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Der unzivilisierte Osten

Gustav Seibt, Edelfeder (so sagt man unter Journalisten, wenn einer mehr machen kann als dpa-Texte redigieren) der Süddeutschen Zeitung hat in der gestrigen Ausgabe der SZ einen dermaßenen Roundkick gegen GANZ Ostdeutschland losgetreten, dass ich kurz dachte, ich hätte mich im Jahrhundert geirrt.

Da die Süddeutsche es nicht fertig gebracht hat, den Text Online zu stellen (die dafür vorgesehene magische Schreibmaschine hat geklemmt), hier ein Auszug aus dem Seibt-Text, den die Junge Welt (!) ins Netz gestellt hat:

So zeigt sich im entprotestantisierten Milieu nordostdeutscher Landstriche das Ergebnis des doppelten Kulturvorgangs der letzten zwei Generationen: Entchristianisierung und Entbürgerlichung. Zurück bleiben Arbeitnehmer, die sich das Recht auf Pause nicht nehmen lassen mögen, oder Aufseher, die das Publikum gerne schurigeln und zum Dienstschluß hinauswerfen, kurz: die Überlebenden des sozialistischen Experiments. (…) Jedenfalls in den nördlichen Gebieten der DDR wird dem, der sich — immerhin gegen Bezahlung — bedienen lassen will, signalisiert, daß dies eigentlich illegitimer Klassenhochmut sei. Daß in einer modernen Marktgesellschaft Dienstleistungen austauschbare Rollen sein könnten, nicht aber ständische Rangverhältnisse bedeuten, ist nicht angekommen. Zwischen Elbe und Oder war der Klassenkampf erfolgreich.

Ist „der Osten“ – natürlich nur bis zur polnischen Westgrenze, wir wollen ja keine Ressentiments verbreiten – entbürgerlicht?
Mein Problem: Ich kann diese Frage aus eigener Anschauung nicht beantworten. Ich kenne die neuen Bundesländer nicht. Ich kenne auch die alten nicht. Mir geht es wie diesem Mädchen aus der ersten Playstation-Werbung:

Ich kenne die schönsten Strände an der australischen Ostküste, aber ich war noch nie in Bottrop (ich war ein (1) Mal in Dortmund, weil ich den ZVS-Termin verbummelt hatte und: naja), ich habe mir auf Hawaii Popos angeschaut, aber ich kenne nicht die Vorzüge pfälzischer Waden.

Klar, die Argumentation von Seibt ist ganz offensichtlich keine, sondern gelebter Journalismus:
Eine Kellnerin pflaumt ihn an und er macht daraus – weil er nicht „ich“ sagen darf – eine steile Generalthese, die ungefähr besagt: Nimmst du den Menschen Gott weg, bricht alles zusammen, was das Dasein lebenswert macht.
(Wobei ich das von Seibt wiedergegebene Paulus-Zitat „Erkenne in jedem Menschen einen Höhergestellten“ als Lebensmaxime nur wärmstens empfehlen kann).

Jetzt sagt doch mal, Ihr ostdeutschen, wilden und gottlosen Feierabendfanatiker:
Wie ist es bei Euch?

73 Kommentare

  1. 01
    herr_m

    Mein Cousin hat in Wismar studiert. Nach seinen Schilderungen sollte die Kernthese Seibts treffend formuliert sein. Meine mecklenburg-vorpommerschen Kurzbesuchserlebnisse lassen mich ebenfalls bejahend nicken. Die Frage ist nur, ab wie vielen subjektiven Erfahrungen darf man denn eine Generalthese formulieren?

    Und wie hats dir eigentlich in Dortmund gefallen?

  2. 02
    stefanx

    keine zeit zu antworten. muss rtl2 gucken.

  3. 03

    Ich war zwar auch noch nie im Osten, aber so wie beschrieben stelle ich ihn mir vor.

  4. 04
    t-punkt

    Deutschland, eine Dienstleistungswüste, nicht nur im Osten…

  5. 05
    ltn. frank

    Wir in der ach so verschrieenen Lausitz sind nicht frommer oder gottloser als in anderen Regionen, aber wild werden könnte man schon bei den Erfahrungen der letzten 20 Jahre. Und nun noch mal für alle Lernunfähigen/Ignoranten: Es ist ein Armutszeugnis für Euch, Euer Unwissen auch noch öffentlich einzugestehen. „Wir Ostdeutsche“ könnten uns das nicht erlauben. Und sind daher in manchen Dingen schon 10 Jahre weiter, ob gut oder schlecht.

  6. 06
    lame

    ich habe die unfreundlichen unter meinen mitmenschen bis jetzt immer unabhängig von irgendwelchen himmelsrichtungen treffen dürfen. die freundlichen übrigens auch.

    der artikel ist dümmlich. oder dünnlich. oder beides. da hilft die schönste these nichts.

  7. 07
    dd 01097

    also, ich wohne in Dresden. schon immer. und hier sind alle menschen ganzganz hässlich. und böse. und arbeitslos. jeder schlägt jeden, am hellerlichten tag und auf offener strasse. in der zwischenzeit, wenn wir nicht körperlich oder verbal aufeinander losgehen, fletschen wir die zähne und knurren uns gegenseitig an. und wenn wir dann erfolgreich alle vertrieben haben, die mit ostdeutscher, entbürgerlichter härte nicht klarkommen, treffen wir uns abends in ganz normalen kneipen und clubs, lächeln uns an, nehemen legale und illegale drogen, wonach es nicht selten zu ausbrüchen der freien liebe mit 68er (oder 69er) ausmaßen kommt.
    am nächsten morgen geht wieder alles von vorne los.
    außerdem ist meine caps-taste caputh.

