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Home is where the heart is: Tocotronic don’t want to be part of MTV’s german lyrics poll

German indie rockers Tocotronic oppose their country’s MTV by explaining in their recent newsletter that they hadn“™t been asked about taking part in the station’s „žHeimatmelodien“ (home melodies) poll.

The poll with the the subtitle „Deutschland — Land der Dichter und Denker“ (Germany — land of poets and thinkers) lets MTV viewers vote their favourite german lyrics.

Tocotronic, whose german lyrics are amongst the best in the country according to the Spreeblick staff, attach great importance to the fact that the band was not asked to take part in the poll and that polls voting for best german lyrics represent the complete opposite of what Tocotronic stand for.

48 Kommentare

  1. 01

    wow, what just happened? johnny und englisch?

  2. 02
    *ch*

    *wir sind viele*

  3. 03
    Frank

    oh man, diese tronics nerven!!! alle zwei jahre ein album machen, das jeder für eine woche lang gut findet, sich aber am jahresende nicht mehr dran erinnert und dann diese ständigen rechtfertigungen. wir kennen deinen standpunkt jan/dirk/arne, den musst du nicht ständig wiederholen! es ist egal, aber so wollt ich euch doch nicht haben.

  4. 04

    Lustiger Einfall, den Eintrag auf Englisch zu schreiben.

    Ansonsten lässt mich die Sache etwas ratlos zurück…“Heimatmelodien“ ist doch ein offensichtlich ironisch gewählter Titel und Votings gibt’s doch an allen Ecken und Enden…was ist also an einem, das den besten deutschen Songtext sucht, schlechter als an allen anderen?

  5. 05

    und immer wieder vereinnahmungen… ein plumper versuch von mtv, der offenbart, wie intensiv sich die redaktion inzwischen mit musikern auseinandersetzt.
    sehr schade

  6. 06

    @olli: Ich muss und will ganz sicher nicht einen Sender verteidigen, der mich seit Jahren nicht mehr interessiert, aber ich verstehe deine Aussage nicht, falls sie nicht ironisch gemeint ist.

    Was genau vereinnahmt ein (auch) Musik-TV-Sender mit einer Abstimmung über favorisierte Songtexte? Und wieso setzt sich die Redaktion nicht mit Musikern auseinander, wenn sie auch Tocotronic zur Auswahl stellen, wenn es um gute deutsche Texte geht?

    Wenn ich jetzt einen Artikel schreibe und mir eine Abstimmung ausdenke, die ich „Welches sind eure liebsten Horror-Romane?“ nenne, und wenn ich ein paar Vorschläge mache, muss ich dann Steven King vorher fragen?

    Oder ganz anders gefragt: Wie hätte man es denn selbst umgesetzt, wenn man in der MTV-Redaktion arbeiten würde und die Idee gehabt hätte, man könne ja Leute mal über gute Texte abstimmen lassen?

  7. 07

    Auch wenn ich persönlich das alles nicht so eng sehen würde wie die Herren von Tocotronic, so wiederspricht dieser Wettbewerb doch — wie sie ja selbst sagen — dem, wofür Tocotronic stehen. Sie singen nicht auf Deutsch, weil es für sie Heimat oder gar Identifikation bedeutet, sondern weil sie sich darin am besten ausdrücken können. Für sie ist es eben kein Ausdruck für den Kulturraum Deutschland. Wenn, dann müsste es um die deutsche Sprache gehen, und da hat das Datum 3. Oktober sowie der Untertitel vom „Land“ eben rein gar nichts mit zu tun.

    Auch wenn man Tocotronic nicht als Antideutsche bezeichnen kann, wenden sie sich doch offen gegen Begrifflichkeiten wie „Nation“ und „Heimat“, wie sie schon mehrfach in Interviews, Liedtexten und Aktionen bewiesen haben.

    Von daher ist es a) nur konsequent von Tocotronic, sich dagegen zu wehren und b) von MTV mal wieder ein Beweis dafür, wie viel die noch von Ihren Künstlern verstehen.

