird ;-).

    5. Gerichts-Shows und Co kann man mögen oder nicht. Aber bisher haben ARD und ZDF noch jede Sau, die von den Privaten durchs Dorf getrieben wurde, ein paar Monate späte nochmal durchgetrieben. Jetzt wollen sie, wenn meinen Augen trauen durfte, auch eine Casting-Show machen. Aha. Allerdings nicht für Models (das ist ja noch relativ unschädlich) sondern für Politik-Nachwuchs. Innovativ und früh dran. Finde ich super.

    Trotzdem finde ich öffentlich-rechtlichen Rundfunk an sich richtig und wichtig. Aber man kann das gut oder schlecht machen. Das deutsche System macht es aus meiner Sicht ganz schlecht. Es verbindet die Nachteile der privaten Fernsehens mit den Nachteilen des staatlichen Fernsehens.

  25. 25
    fischyou

    ich bin für griechenland: this is Joy Divisions'“Decades“ in greek:
    http://www.youtube.com/watch?v=sw6SLWpka3s

  26. 26

    Eins muss ich den ÖRs – bei aller Kritik, die ich anbringen könnte (die hier aber schon so kam und die ich daher nicht wiederholen brauche) lassen: ÖR-Radiosender sind gut hörbar. Das hier empfangbare, austauschbare Rotationformatradio der Privaten allerdings animiert mich höchstens zum Ausschalten.

  27. 27
    Hopkins

    Boa war das ein schlechter Artikel. Diese billige infantilität und „hey, wie deep. Ich habe mich selber beleidigt!“. Ich könnte kotzen.

  28. 28
    Jens

    @Armin: Werbebanner auf BBC-Websites? Wo denn da denn? Wohl aber kommt beim Aufruf diverser Videostreams die (Fehler-)Meldung „Not available in your area; This content is only available in UK.“ Klar, kann man über UK-Proxies surfen, nur sind die meist elend langsam. Hast Du irgendeine Ahnung, ob man wenigstens aus Irland auf BBC-Inhalte zugreifen kann (würde mich persönlich interessieren …)?

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