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Ältere Menschen haben keine Freunde mehr

Die suchmaschinenoptimierte Titelzeile müsste natürlich „Neue Studie zeigt: Jemand benutzt das Internet!“ lauten, aber das war mir zu langweilig.

Ich kann weder die Seriösität noch die Methodik des Absenders Mindline beurteilen und ohnehin sollte man keine Studien (und schon gar keine Telefonumfragen) zu ernst nehmen, finde ich, aber für ein paar interessierte Blicke eignen sich die Ergebnisse der Befragung zu „Erst-Medien bei BreakingNews-Events“ (PDF) allemal.

Als erstes fällt natürlich auf, dass das Internet bei der Altersgruppe der bis 29-Jährigen an erster Stelle bei der Versorgung mit neuesten Nachrichten liegt (30-49 Jahre: Radio; über 50: TV), doch das überrascht wohl kaum noch jemanden. Viel spannender finde ich, dass es offenbar keineswegs die jungen Menschen sind, die den Print-Medien die größten Probleme zu bereiten scheinen: Prozentual gesehen nutzen sie Tageszeitungen nicht weniger als ihre älteren Mitbefragten und genau wie bei den über 50-Jährigen nimmt die Zeitung bei Jugendlichen und denen, die sich immer noch dafür halten, immerhin die dritte Stelle der Informationsversorgung ein. Bei den 30- bis 49-Jährigen hingegen stehen Printmedien erst an vierter Stelle der Info-Kette.

Geradezu erschütternd hingegen die letzte Platzierung von „Freunden, Bekannten und Kollegen“ als Informationsquelle für über 50-Jährige mit der Angabe „Null“. Wir müssen uns dringend kümmern.

[via]

18 Kommentare

  1. 01

    …die haben vermutlich im prenzlauer berg angerufen

    oder in stuttgart…

  2. 02

    „Prozentual gesehen nutzen sie Tageszeitungen nicht weniger als ihre älteren Mitbefragten“ Aber es sind doch die Prozentwerte angegeben. Jugendliche 14% Zeitungen vs. 50+ 18%. Ein kleiner, aber dennoch vorhandener Unterschied. Vielleicht sogar signifikant.

  3. 03
    René (der aus Kiel)

    Eine seriöse Studie gibt die Ausschöpfungsquote* (und eine Aufschlüsselung derselben) an. Die fehlt hier. Wenn die Ausschöpfungsquote fehlt, kann man mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass sie bei < 30% lag, wahrscheinlich sogar niedriger. Von einer „bevölkerungsrepräsentativen Befragung“ kann dann keine Rede mehr sein. Die Ergebnisse kann man dann auch getrost in die Tonne kloppen.
    * Die Ausschöpfungsquote gibt an, wie groß der Anteil der Stichprobe war, der überhaupt an der Befragung teilgenommen hat.

  4. 04

    @Benedikt: Ich bin kein Statistiker, die Relevanz von 4% Unterschied beurteile ich daher als nicht so groß. Aus’m Bauch raus. :)

  5. 05

    @René (der aus Kiel): Es könnte aber auch sein, dass sie von einer „bevölkerungsrepräsentativen Befragung“ reden, weil die Ausschöpfungsquote hoch genug war?

  6. 06

    @René (der aus Kiel):

    Ahem, steht doch gleich auf einer der ersten Seiten in dem PDF:

    Stichprobengröße
    ● 1.012 Befragte

    Oder ist das nicht was Du meinst?

  7. 07

    Oder auch:

    Freunde, Bekannte und Kollegen sind wie Videotext für die reifere Generation.

  8. 08
    senfdazugeber

    LOL! Also die suchmaschinenoptimierte Titelzeile „žNeue Studie zeigt: Jemand benutzt das Internet!“ hätte ich auch sehr lustig gefunden!

  9. 09
    René (der aus Kiel)

    @Johnny Haeusler: Warum haben sie die Quote dann nicht angegeben? Die Angabe der Quote ist üblich, außer man hat etwas zu verbergen.

    @Armin: Nein, das ist die Stichprobengröße. Das ist die Anzahl der Personen, bei denen man _versucht_ hat, die Befragung durchzuführen. Wieviele Personen dann tatsächlich erfolgreich befragt wurden, steht hier in den Sternen. Man kann davon ausgehen, dass es nicht mehr als 300 Befragte sind. Bei Telefoninterviews ist die Ausschöpfungsquote immer sehr niedrig.