  8. 08

    @Johnny Haeusler: Da ist ein weiter Unterschied: Es wird nicht über deutsche (i.S.v.: Sprache) Texte abgestimmt, sondern über deutsche (i.S.v.: Nation) Texte. Und wenn eine Band überhaupt nichts mit der Nation oder auch der Begrifflichkeit anfangen kann…

    Nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich, aber: Wie fändest Du es, wenn Ihr in einer Abstimmung zum „besten preußischen Blog“ stehen würdet? Aus Tocotronic-Sicht ist dies nämlich durchaus vergleichbar.

  9. 09

    natürlich ist „nur“ eine abstimmung über favorisierte songtexte, aber wieso dann unter dem „deutschland“-label? ich bestreite nicht, dass die texte von den tocos großartig sind, vielmehr sind wir da wohl eher einer meinung, und ich unterstelle der band – von deren höflichen bescheidenheit einmal abgesehen (in köln erschien vor längerem ein buch mit toco-texten) – dass sie das wohl auch unterschreiben würden, aber muss es dann wieder deutschland sein?
    und dann ausgerechnet bei der band, die sich der „i can’t relax in deutschland“-kampagne angeschlossen hat, die ein lied „aber hier leben, nein danke“ veröffentlichte (übrigens leidenschaftlich mitgesungen von dem typ im toco-shirt und mit deutschlandfahne um den hals… ich stand knapp hinter ihm), und die es sich mit viva verscherzt hat, weil sie den preis „jung, deutsch und auf dem weg nach oben“ bei der comet-verleihung ablehnte.
    es entspricht der wahrheit, dass es sich bei den tocos um eine band aus deutschland handelt, aber muss man sie dadurch gleich stigmatisieren? kein wunder, dass die band davon abstand nimmt.

  10. 10

    @einbecker: Ich konnte online bei MTV nichts dazu finden, daher kann ich nicht beurteilen, wie sehr es dabei um „Deutsch“ im Sinne von Nation geht. Ich seh’s wie du einfach auch nur nicht ganz so eng, man weiß doch, wie sowas entsteht: Redaktion überlegt sich was zum 3. Oktober und kommt auf die Idee, mal über deutsche Texte abstimmen zu lassen. Ob die Idee nun der Knaller ist, bezweifle ich auch.

    „Preußisch“ hinkt als Vergleich doch tatsächlich — denn die suchen ja auch keine preußischen Texte und mit einem Poll, in dem es um deutsche Blogs ginge, hätte ich kein Problem, kommt aber auf den Absender drauf an. Meinen wir denn, dass Tocotronic kein Problem mit dem Poll hätten, wenn er „Songtext-Voting“ hieße und in der Unterzeile die „besten deutschsprachigen Texte“ gesucht würden? Oder: Ist MTV als Absender nationalistisch? Ich weiß es echt nicht, wie gesagt, ich guck das nicht wirklich.

    Das mit der Heimat ist immer wieder eine Diskussion „¦ ich mag keinen Nationalstolz und verstehe, dass Tocotronic da jeden Verdacht vermeiden wollen. Aber: Sie legen schon auch einen gewissen Wert darauf, dass sie aus Hamburg und nicht aus Chicago kommen, oder? ;)

  11. 11
    Chris

    „Die Nächte kommen, die Tage gehn,
    es dreht und wendet sich.
    Hast du die Scherben nicht gesehn,
    auf den du weiter gehst?
    Wo ist das Licht, wo ist dein Stern?
    Er fehlt.
    Er fehlt hier, du fragst mich, wo er geblieben ist.“

    Ich glaube, sie wollten sich nur die Peinlichkeit ersparen, hinter Bands den 2. Platz zu belegen, die solchen Müll (s.o.) verbreiten. Lasst die Jungs doch machen. Eine Haltung wird nicht unglaubwürdiger, nur weil sie über einen langen Zeitraum transportiert wird. Eine „Wir gegen das Sytem“-Diskussion ist doch immer fragwürdig, sobald man/frau auch nur eine einzige Platte verkauft hat.

