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Bloggen mit dem iPhone

Eine Zeitlang habe ich bei Spreeblick mit Blogeinträgen von unterwegs rumgespielt, die sich meist auf das Posten von Fotos beschränkten — wir hatten ja damals noch kein Twitter, und längere Texte auf einem Handy zu tippen ist trotz T9 kein Vergnügen.

Die Software-Tastatur des iPhones mag nun ebenfalls keine Lösung für den nächsten ersten Roman sein, lässt aber ein vergleichsweise flüssiges Schreiben zu, so dass dem kurzen Blog-Eintrag während irgendeiner Wartezeit eigentlich nichts mehr im Weg stehen müsste, wären da nicht ein paar Hemmschwellen. Diese lassen sich jedoch leicht überspringen: Mit einem Klick.

Spreeblick nutzt das weit verbreitete und leicht zu erweiternde WordPress als Blog-Basis, und man sollte meinen, dass für das mobile Befüllen eines WP-Blogs eigentlich keine zusätzliche Software nötig ist, denn der ins Gerät integrierte Browser stellt Webseiten und damit auch ein Backend recht anständig dar. Dummerweise ist die Gestaltung des WordPress-Backends jedoch nicht einmal ansatzweise für kleine Bildschirme ausgelegt, und so wird der Versuch der WordPress-Nutzung auf dem iPhone zu einem dauernden Ein- und Auszoomen, Formularelemente tummeln sich an Stellen, an denen man sie nicht erwartet, und überhaupt wird alles sehr schnell unübersichtlich und langsam. Es geht, ja, aber es macht keinen Spaß.

Erste Abhilfe schafft hier Mobile Admin, dessen erste Versionen noch etwas krude wirkten, doch das hat sich mittlerweile geändert. Mobile Admin wird als WordPress-Plugin, also auf dem eigenen System, installiert und begrüßt danach den mobilen Blog-Backend-Nutzer mit einem aufgeräumten und angepassten Interface, das Zugriff auf fast alle regulären WordPress-Features zulässt. Eine nützliche und vor allem schnell einzubauende Erweiterung, die prima funktioniert und für viele wohl die einfachste Lösung sein dürfte — wenn man, und das ist der Haken an der Sache, Zugriff auf den Server hat, also Plugins installieren kann. WordPress-Nutzer, die ihr System nicht selbst betreuen, benötigen eine andere Lösung.

Bereits seit einiger Zeit ist eine spezielle WordPress-Applikation für das iPhone verfügbar (iTunes-AppStore-Link), die keinerlei Veränderung am System benötigt und die mich erstmal sehr freute — bis sie mir mehrfach abstürzte. Ich habe die App nach dem letzten iPhone-Firmware-Update nicht mehr getestet, mag sein, dass dieses solche Probleme behoben hat. Doch selbst, wenn das Programm inzwischen stabil läuft: Es fühlt sich noch unfertig an. man kann also nur raten: Installieren, selbst testen, ggf. auf ein Update warten. Einen Versuch ist es auf alle Fälle wert, denn schließlich ist das Programm kostenlos.

Ganz anders die neue Applikation iBlogger, für die man im AppStore immerhin 7,99 Euro ausgeben muss (iTunes-Affiliate-Link). Die wenigen bisherigen Kommentare vergeben Höchstnoten und auch mein eigener Spreeblick-Test verlief reibungslos mit dem iPhone-typischen Interface. Bilder lassen sich per Kamera oder Archiv einfügen, die eigene GPS-Position kann man mit einem GoogleMaps-Link in einen Artikel einbauen, Kategorien etc. sind auch kein Problem und könnte Apple endlich die lächerlicherweise immer noch fehlende Copy/Paste-Funktion in die Firmware integrieren, würde das alles noch viel mehr Spaß machen.

iBlogger unterscheidet sich nicht nur im Preis von den anderen Apps, sondern auch im Funktionsumfang, denn mit dem Programm kann man nicht nur auf WordPress-Blogs zugreifen, sondern auf einige andere Systeme. Hierzulande dürften dabei besonders Drupal, TypePad und Blogspot/Blogger interessant sein. iBlogger kommt von illumineX, der Firma, die inzwischen hinter dem Mac-Blog-Editor ecto steht (und die dringend einen Webdesigner gebrauchen könnte). Ich habe iBlogger nur mit WordPress ausprobiert, aber auch für andere Systeme bestätigen die iTunes-Kommentare gelungene Tests. Was natürlich das Mindeste sein sollte, was man von einer Software erwarten kann: dass sie kann, was sie vorgibt zu können.

