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Kristin Hersh macht CASH

Kristin Hershs Musik mag ich seit ihrem ersten Soloalbum Hips and Makers und Your Ghost, dem wunderbaren Duett mit REMs Michael Stipe. Das damals – wie soviel Gutes – auf dem amerikanischen britischen Label 4AD erschien.

4AD war eines der wenigen Labels, deren Veröffentlichungen ich früher blind gekauft habe. Das Feld, das sich zwischen Gus Gus, Dead Can Dance, der Thievery Corporation und Bauhaus spannte, war faszinierend weit und doch hatte man stets den Eindruck, dass jede einzelne Release nur dort, bei 4AD, hätte veröffentlicht werden können.

Inzwischen taugen für mich Labels längst nicht mehr als Kompass im Meer der Veröffentlichungen. Tatsächlich spielt das Label überhaupt keine Rolle mehr, wenn immer mehr Künstler ihre Werke selbst im Netz veröffentlichen.

Wie Kristin Hersh zum Beispiel. Anfang 2007 veröffentlichte 4AD noch ihr Album Learn to Sing like a Star, jetzt ist Kristin Hersh eine der treibenden Kräfte hinter CASH Music, einer neuen Plattform, die Künstler und Publikum schon bei der Entstehung der Musik zusammenbringen will.

Die Idee ist so simpel wie charmant: Die Künstler veröffentlichen ihre Stücke nach und nach unter einer Creative Commons Lizenz, kommentieren begleitend ihre Arbeit, laden das Publikum ein, sich zu beteiligen. Remixe sind ausdrücklich erwünscht. Die Musik wird in verschiedenen Qualitäten, darunter MP3, verlustfreies FLAC sowie zum Remixen als Einzelspuren angeboten. Am Ende steht der physische Tonträger, die CD.

CASH artists and the audiences are stake holders in common. Audiences want the art to continue. Artists want to continue creating. Supportive relationships create this flow, a read-write culture where all are parties to a richer artistic experience. CASH supports artists, their audiences „” and perhaps most importantly „” this vital and emerging read-write culture.

Wer sich über freiwille Spenden hinaus (Kristin Hersh erwartet $3) finanziell engagieren will, kann sich einkaufen. Für Beträge zwischen $500 und $5000 kann man zum Supporter oder gar Executive Producer der nächsten CD werden.

Derzeit steht CASH Music noch am Anfang. Neben Kristin Hersh sind gerade mal drei andere Künstler dabei. In Zukunft will CASH Music sich weiter öffnen – als Mittler zwischen Künstler und Rezipient. Als Modell, wie Labelarbeit in Zukunft aussehen kann.

Ein Modell, das funktionieren kann, solange es gute Musik gibt, die ihre Hörer findet. Und so lange es Fans gibt, die für Qualität auch zahlen wollen.

Kristin Hersh: Krait

7 Kommentare

  1. 01
  2. 02
    magdi

    Schöne Sache – Cash Music… 4AD sind ein britisches Label, nebenbei.

  3. 03

    @magdi: au weia, danke. ist korrigiert.

  4. 04

    Ich glaub’s nicht: noch jemand, der blindlings den Leuten von 4AD vertraut hat. Die hatten auch die feine Idee des gruppenübergreifenden Musikprojektes. Aus This mortal coil gingen drei ganz hervorragende Alben hervor.

    Aber ob das mit CASH was wird? Wage ich zu bezweifeln. Ich werde mit hervorragenden Stücken im Netz so zugeballert, daß ich schon seit Monaten keine CD mehr gekauft habe (und ich rede nur von den legalen Downloads).

  5. 05

    hallo andreas,

    vielleicht ganz interessant – die einstürzenden neubauten arbeiten nach einem ähnlichen prinzip seit 2002.

    http://futurezone.orf.at/it/stories/235293/

    gruß jens

  6. 06

    @jensjetzt: ja. das prinzip ist nicht wirklich neu. aber die neubauten wurden 2002 noch kritisch beäugt – jetzt poppen an allen möglichen stellen solche – ja was denn? – net-community-lables auf. spannend, wie ich finde.

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