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Kein iPhone!

Es gab damals, als man bei Spreeblick noch damals™ schrieb, wenn man damals meinte, hier eine Kategorie, die hieß: „21st Century Digital Boy“. Dazu existiert ein Gegenentwurf, der meinen Namen trägt, aussieht wie ich, wohnt, wo ich wohne: mich.

Dieser Tage merke ich das besonders deutlich, wegen dieses iPhone-Dingens, von dem jetzt alle reden. Sobald ich davon höre, rafft sich sogar der innere Schweinehund zu einem resignierten Schulterzucken auf. Klar muss an der Begeisterung was dran sein. Leute, die ansonsten recht vernünftig sind, finden dieses iPhone-Dingens ja überaus großartig.

Es ist nicht so, dass ich das iPhone nicht großartig finde. Es ist aber auch nicht so, dass ich das iPhone großartig finde. Es ist so: iPhone und der ganze weitere Technikkrempel, das dieses Zeitloch aus einer fernen Zukunft hier auf den Planeten spült, finden in meiner Realität nicht statt. Anders gesagt: Ich bin ein Technikhonk.

Das war schon immer so. Ich kann noch heute keine Mikrowelle bedienen, Digitalkameras überfordern mich, und man hat in meiner Gegenwart schon Glühbirnen abstürzen sehen. Die Technik mag mich nicht.

Die Abneigung ist gegenseitig. Die Technik straft mich, ich strafe zurück. Ich ignoriere. Wenn von bluetooth die Rede ist, denke ich an die vorzügliche Blaubeermarmelade meiner Großmutter. Die Buchstabenfolge UMTS nutze ich nur, wenn es um Techno geht. Und meine erste Assoziation bei Browser ist immer noch: Aha, Limonade mit doppelt Kohlensäure drin.

Das ist das erste. Kein denkender Mensch würde mir je ein iPhone in die Hand drücken. Nun muss die These, alle Telekommitarbeiter seien denkende Menschen, erst noch bewiesen werden. Aber da ich googlemaps nicht bedienen kann, finde ich den Weg zum nächsten T-Shop ohnehin nicht.

Außerdem hasse ich Handys. Kein Handy heißt genau das Gefühl, das uns die Automobilindustrie seit Jahrzehnten verspricht: unendliche Freiheit. Man geht in den Park und ist weg. Einfach weg. Man könnte auch tot sein, keiner würde es merken.

Gut, es gibt ein paar Einschränkungen, die man dafür hinnehmen muss. Kommt eine Verabredung zu spät, muss ich eben warten. Ich werde nicht um kurz vor drei auf die großartige WG-Party drei Häuser entfernt umgelotst. Und um fremde Menschen in Parks zu treffen, muss man den gesamten Park kennen lernen.

Davon abgesehen (und abgesehen von der Situation, wenn man mitten im Erzgebirge mit einem bunt besprühten VW-Bus nachts um vier eine Panne hat) lebt es sich gut ohne Handy.

Es gilt, wie allzu oft, der Satz meiner Großtante, die mir, wenn ich mir von ihr ein schniekes Plastikauto gewünscht habe, Holzpferde aus dem Alsaß mitgebracht hat. Auf meinen weinerlichen Hinweis, alle Welt habe Plastikautos, aber kein Mensch Holzpferde, sagte sie immer: „Alle Welt, alle Welt. Jammer nicht, geh Dir ein Eis kaufen.“

Und das, das stimmt. Sehr sogar.

24 Kommentare

  1. 01
    Tim

    Noch mal das i-Wort. Das wars für mich als Leser von Spreeblick für die nächsten Wochen. Gibt es in Berlin nix spannenderes?

  2. 02
    Olaf

    Hatte grad mein Eis.

  3. 03

    Mich begeistert das iPhone und eigentlich bin genau das Gegenstück zu dir. Ich mag Technik, Technik mag mich (meistens“¦ Windows ME war da so eine Ausnahme).

    Trotzdem, mit dem Handy halte ich das ähnlich. Ja ich habe eins, ein Nokia 3310, das ich irgendwann damals™ mit Prepaid-Karte geschenk bekommen habe. Nun habe ich es immernoch, aber ich könnte jetzt nicht mal sagen, wo.

    Wenn ich weggehe, bin ich weg. Da brauch mich auch keiner versuchen anzurufen. Ansonsten habe ich zu Hause Telefon mit AB.

    Freiheit ist, kein Handy zu brauchen.

  4. 04
    Christoph

    wo ist der bus?

  5. 05
    Jan(TM)

    Der iPod Touch ist doch viel cooler, der hat ausserdem den Vorteil nie zu klingeln.
    Was Technikphobien angeht, ich kann zwar einige Skriptsprachen, mein Notebook in winzige Teile zerlegen + wieder zusammenbauen(und es läuft sogar wieder mit der neuen Netzbuchse), Gentoo ohne Probleme installieren etc., aber von Mikrowellen, Telekom Hardware, Videorekordern oder gar Autos fühle ich regelmäßig überfordert.

  6. 06

    straciatella oder nuss?

