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Mitten in Berlin

Nein, wir waren nicht dabei, bei der gestrigen Eröffnung der „O2 World“ in Berlin, weder auf der einen noch der anderen Seite, doch als wir das abschließende Feuerwerk am Himmel sehen konnten, dachten wir für einen Moment: Ach, guck an, das erste Schwarze Loch und ausgerechnet das neue Enormodrome hat’s zuerst erwischt!

In einem Podcast hatten Tanja und ich einmal unseren Unmut über die Benennung von Sport- und anderen Hallen nach Unternehmen geäußert: Die Allianz-Arenen und O2 Worlds dieser Welt zwingen jede Berichterstattung, jeden Veranstaltungshinweis zur Erwähnung der Markennamen und damit zur kostenlosen Werbung und sorgen für den schleichenden Einzug der Markennamen in den allgemeinen Sprachgebrauch.

Das ist natürlich genau der Sinn der Sache für diejenigen Unternehmen, die in die betreffenden Hallen investiert haben, „Volksnähe“ lässt sich jedoch damit nicht einmal mehr suggerieren. Die „Sporthalle Mitte“ wäre uns lieber, doch diese Zeiten sind vermutlich vorbei, wenn es eben nicht mehr die Bezirke, Städte und Länder sind, die solche Hallen erbauen.

Es fällt schwer und scheint auch unsinnig, im Fall des neuen Funkelpalastes eine Pro- oder Kontra-Stellung zu beziehen. Da gibt es auf der einen Seite den architektonisch durchaus als großkapitalistische Protzerei ansehbaren Prunkbau inmitten zweier Bezirke, deren alternative und kreative Lebensstile zwar gerne für Berlin-Werbung genutzt, aber selten sinnvoll gefördert werden, da gibt es den als ultrakonservativ geltenden Großinvestor Philip Anschutz, der die Halle gemeinsam mit dem namensgebenden Telekommunikationsunternehmen finanziert hat, und da gibt es auf der anderen Seite die Initiative „Mediaspree versenken“ und die Spreepirat_innen, die den Bau als „widerlich“ bezeichnen und Anschutz die Unterstützung schwulenfeindlicher Gruppen vorwerfen.

Während die einen von „30.000 neuen Arbeitsplätzen“ reden (auf dem Gelände sollen rund um die Halle weitere Geschäftgebäude entstehen), sprechen die anderen von „miesen Jobs zu Armutslöhnen“. Was hier als „Schlüsselinvestition in die Stadt“ gefeiert wird, bedeutet dort „öffentliche Verluste in Millionenhöhe“.

Dabei beschreiben die Spreepirat_innen die Herausforderung eigentlich gut:

Am Beispiel der Veränderungen der Gegend um das Schlesische Tor wollen wir diskutieren, ob es einen Ausweg aus dem Dilemma gibt, dass subkulturelle und linke Aktivitäten Orte erst attraktiv für eine neue Mittelschicht machen. Selbst wenn Subkultur der Ausblick auf eine befreite Gesellschaft sein möchte, so passt sie doch erstaunlich gut in die Strategien der Kreativwirtschaft. Und sei es, weil sie so schön dem neoliberalen Bild des durchflexibilisierten Menschen entspricht.

Ganz abgesehen davon, dass ich als kaffeettrinkender Mittelschicht-Familienvater, desen selbstständige Arbeit hauptsächlich am Rechner stattfindet und hier und da als kreativ bezeichnet werden kann, in den Augen mancher vielleicht schon Teil des Kreuzberger Problems bin: Ob die erwähnte Diskussion durch das gestrige Erstürmen der DJ-Bühne einer privaten Radiostation, das als „überragender Sieg“ gefeiert wird, nach vorne getrieben wird, bezweifle ich stark. Und beobachte gleichzeitig erstaunt, wie der Tagesspiegel von einer während der Proteste zu Bruch gegangenen „Chemikalienflasche“ berichtet, die eine Atemwegsverletzung von 20 Polizisten hervorgerufen habe, während ausgerechnet die Berliner Morgenpost vorsichtiger schreibt, dass die Vermutung, die Flasche habe Phosphorsäure enthalten, bisher nicht bestätigt wurde und die Polizisten nur vorsorglich ins Krankenhaus gebracht worden wären. Den Titel „20 verletzte Polizisten“ gibt es bei der Morgenpost aber natürlich trotzdem. Liest sich besser.

