19

Rechner schlägt Go-Meister

MoGo, eine augenscheinlich besonders gerissene Software, die mit der geliehenen Rechenzeit einiger Supercomputer operierte, hat einen amerikanischen Go-Meister (achter Dan) geschlagen (wobei der Computer einen Vorsprung erhalten hat). Da ich das Spiel nicht kenne, kann ich es nicht beurteilen, aber es heißt, Go sei deutlich komplexer als Schach und man war davon ausgegangen, der menschliche Geist müsste reiner Rechenkraft dauerhaft überlegen sein. Bis jetzt habe ich zu der These, 2050 würde eine Robotermannschaft den Fußballweltmeister schlagen, gesagt: „Ja. Im Halma.“ Aber vielleicht geht da ja doch was. Jetzt werde ich erst mal meinen iMac zum Boxen auffordern.

19 Kommentare

  1. 01
    Hendrik

    „Da ich das Spiel nicht kenne, kann ich es nicht beurteilen, aber es heißt, Go sei deutlich komplexer als Schach und man war davon ausgegangen, der menschliche Geist müsste reiner Rechenkraft dauerhaft überlegen sein.“

    Wie auch immer man auf diese Idee kommen kann. Gut ich kenne das Spiel ebenfalls nicht – aber rein von der Logik: Ein Rechner mit ausreichender Leistung und programmierung ist prinzipiell in der Lage zu jedem Zeitpunkt jede potentiell folgende Spielsituation vorauszuberechnen.
    Das Duell ist also nicht Geist gegen Materie sondern Geist(Spieler) gegen Geist(programmierer) – wobei ich hier dem Programmierer einen gewissen Vorteil einräumen muss: Sein Ergebnis kann sich nur verbessern und ist tagesform unabhängig.

  2. 02
    malefue

    und wenn man genug zeit hat muss die hardware nicht mal besonders leistungsfähig sein…

  3. 03

    @Hendrik:

    hier wird die problematik erklärt. man hat erst für das jahr 2017 mit einem solchen erfolg gerechnet.

  4. 04
    Stalinallee Nordseite

    Ich setz nen fünfer auf Deinen iMac !!

  5. 05
    Ingix

    Ein wichtiger Hinweis aus der verlinkten Quelle: „he gave the computer a nine-stone handicap“.
    Analogie im Schach: Der Mensch hat schon mit Dame und Turm weniger angefangen.

    Ein handicap (Vorgabestein) ist im Go eine Möglichkeit, einen Spielstärkeunterschied zwischen 2 Spielern auszugleichen. 9 Steine ist dabei die höchstmögliche Vorgabe. Da im Go immer abwechselnd ein Stein aufs Brett gelegt wird, bedeuten 9 Steine Vorgabe also 9 Steine „Vorsprung“ für den Computer im Spiel. Es war also kein „fairer“ Kampf, sondern der Computer wurde größtmöglich bevorteilt.

    Ich will damit keineswegs die Leistung des Programmes schmälern, aber so, wie Malte es schrieb, werden die meisten Leser es wohl für eine „Gleichaufpartie“ (also keine Vorteile für eine Seite) gehalten haben

  6. 06
  7. 07
    Hendrik

    @Malte Welding: Aha. es war also jemand schneller als gedacht – oder der Go-Meister war richtig schlecht drauf ;)
    In dem Artikel steht allerdings auch drin, das bereits bei Deep Blue eine Überraschung bezüglich der Leistungsfähigkeit auftrat – repetitia placent.
    Danke für beide Artikel, und ich setze auch einen 5er auf den Mac.

  8. 08

    Einen 8.Dan habe ich auch schon einmal mit 9 Vorgabesteinen schlagen können. Wenn man die Rahmenbedingungen kennt und einschätzen kann, relativiert sich diese Nachricht ziemlich schnell.

  9. 09

    immerhin hat irgendjemand gesagt 2049 könne ein computer (was immer das auch sein soll) soviel dings machen wie die ganze menschheit zusammen. dann geht das mit dem fußball sicher auch.

  10. 10

    @kosmar:

    das stammt aus dem shift-happens-video. aber von laufen und fallrückzieher wird da nichts gesagt.

  11. 11

    Huii, du kennst Go nicht?

  12. 12
    Maltefan

    Das faszinierende an der Künstlichen Intelligenz ist ja, dass wir mit ihrer Hilfe rausgefunden haben, dass Fußball sehr, sehr viel schwieriger ist als Schach oder Go.

