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Bailout und Streetart in London

Krisen sind so etwas wie die Dieselmotoren des Kunstbetriebes (Ich hab‘ gerade einige Szenen von Das Boot auf Youtube gesehen. „Das muss das Boot aushalten!“), wenn die Luft raus ist, kann man damit wieder gut in Fahrt kommen. Nur wirken sich die wenigsten Krisen auf den Westen aus.
Mit Arbeiten über den Irak- und Afghanistan-Krieg kann man vielleicht noch den Turner-Preis gewinnen, aber ansonsten sind die durch. Da kommt die aktuelle Finanzkrise eigentlich wie gerufen. Die Streetart als Speerspitze der postmodernen Kunstschaffenden hat traditionell schnell reagiert. Der Unterschied zu den oben genannten Krisen: Bei der Finanzkrise kann das Objekt ohne weiteres genau im Epizentrum platziert werden, um dann anschließend in den Dialog mit den Opfern zu treten. Da so ein Epizentrum bei mir in der Nähe ist, hab ich mich mal mit Kamera auf Safari begeben.

Das erste Bild zeigt einen Flashmob vor der Royal Exchange, die heute ein Luxus-Einkaufszentrum ist (sic!). Rechts im Bild wartet der Tod.

Die folgende Bilderserie zeigt eine Installation abseits der Threadneedle Street.

Der London Newspaper meldete in der gestrigen Ausgabe, die Urheber des Schreins wären Bankangestellte. Das will ich mal nicht ganz glauben, aber ausschließen kann man es auch nicht. NACHTRAG: Ich seh gerade dass Wooster Collective K“¢GUY als Künstler nennt.

Der Decapitator hat sich des Themas auf seine eigene Weise angenommen. Er hat eine Werbeanzeige der Halifax auf der Mare Street geköpft. Die Hypothekenbank Halifax ist als Teil der HBOS (Halifax Bank of Scotland) eine der drei Banken die im Königreich durch 37 Milliarden Pfund teilverstaatlicht werden. Ich hab die Reklame am Sonntag aus dem Bus heraus gesehen. Als ich Montag erneut davor stand, war sie allerdings schon mit einem fetten Cheeseburger (jetzt mit noch mehr Speck) überklebt, aber immerhin hatte ich dann die Kamera dabei, um im Bankenviertel die anderen Bilder zu machen. Titel des Werkes: „Untitled 25 (or Hey dude, where’s my mortgage?)“.

Vorher:

Nachher:

Mehr Sachen des Decapitators auf seiner Flickr-Seite und René hat noch ein Video einer älteren Aktion.

10 Kommentare

  1. 01

    Echt grusellig diese Bilder aber irgendwie werde ich das gefühl nicht los das alles mit Photoshop bearbeitet worden ist… ich meine damit ist ja nun fast alles möglich ;-)

  2. 02

    Das erste sieht mir aber verdaechtig nach einer Demonstration aus, nicht einem „Flashmob“ der Kunst machen will.

    Shop Stewards Network ist sowas wie der Gewerkschaftsverband. Was auf den anderen Plakaten steht kann ich leider nicht erkennen.

  3. 03
    Nico [Jackpot Baby!]

    @Armin: kann man halten wie ein dachdecker. die transparente sind von der socialist party und sie fordern „nationalise to save jobs not bosses – join the socialist party“. ein indiz dass es doch ein flashmob war: da waren mehr kameras als teilnehmer.

  4. 04
    Max

    @Armin: hello wrold

  5. 05

    Flashmob hin oder her. Ich finde es sehr passend.

  6. 06

    @Nico [Jackpot Baby!]:

    Kann man. Nur die Socialist Party selber nennt es ‚Protest outside the Bank of England‘. Womit der Bezug zum Luxuseinkaufszentrum auch irgendwie nicht ganz stimmt und eher ein Nebeneffekt ist.

  7. 07
    Nico [Jackpot Baby!]

    na gut jetzt hast du mich;) ich weiß doch dass es eine demo war. von anfang an.

  8. 08

    @Nico [Jackpot Baby!]:

    Es ging mir nicht darum, Dich „zu kriegen“, es geht mir darum dass kein Unsinn verbreitet wird, vor allem wenn es so einfach war das rauszubekommen wie hier.

    Gerade in Blogs (und wenn ich mich nicht irre auch hier immer wieder mal) wird immer wieder gerne gemeckert wie wenig doch die Presse recherchieren wuerde und welch einen Unsinn die immer verbreiten wuerde.

    Dann erwarte ich von Blogs irgendwie schon dass sie das selber wenigstens etwas besser machen. Vor allem wenn es wie in diesem Fall wirklich ein Kinderspiel war:
    Sowie ich wusste dass auf den Plakaten „Socialist Party“ stand (Wissen dass Du ja die ganze Zeit hattest) hat es mich 30 Sekunden gekostet genau diese 2 Worte in Google einzugeben, auf den ersten Link zu klicken um zur Parteiwebsite zu kommen, dort in der rechten Spalte die Eintraege unter „Latest“ zu lesen und den weiter oben geposteten Link zu finden. OK, das klappt vielleicht nicht immer, aber leider mache ich aehnliche Erfahrungen sehr oft.

    Ist es zuviel verlangt so viel Recherche von einem Eintrag zu erwarten der ja irgendwie doch im Reportagestil geschrieben ist? Ich meine nicht, daher nehme ich mir auch das Recht heraus wenn ich solche Fehler sehe diese entsprechend zu kommentieren. Gerade bei grossen Blogs, weil diese naemlich oft von kleineren Blogs ohne Hinterfragen verlinkt und weiterverbreitet werden (was irgendwie wieder ein anderes Thema ist, die „Verantwortung“ grosser Blogs).

  9. 09
    Nico [Jackpot Baby!]

    @Armin: okay, dann nochmal ausgeschrieben: die bezeichnung der demonstration als flashmob hab ich ironisch gemeint, weil ich im grunde davon ausging, dass das auf dem foto für jeden offensichtlich eine demonstration ist.
    abseits davon kann man natürlich auch diskutieren inwieweit flashmob und demonstration nicht sogar ein und dasselbe sind. unter bestimmten umständen.

  10. 10
    corax

    @Armin:
    @Nico [Jackpot Baby!]: Ein Flashmob ist keine Demonstration sondern eine (zulässige/s) Streikmaßnahme/Arbeitskampfmittel.

    sagt zumindest das LAG Berlin-Brandenburg.

    Voll im Ernst jetzt, ey.

    Peace :—)

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