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Carla Bruni

Dies ist keine Liebesgeschichte: Seit Carla Bruni und Nicolas Sarkozy im Februar diesen Jahres geheiratet haben, diskutiert und debattiert Frankreich (und nicht nur Frankreich) an der Ehe des Präsidentenpaares das Verhältnis von Kunst und Macht, die Rolle der Frau und vor allem: die pikanten Geheimnisse hinter den Kulissen des Élysée-Palastes.

Die Lidermacherin
Böse Zungen behaupten, Carla Bruni klimpere besser mit den Augen als mit der Gitarre. Musikalität ist bei französischen Chansons allerdings kein Qualitätskriterium, wie Françoise Hardy und Jane Birkin beweisen. Es geht mehr um die Attitüde: ein charmantes, schüchternes, aber auch verruchtes Mädchen flüstert etwas über amour ins Mikrofon, im Hintergrund ein Saiteninstrument. Heisere Heiterkeiten, ein bisschen französischen Charme drauf, fertig ist die Milchcafé-Atmosphäre.

Ihre dritte CD interessierte Kolumnisten, Polit-Investigative und Musikkritiker nurmehr unter dem Gesichtspunkt, ob Frivolitäten und Indiskretionen darauf zu finden seien: Unglücklicherweise hat niemand versteckte Hinweise auf die Länge des sarkozystischen Geschlechtsteils entdeckt. Der französische Boulevard fröhnt seinem Voyeurismus und erinnert sich feixend an Brunis bewegtes Liebesleben: Mick Jagger, Eric Clapton, Donald Trump, Kevin Costner, Vincent Perez, all diese Männer hat man ihr schon nachgesagt. Und über all diese Männer führt der Weg in die Betten des Élysée-Palastes. Da würde man ganz gerne mal nachschauen.

Die Anmutsfalle
Frankreich selbst weiß nicht, ob es Carla Bruni ernst nehmen will oder nicht. In den Artikeln wimmelt es von Querverweisen zu Jacky Kennedy, Mme de Gaulle, Eva Perón einerseits – andererseits nehmen ihr nur wenige die neue Ernsthaftigkeit ab. Zu unglaubwürdig war der Wechsel vom Nacktmodell zum hochaufgeschlossenen Kostümchen, von der promiskuitiven Künstlerin zur familienfixierten Klosterschülerin, vom Vamp zur Wendy.

Carla Bruni kommt aus dem Großbürgertum, aus der Kunstszene und hat, wie sie sagt, „linke Reflexe“. Sarkozy ist der klassische Parvenü, der sich bis vor kurzem mit Rolex, teuren Kugelschreibern und sonstigen Insignien des Reichtums versah. Inzwischen hält er sich auf Anraten seiner Berater etwas zurück mit den protzigen Accessoires. Er ist in der Welt des Bling-Bling zu Hause, der Hiphopper unter den Staatspräsidenten. Sarkozy und Bruni ergänzen sich also bestenfalls, er der Machtmensch, der Aufstrebende, sie die Kultivierte, die Etablierte.

Paarlaufen
In England war das schön zu beobachten: Während le petit Nicolas vor der Queen stand wie ein Schulbub ohne Tüte, erklärte Bruni dem englischen Fernsehzuschauer, was sie mit dem Liedtitel „Tu es ma came“ („Du bist meine Droge“) meinte: irgendwas mit love.


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Das sind die Details, an denen sich Sarkozy gerade messen lässt: Wenn jemand wie Bruni über ihn im Fernsehen sagt, er sei „really kind“, kann er kein so schlechter Kerl sein: Es scheint im Élysée zuzugehen wie in einer Nachmittagssoap. Den Glanz, der Bruni Sarko hin und wieder verleiht, kann er gut gebrauchen, denn die politische Stimmung ist mies: Die Zustimmung in der Bevölkerung lässt nach, seine Führungsstärke wird in Zweifel gezogen, und sein Premierminister François Fillon erfreut sich weit größerer Beliebtheit.

Wer wem nutzt, ist noch nicht recht klar. Über diese Frage wird sich auch entscheiden, ob Bruni als role model der neuen, selbstbestimmten Frau herhalten kann, oder doch nur ein Repräsentationspüppchen ist. Ob sie nun neue F-Klasse ist, oder alte.

14 Kommentare

  1. 01
    Bob

    Wir könnten versuchen, Carla Bruni gegen das Merkel zu tauschen. Schlechter wird sie den Job auch nicht machen. Sie singt immerhin besser als Merkel redet und klimpert besser als Merkel regiert.

  2. 02

    @Bob:

    ich würde lieber kevin kuranyi gegen fw steinmaier eintauschen. weil der NOCH komischer ist

  3. 03
    Bob

    Kevin Kurany hat bei der EM nur Mist gebaut. Der passt eigentlich gut ins Kabinett.

  4. 04

    Und Joachim Sauer wird sich, vielleicht, auch etwas freuen. Vielleicht eine Nacht oder so.

  5. 05
    peter h aus b

    Artikel: Gähn.. leider ein ganz schlechter von Frédéric (Aber der Name Bruni bringt bestimmt ein paar zusätzliche Klicks).

    Habt ihr nicht nötig.

  6. 06
    Frédéric Valin

    @peter h aus b: Immer wenn ein Kommentar von Dir in meinen Mails aufpopt, denke ich: Gleich kommt ein strafender Blick. Das ist nicht böse gemeint, aber ich wollte das mal anmerken.

    (Wenn ich für Klicks schreiben würde, stünde hier mehr über Paris Hilton, insgesamt. Meine Frankophilie wirst Du ja schon bemerkt haben, ich erspar uns mal weitergehende Ansätze, warum der Artikel geschrieben worden sein könnte.)

  7. 07

    Très bonne analyse, chèr collègue.

  8. 08

    Wie es Deutschland wohl mit einer Paris Hilton an der Spitze gehen würde? Würden dann die Prestigeprodukte Auto und Bier von Prosecco in Dosen und Mini-Hunden abgelöst werden? Gott bewahre…

  9. 09
    peter h aus b

    @Frédéric Valin:

    Du hast doch auch schon sehr gute Artikel geschrieben.. hab ich das noch nie gesagt? Asche auf mein Haupt.

    „…vom Vamp zur Wendy.“
    Das hat mir sogar in diesem gefallen!

  10. 10
    Rotti

    „Es scheint im Élysée zuzugehen wie in einer Nachmittagssoap“ … nein es geht so zu wie in einer Nachmittagssoap, wie aktuelle Medien zu berichten wissen

  11. 11
    Frédéric Valin

    @peter h aus b: :)
    (Ich werd jetzt an meinem Eindruck rumschrauben gehen.)

  12. 12

    Also, ich bin ja immer noch davon überzeugt, die beiden haben irgendeinen Vertrag geschlossen (Anstieg in den Umfragewerten gegen mehr verkaufte CDs) … oder sollte es etwa wirklich Liebe sein ??
    L.

  13. 13
    Andreas

    Es ist mir ein absolutes Rätsel wie Frau Bruni sich auf einen derartigen Hampelmann wie Herrn Sar-Kotzi einlassen konnte.
    Da kann es sich wieder mal nur um Macht und Kohle handeln………..einen anderen Grund kann ich beim besten Willen nicht erkennen……………….

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