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Räuber und Gendarm

Eine tolle Party, ein guter Film, ein paar Flaschen Bier – es gibt so viele Möglichkeiten, die Woche abzuschließen. Als Raub-Opfer ins Wochenende zu starten ist keine besonders erstrebenswerte Option, wie ich nun leider aus eigener Erfahrung versichern kann.

Als ich die sechs, sieben Kerle in dunklen Kapuzenjacken auf mich zukommen sehe, da denke ich noch kurz: Könnte sein, dass mir jetzt nach einem guten Jahrzehnt in Kreuzberg zum ersten Mal Stress bevor steht. Ich verwerfe den Gedanken aber sofort wieder: Blödsinn, denke ich, ich gehe weiter, die gehen weiter. Wie immer. Doch schon wenige Sekunden später bemerke ich den Bogen, den die Jungs auf mich zu machen und schon steht einer von ihnen direkt vor mir und hält mich fest, während sich die anderen um mich gruppieren.

Sofort erkenne ich die Lage, wirbele herum und schalte vier von ihnen mit einem gekonnten Fußtritt aus, während ich mit meinen Händen

Man kann, fehlende Praxiserfahrung mit Raubsituationen vorausgesetzt, seinen Körper in einer solchen Lage schwer kontrollieren und verspürt Angst, und zwar jede Menge davon. Doch kurz vor dem Versagen meiner Harnkontrolle kann mich mein Gegenüber, der für das bevorstehende Ritual ganz offensichtlich eine gewisse Routine entwickelt hat, beruhigen: Mach keinen Stress, dann passiert dir nichts.

In der Ahnung, dass sie nicht besonders weit führen würde, vermeide ich die Debatte darüber, wer denn hier wohl gerade wem Stress machen würde und hebe meine Hände um klar zu signalisieren: Ich habe alle Waffen im Wagen liegen lassen, hinten, auf der Mutablage. Ihr braucht also keine Angst vor mir zu haben, ihr sechs oder sieben geübten Kerle gegen einen völlig Wehrlosen.

Fremde Hände durchsuchen meine Taschen, finden mein Telefon, Geld, Plastikkarten. Dazwischen der Hinweis, ich solle auf den Boden gucken und die Jungs nicht ansehen. 30, vielleicht 40 Sekunden dauert der Spuk, dann, so wird es später der Bericht der Polizei formulieren, entfernen sich die Täter vom Tatort. Und ich gehe nach Hause, als käme ich gerade von einer nicht so richtig erfolgreichen Vertragsverhandlung und hätte trotzdem unterschrieben.

Zuhause angekommen kämpfe ich mit den Tränen. Aus Wut und Verzweiflung, aber auch aus Erleichterung darüber, diesen Moment körperlich unbeschadet überstanden zu haben. Es gibt wohl kaum erniedrigendere, demütigendere Situationen als jene, in denen man ohnmächtig und hilflos der Willkür einer vermutlich gewaltbereiten, zumindest klar überlegenen Gruppe von Menschen ausgesetzt ist und keine andere Wahl hat als nur zu tun, was sie verlangen.

Whisky.

Die Polizei ist wenige Minuten nach meinem Anruf bei uns, man hatte sowieso gerade in der Gegend zu tun gehabt. Verständnisvolles und unüberraschtes Nicken bei den Beamten, parallel versuche ich, mit den dämlichen Sprachsystemen der Kartensperrungsinstitutionen zurecht zu kommen. Telefonische Übergabe an die Kripo, die aber vielleicht ein bisschen länger bis zum Eintreffen brauchen könnte. Tschüss, schönen Abend noch.

Keine drei Minuten später erneutes Klingen an der Tür. Die Polizei nochmal, ich solle doch mal runterkommen, man habe die Täter vermutlich gefasst, wegen Gegenüberstellung und so.

Super Idee, denke ich: Ich gehe jetzt runter vor meine Haustür und da stehen — vielleicht — die Jungs, die aus gutem Grund Wert darauf gelegt hatten, dass ich sie nicht ansehen solle. Und dann? Was sagt man denn da zum Abschied? „Tschüss, bis morgen“?

Aber so läuft das ja nicht. Ich setze mich in eine Wanne zu einer, das meine ich ernst, so vertrauenserweckenden Mannschaft, dass ich kurz über einen Berufswechsel nachdenke, und wir fahren ein paar Runden durch die Nachbarschaft. Dann beendet der ganz offensichtlich äußerst frustrierte Beamte, dessen Wortwahl ich zum Schutz seines Arbeitsplatzes hier nicht wiedergeben möchte, die Funk-Kommunikation mit den anderen Kollegen, die die mutmaßlichen Täter offenbar mittlerweile haben laufen lassen. Verschiedene ebenfalls nicht zitierfähige Äußerungen der Missbilligung dieses Vorgehens folgen von der Mannschaft und ich muss ein bisschen lächeln: Klingt fast wie in unserer Mailingliste.

