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Der Spreeblick-Drogenführer Teil II: Alkohol

Teil I

Alkohol macht dick, dumm und fleißig. Oder anders gesagt: Es gibt Tätigkeiten, die man ganz offensichtlich nur unter Alkoholeinfluss ausüben kann. Unter ungelernten Arbeitern, Freiberuflern, Selbständigen und Unternehmern ist älteren Untersuchungen zufolge der Anteil der Alkoholiker am höchsten. Für Frauen kamen die Studien zu einem besonders überraschenden Ergebnis: Dort gab es die meisten Alkoholikerinnen in den höchsten sozialen Schichten. Sowohl Unter- als auch Überforderung scheinen also zum Alkoholismus beizutragen.

Letzteres ist mir bei Juristen häufig begegnet: „Work hard, party hard“. Viele gestresste Menschen neigen zu diesem Fehler: Anstatt sich nach einem anstrengenden Tag zu schonen, wird gesoffen. Was ja eben – anders als es subjektiv wirkt – nicht neue Energien freisetzt, sondern nur noch mehr ermüdet.
Wenn nun auf den zunehmenden Alkohol-Konsum von Jugendlichen mit immer wieder neuen Verboten reagiert werden soll – vom Trinkverbot in Innenstädten bis zum Verbot bestimmter Getränke, die angeblich besonders auf Jugendliche abzielen – dann wäre es unter Umständen klüger, sich zu fragen, warum gerade jetzt so viel getrunken wird.

Könnte es sein, dass die Umstellung auf das Abitur nach 12 Jahren und die schiere Angst, den Anforderungen nicht mehr zu genügen, mehr mit Alkoholismus unter Jugendlichen zu tun haben als Alkopops?

Trotz all der Gefahren ist Alkohol fester Bestandteil unserer Gesellschaft und somit die einzige Rausch-Droge, die nicht allein wegen ihrer Rauschwirkung konsumiert wird.
Es wundert mich zwar, weil mir Bier ungefähr so gut schmeckt wie gegorene Katzenpisse, aber doch werden viele ihr Feierabendbier nicht in erster Linie trinken, um betrunken zu werden.

Gerade weil der Alkohol als Genussmittel anerkannt ist, klafft das Konsumverhalten hier so weit auseinander wie bei keiner anderen Droge. Den Weinkenner und den Fuselsäufer verbindet nichts und sie suchen im Alkohol auch etwas vollkommen Verschiedenes.

Der süchtigste Alkoholiker, den ich je kennengelernt habe (er hatte sich blind gesoffen – nicht bildlich blind: richtig richtig blind), lebte in einer Klinik für Untherapierbare, in der er Bier trinken konnte. In seinem Stadium war es nicht mehr möglich, einen Total-Entzug durchzuziehen, das Risiko war zu groß. Überhaupt sterben gar nicht so wenige Menschen während des Alkohol-Entzugs. Läuft ein Entzug gut, ist die Entgiftung nach 3 bis 14 Tagen überstanden. Danach beginnt eine therapiegestützte Entwöhnungszeit. Und schließlich muss man damit fertig werden, jedes Mal „nein“ zu sagen, wenn auf etwas angestoßen werden soll. Ein Leben lang (noch schwören die meisten Selbsthilfegruppen auf vollkommene Abstinenz, seit einigen Jahren gibt es auch Versuche mit dem sogenannten „kontrollierten Trinken“).

Alkohol ist eine Gesellschafts- und Geselligkeitsdroge, die allein in Deutschland einige Millionen Menschen schnurstracks rauswirft aus der Gesellschaft (und ebenso aus der Geselligkeit). Die Wirkung dieser Droge ist massiv persönlichkeitsverändernd, sie schränkt die Denkleistung ein und lässt Menschenmassen DJ-Ötzi-CDs kaufen.

