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Das ist doch der Gipfel

Ich komme mir merkwürdig „benutzt“ vor, wenn ich eine Einladung nicht annehme, die Einladungsaussprechung aber für PR genutzt wird. Markus Beckedahl ging es scheinbar ähnlich, er hat den IT-Gipfel aber länger kommentiert.

Ich werde übrigens das Online-Team von Barack Obama zur nächsten re:publica einladen. Nur für die Antwort: „No, we can’t“.

Update: Stefan Niggemeier geht es ähnlich (wie mir, nicht wie dem Obama-Team), und Thomas Knüwer rechnet mal ein bisschen was vor. Und nun machen wir doch fein Werbung für einen IT-Gipfel, von dem ansonsten keine Sau Notiz genommen hätte — nicht einfach, dieses Blogdings.

37 Kommentare

  1. 01

    Das ist ja noch gar nix. Auf meiner nächsten Fete ist Gott ganz weit oben auf der Einladungsliste (Platz 3).

  2. 02
    Christine

    Ich mag mich irren, und dann klärt mich gern auf:

    nach der Lektüre des Artikels von Markus habe ich viele Ansätze gefunden, die man doch genau auf so einem Gipfel diskutieren könnte. Hast Du, Johnny, jetzt abgelehnt, weil du keine Zeit hast oder weil du die Veranstaltung nicht unterstützt? In einer PR-Meldung zumindest kundzutun, dass man führende Blogger mit an den Tisch geladen hat, finde ich nicht weiter verwerflich. Interessanter für mich wäre zu wissen, warum du (wenn es denn so ist) dieses Gesprächsangebot, und damit ja auch die Möglichkeit deine Argumente an entsprechender Stelle anzubringen, ausschlägst. Reine Neugier.

  3. 03

    @Christine: Klar könnte man diese Themen auf einem Gipfel diskutieren. Aber die Ausgestaltung des IT-Gipfels ist anders ausgelegt. Da steht kein Tisch zum diskutieren mit der Bundesregierung. Das ist ein Kontakthof für IT-Industrie-Lobbyisten und Regierungsvertretern, sowie ein Showevent für die gemeinsamen Großprojekte. Ansonsten gibt es Sonntagsreden, die dort vorgelesen werden.

  4. 04
    Christine

    ok. dann ist natürlich alles klar.

    Ich hab beim Wort Gipfel irgendwie immer einen runden Tisch und heiße Köpfe bei sinnvollen Diskussionen im Kopf. Muss ich mir wohl abgewöhnen diesen Eindruck.

    Da gäbe es dann eher eine Network-Jagd auf euch „bloggen sie doch mal über was interessantes…über uns“

    gruselige Vorstellung.

  5. 05

    Von der Methode her ist es nicht verwerflich zu sagen, dass man XY und XYZ eingeladen hat. Nur dass sich das Hasso Plattner Institut halt auf diesem Weg einen ach so innovativen Anstrich geben will, ist eben nicht die feine Art.

  6. 06

    Da hatte ich ja gerade nochmal Glück, dass ich nicht in den Top-20 der Deutschen Blog Charts bin…

  7. 07

    Wenn ich Dich zu einer Vernissage einlade, dann kommst Du aber, ja? ;) Wenn Du absagst, dann würde ich nämlich darüber schreiben…
    Ich finde es auch etwas befremdlich, dass Einladungslisten dazu genutzt werden, sich „besser“ darzustellen. PR ist eben auch nicht mehr das, was es mal war ;)
    (Ich finde ja, Du hättest nach Darmstadt kommen sollen. Ich hätte Dich dann losgeeist und wir hätten ein feines Portraitshooting gemacht!)

  8. 08

    Na, das klingt aber ein wenig nach verletzter Eitelkeit.
    Muss denn wirklich die Attitüde dahinterstehen, dass sich dieses Institut einen bestimmten Anstrich geben will, oder hat die Auflistung schlicht Informationsfunktion? Immerhin kann man sich doch so einen Eindruck davon machen, wer da eventuell aufläuft. Also, jetzt mal positiv gedacht.
    Mal angenommen, der Vorschlag bestimmte Blogger zu der Veranstaltung einzuladen, kam wirklich von dem Institut, hätte man die Namen der Blogs denn einfach weglassen sollen? Das wäre doch noch alberner gewesen.