Wenn es mobile Erfahrungen mit anderen Geräten, Programmen und Systemen gibt: Immer her damit!

12 Kommentare

  1. 01

    Könnt ihr nicht einfach ein Admin-Stylesheet für den Medientyp „handheld“ entwerfen ?

  2. 02

    @erlehmann: Ich schätze, Mobile Admin tut genau das. Ich selbst würde mich da nicht ranwagen, an das StyleSheet des WP-Backends.

  3. 03

    Krass, genau das richtige Posting zur richtigen Zeit. Morgen startet der Flieger in den Urlaub und ich habe die Frage, wie ich von unterwegs blogge noch nicht wirklich geklärt. Das wird weiterhelfen :)

    Vielen Dank!!!

  4. 04

    @Johnny Haeusler: Es scheint den User-Agent zu sniffen und auf dieser Basis verschiedene Stylesheets zurück zu geben (und das auch noch für media="screen") – meiner Meinung nach nicht gerade die sauberste Art, das zu tun …

    Disclaimer: Ich hab nur mal ein paar Minuten in den Quellcode geschaut – sorry falls mir etwas Wichtiges entgangen ist.

  5. 05

    ich würde es ja gerne mal probieren, aber mein iPhone 3G hat schon nach 2 Monaten den Geist aufgegeben.

    Andererseits: ich finde nicht, dass man mit der iPhone Tastatur „vergleichsweise“ (Vergleich zu was?) flüssig schreiben kann. Im Gegenteil.

  6. 06

    @kidffm: Im Vergleich zu „normalen“ Handy-Tastaturen komme ich mit der iPhone-Tastatur gut zurecht. Blackberry-Tasten finde ich viel zu klein, kenne aber Leute, die darauf schwören (allerinfs isnd idhe mails voelker tippfehelr).

    Die beste mir bisher untergekommene mobile Tastatur war allerdings die vom Sidekick.

    (Mein iPhone 3G hatte auch ne Macke, Austausch hat eine Woche gedauert.)

  7. 07

    Ich habe gar kein iPhone, weil mir auch der kleinste angebotene Vertrag mit 29 Euro im Monat einfach viel zu teuer ist.

    Trotzdem finde ich solche Ansätze äußerst interessant, der Wunsch mobil im Netz zu sein ist ja schon da. Daher steht dieser Artikel also in einer Reihe mit dem Artikel über „cab4me“ (für Android) aus dem gestrigen Golem Newsletter.

  8. 08

    Ich war ja nach dem Lesen des Artikels Feuer und Flamme für Mobile Admin, nur um dann mitzubekommen, dass das Plugin ab WordPress 2.5.1 einen fatalen Fehler verursacht und nicht funktioniert. Last update: 2007.

    Hätte ja klappen können. Schade.

  9. 09

    @Helmut: Echt? Ich check das Montag mal, als wir es am laufen hatten, waren wir mindestens auf 2.5.

  10. 10

    @Johnny Haeusler: Im entsprechenden Error-Thread berichten mehrere von diesem Fehler, auch unter 2.6. Sollte es bei euch/dir unter 2.6 laufen – ich upgrade sofort.

    (Würde ich sonst auch irgendwann machen. Irgendwann.)

  11. 11

    Ich war ja skeptisch, aber das Geld für die Applikation ist gut angelegt. Wesentlich besser als die kostenlose WordPress Applikation und zudem flexibler, da sie eben auch mit anderen Blogsystemen zurecht kommt.

  12. 12

    Also ich nutze mittlerweile das WordPress.app aus dem Appstore. Funktioniert jetzt endlich gut, und für Lau macht es alles was ich brauch. Weiß nicht warum ich da Geld zahlen sollte.

    Ich finde vor allem Genial, dass man eben „Offline“ Einträge schreiben kann und nicht dauernd Empfang braucht. Gerade beim Zugfahren bei O2 und dem iPhone manchmal ein wenig schwer.

    Ansonsten habe ich noch ein Backend Plugin mit meinem WordPress am Laufen, was auch unter Version 2.6.x super funktioniert.

    Alles wird ans iPhone angepasst und fast alle Funktionen stehen zur Verfügung.

    Link: http://wphoneplugin.org

    Auf der Anmeldenseite von WordPress muss man einfach einen Haken bei „Mobile Admin Fläche“ machen.

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