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Rückeroberung

Den vielleicht wichtigsten Gedanken zur Bewältigung der Klimakatastrophe hat Mike Davis in der SZ aufgeschrieben:

Im wahren Leben (…) bedeutet das die Teilnahme am Kampf für eine demokratische Kontrolle über städtische Räume, Kapitalflüsse, Ressourcen und Massenproduktionsmittel.

Amen. Denn findet es bitte noch irgendjemand geradezu irrwitzig, dass auf die Finanzkrise wie eh und je reagiert wird, indem man Konsum-Anreize setzt?

Man nimmt die Lebenslüge der Marktwirtschaft, das Beharren auf der Idee der Unerschöpflichkeit der Ressourcen, als Rezept. Man stützt Konzerne, die gerade noch den Staat stürzen und an die Stelle des öffentlichen Raums die Zugangsgesellschaft setzen wollten, in der man den Zugang zu Raum und Lebensgrundlagen erarbeiten muss – anstatt die Gelegenheit zu nutzen, der Gesellschaft wieder zu geben, was der Gesellschaft gehört, zementiert man genau die Verhältnisse, die uns in diese Lage gebracht haben.

Und keine Angst: Ich möchte keine 5-Jahres-Pläne und Staatsdirigismus, das ist ja Kinderkram.
Wenn Davis schreibt, wir müssten allgemeinem Wohlstand Vorrang gegenüber individuellem Reichtum einräumen, dann geht es nicht um staatliche Folterwerkzeuge, die den Konzernen gezeigt werden sollen. Sondern darum, dass sich jeder Einzelne klar macht, dass der Wohlstand der Gemeinschaft sein eigener ist.

Wem nutzt ein prächtiges Haus, wenn er es mit einem Zaun schützen muss, wer möchte seine Kinder nicht lieber an einer nahegelegenen Universität studieren sehen als an einem Elite-Ressort in der Schweiz oder den USA?

Gier ist dumm und Geiz macht impotent. Davis´ Lösung ist ganz einfach, extrem utopisch und die einzige realistische Option.

52 Kommentare

  1. 01

    Das Bild ist ja mal der Wahnsinn, die 1-DM-Ninjas aus dem Kaugummiautomaten. Irgendwo müsste ich auch noch zwei-drei solcher Figuren rumgondeln haben!

  2. 02
    Daniel

    Es reizt mich auch immer wieder, auf eigenartige Einzelstimmen basierte, juristische Gutachten zu schreiben, die in meinem Fall herrlich frei von jeder Form von Vorwissen wären.
    Davon abgesehen: Wenn man seine Argumentation wie du, Malte, auf die Aussagen zweier Sozialisten aufbaut und der Marktwirtschaft noch eine vermutete Grundannahme unterjubelt, dann ist diese Art von Schlußfolgerung vermutlich naheliegend.

    Ich sehe das Problem eher darin, dass sich viele über den Wert von einem sicheren Spaziergang, die Unnötigkeit von privaten Sicherheitsvorkehrungen und anderen Gemeinschaftsleistungen im Unklaren sind (oft, weil sie sich – wie das Gefühl von Freude – nicht in Euro ausdrücken lassen). Und dass gemeinschaftlich verwaltete Güter in der Vergangenheit ja auch nicht unbedingt optimal angeboten wurden (gerade auf Spreeblick wird ja auch gerne mal über Verwaltungen und Ministerien hergezogen).
    Mit einer simplen Rückeroberung, mit einem Rückbesinnen auf sozialistische Modelle auf Grundlage von Vermutungen wird es eher nicht getan sein. Was zunächst einmal hilfreich wäre, wäre das Wissen um die Zusammenhänge der Allgemeinheit zu vertiefen – damit wir wieder ernsthaft und inhaltlich an den politischen Debatten teilhaben können. Und nicht nur als selbstzufriedene Gesinnungsethiker.

  3. 03
    scipio

    Du kannst an dem, was kommen wird, überhaupt nichts ändern. Für diese Utopie brauchst du einen neuen Menschen, und der ist weit und breit nicht in Sicht. Außerdem ist es der Natur piepegal, ob die Menscheit überlebt oder nicht. Also cool bleiben und mal kucken.

  4. 04

    Viva la revolución!

  5. 05
    rio

    ähnliche gedanken gingen bei mir schon länger im kopf rum…

    denke wir werden 2050 entweder im slum hausen oder (für die die es sich leisten können) in „gated communities“ mit unserem privaten wachpersonal hinter zäunen…(so wie ich es in lateinamerika schon oft gesehen habe)

    aber eins muss man dem menschen lassen: wir beharren mit erstaunlicher nachdrücklichkeit auf der kurzfristigkeit unseres denkens…alle achtung!

    oder, um es mit den worten einer meiner zwei lieblingsbands zu sagen:

    The car is on fire and there“™s no driver at the wheel,
    And the sewers are all muddied with a thousand lonely suicides.
    And a dark wind blows.

    The government is corrupt and we“™re all so many drunks,
    With the radio on and the curtains drawn.
    We are trapped in the belly of this horrible machine,
    And the machine is bleeding to death.

    The sun has fallen down,
    And the billboards are all leering.
    And the flags are all dead
    At the top of their poles.

    It went like this:
    The buildings toppled in on themselves.
    Mothers crushing babies,
    They picked through the rubble,
    And pulled out their hair.

    The skyline was beautiful, on fire.
    All twisted metal, stretching upwards.
    Everything washed in a thin orange haze.

    I said „Kiss me, you“™re beautiful,
    These are truly the last days.“
    You grabbed my hand
    And we fell into it.
    Like a daydream,
    Or a fever.