Gäbe es eigentlich keine Proteste, wenn die Investoren der Halle ein schwuler, nicht-konservativer Milliardär (gibt es das?) und die LPG wären? Und andersrum: Hört irgendjemand innerhalb der Berliner Politik überhaupt zu, worum es den Protestierenden im Kern geht? Und zieht vielleicht auch Schlüsse aus diesen Forderungen? Macht sich dort jemand Gedanken um die Folgen einer Stadtentwicklung, die bereits für massive Mietpreiserhöhungen in der Umgebung sorgt und die zu einem Strukturwandel führen könnte, der weder den Bezirken noch der Stadt gut tut?

Es nervt einfach an allen Ecken, die gewünschte Diskussion geschweige denn Ergebnisse (ja, es wären mit Sicherheit Kompromisse) scheinen unmöglich zu sein. Konservative Milliardäre und Megakonzerne bauen offenbar rücksichtslos flackernde Prunkpaläste und schauen herablassend und verständnislos auf Demonstranten, denen allein die Tatsache, dass jemand Geld besitzt, schon fürs Feindbild zu genügen scheint. Am Ende finden einfach alle die anderen doof und unfähig und werfen ihnen ein falsches Leben vor. Aber alle wollen natürlich nur das Beste (für wen wohl?). Dabei klingt das gestern vor der Halle skandierte „Alles für alle und zwar umsonst!“ genauso hohl wie das großkotzige „Dies ist nicht das Ende der Story, sondern erst der Beginn“ der Anschutz-Gruppe bei der Eröffnungsrede.

Es ist garantiert keine exklusive Berliner Weisheit, doch hier hat sie Tradition:
Alle wollen nach Mitte, aber finden tut sie keiner.

Mehr:

Indymedia (mit Handy-Video, Mobilfunkprovider unbekannt)
Tagesspiegel (auch mit Video, Sprecherausbildung unbekannt)
Berliner Zeitung

(Hinweis: Der Spreeblick-Verlag betreibt u.a. ein Macintosh-Blog, bei dem O2 Hauptsponsor ist)

36 Kommentare

  1. 01

    Du sprichst mir aus der Seele.

  2. 02

    psst: du musst das schrägschreibe-tag zu machen…:)

    ansonsten blribt mir nicht viel zu sagen ausser: word.

  3. 03

    @nilz: Hab den Tag jetzt zugemacht.

  4. 04
    melmoth

    Triffts schon alles sehr auf das Köpfchen des Nägelchens. Wohne ja in Sichtweite der Arena und durfte mich sowohl durch den Polizei Riegel als auch die schon früher als sonst besoffenen Punks schlängeln um zur U-Bahn zu kommen. Alles schien so routiniert und eingespielt, die Revolutionäre organisiert und mit Parolen am Start wie seit Jahren („Scheiss Bonzen“) und die Staatsmacht fast gelangweilt in den Wannen sitzend, als ob ein allsamstägliches Regionalliga-Fußballspiel abzuwickeln sei. Im Grund sehr unaufgeregt das Ganze. Und 24 Stunden später interessiert es auf beiden Seiten doch eh keine Sau mehr. Eventprotestkultur: Frei sein, besoffen sein, Terror muß dabei sein! Und Investorenkalkül im Rathaus: 20 Uhr Eröffnungsfeier, 21 Uhr Chaotenaufmarsch, 22 Uhr interner Sektempfang mit Joe Cocker und dem CEO von Anschuetz Europe….1 Uhr Schluß der Veranstaltung, 1.30 Uhr Reinigungskolonne, 2 Uhr Licht aus.
    Same old…gähn!

  5. 05

    kurz gestutzt. „protestanten“ meint „protestierende“, oder?

    knapp neben diesem komischen blauen tempel ist das RAW. mal sehen, wie lange noch.

  6. 06
  7. 07

    Also Prunkpalast wäre das letzte Wort, das mir zur Beschreibung dieses häßlichen Gebäudes einfallen würde. Das hätte auch ganz anders aussehen können.

