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Österreich – Polen 1:1

Ich habe dieses Spiel nicht gesehen. Also nicht im eigentlichen Sinne. Zwar liefen auf vier riesigen Fernsehern immer wieder österreichische Spieler auf das unbewachte Tor zu, die Bilder trafen auf meine Netzhaut – aber ich musste rechnen.
Denn Fußball ist Mathematik.

Wenn also Österreich gewinnt gegen Polen, so dachte ich, dann sind sie motiviert und selbstbewusst und können sich aus eigener Kraft gegen Deutschland qualifizieren. Das wäre nicht gut. Wenn aber Polen gewinnt, dann treten die Polen gegen eine kroatische B-Mannschaft an, was angesichts der Tatsache, dass die Kroaten die ganze Zeit mit einer B-Mannschaft spielen (nicht nur, dass sie nicht über Vokale verfügen, auch ihr bester Stürmer ist nicht dabei und ihre ganze Spielanlage ist ziemlich B) zu einem deutlichen Vorteil für Polen werden dürfte. Wenn Deutschland wiederum gegen Österreich gewinnt, dann sind sie Zweiter, aber auch nur Zweiter und dann käme Portugal. Es sei denn, Polen gewönne gegen Kroatien, dann wären sie vor Kroatien und Deutschland wäre nach einem Sieg gegen Österreich vor Polen, flüsterte mein Freund M, der kurz den Blick von den Brüsten einer Service-Kraft losriss, um mit dieser Erkenntnis aufzuwarten.

Ja, aber Kroatien wäre dann ja immer noch vor Deutschland, antwortete ich seinem Hinterkopf, die Augen hingen wieder auf den Brüsten, die aber wiederum standen, was angesichts ihrer Größe die Brüste zu Siegern über meine Worte machte.
Österreich hat nach dem ersten Weltkrieg mehr Gebiete an Jugoslawien verloren als Deutschland nach dem zweiten an Polen, sagte der DJ.
Aber die Österreicher neigen zu Schwermut, während die Polen zu wenig Selbstvertrauen haben, versetzte seine Freundin, die bekannte Film- und Fernsehschauspielerin, die über Veronica Ferres genauso denkt wie ich.

Errötend zitierte ich einen unserer Kommentatoren, als ich sagte, dass alle Thesen, die die fußballerische Orientierung mit irgendwelchen anderen Eigenschaften und Merkmalen verbinden als die fußballerische Orientierung selbst, diskriminierend und rassistisch seien.

Die Schauspielerin drückte ihre Zigarette auf meiner Kniescheibe aus und ich sagte, sie läge jetzt knapp hinter Veronica Ferres, was die mir zubereiteten Schmerzen anginge. Aber immerhin vor Kroatien.

Dann, so hieß es, gab es Elfmeter für Österreich und es stand 1:1.
Jetzt ist entscheidend auf dem Platz.

10 Kommentare

  1. 01

    Das war ein krasses Spiel, Abseitstor für Polen und nichtgegebener Elfer für Österreich. Wäre ich paranoid, würde ich den Schiri für gekauft erachten…

  2. 02

    mal vollkommne außer acht gelassen, dass das ergebnis schwer vom schiri beeinflusst war (siehe @SoWhy): wenn die deutsche am montag so spielen wie heute gegen kroatien und wir so wie heute die ersten 30 minuten, dann seid ihr draußen. aber das ist jetzt wieder reine spekulation.

    wir haben den großen vorteil das unsere spieler im falle eines sieges zu legenden werden würden, während deutschland von ihren spielern den sieg erwartet. eine niederlage wäre für uns auch eine enttäuschung, aber die sind wir gewohnt. ihr müsst gewinnen, und damit meine ich müssen. ich möchte nicht wissen was die bild zeitung schreibt wenn ihr gegen uns verliert. cordoba nix dagegen.

  3. 03

    „Wir“ verlieren ja auch nicht gegen „euch“. Keine Sorge.

  4. 04

    Du hättest ruhig hingucken können, das war im Gegensatz zu dem Seniorensport knappe drei Stunden vorher eine sehr nette flinke keine Sekunde langweilige Partie.

    Tatsächlich habe ich Österreich gestern erstmals in meinem Leben Fußball spielend wahr genommen.

  5. 05
    M.

    Die fabulöse Barkraft war insgesamt ein Wunder und ansehnlicher als jede handgeschnittende Rasenkante.

  6. 06
    flawed

    @Florian(02): Wenn ihr wieder so spielt wie in den ersten 30 Minuten , dann vergebt ihr wieder drei 100%ige Chancen und kassiert dann ein Gegentor.
    Passt schon.

  7. 07

    @*** textilvergehen *** » Blog Archive » Tach Sechs. na, das werden wir schon anders machen. soviel ist klar.

  8. 08
    tamtam

    @ Florian & flawed (01+06)
    Das habe ich gestern schon mit meinem österreichischen Kumpel geklärt.
    A spielt wie in den ersten 30 min + D spielt wie gegen Croatia = 0 : 0 bei größeren Spielanteilen für A.
    Im Ergebnis kommt D aber dann doch weiter, obwohl Polen gegen eine kroatische Ersatzelf gewinnt und sogar das bessere Torverhältnis aufweist.
    Danach schlägt D Portugal im Elfmeterschießen und mogelt sich auch noch durch das Halbfinale.
    Das hat früher auch schon so funktioniert.

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