  8. 08

    doch, genau so ist es hier. in bremen.

  9. 09

    Sitzt die Süddeutsche nicht in München, im ach so christlichen Bayern? Unfreundlichere Bedienungen als dort hab ich sonst noch nirgends erlebt, ohne sie alle in einen Topf werden zu wollen.

  10. 10

    Die sechs Jahre in Dresden sind die schlimmsten meines Lebens. Da bin ich hierher gezogen, um hässliche, arbeitslose und abgrundtief böse Menschen zu treffen, und nichts ist. Aber ich muss auch feststellen, dass ich auf der falschen Seite der Königsbrücker Straße wohne, wenn ich mir #07s Postleitzahl ankucke. (Ach so, irgendwann hab ich festgestellt, dass es überall Arschlöcher gibt. Macht das Leben deutlich einfacher.)

  11. 11

    Was soll das? „Die Argumentation von Seibt ist keine“, richtig, und selbst wenn, stünde dort nichts Neues.

    Gebt einem Demographie-Professor aus Rostock ein paar Zeilen in der Zeit, und er wird einen hübsch formulierten, beleidigten Abgesang auf das schwäbische Schwatzbürgertum verfassen, weil eine überfreundliche Ulmer Friseurfachangestellte ihn einfach nicht in Ruhe gelassen hat.

    Ansonsten ist hier gerade EM, Sonne, geschäftige Stille, Tourismus, und wie eh und je herrscht pommersche Bestimmtheit in der Kantine.

    Moderne Marktgesellschaft, pfff! Weichei!

  12. 12
    t-punkt

    Ausflugslokale im Thüringer Wald sind ein Geheimtipp. ;-) Ich weiß wovon ich rede…

  13. 13
    miss sophie

    „Zurück bleiben Arbeitnehmer, die sich das Recht auf Pause nicht nehmen lassen mögen …“
    Wer geht gleich noch auf die Barrikaden, wenn er seine wohlerkämpften 36,5 Arbeitsstunden pro Woche verlieren soll…???
    WTF?

    Ich werde die Vermutung nicht los, dass Seibt (und andere, die er befragt haben möge) in selbstherrlicher Manier dort aufgetreten ist. Aber damit würde er sicher auch im Ruhrpott auf die Schnauze fallen. Und dass er die Formulierung der „ständischen Rangverhältnisse“ nutzt, überhaupt nur auf diese Idee kommt, ist sehr bezeichnend v.a. in Bezug auf ihn selbst.

  14. 14
    sebaso

    Keine Ahnung, wie es in *dem* Osten ist, aber

    „Zurück bleiben Arbeitnehmer, die sich das Recht auf Pause nicht nehmen lassen mögen“
    und

    „Jedenfalls in den nördlichen Gebieten der DDR wird dem, der sich — immerhin gegen Bezahlung — bedienen lassen will, signalisiert, daß dies eigentlich illegitimer Klassenhochmut sei. Daß in einer modernen Marktgesellschaft Dienstleistungen austauschbare Rollen sein könnten, nicht aber ständische Rangverhältnisse bedeuten, ist nicht angekommen. “

    klingt doch erstmal ganz gut. So, als wäre die Durchökonomisierung aller Lebensbereiche in diesem „Osten“ da noch nicht angekommen.

    Allein, mir fehlt der Glaube…..

    P.S.: hat er wirklich „Gebieten der DDR“ geschrieben? Hat er ne zu alte Landkarte benutzt? Dachte, dass heißt da mittlerweile anders.

    P.P.S.: „immerhin gegen Bezahlung“ – gabs da nicht mal so eine Kampagne „Gute Arbeit, gutes Geld“? Wahrscheinlich ist er auch noch „in den Osten“gefahren, weil da alles so schön billig ist. Naja, mal den ganze Text lesen, wenn die SZ es schafft, ihn ins Netz zu stellen…

  15. 15

    Ich, als geborenener Hardcore-Ostdeutscher (Geburtsort Frankfurt (Oder)), lasse es mir nicht nehmen, über Schwaben zu hetzen, Bayern auszulachen, Hamburger zu belächeln und Sachsen zu verarschen. Und das ganze seit fünf Jahren schon von Berlin aus. Nur: Ich habe all diese Mentalitäten kennengelernt, habe in diesen Städten schon gelebt, oder muss mit deren Abgesandten tagtäglich arbeiten – ich kann mir also ein Urteil bilden.
    Deshalb lache ich übrigens auch so gern über mich selbst.

  16. 16
    Alberto Green

    Die Verallgemeinerung an sich ist gewiss etwas Dummes.

  17. 17
    Jan(TM)

    Gottlos? Im Landkreis Bautzen wurde die CDU mit > 50% gewählt, meine alte Schule ist jetzt so eine komische Evangelischer Laden, wo die Kinder mehr beten als lernen. Ok der redet nur über die Fischköppe, allerdings sind die Leute hier auch gepflegt unfreundlich – trotz Gotteswahn.

    Überhaupt „Arbeitnehmer, die sich das Recht auf Pause nicht nehmen lassen mögen“ sind ja wohl echt das letzte, die sollen gefälligst dankbar auf dem Boden kriechen vor dem lieben Onkel ähm Bruder aus dem Westen.