  6. 06
    rio

    @Daniel: bzgl. maltes grundannahme der marktwirtschaft:
    das problem ist ja v.a. dass die natur nicht von sich aus ebenfalls gierig ist und mit dieser gier ihre eigenen marktwirtschaftlichen interessen verteidigt – ohne diese gier und mit ihrer biologischen symbiose der lebewesen auf ihr, scheint sie aber erstaunlich lange ganz gut gefahren zu sein…

  7. 07

    @Daniel:

    ist ein universiätsgelände ein sozialistisches modell?
    ich verstehe ja, dass du dich ärgerst, wenn ich auf deinem fachgebiet wildere, aber ich sehe den unterschied in dem, was du sagst (wert eines sicheren spaziergangs etc) und dem, was ich sage nicht.
    hilf mir doch mal auf die sprünge.

  8. 08
    seba

    @scipio Ich halte den Glauben, man bräuchte dafür einen „neuen Menschen“ für eine weitverbreitete Fehlannahme. Menschen werden durch die Gesellschaft geformt, in der sie leben. und wenn eine kleine Führungsschicht die Mittel in der Hand hat, diese Gesellschaft so zu formen, wie sie es heute ist, dann ist es nicht verwunderlich, wie Menschen reagieren.

    Ich sehe das Problem viel eher darin, dass wir einer selbstsüchtigen Führungselite so viel Macht zu gestehen, wie wir das heute tun. Zuviel Macht in einer Hand führt leider immer zu solchen Ergebnissen, egal ob es Politik, Verwaltung, Wirtschaft oder auch nur der Verein um die Ecke sind.

    Wie man dem begegnen könnte? Vielleicht, in dem 1. man sich wie oben angesprochen einmischt 2. Jobs in der Staatsinfrastruktur nur zeitlich befristet vergibt und tatsächlich aus der Bevölkerung rekrutiert, um die Herausbildung von Herrschaftseliten zu verhindern und 3. Entscheidungen da hin packt, wo sie hingehören: auf die Ebene derer, die davon betroffen sind.

    Achso, damit meine ich wirklich alle Infrastruktur, ob Ministerien, Verwaltung, Bahn, Polizei oder Parlamente

  9. 09
    shoggoth

    OK – habe den Artikel gelesen…also die „umweltfreundliche Stadt“, die „dem allgemeinen Wohlstand eine Priorität gegenüber persönlichem Reichtum“ einräumt ist die Lösung unserer Probleme?
    Puh…kannst Du das mal anschaulicher machen?
    Vielleicht anhand von Tokio, New York oder von mir aus Berlin?
    Was ist denn allgemeiner Wohlstand ? Bessere Mietskasernen bei weniger Eigentumshäusern?
    Ich checks einfach nicht, ehrlich: „Unser Planet ist nämlich sehr wohl in der Lage, allen seinen Bewohnern ein Heim zu bieten, wenn wir bereit sind, unsere Gesellschaft auf demokratischem Gemeinschaftsdenken statt auf individuellem, privatem Verbrauch aufzubauen.“
    Das ist auch sehr auf die USA bezogen, oder willst Du der BRD das „demokratische Gemeinschaftsdenken“ abreden?
    Progressive Steuern, fast 70% Abzug bei Löhnen (von Arbeitgeberseite betrachtet), fast 20% auf alle Leistungen (MwSt. genannt), ein Generationenvertrag bei der Rente, gesetzl. Krankenkassen, die bezahlbar bleiben, eine Arbeitlosigkeitsversicherung, usw.
    Selbstverständlich hat die BRD seit Kohl in den 80ern viele Punkte des „demokratischen Gemeinschaftsdenken“ abgebaut bzw. konterkarriert (wie etwa durch die private KV die gesetzl. an den Rand des Ruins kommen musste), aber wir sind noch lange keine Amis und haben sehr wohl (noch) eine soziale Marktwirtschaft – und nichts Anderes meint Herr Davis doch mit „demokratischen Gemeinschaftsdenken“, oder?

  10. 10
    Daniel(2)

    @Malte. In der Auffassung von Kapitalismus. Darin liegt der Unterschied

    Grüße, Daniel (der andere)

  11. 11
    seba

    Der komplette letzte Absatz des SZ Artikels könnte ein neues Manifest werden. Ich unterschreib schonmal:

    „Im wahren Leben, jenseits der simplifizierten Szenarien des IPCC, bedeutet das die Teilnahme am Kampf für eine demokratische Kontrolle über städtische Räume, Kapitalflüsse, Ressourcen und Massenproduktionsmittel. Einzig durch eine Rückkehr zu einer explizit utopischen Denkweise können wir uns Klarheit über die Mindestvoraussetzungen für den Erhalt humanitärer Solidarität angesichts des Zusammenspiels der unterschiedlichen planetaren Krisen verschaffen. Um unseren Horizont so weit öffnen zu können, dass wir in der Lage sind, die Herausforderungen des Anthropozäns zu meistern, ist es erforderlich, alternative Formen und Kombinationen von Mitteln, Praktiken und sozialen Beziehungen in Betracht zu ziehen. Dafür müssen wir uns aber von den wirtschaftspolitischen Überzeugungen befreien, die uns an die Gegenwart ketten. Entweder wir kämpfen für die Umsetzung unmöglicher Lösungen oder wir machen uns zu Komplizen eines Prozesses, dem die Menschheit zum Opfer fallen wird. Eine Weigerung, entschlossen im Interesse der gesamten Menschheit zu handeln, käme einem moralischen Versagen gleich, das in diesem Ausmaß beispiellos wäre.“

  12. 12

    @Daniel(2):

    ahja, die grundanahme, die untergejubelte.
    die ist nicht untergejubelt, sondern eine tatsache.

