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Pro Reli: Das Lied zur Bewegung

In Berlin läuft zur Zeit das Volksbegehren Pro Reli. Die Initiatoren fordern, dass Religion als ordentliches Lehrfach im Rahmen einer Fächergruppe Religion/Ethik angeboten wird. Vor einigen Wochen habe ich Julia Sebastian, die Pressesprecherin der Initiative Pro Reli, um ein Interview gebeten und gleich ein paar Fragen mitgeschickt. Bis heute ist keine Antwort gekommen. Ich hätte aber auch nicht ahnen können, dass die ganze Sache ein Witz ist.

(gefunden bei der taz – Artikel lesen! -, Hinweis aus den Kommentaren von sabbeljan)

Hier übrigens meine Fragen an Frau Sebastian von Pro Reli:

Die Bibel ist zweifellos eine wichtige kulturelle Grundlage für unsere Gesellschaft. Lernen Kinder in der Schule zuwenig über die Bibel?
Warum sollte dem Staat daran gelegen sein, Kinder in Religionsausübung zu unterweisen?
Inwiefern wird Toleranz eher gefördert, wenn jede Gruppe für sich genommen Unterricht erhält?
Woher wollen Sie muslimische Lehrkräfte nehmen?
Die Zeugen Jehovas sind eine Körperschaft des Öffentlichen Rechts. Soll auch für sie Bekenntisunterricht angeboten werden?

Können alle gerne immer noch beantwortet werden. Wenn die Antworten genauso komisch sind wie das Video.

45 Kommentare

  1. 01
    Rich

    Das ist so – anders als Torben. So ehrlich. So ehrlich ahnungslos. Sollen sie machen. (Ich bin nur heil froh, die Schule verlassen zu haben, bevor LER ein Fach geworden ist. Ich wär‘ auf die Barrikaden gegangen.)
    m2usw

  2. 02
    rox

    Warum müssen christliche Christen eigentlich immer so hypersonic-mäßig locker-rockig trällern?

    Also wenn sie mich kriegen wollen, müssten sie’s mal auf die elektronische Schiene oder mit Bossa probieren.

    So wird das nix hier.

  3. 03
    desordenpublico

    Irgendwie niedlich, aber irgendwie auch doof. Ein Text der quasi keine intelligente Aussage enthält … Christen halt! Meine Nichte geht freiwillig zum Religionsunterricht, weil der Typ witzig ist und immer etwas Kuchen oder Kekse am Start hat. Eine eindeutige Entscheidung pro Magen. Ansonsten gibt es ja wohl genug Möglichkeiten sich jenseits von Schule religiösen Input zu besorgen. Ethik ist sinnvoll, weil alle zusammen, unabhängig von Religionszugehörigkeit, über Werte diskutieren und es im Idealfall um Werte geht mit denen alle etwas anfangen können, weil sie eben nicht durch eine spezielle Religion begründet werden.

  4. 04
    fragmichnicht

    @desordenpublico: Woher meinst Du denn kommen unsere Werte und Normen? Auf was begründet sich unsere Moral, wenn nicht auf spezielle religiöse Sitten.

  5. 05

    Möglicherweise auf z. B. gesunden Menschenverstand mit einer Prise Respekt? Abwegiger Gedanke für religiöse Menschen, ist mir durchaus bewusst. Setzt ja Denkarbeit voraus und so. Ansonsten:

    http://de.youtube.com/watch?v=nMlEsFbWuvo

  6. 06
    flawed

    Sorry, Bob, das ist zu billig.

  7. 07
    Sven

    Vielleicht einmal Helmut Heinrich Waldemar Schmidt zuhören (oder lesen):
    http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/-/id=660374/nid=660374/did=3946860/119cgq9/index.html

    Ist zwar umsonst (ausser eventuell Internet-GEZ-Gebühren?), aber nicht billig,

  8. 08
    jo

    @ragmichnicht:/04:

    Auf was begründet sich unsere Moral, wenn nicht auf spezielle religiöse Sitten

    Beide, also Moral und religiöse Sitten, beruhen auf der Erkenntnis, dass es für den Fortbestand der eigenen Sippe von Vorteil ist, wenn man sich nicht gegenseitig bestiehlt, betrügt oder den Schädel einhaut.

    Da das mit der Erkenntnis erstens optional und zweitens ja ohnehin so eine Sache ist, wurde sicherheitshalber eine Instanz installiert, die Fehlverhalten sanktioniert: Hölle, komische Pickel, Johannes B. Kerner …

  9. 09
    Elco

    ich hätt ja gern ne deathmetal (oder wahlweise grindcore) version von dem song :D

  10. 10
    bongokarl

    @jo:

    Nicht unbedingt richtig, da das Berücksichtigen der Interessen von Menschen außerhalb der eigenen Gemeinschaft oder von Tieren, keinesfalls für den Fortbestand der eigenen Gemeinschaft nützlich ist, aber eben moralisch.