    Oder um mal Gundermann zu zitieren:

    nun isses soweit wir haben zu zweit
    wieder klar schiff gemacht
    ich hab jetzt endlich ne richtige arbeit
    und du jemand der sie dir macht
    wenn das schiff schlingert machst du den finger
    und ich mach den rücken krumm
    du musst an die kegel ich muss in die segel
    und da weiss ich wieder warum

    darum bruder darum wird krieg
    den ham wir uns jetzt vor die füsse gelegt
    doch ich singe und bringe nicht um
    obwohl ich nun wüsste warum

  18. 18

    Ich hasse Verallgemeinerungen. Aber Journalisten neigen ja dazu…

  19. 19

    Was kriegt man, wenn man Ossi und Wessi kreuzt? Einen arroganten Arbeitslosen.
    Ich bin in Rostock geboren und lebe da (eigentlich) immer noch. Huebsch hier. Letztens hat der erste Ikea aufgemacht – Entbuergerlichung my ass. Dass Serviveleister hier unfreundlich sind stimmt, aber das ist eher ein nord- denn ein ostdeutsches Problem; in Sachsen zB geht mir die Freundlichkeit schon fast auf den Sack.

  20. 20

    Also ich verstehe die Aufregung über diese These nicht. Es ist doch (jetzt mal soziologisch gesehen) unzweifelhaft, dass das politische und gesellschaftliche System sich auf die Sozialisierung auswirkt.
    Vor diesem Hintergrund erscheint es mir recht plausibel, dass Menschen, die in der DDR aufgewachsen sind, tendenziell weniger bürgerlich und weniger christlich sind. Ich habe keine wissenschaftlichen Daten dazu, aber alles andere würde schon sehr wundern. Was ist so schlimm daran, wenn man eine solche – für mich plausible – These vertritt?

  21. 21
    Jan(TM)

    @Mark: Das die These nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat, bzw. man genau das gleiche auch in Gegenden ohne DDR Hintergrund finden kann?

  22. 22
    lame

    „Was ist so schlimm daran, wenn man eine solche – für mich plausible – These vertritt?“

    die behauptung, daß nur gottgläubige mitglieder des bürgertums freundlich sein sollen. das ist noch beknackter als die sache mit den himmelsrichtungen. oder sein abenteuerlicher brückenschlag zwischen egalität und patzigkeit.

  23. 23

    @Jan(TM):

    Ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass es einen Zusammenhang zwischen Gesellschaftssystem und Sozialisierung gibt. Das ist ja wohl kaum zu bestreiten, oder? Und natürlich – jedes einzelne soziale Phänomen kann man in gewissem Maße auch an jedem anderen Ort der Welt beobachten, keine Frage. Trotzdem gibt es doch regionale Unterschiede, oder verhalten sich alle Menschen weltweit gleich?

    @lame: Es wird ja nicht behauptet, dass „nur gottgläubige mitglieder des bürgertums freundlich“ sind. schon gar nicht von mir, daher verstehe ich den kommentar nicht.

  24. 24

    Soll er doch nach China gehen, dort wird ihm auf Grund der Entchristianisierung sogar noch mit einer fremden Sprache geantwortet.
    Irgendwie kommt immer Müll raus wenn Leute der SZ gen Norden fahren.
    (siehe re:publica)

  25. 25
    Jan(TM)

    @Mark: Ich habe das Gefühl du hast einen anderen Artikel gelesen.

    Natürlich gibt es Zusammenhänge zwischen Gesellschaftssystem und Sozialisierung, aber das geht nicht so billig wie es der Autor behauptet. Zuerst einmal sollte man die Geschichte von MeckPom kennen, die meisten Menschen da waren vor 45 keine Bürger, sondern Landarbeiter – abhängig von irgendwelchen Junkern. Wie kann jemand entbürgerlichen der nie bürgerlich war?

  26. 26

    @Jan(TM): Ich habe das Gefühl, du hast meinen Kommentar nicht gelesen.

    Du bist also der Meinung, dass das Wirtschaftssystem der DDR der Ausbildung einer Dienstleistungs- und Serviceorientierung besonders förderlich war?

  27. 27
    Der Dokter / Ossi

    Wegen so einem intelletuell formulierten Schwachsinn von Seibt, diskutieren wir hier über Gott… na ja…
    Ich persönlich glaube lieber an die Menschen, als an Gott, auch wenn man manchmal diesen Glauben verlieren könnte :)
    (Gott, die christliche Leere, die Bibel und der andere Menschen-Manipulations-Mist wurden ja auch schlicht von Menschen geschaffen )
    Auf jeden Fall schieße ich jedem in die Knie, der behauptet, man kann nur als Gottes-gläubiger Mensch ein humanistisches/vernüftiges/friedvolles Leben führen !!! :)

  28. 28
    kai

    also dass die ddr spuren hinterlassen hat, ist nicht zu bestreiten. aber solche? auf keinen fall.
    ich war oft im osten (leipzig/halle, erfurt, potsdam + berlin) und war so von der freundlichkeit und menschlichkeit überrascht, dass ich im herbst in den osten der republik ziehen werde (natürlich nicht nur deswegen…).

  29. 29
    Ressut

    Der Osten ist eigentlich nett, bis auf diesen fetten Pickel genau in der Mitte ;)

  30. 30

    @kai:

    und welche hat er hinterlassen?

  31. 31
    Martin2

    Sich in Berlin auspeitschen zu lassen ist nun nicht gerade billig. Da werden teilweise horrende Preise in den einschlägigen Etablissements verlangt.
    Wo bitte hat sich Herr Seibt schlecht behandlen lassen. Die SM-Szene dankt im vorraus.