  12. 12

    @olli: Schon klar, das alles, die Motivation usw. — aber ist das wirklich sinnvoll? Ist es nicht auch klasse, wenn eine Band, die „Aber hier leben, nein danke!“ singt, zu den beliebtesten gehört? Und definiert das dann nicht das Publikum und Band auf eine Art und Weise, dass einem der Begriff „deutsche Popmusik“ nicht peinlich sein muss?

    Die Popkomm hat dieses Jahr u.a. den Fokus „türkische Musik“. Müssten die türkischen Bands Einladungen ablehnen, um nicht als nationalistisch zu gelten?

    Ich stelle mich absichtlich etwas „blöd“ an, ich hab ja selbst oft Probleme mit dem Label „Deutsch“, aber ich frage mich halt, was nötig wäre, damit man dieses Label als das sehen kann, was es oft nur sein soll: Eine geografische und sprachliche Einordnung, die für jedes andere Land der Welt okay geht: Britpop. New Wave Of British Heavy Metal. Die „Stars“ waren in einem Kanada-Paket unterwegs, schwedische Bands legen auch gerne Wert auf ihre Herkunft, blahblah. Ihr wisst schon.

  13. 13

    @Chris: Lass ich gelten. :) Strikte Ablehnung von all solchen Geschichten find‘ ich okay. Aber, wie du auch sagst, das muss der Kapelle doch auch klar sein, und ihren Fans ebenso: Dass sie mit ver*öffentlichter* Musik eben keinen Einfluss darauf haben, wer das hört und gut findet oder dafür oder dagegen stimmt. Das Leid vieler Künstler „¦ „Ich will nicht, dass ihr meine Lieder singt“.

    Ich mag doch Leute, die ihre Haltung durchziehen, ich find’s in diesem Fall nur etwas albern, weil sie überhaupt keinen Einfluss auf die Ideen von MTV haben und niemand ihnen das vorwerfen würde/könnte.

  14. 14
    georg

    ich finde, die jungs von tocotronic nehmen sich viel zu ernst.

  15. 15

    @Johnny Haeusler: Das ganze findet am 3. Oktober statt, dem deutschen _National_feiertag. Im Untertitel ist explizit „Deutschland“ erwähnt. Das reicht den Jungs (und mir), um den Wettbewerb in die Nation- und nicht Sprach-Ecke zu packen. Ich weiß nicht, ob sie etwas gegen einen Sprach-Contest etwas hätten (ich vermute: ja), was ich dann nicht nachvollziehen könnte, denn sie wählen ja diese Sprache, egal aus welchem Grund.

    Was ich mit preußisch sagen wollte: Für sie ist das Konzept von Nationen so tot wie für uns Preußen.

  16. 16
    pocomonique

    KAPITULATION vor toc.:

    „da bin ich aber traurig
    und weiß nicht mal warum.
    ist es die musik oder der grund
    oder das warum-warum?“

    so, komm ich jetzt im fernsehen?

    :-)

  17. 17

    @einbecker: Naja, ja, nee, also: der Poll ist ein Wettbewerb, in dem es um deutsche Texte geht. Dass der in einem nationalstaatlichen Context stattfindet, ist dem Poll ja erstmal egal. Und Tocotronic müssen selbstverständlich in einem Poll, in dem es um deutsche Texte geht, enthalten sein. Aber eigentlich sind wir ja beeinander und sehen das nicht so eng ;)

  18. 18

    @René: Ehm. Das ding heißt „Heimatmelodien“ und der Untertitel lautet „DeutschlandLand der Dichter und Denker“ — wo genau steht da was von deutscher Sprache? Auch bei MTV kann man dazu nix finden, nur sehr viel „Land“, „Deutschland“ und ne deutche Flagge. Da steht nirgendwo etwas von Sprache (abgesehen vom Wort „Lyrik“). In diesem Sinne hätte ich übrigens gerne noch The Robocop Kraus nominieren wollen: Großartige (nationen-)deutsche (sprach-)englische Texte. Etc. pp.

  19. 19

    (Nachtrag: Keiner der nominierten Künstler kommt aus (Deutscher Sprachraum minus Deutschland).)

  20. 20

    @einbecker: Danke für den Link, hab ich oben nachgetragen.

