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Es lebe die KSK!

Der Mensch neigt – und das ist kein Vorwurf, sondern eine biologische Tatsache – zur Schwarz-Weiß-Sicht. Das fällt mir besonders auf bei Diskussionen über staatliche Einrichtungen oder Körperschaften Öffentlichen Rechts. Sind Rundfunkgebühren gut oder schlecht, sind hohe Steuern gut oder schlecht (hier ist es einfach: gut, wenn andere hohe Steuern bezahlen, schlecht, wenn man selber der andere ist) oder aber: Ist es gut oder schlecht, dass es eine Künstlersozialkasse gibt? (Pornographie ist übrigens auch so ein hübsches Schwarz-Weiß-Thema, da der Staat uns aber noch nicht mit Pornos versorgt, lass ich das hier außen vor).

Die Künstlersozialkasse ist – anders als ein Bloggerkollege glaubte, der sich hoffnungsvoll bei mir erkundigt hat, ob die einem die Miete bezahlt – vereinfacht gesagt die Möglichkeit für Menschen, die in bestimmten Berufen tätig sind (und die nicht notwendigerweise Künstler im herkömmlichen Sinne sein müssen), die Kosten für die Krankenkasse geringer zu halten.

Zum Künstlerdasein gehört, dass die Einnahmen unsicherer sind als beispielsweise bei Börsenspekulanten oder Spielsüchtigen, weswegen die gängige Krankenkasse, die den Künstler einfach pauschal als Selbständigen führt und daher geneigt ist, Architektenbeiträge abzuknöpfen (und dafür Obdachlosenleistungen zu bieten), für den Künstler schwer- bis unerschwinglich ist.

Deswegen ist die KSK eine fantastische Einrichtung, für die man dem Staat danken muss.

Aber.

Zum Künstlerdasein gehört, dass die Einnahmen unsicherer sind als beispielsweise bei Börsenspekulanten oder Spielsüchtigen, weswegen die Beiträge der KSK flexibel sind und man sie lediglich formlos darüber informieren muss, wenn sich Einkommensänderungen ergeben.
Und ab da wird es etwas schwierig.

Während man zum Beispiel bei der Techniker Krankenkasse auch Freitag abends telefonisch einen Berater erreichen kann, der einem sagt, dass er einem nicht zu helfen in der Lage ist, kann man mit der KSK nur zu Zeiten telefonieren, die streng geheim sind.

Ich habe also die KSK schriftlich über eine Einkommensänderung informiert, formlos, aber höflich, knapp, aber umfangreich genug, um den klugen Köpfen der KSK die Berechnung meines Beitrags zu erleichtern.

Im nächsten Monat hatte sich an dem Betrag nichts verändert. Nun gut, dachte ich, eine alte Behörde ist kein Rennwagen, warte ich doch mal ab, was im nächsten Monat passiert.

Als wieder derselbe Beitrag abgebucht wurde, machte ich mir etwas Sorgen, denn ich bin gesetzlich verpflichtet, die KSK rechtzeitig zu informieren und wenn einer sich an Gesetze hält, dann bin das doch ich.

Also verbrachte ich einige Tage am Telefon, ließ mir Baldriantropfen und Schmerzmittel bringen, hörte Besetztzeichen (KEINE (!) Warteschleifenmusik) oder ein fernes Läuten, wenn die fleißigen Telefonkräfte der KSK erschöpft zu Tisch waren, aber es gelang mir nicht, mit jemandem zu sprechen.

Um die Sache abzukürzen. Heute, nach einem halben Jahr, nach einem Einschreiben und einem Einschreiben mit Rückschein, halte ich endlich meinen persönlichen Triumph in den Händen: Die KSK hat zur Kenntnis genommen, dass mein Einkommen sich geändert hat.

Nun gut, es handelt sich um das Einkommen, das ich vor einem halben Jahr hatte, das mit dem aktuellen soviel gemein hat wie das Bruttosozialprodukt von Island 2008 mit dem von 2009, aber in einem halben Jahr spätestens sind wir bestimmt auf dem beinahe selben Stand, die KSK und ich, sie auf dem von Anfang 2009, ich im Irrenhaus.

24 Kommentare

  1. 01

    Ach, die KSK. Von der hört man nur Gutes — also sei froh, nix von ihr zu hören! ,-)

    Übrigens nette aktuelle KSK-Serie auf dem Liquid-Artwork-Blog für Neulinge.