  32. 32
    heidrun

    wenn ich kellnere, mag ich mir mein recht auf pause auch nicht nehmen lassen. ist das blasphemie?

  33. 33
    bEN

    Die sind gar nicht unfreundlich da. Ganz im Gegenteil. Die wollen einen nur davor bewahren, dass man wirklich Dinge bestellt die Kaffee oder Pizza oder was auch immer sein sollen.

  34. 34
    Yvi

    hm, also ich bin letzte jahr ostwerts gezogen und kann da keine unterschiede feststellen. aber es macht jetzt viel mehr spaß artikel über vorurteile gegenüber dem osten zu lesen =)

  35. 35
    Stalinallee Nordseite

    Sie werden plaziert.

  36. 36
    der große Bruder

    Gott ist tot. Die DDR ist tot. Wir leben noch. Noch.

  37. 37
    der große Bruder

    Achso, und draußen nur Kännchen!

  38. 38

    Also ich komme aus Bottrop (eigentlich ganz netter Ort, wenn man ausser wohnen nicht viele Ansprüche hat. Und alle grossen Ruhrgebietsstädte direkt nebenan) und habe Verwandte im Osten.

    Ich kann mich nicht an die Dienstleister erinnern (wahrscheinlich, weil sie weder besonders freundlich noch unfreundlich waren), aber die Menschen des Dorfes, in dem meine Verwandten wohnen und die der 3 Nachbardörfer sind wohl die gastfreundlichsten Menschen, die ich jemals kennenlernen durfte.

    Und ich benutze gerne Klammern.

  39. 39

    Ich stamme aus der nordöstlichen Ecke in D. Ich habe neben dem Studium damals auch im Dienstleistungsgewerbe meinen Unterhalt verdient. Ich hab beim kellnern patzige Antworten gegeben, und hab Berliner Schnauze zurückbekommen. Ich hab Gäste rausgeworfen und mal Augen zugedrückt und meine Frühschicht zur Nachtschicht verlängert.
    Es stimmt, die Leute sind nicht selten schroff, verschlossen, scheinbar unfreundlich (was mir aber tausendmal lieber ist als diese oberflächliche Freundlichkeit hier in Mitteldeutschland) – aber ehrlich.
    Und es gibt Leute, die kommen jedes Jahr wieder. Wegen der Gastfreundlichkeit, sagen die.
    Vor 45 wars hier nicht einfach, 40 Jahre lang wars nicht einfach, und nach der Wende wurds auch nicht besser. Das formt den Charakter.
    Herr S. kommt damit nicht klar und saugt sich was aus den Fingern. Who cares?

    Das Nummernschild ist übrigens aus dem ehemaligen Bezirk Leipzig, als heutiges Mitteldeutschland. Die Leute dort sind eigentlich immer freundlich, was mir wegen der Obeflächlichkeit oft auf den Sack geht. Ich wünsche mir manchmal diese norddeutsche Schroffheit – nordostdeutsche Wurzeln halt…

  40. 40
    Jürgen

    Was’n das hier? Kleiner Treff anonymer Dresdner? Ich auch, ich auch. 01099 natürlich. Freue mich schon auf die ganzen hässlichen, bösen, arbeitslosen und vorallem rechtsradikalen Leute am kommenden Wochenende, die zu zehntausenden meine Straße bevölkern werden.

    Ich habe gar nicht mehr gewusst, dass wir so ein Emblem auf dem Nummernschild hatten.

  41. 41
    schomsko

    Viele Ostdeutsche haben durch die „Zonen-Pause“ einen Schritt, den die Westdeutschen machten, nicht gemacht.
    Bevor die Amis den Westen kultivierten, gab es in ganz Deutschland festgesetzte Rollen. The American Way Of Life brachte das Wirtschaftswunder und mit ihm den „Vom Tellerwäscher zum Millionär – Anything Goes Dream“. Der Westdeutsche lernte, dass mit dem Spielen von Rollen ein rasanter Aufstieg möglich sein soll.
    In der DDR lernte man nur, dass alle gleich sind. Und wer besser sein wollte, engagierte sich in der Partei. Es gab also nur zwei Rollen.
    Als nach der Vereinigung nun alle im Westen waren, durfte gerade im Osten am „Anything Goes“ gezweifelt werden.
    Aber mit Gott hat das alles natürlich nichts zu tun.

  42. 42
    hans

    Wär schon toll, wenn es noch kleine real-sozialistische dörfer gäbe, die Widerstand leisten gegen die Leistungs Ideologie des ähm Imperialismus. Gibt mir so ein blödes warmes Gefühl von Heimat.
    Ich feier die Unterschiede, wo ich sie finden kann. Scheiß Deutschland. Yeah Bundesrepublik.

  43. 43
    franzi

    Ich bin zwar gottloser Ossi aber folgendes habe es bisher nur bei den gottesfürchtigen Süddeutschen erlebt:
    Versuch mal um die Mittagszeit bei einer süddeutschen Firma anzurufen um einen Auftrag rauszugeben… falls sich nach gefühlten 20 Minuten tatsächlich jemand erbarmt abzunehmen, wird nur „Mir ham Mittagspause!“ ins Telefon geröhrt.

