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Musebin – Albenrezensionen à la Twitter

Die Vorraussetzungen klangen vielversprechend, allein vom Papier her hätte Musebin der Musikpresse und den kulturindustriellen PR-Abteilungen den Angstschweiß auf die Stirn treiben können: Kollaborative Albenrezension in weniger als 140 Zeichen. Ein Twitter für die Kritiker (Kritiker für Twitter gibt’s ja schon).

Und dann scheitert das Ganze auf der zweitwichtigsten Baustelle, bei der Umsetzung. Musebin fühlt sich einfach nicht gut an. Angefangen beim Logo, wo man sich nicht entscheiden konnte, ob man dem „M“ einen Kopfhörer oder den Skalp von Prinzessin Lea aufsetzt, bis hin zu den wenigen Funktionen, die dann auch noch unübersichtlich angeordnet sind.

Eine Musebin-User kann also 140 Zeichen zu einem Album eingeben oder noch einfacher den Langspieler nach Daumen rauf (yea), Daumen runter (nay) bewerten und sich damit gleich jedes Zeichen zu viel sparen. Die bewerteten Produkte lassen sich anschließend nach Benotung (best) oder Alter (newest) sortieren. In einer rechten Menüleiste gibt es bei der Album-Detailansicht noch Verweise zu diversen legalen und illegalen Beschaffungsdiensten und Ranglisten der eifrigsten Mini-Kritiker.

Musebin CEO Greg Galant:

„Blogs have kind of killed the editor, […] It used to be that anything that got written would be edited by people who read Strunk & White […]. Blogs came along with no limit, and anyone could write anything. I think music reviews „” which were already kind of long-winded „” maybe got a little bit worse. You“™re going to talk about some experience that happened to you in high school, and this and that. [We want to] capture the essence of an album so someone knows whether or not they should listen to it.“

Das ist genauso schwammig wie die ganze Seite auch alles und nichts sein will. Musebins grundsätzlicher Fehler ist systemimmanent und liegt darin, die technischen Rahmenbedingungen inhaltlich einzuschränken. Genau das passiert bei Twitter nicht. Die Vielseitigkeit ist auch ein Grund des Erfolges des Mikroblogs. In den Großraumbüros kann man nochmal einen Schwung Praktikanten anstellen, Musebin wird den Kritiker und damit das Bemustern nicht überflüssig machen (was ich persönlich auch bedauern würde).

Vielleicht hat man bei Musebin (klingt wie „Mausebein“ auf platt) sich aber auch nur beim Namen genommen und die Muse in die Tonne und so weiter.

Musebin befindet sich gerade noch in der Beta, Teilnahme geht nur über Einladung. Ich darf 10 Leute einladen, wenn ihr’s also selber einmal testen möchtet, schreibt bitte in die Kommentare. Den ersten 10 kann ich helfen, die folgenden sind dann auf die Gnade der ersten angewiesen.

[via Nicorola & Dank an Einbecker]

17 Kommentare

  1. 01

    hey,

    obwohl sich der Dienst deiner Beschreibung nach nicht sehr vielversprechend anhört, würde ich mich über eine Einladung freuen.

    Die Idee stimmt, wie ich finde. Kurzrezensionen sind vor allem bei dem riesigen Angebot an Musik, sehr viel hilfreicher, als zum Beispeil auf laut.de für jedes anscheinend interessante Album einen seitenlangen Review durchzulesen. Vor allem die Möglichkeit enorm vieler Menschen die nun zu audiophilen Plattenkritikern werden, sollte doch eigentlich helfen, schneller eine gute Platte zu finden. Musikgeschmäcker sind meiner Meinung nämlich gar nicht so differenziert, nur unterscheidet sich bei den meisten die Geduld die man aufbringen mag ein bestimmtes Lied, eine ganze Platte, oder sich in eine Musikrichtigung hineinzuhören. Charts auf der Grundlage von Leuten, die sich mit der Musik auseinandersetzen, sind daher eine sehr viel zuverlässigere Methode hier und dort eine Perle der Musikproduktion zu finden, da man sich nicht auf die Vorauswahl einiger Kritiker im Radio oder Fernsehen verlässt.

  2. 02

    Einladung haben wollen. Danke sagen.