  2. 02

    … und ich dachte der alte Militarist Malte hätte sein Herz für unsere Kommando-Spezial-Terrorbekämpfer entdeckt … Mann war ich verwirrt.

  3. 03

    @nils:

    ich bin kein soldat.
    ich bin krieger.
    film?

  4. 04
  5. 05
    Bernd Haas

    @Malte Welding:
    Nette Geschichte. Aber warum kein Fax geschickt?

  6. 06

    so schwarz-weiß wie der erste absatz ist der mensch aber gar nicht.

  7. 07
    Klugscheißer

    @Bernd Haas: Wäre bestimmt besetzt gewesen.

  8. 08
    Bernd Haas

    @Klugscheißer:
    Auch Klugscheißer können irren

  9. 09

    KSK, GEZ, BND, das klingt alles sehr hart, sehr deutsch und das ist es dann auch. Die Apparate ähneln sich und das macht es ja so anheimelnd;-) Aber im Ernst: Wundert einen diese Amtsschimmelei wirklich?

  10. 10
    der Architekt

    „… und daher geneigt ist, Architektenbeiträge abzuknöpfen …“

    wie ist das denn gemeint? den abschnitt verstehe ich als betroffener ganz einfach nicht …
    (und da ist keine ironie vorhanden in meinem kommentar)

  11. 11

    Sun Tzu hat schon vor 2500 Jahren schon behauptet das Krieg eine Kunst ist.
    Erklärt das die Krieger in der KSK?

  12. 12

    @der Architekt:

    den versteht man nur, wenn man aus meiner generation stammt.
    als ich ein kind war, verdienten architekten noch gut.

    @Jens:

    genau:)

  13. 13
    bee

    Beim nächsten Mal einfach bei der Deutschen Rentenversicherung (Bund) anrufen und versuchen, sich durchstellen zu lassen. Klingt ziemlich bescheuert, aber irgendwie hängen die beiden Organisationen zusammen.

  14. 14

    oder den kurzen dienstweg über bekannte und freundesfreunde suchen. oder arbeiten da nur PCs aus den 80ern?

  15. 15

    Ihr lasst den Spam hier stehen?

  16. 16
    corax

    @Jens: Das ist kein Spam. Das ist die Angebotswahrnahme hier (kostenpflichtige) Werbung schalten zu dürfen. ;“”)

  17. 17
    Martin2

    Wunderbar wie der Kommentar Nr. 15 den Artikel kontrastiert. Ein kleines Gesamtkunstwerk ist geschaffen.

  18. 18
    peter h aus b

    Seltsam, meine Kontakte mit der KSK sind immer hurtig und zuvorkommend. Die haben sogar meinen Antrag nach telefonischer Bitte vorgezogen..und genehmigt!
    Nicht immer meckern, denn DAS ist Deutsch.. ;)

  19. 19
    danielj

    Nicht immer meckern, denn DAS ist Deutsch

    Ist nicht vielmehr deutsch zu behaupten etwas sei deutsch? :)

  20. 20
    Lars Amsel

    @danielj: Gassner’s Law inklusive Noschinski’s Zusatz.

  21. 21
    peter h aus b

    @Lars Amsel: Peters Law: Wer auf Usenet-Laws hinweist, hat verloren..

  22. 22

    Anders.

    Der KSK meldest du einmal im Jahr im Nov, was du etwa im vergangenen Jahr verdient hast als das voraussichtliche Einkommen des Folgejahres, auf ihrem eigenen schönen Formular. Das kommt per Sackpost. (Die öffnet man halt, auch wenn man LOBO ist ;) )

    So ist man zwar immer 1 Jahr hinterher, aber da sie es eh VORHER wissen wollen, was man verdienen wird und eben nicht so super flexibel und präzise sein WOLLEN (weil sie nämlich sonst unser Geld verfrühstücken), ist das supiOK ;).

    Über die Jahre gleicht sich das aus.

    Funzt 200% glatt und macht jede/r so und wird auch gewerkschaftlich so empfohlen.

    Kewl bleiben ;)

    Und: KSK iss wirklich prima ;)

    Weitere Tipps zur Verwaltungsvereinfachung für Freiberufler gern per skype:olivergassner ;)

    [[
    Als Namenspatron *) des Laws gestatte ich mir den Hinweis, dass es nur beim Zusatz ‚typisch‘ zu ‚deutsch‘ greift. danke für die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften.
    ]]

    *) http://blog.oliver-gassner.de/archives/183-Gassners-Law.html

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