  44. 44

    Ich kenne die neuen Bundesländer nicht, ich lebe in Ungarn, also in einem Land mit 40 Jahre langer kommunistischer Vergangenheit.
    Die Wende ist geschehen, es gibt sowohl Niederlassungen von multinationalen Firmen, als auch selbständige, ungarische Unternehmen. Die Mehrheit der Menschen hat die Wende auch gespürt, und die Denkweise mehr oder weniger verändert. Wenn ein Ausländer Ungarn besucht, findet er/sie das Land (hoffentlich) überhaupt nicht „žunzivilisiert“. Er/sie bemerkt vielleicht durch die Gebäude, dass es hier 40 Jahre lang Kommunismus gab.
    Man kann tatsächlich in der Denkweise einiger Menschen noch immer die Wirkungen der kommunistischen Ära entdecken. Das hat meiner Meinung nach nichts mit Mangel an Christentum zu tun. Mehr aber mit Mangel an Verantwortung.
    Während des Kommunismus lernten viele Menschen, dass sie praktisch nichts selbständig machen dürfen, aber das war auch nicht nötig. „žDer gutmütige Staat“ erledigte alles: er gab eine Wohnung, sicherte einen Arbeitsplatz. (sinnvolle Arbeit nicht, aber Arbeitsplatz und Lohn ja), später eine Rente. Gesundheitswesen, Unterricht wurde ausschließlich vom Staat finanziert. Alle waren gleich — das heißt alle bekamen dieselbe schlechte Qualität.
    In der Mehrheit der Läden sollten die Verkäufer nicht höflich sein: es gab Mangelwirtschaft, Wettbewerb existierte in vielen Branchen nicht.
    Für einige Menschen ist es auch heute, 18 Jahren nach der Wende nicht natürlich, dass sie für den eigenen Erfolg, für die eigene Zukunft, verantwortlich sind. (Meiner Vermutung nach gibt es solche Menschen auch in Ländern ohne kommunistische Vergangenheit.) Für die Mehrheit ist es aber klar: wer einen gut bezahlten Arbeitsplatz möchte, soll lernen, etwas Zeit mit dem Suchen verbringen, vielleicht auch Kompromisse schließen. Wer ein erfolgreiches Geschäft betreiben möchte, muss nett mit den Kunden sein, manchmal sogar neue Ideen haben usw.
    Das Erbe des Kommunismus existiert auch heute, aber es hat hoffentlich immer kleinere Wirkung und Bedeutung. Und Verallgemeinerungen helfen nichts dabei, dieses unangenehme Erbe loszuwerden.

  45. 45
    rosid

    Alle Verallgemeinerungen sind dumm und somit nichtig.

  46. 46
    dername

    Roundkick? du meinst sicherlich den Roundhouse-Kick. besonders berühmt und berüchtigt dank Chuck Norris.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Roundhouse-Kick

  47. 47
    vib

    Ich hätte da einen kleinen Vorschlag: Ersetze „Osten“ durch „Bayern“ (oder irgendeine andere Region, in der Du gerade nicht lebst oder die dich aufregt oder über die du ganz schlimme Geschichten gehört hast) und plötzlich ist alles so plausibel. Übrigens: Hessen wird in Sachen Horrorfaktor sträflich unterschätzt ;)

  48. 48

    Ich kenne weder einen „Osten“ noch einen „Westen“ sondern nur dieses Land. Und in jedem Teil davon gibt es dumme Menschen, auch solche die einen solchem Mist schreiben.

  49. 49

    verallgemeinerungen sind nicht dumm! sie sparen ne menge zeit…
    man muss lediglich in der lage und willens sein, seine vorurteile ggf zu revidieren!

    ansonsten sind vorurteile im alltag bisweilen sehr nützlich.
    anderen leuten vorurteile einzureden jedoch (noch dazu als vermeintlicher qualitätsjournalist) ist schon n ziemlicher griff ins klo.

    klingt allerdings schon ein wenig sehr polemisch das ganze. ob da so die goldwaage angesagt, wag ich mal arg zu bezweifeln. (münchner humor erschließt sich mir offensichtlich nicht.)

    naja… wär ja nicht das erste mal dass so ein münchner schnösel mit der nord-(ost-)deutschen (betonung auf NORD) nicht zurecht kommt.

    die bu’am von da untn sants hoalt oa biesl zart besaitet…

  50. 50

    bitte nicht versuchen, bayrisch zu schreiben – auch wenn der sz-artikel noch so schlecht sein mag.

  51. 51
    Ivo

    Für mich riecht das ganze ja sehr nach einer Auftragsarbeit des bayrischen Ministerpräsidenten der darüber verärgert ist, dass der Tourismus in Nord-/Ost-Deutschland besser läuft als im schönen Bayern. Und wenn es um Lokalpatriotismus geht (und das mein ich zum Teil durchaus im positiven Sinne) finden in Bayern schon einmal Partner zusammen, von denen man es vorher nie gedacht hätte!

    Ein zweites ganz anderes Statement zum Artikel:
    Macht Urlaub in Deutschland! Es gibt vieles zu entdecken!

  52. 52

    @Tobias: ich gelobe besserung…

  53. 53

    @BORED_MALTE:
    Verallgemeinerungen sind wirklich nicht dumm, sie gehören zu unserer Denkweise. Eine Verallgemeinerung soll aber nicht auf einem Einzelfall beruhen, wie in diesem Artikel. Und du hast Recht: die Fähigkeit der Überprüfung darf nicht fehlen.

  54. 54
    01099

    Lassen wir doch solche Leuten in dem Glauben das der Osten, vor allem MeckVoPomm, hässlich, ungebildet und unzivilisiert ist. Dann wird es im Sommer auf meiner heiß geliebten Insel Usedom endlich wieder ruhiger, gemütlicher, preiswerter …

  55. 55
    Jeeves

    Aber wozu denn gleich aus der Haut fahren?
    Hat den GAR KEINER gemerkt, dass der Artikel ironisch klingt?