  13. 13
    Daniel(2)

    Eigentlich wars eine neutrale Feststellung, ohne Wertung, ohne Hintergedanken….
    Das verschiedene Individuen verschiedene Perspektiven haben, liegt wohl in der Sache der Natur…..

    Deine „Grundannahme“ kenne ich nicht, woher denn auch :) Leg sie doch mal dar :)

    Grüße, Daniel

  14. 14
    Jellinek

    Aber geht dieses Konzept nicht einfach an der menschlichen Natur vorbei ? Ist der Mensch nicht von Natur aus gierig, neidisch und egoistisch ? Ich glaube eher ja.

  15. 15

    @Daniel(2):
    habe ich auch so verstanden:)
    ich meine das, was ich auch im text geschrieben habe:
    die Idee der Unerschöpflichkeit der Ressourcen

    denn man kann sich nur am eigenen schopf aus der misere retten, indem man konsumiert, wenn man davon ausgeht, dass es keine folgekosten dieses konsums gibt.
    deshalb wurde nach dem zweiten weltkrieg in deutschland zum konsum aufgerufen, was ja eine neue idee war, ging man doch zuvor davon aus, dass man zur bedarfsdeckung konsumiert und ansonsten sparsam sein muss. (was ja in der natur des menschen liegt, aber einfach wahnsinnig wenig wirtschaftswachstum mit sich bringt)

  16. 16
    Elblette

    @shoggoth: wieso, ist doch einfach? Gute, kostengünstige Verkehrsmittel, weniger private Autos (weniger Dreck, weniger Lärm, weniger Ressourcenverbrauch, Mobilität für alle), viele öffentliche Räume und Parks statt unendliche Zersiedelung des Umlandes mit ständigem Pendeln mit Privatautos (siehe oben), gute öffentliche Einrichtungen für alle – Schulen, Bibliotheken, Schwimmbäder, Turnhallen, Theater, Musikschulen: alles natürlich bezahlbar und nicht für Besserverdienende (wie hier in Hamburg)… Auf diese Weise kann man die Ressourcen so umverteilen, dass alle etwas davon haben.

  17. 17

    „Man nimmt die Lebenslüge der Marktwirtschaft, das Beharren auf der Idee der Unerschöpflichkeit der Ressourcen, als Rezept.“

    Hä?

    Wo nimmst Du diese Lebenslüge denn her?

    Marktwirtschaft bzw. Kapitalismus basiert, wenn schon, dann auf wirtschaftlichem Wachstum.

    Das muss aber nicht unbedingt von steigender Ressourcenausbeutung kommen. Das kann zum Beispiel auch von technischem Fortschritt jeglicher Art kommen, etwa verbesserten Allokationsmethoden oder verbesserten Produktionsabläufen etc.

    Wenn man jetzt sagt, „ewiges Wachstum, so’n Scheiß“ kommt man der grundlegenden Problematik schon näher. Man sollte aber trotzdem nicht in das reflexhafte und oberflächliche Kapitalismus-Gebashe verfallen, wie es leider auch hier auf Spreeblick viel zu oft der Fall ist.
    Fehlt ja nur noch, dass hier jemand das Ende von Verzinsung fordert. Denn das ist die Verbindung zwischen Kapitalismus und Wachstum.

    (Und bevor es doch jemand fordert: Das Prinzip der Zinsen entstand in der Antike (oder davor, kann mich nicht mehr erinnern), als ein Teil der Bevölkerung in den Krieg ziehen musste und seine Viehherden (zB), dem anderen Teil anvertraute. Nach dem Krieg ging das Eigentum an die ursprünglichen Besitzer zurück inclusive einer vorher vereinbarten Zahlung. Denn das Vieh war in der Zwischenzeit ja produktiv, hat Nahckommen geboren, Mehrwert geschaffen. Diese Prinzipien sind keine Hirngespinste von Bonzen und weltfremden Wissenschaftlern.

    Wer also das Ende von Zinsen, Wachstum und dem daraus entstandenen Kapitalismus fordert, kann auch gleich die Abschaffung der Dimension „Zeit“ fordern. Wenn er gleichzeitig nichts besseres vorzuweisen hat [Einer meiner ehemaligen VWL-Professoren arbeitet an komplizierten Allokationsmodellen, die in bestimmten Situationen bessere Ergebnisse liefern als der Markt].)

    Wenn man einfach undifferenziert mal draufhaut, ist das natürlich einfacher, aber ich erwarte mehr von Euch.

    Auf die restlichen Punkte im Text gehe ich nicht weiter ein, auch wenn da noch mehr oberflächiges Zeug steht. Nur eins noch:
    „Sondern darum, dass sich jeder Einzelne klar macht, dass der Wohlstand der Gemeinschaft sein eigener ist.“

    Lies Dir mal das hier durch:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Gefangenendilemma

  18. 18
    Daniel(2)

    @malte: Der Marcel hats mir vorweg genommen :) Wirtschaftliches Wachstum lässt sich auf vielen Wegen erreichen (Dienstleistungen!!)

  19. 19

    Hm, das schönste an dem text oben ist (und ich meine das kein Körnchen hämisch) der Teil der Revolution, der bereits angekommen ist, nämlich der, dass unter der unter obigen Artikel eine VISA- Anzeige steht.

    Wer in den 80ern aufgewachsen ist, konnte eigentlich wissen, dass das nicht ewig so weitergehen kann. Und dass mehr vonnöten ist, als in irgend einem megaschmalen Poltitikkorridor hin und herzuscharwenzeln.