    Ansonstens fällt es mir echt schwer Sympathie für die Demonstranten aufzubringen. Da kommt ein Investor, nimmt richtig Geld in die Hand und schafft innerhalb von 5 Jahren eine 5-stellige Anzahl an Jobs. Welche Subkulturen wurden denn verdrängt? So weit ich mich erinnere, war da vorher nur eine riesige Brachfläche. Und was hat diese Arena mit dem Spreeufer zu tun?

  8. 08

    Das schlimmste an der Sache ist der verloren gegangene Blick von der Oberbaumbrücke auf die Spree. Ein wirklich grandioser Anblick, gerade in der Abenddämmerung. Jetzt aber durch das hysterische Zucken einer MegaLED-Wand vollkommen aufgemischt.
    Soll doch diese hässliche Halle rumstehen, daran könnt ich mich gewöhnen. Aber warum muss sie auch noch in alle Richtungen wild rumblinken, wie eine gigantomatische Klingeltonwerbung auf Speed? Das ist eine widerliche Verschandelung des Stadtbildes und gehört definitiv verboten.

  9. 09
    noknow

    Früher saß ich immer, wenn es dunkel geworden war, mit Freunden am Ufer in Kberg
    und schaute auf den Alex – Heute hat man Angst als Epileptiker zu enden, wenn die Plasmatafel mindestens 1km² in Blau und Rot zuckende CocaCola Selbstreferenz verwandelt – Mit dem einzigen Ziel „WERBUNG“ wird hier ein ästhetisches Verbrechen begangen, das wenn man es anspricht einen zum „Sozialisten“ degradiert –

    Traurig

  10. 10
    Stephan

    O2 Arena ? In Hamburg heist die AOL Arena bei Goggle immernoch HSH Nordbank Arena obwohl sie jetzt die Colorline Arena ist, daneben wird jetzt die Volksbank Arena gebaut, …

    Berlin wird sowas von beliebig!

  11. 11

    @Paolo Pinkel (7): Da stimmt wohl was mit Deiner Erinnerung nicht. Auf dem Gelände gab es eine gut funktionierende Clubkultur, die von Busche bis Nontox unterschiedliches zu bieten hatte.

    Was die 5-stellige Anzahl an Jobs angeht – klar, jetzt rennen alle Berliner wie blöde zusätzlich zu den anderen Veranstaltungen noch in die Ohtuhwörlt und seit gestern sind alle Flüge Tokyo-Berlin ausgebucht. Oder wolltest Du darauf verweisen, daß es in Berlin vorher keine adäquaten Veranstaltungsorte für den Dalai Lama & Co gab? Der braucht wohl was Mondäneres als so’ne poplige Columbiahalle oder Arena?

  12. 12
    erfolg&reich

    x

  13. 13

    @tschill: In die Anschutz-World passen 3x so viel Leute wie in die Arena. Zusätzlich kann man da Eishockey spielen. Es gibt da also schon Unterschiede.

    Wäre es den Gegnern dieses Projekts denn lieber, wenn Anschutz sein Geld in Leipzig oder Hamburg investiert hätte?

  14. 14

    @Paolo (13): Ach ja, das Kapital, das flüchtige Reh. Ich geb ihm einen Stips – es ist aus Gips. Schon seltsam, daß die Arena nicht in Klein Wanzleben aufgebaut wurde. Muß ich noch mal nachdenken, ob mir das lieber gewesen wäre.

    Der Clou der Idee ist doch nicht, daß etwas Tolles hier zusätzlich für Berlin entsteht, sondern daß der vorhandene Kuchen neu (und – so hofft die Anschutz-Gruppe natürlich – zu ihren Gunsten) verteilt wird. Die Veranstaltungen finden dann eben nicht in der Deutschlandhalle oder dem Velodrom statt, die damit weiter Richtung Bankrott schlittern, sondern an einem anderen Ort. Wo hier der positive Effekt für den ideellen Gesamtberliner liegen soll, müßte man mir mal erklären.

    Wer will, kann sich mal das Desaster mit dem Millenium Dome in London ansehen. Am Ende ist es immer die Stadt, die auf den Bauruinen sitzen bleibt, wenn die tollen Investoren wieder abgezogen sind.