Wieder zuhause angekommen erneutes Türklingeln. Nicht die Kripo, sondern eine andere Abteilung. Kurze Befragung. Verabschiedung. Warten. Etwas später dann endlich die Kripo. Drei Leute, einer schreibt. Jedes Detail wird festgehalten. Ob die Jungs eher neun oder zehn Meter von mir entfernt waren, als ich sie bemerkte. Welche Farbe denn die Jacken gehabt haben könnten. Nicht bei jeder Frage ist mir klar, welchen Unterschied meine Antworten wohl für die Ermittlungen machen würden, doch ich bemühe mich, sie so korrekt wie möglich zu liefern. Beim Protokollpunkt „mehrere Männer vermutlich südländischer Herkunft“ erspare ich mir den Einwand, dass ich Italiener als Täter mit relativ hoher Sicherheit auschließen kann, denn ich will einfach nur ins Bett. Ich bin endlos müde und am Ende, Tanja geht es nicht anders und wir hoffen, dass unsere Kinder nicht aufwachen.

Am frühen Morgen, rund drei Stunden nach dem Raub, hatten sich alle Polizeibeamten, es müssen (exkl. Wannenmannschaft) insgesamt etwa 12 gewesen sein, von uns verabschiedet. Zieht man einen ausgedachten Algorithmus zu Rate, der die eingesetzte Manpower, den Zeitaufwand und das erzielte Ergebnis berücksichtigt, liegt die Effizienzquote bei den Jungs, die mir mein Hab und Gut abgeknöpft haben, merklich höher als bei der Polizei.

Und trotzdem habe ich den Eindruck, dass alle Beteiligten inklusive meiner Person an diesem Abend sehr genau wussten, was sie zu tun hatten, beinahe wie in einem Spiel. Einem Scheißspiel, wohlgemerkt:
Kein Spaßpunkt.

70 Kommentare

  1. 01

    Obwohl das Ereignis wenig belächelnswert ist, freue ich mich doch sehr über die „Mutablage“…

  2. 02

    sind denn die personalien von denen, die der andere trupp hat laufen lassen, aufgenommen worden?

  3. 03

    Zum Glück ist dir nichts passiert.

  4. 04

    mal verliert man, mal gewinnen die anderen.

  5. 05

    puh – blos gut, dass du heile geblieben bist! genau vor solch einer situation hab ich bei uns im friedlhain auch manchmal schiss, wenn ich spät abends nach hause komme.

    alles gute mit dem ganzen nachfolge-kram!

  6. 06

    Oh man. Das hatte ich auch schon ewig nicht mehr und ich fühlte mich als fast 40-jähriger eigentlich auch gut davor gefeiht… Gut, dass noch alles an Dir dran ist.

  7. 07

    ja , gut das dir nichts passiert ist.
    ich wurde letztes jahr „überfallen“. das war aber am hellichten tag in der fußgängerzone. hatte mich geweigert der gruppe von 7-10 türken meine zigaretten und brille (was auch immer die damit wollten) zu geben. das nächste was ich weiß , war das ich in der notaufnahme war. ;-)

    gerade gestern hab ich „lock , stock and two smoking barrels“ gesehen und mir noch gedacht wie geil der song ist.

  8. 08

    Holla. Mein Mitgefühl. Darf man erfahren in welcher Gegend das etwa war? So zum vorsichtig sein.

  9. 09
    Felix

    Mann,
    Das Schlimmste ist die Zeit danach, wenn man um jeden finster drein Blickenden einen großen Bogen macht, und daß man sich so verdammt ohnmächtig fühlt.

    Zur Krönung darf man noch tagelang seine Zeit auf Ämtern zubringen, bis man seine ganzen Dokumente wieder hat.

    Gut, daß dir sonst nichts passiert ist.

  10. 10
    rio

    Wie schon gesagt, gut dass dir nichts passiert ist!
    ich bin nach einer ähnlichen Situation und dem verzweifelten Versuch eine Freundin zu verteidigen mit Gehirnerschütterung 5 min später wieder aufgewacht, nachdem die Jungs wohl Angst bekommen habe, dass ich mich nicht mehr bewegt habe (nachdem sie zugetreten hatten wohlgemerkt)

  11. 11

    @mspro:
    Kreuzberg.
    Neukölln, Mitte, Friedrichshain und Charlottenburg sollen aber auch nicht ohne sein, versicherte uns die Polizei.
    Ermittlungsflauten gäbe es im Grunde nur in den Sommerferien, wenn die mit all den gesammelten guten Gaben heim zur Verwandschaft führen.