  21. 21

    @Johnny Haeusler:
    ich finde das statement der band klingt auch nicht nach rechtfertigung. vielmehr drückt die band ihre meinung zu dieser aktion aus.

    und das bedürfnis seine meinung kundzutun, ist den leuten, die auf dieser seite artikel und kommentare schreiben, sicherlich nicht ganz fremd…

  22. 22

    @einbecker: >Keiner der nominierten Künstler kommt aus (Deutscher Sprachraum minus Deutschland)

    Sehr guter Einwand. Trotzdem, wie Johnny bereits gesagt hat: man weiß doch, wie das zustande kommt. Da sitzen die Praktis und die Redakteure im Meeting und dann kommt man eben auf „žHeimatmelodie“, weils so schön nach Volksmusik klingt und „žLand der Dichter und Denker“ ist eben diese Phrase, die praktisch immer genommen wird. Das ist nur mäßig witzig und eher egal… wie gesagt: ich seh das nicht so eng ;)

  23. 23

    @Johnny Haeusler:

    Ich glaube nicht, dass die Jungs selbst ein Problem damit haben unter die Kategorie „deutsche Popmusik“ zu fallen, weil das grundlegend etwas mit Herkunft und Sprache, abgekoppelt von einem Nationalbegriff zu tun hat.

    Ein großes Problem ist bezüglich der MTV-Misere wahrscheinlich die Konotation von Heimat, die so einen leicht altbackenen Traditionsbewusstseintouch in sich trägt. Das kombiniert mit der Deutschlandflagge hinterlässt einen ziemlich bitteren Beigeschmack.

    Es ist einfach ein Statement, um eine Position zu festigen, deren Kontrapunkt beispielsweise in der schwarz-rot-goldenen Kostümierung von Mia gipfelt, die als Flaggschiff vor einer deutschtümmelnden Popkultur herziehen (und die von MTV in dem Falle noch unterstützt wird, denn deutsch(national) zu sein ist ja wieder schick).

    Und man mag das Ganze, wie du lieber Johnny, übertrieben finden, allerdings werden Mia, im Gegensatz zu Tocotronic, auch gespielt, wenn sich Menschen mit rechten Gedankengut zum Biertrinken trefffen.

    Wahrscheinlich war die Pressemitteilung, die über den Emailverteiler der Band lief, selbst eine Reaktion auf Fanreaktionen. Denen ist es nämlich nicht egal, welche anderen Leute diese Band noch hören und sie nehmen Einfluss darauf.

  24. 24

    @johannes: Zu allem den Senf dazu geben? ICH???? ;)

    @meierrr: Der Hinweis, dass die Band auf Fan-Reaktionen reagiert, ist ein wichtiger, daran hatte ich nicht gedacht „¦ und im Grunde muss man ja froh sein über Bands, die sich abgrenzen (auch in Fällen, die ich vielleicht übertrieben halte). Vielleicht gehen wir das Thema nochmal neu an, abgelöst von Tocotronic. Denn ich mag nicht glauben, dass Deutschnationalsein wieder schick sein soll.

    Ich vermute (weiß es aber nicht, ich kenne Mia kaum, weil ich die Musik nicht ertrage), dass Mia vielleicht zu naiv und sorglos damit umgehen, oder aber dass sie vielleicht auch eine Generation sind, die Ballast abwerfen wollen (ob das richtig ist oder nicht ist eine weitere Frage).

    Gibt es einen Link zur Spex, in der das alles schonmal diskutiert wurde?

  25. 25

    http://de.babelfish.yahoo.com/translate_txt
    Deutsche indie Schalthebel Tocotronic setzen MTV ihres Landes entgegen, indem sie in ihrem neuen Rundschreiben erklären, dass sie nicht nach der Teilnahme an der Heimatmelodien „žder Station „ž(Hauptmelodien) Abstimmung gebeten worden waren. Die Abstimmung mit dem Untertitel „žDeutschland – Land der Dichter und Denker „ž(Deutschland – Land der Dichter und der Denker) lässt MTV-Projektoren ihre deutschen LieblingsLyriken wählen. Für Tocotronic, dessen deutsche Lyriken unter dem Besten im Land nach Ansicht des Spreeblick Personals sind, beimessen hohe Wichtigkeit zur Tatsache, dass das Band nicht wurde gebeten, an der Abstimmung teilzunehmen und dass die Abstimmungen, die für beste deutsche wählen Lyriken, das komplette Entgegengesetzte darstellen von, welches Tocotronic Standplatzes.