  11. 11
    corax

    @bongokarl:

    … das Berücksichtigen der Interessen […] von Tieren, keinesfalls für den Fortbestand der eigenen Gemeinschaft nützlich ist, …

    Eine Inuitgeschichte dazu, etwas lax formuliert:
    .
    „žAm Anbeginn der Zeit war die Erde relativ öde und leer, da ging die große Erdenmutter hin und griff in ein Eisloch und zog „Inuk“ den Mensch heraus und setzte ihn an Land. Dieser ging ins Landesinnere und lebte so vor sich hin, doch bald ward ihm langweilig. Da ging er zurück an die Stelle wo er an Land gesetzt wurde und klagte gen Himmel sein Leid, dass er sich einsam fühle. Daraufhin hatte die große Erdenmutter ein Einsehen und griff nochmals in das Eisloch, suchte etwas und zog anschließend, und setzte an Land, die Frau.
    Da bedankte sich der Mann und zog mit der Frau wieder weiter und sie bekamen Kinder und lebten glücklich. Doch es kam der Winter und das Essen wurde knapp und sie froren. Während des Sommers aßen sie Flechten, Beeren, Vogeleier und ab und zu einen Lemming aber das reichte nicht um über den Winter zu kommen. Da ging der Mann erneut zur Küste wo er herstammte und klagte sein Leid der großen Erdenmutter, dass er bald nicht mehr wisse wie er sich und seine Kinder ernähren und vor der Kälte schützen könne.
    Die Erdenmutter griff darauf hin wieder ins Eisloch, suchte etwas, fand es, packte es und setzte es aufs Land. Das Tier rappelte sich auf und trabte gen Süden und es hieß „žKaribu“- der Hirsch.
    Im folgenden Frühjahr zogen die Karibus nach Norden, an den Inuit vorbei und im folgenden Herbst Richtung Süden zum Überwintern in die Taiga, ebenfalls an den Inuit vorbei. Die Inuit konnten jeweils einige Tiere erlegen, das Fleisch essen und Vorräte anlegen, aus den Häuten Zelte machen, aus den Fellen warme Kleidung, aus den Sehnen Seile, aus dem Geweih und den Knochen nützliche Werkzeuge, und aus dem Fett Öl für die Lampen während der Wintersonnenwende und Polarnacht.
    So verging eine ganze Zeit und die Inuit wurden mehr und bekamen Enkel und Urenkel und Neffen und Nichten und sie sammelten in der hellen Jahreszeit genug Vorräte für die dunkle Jahreszeit.
    Aber dann warteten sie eines Frühjahres länger als sonst auf das Eintreffen der Karibus und als sie schließlich das erste entdeckten war es krank und schwach. Dann folgten weitere, doch die wenigsten waren gesund, sie waren alt und schwach, hatten die Räude und Parasiten, die Felle taugten nichts und das Fleisch roch nach Moder und Verwesung und war weitgehend ungenießbar. Es gab kaum genug zu essen und an ein Auffüllen der Vorräte war nicht zu denken und die Situation verbesserte sich auch im nachfolgendem Herbst nicht, als die Tiere wieder gen Süden zogen.
    Da hungerte und fror die Sippe des Mannes wieder, der inzwischen recht alt geworden war, und die ersten seiner Familienmitglieder starben an Erschöpfung.
    Daraufhin fasste der Mann einen Entschluss, raffte sich auf und ging noch einmal den beschwerlichen Weg zur Küste, dorthin wo er das erste mal das Licht der Welt erblickte.
    Als er dort ankam klagte er erneut gen Himmel der großen Erdenmutter sein Leid, dass seine Familie verhungere und erfror, weil sie nicht genug Karibus erlegen konnten, und die die sie erlegten nichts taugten, weil sie alt und krank und schwach waren und das Fleisch ungenießbar. Und die Felle weder für Zelte noch für Kleidung taugten, weil sie beim Verarbeiten zerfielen.
    Und wenn nichts geschehe, würden er und alle anderen elendig sterben.
    Da hatte die große Erdenmutter erneut ein Einsehen und sie griff wiederum ins Eisloch. Tief und noch tiefer und forschend und tastend – bis sie plötzlich ein Wesen zu fassen bekam, es packte, herauszog und an Land setzte, worauf dieses sich das Wasser aus dem Fell schüttelte und davon trabte.
    Und dieses Wesen war „žAmarok“, der Wolf.
    Und der Wolf folgte zukünftig den Karibus und er riß die alten, schwachen, räudigen, kranken, so dass diese sich nicht mehr vermehrten und die gesunden ansteckten, worauf die Herden sich bald erholten und der Mensch wieder genug gesunde Tiere fand um sich davon zu ernähren.
    Und seit diesen Tagen, kurz nach dem Anbeginn der Zeit, sind sie Brüder; der Mensch und der Wolf.“