  12. 12
    rio

    Wie schon gesagt, gut dass dir nichts passiert ist!
    ich bin nach einer ähnlichen Situation und dem verzweifelten Versuch eine Freundin zu verteidigen mit Gehirnerschütterung 5 min später wieder aufgewacht, nachdem die Jungs wohl Angst bekommen habe, dass ich mich nicht mehr bewegt habe (nachdem sie zugetreten hatten wohlgemerkt)

    Und alles für ein (altes) Handy…

  13. 13

    Ich glaube, die Gegend ist im Grunde fast egal. War halt Pech. Und Glück, wenn ich so eure anderen Geschichten lese „¦

  14. 14
    Hervorhebung

    „Ermittlungsflauten gäbe es im Grunde nur in den Sommerferien, wenn die mit all den gesammelten guten Gaben heim zur Verwandschaft führen.“

  15. 15

    @Malte Welding:
    Das ist für mich die zentrale Frage!
    Denn ich denke nicht, dass sie die Personalien aufgenommen haben und hoffe, dass einfach die entsprechenden Formulare aus waren oder der Bleistift leer oder die Blase voll oder die bestellte Pizza grade geliefert wurde oder….

  16. 16

    (Dummykommentar zur leichteren Verfolgung der Kommentare – spannendes Thema. Nicht schön, aber halt interessant)

    Als ich mal in dieser Situation war, habe ich mich auch nicht bewegt. Nicht, weil ich rational entschieden habe, dass es das beste ist, sondern weil ich gelähmt war vor Angst. Ist halt echt ein Scheissgefühl, und man geht danach so viele Dinge durch. Hätte ich nicht einfach zuschlagen sollen, was bist Du für ein Schisser, zumindest Füsse in die Hand nehmen… Man schämt sich sogar ein wenig und weiss nicht, warum.

    Ach, schrecklich das alles. Vielleicht habt ihr ja Glück und sie kriegen sie noch, aber wirklich erfüllend ist das auch nicht.

  17. 17
    Frédéric Valin

    Mußtest Du die Verbrecherkartei durchblättern? Im Kommisariat? Damit Du (im Fall der Fälle) einen wieder erkennst?

  18. 18

    @Frédéric Valin: Ich glaube nicht. Das wäre auch komplett sinnlos. Ich konnte niemanden erkennen, die Gesichter waren mit Kapuzenjacken verdeckt und wenn man sich bei sowas nicht 100%ig sicher ist, würde ich nie sagen: Der war’s.

  19. 19
    Jolka

    Meine Mutter wurde mal Zeuge eines Überfalls auf der Straße. Dank ihrer guten Beschreibung wurden die Täter geschnappt. Wochen später musste sie zur Gerichtsverhandlung. Dort wurde in Anwesenheit der Täter ihre Personalien und Adresse vorgelesen zwecks Bestätigung ihrerseits. Die Täter wurden ihr nicht vorgestellt…

  20. 20
    Irreversibel

    Was für eine beunruhigende Story. Freut mich, dass Du unverletzt davon gekommen bist aber darf man fragen wo in Kreuzberg und zu welcher Uhrzeit das passiert ist?

  21. 21
    Frédéric Valin

    @Johnny Haeusler: Hoffentlich musst Du da nicht hin. Das macht richtig Paranoia: Nachdem ich damals 3000 Gesichter (auch südländischen Typs) am Rechner und in den Ordnern durchgeblättert hatte (ohne Ergebnis, versteht sich), sah für drei Wochen jeder südländische Typ, den ich auf der Straße, in einer Bar oder in der U-Bahn kreuzte, aus wie einer, der in der Kartei vorkam. Oder wie der große Bruder. Gruselig.

    Falls sie Dich fragen, kannste ja sagen, Du wärst gesichtsblind.

  22. 22
    HCL

    au scheisse. wenigstens nicht noch das macbook dabei gehabt“¦
    toitoitoi wegen ämterrennerei etc!

  23. 23
    jochen

    wie wird man sich aber nun zukuenftig verhalten?
    faehrt man lieber mit dem taxi nach hause wenn es spaeter wird? steckt man pfefferspray ein oder laesst lieber mal das teure mobiltelefon zu hause?
    dreht man nun um und geht einen umweg wenn die gestalten einem unheimlich sind?
    ist doch alles kacke. als opfer fuehlt man sich schlecht, die taeter haben ihr gewissen laengst abgeschafft.

    die bloedmaenner haben viel mehr geraubt als „nur“ das materielle. zumindest fuer eine weile wird man sich eingeschraenkt, unsicher oder aengstlich fuehlen.

  24. 24

    @Irreversibel: So die Ecke Kottbusser Brücke, aber Richtung Kreuzberg in die kleinen Straßen rein, wo viele Restaurants und Cafés sind, die bereits geschlossen waren.

    @jochen: Ich denke, man sollte einfach weitermachen. Gegenwehr ist garantiert ein Fehler, es sei denn, man ist Chuck Norris. Das fällt am Anfang nicht leicht, denn der Schreck sitzt in den Knochen, aber das wird schon wieder.
    Ich erwäge aber den Kauf einer Ritterrüstung.