Erstaunlich schnell kann man sich totsaufen. Ich weiß nicht, wie exakt die verschiedenen Online-Promille-Rechner sind, aber diesem hier zufolge, hat man mit zwei Litern Wein und drei Litern Bier schon über vier Promille im Blut (als Mann mit 180 cm Körpergröße und einem Gewicht von 80 Kilo). Das ist ungefähr der Bereich der tödlichen Dosis. Es sind also durchaus nicht nur Gewohnheitstrinker gefährdet, sondern auch Erstkonsumenten (wenn sie es denn schaffen, so viel zu trinken).

Dennoch wird ein Alkohol-Verbot nicht ernsthaft in Erwägung gezogen. Zu deutlich sind bis heute die Folgen der Alkohol-Prohibition in den USA präsent. Der Konsum stieg entgegen den Erwartungen an, Menschen, die zuvor Wein oder Bier getrunken hatten, tranken nun schwarzgebrannte Schnäpse von niedrigster Qualität, die Gefängnisse waren überfüllt, die Gerichte überfordert, die organisierte Kriminalität machte Gewinne wie nie zuvor, der Staat verlor die Steuereinnahmen, die Menschen wandten sich darüber hinaus Ersatz-Drogen wie Cannabis, Kokain, Opium oder verschreibungspflichtigen Medikamenten zu. Einen messbaren gesundheitspolitischen Erfolg, eine Erhöhung der Zahl der Abstinenzler, gab es nicht.

Es drängt mich, auch einmal etwas Positives zu sagen: Alkohol hat vermutlich mehr Menschen zusammengebracht als die katholische Kirche. Man kann den Anteil der Paare, die sich betrunken kennengelernt haben, nur schätzen, aber ich lehne mich nicht zuweit aus dem Fenster, wenn ich sage: Ohne Alkohol wären viele ländliche Gebiete Deutschlands menschenleer.

Und so lässt sich am gesellschaftlichen Umgang mit Alkohol festmachen, wie auch mit anderen Drogen umzugehen ist (trotz all der Risiken, die eine Droge eben in sich birgt): Hilfe für die, die nicht mir ihr zurecht kommen, nachvollziehbare Regeln für den Umgang im Straßenverkehr und in der Arbeitswelt und vor allem: Ungeschriebene Regeln, die sich im Lauf der Zeit für den Umgang entwickelt haben.
Nicht morgens trinken.
Nicht jeden Tag trinken.
Nicht alleine betrinken.
Nicht heimlich trinken (Wer seinen Konsum verheimlicht: sofort zum Arzt!).
Nicht trinken, um etwas zu verdrängen (Diese Regel hat sich nicht etabliert, im Gegenteil wird regelmäßig dazu geraten, genau das zu tun, aber die Regel Nummer 1 für Drogenkonsum sollte lauten: Mach es in einer Lebenssituation, in der es dir gut geht. Saufen, wenn du dein Examen bestanden hast: Super. Saufen, weil das Hartz-IV-Geld schon am 20. verbraucht ist/weil du dich langweilst/weil du überfordert bist: Lass es sein).
Nicht trinken, wenn man noch nicht in der Lage ist, Verantwortung für sich selbst zu tragen. Wenn deine Eltern dich noch zur Schule fahren: Trink Milch, das macht groß (und vielleicht Krebs, aber das ist eine andere Geschichte).

Diese Regeln sind (bis auf die letzten beiden) gut etabliert und haben dazu geführt, dass eine harte Droge wie Alkohol eine tief in der Gesellschaft verwurzelte Industrie hervorgebracht hat anstelle von Mafia-Kartellen. Dass sie (für die Mehrheit der Konsumenten) handhabbar geworden ist und wir ihre Vorzüge genießen können. Alkohol ist ein soziales Schmiermittel, ohne das Parties nur bedrohliche Ansammlungen von Menschen wären, die sich ernsthaft mit einem unterhalten wollen.