  10. 10

    50+ ist ein weites Feld. Jopi hat heute 105.

  11. 11

    Oh Gott, Videotext! Das ist ja mal sowas von 1990!

  12. 12

    @René (der aus Kiel):

    Ah, wieder was gelernt. Allerdings glaube ich die haben da ihre Terminologie etwas falsch (oder anders interpretiert als Du):

    Wenn ich mir die Fussnoten ansehe addieren sich die Zahlen immer zu den 1,012 auf. Oder meinst Du das sind Hochrechnungen?

  13. 13
    René (der aus Kiel)

    @Armin: Da kann man jetzt nur spekulieren. Ich befürchte ja, dass die Angabe „Stichprobengröße“ hier in Wirklichkeit die Anzahl der erfolgreich Befragten ist, und dass die echte Stichprobe viel (viel!) größer ist. Das ist aber um einiges schlimmer als die Ausschöpfungsquote zu verheimlichen. Damit suggeriert das Unternehmen, man habe eine Ausschöpfungsquote von 100% erreicht, was vollkommen unmöglich ist. Das Ding wäre dann so verzerrt, dass es wirklich vollkommen unbrauchbar ist. Da hätten die Interviewer die Fragebögen auch selbst ausfüllen können, das Ergebnis ist das gleiche.
    Leider ist das ja kein Einzelfall. Diese Unternehmen scheren sich leider einen Dreck um wissenschaftliche Genauigkeit, nur das Ergebnis zählt (auch wenn es dann schlichtweg falsch ist!).

  14. 14
    Thomas

    @ René aus Kiel:

    Moment, jetzt bist Du aber unseriös…

    Es handelt sich hier um keinen Forchungsbericht, sodern um ne Kurzpräsentation. Dass dabei die Ausschöpfungsquote nicht mit angegeben wird, deutet nicht automatisch darauf hin, dass man etwas zu verbergen hat – diese wird in diesem Fall meistens nicht mit angegeben (was nicht heißt, dass es eigentlich anders sein müsste). Auch deutet hier nichts darauf hin, warum die Quote niedriger als bei anderen Zufallsstichproben bei Telefonumfragen sein soll.

    Es wird auch nicht suggeriert, dass der Rücklauf bei 100 % liege, da der Begriff „Stichprobe“ sehr häufig die Netto- und nicht die Bruttostichprobe bezeichnet

    Wie kommst Du bitte zu diesen Einschätzungen („mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“, etc.)?

  15. 15
    Thomas

    vertippt, richtig muss es natürlich heissen: „was nicht heißt, dass es nicht eigentlich anders sein müsste“

  16. 16
    René (der aus Kiel)

    @Thomas: auch bei einer Kurzpräsentation muss die Ausschöpfungsquote angegeben werden und es muss zudem klar sein, worauf sich der Begriff „Stichprobe“ bezieht. So wird das jedenfalls bei ordentlichen Studien getan. Diese Schluderei ist erfahrungsgemäß ein ziemlich sicheres Zeichen dafür, dass die Ergebnisse nicht den Strom wert sind, den das Anzeigen des PDF erfordert.
    Aber leider ist das unreflektierte Akzeptieren von „Studien“ergebnissen in den letzten jahren ein Volkssport geworden und die Unternehmen die diese produzieren interessiert die eigene Schlamperei nicht mehr besonders.

  17. 17
    Thomas

    @René (der aus Kiel):
    Nochmal: ich gebe Dir recht, dass das so sein sollte. Die Realität sieht aber nun mal anders aus, gerade bei Kurzpräsentationen. Dabei automatisch darauf zu schließen, die Studie sei nichts wert oder unseriös ist – sorry – beknackt. Ich habe hier auf meiner Festplatte Dutzende von Ergebnispräsentationen ohne Rücklauf- oder Ausschöpfungsquote, darunter m. E. durchaus sehr seriöse Studien (z. B. GMF-Survey von Heitmeyer et. al).
    Und dass es sich um die Nettostichprobe handelt, geht aus der Präsentation eigentlich recht eindeutig hervor.
    Aber das ist wohl alles ein bißchen weit vom Thema weg und interessiert die meisten hier wohl kaum. Nichts für ungut!

  18. 18

    @Thomas: Ich find’s interessant.

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