    (Bevor hier irgendjemand auf dumme Gedanken kommt – die Investoren sitzen nur zufällig in Amerika. Einheimische Banker würden sich ganz genauso verhalten.)

  15. 15

    Für mich ab sofort: „žSporthalle Mitte“ Damit kann ich gut leben, dafür ein «Danke!»

  16. 16

    Als Wahl-Londoner mit Hamburger Vorgeschichte muss ich hier mal ein bisschen klugscheißen:
    @Stephan (10) Die HSH-Norbank-Arena heißt meines Wissens nach immer noch so und firmierte vorher unter AOL-Arena. Ganz früher hieß sie mal Volksparkstadion und im Volksmund der HSV-Gegner wahlweise „Stadion an der Müllverbrennungsanlage“ oder „St. Ellingen“. Ein paar Wochen lang hieß das Stadion auch mal Fifa WM-Stadion Hamburg. Die Color Line Arena steht daneben und heißt auch heute noch so. Sie ist wie die o2 World in Berlin unter anderem auch Eishockey-Halle.
    @tschill (14) Der Millenium Dome in London heißt jetzt „the o2“, und damit schließt sich der Kreis. Scheiße klingt das natürlich alles!

  17. 17

    @Daniel (16): Ebendrum ;) Was damit passieren soll, weiß aber (außer so’n bißchen Olympiadenquatsch und so) auch keiner.

    (Der Fairneß halber sei gesagt, daß das Londoner Sä Ohtuh noch grusliger als das Berliner Pendant aussieht.)

  18. 18

    das trifft ziemlich genau die gemengelage, aus der heraus ich auch über sowas denke. ich glaube, ich würde gern mal was für spreeblick machen.

  19. 19

    @Malte Welding: Wir nehmen nur Leute, die die Frisur von Christian Ulmen imitieren können.

  20. 20

    Ooh neee, bloß nicht Malte nehmen — der macht immer in Katzenkontent un‘ so „¦ Fußball.

  21. 21
    Nathanael

    ein Prunkbau ist das Ding wirklich nicht. Einer Kreativmetropole wird das überhaupt nicht gerecht. Ein kreatives Architekturbüro wäre in diesem Fall wirklich empfehlenswert gewesen…

    München hat das besser angestellt. Schade das gerade in Berlin so ein 0815-Bunker im biederen Shopping-Center Look hingeklotzt wird.

  22. 22
    Sebi

    Die Kölnarena heißt nicht mehr Kölnarena hab ich grad festgestellt :(

  23. 23
    Matti

    Das Problem ist, dass die Oh two Arena von einem INVESTOR gebaut wurde. Und ein Investor hat nun mal grundsätzlich nicht die Absicht, der Stadt oder deren Bewohnern zu helfen, unabhängig davon, wie konservativ oder homophob er ist. Deshalb geht es auch nicht nur um diese Halle, es geht um alle (Riesen-)projekte, die irgendein Untwernehmer versucht, in der Stadt hochzuziehen. Egal, um welches Gebäude es geht, in erster Linie geht es um PROFITMAXIMIERUNG, und das wird niemand bestreiten können. Und Profitmaximierung bedeutet: So geringer Lohn wie möglich für alle Arbeiter, so wenig Arbeitsplätze wie möglich, so viel Werbung wie möglich! Weder wollen die Berliner riesige Werbetafeln, noch wollen sie schlechtbezahlte Arbeitsplätze, hässliche Bauten, noch die Angst, wenn sie dann einen Job haben, diesen wieder zu verlieren. Und dass auf Dauer ja doch wieder Stellen abgebaut werden, ist doch jedem von vornherein klar. Bzw. wird die Anzahl der Stellen gleichbleiben oder sich vermehren, wenn weitere, genauso unbeliebte, hässliche und penetrante Objekte erbaut werden.

    Das nennt man KAPITALISMUS, ein Wort, das ich nur ungern in den Mund nehme, weil offensichtlich sowenige vernünftig damit umgehen können, ohne von Freiheit vs. Kommunismus zu reden und die Argumente als linkes Gewäsch abzutun.