  25. 25

    Wohne in einer kleinen Stadt und wurde in jungen Jahren auf dem Weg nachhause, etwas Abseits von den üblichen Wegen, auch von 3-4 „südländischen“ Typen angehalten, die mir ihr Waffen zeigen wollten, wenn ich ihnen nich meine Geld gebe, ob sie welche hatten oder nich ist in dem Moment dann auch furchtbar egal – das Risiko will man nich eingehen. In dem Moment zückte ich mein Geldbeutel und hab den schön das Ding in die Hand gedrückt – eigentlich tierisch bekloppt, da es so nichtmal wirklich Diebstahl war!
    In der selben Woche, bin ich dann mit dem örtlichen Polizisten (sagte ja bereits: kleine Stadt) zu jedem gefahren der dafür in Frage hätte kommen können und an der Tür wurde face to face geklärt ob das einer der Täter war.
    Das ist wirklich unangenehm, wenn man bei 5 Häusern war, die komplette Familie der evtl. Täter anwesend und man dann sagen soll, ob das einer der Leute ist oder nicht … never ever!

  26. 26

    Mist! Verdammt.

    Bin gerade froh, dass es Dir gut geht. Also im Sinne von Dir bei der Aktion nichts passiert ist. Vorbei ist so ein Erlebnis ja noch nicht sofort.

  27. 27
    jochen

    @Johnny Haeusler: ich wuerde auch nicht auf die idee kommen mich wehren zu wollen.
    die sache mit der ritterruestung gefaellt mir. man koennte dich schon von weitem am klappern erkennen ;-)

  28. 28

    @jochen: Nachteil: Das Wegrennen wird etwas erschwert.

  29. 29
    jochen

    @Johnny Haeusler: vieles wird dann schwerer …

  30. 30

    Ach du grüne Neune. Wie bescheuert. Mein Mitgefühl. Meiner Erfahrung nach ist die beste Art, solche Situationen zu vermeiden, ganz banal und simpel, nämlich: Fahrrad fahren. Türkengangs (man sollte sie ruhig so nennen dürfen, gilt aber auch für Albaner-, Kurden- oder Libanesengangs) sind nämlich meistens zu Fuß unterwegs.
    Aber, wo ich schon „Türken“ gesagt habe: Wo bleiben denn eigentlich unsere Freunde aus der politisch inkorrekten Ecke? Wäre das nicht ein gefundenes Fressen zum hämisch-drüber-Herfallen? Spreeblick-Chef von Südländern ausgeraubt! Weigert sich trotzdem, der Bedrohung durch die Moslembruderschaft endlich ins Auge zu blicken!
    Na?

  31. 31
    karmacoma

    Oh je, schrecklich sowas. Mir wurde in der Schulzeit mal in Marzahn mein Geld abgenommen. War aber nur das Geld, so blieb mir der Weg zum Amt zwecks neuem Perso und so nem Kram erspart. Ab dem Zeitpunkt bin ich da nie wieder alleine hingefahren und es dauerte auch ne Weile bis ich generell irgendwo alleine während der Dunkelheit rumlaufen konnte. Musste mir dann auch so ne Verbrecherkartei oder wie die heißen angucken. Hab einige erkannt, die man da in der Gegend öfter mal rumlungern sah, aber die jenigen, die mich erwischt hatten, waren nicht dabei. Hätte aber wahrscheinlich nicht viel geändert. Ich wünsch dir jedenfalls, dass du bald wieder gefahren- und angstlos durch die Gegend ziehen kannst, damit „nur“ die Wertsachen weg sind.

  32. 32

    Nach kurzer, aber reiflicher Überlegung nehme ich diese zwar sarkastische, aber dennoch Aufforderung zurück und entschuldige mich dafür. Ich will mich nicht auch hier noch mit Demagogen herumstreiten. Bitte bleibt draußen.

  33. 33

    Mir ist das auch einmal passiert. Ich sah mich einst (übrigens nordländischen) Typen gegenüber. In meinem (durch Marihuana?Alkohol? Oder beides gleichzeitig?) umnebelten Hirn suchte ich urplötzlich das Weite. Ich glaube, der Mensch hat da so einen Fluchtreflex, der mit seinem „žich-ergebe-mich-jetzt-mal-lieber-Reflex“ ein eifriges Zwiegespräch führt. Jedenfalls verloren die Typen, während sie versuchten, der neuen Situation Herr zu werden, wertvolle Sekunden, die sie auch bei der Verfolgung nicht aufholen konnten. Ein naher Park rettete mich.

    Verteufeltes Glück gehabt – und etwas dazu gelernt. Und was hatte ich dazu gelernt?

    Nach 24.00: ab aufs Rad oder ins Taxi. Ich denke inzwischen, dass die sofortige und unmissverständliche Herausgabe der Beute bei Raub das einzig probate Mittel ist, um Leben und Gesundheit zu bewahren. Wegzurennen oder sich zu wehren – wenn man sich einer Gruppe gegenübersieht – ist im Grunde genommen der direkte Weg ins Unheil. Deshalb: Lob an Johnny – in dieser Situation nicht die Nerven verloren zu haben.

  34. 34
    Kommentator

    So ein Sch… ist mir mal in Stuttgart in der Innenstadt passiert, als mich „einer von denen“ von hinten angesprungen und umgerissen hat – Adrenalinflutung pur. Ich habe damals nichts verloren ausser der Würde und etlichen Nerven (ich war direkt wieder auf den Beinen, habe sehr laut gebrüllt – ich habe eine imposante Stimme – und wurde daraufhin in Ruhe gelassen), aber ich weiß: Die Angst und der Hassfaktor waren nachträglich sehr hoch.