  9. 09

    @will: Ach Quatsch ,)

    Wenn man sich schon ein paar Tage länger mit Netzpolitik, der Zivilgesellschaft im Netz und all den anderen schönen Themen beschäftigt, kennt man die Veranstaltung. Man muss also nicht erst gucken, was da läuft. Man packt irgendwann ja auch nicht mehr auf glühende Herdplatten, um zu schauen, ob sie wirklich heiss sind.

    Und sorry, das, was Johnny da zitiert (Stefan Niggemeier hat einen Screenshot) ist nun mal klare Eigen-PR mit dem guten(?) Namen der Blogger – und nicht der Hinweis, wenn man alles so eingeladen hat (was ja auch ziemlich albern wäre).

    Im konkreten Fall zeigen dann noch die Überschneidungen (Die re-publica ist bekanntlich ein Kind von Spreeblick und einigen Leuten aus dem Umfeld von Netzpolitik.org) wie wenig sich die Veranstalter für ihre Gäste interessieren.

  10. 10
    Klaus

    „PR ist eben auch nicht mehr das, was es mal war ;)“

    „PR“?
    Nenn’s doch einfach „Reklame“, das ärgert diese die am meisten.

  11. 11
    GlowingHeart

    Als Nächstes darf ein Fleischer eine Liste bekannter Blogger aufzählen, die gern „süss-saure Flecke“ essen und ander User, die das lesen und für bare Münze nehmen, kaufen sich dann auch plötzlich „süss-saure Flecke“, steigern somit den Umsatz des Fleischers und stellen am Ende bestürzt fest: „Wie können diese bekannten Blogger nur so einen Unrat essen? Kein Wunder das davon das Hirn erweicht und mancher Blog nicht geschrieben werden wollte.“

    PS: Ich mag „süss-saure Flecke“

  12. 12

    @Christine: Grundsätzlich finde ich es prima, zu Veranstaltungen eingeladen zu werden, zu denen man sonst nie kommen würde. Und ich freue mich, wenn meine Meinung gefragt ist. Und bringe mich gerne ein, man lernt ja auch selbst dazu.

    In diesem Fall war das aber alles sehr anders, schon die Einladung war äußerst merkwürdig und die späten und unvollständigen Antworten (fast eine Woche Reaktionszeit) auf meine Rückfragen ebenfalls. Außerdem gebe ich in diesem Fall, in dem es nicht darum ging, sich auszutauschen (siehe Markus und Jo), das Geld, dass ich für Fahrt und Unterkunft hätte ausgeben müssen, lieber den Autoren. Oder kaufe Weihnachtsgeschenke für meine Kinder.

    Nee, nee. Da hat niemand Interesse an einem Meinungsaustausch gehabt, da hat jemand einfach nur eine Liste kopiert um hinterher eine tolle Pressemitteilung schreiben zu können.

  13. 13

    Ew, mir reicht schon die elendige „Hasso-Plattner-Bibliothek“ an der Uni Mannheim, in deren Namensgebung (ehemals „Jura-Bibliothek“) sich der SAP-Chef eingekauft hat. Ganz toll für die akademische Lehre sowas.

  14. 14

    Ew, mir reicht schon die elendige „Hasso-Plattner-Bibliothek“ an der Uni Mannheim, in deren Namensgebung (ehemals „Jura-Bibliothek“) sich der SAP-Chef eingekauft hat. Ganz toll für die freie akademische Lehre sowas.

  15. 15

    Oh je, allein der Name der Veranstaltung: IT-Gipfel :-!

    Haben wir zukünftig zu befürchten, dass zu jedem wahlkampfrelevanten Thema ein Kaffeekränzchen einberufen und dann medienwirksam zum „Gipfel“ hochstilisiert wird? Siehe auch „Bildungsgipfel“.

    Wenn ich sehe, wer die Einladungen zu solchen Gipfeln *annimmt*, dann befürchte ich, dass unsere Politiker nach dem Gipfel noch schlechter informiert sind als vorher… Siehe auch hier.

  16. 16
    Christian

    @Yetused: Recht hast du! Wissenschaftsmäzene sind schon eine Pest! Sollen die ihr Geld doch lieber in Fussballclubs stecken oder verbrennen… oder direkt mir geben! Aber auf keinen Fall jemandem wie dir bessere Lernbedingungen ermöglichen.
    Ganz toll für die freie akademische Lehre sowas, hast du schon gut geblickt!