  12. 12
    nabab

    da kann man froh sein, raus aus dem laden zu sein. zum glück mußte ich mich nie mit einem fach wie ethik herumschlagen und religion hätte ich wegen nichtvorhandenem rel. bek. (die abkürzung habe ich vor zwei jahren gelernt: religiöses bekenntnis) gar nicht in betracht gezogen. ich denke, dass das grundproblem die fehlende klare trennung zwischen kirche und staat ist. religion ist eben nicht privatsache in deutschland.
    das war denn auch der grund, weshalb ich mich an der initiative pro reli beteiligt habe. nicht weil ich religiös bin. sondern weil kindern der religionsunterricht zum privatvergnügen erklärt wird. und weil ich zwecks mangelnder politischer opposition in berlin auch der meinung bin, dass das mitunter selbstherrliche verhalten der senatsverwaltung in schranken verwiesen werden sollte.
    @malte: natürlich wäre ich in dem sinne froh, wenn es auch religionsunterricht für muslime geben würde. für die zeugen jehovas würde das nicht in frage kommen, da sie in keinem falle mit irgendeinem staat kooperieren würden.
    im endeffekt wäre es viel einfacher, siehe auch kruzifixurteil oder kopfbedeckung von lehrerinnen, man würde sich auf eine trennung von staat und kirche einigen, anstatt die grenzen jedesmal neu auszuloten.

    ach, und das liegt mir besonders am herzen: die vielbeschworenen werte. die haben sich zum glück auch in der kirche mit der zeit gewandelt. aber damit kann ich mich bis heute nicht anfreunden: wie passt das vertrauen auf gott und kants kategorischer imperativ zusammen? aber das paßt nicht in diese diskussion, obwohl ich für antworten sehr dankbar wäre.

  13. 13

    @malte: Das hier beantwortet sicher die Hälfte Deiner Fragen: http://www.pro-reli.de/volksbegehren/?page_id=50 Bzw. andere Anwtorten wirst Du von einer Pressesprecherin auch nicht bekommen.
    Wahrscheinlich hast Du das auch schon gelesen? Aber warum dann erneut fragen?

    Ansonsten festigt sich bei mir die Überzeugung, dass man bestimmte Themen mit bestimmten Teilnehmern nicht diskutieren braucht – und auch nicht kann. Insbesondere nicht online.

  14. 14

    @kornecke:

    man kann mit sicherheit auf irgendwelche fragen auch bei jedem interview mit einem schauspieler/sänger/berufskriminellen die antworten online finden. in den faq aber eben nicht die auf meine fragen. und selbst dann wäre ein verweis auf diese die höfliche alternative zur nicht-beantwortung gewesen.

  15. 15

    und übrigens: unter „7 argumente pro reli“ steht:
    Berlin lebt von seiner kulturellen Vielfalt. Diese gilt es zu respektieren. Daher soll jeder in seiner religiösen und kulturellen Identität ernst genommen werden. Gerade in einer multikulturellen Stadt wie Berlin ist es wichtig, nicht alle Menschen unterschiedslos über einen Kamm zu scheren. (…)
    Gleichgültig ob Christ, Jude, Moslem oder Atheist, die Schülerinnen und Schüler werden so ernst genommen, wie sie sind.

    da finde ich es nicht vermessen zu fragen, wo man denn die muslimischen lehrer hernehmen will.
    man ist bei der initiative pro reli eifrig darum bemüht, davon abzulenken, dass es um christlichen religionsunterricht geht. macht sich allerdings keinen gedanken darüber, wie religionsuterricht für die anden bekenntnisse überhaupt realisiert werden soll.
    was ist mit hinduistischen kindern? und was denn nun mit den kleinen zeugen jehovas?

  16. 16

    Die Sache mit dem Pro Reli ist nicht so einfach. Wenn wir eine absolute Trennung von Staat und Kirche wollen, dann müßte der Religionsunterricht gänzlich einem Fach Ethik weichen, in dem auch über alle Religionen informiert wird. Andererseits muß man sich fragen, ob es gut ist, wenn man die religiöse „Erziehung“ allein den Kirchen überläßt. Ein wenig staatliche Kontrolle finde ich gar nicht schlecht. Religion ist eben ein Bestandteil der Gesellschaft und das Verbannen aus der Schule finde ich auch nicht so toll. Ich bin aber absolut dagegen, den Schülern/Eltern die Wahl zu überlassen: Entweder Religion oder Ethik. Beides sollte Muss sein.