    Mein Fazit: Taxi fahren ist sicherer, und man ist auch schneller zuhause. Da ich mit zunehmendem Alter a) abends weniger weggehe und b) mehr verdiene (toitoitoi), ist das auch finanziell auszuhalten.

    Ich drücke Dir und allen die Daumen, dass das nicht mehr vorkommt.

  35. 35
    mario

    hey, schoen das es dir gut geht… keine ahnung ob es in berlin hilft, aber in nairobi war man immer gut beraten give-away-money dabei zu haben. also zB 50 euro, getrennt vom restlichen geld, die man denen schnell in die hand druecken kann, in der hoffnung, dass ihnen das reicht.

  36. 36
    mc bastard

    Aus dem Grund hab ich immer nur Führerschein, ein altes nokia mit Prepaid Karte und Bargeld dabei und zwar in getrennten taschen… auch das Kleingeld ist in ner anderen Tasche, bleibt wenigstens was fürn Bus/Taxi oder die Telefonzelle…

  37. 37

    „Ich habe alle Waffen im Wagen liegen lassen, hinten, auf der Mutablage.“
    Tja den Wortwitz kann dir keiner klauen.
    Briliant.

  38. 38
    flawed

    @Moe(25): Diebstahl vielleicht nicht, aber dafür Raub.

  39. 39
    drexen

    Ich weiß nicht was ich in so einer Situation tun würde, wenn es gar zu Handgreiflichkeiten kommen würde. Ich meine man kennt ja die ganzen Schwachstellen die man immer wieder gepredigt bekommt (mit der Handkante auf den Kehlkopf schlagen und so) aber ist man wirklich bereit jemanden lebensgefährlich zu verletzen sofern man sich denn überhaupt vor Adrenalin noch regen kann, kann man diese Stellen im Ernstfall überhaupt erreichen? Was wenn die zu mehreren sind oder Waffen dabei haben? Ich denke das schlimmste was man tun kann ist in soeinem Moment selbst eine Waffe dabei zu haben. Dann ist man mit ziemlicher Sicherheit in absoluter Lebensgefahr.

    An dieser Stelle auch ein „Gott sei Dank das dir nichts passiert ist“ von mir. Nur habe ich jetzt gerade ein echt beschissenes Gefühl, da ich meine Mitbewohnerin vorhin gerade in den Zug gesetzt habe, die einen Freund in Berlin Kreuzberg besuchen möchte – auch wenn ich weiß dass das Schwachsinn ist.

  40. 40

    Das Schlimmste ist vorbei…

  41. 41
    h

    @mario: das beherzigen.

  42. 42

    @flawed: Jau, wegen irgendwas wurde dann auch dei Anzeige aufgenommen, Raub oder Bedrohung, wegem dem „sonst zeigen wir dir unsere Waffen“ oder so. War aber auch zu jung, als das mich das interessiert hätte. Genau genommen war ich froh, dass es nichsoviel Wind mit Gericht und gross Verurteilung gab, dass es nur ein wirklich kleiner Betrag war und mir nichts passiert ist und dass ich dadurch den Sommer mich doch noch in die Stadt trauen konnte, obwohl vllt ein Cousin/Kumpel/Bruder oder sonstwas sauer auf mich gewesen wäre.

  43. 43

    Görlitzer Park ganz hinten, Oranienstraße vorm Roses, Adalbertstraße an der Waldemar, Badstraße im Wedding, Berliner Straße in Zehlendorf. Das sind meine bisher fünf erlebten Raube (Räube?), in etwa 15 Jahren. Routinierte Coolness hab ich aber immer noch nicht entwickelt.

    Zweimal bin ich bei der Polizei in der Pankstraße gewesen um Fotos durchzusehen, aber erfolglos. Doch bei einem jungen Freund hats geklappt und wenigstens ein Täter wurde auch verurteilt. Aber das ist wohl ne Ausnahme.

  44. 44
    Paul

    In Brasilien, wo so was leider gang und gebe ist, bildete dieses Thema eine Zeit lang eine Art running gag in der wöchentlichen Sketchsendung. in einer Folge war zu sehen, wie die Gangster zum Überfall im Bus stolz mit neuen Kreditkartenlesegeräten arbeiteten.

  45. 45
    martin

    Naja, immerhin waren sie fair…

    passiert, jeder ist mal dran.

  46. 46
    scherzkeks

    Es ist wirklich schrecklich, was Leute alles tun nur um ins Blog zu kommen

    (ich weiss das ist albern, gehört aber bei solchen posts in die Kommentare…)

  47. 47
    sven

    Echt Dumm gelaufen mein Beileid,
    aber dein Verhalten war völlig in Ordnung, wenn du nicht gerade eine mehrjährige Erfahrung in Selbstverteidigung vorweisen kannst.
    Ich kann die nur raten entsprechende Kurse zu belegen, nicht um dich zum Schläger ausbilden zu lassen, sondern um deine Körpersprache zu verbessern.
    Meistens werden die Leute Opfer, deren Körpersprache unbewusst mangelndes Selbstbewusstsein anzeigt.
    Desweiteren würde ich dir raten sich an den Weissen Ring zu wenden.