    Amüsant finde ich eher, dass jetzt leute Konsumgutscheine diskutieren, die sich bei bedingungslosem Grundeinkommen (was ja nichts ist, als ein monatlicher Konsumgutschein) vier mal bekreuzigen würden – noch ;)

  20. 20

    @Marcel Weiss:

    @Daniel(2):

    entschuldigung, aber ich bin doch nicht gerade von der palme gefallen. natürlich ist technischer fortschritt ein teil des wachtums, dienstleistungen ebenso.
    aber:
    „Im Jahr 1990 gab es weltweit rund 680 Millionen Fahrzeuge (430 Millionen PKW, 110 Millionen Motorräder und 30 Millionen LKW). 1997 waren es schon ca. 640 Mio PKWs auf der Welt.

    1950 betrug die Anzahl privater Autos auf der Welt 53 Millionen, 1989 waren es bereits 555 Millionen und im Jahr 2010 soll die 1000 Millionen-Grenze überschritten werden.

    Seit 1970 hat sich die Zahl der Autos in Deutschland auf 44 Millionen Pkws verdreifacht. Man kann sagen, dass in der Bundesrepublik auf zwei Einwohner ein Auto kommt.“

    nachzulesen auf wasistwas.de

    der welt rentabelster autobauer ist porsche (ein unternehmen, das neuerdings seine gewinne mit spekulationen erzielt, aber das ist eine andere geschichte).
    wie teuer müsste ein porsche sein, wenn die folgekosten, die er verursacht, in seinem preis enthalten wären? und was bringt es für kosten mit sich, dass deutsche autobahnen gerade auf druck der autolobby kein tempolimit haben?

    ich verliere in dem text kein wort über zinsen und ich spreche auch nicht davon, die marktwirtschaft abzuschaffen.

    von einer kritik hätte ich mir mehr erwartet.

  21. 21

    …hmm herr weiss, warum musste der teil der bevölkerung denn in den krieg ziehen? das hatte nichts mit bonzen zu tun? und diese dezent flapsige „historische“ lektion hat nichts mit oberflächlichkeit zu tun?

    übrigens: kapitalismus basiert (für mich, dieser hinweis fehlt in ihren doch ziemlich generalisierenden aussagen regelmäßig) vor allem in der ausgrenzung und ausbeutung eines wesentlichen teils der bevölkerung. das daraus resultierende „wachstum“ kann für mich (s. o.) als relativ betrachtet werden.

    also gute propaganda sieht für mich nun wirklich anders aus als dieses hemdsärmelige herumgeschreie. das schafft nur etwas, von dem niemand profitiert: härtere fronten.

  22. 22

    @Malte Welding: Das ändert alles nichts an der Tatsache, dass die Aussage „die Lebenslüge der Marktwirtschaft“ sei „das Beharren auf der Idee der Unerschöpflichkeit der Ressourcen“ falsch ist.
    Die absurd rücksichtslose Ressourcenausbeutung ist eine Folge der Wachstumsmaxime. Im Modell Marktwirtschaft ist die „Unerschöpflichkeit der Ressourcen“ aber nicht drin, egal wie viele Zahlen Du hier runterrasselst.

    Die Fragen, die Du zu Porsche, den Folgekosten und dem Tempolimit stellst, sind bei weitem spannender als Dein Artikel oben.

  23. 23

    @Marcel Weiss:

    nur, damit wir nicht aneinander vorbeireden: du sprichst von der theorie der marktwirtschaft und ich von der real existierenden marktwirtschaft – in der dann aber die wachtsumsmaxime durchaus enthalten ist, oder nicht?

  24. 24
    dak

    eine marktwirtschaft ohne wachsttumsmaxime? das klingt für mich nach einem oxymoron.

  25. 25

    @Malte Welding: Ja, sieht ganz so aus. Wobei mir nicht klar ist, warum man bei Theorie und Praxis zu unterschiedlichen Antworten kommen können soll.
    Es bleibt dabei, dass Marktwirtschaft zu Wirtschaftswachstumszwang führt und das dieses eben zu einem Umgang mit Ressourcen führt, als wären diese unendlich verfügbar. Weil die kurzfristige Gewinnmaximierung einen solchen Umgang mit Ressourcen mehr oder weniger nach sich zieht.
    Zum Wesen der Marktwirtschaft gehört aber nicht die Annahme, dass Ressourcen unendlich verfügbar sind. Auch wenn sich die Teilnehmer so verhalten. Das ist ein Ergebnis des Quartalsdenken. Manager werden ja oft erfolgsabhängig mit Boni bedacht, da werden aber immer nur die Quartalsergebnisse rangezogen. Würden die Marktteilnehmer ihr Handeln langfristig planen müssen und, sagen wir, über den Erfolg von 20 Jahren hinweg bezahlt, würden sie zwangsläufig zu anderen Ergebnissen und daraus resultierendem Handeln kommen. Was aber natürlich utopisch ist, weil je länger der Zeitraum, desto weniger Planungssicherheit, schwierigere Erfolgszuteilung, 1000 andere Probleme etc. pp.