  17. 17
    Chris

    Geiles Kleid. Diese Farbe. Über solche Werte sollten wir mal diskutieren.

  18. 18
    Chris

    Religion ist ein fester Bestandteil unserer Geschichte und Gesellschaft. Und in allen anderen Bundesländern ist Reli normale Unterrichtsfach. Nur in Berlin hat der rot-rote Senat das rausgekickt aufgrund einer Gesetzteslücke (das Grundgesetz gilt nämlich in Berlin nicht in vollem Umfang). Also: Es geht darum einen Zustand zu erreichen wie er überall in Deutschland gut funktioniert.

  19. 19

    @Chris: Bildung ist immer noch Ländersache. Daß das Grundgesetz hier nicht in vollem Umfang gilt, wäre mir neu. Vor allem, was hat das alles mit dem Grundgesetz zu tun? Wäre mir neu, daß im Grundgesetz steht, daß Religionsunterricht Pflicht ist. Ich bin dafür, daß Ethik für alle gilt und Reli zusätlich angeboten wird. Aber nicht entweder/oder,

  20. 20
    kornecke

    Kurz eingeworfen – um ein paar Fragen zu klären und für die Diskussion nicht unerheblich – ein geltender und ein vorgeschlagener Gesetzestext:

    „Artikel 7
    (1) Das gesamte Schulwesen steht unter der Aufsicht des Staates.
    (2) Die Erziehungsberechtigten haben das Recht, über die Teilnahme des Kindes am Religionsunterricht zu bestimmen.
    (3) Der Religionsunterricht ist in den öffentlichen Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen ordentliches Lehrfach. Unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechtes wird der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt. Kein Lehrer darf gegen seinen Willen verpflichtet werden, Religionsunterricht zu erteilen.
    (4) Das Recht zur Errichtung von privaten Schulen wird gewährleistet. Private Schulen als Ersatz für öffentliche Schulen bedürfen der Genehmigung des Staates und unterstehen den Landesgesetzen. Die Genehmigung ist zu erteilen, wenn die privaten Schulen in ihren Lehrzielen und Einrichtungen sowie in der wissenschaftlichen Ausbildung ihrer Lehrkräfte nicht hinter den öffentlichen Schulen zurückstehen und eine Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern nicht gefördert wird. Die Genehmigung ist zu versagen, wenn die wirtschaftliche und rechtliche Stellung der Lehrkräfte nicht genügend gesichert ist.
    (5) Eine private Volksschule ist nur zuzulassen, wenn die Unterrichtsverwaltung ein besonderes pädagogisches Interesse anerkennt oder, auf Antrag von Erziehungsberechtigten, wenn sie als Gemeinschaftsschule, als Bekenntnis- oder Weltanschauungsschule errichtet werden soll und eine öffentliche Volksschule dieser Art in der Gemeinde nicht besteht.
    (6) Vorschulen bleiben aufgehoben. “
    http://www.bundestag.de/parlament/funktion/gesetze/grundgesetz/gg.html

    „§ 13 erhält folgende Fassung:
    „žÂ§ 13, Religions- und Ethikunterricht; (1) Religions- und Ethikunterricht sind an allen öffentlichen Schulen ordentliche Lehrfächer. Alle Schülerinnen und Schüler der allgemeinbildenden Schulen nehmen entweder am Religions- oder am Ethikunterricht teil. Dabei soll zwischen den Fächern kooperiert werden. Einzelne Unterrichtseinheiten können gemeinsam durchgeführt werden. Religions- und Ethikunterricht werden in jeder Jahrgangsstufe der allgemeinbildenden Schulen mit zwei Wochenstunden erteilt. (2) Der Religionsunterricht wird in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt. Hierbei kommen nur solche Vereinigungen in Betracht, welche die Gewähr der Rechtstreue und der Dauerhaftigkeit bieten und deren Bestrebungen und Tätigkeiten auf die umfassende Pflege eines religiösen Bekenntnisses ausgerichtet und deren Mitglieder durch dieses Bekenntnis verbunden sind. Lehrkräfte bedürfen zur Erteilung von Religionsunterricht der Bevollmächtigung der betreffenden Relionsgemeinschaften. (3) Die Erziehungsberechtigten bestimmen, an welchem Unterricht gemäß Absatz 1 ihre Kinder teilnehmen. Nach Vollendung des 14. Lebensjahres steht dieses Recht den einzelnen Schülerinnen und Schülern zu. Wird keine Bestimmunggetroffen oder findet der gewählte Religionsunterricht nicht statt, so nimmt die betroffene Schülerin oder der betroffene Schüler am Ethik- unterricht teil. (4) Für Weltanschauungsgemeinschaften gelten Absatz 1 bis 3 entsprechend.““
    http://www.pro-reli.de/volksbegehren/?page_id=61