  48. 48
    christoph

    @sven
    du bist mehr so der Verständnisvolle, oder? Das ist ja noch 1000mal schlimmer als Häme.

  49. 49
    handzon

    Ausgeraubt wurde ich noch nie. Nur auf die Fresse bekommen hab ich hier im wunderschönen Stuttgarter Süden schon ein paar Mal von sehr netten Mitbürgern, meist ausländischer Herkunft, die meistens so lustige Kappen tragen….

  50. 50
    christian

    @christoph
    Wieso denn? Ist doch ein guter Tipp!

    Ich habe auch eine Erzählung beizusteuern, war zwar kein Überfall, passt aber in die Kategorie „Shit happens“:

    Neukölln, Sonnenallee Ecke Pannierstr., ca. 22 Uhr, meine Freundin neben mir, im linken Arm (!). An uns gehen drei Typen vorbei, leicht angetrunken, plötzlich: BAMM! hatte ich eine Faust in der Fresse!! Halleluja, ich wußte nicht, wie mir geschah… Die anderen beiden der Dreiergruppe haben den Schläger dann zwar zugepampt („Was soll der Scheiß“), meine Freundin genauso, ich aber wollte einfach nur weg. Beschützerinstinkt (meiner Freundin gegenüber)? Schiss? Tja…
    Danach war ich echt platt, geschockt, von der Unfassbarkeit und der Ohnmacht, die mich übermannte. Aus heiterem Himmel kommt eine Faust geflogen, da ist man wirklich keiner Reaktion fähig. Und diese Willkür, diese willkürliche Gewalt hat mich danach noch einige Tagen und Wochen beschäftigt.

  51. 51
    Jay

    Große Scheisse sowas! Wünscht man keinem…. kann das nachfühlen is mir auch schon passiert…

  52. 52
    jochen

    @martin: das war doch sicherlich ironisch gemeint, oder?
    … dankeschoen dass sie mich so fair ausgeraubt haben …

  53. 53

    Danke für die vielen netten Worte — und die Geschichten, die ja größtenteils etwas schlimmer als meine waren.

    @scherzkeks: Schon okay, ich fand den Kommentar lustig. :)

    @sven: Das mit der Körperhaltung sehe ich genauso, allerdings denke ich, dass ich eigentlich nicht so einladend daher komme — auch nicht bedrohlich, bin ja eher ’n Hemd, aber eben selbstbewusst genug. Hat nix genutzt.

    @Aro: FÜNFMAL? Meine Fresse. Das nervt.

  54. 54
    kampfsportler

    Selbst mit einigermaßen soliden Kenntnissen ist das mit der Selbstverteidigung in solchen Situationen so eine Sache. Eine wirkliche Verteidigung ist erstmal ohnehin nur gegen höchstens zwei Gegner realistisch und setzt vorraus, dass man willens ist auch so _richtig_ zuzulangen, in dem Wissen das man von den Angreifern dann vermutlich wegen Körperverletzung angezeigt wird. Da ist nix mit Schulterwurf oder Kipphandhebel usw, sondern rohe Gewalt.

    Diese ganzen technischen Lösungen (JiuJitsu&Co) sind eher dazu da in anderen brenzligen Situationen einen eleganten Ausweg zu finden, bei dem niemand großartig zu schaden kommt. Beispiel Jahrmarkt: Gruppe Pupertierender, von denen Einer betrunken ist und glaubt er wärs. Wenn man den dann mit einer einigermaßen überrschaschenden Aktion zum Nachdenken zwingt, hat sich das meistens auch mit seinen Kollegen erledigt.

    Aber bei einem solchen ganz bewussten Raubüberfall wird das nichts, auch weil wenn die genannte Bevölkerungsgruppe desöfteren einbesonders ausgeprägtes Ehrempfinden hat. Die legen dann erst richtig los, wenn man dem Rädelsführer die Nase bricht.

    Pfefferspray&Elektroschocker bringen auch nichts, mit Messer&Schusswaffe würde man ein Fass aufmachen, das die Gewaltspirale ungeahnt anheizt. Spätestens beim nächsten Opfer haben die Herren dann auch aufgerüstet.

  55. 55
    Schnutinger

    Hey Johnny, mein Mitgefühl. Danke für den mutigen, weil sehr persönlichen Bericht, er hinterlässt selbst bei mir ein beklemmendes Gefühl der Ratlosigkeit. Bin allerdings von dem Engagement der Polizei beeindruckt, das kenne ich auch anders.