  17. 17
    Carsten

    @Christian (26): Wenn er anonym, oder ähnlich, gespendet hätte, könnte ich Deine Aufregung nachvollziehen. Mit der Umbennung in Hinz-Kunz-Bibliothek, fühlt sich das für mich jedoch nach Geltungssucht an und ich bevorzuge – gerade bei Milliardären – Bescheidenheit. Die Unterstützung „freier“ Lehre ist dann auf der Strecke geblieben, wenn man durch Mäzens-Gnaden zu Büchern kommt.

  18. 18

    @Carsten: Naja „¦ ich meine, dass es im Bildungsbereich immer auch „kommerzielle“ Unterstützer gegeben hat, und warum auch nicht? Wird das Buch, das du liest, dadurch schlechter? Solange kein inhaltlicher Einfluss genommen wird, habe ich damit kein Problem. Zumal es tatsächlich Menschen aus der Wirtschaft gibt, die einen Teil ihres Geldes sehr bewusst in Bildungsbereichen investieren. Dass sie u.U. auch etwas davon haben, stört mich nicht. Darf man nur anonym spenden? Wieso?

    Auf der einen Seite fordern wir gesellschaftliches Engagement von der Wirtschaft (das eben auch finanzieller Natur sein kann), auf der anderen Seite mackern wir, wenn sie sich im Bildungsbereich engagiert über ein „Einkaufen“. Da haut was nicht hin, oder?

  19. 19

    Kommerzielle Unterstützung ohne Eigennutz? Das schließt sich doch fast schon per Definition aus, oder? ;-)

  20. 20
    Christine

    Ich finde das schwierig. Bei mir in der Ecke gibt es das Unternehmen Beluga Shipping. Weil der Gründer Stolberg mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen hat hat er sich etwas einfallen lassen.

    „Niels Stolberg unterstützt die Aktivitäten der FH OOW am Studienort Elsfleth intensiv. Er finanziert nicht nur zwei Stiftungsprofessuren über jeweils zehn Jahre im Wert von rund zwei Millionen Euro, er baut auch die benachbarte Ausbildungsstätte für Schiffsmechaniker und beteiligt sich mit 300000 Euro an der neuen Mensa.“ (Quelle: http://www.fh-oow.de/aktuelles/database/index.php?anzeige=Nachricht&id=1951)

    So sorgt er für Nachwuchs, indem er die Qualität der Lehre dort verbessert und den Standort attraktiver macht. So hat man seine Motivation, die aber in diesem Fall zum Beispiel beiden Seiten zuträglich ist. Ich sehe da nicht das Problem. Sicher gibt es aber auch andere Beispiele, die dagegen sprechen. Es nur per se zu verurteilen fände ich falsch.

  21. 21
    Christian

    @Carsten (17): Naja… hauptsache, man kommt überhaupt zu Büchern – und hauptsache, die Bibliothek hat freie Verfügungsgewalt über Ihre Mittel. Da wäre mir als Student doch schon eher egal, wie das Gebäude heisst, in dem ich sitze.
    Und was die Geltungssucht angeht: meinst du nicht, da lehnst du dich etwas weit aus dem Fenster. Ist für mich eine reine Unterstellung. Ich kann mir durchaus auch vorstellen, dass es Milliardäre gibt, denen soviel Publicity dann doch zu viel des Guten sind, die sowas aber aufgedrückt bekommen.
    Und ja, sie könnten Sich wehren, sie könnten darüber bloggen, dass sie keine Bibliothek mit eigenem Namen brauchen… aber was soll’s? Hauptsache die Bücher stehen da.
    Denke ich da zu naiv? Oder gar zu pragmatisch??

  22. 22
    lizammeer

    In Israel ist es so, dass einige Universitäten fast ausschließlich auf einem Spendenfundament existieren können. Die Zahl der Spender ist jedoch ellenlang und so werden diese auf einer Art Mamortafel zB. im Foyer oder frei im Campus stehend dafür gewürdigt. Die Namen der Universitäten und einzelnen Bibliotheken sind dann eher fachspezifisch und oder gleichsam historisch benannt worden. Also der Name des Geldes wird so eher adäquat gewürdigt auf ner Tafel und wissenschaftliche bzw. historische Leistungen von bedeutenden Menschen dann an ebenso richtiger Stell und Position.