  3. 03

    Wäre es nur Twitter, dann wäre man ja schon froh. Ich bin von Nico(rola) eingeladen worden, habe Nico (Spreeblick) eingeladen usw. – Die Namen tauchen einmal auf, dann nie wieder. Selbst wenn ich auf die tollen URLs von Hand gehe (also: http://preview.musebin.com/u/nicorola), dann gibt es keine Möglichkeit, einer Person zu folgen. Super. Und da fängt es erst an, auch wenn ich schon wieder aufhöre.

    (Aber wer hier ganz gut hinkucken sollte, ist natürlich last.fm: Das von den Freunden und den Nachbarn, das ganze noch mit einer Art Slashdot-Threshold: Das wäre was, da bin ich mir sicher.)

  4. 04
    Sebastian

    Ist doch im Prinzip http://www.blippr.com/, nur eben ausschließlich auf Musik beschränkt.

  5. 05
    anna

    hätt auch gern ne einladung! probieren kann mans ja mal.

  6. 06

    Ich würd’s auch gerne mal antesten.

  7. 07
    leo

    Deine Besprechung macht keinen Sinn, da die Seite nicht öffenlicht zugänglich ist. Was also soll das?

  8. 08
    Nico [Jackpot Baby!]

    @Sebastian: genau sowas. nur mit noch dussligerem namen.

    @leo: das ist der althergebrachte sinn einer besprechung: dinge beschreiben und bewerten auf die nicht ein jeder sofort zugriff hat. über den sinn von künstlicher beschränkung im web kann man streiten, aber vielleicht wollen sie bei musebin einfach noch diesen einen alten server abschreiben.

  9. 09
    mx

    ich täts gern testen wollen…

  10. 10

    Na dann zeig mal her den Spaß.

  11. 11

    Danke Nico. Wer jetzt noch möchte: Ich hab auch wieder 10 Einladungen.

  12. 12
    Nico [Jackpot Baby!]

    @robert: spread the word

  13. 13

    Ich hätte auch nichts gegen eine Einladung. So schlecht wie du schreibst kann eine Website doch gar nicht sein, oder?

  14. 14

    Aus purer Neugier hätte ich auch ganz gerne eine. Bitte-Danke.
    #Gibtshierwasumsonst?

    (Es wäre übrigens recht geil, wenn Spreeblickkommentare irgendwie bei Twitter auftauchen könnten. zB wenn einer, dem ich followe kommentiert, oder Kommentare unter 140 Zeichen… weiß nicht, ob sowas technisch überhaupt möglich wäre. Egal, whatever.)

  15. 15

    Stelle fest, dass ich keinen Zugriff auf die eMail Adressen habe um einzuladen. Also alle die wollen bitte mal an

    robert (at) othertimes . de

    schreiben.

    Danke :)

  16. 16
    Schosch

    Der Autor hat Recht, wenn er das Logo mit dem Skalp von Prinzessin Lea vergleicht. Das Logo ist recht misslungen, man hätte sich von hippen New Yorkern da doch mehr erwartet.

    Der Rest des Artikels verdeutlicht, was herauskommt, wenn man – im Gegensatz zu Musebin – die Möglichkeit hat, mehr als 140 Zeichen auf das virtuelle Papier zu schmieren. Bei welchen der drei oder weniger Funktionen der besprochenen Seite ist der Autor ins Schlingern geraten, mußte rechts ranfahren und den ADAC rufen, weil ihm die Strecke zu unübersichtlich geworden ist? Man wundert sich.

    Man wundert sich auch, wie der Autor zu dem Schluss kommt, die Seite wäre schwammig? Die Seite ist klar gegliedert, klarer geht es nicht. Mag sein, dass nach zehn Beck’s der Blick trübe wird und sich deswegen alles „nicht gut anfühlt“ – mit Verlaub, aber ich kenne die Trinkfestigkeit des Herrn Autoren nicht.

    Nein, der Zweck von Musebin, nämlich seine Meinung zu diesem oder jenem Album in maximal 140 Zeichen zu veröffentlichen, wird zu hundert Prozent erfüllt. Wo liegt da, abgesehen vom derzeitigen Betastatus, die technische Einschränkung?

    Angesichts der vorgebrachten Kritik darf die Vermutung geäußert werden, der Autor habe sich nicht wirklich mit Musebin beschäftigt. Hier kann der Autor gerne etwas Klarheit ins von ihm selbst geschaffene Dunkel bringen.

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