  56. 56
    fredge

    der bericht und die vielen kommentare tun wirklich sehr gut.

    erstens: weil wir so lernen und merken, dass wir alle in solchen situationen schiss bis zum hals haben und

    zweitens: weil man sich gut vorbereiten kann. ich denke, es ist am besten, einfach nicht so viel wertvolles zeug mitzunehmen. wenn ich nachts weg bin, dann nur mit handy (nokia uralt-outdoor-teil, das man mir meinetwegen klauen soll) und etwas bargeld. visa-karten und ähnlich verfängliches lasse ich immer zuhause. wenn ich dann abgerippt (beraubt!) werden sollte, dann kann ich getrost einfach cool bleiben (versuchen…) und denen mein zeug im wert von dreißig euro geben.

    man hat schließlich nur ein einziges leben. und scheiß auf die würde -> verliert man die, weil man drei oder noch mehr typen gegenübersteht, die das können, die routiniert sind, die mehr power haben, die eine scheißegal-haltung haben?

    alles gute, johnny. „witzig“: ich gehe die strecke immer ganz gerne nachts spazieren – zum sinnieren und gemütlichen strassenbier trinken. da werd‘ ich jetzt immer an dich denken…
    – ist eigentlich jetzt das tolle iphone weg???

  57. 57
    christoph

    @christian
    das was Johnny passiert ist kann halt jedem passieren, ist nichts desto trotz sehr demütigend. da finde ich ein „du musst dringend mal an deiner Opfer-Optik arbeiten“ sehr unpassend im Allgemeinen und wohl auch überflüssig hier im Speziellen.
    So

  58. 58

    @fredge: Ja, das iPhone ist weg. Mal sehen, was die Versicherung sagt (ich bin doch versichert, oder?).

    Die Lösung kann aber m.E. nicht sein, dass man sich nur noch so auf die Straße traut, wie man es für sicher hält. Kann genauso passieren, dass jemand sehr ungehalten wird, wenn er nichts bei dir findet, oder nicht genug. Will sagen: Es kann immer so oder so kommen, man ist einfach nicht für alles gewappnet.

  59. 59

    Ich wurde vor drei Jahren in Mainz auf dem Campus überfallen. Im Nachhinein wars bis auf den Nierenanriss fast schon lustig, wie dumm ich war.
    Ich bin um kurz nach zwei von einer Party mit dem Fahrrad heimgefahren und hab, hilfsbereit, wie ich bin, einem sehr massigen Herrn minderheitsdeutscher Erscheinung (wie sagt man das denn nun korrekt, damit niemand berechtigterweise beleidigt ist?) mein Handy geliehen, damit er den ADAC anrufen kann. Ihm seien die Reifen zerstochen worden, „da hinten auf dem Parkplatz“. Klar, man hilft ja gern. Fast hätte ich ihn sogar fotografiert, weil ich die Situation so lustig fand. „Isch studier hier auch. Atomphysik.“ Bomberjacke, Tyson-Schnitt, Frankfurt-Nordweststadt, ich repräsentier. Saugeil.
    Er hat telefoniert und telefoniert. Bis ein Kollege von ihm auftauchte. „Brauchst keine Angst haben, ist mein Kumpel“. Hä, wieso denn Angst?
    Wäre ich nicht allzu blauäugig gewesen, wäre mir spätestens jetzt irgendwas komisch vorgekommen. Die beiden standen extrem nah beieinander und haben sich flüsternd unterhalten. Irgendwann kommt Gangster 1 wieder an und erzählt was von seinem Bruder, der ihn hier nicht sehen dürfte, weshalb wir mal besser in die kleine Einfahrt reingehen sollten. Wie dumm muss man sein, um das mitzumachen? Naja, als ich dann mit ihm die drei Meter gegangen bin, krieg ich plötzlich einen ziemlich harten Schlag in die Seite, Gangster 2 hat seine Kickboxskills ausgepackt. Gangster 1 schlug mir ins Gesicht und die Brille kaputt. Ich hab um mich geschlagen und rumgeschrieen (http://www.allverbs.com/cache/verbtables/22/r/rumschreien.shtml), was mir die zwei Sekunden zur Flucht gab. Der Dicke ist mir zwar hinterher, hatte aber offenbar nicht so viel Adrenalin im Blut. Brille kaputt, Handy weg, am Fahrrad haben sie noch etwas die Wut ausgelassen.
    Angesichts der Tatsache, dass ich sechs Wochen fast nur humpeln und mich kaum bücken konnte, war ich doch irgendwie froh, weggekommen zu sein. Und insofern beruhigt, dass sie wenigstens ein bisschen abbekommen haben.

  60. 60
    behindthebeat

    kopf hoch, johnny. ist mir auch passiert. auch in kreuzberg, in der nähe vom kotti. mir wurden handy und brieftasche geraubt. die packung filterkaffee in meiner jackentasche und meinen haustürschlüssel ließen sie mir. immerhin. ist jetzt 10 monate her. schlechter hätte das jahr nicht beginnen können. ich verspürte ebenfalls ein starkes gefühl der angst und unsicherheit, aber das hat sich mittlerweile gelegt. allerdings laufe ich nicht mehr ganz so unbeschwert durch die straßen, ich bin vorsichtiger geworden. und ich erinnere mich gerade wieder, beim lesen deiner story, an dieses ekelhafte gefühl der angst. hmm. einfach abhaken und weitermachen. übrigens wurden die täter nie gefasst. immerhin hatte ich neben der pin-sperre eine zweite, zusätzliche telefon-sperre aktiviert. hoffe, die täter können nichts mit dem telefon anfangen.

    gutes wochenende.