Angesichts der vielen Unglücklichen, die an den Folgen ihres Alkoholismus leiden, muss man sich natürlich fragen: Wäre eine Welt ohne Alkohol nicht besser? Nun: Wie will man 1000 Menschen, die Spaß an etwas haben, aufrechnen gegen einen, der daran krepiert? Es bleibt mir nur, diese Frage Philosophen zu überlassen, ich kann nur darauf verweisen, dass wir nun einmal keine Welt ohne Alkohol haben.

Abschließend dieser WDR-Film, der den Alltag eines Trinkers zeigt (auf YouTube liegen die weiteren Teile).

Der Grund dafür, dass ausgerechnet Alkohol legal ist, ist also nicht in seiner vermeintlichen Harmlosigkeit zu finden.
Wir haben eine Tradition des Umgangs entwickelt und wir wissen, dass den Problemen, die er verursacht, durch Strafverfolgung nicht beizukommen ist. Es wäre nur folgerichtig, mit anderen Stoffen ebenso umzugehen. Was nicht bedeutet, dass die Nationalmannschaft in 10 Jahren für Kokain werben wird oder soll (sie sollte es auch nicht für Alkohol tun). Und auch nicht (wie ein Kommentator meinte), dass man sich Heroin im Supermarkt besorgt.

Nur eben, dass man all das, was die Sucht noch unerträglicher macht, die Beschaffungskriminalität, den Verfolgungsdruck und den Konsum minderwertigen Drecks beendet und der organisierten Kriminalität das Wasser abgräbt.
Der Horror der Sucht bleibt ja sowieso.

Da vermutlich jeder Spreeblick-Leser schon einmal Alkohol konsumiert hat, habe ich mir hier Erfahrungsberichte erspart.

48 Kommentare

  1. 01

    „Ohne Alkohol wären viele ländliche Gebiete Deutschlands menschenleer.“

    Yip

  2. 02

    Nicht schlecht!!!-Aber 2 Dinge möchte ich hier schon ansprechen, später dann mal etwas in meinem Blog (vielleicht darf ich ja die ein, oder andere Passage von hier „klauen“!?
    1.“Erstaunlich schnell kann man sich totsaufen….“ – Geht gar nicht schnell und schon gar nicht, wenn man es wie viele ja will! 4-6,8 Promille sind bei Alkoholikern nicht wirklich eine Seltenheit! – (Nein, dass ist keine Vermutung! Das ist Wissen!) Und wenn es denn funktioniert stirbt man nicht einfach, man krepiert!
    2.Meine ganz persönliche Meinung ist, dass (und es deutet sich schon an) diese Therapie: Kontrolliertes Trinken nicht funktionieren kann!
    Mehr wenn erwünscht später hier, oder an anderer Stelle.

  3. 03

    Könnte es sein, dass die Umstellung auf das Abitur nach 12 Jahren und die schiere Angst, den Anforderungen nicht mehr zu genügen, mehr mit Alkoholismus unter Jugendlichen zu tun haben als Alkopops?

    Das ist die Erkenntnis des Monats würde ich behaupten. Und da ich bis vor kurzem oder möglicherweise immer noch zur hier angesprochenen Gruppe gehöre, klingt das für mich sogar recht plausibel. Auch wenn ich selbiges nicht an mir selber beweisen kann.

  4. 04
    buliwyf

    haha, du weißt wie gegorene Katzenpisse schmeckt.

    Ein weiteres Problem ist, für Antialkoholiker, dass man ab einem bestimmten Alter komisch angekuckt wird wenn man keinen Alkohol trinkt.
    Teilweise wird man angeschaut wie ein trockener Alkoholiker.
    So tief ist der Alkohol Konsum in unserer Gesellschaft verwurzelt.

  5. 05
    Jan(TM)

    Wenn das Abitur nach 12 Jahren Schuld wäre, müsste es vor der bundesweiten Einführung nicht eine besonders hohe Quote an trinkenden Schülern in Sachsen und Thüringen gegeben haben?

