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Kroatien – Türkei 1:3 n.E. (1:1)

Ich muss jetzt plappern, sonst werde ich verrückt vor Langeweile

Zitat von anwesender Dame, die ab der 60. Minute jeden Satz des Kommentators – tja – kommentierte.

Das Kreuzberger Derby steht.

Es gibt ja diese Nullzunulls aus dem fußballerischen Delikatessenhandel, die den, der sie zu genießen in der Lage ist, weit über den gemeinen torgeilen Laien erheben. Für das Nullzunull der Türken und Kroaten nach 90 Minuten allerdings war man gut beraten, wenn man nebenbei Hausarbeit zu erledigen hatte, sowieso an seinen Pulsadern rumschlitzen wollte oder aber einen Volkshochschulkurs in Discothekensecuritymanagement absolviert und also fasziniert von der Antwort auf die Frage ist, wie man Türken nicht reinlässt.

Die türkische Mannschaft war bemüht, aber außer einem Weitschuss von Altintop gelang ihr keine einzige Torchance.
Die kroatische Mannschaft spielte, als sei die ersatzgeschwächte Türkei Topfavorit des Turniers. Sie baute zwanzig Meter vor dem eigenen Strafraum ein dichtes Netz auf, in dem sich jedes Team verheddern würde.
Modric bereitete einige gefährliche Aktionen vor, die beste Gelegenheit verpasste Olic in der ersten Hälfte, als er einen vollkommenen Pass des kroatischen Rosicky-Wiedergängers an die Latte rammte.

Spätestens ab der siebzigsten Minute ging es zu wie in Der Kampf der Häuptlinge: beide Mannschaften hatten nicht mehr die Kraft, um den Punch zu setzen.

Es war genug Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, welche der beiden Mannschaften der angenehmere Gegner für die deutsche Mannschaft wäre. Vermutlich kommt die türkische Spielanlage der deutschen Mannschaft eher entgegen, auch wenn die Türken aus der Vorrunde mit dem Gefühl geimpft sind, jeden Rückstand aufholen zu können.
Sie sind Bayer Uerdingen unter Feldkamp, sie sind der FSV Mainz unter Klopp, der KSC unter Winnie Schäfer, sie sind Kampfschweine mit Pferdelungen und Goldfüßchen.
Eine Mannschaft wie die Kroaten dagegen gibt es nicht in der Bundesliga. So spielen die Mannschaften, gegen die Jahr für Jahr die Bundesligateams überraschend aus dem UEFA-Cup ausscheiden. Erst kommt man nicht ins Spiel und dann wünscht man, es wäre einem Athletico Madrid zugelost worden. Auch für die Deutschen wäre England der berechenbarere Gegner gewesen.

Die Essenz beider Teams dann in den letzten drei Minuten der zweiten Verlängerung: Modric auf Klasnic, 1:0, dann zeigten die Türken, was im Fußball möglich ist durch Wille.

Wie es üblich ist, verschießt mit Modric der technisch beschlagenste Spieler. Und mit Rakitic gleich der nächste.

Als dann der tappsige Rüstü zum Helden wird, schweigt besagte Dame ganz ergriffen und ich bekomme per Chat empfohlen, den Urgedanken dieses Sports zu formulieren. „So ist halt Fußball“.

24 Kommentare

  1. 01

    … ich glaub es muss kroatien – türkei 1:3 heißen, malte!

  2. 02

    mönsch, war schon korrigiert, mir ist schwummrig!

  3. 03
    Maltefan

    Also das Spiel, von dem ich intelligenterweise nur die letzten 10 Minuten gesehen habe, ist aber 2:4 ausgegangen …?

  4. 04
    [kreativername]

    Die Kroaten sind ja auch lustig. Erst die Engländer aus der Qualifikation schießen und dann im Viertelfinale im Elfmeterschießen genau so ausscheiden wie es selbst die Engländer nicht besser hinbekommen hätten. Ganz toll

  5. 05

    ich glaube, dass es juristisch korrekt so formuliert ist: 1:3 n.e. (1:1)

  6. 06
    Maltefan

    @Malte Welding: Ach so. Addieren muss man also auch noch … :->

  7. 07

    @Maltefan:

    das ist 2.0. ALLES muss man selber machen

  8. 08
    Samuel

    Halleluja. Mittwoch Kinder wirds was geben…

  9. 09

    @malte … entschuldige! das war´n bißchen arsch von mir. soll nich wieder vorkommen. aber: sensationelles tempo bei spreeblicks. bin begeistert!