  21. 21
    Hans

    1) Die Bibel ist zweifellos eine wichtige kulturelle Grundlage für unsere Gesellschaft. Lernen Kinder in der Schule zuwenig über die Bibel?
    Ja, denn die Bibel kommt im übrigen Unterricht kaum vor und im Deutsch bzw. Kunstunterricht fehlt die Zeit die zugrunde liegende Motive wirklich zu erhellen.

    Warum sollte dem Staat daran gelegen sein, Kinder in Religionsausübung zu unterweisen? Die SchülerInnen werden nicht in Religionsausübung unterwiesen, sondern sie werden über religiöse und christliche Themen informiert. Dabei wissen die SchülerInnen, dass die Lehrkraft nicht neutral ist, sondern einer bestimmten Religionsgemeinschaft angehört. Wer keinen Religionsunterricht will, wird in Ethik unterrichtet. Der Themenkomplex „Was soll ich tun?“ ist in der Schule durchaus reflexionswürdig, weil viele Produkt unserer Kultur als Antwort auf diese Frage erst verständlich werden.

    Inwiefern wird Toleranz eher gefördert, wenn jede Gruppe für sich genommen Unterricht erhält? Religionsunterricht unternimmt meistens drei Schritte: Die Schülerinnen und Schüler werden ihrer eigenen Position zu einem Thema bewusst. Dann beschäftigen sie sich mit der christlichen Position zu dem Thema. Als drittes erfolgt dann die Auseinandersetzung mit außerchristlichen Positionen (andere Religionen, Philosophie) zu dem Thema. Und dann kommt wieder der erste Schritt. Die Schülerinnen und Schüler fragen sich, welche Positionen sie hilfreich, brauchbar, überzeugend finden und bilden sich so ihre Meinung. Wenn nun alle zusammen unterrichtet würden, dann wäre die Bezugsreligion unklar. Wer sollte dann bestimmen, was gelehrt wird? Die Neutralität des Staates verbietet ihm die zu lehrenden weltanschaulichen Inhalte zu bestimmen. Somit nutzt er weltanschaulich gebundene Akteure, wie z.B. die Kirchen, um die verbindlichen Inhalte festzulegen. Die Idee dahinter ist, dass der Staat von Ideen lebt, die er sich selber nicht geben kann.
    In den beschriebenen Schritten ist oben vielleicht schon deutlich geworden, dass Toleranz dadurch entsteht, dass ich mich mit anderen Positionen auseinandersetze und sie nachvollziehe.
    Für den konfessionell-getrennten Unterricht spricht nur, dass die Lehrkraft konfessionell gebunden ist und somit die SchülerInnen wissen aus welcher Position heraus der Unterricht erfolgt.

    Woher wollen Sie muslimische Lehrkräfte nehmen?
    Das ist ein Problem, weil es noch keine vergleichbare Regelung mit den muslimischen Gemeinde gibt wie mit den Kirchen.

    Die Zeugen Jehovas sind eine Körperschaft des Öffentlichen Rechts. Soll auch für sie Bekenntisunterricht angeboten werden? Ja, wenn sich entsprechend den Richtlinien eine genügend große Gruppe von Schülerinnen und Schülern findet und eine entsprechend ausgebildete Lehrkraft vorhanden ist.
    Rein praktisch läuft es z.B. in NRW so ab, dass viele Zeugen Jehovas Ethik nehmen. Muslimische Schülerinnen und Schüler sowohl Ethik als auch Religion wählen.

  22. 22

    @Chris: Relligion ist in der Tat Bestandteil unserer Geschichte und Gesellschaft. Deshalb sollte der Unterricht über Religion(en) auch in eben diesen Fächern stattfinden, in Geschichte und Gesellschaftslehre, oder den entsprechenden Pendants (Gemeinschaftskunde hieß es bei uns früher).
    Die explizite Lehre bestimmter Glaubensbekenntnisse hat in einer öffentlichen Schule meiner Meinung nach nichts verloren. Leider ist das in vielen Bundesländern noch nicht angekommen.

  23. 23

    @fragmichnicht: Mindestens genauso aus dem Platonismus und dem cartesianischen Verständnis von Natur.