  6. 06

    Du BIERFEIND, Du!!!

  7. 07

    @BORED_MALTE:

    ich trinke es ja – zu höherem nutzen.

  8. 08
    mc bastard

    also das mit dem abitur kann ich bestätigen, im meinem freundeskreis hauen sich die angehenden und ehemaligen abiturienten, regelmäßiger die hucke voll als die leute die studieren oder ausbildung machen… allerdings wohn ich auf dem land und hier wird vorallem aus langeweile gesoffen, gerade bei den landjungen, sprich „bauern“, stell ich öfters fest, dass es hier nur um die konsumierte menge geht…. 18 jährige die allein 1 kasten bier (0,5l flaschen) trinken können haben glaub ich ein problem… oder werden bald eines haben….

    edit: jetzt hab ich ja vergessen was ich eigentlich sagen wollte, also die abiturienten darauf angesprochen, warum sie sich jedes wochenende zuhauen, kriegt man fast immer als antwort, schulstress, man muss auch mal abschalten…

  9. 09
    christoph

    @Markus
    das geht unter Umständen superschnell
    bei uns im Ort (ja, komme vom Dorf) gabs mal einen, der hat bierseelig und jut druff gewettet, ne Flasche Schnaps ohne abzusetzen auszutrinken. Keine Ahnung, was der voher schon intus hatte, er hat jedenfalls gewonnen und war nächsten morgen tod. Der hatte ähnliches schon vorher mal probiert, hatte massig Erfahrung und sicher keine Todessehnsucht, ist halt nur im Rausch auf ne richtig blöde Idee gekommen.

  10. 10

    Es gibt ein ganz wunderbares Buch zu diesem Thema: König Alkohol von Jack London spielt zu einer Zeit, zu der das Leben noch ein völlig anderes war. Die Gründe und Motive haben sich aber bis heute nicht verändert.

  11. 11

    Ist schon gruselig: auf 2 Mrd Alkoholtrinker weltweit kommen 2 Mio Alkoholtote im Jahr – auf 130 Mio Kiffer kommen im Jahr 0 Tote.

    @Malte: Möchte auf das frisch erschienene Drogenquartett hinweisen. Falls du es noch nicht hast, dann wäre das bei deinen Recherchen sicher hilfreich.

  12. 12

    @Jan(TM):

    ich weiß nichts über die alkoholiker-quote in der ddr.
    allzuviel angst vor arbeitslosigkeit wird man allerdings nicht gehabt haben.
    #äpfel, birnen

  13. 13

    @Der Postillon:

    zu dieser kiffer-lyrik kommt was im cannabis-artikel:)

  14. 14
    christoph

    @Malte
    @Jan
    weiß auch nichts über Quoten, bin Mecklenburger und wohne jetzt in Hamburg und habe sehr das Gefühl, das Alkohol im Osten doch sehr viel mehr zu All- und Feiertag gehört als im Westen. Auch nach Berücksichtigung der Dorf-Stadt-Unterschiede. Glaube aber nicht, dass das Schulsystem eine Rolle spielt/e. Eher die Konzentration auf Alkohol; Kiffen oder härter gabs kaum in der DDR, Alkohol war/ist gesellschaftlich sehr stark akzeptiert, Betriebs,-Familien- was auch immer-Feiern kenne ich nicht ohne Alkohol in rauhen Mengen durch alle Schichten.

  15. 15

    @Jan(TM): Danke, genau das wollte ich auch sagen!

  16. 16
    Shanti

    Wenn eine Prohibition solch drastische Folgen hat, muss man die Frage stellen: inwieweit braucht der Mensch ansich Drogen? Offensichtlich scheint es doch zum Menschsein dazuzugehören, mit all seinen gesellschaftlichen Nebenerscheinungen. Und wenn etwas so tiefverwurzelt ist in einer Gesellschaft, dann tut man vielleicht besser daran, es bestmöglich zu verwalten (mit Legalitäten und Spielregeln) als es strikt zu verbieten.