  56. 56
    pazzta

    Mal abgesehen von Herrn Seibts voraufklärerischem Kurzschluss (wo kein Glaube, da auch keine guten Menschen) – hat hier noch niemand gemerkt, dass er keineswegs über Mecklenburg schreibt? Oder Vorpommern?

    Vielmehr liegen alle im SZ-Feuilleton beschriebenen, horrormäßigen „nordostdeutschen Landstriche“ in Sachsen-Anhalt (Aschersleben, Gernrode, Quedlinburg, Halberstadt). Und das, geneigte Spreeblicker, ist seit nunmehr auch schon 18 Jahren ein Drittel von „Mitteldeutschland“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Mitteldeutschland).

    Aber wahrscheinlich verbringt der gemeine Bayer (oder zumindest Herr Seibt, um nicht auch zu verallgemeinern) derart viel Zeit in der Kirche mit der Pflege des kulturell essentiellen, christlichen Brauchtums, dass kleinere geografische Unterschiede überhalb des Weißwurstäquators eher unbedeutend erscheinen.

  57. 57

    im westen nichts neues.

    wer sich über die tristesse beim „wendeverlierer“ beschwert, sollte mal durch die eigene klobrille gucken. wer schonmal in osnabrück oder gießen war, weiß wovon ich rede.

    und wo soll das geld für die verschönderung unserer städte und gemeinden denn herkommen? aus den volkseigenen betrieben? die ossis konnten und können nicht in ihr land investieren, da sie nicht über irgendewelche finanziellen mittel verfügen. und erbschaften, die 50 jahre angespart wurden, wurden zur währungsunion auch nochmal gehälftet. also wer sich – zu recht – über verblühende landschaften beschwert, sollte sich den boden etwas genauer anschauen … und dann losdüngen!

  58. 58
    goethinger

    Jottedoch, wat für ne Uffrehchung! Da schreibt einer ein sarkastisches Stimmungsbild, aus dem viele wenigstens entnehmen können, was es für romanische Kirchen gibt, in denen sie noch nie drin (verzeihung: drünne) waren, und er hält sich im Ton so sehr zurück, daß die geballte Unmanierlichkeit, die man an jeder zweiten Hotelrezeption dortzulande für bodenständigen Charme hält („wir sind voll“ *telefonier*), beinah nachsichtig wirkt, ist hier und da leise ironisch von wegen dem zu weit entfernten Limes – und schon rappelt die halbe Drittelnation sich auf, knickt das Fähnchen vom Autodach, dem beinah abbezahlten, und spricht von „Vorurteil“, was sich bekanntlich nicht gehört (eins oder vier zu haben). – Auf der Empore der Weimarer Jakobskirche, in deren Sakristei (das ist da wo der Pfarrer sich umzieht) Goethe 1806 seine Christiane heiratet, wird seit 1999 Kaffee gekocht, und der ganze Raum der – übrigens interessanten Emporenkirche – riecht danach, nur werktags. Man könnte auch sagen: Versuch mal, mit dem Kundenservice von t-online zu telefonieren, wo Du da rauskommst, nämlich genauso. Wir wollen uns nichts vormachen, und schimpfen hilft schon garnicht, die Dinge sind nicht, oder nur um 2 Zentimeter anders, als hier auf der Sommerfahrt gesehen und geschildert. Beispiele lassen sich ergänzen und auffüllen, beliebig. Das Resultat vulgo Prinzip bleibt bei jeder Jahreszeit. Und deshalb fährt man hin, auch weil da ne Kreuzabnahme kunsthistorisch heißt: „Zwei Männer tragen einen Dritten“. Französische oder englische Gäste finden das toll und studieren dieses letzte Sozialfreilichtmuseum des Kontinents.

  59. 59

    SZ-Leser haben noch nicht verkraftet, daß es keine Mauer mehr gibt. Daß seit 1998 wohl einige Lebenslügen platzen, muß man irgendjemandem vorwerfen – wenn es nicht der ewige Großkapitalist ist, nimmt man gerne „den Osten“.
    Duisburg-Marxloh und Oberhausen-Osterfeld sind auch „entchristianisiert“ und „entbürgerlicht“ und man hat dafür nur eine Generation gebraucht. :-)

    P.S. Man sollte sich langsam von dem Klischee „arbeitsloser Ossi“ lösen – in Thüringen und Sachsen ist die Erwerbsquote höher als in div. Gegenden Westdeutschlands. Manch Ostdeutscher, den es in den vergangenen 5 Jahren in Metropolen wie Dortmund, Duisburg, Gelsenkirchen verschlagen hat, hat die „Begegnung der 3. Art“ als Kulturschock geschildert. ;-)

  60. 60
    Guderian

    Von Entchristlichung reden die Konservativen immer, wenn jemand kein Hardcore-Katholik ist. Also etwa wenn man die Evolutionstheorie über die Schöpfungsgeschichte stellt. Generell ist jede Form nichtreligiöser Erkenntnis für unsere Freunde aus dem Süden antichristlich. Wissenschaft und Religion haben sich ja nie so recht vertragen.

    Und Entbürgerlichung heisst in diesem Zusammenhang nichts anderes, als dass CDU und FDP zusammen nicht über 50% kommen, weil die Bevölkerung im Osten ihre schlichten Lügen und Besserwissereien nicht schluckt. Als guter Preusse kann ich nur sagen. Ja wir Ossis sind entbürgerlicht und entchristianisiert. Und das ist auch gut so. Möge es ewig so bleiben, Amen.