  24. 24
    jo

    @bongokarl: Letztendlich ist „wir“ und „die anderen“ ja nur eine Frage der Perspektive bzw. des eigenen Horizonts. Ob man sich von Moral oder Religion, Spieltheorie oder Marktmechanismen leiten lässt, letztendlich auch.

  25. 25

    den slogan „freie wahl zwischen ethik und religion“ muss man sich auch einfach mal auf der zunge zergehen lassen.

    eben.

  26. 26

    @kornecke: Tja, wenn es eine Gesetzeslücke gibt, dann ist es legitim, diese zu nutzen. Ansonsten würde eine Klage beim Bundesverfassungsgericht ja sicherlich genügen und man bräuchte keine Volksbegehren. Ich wette, daß sich spontan mindestens fünf oder mehr Staatsrechtler finden lassen, die diese Paragraphen anders auslegen.

    Das Grundgesetz ist nämlich wissenschaftlich zu lesen und nicht wortwörtlich zu nehmen. Wie oft hat es schon Klagen gegeben, weil irgendjemand seine Menschenwürde in Gefahr gesehen hat und das Verfassungsgericht hat die eiskalt abgeschmettert?!

    Wäre auch schön gewesen, wenn du die Infos nicht nur von den Befürwortern und aus dem uninterpretierten Grundgesetz gezogen hättest, sondern auch die Gegner zitiert hättest.

    Ich hoffe, Du nimmst die Bibel nicht auch wortwörtlich. Das macht selbst die Kirche nicht mehr. Außer ein paar Kreationisten.

  27. 27
    kornecke

    @Andreas: Ich habe gar keine ‚Inos gezogen‘ sondern nur mal zwei Texte zitiert um eine Art Diskussionsgrundlage zu schaffen. Manchmal ist es gar nicht so dumm, zu wissen, worüber man überhaupt argumentiert. Man kann doch schlecht über ‚Pro Reli‘ diskutieren ohne zu wissen, was genau die wollen, oder?

    Und was hat meine Lesart der Bibel damit zu tun? Und wieso ‚auch‘? Und wer hat die Kreationisten in diese Diskussion geholt? Und warum höre ich nicht auf meine eigenen Ratschläge?

  28. 28

    Ich bin nicht nur gegen Religionsunterricht an Schulen, sondern sogar für die Abschaffung des Fachs „Religionswissenschaft“ an Universitäten. Denn Religion hat nichts mit Wissenschaft zu tun.

    Die Dinge, mit denen sich Religion beschäftigt, sind Annahmen, reine Gedankenkonstrukte: Gott, Jesus (auferstanden), Schöpfung, Himmel, Hölle, etc.

    Denn für keine dieser Sachen gibt es einen Beweis, der wissenschaftlichen Untersuchungen standhalten würde.

    Daher meine Forderung: Religionen an Schulen nicht unterrichten, „Religionswissenschaft“ an keiner staatlichen Uni lehren.

  29. 29
    kornecke

    Please note: ‚Dinge, mit denen sich Religion beschäftigt‘ != ‚Dinge, mit denen sich Religionswissenschaft beschäftigt‘

    Manchmal ist es gar nicht so dumm, zu wissen, worüber man überhaupt argumentiert.

    SCNR

  30. 30

    ist das ein verarsche-clip? versteh ich net…

    gehts da um klatschchristen á la rasputin-websites?

  31. 31

    Wer in einer Glaubensrichtung unterrichtet werden möchte oder wer seine Kinder in einer bestimmten Glaubensrichtung unterrichtet sehen möchte möge sich oder seine Kinder doch bitte bei der jeweiligen Glaubensrichtung außerhalb der staatlichen Schulen anmelden.
    Und dazu braucht es weder ein Volksbegehren noch sonst irgendwas, das steht jedem frei.
    Ach ja das Lied passt zur Bewegung!

  32. 32
    Chris

    Also. Wir wissen jetzt Dank Quellenangabe, dass im Grundgesetz steht, dass Religionsunterricht ordentliches Lehrfach ist. Das ist in Berlin nicht so. Berlin war nicht BRD und im Zuge der Einigung und dem vorherigen 4-Mächte-Status gilt das Grundgesetzt nicht voll in Berlin. Nur deswegen konnte der Religionsunterricht ja ersetzt werden.

    Nun kann jeder von Religion halten was er will. Ich finde es aber nicht gut, dass ich und meine Kinder in Berlin nicht die gleichen Grundrechte haben wie Bürger überall sonst in Deutschland.

    Und wer jetzt meint, dieses eine Gesetz könnte sowieso aus dem Grundgesetz fliegen, mit dem Sortiere ich gerne weitere aus auf Basis persönlicher Vorlieben bis garnichts mehr drin steht.