    Und das mit dem „1000 Glückliche rechtfertigen keinen Toten“: na bitte, dann müsste ja so einiges in dieser Welt verboten werden: Autos, die Medizin, Fisch mit Gräten….

  17. 17
    fredge

    Danke für diesen Artikel! Ich habe selber über vier Jahre keinen Schluck Alkohol getrunken und fand es unerträglich, wie man permanent schräg angeguckt wird, angepöbelt (ja!) und für dumm (ja!) gehalten wird, weil man dieses Massenbesäufnis nicht mitmachen will.

    Seit etwa zwei Jahren habe ich wieder angefangen Alkohol zu trinken. Vor allem solche Dinge wie guter Wein und ein eiskaltes Weizenbier sind schon feine Sachen.

    Weiterhin kotzt es mich aber an, als wie unnormal man kategorisiert wird, wenn man eine kritische Haltung Alkohol gegenüber einnimmt und die dann auch tatsächlich lebt.

    Zu deinem Artikel noch ein Punkt: Ich bin selber auf ländlichstem Gebiet aufgewachsen und weiß, was es heißt, von Nichtstudierten, Arbeitern und Landwirten umgeben zu sein. Ich habe diese Leute teilweise wirklich hassen gelernt. Aber ebenso viele Menschen dort sind auch wirklich gute Typen gewesen, die mir viel beigebracht haben und an die ich noch heute gerne zurückdenke. Ich finde es ätzend, wie hier auf Spreeblick mit einer Arroganz auf jene „einfachen“ Leute geblickt wird, die auf dem Land leben. Schon bei Frédéric in seinem „Bauer-sucht-Frau“-Artikel war das so und jetzt machst du das weiter mit Aussagen, wie: „Ohne Alkohol wären viele ländliche Gebiete Deutschlands menschenleer.“ Sag‘ mir, das sei nicht so gemeint, wie es bei mir ankommt. Warum ist es dann bei Städtern nicht auch so? Achso, ich vergaß, die sind ja studiert und können besser reden, lernen sich leichter kennen und sind sowieso viel eloquenter in allem. Pffffhh.

  18. 18

    Ich stimme der Analyse zu, in den Konsequenzen finde ich es jedoch etwas zu kurz gegriffen, „mit anderen Stoffen ebenso umzugehen“. Denn eine *Tradition* – also eine Kultur des Umgangs – lässt sich nicht einfach etablieren. Deswegen kann man nach Jamaika (oder so) gucken und sehen, dass vernünftig mit Cannabis umgegangen wird. Das bekommen wir hier deswegen leider nicht so einfach hin.

    Und die Abwägung der vielen glücklichen und wenigen unglücklichen Menschen könnte auch in die Richtung gehen, bei Alkohol angesichts der genannten Gefahren restriktiver zu werden (was nicht totales Verbot heissen muss).

  19. 19
    Jan(TM)

    @Malte Welding: Ich meinte damit gar nicht die DDR Zeit. In Sachsen und Thüringen gab es nie ein 13tes Jahr.

  20. 20
    Mina

    @ Jan(TM): Dito. In Sachsen-Anhalt gab es das auch nur für eine Handvoll Jahrgänge. Die haben nicht mehr oder weniger gesoffen als alle 12er Jahrgänge vor und nach ihnen. Ich verstehe diesen Aufstand, der um das 12jährige Abitur gemacht wird, nicht – und ein Zusammenhang zum Alkoholkonsum erscheint mir ziemlich weit hergeholt.
    @Malte: Die heutige, dem Alkohol zu geneigte und dem Abitur nicht allzu ferne Jugend in Ostdeutschland wurde nach dem Mauerfall geboren/ist nach dem Mauerfall aufgewachsen. Einfache Rechnung: 2008-1989=?
    Fallen dir noch andere Trinkgründe außer „Angst vor Arbeitslosigkeit“ ein? Diktatur? Unterdrückung? Bespitzelung? Hm?