    Fakt ist allerdings, dass es sich nicht lohnt, darauf zu hoffen, dass irgendwelche Investoren daherkommen, sinnvolle Arbeitsplätze in Berlin schaffen und den Bürgern zu einem besseres Leben verhelfen. Einen „Wirtschaftsstandort“ zu etablieren ist der Lebensqualität gegenüber stets kontraproduktiv und heißt doch nicht mehr, als Unternehmern in den Arsch zu kriechen, ihnen stadteigenes Land billig zu verkaufen und sie mit Steuervergünstigungen im Land zu halten. Aber muss es wirklich so sein, dass man reichen Einzelpersonen Geschenke macht, um almosen zurückzubekommen? Sicher nicht.

    Intelligenter wäre es wohl, wenn sich Bürger und Bezirks- bzw. Landesregierung zusammensetzen und überlegen, was sie auf leerstehenden Flächen denn sinnvolles bauen könnten, um gute und sinnvolle Arbeitsplätze zu schaffen und ohne die Gegend zu verschandeln. Da Regierungen aber wenig Interesse daran zeigen dürften, liegt es letztendlich an den Bürgern. Auch wenn Demonstrationen natürlich kein ausreichendes Mittel sein können, die Stadt positiv zu verändern, müsste es an sich immer Proteste geben, wenn Unternehmen bonzige Bauten verbreiten.

    Ansonsten gibt es reichlich Arbeitsplätze. Aber auf die Idee, dass alle Menschen ein bisschen arbeiten, dafür aber niemand mehr einen 8-Stunden-Arbeitstag hat (sondern 3-4 h), will niemand kommen. Naja, das liegt natürlich auch nicht im interesse der Unternehmen.

    Überhaupt muss die widersinnige und doch – scheint’s – verbreitete Vorstellung, dass lebenslanges Arbeiten nötig und natürlich ist, verschwinden. Es muss nur alles nötige und noch mehr für jeden vorhanden sein. Das heißt aber nicht, dass man 60 Jahre lang 5 Tage in der Woche schuften muss. Ganz im Gegenteil hat das eigentlich nur noch wenig miteinander zu tun.

    Nagut, ich bin wohl ein wenig abgeschweift, habe aber den eigentlichen Kern getroffen, denke ich:

    1. Natürlich ist Protest angebracht
    2. Natürlich hilft eine derartige Halle weder Berlin noch den Berlinern

  24. 24
    Niclas

    Ey Matti, Kommentare sind Kommentare und keine Schulaufsätze.

    Diese Flasche mit Phosphorsäure finde ich sehr interessant. Über solche Dinge berichtet der Tagesspiegel immer gerne. In Rostock wurden ja auch Polizisten mit rasiermessergespicktem Obst beworfen. Eigentlich eine Geschichte, die vor dem G8-Gipfel in Genua 2001 von der quasi-faschistischen italienischen Polizei erfunden wurde, um die Kasernierten und das durch Berlusconi-Medien gebildete Volk in die richtige Stimmung zu bringen. Aber wo käme man hin, würde man den gerade verletzten Beamten zwingen, das Corpus Delicti auch noch zu fotografieren. Die Beweislast liegt ja offensichtlich bei der Rasierklinge, die da so frech ihre Nichtexistenz behauptet, und nicht bei dem hochrangigen Sicherheitsexperten.

  25. 25

    Warum sagt eigentlich keiner was zum Riefenstahlschen Inszenierungsmist der Veranstaltung.
    Uhde heißt der sog. Performance Designer der Phrasen wie „Raum für Siege“, „Platz für Helden“ oder „Weltereignisraum“ zu Rammsteins „Reise, Reise“ auf die Displaywand der 02 World zauberte…

    Mehr dazu hier:

    http://www.feinrippundkorn.de/?p=173

  26. 26

    Halb off-topic: Bin vor kurzem beim Wildgoogeln in einem HSV-Fanforum gelandet. Dort erzählte einer der Fans, dass er im Taxi immer sagt: „žZum Volksparkstadion, bitte.“ Und wenn der Fahrer sich dann umdreht und freundlich sagt: „žSie meinen zur HSH-Nordbank-Arena“?, steigt er aus und nimmt ein anderes Taxi.

    Kurz: Sporthalle Mitte ist gekauft.