  23. 23
    lizammeer

    In Israel ist es so, dass einige Universitäten fast ausschließlich auf einem Spendenfundament existieren können. Die Zahl der Spender ist jedoch ellenlang und so werden diese auf einer Art Mamortafel zB. im Foyer oder frei im Campus stehend dafür gewürdigt. Die Namen der Universitäten und einzelnen Bibliotheken sind dann eher fachspezifisch und oder gleichsam historisch benannt worden. Also der Name des Geldes wird so eher adäquat gewürdigt auf ner Tafel und wissenschaftliche bzw. historische Leistungen von bedeutenden Menschen dann an ebenso richtiger Stelle und Position. Finde ich so in Ordnung.

    ps: vi@gr@!!! ;), hotmail is eher schlimm, wa?
    ich mein nur – wegen dem nicht freigeben …

  24. 24
    Carsten

    @Johnny (18): Ich stehe Spenden auch positiv gegenüber, wenn kein inhaltlicher Einfluss genommen wird. Meiner Meinung nach vollzieht sich dieser Einfluss jedoch schleichend und führt zu der beobachtbaren ‚Kommerzialisierung‘ der Bildung. Die Hinz-Kunz-Bibliothek ist nur ein kleines Stück des gesammten Bildes.
    Kooperationsprojekte zwischen Hochschule und Wirtschaft sind für mich durchaus zeitweilig sinnvoll und fruchtbar für beide Seiten! Das jedoch die Bildung zunehmend ausschließlich als berufsvorbereitete Maßnahme verstanden wird, ist für mich auch eine Konsequenz aus dem Engagement der Wirtschaft in der Bildung.
    Mit der Umbennung in Hinz-Kunz-Bibliothek wird für mich der letzte Punkt unterstützt. Der milde Blick auf den Gönner, der es schließlich durch die Wirtschaft zu etwas gebracht hat, führt zu einer positiven Atmosphäre und dem Wünsch nach mehr Mäzenen. Es lenkt davon ab, dass wir – mir schwebt das große Konstrukt ‚als Gesellschaft‘ vor – schon lange Bildung nicht mehr genug fördern.

    @Christian(21): Ach naiv bin ich auch. Allerdings verkaufe ich auch kein Crack, nur weil es mehr Geld bringt, als Zitronenlimo. Zumal ich gar nicht weiss, was das eigentlich ist. Man kennt es ja nur vom Hören-Sagen. Der Zweck heiligt für mich auch hier nicht die Mittel. Bei dem von Christine (#22) eingebrachten Beispiel, ist zum Beispiel keine ‚Nils-Stolberg-Akademie für maritime Ingenieurskunst‘ entstanden. Vielleicht war die auch nicht so ‚günstig‘ zu haben.

  25. 25
    Christine

    @Carsten: und vielleicht ging es auh gar nicht darum. Ingenieursbereiche mit z.B. Geisteswissenschaften zu vergleichen ist wohl auch nicht der richtige Weg. Das sehe ich ja auch ein. Es gibt Bereiche die frei von Unterstützung aus der Wirtschaft bleiben müssen, weil sie Unabhängigkeit als höchstes Gut haben. Aber in diesem Fall bringt es ihm bei seinen Kunden sicherlich nichts. Die interessiert sein Engagement nicht. Ihn schon, denn ohne Nachwuchs läuft sein Laden nicht.

  26. 26

    @Christian(16): Ich weiß, dass ich Recht habe. Ohne Recht würde ich auch nicht kritisieren. Durch die Studiengebühren, die ich seit einigen Semestern zahlen muss, lassen sich Bestandsblibliotheken ganz leicht finanzieren. Man braucht dort von jedem Buch nur ein oder zwei. Sich Bestandsbibliotheken mit ein paar Milliönchen unterstützen zu lassen und sie dann eben NICHT, wie du so romantisch angenommen hast, mit ein paar mehr Büchern auszustatten, sondern stattdessen schicke Glastüren und neue Wandfarben anzubringen, hat eben nichts mit altruistischem Mäzenentum zu tun. Oder meinst du etwa Hasso Plattner würde sich wirklich für irgendjemandes Bildung interessieren? LOL. Putzig.

    Bitte nächstes mal nicht irgendwas aus irgendeiner Agenda heraus verteidigen, das es nicht zu verteidigen gilt. Die Privatwirtschaft hat sich aus dem akademischen Bereich herauszuhalten. Aber ganz weit fern. Die PR- Konzeptionsseminare, die nicht von Dozenten sondern BASF-Gesandten gehalten werden, sind schon Zumutung genug. Ich bin an keiner BA oder FH, oder privaten Hochschule, sondern an einer staatlichen Universität. Land und meine Studiengebühren müssen da genug sein um die Lehre zumindest sauber zu halten.