  61. 61
    Martin2

    Auch mein Beileid, aber Du hast das Beste daraus gemacht: Eine gute Geschichte! Auch wenn man natürlich lieber das Ganze nicht erlebt hätte. Aber damit ist ohne Zweifel mehr Charakter bewiesen worden, als zu 7. einen Mann auszurauben.
    Wäre nicht übel, wenn Handys einen Selbstzertörungsmechanismus hätten. So ein Red Button, denn man zuhause betätigen könnte, um die Elektronik lahm zulegen. Mir ist auch einmal das Handy unbemerkt geklaut worden. Als ich mich dann selbst anrief, durfte ich mich dann noch von der Dame verhöhnen lassen. Meine Güte war das demütigend.

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    Fragte mich neulich… so ein geklautes Taschentelefon müsste man doch orten können, bei all der großartigen Überwachungstechnik?! Meinte der befreundete Herr Techniker allerdings: seitens der Polizei zuviel Aufwand bei kleinen Räubereien. Und die Mobil-Firmen und Phone-Hersteller haben auch nicht so ein vorrangiges Interesse daran. Immerhin: für jedes geklaute Telefon muss ja ein neues gekauft werden…

    Trotzdem Beileid, Herr H. Und ein dicker Kloß im Hals, weil direkt in unserer Straße…

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    @nullzeitgenerator: Man kann jedes Handy orten, glücklicherweise nur, wenn es wirklich nötig ist, ein Anlass wie der oben beschriebene genügt dafür nicht. Trotzdem habe ich auch darüber nachgedacht, ob es eine datenschutztechnisch einwandfreie Möglichkeit für den Besitzer eines Gerätes mit GPS gäbe, das Teil zu orten (PW und App auf dem Gerät und am PC/Mac, Aktivierung nur durch Besitzer möglich „¦).

    Ob die Polizei das Ergebnis nutzen würde, ist natürlich noch eine andere Frage.

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    M.

    @Johnny Haeusler: Die pietätslose Nachfrage nach dem iphone wollte ich auch schon stellen, und noch genauer: Was macht man denn, wenn einem ein Handy entwendet wird, dass man auf dem freien Markt nicht kaufen kann? Sich noch einen 24-Monats-Vertrag ans Bein binden, oder hat der T-Konzern einen Prozess für Fälle wie Dich?

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    @M.: *Das* ist eine interessante Frage, die man seit zwei Wochen versucht, zu beantworten. :)

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    M.

    @Johnny Haeusler: Na, dann viel Erfolg, und halt uns auf dem Laufenden!

    (Habe mir mein letztes Mobiltelefon und Notebook auch nach – in meinem Falle dummgelaufenem Diebstahl – zweimal kaufen müssen, und würde mir kein teures Gerät zulegen, das ich mir nicht auch ein zweites Mal leisten könnte.)

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    Niclas

    Ich hab mir als gebürtiger Charlottenburger schon mal die Nase, ein Rippe an- und einen Zahn fast ausbrechen lassen.
    Ich möchte Beschwichtigendes zu der Geschichte sagen: Man sollte froh sein, wenn es um einen wirklichen Raub geht. Ich habe Angst vor den barbarisierten kapitalistischen Individuen, die einfach schlagen wollen. Die individualisierte Gewalt, die kein Ziel mehr hat (und deswegen nur das Kaputtmachen des anderen als Ende kennt) nimmt immer weiter zu. Ich habe Respekt vor den Hauptschuljungs, die einfach Geld haben wollen und ehrlich dabei sind. Das ist nicht böse gemeint Johnny, aber sollen die das iPhone verkaufen und mit dem Geld Spaß haben. Banküberfälle funktionieren nicht mehr so wie früher.
    Berlin ist immer noch eine der friedlichsten Großstädte der Welt, und man muss sich fragen, warum es auch ganz anders aussehen kann. Die Schelte an uneffiziente Polizisten wirkt ein bisschen spießig.
    Vielleicht bin ich ein bisschen abgehärtet, weil ich mit achtzehn schon ohne Grund zusammengeschlagen wurde, aber während mein Großvater „denen Säure ins Gesicht sprühen“ wollte, habe ich angefangen darüber nachzudenken, warum die Leute so durchknallen.
    Whatever, so scheiße die Erfahrung ist, in Kreuzberg zu wohnen und ein iPhone in der Tasche zu haben und gar nicht damit zu rechnen, das man mal „abgezogen“ wird, ist fast so doof, wie nach Deutschland zu kommen, weil man denkt, dass man hier glücklich wird.

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