  61. 61
    Die Typin

    Also erstmal ich komm aus Bautzen, mein Bruder lebt in Dresden, meine Schwester in Berlin, Bayern und einige andere westliche Bundesländer durft ich schon in diversen Urlauben kennen lernen. Mir sind definitiv überall gehirnverbrannte, niveaugebremste, wie aber auch äußerst höfliche, mir die Schuhe sauber leckende Personen begegnet. Der Inhalt des Artikel is überholt und von vorgestern. Ich denk mal der Herr von und zu hatte da an irgendeiner Stelle seine diskriminierenden Emotionen nicht im Griff. Ich bin allgemein kein mit Deutschlandflagge rumwedelndes, ich liebe mein Land Persönchen, aber irgendwo sind wir ja nun mal EIN Deutschland und irgendwann könnte man es mal lassen irgendwelche „prähistorischen“ nun unsichtbaren Grenzen aufleben zu lassen, sondern lieber mal überlegen, wie man toleranter wird und beispielsweise gewisser Entvölkerung entgegenwirkt. Ich finds definitiv z.B. schade, dass es immer noch Dinge, wie die Lohnungleichheit zwischen Ost und West gibt. Irgendwo sollte man da doch mal ansetzen und was dagegen unternehmen…
    Und joar ich glaub zwar nicht an Gott, ich wüsst auch nicht warum ich das tuen söllte, aber ich bin getauft und meine Eltern, wie ein ganzer Teil meiner Verwandtschaft sind christlich und spätestens zu Weihnachten sind auch bei uns die Kirchen voll.
    (Zur Entschuldigung: als Rechtschreibung in der Schule behandelt wurde, war ich leider prinzipiell krank ;) )

  62. 62

    Christoph Kratistos bringt’s vermutlich auf den Punkt. Die Nordostdeutschen sind ein eher sprödes Volk. Möglicherweise spielt bei den Küstenbewohnern tatsächlich eine Rolle, dass sie als ostseeanwohnerschaftsmäßig privilegierte DDR-Generation ein tiefes Genervtsein gegenüber dem Rest der Republik entwickelten. Bei den Sachsen-Anhaltinern gibt’s keine solchen Entschuldigungen; da wird man vermutlich in 20 Jahren rausfinden, dass der Boden schlechte Laune ausdünstet oder sowas. Aber was das mit einem Mangel an christlicher, gar bürgerlicher Gesinnung zu tun haben soll, erschließt sich mir nicht; weiter nach Südosten hin wird das Volk nicht unbedingt christlicher oder bürgerlicher, aber zumeist freundlicher.

  63. 63
    erna

    toll, die sz mal wieder.

    und von wegen „weiter nach Südosten hin wird das Volk … zumeist freundlicher“ (Joschka, 62): die sz selbst hat grad „Das Prinzip Unlust – Ein Müchner muss granteln. Sonst wär er keiner.“ online. http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/25003

    Also genau das, was man bei anderen kritisiert (ob berechtigt, oder nicht), wird bei sichselbst gelobt und als unabdingbar bezeichnet. Wenn das mal nicht zweierlei Maß sind…

    erna

  64. 64
    Magda

    Ach ich finde, dieser Thread ist richtig tröstlich. Als wir noch DDR waren in Ostberlin, da hat mein Oller immer nach Dienstreisen gejault „Scheißzone“, wenn er glücklich wieder daheim war. Jetzt regt er sich über diese Seibtismen unnötig auf und ich gäbe sie ihm nicht mehr zu lesen, selbst wenn sie im Internet verfügbar wären.

    Es stimmt schon. Die DDR war eine „arbeiterliche“ Gesellschaft, wie der Soziologe Wolfgang Engler in seinem Buch über die „Ostdeutschen“ schreibt. Andererseits wollen viele ja aufholen und sich anpassen an die neuen Verhältnisse. Und nun wissen sie nicht: Wo „dreht man ein bisschen auf“, wo hält man sich zurück, wo fordert man und wo steckt man ein. Jeder, den man fragen wird, der wird was anderes sagen. Und deshalb sind sie – neben den regionalen Mentalitäten, die es ja auch wirklich gibt – insgesamt befremdlich.
    Mir ging die DDR am meisten auf den Wecker, als sie anfing zu „verkleinbürgern“. Diese Tendenz hat sich leider über die Wende gehalten und verstärkt, denn die westdeutsche Gesellschaft ist im Kern kleinbürgerlich. Und das ist manchmal schlimmer als ein ehrliches Proletariat.
    Unchristlich waren sie auch. Und ich muss sagen – es hat damit schon was auf sich. Ich komme aus einem religiösen Umfeld, das mich zumindest in der Kinderzeit geprägt hat. Dieser Atheismus hatte wenig von Erkenntnis, sondern was Einfältiges und Grobes. (Mir glauben garnischt)

    Und noch etwas: Wenn es was Negatives zu benennen gibt, dann sind im Moment – nicht ohne eigenes Zutun – die neuen Bundesländer gut dafür geeignet. Stichwort: Fremdenfeindlichkeit. Gibt“™s überall, aber nirgends so dicht wie in MeckPomm. Vielleicht ist der Seibt jetzt einfach auf diesen Zug aufgehüpft. Es ist jetzt Ost-Bashing-Time. Das ändert sich wieder. Wie sagte der Günter Gaus so schön: Nächste Woche treiben sie die nächste Sau durchs Dorf.