    Ich fahre schon an genug SAP- und AOL-Arenen vorbei. In einem PriceWaterhouseCooper-Saal sitzend meine Vorlesung zu genießen (ehemals M003) und danach in die Hasso-Plattner-Bibliothek zu gehen, sehe ich als Zumutung. Ich würde nicht wollen, dass ich irgendwann an der Apple-Haltestelle aussteige um zu meiner BMW-Universität zu kommen. Das ist einfach nur lächerlich! Meine Bücher leihe ich mir an der Leihstelle aus. Und die wird durch meine Studiengebühren mit mehr Stellen besetzt. So soll es sein.

  27. 27
    Christine

    hui

    @Yetused: jetzt könnte ich mich angefasst fühlen, weil ich „nur“ ein FH-Studium absolviert habe, was scheinbar in deinen Augen weniger schützenswert ist. Ich dachte eigentlich, dass man an einer staatlichen Universität (denn im Übrigen ist auch eine FH eine Hochschule) Differenziertheit gelehrt bekommt. Es ist quatsch, das wirkliche Leben, also die Wirtschaft (für einige Studiengänge), völlig aus dem Studium bannen zu wollen. Die Praxisnähe kann nicht schaden. Ich hörte mir gern in meinem Studium, (Medienwirtschaft & Journalismus) einige Vorlesungen von Gastrednern an. Nur in Büchern wälzen bringt mich nämlich nicht weiter, wenn ich erfahren will wie dort draußen gearbeitet wird. Und im Übrigen trägt es auch zum differenzierten Denken bei. Denn wenn man einen PR-Mann von BASF vor sich stehen hat, dann kann man doch schon mal üben und ihn auseinandernehmen. Man muss ja auch nicht alles kritiklos hinnehmen. Wie gesagt, ich spreche hier von Gastvorträgen und nicht von Infiltrierung. Wobei auch da eine gewisse Grundintelligenz der Studenten vorausgesetzt sein sollte, alles was ihnen vorgesetzt wird, mit einer kritischen Distanz zu betrachten. Egal an welcher Hochschule!

  28. 28

    Ich habe die FH als Beispiel angeführt, weil sie von jeher praxisnaher ist (aus diesem Grund habe ich auch die BA genannt) und von daher dort solche Kollaborationen eher stattfinden und von den Studenten vielleicht sogar gewollt sind. Man will ja gleich voll einsteigen und so.

    Ich bin jedoch nicht an der Uni um für die Wirtschaft geprimed zu werden, sorry. Sonst hätte ich mich eben für jene anderen hochschulähnlichen Institutionen entschieden, die mir eine wirtschaftsnahe Ausbildung ermöglichen um dann auch gleich kompatibel für den Markt zu sein. Ich habe mich aber bewusst für den anstrengenderen und arbeitsmarktferneren Weg (mit so abgefahrenen Sachen wie Selbst- und Eigenstudium) entschieden, und jetzt wird mir von meiner „engagierten“ Uni Mannheim in den Rücken gefallen. Aus welchen Gründen das nun genau gemacht wird, bleibt mir fern. So viel Geld kann es nicht einsparen, wenn man statt eines echten ausgebildeten Dozenten einen Privatwirtschaftler einlädt, der dann die ausgerabeiteten PR-Konzeptionen der Studenten für das eigene Marketing benutzt ohne Honorar zu zahlen (so geschehen, meine Kommilitonin konnte nicht einmal dagegen vorgehen, da es keinen wirklichen Ansprechpartner gab, der sich da angesprochen gefühlt hätte – mit den Downsides solcher toller Ideen rechnet wohl niemand).