    ‚Räusper‘

  26. 26

    @Johnny Haeusler: Heft 291, wenn ich mich richtig erinnere. Ich bin aber kein guter Archivar, weshalb meine Ausgabe jetzt in irgendeinem hessischen Provinzhotel auf ihre Abwischnutzung wartet. Vielleicht mal den Herrn Wacht fragen. (@Spex bei Twitter)

  27. 27
    Matthias (the one and only)

    Ich versteh das.

    Man muss die McKinseyisierung der Gesellschaft ja nicht unbedingt unterstützen.

  28. 28
    Simon Pfirsich

    Ich kann nachvollziehen, dass man als Musiker ungern in die Klauen der MTV-Abstimmerei gerät. Allerdings finde ich es schade, dass man sich (anscheinend) dafür schämt, mit den Begriffen „Heimat“ und „Deutschland“ in Verbindung gebracht zu werden. Und das, obwohl an dieser Stelle sogar das Kompliment der Bezeichnung als „Dichter und Denker“ einhergeht.

  29. 29

    man muss auch als mensch des öffentlichen lebens nicht allen scheiß mitmachen bzw. ignorieren. und seine meinung kund tun ist doch in den zeiten von „blogs“ total modern. die reaktion der band ist doch daher mehr als verständlich.

  30. 30
    Anwesen abgebrannt: Nick Nolte verletzt

    Nur leichte Rauchvergiftung.

  31. 31

    wofür sind denn die jungs von tocotronic? das sagen die nie!

  32. 32
    Kaum wieder zu erkennen - Yvonne Catterfeld mit Schnauzer!

    ach, wieder nichts!

  33. 33

    @Johnny Haeusler:

    Und wieso setzt sich die Redaktion nicht mit Musikern auseinander, wenn sie auch Tocotronic zur Auswahl stellen, wenn es um gute deutsche Texte geht?

    weil tocotronic diesm identitären heimatsblödsinn völlig entgegensteht.

  34. 34
    Moritz

    @René Walter: Das ist nicht mäßig witzig, sondern gar nicht. Witz und Phrase gehen schlecht zusammen. Vor allem aber ist es deshalb nicht witzig, weil es sich am Objekt des „Witzes“ gar nicht stört (bei MTV übrigens permanent Taktik, wenn es um Good Ol‘ Deutschland geht). „Heimatmelodien“, wenn das Judenblut vom Messer spritzt. „Deutschland – Land der Dichter (Goethe & Schiller) und Denker (Eichmann & Schmitt)“. Jeder, wirklich _jeder weiss_, dass die Vernichtungslager Deutschland relevanteste kulturelle Erzeugnisse sind und immer bleiben werden. Wer nicht daran denken muss, der verdrängt. Was da laut René „eben Phrase“ ist und „so schön klingt“ ist vielmehr eine beispielose Erbärmlichkeit. (Davon mal abgesehen kommen sie nicht mal eben darauf: MTV Masters – Let’s talk about Germany (again). Rekonstruktion der Nationalen Idenität ist das. Dumm nur, dass man das auf Leichenbergen zustandebringen muss)

    Dabei bin ich nicht einmal Antideutscher oder Antisemitismusforscher. Nicht einmal ein Linker bin ich. Aber Scheiss drauf, ein Traum, was sonst?

    @Johnny Haeusler: Das glaubst Du doch wohl selber nicht. Wer genug Hirn zum Denken hat, der wäre gerne in den Vereinigten Staaten geboren. Als ob es da Alternativen zu überdenken gäbe.

    P.S.: Warum wrecken eigentlich die Zitatlinks wenn man den Post editiert. Oder ist das jetzt nur bei mir so?