  65. 65

    „Und das ist manchmal schlimmer als ein ehrliches Proletariat.“

    Wer war denn „ehrliches Proletariat“ in der DDR ?
    Die Gysis ? Oder Kuczynskis, Bieskys ? Die „Kulturschaffenden“ ? Die Funktionäre, die ihr schlechtes Gewissen über „Hotel Lux“ und das Ermorden von Genossen und Familienangehörigen in strammer Parteilinie kompensierten ?
    Die DDR war schon in den 70-igern weitestgehend „entarbeitert“ und Züge der Modernisierung zeigten sich u.a. darin, daß Ende der 80-iger nur noch rd. 10% der StudentInnen auf den DDR-Unis „Arbeiterkinder“ waren.

    Das „ehrliche Proletariat“ der DDR fand man vor allem in den Industriegebieten und diese (meistens) Jungs waren/sind derart stramm rechts-reaktionär, daß sie auch in anderen Diktaturen zur Dachlatte gegriffen hätten. ;-)

    Wer allerdings die Ödnis im Vergleich Ost-West beschwören will, vergleicht gerne des Reiches Streusandbüchse mit Nobelgegenden von Stuttgart, Hamburg oder München. Der Vergleich von Dresden, Leipzig mit Dortmund, Mannheim würde wohl ähnlich krass ausfallen – allerdings nicht zugunsten Westdeutschlands.

    Solche Artikel haben ein „Ziel“.
    Das Beschwören der guten, alten 80-iger, als der Seibt noch jung und voller Illusionen. :-)

  66. 66
    infodry

    Schlussendlich lassen sich solche Thesen immer fein belegen. Notfalls mit dem Gegenteil. Seit dem ich selbständig bin, bekomme ich immer recht zweifelhaftes Lob ab: Der Kerl (also ich) ist zwar aus dem Osten, kann aber trotzdem denken, arbeiten und ist noch nett dabei. Extrapunkte wegen Hochdeutsch gibt’s auch noch.
    Vielleicht kriege ich bald Zucker zugeworfen, weil sie meinen, mich gut dressiert zu haben. Vielleicht muss ich auch einfach mal unfreundlich werden.

  67. 67

    @Der Umblätterer » »Harzreise im Sommer«: Gustav Seibt auf der Suche nach Andacht

    …Unchristlich waren sie auch…

    Zusätzlich noch unchristlich. Unglaublich.

  68. 68

    „Seit dem ich selbständig bin, bekomme ich immer recht zweifelhaftes Lob ab: Der Kerl (…) ist zwar aus dem Osten, kann aber trotzdem denken, arbeiten und ist noch nett dabei. Extrapunkte wegen Hochdeutsch gibt“™s auch noch.“

    Da ich mehr als 10 Jahre „im Osten“ gewohnt habe, kann ich nur sagen: e.v.v.

    Wenn ich die schnöde Erwartungshaltung der Ostdeutschen erfüllte, hies dies: „Sie sind ja gar kein richtiger Wessi.“
    Ich fühlte mich dann immer meiner kulturellen Identität beraubt und wollte mit meiner WessiBeratungstelle sprechen. ;-)

    P.S. Lieber @infodry, auch wenn die Erinnerung weh tut: die DDR war nun nicht gerade bekannt für atemberaubende Erfindungen, aufopfernden Arbeitseinsatz und überbordende Freundlichkeit… sehen sie es also nach. :-))

  69. 69
    FranzPeter

    Wer immer meint, daß in der DDR kein aufopfernder Arbeitseinsatz gezeigt wurde oder Erfindungen nicht mal ansatzweise atemberaubend seien können, hat wohl nie den ostdeutschen Eigenheimbau kennengelernt.

    Das was am Arbeitsplatz passiert ist, mag in der Tat nicht als arbeitssam oder erfinderisch daherkommen. Aber das ist wohl eher dem System, als der Mentalität geschuldet.

    Aber diese Erkentniss bedingt natürlich ein gewisses Differenzierungsinteresse.

  70. 70

    Hahaha, tut mir leid, aber ich konnte über den Artikel nur lachen, mehr viel mir dazu echt nicht mehr ein. Herr Seibt, you made my day. Wer so einen Quatsch schreibt, der gehört ausgelacht. :D

  71. 71
    Spomenka

    @Der Dokter / Ossi:

    Ich stimme der Aussage von der Dokter/Ossi voll und ganz zu, dass Christen nicht (nicht die, die sich nur so nennen) per se die besseren Menschen seien.

    Aber: „Gott, die christliche Leere, die Bibel und der andere Menschen-Manipulations-Mist wurden ja auch schlicht von Menschen geschaffen “ zeugt nicht gerade von besonders differenziertem Denken!
    Er lässt eine gewisse Menschenverachtung und geistigen Hochmut erkennen.

  72. 72
    Tuhe Buße

    Ich als Ossi entschudlige mich für:
    -den Ersten Weltkrieg
    -das Chaos der Weimarer politk (auch wenn es die berliner eigentlich war)
    -den Zweiten Weltrkieg
    -Die Diktatur Moskaus Gnaden wo ich nix zusagen hatte (DDR)
    für die Westdeutsche Treuhand die den Osten deindustrialiserte (auch wenn Polnische Firmen selber Historie heute noch ARbeitsplätze garantieren)
    -für den Zeitraum von 1989-2008 indem ich aus dem Osten dank
    westdeutsche Bundesrahmengesetze auswandern durfte
    -das ich jetzt in Westdeutschland Arbeitsplätze wegnehme
    -Das ich lieber vor meiner Eigenen Tür kehre als vor anderen

    Mea Culpa

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