  33. 33

    @kornecke: Meine Güte, Du hast genau verstanden, was ich sagen wollte. Und Religion bzw. Religionswissenschaft haben dieselben Überzeugungen. Also was ist Dein Problem?!

  34. 34
    Dybart Simpson

    @Dirk: Das Problem ist, dass Du keine Ahnung hast, wovon Du redest. Auch wenn ich weiss, was Du eigentlich sagen wolltest, aber nicht gesagt hast.
    Religionswissenschaft ist die Wissenschaft, die sich mit den Religionen beschäftigt. Manchmal nennt man das auch „Vergleichende Religionswissenschaft“. Religion und Religionswissenschaften haben mitnichten die selben Überzeugungen. Wenn ich mich als Historiker mit Karl dem Großen beschäftige, habe ich ja auch nicht die selben Überzeugungen wie der gute Karl.
    Was Du eigentlich gemeint hast, nennt man übrigens „Theologie“. Und bevor Du – ohne nähere Sachkenntnis – behauptest, Theologie könne keine Wissenschaft sein, solltest Du Dich vielleicht kurz damit beschäftigen, wie ein Theologiestudium aufgebaut ist.

  35. 35
    tobiwahn

    Meine Fresse, das ist mal wieder so unfassbar scheisse!!
    Wen soll DAS denn ansprechen?!

    Zumal es wirklich andere Probleme in den Lehrplänen gibt…

    Aber das Riff erinnert mich doch irgendwie sehr an „Another Girl, Another Planet“ (http://www.youtube.com/watch?v=MmodvpD-Cvs)… oder an „Westerland“ (http://www.youtube.com/watch?v=9Ee09FTKQGo&feature=related) von den Ärzten (die das ja wiederum von den OnlyOnes gmopst haben) ; )

    Allein die Frage „Ethik oder Religion“ ist ja der Knaller! ; )

  36. 36
    Simon Pfirsich

    Was Religionsunterricht schafft/schaffen soll, bekommt auch Ethikunterricht problemlos hin. Natürlich ohne den speziellen Fokus auf den christlichen Glauben, aber dafür eben konfessionsübergreifend, was natürlich ein breiteres Spektrum abdeckt, wobei keine der Weltreligionen zu kurz kommt (da kann ich natürlich erstmal nur aus eigener Erfahrung sprechen).
    Wer natürlich gerne eine speziell christliche Abhandlung möchte, kann sie ja gern haben, aber das reicht, meiner Meinung nach, auch als zusätzliches und freiwilliges Angebot.

  37. 37

    @Dybart Simpson: Du hast Recht, ich meine Theologie und nicht (vergleichende) Religionswissenschaften. Was nichts an den unsinnigen Glaubensüberzeugungen der Religionen, deren Entstehung Teil dieses Studiums sind, ändert“¦

    Aber mach Du Dein Ding mit den Korinthen“¦

  38. 38
    timbo

    Nur um mal etwas klarzustellen,
    Das Grundgesetz regelt die Ausnahme für Berlin (und Bremen), in der sogenannten Bremer Klausel, in der Form, dass Bundesländer die bei Inkrafttreten des GG eine andere Regelung hatten diese beibehalten können. Die Stellung des Religionsunterrichtes in Berlin ist also verfassungskonform.

    Die Einführung des Ethikunterrichtes ändert nichts an der Freiwilligkeit die konfessionsgebundenen Religionsunterrichte zu besuchen.
    Tatsache ist das die gleichen Schüler auch weiterhin Religionsunterricht besuchen werden die das schon immer getan haben.
    Nämlich religiöse Schüler, Schüler die vom Elternhaus dazu gedrängt werden und Schüler die konformiert werden wollen (talk about incentive).

    Das problem ist also nicht das weniger Schüler Religon wählen werden, sondern dass Religion einen Status erhalten soll den es in Berlin nie hatte.
    Es geht hier um den Anspruch von Interessensgruppen ihre Weltsicht anderen aufzudrängen und weltanschauliche Segregation zu betreiben.

    In meiner Schulzeit hatten wir Ethik als freiwilliges Fach, unterrichtet von einem promovierten Philologen/Philosophen und Religionsunterricht vermittelt durch Katecheten, den qualitativen Unterschied anzuführen verbietet sich fast schon von selbst.

    Und da liegt der Hund begraben, jeder der von seiner Glaubensgemeinschaft für befähigt gehalten wird, darf in die Schulen gehen und nach Herzenslust indoktrinieren, ich für meinen Teil halte es für dumm und gefährlich den gelüsten der Kirchen nachzukommen und ihnen eine Position innerhalb der Schulen zu geben, die sie in Berlin historisch nie hatten.