  10. 10

    Kreuzberg derby – Frankfurt Derby – Türkei Ruhrpott gegen rest deutschlands… irgendwie ist es vielleicht wie ein bischen Österreich gegen ungarn… Nur nach wien kamen sie nie, ausser heute…

  11. 11
    Peter H aus B

    Das war wieder so ein „historisches“ Spiel. Unglaublich.. und Glückwunsch.

  12. 12

    Viele Türken sind auch deutsche Staatsbürger. Wenn die Türkei am Mittwoch verliert, besteht für sie immer noch die Chance, dass sie mit Deutschland ins Finale kommen und ggf. sogar gewinnen.
    Umgedreht ist es doch ähnlich. Wenn die Türkei am Mittwoch gewinnt, dann hoffe ich, dass sie bis zum Ende durchhalten und Meister werden.

  13. 13

    Kroatien wäre ein guter Gegner geworden — zumindest im Elfer schießen ,-)

  14. 14

    Oder wie Günter sagte: „Das macht den Fußball einzigartig“.
    Mittwoch bleibe ich zuhause.
    Trotz Kieler Woche.

  15. 15
    Philipp

    @Maltefan (6): kicker.de drückt es als „1:3 i.E.“ aus. Also für mich ist das Spiel „2:4 n.E.“ ausgegangen. Wer soll den quatsch verstehen? 6 Buden habe ich gesehen!

  16. 16
    sam

    Mittwoch gegen die Türken wird spannend. Vorallem auch Gesellschaftlich. Ich denke wir sollte die Chane nutzen und zusammen das Fußballfest feiern, egal was kommt. Wäre sehr nice und würde die Kulturkreise nochmal ein gutes Stück zusammenbringen.

    Finde das sowie so verrückt, dass tausende Deutsche mit Türkischen Wurzeln in den Straßen feiern, wenn die Türken gewinnen.
    Warum bedeutet Ihnen die deutsche Flagge weniger, obwohl Deutschland nicht ohne sie könnte und sie nicht ohne Deutschland?

    Schönes Fußballwochenende @all!

  17. 17

    @sam:

    bei uns fahren viele zweigleisig, äh: zweifahnig

  18. 18
    Maltefan

    @sam: Komische Frage. Vielen wird ja auch ganz oft zu verstehen gegeben, dass Deutschland sie eigentlich nicht will. Für wen würdest Du denn dann jubeln?
    Ein auf Ethnie gegründeter türkischer Nationalismus, der in der Türkei nun mal sehr gesellschaftsfähig ist, ist die andere Seite der Medaille, der viele veranlasst sich in erster Linie als Türken zu begreifen …

  19. 19

    @Philipp: Die Tore vom Elfmeterschießen zählen ja net mal zu der Torstatistik :)

  20. 20

    na zumindest haben wir 2 mannschaften im halbfinale!

  21. 21

    War doch echt n super Spiel,
    HOOPP Türkei

  22. 22
    chilly_willy

    @sam Es fängt doch schon damit an, dass viele Menschen mit türkischen Wurzeln auch qua Pass Türken sind. Das liegt an dem reichlich seltsamen Staatbürgerrecht in Deutschland, nachdem man die Staatsbürgerschaft der Eltern bekommt und nicht, wie in vielen anderen Ländern, die Staatsbürgerschaft des Geburtslandes.

    Was auf Gesetzesebene anfängt setzt sich bis in den Alltag fort: Menschen mit orientalischem Aussehen werden gerne gefragt ob sie denn nicht Türken seien und Farbige wo sie eigentlich geboren seien. Nach der gesellschaftlichen Wunschvorstellung ist ein Deutscher weiß und jeder der von dieser Norm abweicht gehört irgendwie nicht richtig dazu.

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