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Der deutsche Obama

Franz Maget hat alle Voraussetzungen, um der deutsche Obama zu werden. Er sieht gut aus, gehört einer Minderheit an – und er hat ein Video bei Youtube.

Früher einmal durfte für Parteien per Wahlwerbespot nur kurze Zeit vor den Wahlen geworben werden (echte Fans schickten sich allerdings auch außerhalb der Wahlsaison Cassetten mit den schönsten Ausschnitten ihrer Favoriten zu, aber das waren Ausnahmen). Heutzutage ist immer Wahlkampf.

Und weil Obama das mit diesem Internet so gut hinbekommen hat, dass er gerade wegen der vielen Kleinstspenden Präsidentschaftskandidat werden konnte, lädt man nun das ganze Jahr über Spots hoch von sich. Denn schließlich sieht man ja gut aus.
Aus der Masse der Wahlvideos ragt die Image- beziehungsweise Leumundskampagne Franz Magets heraus.


Zu sanfter Klaviermusik erfahren wir, dass Franz Maget für kurze Zeit auch einmal jung war und sogar mal ein bisschen wie Woody Allen aussah.


Er zeigt seiner Familie, wo die Brücke verläuft.


Nun wird die Musik dramatisch, ZDF-Krimi meets Bonanza, gespielt von einer Alleinunterhalter-Orgel.

Wir erfahren, dass Maget unter einer Zwangsstörung leidet, die ihn Papierstapel in einer geraden Linie ordnen lässt.
Denn schließlich: Auch er ist nur ein Mensch.

Dann drängt sich der Verdacht auf, dass Franz Maget verstorben ist, denn plötzlich bezeugen alle, was für einen guten Menschen der Herrgott da geschaffen hat.

Christian Ude sagt mit viel Hall, dass Franz Maget nach seiner Beobachtung noch keinen Menschen verletzt habe.
„Weshalb er als fairer Kerl selbst in gegnerischen Kreisen geschätzt wird.“
(Wie Ude bei „fairer Kerl“ die Anführungszeichen mitspricht, ist allein die Betrachtung dieses Films wert.)

Ulrich Maly, Oberbürgermeister von Nürnberg, bescheinigt Maget Herzensbildung (ein Wort, das man nur aus Kontaktanzeigen kennt, von Männern, die eine doofe Frau mit nahrhaften Brüsten suchen) und schließt mit den hochironischen Worten:
„Wir Franken sind ja bekannt für unser Temperament, wir würden ihn am besten schildern mit den Worten: Der Franz, der passt schon.“

Und auch ein bayrischer Bart gibt zu Protokoll, dass Maget ein „guter, netter Mensch“ ist.

Ottfried Fischer rät, Maget zu wählen, weil der nicht gerissen ist. Dass er auch nicht viel gerissen hat, sagt er ausdrücklich nicht.

Nun aber seht selbst: Kein Schenkelklopfer wie der FDP-Spot mit Sky DuMont, eher Loriot als „Dumm und Dümmer“. Ein stilles Meisterwerk des subtilen Grauens deutscher Politik.

Und weil es gerade so schön ist – der Spot der ÖDP zur Landtagswahl in Bayern. Ganz was Bescheidenes: Postkarten. Eine wird eingeleitet mit den Worten:
„Blick einer Kuh am Königssee auf den Watzmann von der Fischunkelalm.“
Hach.

30 Kommentare

  1. 01
    christoph kratistos

    Also ich wäre froh, wenn es solche Wahlwerbung in M-V gäbe. Im Ernst.

  2. 02

    Der Spot ist jetzt auch nicht so ganz mein Fall, aber was ist schlimm daran, wenn die deutsche Politik jetzt auch mal die Möglichkeiten des Internets nutzt? Wenn Obama gebetsmühlenartig mit dem Bob-der-Baumeister-Motto „Jo, wir schaffen das!“ durch die Lande zieht ist es hipp und innovativ, wenn ein bayerischer Abgeordneter ein Loblied auf seine Person singen lässt, ist es plötzlich lächerlich? Ganz abgesehen davon finde ich, dass der Spot erstaunlich professionell produziert ist. Da gibt es auf n-tv und N24 diverse „Firmenporträts“ (Auftragsarbeiten) namhafter mittelständischer Unternehmen, die qualitativ bei weitem nicht an das Maget-Filmchen heranreichen.

  3. 03
    ernie

    Der Maget ist doch gar nicht mit dem Obama zu vergleichen, um in Bayern was zu reissen müsste er schwarz sein.

    SCNR

    Aber der Franz ist wichtig für Bayern, neben Ihm sieht sogar der Günther wie ein richtiger Politiker aus.