    Was Du in Kommentar 20 mit der Frage „wie teuer müsste ein porsche sein, wenn die folgekosten, die er verursacht, in seinem preis enthalten wären?“ andeutest, ist das Internalisieren von gesellschaftlichen Kosten um so die Marktteilnehmer dazu zu bringen, die Konsequenzen ihres Handelns in die eigene Entscheidung mit einzubeziehen (was Du aber wahrscheinlich schon weißt).
    Es gibt keine mir bekannte andere Herangehensweise.
    siehe auch:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Internalisierung_(Wirtschaft)

  26. 26
    pwallenb

    Für ein System, das auf etwas anderem als Konkurrenz beruht (z.B. auf Einsicht in die Sinnhaftigkeit sozialer Kooperation zur Verbesserung der EIGENEN Situation) braucht man Leute, die im Bus nach hinten durchgehen …

    … wie bitte ? …

    Ganz einfach:
    Egal ob ich am Flughafen in einen Zubringerbus einsteige, in dem NUR Business-Schnösel stehen oder NUR Ibiza-Touristen, KEINER geht im Zubringerbus weiter nach hinten durch, ALLE stehen in der Tür und gucken einen an, wie man im Regen steht … so lange das JEDES MAL so ist (und ich bin die letzten 4 Jahre permanent durch die Welt geflogen) mach ich mir über irgendwelche kooperativen Ansätze keinerlei Gedanken.

  27. 27
    shoggoth

    @Malte Welding:
    Boah Malte – das Autobahn-Ding und das Porsche-Bashing – bäh!!!

    Tatsächlich wird Dir jeder Autofahrer (Du hast da echt keine Ahnung oder fährst nur in Brandenburg, oder?) bestätigen können, dass man im Kernland sehr selten schneller als 130km/h fahren kann es sei denn es ist 5 Uhr morgens oder man fährt irgendwo in der Wallaichei, wo es keine Arbeit gibt) – und daher wäre eine gesetzliche Beschränkung auf 120km/h relativ wirkungslos. Aber gut – in gewissen Kreisen ist das natürlich ein gerne gesehnes Statement.

    Porsche:
    Kaum ein Unternehmen steht (seit Wundermann Wiedeking)in Deutschland so für ein durchdachtes Unternehmertum, fairen Umgang mit Mitarbeitern und sinnvollen Investments – aber klar – jetzt wo sie „der welt rentabelster autobauer“ sind, kann man ja vorwerfen.

    Dass Porsche fast pleite war, als Wiedeking die Firma in den 90ern als Vorstand übernommen hat – scheiss drauf.
    Dass Porsche ernsthafte Entwicklungen im Automobilbau voran gebracht hat – scheiss drauf.
    Dass die Kunden von Porsche auch eine Zusatzabgabe bzgl. Co2 bezahlen könnten und es nur die Politik der VWs und Opels ist, die hier ein vorankommen verhindert hat – scheiss drauf.
    Wichtig ist, dass man immer den Neid nutzt, um seinen Argumenten eine Basis von Jasagern zu schaffen. Insofern – Lafontaine ruft fürs Redeschreiben, lieber Malte…da verdient man sicherlich auch mehr Geld mit als mit spreeblick. :(

  28. 28
    el_loko

    Mir ist – ehrlich gesagt – nicht ganz eingängig, wie man ernsthaft den zurzeit praktizierten Kapitalismus als ein langfristiges gesellschaftliches Instrument verteidigen kann.
    Es geht doch in keiner Weise darum, simple Handelsstrukturen zu negieren – beispielsweise das bereits angeführte Prinzip der Verzinsung. Wenn ich jemandem ein Gut zur Verfügung stelle, damit er mit diesem Arbeiten und einen Gewinn daraus erzielen kann, möchte ich an diesem Gewinn beteiligt werden. Nichts anderes ist es doch was durch Verzinsung zum Ausdruck gebracht wird. Und auch die Erzielung von Gewinn also einem Mehrwert ist doch per se nichts Verwerfliches. Wo für mich aber die Perversion anfängt, ist die Gewinnsteigerung als zwingende Voraussetzung für Wirtschaftlichkeit.
    Denn genau diese Suche/Sucht nach steigendem(!) Gewinn hat uns doch letztendlich unsere jetzige Finanzkrise beschehrt.

    Aber ich habe im Grunde keine Ahnung von solchen Dingen. Mir ist es ja schon suspekt, dass um etwas, was als universelles Tauschobjekt zur Vereinfachung des Handels gedacht war (Geld), ein riesiger, alles umspannder Wirtschaftszweig existiert…

  29. 29
    Daniel(2)

    @Malte:
    Porsche ist der rentabelste Autobauer der Welt, aber eben nicht durch seine Autos. Sondern durch Spekulationen, Investitionen und Geldgeschäften. VW, BMW, Damiler Porsche ua eröffneten ihre eigenen Banken. Diese machen einen bemerkenswerten Teil ihres Wachstums aus. Das „Ausbeuten“ endlicher Ressourcen ist.

    Die Marktwirtschaft ist derjenige Weg, der sich bisher erhalten konnte, knappe(!) Güter und Leistungen entsprechend des Wunsches der Gesellschaft zu verteilen.

    Wie Marcel schon ausführte ist kurzfristiges Wachstum nicht im Sinne der Marktwirtschaft. Die momentane Lage ist eine der möglichen Folgen kurzfristigen Handelns… Die deutlich stabilere europäische Lage ist dagegen ein Beispiel langfristiger Monetärpolitik.

    Grüße, Daniel

  30. 30
    seba

    @marcel weiss (17) : dann lies mal links, die du empfiehlst, auch selber durch:
    „Das Dilemma der Teilnehmer beruht besonders auf der Unkenntnis über das Verhalten anderer Teilnehmer. Die optimale Strategie für beide zusammen wäre, wenn alle Mitspieler einander vertrauen und miteinander kooperieren. Das Vertrauen kann auf zweierlei Art erzielt werden: Zum einen durch — nach den ursprünglichen Spielregeln nicht erlaubte — Kommunikation und entsprechende Vertrauensbeweise, zum anderen durch Strafe im Falle des Vertrauensbruches.“

    und damit sind wir wieder beim Text (siehe zitat in @seba (11): )

  31. 31

    @ die Malte-Kritiker:

    Was hat die Finanzkrise ausgelöst? Ich meine, vor allem eins: Jeder, der den komplizierten Kram verstanden hat, hat auch irgendwie von ihm profitiert. Und deswegen nicht Alarm geschlagen, als er merkte, dass es so auf Dauer nicht funktionieren kann.