    Gegen Gästvorträge gibt es doch überhaupt nichts zu sagen! Ich freue mich, wenn mir mein Professor einen alten Studienkollegen einlädt dessen Bücher wir im Studium lesen um ihn persönlich kennenzulernen, oder der Politikprofessor jemanden einlädt, der erfolgreich vor dem BVerfG geklagt hat und der uns seine Geschichte erzählen kann. Aber wenn dann die Marketing-Schickse von Roland Berger vorne steht und uns irgendwelche Fragebögen ausfüllen lässt, die sie dann in ihren highly publicized Jungabsolventen-Studien verwenden wollen, dann kommen wir einfach nicht drumrum ein wenig zu kichern und die Frau auf kleine Flüchtigkeitsfehler in ihren Fragebögen hinzuweisen, da wir einmal Fragebogendesign bei einem designierten Dozenten gelernt haben. Natürlich werden wir alle einmal in der Privatwirtschaft arbeiten, aber ich möchte nicht, dass die sich schon vorher anbiedert und sich vor mir schlechtmacht. Wird noch schlimm genug werden.

  29. 29
    Christine

    ok, das sehe ich ein, so etwas ist sowohl an der Uni als auch an der FH daneben. Wurde bei uns auch versucht und ist gnadenlos abgeblitzt. Dennoch: auch ein FH Studium erfodert Selbst- und Eigenstudium. Nur fürs Protokoll. :)

  30. 30
    Christian

    Naja… ich für meinen Teil stehe halt auf und gehe, wenn sich ein Dozent/eine Dozentin sich als Business-Kasper herausstellt.
    Und naja… vielleicht steht die Uni Mannheim einfach finanziell noch zu gut da und dein Leidensdruck ist nicht groß genug… ich habe Zeiten erlebt, an denen in meiner Uni (jaja, so eine mit Selbststudium und so) nur 3 von 6 Professuren besetzt waren. Da hätten weder ich noch einer von meinen Kommolitonen nichts gegen ein paar gestiftete Lehrstühle einzuwenden gehabt.
    Und was das Humboldt-Prinzip in Forschung und Lehre angeht… darüber streitet sich die Wissenschaftscommunity nicht erst seit heute. Für manche Disziplinen mag das auch durchaus angebracht und realitisch sein. Für andere klar nicht. Hightech-Studiengänge hätten ohne die Wirtschaft keine Chance, am State-of-the-Art mitzuforschen und würden gegenüber den F&E-Abteilungen der Konzerne ganz schnell untergehen. Oder kann man über Studiengebühren neuerdings auch experimentelle Kraftwerke, Teilchenbeschleuniger oder Supercomputing-Cluster finanzieren?

  31. 31
    Carsten

    Experimentelle Kraftwerke gab’s (steuerfinanziert) in den Kernforschungsanlagen Jülich und Karlsruhe. ITER ist ein internationales (steuerfinanziertes) Projekt und ebenso sind dies DESY, als auch CERN. Dort, als auch in Jülich, gibt es wichtige Supercomputing-Cluster, die auch steuerfinanziert sind. So what? Forschung und Entwicklung von Konzernen in Bezug auf Grundlagenwissenschaft ist meiner Meinung nach fast nicht existent. Wenn man aktuelle, naturwissenschaftliche Paper liest, kommen die Ergebnisse äussert selten aus Laboratorien einer privaten Firma.

  32. 32

    Ich finde die oben stehende Diskussion ja wirklich erhellend, verrät sie mir doch das Niveau dessen, was an „studierten Menschen“ auf uns und unsere Wirtschaft zu kommt. Ehrlich gesagt finde ich es erschütternd, dass sich hier darüber echauffiert wird, wie eine Bibliothek heißt. Letztendlich geht es doch an einer Universität darum, Studierende für das echte Leben vorzubereiten. Dann fangt doch bitte mal an mit dem Eigen- und Selbststudium! Seht Euch an, was Euch nervt und macht es besser! Entwickelt Visionen, lernt aus den Fehlern der Alten! Deutschland ist schon seit langem ein jämmerliches Land, weil niemand mehr wagt, den eigenen Kopf zu benutzen. Es wird gejault, weil eine Bibliothek den Namen eines Mannes trägt, der ganz klein angefangen hat und sich mit seinen Ideen, seinen Visionen letztendlich seinen Namen und auch sein Geld herbeigeschafft hat. Wo sind Eure Visionen? Was wollt ihr machen, wenn ihr dann mal fertig seid mit dem Studium? Wollt ihr zu denen gehören, die sich in 20 Jahren darüber beklagen, dass ihre Ausbildung nicht so bombig ist, weil die Wände in Eurer Bibliothek die falsche Farbe hatten? Danke. Satt. Solche Leute haben wir ausreichend in der Wirtschaft und die sind es letztendlich auch, die heute Fehlentscheidungen nach Lehrbuch treffen, sie haben nie gelernt, den eigenen Kopf zu benutzen.Menschen, mit denen ich studiert habe, die eine Glosse nicht von einer Nachricht unterscheiden konnten, sitzen heute in der Medienlandschaft und können immer noch keine Glosse von einer Nachricht unterscheiden. Aber sie sind studiert.