  21. 21

    Zu der These:
    „Man kann den Anteil der Paare, die sich betrunken kennengelernt haben, nur schätzen, aber ich lehne mich nicht zuweit aus dem Fenster, wenn ich sage: Ohne Alkohol wären viele ländliche Gebiete Deutschlands menschenleer.“
    Für den Fall, dass Du, Malte, wirklich so denken solltest, kann ich Dir nur den Tip geben, Dich öfters selbst zu hinterfragen. Für mich liest sich das jedenfalls so, als ob Du Dich als Berliner Stadtmensch für etwas besseres hälst und über den Leuten vom Lande zu stehen glaubst.
    Und noch was: Die Überschrift Deines Artikels beinhaltet das Wort „Drogenführer“. Dies Impliziert, dass Spreeblick Menschen durch die Drogen-Thematik führen könnte. Aber: Gerade bei Themen, die Menschenleben sehr beeinflussen können, finde ich es wichtig deutlich zu machen, dass man bescheiden ist und nicht impliziert, als wüßte man besser als andere Menschen, wo’s lang geht. Natürlich hat man eine Meinung und wenn genügend andere auch so eine Meinung haben, dann kann es dazu kommen, dass andere sagen: Bitte vetritt Du uns.
    Aber bei Silbenkombinationen wie „führer“ und „Spree“ in der Überschrift des hier kommentierten Artikels in Verbindung mit chauvinistischen Inhalten, wie der Notwendigkeit von Alkohol zum Erhalt der Landbevölkerung solltest Du Dir die Frage stellen, ob dies wirklich der Stil ist, in dem Du schreiben möchtest.
    Ich mag so etwas nicht.

  22. 22

    „Es wundert mich zwar, weil mir Bier ungefähr so gut schmeckt wie gegorene Katzenpisse,…“
    Tut mir leid, dass ich den Text gerade auf diese Stelle reduziere, aber endlich sagt mal einer was Sache is! ;)

  23. 23

    @xida: Dem kann ich so nur zustimmen.
    Nun ja, bis auf die Sache mit dem Stadtmenschen, der sich für etwas besseres hält. Denn angeblich ist Berlin ja auch nur eine Ansammlung größerer Dörfer, und würde somit auch als ländliches Gebiet durchgehen. Was dann schlussendlich bedeuten würde, dass man in Berlin ziemlich einsam wäre, ohne Alkohol.

  24. 24

    Ich finde vieles in dem Text auch ganz gut, aber diese rechtsradikalen Ansichten kann ich auch nicht teilen.

  25. 25
    th

    Ich wünsche mir zu Weihnachten von Euch einen Artikel über Internetsucht. Wo Ihr doch fast so gerne schenkt wie beschenkt werdet…
    Und dieses Stadt-Land-Gebashe in den Kommentaren hier wird langsam echt langweilig.

  26. 26
    geheim

    @mina: Die Frage ist, wie man das 12jährige Abi umsetzt. Wenn der Lehrplan vernünftig geplant ist und schon jahrelang erprobt ist, kann man auch ohne große Probleme Abi machen. Wenn man allerdings zwanghaft den gleichen Stoff in ein Jahr weniger packt, dann gibt es größere Probleme – und gerade das führt zu Stress.

  27. 27

    Alles klar, jetzt hab ihr euch endgültig verraten, so ein falsches Spiel hält eben selbst der abgebrühteste Volksverdumer nicht lange aus: Erst die plumpen Versuche, die Menschen mit Poppmusik von den wirklich wichtigen Themen und vom Denken abzulenken und nun auch noch Natzikram in der Überschrift, die Drogen verheerlicht. Ihr seid durchschaut.