  35. 35

    @Moritz: Oh je. Wer ist denn dieser jeder, der da weiß, dass niemals in der großen Dunkelheit der Zukunft wieder dieses so wichtige Deutschland eine dermaßen relevante Erfindung einreichen wird in den Reigen der Relevanz.

    Und obendrein hab ich meiner eigenen Einschätzung nach ausreichend Hirn zum Denken und bin dennoch nicht unglücklich darüber, statt in den USA in Deutschland geboren worden zu sein. Es kommt mir doch so vor, als wäre dieser sehr berechtigte und mir auch ziemlich sympathische Selbsthass der Deutschen bisweilen auch recht destruktiv.

    Jajaja, war alles schlimm und so, ich weiß und will das auch nicht abstreiten. Aber eine halbwegs gesunde nationale Identität (vielleicht im Sinne von: Schaut, wozu die Deutschen imstande waren, lasst uns dafür sorgen, dass das nie wieder passieren kann) ist wahrscheinlich für einen Großteil der Menschen hier kognitiv und emotional einfacher zu bewältigen als die ewige Paranoia. Ich bin überzeugt davon, dass sich manche Probleme einfacher angehen ließen, wenn bei diesem offenbar so immens wichtigen Begriff „Deutschland“ nicht von gewisser Seite aus immer nur „Juden schlachten“ gekreischt würde.
    Dumm nur, dass sowas ansonsten oft nur Leute vom Schlage eines Viva Hammonia befürworten und somit natürlich niemals irgendeine halbwegs sinnvolle Lösung gefunden wird.

    Das mein ich aber auch eher zu deinem Text als zur Sache mit MTV.

    Mal abgesehen davon, dass man mit einer derart extrem konfrontativ geführten Diskussion eben überhaupt gar nichts erreicht außer dass aus Trotz oder wegen sonst was erst Recht das Deutsche hervorgekehrt wird.

  36. 36
    Moritz

    Ja, Du hast recht. Wozu in die USA, wenn man doch in Good Ol‘ Deutschland soviel kickt, zum Beispiel Hip Hop / Black Metal / Drum & Bass. Wer wollte schon am Herz des Popmodernism leben. Lieber hier konstruktiv und so. Im Lande von [zukünftige „Overthetoperfindung“ einsetzen].

    Eine „gesunde deutsche Identität“ erreicht man am besten indem man so tut, als sei nie etwas gewesen. Wir tun einfach so, als ob wir wie die Franzosen wären. Außerdem: Vichy – Auschwitz, hat schließlich Klarsfeld schon geschrieben. Ist ja auch egal. Auf jeden Fall versteh ich mich mit Franzosen und Amis blendend. Diese „ewige Paranoia“ zu ertragen ist eigentlich ja auch mindestens so schwer, wie ewiger Jude zu sein.

    Jajaja, war schon alles schlimm und so. Freut mich, dass Du das auch gar nicht abstreiten willst.

    edit: weshalb Du nur glaubst, ich wollte etwas erreichen. Niemand versteht mich :(((. Bin ich sooo hängengeblieben. Buhu.

  37. 37

    @Moritz: Also das Herz des äh „Popmodernism“ würde ich eher im Vereinigten Königreich suchen, woher in den letzten Jahrzehnten stets die revolutionäreren Töne kamen.

    Was Tocotronic betrifft, fürchten man wohl, dass dieser „Hauch von Mainstream“ auf die Plattenverkäufe an die ganzen kleinen zwanghaften Indymädchen drücken könnte..

  38. 38
    Marc

    @Frank:
    Würden alle den Standpunkt von Tocotronic kennen, hätte MTV sie nicht mit in dieses komische Deutschland-Voting mit reingenommen.

    Aber so ganz versteh ich die Diskussion hier sowieso nicht. Der Song „Aber hier leben, nein danke“ wurde doch genau deshalb geschrieben – damit die Versuche, Tocotronic für diese Musik-aus-deutschen-Landen-Scheisse inkl. Deutschquote im Radio, etc. zu vereinnahmen, endlich aufhören. Und somit solche Statements gar nicht mehr nötig werden. Hat aber offensichtlich nichts genutzt…

    @Johnny Haeusler: Falls der Artikel online nicht verfügbar ist, kann ich ihn Dir gerne einscannen.

