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Warum das iPhone als Spieleplattform nichts taugt

Yeah, Multi-Touch!

Kurzversion: Keine Knöpfe, keine Innovationen, viel zu kurze Lebenszyklen. Dafür nervige Anrufe übernächtigter Groupies.

Für Langversion weiterlesen.

Man muss sich das doch nur mal vorstellen: Da sitzt man also fett grinsend beim Multiplayer-Deathmatch über Internet. Killing Spree, pure Awesomeness — und plötzlich klingelt der Controller.

»Hieh-jaaaa, Jessica hier, kommst Du mit raus auf nen Galão?«

Fragged by Jamba.

Das alleine wäre schon Grund genug, auf dem Handy nicht zu Zocken, aber hier geht’s ums iPhone, also drehen alle durch. Klar, die Optionen erscheinen ja auch endlos. Spiel Pac-Man auf Google Maps, verwende ein Foto Deines Babys als Hintergrundbild für eine Tetris-Variante, quäl‘ Dich durch den 974sten Port von Doom und Quake und Manic Mansion via ScummVM. Unterwegs. Im Zug. Auf dem Klo. Im Meeting.

In der Warteschlange beim T-Punkt.

Oder begeistere Dich an ganz ausgefuchsten neuen Kreationen, die die spezifischen Features des iPhones nutzen, um Dir ein unglaublich einmaliges Spielerlebnis zu bieten. Super Monkey Ball. Verschiebepuzzles. Irgendein Mario-Klon, bei dem man durch Schräglage läuft und durch Wackeln hüpft.

Yo, der eine oder andere findige Entwickler wird irgendwas witziges mit Apples Telefon anstellen können (hurrah, ein Murmel-Labyrinth), aber letztlich wird es auf Tech-Demos und verquast umgesetzte Uralt-Games herauslaufen.

Denn wo viele eine wahnsinnige Revolution wittern, gibt es doch in Wirklichkeit gar nichts zu sehen. Vom DS- und PSP-Killer ist da bereits die Rede, ha! Spätestens da merkt man doch, dass die Leute von Zocken und Gamen keine Ahnung haben.

Die PSP zu killen ist schließlich wie tote Leichen ermorden, und wer heute immer noch meint, der DS sei vornehmlich Touchscreen, der braucht dringend ein paar Runden Gehirnjogging. Das Ding heißt nicht umsonst DS. Nochmal: DS. Nicht TS.

Das iPhone bietet gerade einmal drei Besonderheiten: Multi-Touch, einen Accelerometer, ein Apple-Logo. Von einem »auf Spiele zugeschnitten Interface« kann hier beim besten Willen nicht die Rede sein, und umso erstaunlicher ist die allgegenwärtige Vorfreude auf »das iPhone als Spieleplattform«.

Ich will nix sagen, aber genausogut könnte man einen Gasherd als ausgewiesene Spieleplattform hypen, schließlich lassen sich damit äußerst formidabel ein paar spannende Partien Memory zocken.

»Aber… aber«, tönt es aus dem Hintergrund, »Multi-Touch ist doch kein Gasherd, und… und… wir bekommen Spore!«

Ja-ha, Multi-Touch. Mal ein paar Worte zu Multi-Touch. Ein paar Sätze. Ein Verriss: Noch nicht einmal Nintendo hat es gewagt, seinen Usern Buttons vorzuenthalten. Sie hätten es gekonnt, schließlich hat der DS gleich zwei Schirme, aber sie haben es nicht gemacht. Und warum? Weil wir das SPIEL sehen wollen, nicht unsere Patschefingerchen.

Wer ernsthaft meint, er könne ein anständiges Videospiel auf dem iPhone daddeln, der muss sich nur mal eine PSP angucken. Beide Systeme haben vergleichbar breite Bildschirme. Die Button-Kreuze der PSP nehmen gut zwei Drittel der Bildschirmfläche ein — Hardware, echte Knöpfe, taktiles Feedback und auch im Dunkeln gut zu treffen.

Um ein mit dem linken Daumen bedienbares Touchscreen-Steuerkreuz zu simulieren, braucht es gut 25% des »Screen Real Estates« eines iPhones. Wie das dann aussieht, kann man hier verfolgen:

[YouTubeDirektSNESiPhone]

Ein Gameboy Advance für 300 Euro straight und 50 Euro Monatsmiete. Ohne Schultertasten.

Willkommen im Jahr 1983 und Prost Mahlzeit.

Und Software? Keine Lizensierung, keine Qualitätskontrolle, stetige Updates dank Hardware-Revisionen im 12- bis 18-Monats-Takt. Neue Programme ohne Abwärtskompatibilität und alte iPhones ohne Aufrüstmöglichkeit.

Das wird so, war schon immer so, vom Newton bis zum iPod, und ja, es betrifft natürlich auch jedwede Form einer möglichen Zusatzhardware.

Das iPhone ist vermutlich das beste Kommunikationsgerät aller Zeiten. Meinetwegen auch das beste Handy, der beste PDA, der beste Multifunktions-MP3-Player.

Ein super Spielzeug — aber die denkbar schlechteste mobile Spielkonsole.

4 Kommentare

  1. 01

    Naja, … ;)

    Ich besitze beides und muss sagen, dass Spiele für’s iPhone/iPod manchmal mehr Spaß machen. Es kommt halt immer auf das Spiel an. Es gibt zu viele Minigames für den kleinen Apple, die einfach nicht den großen Umfang bieten wie bei der PSP. Aber das kann ja alles noch kommen. Beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile. Beim iPhone der Touchscreen und der Accelerometer, bei der PSP die Knöppe (obwohl ich die nicht immer als Vorteil sehe).

    Leider ist mir die PSP zu groß für die Hosentasche. Da kann man sich nicht mit hinsetzen, ohne Angst zu haben, dass da was zerbricht.

    In diesem Sinne, einfach mal wieder den GameBoy Color aus dem Keller holen…

    LG

  2. 02
    Jan(TM)

    Schau dir mal Pirates an oder Incredible Machine(oder wars ein Clone?), letzteres läuft endlich mal flüssig.

  3. 03
    Pete

    So kann man sich täuschen ;)

  4. 04

    Täuschen?!?! lol

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