  28. 28
    Daniel

    Eh, Frage: Zwei Liter Wein, drei Liter Bier etc. als tödliche Dosis: Über welchen Zeitraum denn? Alles auf einen Schlag?

  29. 29

    @Daniel:

    ich habe mir das ja nicht ausgedacht und daher weiß auch nicht, ob der rechner so schlecht ist, dass er bei der simulation so tut, als würde man alles auf einen schlag in den körper gepresst bekommen.

  30. 30
    Daniel

    „Könnte es sein, dass die Umstellung auf das Abitur nach 12 Jahren und die schiere Angst, den Anforderungen nicht mehr zu genügen, mehr mit Alkoholismus unter Jugendlichen zu tun haben als Alkopops?“

    Alkohol? Amoklauf! Es gibt viele Wege durchzudrehen, mindestens genauso viele Erklärungen, aber wohl nur wenige Ursachen. Druck könnte mal einer sein :)

    Grüße, Daniel

  31. 31
    flawed

    Der Grund dafür, dass ausgerechnet Alkohol legal ist, ist also nicht in seiner vermeintlichen Harmlosigkeit zu finden.
    Wir haben eine Tradition des Umgangs entwickelt und wir wissen, dass den Problemen, die er verursacht, durch Strafverfolgung nicht beizukommen ist. Es wäre nur folgerichtig, mit anderen Stoffen ebenso umzugehen.

    Naja, wir haben eine Tradition des Umgangs entwickelt, bei Alkohol. Das reicht, wir brauchen das bei anderen Stoffen nicht auch noch.

  32. 32

    Selbsttest mit vergorener Katzenpisse:

    6 x 0,5 norddeutsche-pseudostrandgefühlte-Pils und 2 x light, tippen fällt schwer (mit oder gerne mit aber regulär ohne ‚h‘).

    Staatlich akzeptierte Drogen gehören verboten (kein mehr oder weniger) – prinzipiell. Dank an OpenOffice für die Rechtschreibprüfung.

    Kinder und Teens – macht das bloß nicht nach, man wird älter und kann nicht mehr so viel reissen.

    Vielen Dank, was auch immer die Vorposter geschrieben haben, egal, Malte was right, oder so. #bett

    P.S. Wer an Internetspielsucht leidet, ist leider zumeist WoW’ler … (Charisma -4) #lall

  33. 33
    astgabel mal im park als arschgabel gelesen

    Und wie iss det jetzt empathisch mit anderen Drogen im Vergleich

  34. 34

    Time is never waste if you are wasted all the time!

  35. 35
    Grumpy

    Aspirin +1 … man lernt ja nie aus …

  36. 36

    Ohne Alkohol wären viele ländliche Gebiete Deutschlands menschenleer.

    Wenn das stimmt, bin ich für ein striktes Alkoholverbot unter Androhung harter Strafen (z.B. auf Herstellung, Handel und/oder Genuss steht lebenslängliche Ausweisung nach Berlin oder so ;o).

  37. 37
    sarahpalin

    die ungeschriebene regeln aufzählung:

    größartig!!

    Nicht morgens trinken.
    Nicht jeden Tag trinken.
    Nicht alleine betrinken.
    Nicht heimlich trinken ,
    Nicht trinken, um etwas zu verdrängen

    das ist echt, brauchbar, real, etc
    mehr davon !?

    ich -trinke viel und gerne- befolge die obengenannte
    dazu kommen:

    womoglich gute (qualität) sachen trinken,
    gutes bier
    guten wein
    guten whiskey etc,

    gutes essen dazu immer, davor geht auch

    achtung gut muss nicht teuer sein

    salü

    sorry die schreibfehler
    nix deutche
    hic

  38. 38
    gregoa

    ad „zunehmenden Alkohol-Konsum von Jugendlichen“: der geht zurueck, aktuelle zahlen von der bzga fuer deutschland im kurzbericht zur drogenaffinitaetsstudie: http://www.bzga.de/pdf.php?id=710c698ad2ec70e4f696aa4a68dec87b (PDF, zsfg. auf der letzten seite)

    ad promillerechner: da hast du einen falschen erwischt, einen realistischen gibts z.b. hier: http://www.promillerechner.de/rechner.html