    Insofern müsst ihr Wiwis nun mal damit leben, wenn sich nun Nicht-Wiwis in eure Debatten einmischen. Das ist dann nicht so schön ausdifferenziert und mit den richtigen Fachbegriffen unterlegt, aber so ist das halt. Im Grundsatz hat Malte doch Recht: Wenn wir so weiter machen wie bisher, dann sitzen wir in 50 Jahren (10 Jahren?) tief in der Scheiße.

    Und wir geben gerade riesige Summen dafür aus, nur um genau das tun zu können.

  32. 32
    dak

    @Simon: Es haben sehr wohl Leute Krach geschlagen, die die ganze Konstruktion verstanden haben. Warren Buffett, Forbes-listed as the second richest person in the world, has called credit derivatives „financial weapons of mass destruction“. Und da war er bei weitem nicht der einzige. Das ist doch eigentlich, was so furchtbar an der Finanzkatastrophe ist: Das jeder Blödmann sehen konnte, wohin das führt. Dass die Mahnungen aber niemanden interessiert haben, solange man noch ein bisschen Gewinn daraus ziehen konnte.

    Man muss sich das doch mal vor Augen führen: Die haben wirklich, wirklich Kredite an Leute vergeben, die keinen müden Cent hatten, kein Einkommen, um denen ihre Bruchbude zu finanzieren. Und dann hat man ernsthaft angenommen, die würden das schon irgendwie zurückzahlen. Die ganzen Modelle haben allein darauf beruht, dass die Hauspreise weiter und weiter steigen. Was passieren würde, falls das einmal nicht der Fall sein sollte, ist in der Risikoberechnung einfach nicht aufgetaucht.

    Das ist doch das Schlimme: ES HAT NIEMANDEN INTERESSIERT. Es war egal. Und das bei einem Geschäftsmodell, das ganz offensichtlich nicht funktionieren konnte. Das ist kein Fall von hinterher ist man immer klüger. Hier konnte man ganz offensichtlich schon vorher klüger sein, und viele waren das auch. Das ist keine komplizierte Geschichte. Und selbst hier hat der viel geprisene Markt komplett versagt. Selbst hier, wo das Ende so offensichtlich nah war, ist man einfach frohen Mutes in Richtung Abgrund gerannt. Man würde Sträuße beleidigen, würde man sie in diesem Zusammenhang anführen.

    Ich glaube wirklich nicht, dass wir unsere Zukunft auf die Reihe bekommen werden. Wir werden es vermasseln, wie so of zuvor auch schon. Gier und Egoismus sind in jedem von uns zu stark.

  33. 33
    dak

    Nachtrag: Wer mal nachlesen will, wie wenig das wirklich alle interessiert hat, kann das z.B. hier und hier tun.

  34. 34
    shoggoth

    @Simon: Die Finanzkrise wurde durch bestimmte Finanzprodukte in Kombination mit dem hohen Verschuldungsgrad ausgelöst.
    Getroffen hat es daher vor allem die Finanzwirtschaft.
    Die Krise der Automobilindustrie ist nichts Neues…zumindest nicht bei denen, die in Detroit sitzen.
    Die allgemeine Panikmache und das stetige Krisengerede plus die tatsächlichen Probleme in den USA machen heute die Krise aus.

    Den Kapitalismus an sich gibt es nicht – es gibt/gab verschiedene Ausprägungen und die angelsächsische Variante des Anything-goes scheint sich zumindest ein wenig erledigt zu haben…

  35. 35
    Daniel

    @Malte Welding: Nun, ein Universitätsgelände schließt den Sozialisten zumindest nicht aus. Ich würde jedenfalls nur bedingt empfehlen, einem Soziologen und Historiker in Sachen Ökonomie zu vertrauen. Da könnte man auch einen Metzger zum Chirurgen oder einen Juristen zum Politikwissenschaftler machen.
    Mir geht es mir gar nicht darum, dass ich dir grundsätzlich widersprechen will, ich glaube, wir sind in vielen Punkten ähnlicher Meinung.
    Aber genau darum ärgert es mich umso mehr, dass du es dir zu einfach machst, der Marktwirtschaft Eigenschaften hinzudichtest, von Einzelfällen – wenn’s gerade mal passt – auf das Ganze verweist und im Zweifelsfall lieber Halbwahrheiten aushalten zu können scheinst, als existierende Widersprüche im Weltbild (und manchmal wundere ich mich, ob ihr noch nie auf einem Amt gewesen seid – oder wie ihr glauben könnt, dass der Staat große Probleme zum Wohle aller lösen kann).

  36. 36

    @shoggoth: …die produkte waren es. und die verschuldung. nicht die menschen oder etwa die finanzmanager (die höherwertende abgrenzung wird/wurde von denen selbst verfasst – siehe „masters of the universe“, also halbgötter, mindestens).

    dann ist ja alles gut. und schnell schnell so weiter.

  37. 37

    @shoggoth / Soggoth: „Getroffen hat es daher vor allem die Finanzwirtschaft.“

    Nö. Die Finanzwirtschaft lebt weiter, mit nur geringen Einbußen. Die Bankenpleiten halten sich in Grenzen, der Arbeitsmarkt nimmt die freigestellten Banker problemlos auf. Wer seinen Job noch hat, kann sogar auf Bonuszahlungen rechnen.