    Für das nächste MTV-Heimat-Voting schlag ich vor:
    – Die Sterne – Ich scheiss auf deutsche Texte
    – Tocotronic – Aber hier leben, nein danke
    – Egotronic – Raven gegen Deutschland
    – Knarf Rellöm Trinity – Arme kleine Deutsche

    http://de.youtube.com/watch?v=0JeeV9mOxrA
    http://de.youtube.com/watch?v=Fz2Y6xZJFKs
    http://de.youtube.com/watch?v=sJHNd7wiqC8

    Wenn schon, denn schon…

  39. 39
  40. 40

    @Marc: Ich hätte noch „Hallo Wessisau“ von Milch anzubieten. Ohne YouTube.

  41. 41
    Marc

    @Johnny Haeusler: Kenn ich leider nicht. Hört sich zwar eher kacke – aber auch interessant an. Kann man da irgendwo reinhören?

  42. 42

    @Marc: Nee, die waren toll! Man findet leider kaum was im Netz, der Song ist aber auf diesem Album.

  43. 43

    @mm: danke. hatte in der zwischenzeit auch nachgeforscht.

    aber ich denke, dass der begriff „nation“ so wie wir ihn hier in zentraleuropa heute kennen, der inbegriff und die grundvoraussetzung von und für frieden ist.

    das müsste die tocotronics dann auch mal anerkennen.

  44. 44
  45. 45

    @ Moritz: Nicht so ironisch, das ist auf Dauer zu anstrengend. Außerdem weiß man dann nie, was nur Angst ist und was Spaß.

    Des weiteren bist du nicht wirklich auf mich eingegangen. Aber das wäre auch zu viel verlangt, oder?
    Und wenn du schon Anführungszeichen machst, dann zitier mich richtig und nicht verzerrend.

    Und schau halt nochmal nach, was ich eigentlich geschrieben habe.

    Ich: „Aber eine halbwegs gesunde nationale Identität (vielleicht im Sinne von: Schaut, wozu die Deutschen imstande waren, lasst uns dafür sorgen, dass das nie wieder passieren kann) ist wahrscheinlich für einen Großteil der Menschen hier kognitiv und emotional einfacher zu bewältigen als die ewige Paranoia.“

    Daraus wird bei dir: „Eine „gesunde deutsche Identität“ erreicht man am besten indem man so tut, als sei nie etwas gewesen.“

    Da ich nicht weiß, was du darüber denkst: Ist Deutschland viel schlimmer als Frankreich? Und warum? Ich bin Franzose, wieso verstehst du dich mit mir denn nicht, wo ich qua Nationalität doch schon gut bin? Und warum wird man besser in den USA geboren? Ich bitte um aufrichtige Antworten. Wär ja mal was.

  46. 46
    Moritz

    Sollen wir das jetzt wirklich aufrichtig „ausdiskutieren“? Wir zwei Spreeblicker. Also ich fürchte, wir kommen da auf keinen grünen Zweig. Außerdem hab ich gerade keine Lust. Ganz kurz: Zu meiner Behauptung bezüglich der Relevanz stehe ich immer noch. Ich weiss nicht welche Schaltungen in Deinem Inneren vor sich gehen, wenn Du den Begriff „Erfindung“ einbringst. Selbst das größte Drehkarussel der Welt made in good ol‘ Germany hätte mit der Sache irgendwie wenig zu tun. Wenn du das nicht nachvollziehen kannst, trennen sich hier unsere Wege (einmal mehr). Noch kürzer, ich werde gerade ziemlich müde: … also… wir sind hier nicht in América. Leider. Sonst würde ich ja alle Witze von der Sarah Silverman und Daily Show verstehen. Ach, kp. Zu müde. Morgen mehr. Oder nicht.

  47. 47

    Jajaja, Erfindung schon ok. Darfst gern ein passenderes Wort einfügen, das sich auf kulturelle Erzeugnisse reimt oder sonstwie hervorgebracht wird. Du bist dennoch nicht auf meine Fragen eingegangen. Wenn du das nicht tun magst, gibst du mir offiziell Recht :).

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