  27. 27
    peterchen

    ich glaube nicht, dass bei den protestierenden die feindbilder immer so klar sind. Es liegt allerdings in der Natur der sache, das Bannersprüche und Parolen meist verkürzt sind, weil sie kurz sind. Es wurde aber bestimmt nicht gegen die O2-Arena demonstriert, weil sie von Bonzen gebaut wurde. Ich weiß nicht, wer in der radikalen Linke das Wort Bonzen überhaupt noch benutzt. Wie die Protestierenden nicht einfach alles in Gut-Böse unterteilen können, so kann man ebenfalls die Gegner nicht einfach als besoffene Punks oder unreflektierte Alles-Hasser abstempeln.
    Und manchmal muss man sich eben entscheiden, ob man ablaufende Entwicklungen gemütlich einfach nur in seinem Blog kommentieren will, ob es einem reicht zu lamentieren wie die Stadt zu Schanden geht, oder ob man es wagt aktiv zu werden, sich zu positionieren.

  28. 28
    melmoth

    @peterchen: Leider schon! Die eigentliche Demo habe ich in der Kürze der Zeit des Vorbeifahrens nicht komplett verfolgen können, mußte mich aber notgedrungen auf der Warschauer Brücke durch die dort campierenden Massen drängen. Und deren Vokabular, Alkoholpegel und recht schlichte Gut/Böse Einteilung der Gesellschaft stellt sich leider genau so dar. Das Wort „Bonzen“ hielt ich auch für ein Relikt der 80er Jahre, aber weit gefehlt! Das hörst du sogar täglich bei den schnorrenden Punks dort…wahrscheinlich so eine Art verbaler Oldschool-Retro-Chic…Knorke eben! Positionieren kann man sich, logisch, sollte man sogar, bin aber mal gespannt wie intensiv dies Positionieren ausfällt, sobald die Open-Air Strandbarsaison beendet ist und die Mediaspree Unternehmen den Bagger und die Keule rausholen? Ketten sich dann Aktivisten bei 8 Grad und Nieselregen dort im Castorstyle fest? Oder warten die auf besseres Wetter im Frühjahr? Ich bin sehr gespannt!

  29. 29
    thomas

    let’s call it sauerstoffwelt

  30. 30

    Die O2 World ist ganz sicher nicht so hübsch wie de Oberbaumbrücke. An sich aber okay. Besonders im Sonnelicht.

    Das Blinken nervt des nachts allersings schon ganz schön. Das geht mir mit den großen Monitoren abseits der O2 World aber auch so.

  31. 31
    Norman

    Zugegeben: Mich stört die O2 Arena nicht sooo wirklich…was aber definitiv daran liegt das ich selten auf der Oberbaumbrücke saß und mir den Sonnenuntergang angeschaut hab.

    Faktisch wurde hier brach-land bebaut..ok..ganz ehrlich: That’s life!
    Ich verstehe definitiv das sich Leute daran stören, aber ich sehe es auch als normal an, dass Investoren Projekte starten um Gewinn-Maximierung zu betreiben.

    Was mich jedoch wundert ist die Tatsache das sich niemand über die Tatsache echauffiert das für diese, wirklich(!) hässlichen, Anzeigetafeln eigens ein Stück „Mauer“ rausgerissen wurde.

    Bars, Clubs oder s.g. (Sub)-Kulturen die beeinträchtigt wurden/werden sind die eine Sache, aber hier wurde ganz klar Zeit-Geschichte zu kommerziellen Zwecken zerstört und das finde ich viel schlimmer als die Arena an sich.

  32. 32
    Speravir

    Nach dem, was am Sonntag im rbb-Regionalfernsehen vom ersten Heimspiel der „Eisbären“ über die massive Verteuerung der Verpflegung zu hören war (im Vergleich zum Wellblechpalast), wäre wohl auch (Achtung, Achtung! Ganz schlechtes Wortspiel!) der Name „Anschiss-Arena“ angebracht, für Verächter der Rechtschreibdeform auch „Anschiß-Arena“.

    Na ja, leider ist das aber auch kein Wunder, sondern stinknormaler Kapitalismus, wie oben schon ausführlichst beschrieben.

  33. 33
    Ufo in F'Hain

    Let’s call it NO-GO-ARENA oder Anschiss-Arena.

    Danke, Spreeufer für alle.

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