    Getroffen hat es ganz andere:

    1. Die Steuerzahler, die die Bailout-Millionen wieder einzahlen dürfen

    2. Die Bürger, denen die staatliche Unterstützung weggenommen wird, weil der Staat nun sparen muss

    3. Die KMU, denen die Liquidität ausgeht, weil sie keine Kredite bekommen

    4. Die Arbeitnehmer, die auf die Straße gesetzt werden, weil die Nachfrage einbricht (Ursache: Abkühlende Weltkonjunktur, verursacht durch die Finanzmarktkrise)

    Mich ärgert es, dass so viele Finanzer versuchen, diese eigentlich ganz einfachen Fakten kleinzureden. Das ist genau der Grund, warum wir überhaupt in dieser Situation sind: In Banker-Kreisen ist der Gedanke, es gäbe so etwas wie „Persönliche Verantwortung“, einfach nicht präsent. Das schiebt man ab auf blumige, englische Begriffe wie „Compliance“ oder „Corporate Governance Codex“, die BaFin-Regeln ersetzen das eigene Gerechtigkeitsgefühl.

    Und jetzt auch noch meckern, wenn sich die Betroffenen (!) in eure Fachdiskussionen einmischen.

    (Der Kommentar im Spamfilter darf gelöscht werden)

  38. 38

    @Malte

    Man nimmt die Lebenslüge der Marktwirtschaft, das Beharren auf der Idee der Unerschöpflichkeit der Ressourcen, als Rezept.

    Mal abgesehen davon, dass du mir mal erklären musst, wie du Ressourcen und Massenproduktionsmittel „demokratisch“ kontrollieren willst. Diese Satz ist doch etwas panne. Seit wann soll das denn so sein? Oder ist Marktwirtschaft für dich nur so ein Begriff, unter dem man alles zusammenfasst, was scheiße läuft, ohne sich um die eigentliche Bedeutung zu scheren. Wies etwa bei Neoliberalismus so gern gemacht wird.

  39. 39
    mekong

    Also ich finde ein prächtiges Haus mit Zaun nicht schlecht und in einem Eliteinternat im Ausland lernen die Kids wenigsten die Welt kennen. Außerdem natürlich ein gutes Auto und regelmäßige Auslandsurlaube.

    Zugegeben: in einer umtakten Umwelt in einem auf das Allgemeinwohl bedachten Staat zu leben, der die Freiheit der Bürger über alles stellt, hat auch was. Aber bei den Menschen heutiger Bauart, ist es mir einfach lieber Grenzen zu ziehen oder schnell Distanzen zu schaffen.

    Man könnte natürlich auch….wie hieß der Typ aus Cambodscha nochmal ….Pol Pot (nee, nicht der mit den Arien aus der T-com Werbung..)

  40. 40
    soralis

    Um Euch mal Eure Lage zu vergegenwärtigen.
    Beim Seilbahnunglück von Kaprun, gab es drei Gruppen, als das Feuer ausbrach. Weitaus die meisten verbrannten im Zug, weil die Türen zu spät geöffnet wurden. Die größere Gruppe der Verbliebenen rannten den Tunnel hoch, vom Feuer weg. Doch diesen Weg wählte auch der Rauch, der sich ganz naturgesetzlich verhielt, sie erstickten.

    „žNur zwölf Personen konnten sich in der Frühphase des Brandes durch Einschlagen einer Scheibe aus dem hinteren Teil des Zuges befreien und überlebten, indem sie im Tunnel nach unten liefen.“

    Und genau das hat Eure Richtung zu sein: Abwärts.
    Natürlich hat Malte recht, obwohl ich seinen Artikel, für sehr schlecht halte, eine verpasste Chance zu einer sehr guten Rede, mit einem infantilen Bildchen garniert.

    Die Rede ist ganz, schon vor ‚Tagen, auf Telepolis erschienen:
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29329/2.html
    und ich habe sie der feigen Merkel bereits drüben auf der Zeitcommunity in ihren willfährigen Schlund gedrückt.
    Aber die Grundannahme ist die richtige. Der Fehler liegt im System allgegenwärtigen Wachstums und zerstört die Grundlagen menschlicher Zivilisation, wohlgemerkt nicht des Lebens auf der Erde, denn selbst wenn Ihr alle Urwälder abgefackelt habt, die Eure Lunge sind, wird daraus etwas anderes entstehen, vielleicht angelandete Cephalopoden, die durch die kommenden Wälder neuer Jahrmillionen nach dem Anthropozän turnen.

    Man nimmt die Lebenslüge der Marktwirtschaft, das Beharren auf der Idee der Unerschöpflichkeit der Ressourcen

    Hab ich Halluzinationen?, wenn jedesmal zum Quartalsende, von feurigen Börsianer die Firmen „žabgestraft“ wurden, in dieser Sadomasoterminologie eifriger Börsenkorrespondenten, die mir irgendwie aus der Mode gekommen scheint (wie heißt dieser Depp vor der Tagesschau?, das müsst ihr selber wissen, das sind nicht Namen, die ich mir merke), die zuwenig wuchsen, sodass vor lauter Enttäuschung der Gier die Kurse „žnachgaben“, weil Luftbuchungen, reinen Spekulationen kommender Kursentwicklungen, Futures genannt, (sic!), eben jene Luft ausging. (welche Werte werden da eigentlich geschaffen?)?
    Remember: In der Finanzkrise sind 2 Billionen verbrannt worden, 4 Billionen werden jährlich allein an Ressourcen dieses Planeten verbrannt. Ich weiß nicht ob das jetzt Dollar oder Euro sind, das ist mir irgendwie gänzlich egal! Mir geht es um die Größenordnungen.
    Endloses Wachstum und Fortschritt. Ich weiß wie SIE sich das dachten. Da war die Revolution in der Informationstechnologie, die Folge war Wachstum, jetzt stehen wir vor der Revolution der Biowissenschaften, die Folge war Wachstum und ewiges Leben so nebenbei, abgelöst irgendwann von der Nanotechnologie, und der Tumor wächst weiter.
    Kleiner ‚Tipp für den langen, steinigen Weg der „žRückeroberung“: If You get them by the balls, hearts and minds will follow!