  4. 04

    Im Gegensatz zur CSU / ÖDP Konkurrenz hat der SPD Spot wenigstens inhaltliche Aussagen und nicht nur Berge und Seen…

    Ich sehe das aber als Vorspiel zu 2009. Da wird es auch im Netz mehr los sein.

  5. 05
    Maltefan

    Herzensbildung (ein Wort, das man nur aus Kontaktanzeigen kennt, von Männern, die eine doofe Frau mit nahrhaften Brüsten suchen)

    Erwähnte ich schon, dass ich Dich liebe?

  6. 06
    Sascha

    Ich finde diesen Elan des Ottfried Fischers immer sehr erfrischend. Der hat sowas natürliches. Da werd ich immer ganz ruhig. Ulrich Maly hatte bereits das Temperament angesprochen. Ich denke: Ottfried Fischer ist das personalisierte Temperament.

  7. 07
    nicnac

    „žBlick einer Kuh am Königssee auf den Watzmann von der Fischunkelalm.“
    *schwelgschwärm* Soviel Biederseligkeit ist schon schmerzhaft …
    I could cry vor lauta Blues!

  8. 08

    :-) wenn ihr in sekunde 22 genau aufpasst, seht ihr den Jonathan :-)
    freut mich, dass der Film Aufmerksamkeit erzeugt

  9. 09

    Ich hätte schwören können, dass das da ganz Oben im Artikel Peter Zwegert ist.

  10. 10
  11. 11
    Peter H aus B

    Erster ganz schlechter Artikel auf Spreeblick!

    Den Maget würde ich eher wählen als den Blender Obama. Mit Obama hat das auch gar nichts zu tun – der Vergleich ist miserabel und an den Haaren herbeigezogen.

    Und Herzensbildung hat was mit sozialer Kompetenz zu tun – das was den meisten Politikern fehlt!

    Das Grauen sind die Podcasts von Angie!
    Schlimmer gehts nimmer..

  12. 12
  13. 13

    Erst ist für euch zu wenig Politik im Web 2.0 (oder Web 2.0 in der Politik) – und jetzt beklagt ihr euch, wenn doch mal wenigstens im Ansatz ein bisschen was kommt.
    Recht kann man es euch aber auch nicht machen^^

    Und der Vergleich mit Obama… oO – Soll der Klicks bringen?

  14. 14

    @Jonathan: Wenn ihr bei 1:05 aufpasst, seht ihr den SoWhy rechts bei den Leuten die durch die Tür gehen^^

  15. 15

    Grober Fehler! Denn bekanntlich ist „der deutsche Obama“ ja für den Grünen-Politiker Palmer reserviert.

    Jedenfalls fand ich den Vergleich passend, hab’s deswegen schon vor einiger Zeit so in mein Blog geschrieben, und finde ihn immer noch passender.

  16. 16
    lork

    „Wir machen einen 8-Minütigen Wahlwerbespot und stellen ihn bei youtube rein um die jungen Leute anzusprechen“.
    Wer sich schon immer gefragt hat was Charisma ist, muss sich nur den Franz Maget mal angucken. Der hat nicht die Spur davon

  17. 17

    Nach „Er spielt keine Rolle.“ habe ich abgebrochen…

  18. 18

    @bastian
    Genau das ist auch meine Lieblingsstelle. Hab ich gerade drüber gebloggt. Deinen Kommentar hab ich erst danach entdeckt.

    Einfach herrlich ehrlich diese Stelle… ;-)

  19. 19

    Malte, schaust, nur 0,5 % der Bayern kennen den Maget Franz. Ich glaube nicht, dass sich das mit diesem Artikel geändert haben wird.

    Ich hätte auch schreiben können, dass mehr Bayern die ÖDP wählen als den Maget kennen. aber herrje, das wäre ja fies gewesen.

  20. 20

    @Torsten
    Ja, deshalb ist die CSU auch so locker drauf momentan.

    … und produziert doppelt so dämliche Videos *g*

  21. 21
    D.Botson

    Sich über die bayerische SPD lustig zu machen zeugt von sehr schlechtem Charakter. Auf jemanden einzutreten, der sowieso immer am Boden liegt.
    (Die bayerische SPD – born to lose indeed. Als der Transrapid noch aktuell war haben die tatsächlich die Parole ausgegeben „Lasst uns die Landtagswahl zur Abstimmung über den Transrapid machen.“ Klar – könnte ja auch sein, dass die SPD die Wahl gewinnt… falls die CSU vom türkischen Verfassungsgericht für illegal erklärt wird…)