  7. 07
    Patrick

    Ich: „Komm mir bloss nicht mit SMS, ich schreibe keine und ich lese keine. In der Rangliste der Dinge, die die Welt nicht braucht steht SMS bei mir ganz weit vorne. Das Handy liegt bei mir fast den ganzen Tag auf „Lautlos“ in meinem Rucksack.“

    Sie: „Ohne SMS geht bei mir gar nichts. Ich halte fast nur noch mit SMS Kontakt zu meiner Umwelt. Wenn ich mal nicht weiss wo mein Handy ist, dann raste ich aus“

    Bedauerlicherweise hatten wir zu diesen Zeitpunkt bereits bestellt, der Kellner kam schon mit Baquette und Ayoli um die Ecke.

  8. 08
    Blaubierhund

    Sitze grad im Park und lese per iPhone (2G, V1.1.4) diesen Blog … Allzeit erreichbar bin ich trotzdem nicht. Ich nehme Anrufe nur an, wenns mir Grad in den Kram passt, bzw. wenn ich überhaupt mitbekomme, dass wer anruft (Stummschaltung). Freunde wissen das, drum gibt’s auch nicht allzu viele Anrufe sondern stattdessen Mails oder SMS … Und die muss man ja glücklicherweise nicht gleich beantworten …

  9. 09
    bunki

    @ fred

    das wird sich bald ändern. Wie war das doch gleich mal von einem hier nicht zu nennenden Verfasser? : Kauf dir ein Mac-Buch. Oder so ähnlich

  10. 10
    Pusherman

    @Blaubierhund: Das sehe ich genauso. Was wir brauchen ist mehr Technik-Kompetenz!

  11. 11

    Hatte mein Eis schon vor einer Stunde.
    Und ein Eiphon will ich trotzdem.

  12. 12
    jan

    schliesse mich dem ersten kommentar an
    habt ihr auch noch andere themen?
    oder
    ist das gesammte büro voll mit iphone kartoons und co??????

  13. 13
    Lobo

    (Anmerkung der Redaktion: Der kommentierende Lobo ist nicht Sascha Lobo, nur, da nachgefragt wurde.)

    Ihr habt ja alle die Lebensweisheit mit Löffeln gefressen.
    Ihr macht es nicht RICHTIGER, wenn ihr mehr oder weniger Telefonate annehmt oder wenn ihr SMS nicht buchstabieren könnt, oder wenn ihr tausend Kurznachrichten im Monat schreibt. Ihr macht es nur anders.

  14. 14

    Wie darf ich denn die Erzgebirgsanspielung verstehen, hm?

  15. 15
    Philipp A.

    Ich geb denen noch max. 5 Jahre, dann ist der blaue Apfel genauso out wie es die Windows-Flagge heute ist. Der Underdog ist dem Massenmarkt verfallen.

  16. 16
    Stalinallee Nordseite

    HEINI !!! No3 !!!

    Freiheit ist, kein Handy zu brauchen.

    Hast du da nen (c) drauf ??? Und wenn ja, was willst an Gebühren dafür haben ??

    und weil es so schön passt oder auch nicht…
    http://www.willitblend.com/videos.aspx?type=unsafe&video=iphone3g

  17. 17

    @Stalinallee Nordseite: (C) gibts in Deutschland doch gar nicht. Wenn’s noch kein anderer gesagt hat, liegt das Urheberrecht ja eh bei mir, oder wie läuft das?

    Von mir aus unter CC: http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/de/ ;)

  18. 18

    @joerg: Als autobiografisches Fragment.

  19. 19

    Ich würde nicht sagen, dass die technik mich mag. das hört sich irgendwie sehr aufschneiderisch an (auch wenn ich max sehr gut verstehen kann). die meisten leute, die von sich sagen, sie seien technikgurus, haben davon oft soviel ahnung wie ein stein vom fliegen. deshalb sag ich mal ganz vorsichtig, dass ich eine gewisse technikaffinität habe.

    mir geht das iphone trotzdem am arsch vorbei! nicht nur, weil es sauteur ist und man sich nen widerlichen t-mobile-vertag an die backe binden muss, sondern auch, weil ich diese ganze apple-hysterie nicht verstehe. also gut, verstehe schon, aber nicht mitmachen will – und nicht nur, weil ich ein mittelloser student bin!

  20. 20
    David G.

    Bei mir ist es immer so, dass ich anfangs total begeistert bin von den ganzen technischen spielereien, aber dann mich irgendwann aufs wesentliche konzentriere. d.h. mit meinem handy telefonier ich mittlerweile auch nur noch. wenn ich im büro eh den ganzen tag online bin. und den ganzen i-hype kann ich irgendwie auch nicht nachvollziehen. ehrlich gesagt.

  21. 21

    Hehe, mal sehen wann die Nachlieferungen kommen und in welchem Umfang. Jetzt erstmal nichts auf Lager zu haben heizt die Leute noch ein bisschen mehr an. Drücke euch die Daumen, dass die Willigen unter euch bald auch eins haben. :)

    Grüße
    Sebastian

  22. 22
    El-Barto

    Soll das witzig sein? Muss man sich von Ihnen als Technikhonk tetulieren lassen? Ich galube nicht Herr Valin.

    Relevant scheint dieser Text auch nicht. Was wollten Sie uns mitteilen? Dass sie rückständig genug sind keine Mikrowelle bedienen zu können? Dass Sie leider aber auch fortschrittlich genug sind ein Weblog mit „Inhalt“ – oder so – zu füllen?

    Langweilen Sie doch eigene Leser und nciht die des Spreeblicks …

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