    Übrigens, das mit dem Gefangenendilemma war schon ein guter Hinweis. Daran werdet Ihr wahrscheinlich scheitern, so als Menschheit gesehen. Aber noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben.

  41. 41
    soralis

    Nachtrag. Und nur zur Sicherheit, ebenfalls mit drei Bier, aber wenn Johnny das kann, kann ich das auch: An den Eiern werdet ihr sie nicht kriegen, wenn ihr brav alle 4 Jahre eure Stimmchen für den Bundestag abdrückt. Ein bisschen mehr Angst als vor einem Plastik-Ninja müssen SIE schon vor Euch bekommen!

  42. 42

    In der Welt, die ich sehe, jagst du Elche durch die feuchten, bewaldeten Schluchten rund um die Ruinen des Rockefeller Center“¦ Du trägst Ledersachen, die den Rest deines Lebens halten werden“¦ Du kletterst die dicken Kutso-Ranken empor, die den Sears Tower umschlingen“¦ Ein Blick hinunter, und du siehst winzige Gestalten, die Mais stampfen“¦ Und Streifen von Wildbret auf der leeren Überholspur eines verlassenen Super-Highway auslegen“¦

    Chuck Palahniuk, „Fight Club“

    ;-)

    Den Hinweis mit dem Gefangendilemma finde ich gut. Wenn man den Begriff „Marktwirtschaft“ in dem Sinne versteht, wie Adam Smith ihn verstanden hat, und wenn man die Lehren von Smith mit dem Gefangendilemma kombiniert, dann kommt man zu der Lebenslüge des Kapitalismus. Die wäre:

    Wenn daher jeder einzelne soviel wie nur möglich danach trachtet, sein Kapital zur Unterstützung der einheimischen Erwerbstätigkeit einzusetzen und dadurch diese so lenkt, daß ihr Ertrag den höchsten Wertzuwachs erwarten läßt, dann bemüht sich auch jeder einzelne ganz zwangsläufig, daß das Volkseinkommen im Jahr so groß wie möglich werden wird.

    Adam Smith, „The Wealth of Nations“, zitiert nach Wikipedia

    Eine Lüge deshalb, weil das von Smith beschriebene Verhalten in einer Welt der begrenzten Ressourcen zum Untergang des Gesamtsystems führt – also gerade nicht zum Wohle aller ist.

    In the long run we are all dead

    John M. Keynes, „A Tract on Monetary Reform“

    Frohe Weihnachten!

  43. 43
    scipio

    @Simon

    Woher sollte Smith wissen, dass hier bald 9 Milliarden Menschen rumlaufen werden? Die Überbevölkerung ist das Problem, nicht die Endlichkeit der Ressourcen.

  44. 44
    Maltefan

    Wenn Davis schreibt, wir müssten allgemeinem Wohlstand Vorrang gegenüber individuellem Reichtum einräumen, dann geht es nicht um staatliche Folterwerkzeuge, die den Konzernen gezeigt werden sollen. Sondern darum, dass sich jeder Einzelne klar macht, dass der Wohlstand der Gemeinschaft sein eigener ist.

    Wem nutzt ein prächtiges Haus, wenn er es mit einem Zaun schützen muss, wer möchte seine Kinder nicht lieber an einer nahegelegenen Universität studieren sehen als an einem Elite-Ressort in der Schweiz oder den USA?

    Die Theorie, dass ich in Wirklichkeit Du bin, wird immer wahrscheinlicher. Ich weiss nicht wie oft ich ähnliche Gedanken gegenüber Steuern-und-Sozialstaat-doof-findern geäußert habe.

  45. 45
  46. 46
    Maltefan

    @Malte Welding: Nutzt nix mehr. Mein Mann hat das gelesen und gleich gefragt, ob ich das geschrieben habe …

  47. 47
    Patrick

    @Daniel: hallo lieber daniel …BITTE! Ich suche die ninjas seit ewigkeiten ….ich brauch die ganz dringend! Persönliche verbindung und so, mein leben ist ohne sie nicht komplett. Kannst du mir sagen wo man die herbekommt oder cerkaufst du mir deine?
    Lg Patrick

  48. 48
    Patrick

    “ Und nicht nur als selbstzufriedene Gesinnungsethiker.“ …wow freut mich so eine ehrliche erkenntnis zu hören! Wir müssen was tun, die probleme sind doch allgemein bekannt! Die zeit des redens ist vorbei…und wenn manche hier behaupten der mensch ist von.natur aus gierig und brutal, dann stimmt das nur desswegen weil wir unsere natur selber in konkurrenz zu einander gestalten(geldsystem)… Und darauf basieren auch alle.psychischen annahmen! Jedoch müsste unser grundgerüst unseres systems und denkens kooperation sein! Dann verlieren.wir.auch das habgierige weil knappheit nichz mehr exestiert.( weder knappheit der informationen, knappheit von geld,usw) und wir wären nicht mehr cool.mit einem seltenen sportwagen sondern mit unseren fähigkeiten …

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