    Maltefan, Robocup-Teilnehmer Stockholm ’99

  13. 13

    @Oliver:
    Bis eben war mir GO auch fremd.
    http://www.dgob.de/

    Man kann unmöglich über alles
    Bescheid wissen.
    Was ein Ansporn sein soll, für
    a l l l e die das lesen!
    Sodele ist gut…glaube ich ;-)
    [Bin die Tage Out of Order]

  14. 14
    fabiank22

    Nunja Maltefan hier kann man zustimmen oder nicht. Für Fußball benötigt man feinmotorische Eigenschaften die bei organischem Leben schon gegeben ist – eine Grundkentniss der Funktion der eigenen Beine setzen wir einfach vorraus(obwohl natürlich die Fähigkeit von Babys sich Laufen oder etwa Sprachen anzueignen richtig krass ist)

    Ein Rechner muss das laufen eben erstmal „lernen“(und als Informatiker weiß ich das lernen hier tatsächlich der passende Begriff ist :) ). Stell einen Säugling in die Arena und du wirst das wieder relativiert haben.

    Und Go als Spiel ist deshalb so krass weil es eben sehr viel mit assoziativen und weniger mit logischen Fähigkeiten arbeitet. Beim Schach lässt sich von jedem Heimlaptop leicht jeder mögliche Zug und Reaktion der nächsten fünf Runden messen. Go hat hier einfach viel mehr Möglichkeiten, Situationen. Auch wenn das menschliche Hirn in den letzten Jahren gegenüber Maschinen immer wieder etwas abwertent gesehen wurde: Wer einmal Go-Spieler mit Dan gesehen und auch deren Züge einigermaßen verstanden hat wird begeistert sein wie mächtig es doch ist.

  15. 15
    Maltefan

    @fabiank22:

    Stell einen Säugling in die Arena und du wirst das wieder relativiert haben.

    ??? Setz einen Säugling and Go-Brett und Du wirst das auch relativiert haben. Mag ja sein, dass Go mächtiger ist als Schach, aber genau wie Schach braucht man dafür Fähigkeiten, die man einem Computer wesentlich einfacher beibringen kann als Fußballspielen. Die Feinmotorik ist ja noch das geringste Problem, überhaupt mal was Wahrnehmen ist die viel größere Schwierigkeit. Das damit abzutun, dass „das organische Leben“ das ja sowieso kann heisst ja so ziemlich alles konterkarieren, woran die KI seit 20 Jahren rumbastelt.

    als Informatiker weiß ich das lernen hier tatsächlich der passende Begriff ist

    Was glaubst Du eigentlich, was ich bin? Beim Robocup hab ich noch keinen Maschinenschlosser getroffen ;)

  16. 16
    Chuck

    @Maltefan: Vielleicht ist das fehlen von Maschinenschlossern der Grund, warum Menschen heute noch besser im Fussball sind als Roboter.

  17. 17
    Maltefan

    @Chuck: Glaub ich ehrlich gesagt nicht. Die Roboter, die beim Robocup verwendet werden, basieren ja größtenteils auf Standardprodukten von der Stange. Vielleicht werden bei deren Entwicklung ja haufenweise Maschinenschlosser eingesetzt. Beim Robocup selber habe ich jedenfalls noch keinen getroffen.

  18. 18
    Joscha

    Kann sich jemand noch an den Robocup-Erfolg von den Philips-Leuten aus Eindhoven erinnern? Das war sozusagen das Äquivalent von Maschinenschlossern. Ein paar sehr schlaue Ingenieure mit einem großen Bauteillager, die das Zeug am Wochenende gebaut und die Mid-Size-Liga spektakulär plattgemacht haben! Ihre Roboter waren praktisch rollende Waschmaschinen, die erst den Ball lokalisierten, dann hinter ihm in Zielrichtung in Position rollten und anschließend mit einem Mordskickmechanismus draufbolzten. Die Kick-Kanone bestand aus einer massiven Stahlfeder, die über einen Scheibenwischermotor gespannt wurde und genug Power hatte, um einem Menschen das Bein zu brechen. Damit konnten sie den Gegner im Prinzip aus der Schusslinie ballern.

    Diese Leute haben wirklich demonstriert, dass die Schlosser den Uni-Leuten überlegen sein können. Die Uni-Leute haben nicht nur viel mehr Mühe mit der Beschaffungsbürokratie, sondern sie müssen über jeden verwendeten Sensor und jeden kleinen Algorithmus drei Papers publizieren, um die eingesetzen Fördermittel zu rechtfertigen. Außerdem hat man an der Uni lauter unzuverlässige, verpeilte und genialische Studenten, die manchmal Klasse, manchmal eine Katastrophe sind.

    Die Ingenieure holen einfach alles aus dem Regal und machen’s.

Diesen Artikel kommentieren