    Warum gibt es denn diesen Diskussionsstrang? Weil ein studierter Pressefuzzi die Fehler nachmacht, die ihm an der Universität beigebracht wurden. Weil man ihm erklärt hat, dass das Volk so dumm ist und auf solche Tricks herein fällt. Und weil er selber so dumm ist und immer noch daran glaubt, weil er sich nicht weiterentwickelt hat und seinen Kopf nicht gebrauchen kann.

    Nehmt mit, was ihr an Wissen mitnehmen könnt! Nur weil ihr aus einem Buch lernt, dass ein Gönner aus der Wirtschaft bezahlt hat, ist das Buch nicht schlechter! Seid dankbar darüber, dass Euch in Form von schlecht ausgebildeten Referenten vorgeführt wird, was eine schlechte Ausbildung ausmachen kann. Und lernt daraus!

  33. 33

    @Christian: Liebe(r) Tilla Pe: Woher der Pathos? Wozu der Pathos? Ich kann an einem Studium nichts pathetisches erkennen, und an meinem schon mal gar nichts. Ich kann nicht verstehen, wie man das Einkaufen der Privatwirtschaft in eine bildungbringende Universität NICHT kritisieren kann. Meinen Sie etwa mein Studium ist auch nur ein bisschen besser geworden, seit sie BASF bei uns grast und PriceWaterhouseCooper auf einem Schildchen vor dem Vorlesungssaal haust?

    Nein, sie versuchen auf uns Einfluss zu nehmen. Sich als tolle zukünftige Arbeitgeber darzustellen, sich mit der aufblitzenden Cocacola-Flasche zwischen Sekunde 21 und 22 in unser Bewusstsein zu graben, damit wir danach durstig auf noch mehr Einladungen zum nächsten „Assesment-Center“ sind. Nein, ich bin nicht froh, dass sich billig über ein paar Tausender Namensrechte erkauft werden, die Studenten verwirren („PriceWaterhouseCooper“ – „WO treffen wir uns?“ – „M003“ – „Achso!“) und die mir die Lehre kein bisschen verbessern.

    Wenn wir die Lehre privatwirtschaftlich aufziehen wollen, okay. Dann kauf ich mich aber auch in die Uni ein. Mit meinem tollen 3,4 Abi vom Ron-Sommer-Gymnasium.

  34. 34
    Christian

    @Yetused: Mir wird leider IMMER noch nicht klar, was dich eigentlich stört, ausser dass deine Bibliothek oder dein Hörsaal jetzt anders heißt. Wo genau ist die Beeinflussung? Werden wissenschaftlichen Mitarbeitern Vorschriften bzgl. Inhalten in Forschung und Lehre gemacht? Ok, wäre verwerflich! Werden Studierende dazu verpflichtet, nach Nutzung der Hasso-Plattner-Bibliothek mindestens 2 Jahre als SAP Consultant zu arbeiten? Ok, wäre verwerflich!
    Aber den Vorwurf der Einflußnahme durch Bewusstseinsuntergrabung, den du hier gebetsmühlenartig wiederholst, kann ich leider nicht als ernsthaftes Argument zulassen. Dagegen hilft nämlich ein einfaches altes Hausrezept von Großmuttern: gesunder Menschenverstand. Und wer den abschaltet bevor er zur Uni geht, hat ohnehin ein grundlegendes Konzept nicht verstanden.

  35. 35
    Blogo

    Ihr „großen“ Blogger solltet Euch mal nicht zu wichtig nehmen. So wie ich die Ankündigung vom Institut gelesen habe, wart Ihr auf deren Initiative, und nicht auf die der Bundesregierung eingeladen – es war also einfach eine nette kleine Geste. Oder baut Ihr bei jeder Einladung die Ihr bekommt sofort die große Drohkulisse auf und findet das ungeheuerlich?
    Ihr habt also wirklich was falsch verstanden, oder habt Ihr die Antwort vom Institut noch nicht gelesen? http://www.hpi.uni-potsdam.de/presse/mitteilung/beitrag/anmerkung-zur-pressemitteilung-vom-17112008.html

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