    Do Not Vote!!

  39. 39
    aspi

    Das Problem ist das Kirche und Religion in einem Atemzug genannt werden. Kirche ist eine Institution und Religion etwas jedem Persönliches.
    Richtig ist, das die Religion (welche auch immer) in der Vergangenheit unsere Wertvorstellung geprägt hat und durchaus nicht zum Schlechten.
    So wie sich aber eine Wertvorstellung im Detail mit der Gesellschaft weiterentwickelt, hat sich Religion nicht weiterentwickelt. Jedenfalls nicht im gleichen Maßstab.
    Warum sollte ein moderner Mensch, nicht auch eine moderne Fassung seiner Religion vertreten dürfen. Leider gibt die Kirche als Institution aber ein Religionsbild vor und macht aus dem „persönlichen Glauben“ eine Diktatur.
    Das was Schüler heute im Unterricht über Religion wissen müsen darf nicht nur auf den christlichen Glauben beschränkt sein und sollte je nach Schwerpunkt in Geschichte (historische Entwicklung) und Ethik (wichtige Lebensansichten) untergebracht werden.
    Ein extra Religionsunterricht trennt die Gesellschaft mehr als er sie zusammenführt. Denn entweder zwinge ich Andersgläubige Menschen in einen Unterricht eines Glaubens dem sie nicht angehören, oder ich biete jedem Glauben seinen eigenen Unterricht was sogar praktisch die Trennung mehr fördert als das Gemeinschaftliche.

  40. 40
    *ch*

    Das ist so ein Pseudokram. Auch wenn ich einen konfessionell geprägten Hintergrund habe: Wichtig ist, dass die Kids in der Schule abseits von PISA mal miteinander ins Gespräch kommen. Und deshalb Ethik und „Reli“ (allein schon diese Verdummniedlichung!) dann für die, die es wollen.
    Das persönliche Erleben der Initiativenvorantreiber hat mir völlig den Rest gegeben. Und sie waren entsetzt wie schlecht ich über Pflicht-„Reli“ an der Schule gesprochen habe, an der anscheinend auch ihre Kinder die Schulbank drücken.
    Zum Video: „Mit Fanta und mit Butterkeks, wir sind junge Christen unterwegs!…“

  41. 41
    moses

    So herzlich habe ich seit Monaten nicht mehr gelacht :D
    Ja, ja – Religion: ein einziger, groß angelegter Witz…

    [zeitgenössische philosophische Erkenntnis: absolute Wahrheit (Glauben) und absolute Ironie (manche mögen es Zynismus nennen) sind von einander nicht zu unterscheiden]

  42. 42
    Der ProReli-Song

    Eine kleine Umdichtung des Liedes „Aurélie“ der Berliner Band „Wir sind Helden“:

    Pro Relis Ziel ist ohne Frage sehr charmant
    Und wenn sie schwärmen und bekehren hat man sicher schon erkannt
    diese ganzen Religionen
    in den 12 Bezirksregionen
    fordern auch den Blick mal übern Tellerrand.

    Doch Pro Reli kapiert das nie
    Jeden Bürger bat sie nun,
    die Unterschrift dazu zu tun.

    Pro Reli, so klappt das nie,
    ihr erwartet zwar nicht viel,
    doch was ihr wollt ist nicht das Ziel!

    Pro Reli, die Christen mögen dich hier sehr
    Und in der Kirche unterschreibt dir jeder hinterher
    Doch was bringt diese Separierung
    getrennt nach Konfessierung?
    Du mußt wissen, Ethik bringt da mehr.

    Ach Pro Reli, in Berlin braucht man eben heute
    Akzeptanz von allen Leuten
    für den ganzen Reli-Zauber
    dieser aller Andersglauber
    Da sind eure Stimmen nun die falsche Beute

    Pro Reli, so klappt das nie,
    ihr erwartet zwar nicht viel,
    doch was ihr wollt ist nicht das Ziel!

    Pro Reli, so einfach ist das eben nicht!
    In Berlin hat Glauben noch ein anderes Gewicht
    Durch die ganzen Immigranten
    mit ihrer Religion, der Unbekannten
    Doch das sieht man eben nicht, wenn man nur unter sich beschwicht.

    Ach, Pro Reli, du sagt, ich solle dir erklären
    Wie in aller Welt soll man die Berliner denn belehr“™n?
    Jeder besucht das selbe Fach,
    und bekommt vorm anderen Acht!
    Und wer will kann sich dann noch in der Kirche seiner Wahl bekehren!

    Pro Reli, so klappt das nie,
    ihr erwartet zwar nicht viel,
    doch was ihr wollt ist nicht das Ziel!

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