  39. 39
    anonymous

    Zum Thema Alkohol in 12. Klasse Abi Bundesländern:
    Ich war bis vor kurzem auf einem sogenannten „Eliteinternat“ und wir hatten dort, abseits von allen positiven Erfahrungen, 1a Lehrern und Mitschülern einen solchen Leistungsdruck (Eigener Anspruch, Elternhaus) dass man sich – wo vorher 0 Interesse herrschte – in der 12. Klasse regelmäßig die Kante gegeben hat um am Wochenende überhaupt ordentlich ins Bett zu kommen. Ich war so glücklich diese Schule nie wieder sehen zu müssen, dass ich trotz für mich zufriedenstellenden Resultats (2,0er Abi) den Eintritt in alle Alumni-Clubs verweigert habe und nie wieder etwas von dort hören will.
    Gelernt habe ich vor allem fürs Leben, und zwar dass ich die Ansprüche anderer von nun an gepflegt ignoriere und mein eigenes – meinetwegen nicht gesellschaftlich akzeptiertes / „erfolgreiches“ – Ding drehe.

    Die Aussagen in der Doku bezüglich des Selbstbescheissens kann ich übrigens nachvollziehen, wir befanden 1 Kasten Bier, 2 Flaschen Sekt und 2-3 Liter Wodka für einen kaum nennenswerten Konsum. Im Nachhinein (seitdem von ~10 Gläsern [Random Partyzeug] abgesehen clean) war das ziemlich heftig.

  40. 40
    Melinda

    @Der Postillon:
    „auf 130 Mio Kiffer kommen im Jahr 0 Tote.“

    Meinst du wirklich? Wohl nicht direkt, aber indirekt vielleicht schon: meine gelesen zu haben, dass Leute mit Herzrhythmuserkrankungen o.ä. lieber nicht Kiffen sollten. Noch dazu können nachweislich Psychosen ausgelöst werden, wo sicher auch der ein oder andere Selbstmord somit indirekt darauf zurückzuführen ist. Ist natürlich eine andere Qualität als jetzt bei Alkohol, finde es aber einfach schade, dass Kiffen immer so verharmlost wird. So gefährlich wie Alk ist es vielleicht nicht, aber das heißt auch nicht, dass garkeine Gefahren bestehen.

    @Artikel
    „..schmeckt wie gegorene Katzenpisse“

    Hehe, ja so geht es mir auch. Zur Pizza mal ein Glas Rotwein oder an Silvester ein Gläschen Sekt verstehe ich, aber mir ist nicht ganz begreiflich, wie man dieses Gebräu nach Feierabend z.B. einem schönen Tee vorziehen kann. :)

  41. 41

    Danke Malte?

    Malte schildert nur das was er und
    eigentlich jeder zu sehen imstande ist.

    Nicht dass ich wieder mal nörgeln will,
    sind doch weiter führende Hinweise alles andere als unwichtig.

    http://www.anonyme-alkoholiker.de/

    Alles Gute
    @PiPi
    [BILD?]

  42. 42

    Ausgezeichneter Beitrag und in vielem d‘ accord.

    Wie die meisten Selbsthilfegruppen glaube auch ich, dass man abstinent leben MUSS, wenn man abhängig und nicht „nur“ Missbräuchler war.

    Ich habe vor ca. 10 Jahren GANZ damit aufgehört und beglückwünsche mich immer wieder selbst für diese goldrichtige Entscheidung. Danach wurde ganz vieles wirklich wieder gut, lebenswert.

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