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Spreed Racer

Was hat man nicht schon alles rationalisiert um die Mediennutzung des modernen Menschen zu erhöhen. Traditionell die Arbeitsplätze, dann diverse physikalische Datenträger, das Zeitung-rein-holen, den Plattenladen um die Ecke, auf jemanden Warten, den deutschen Film, Kinder, Funklöcher – irgendwo lassen sich immer ein paar Sekunden für noch mehr (gleichzeitigen) Medienverzehr herausschlagen.

Ein paar Kanadier hinter Spreed, einer neuen Anwendung fürs (mobile) Web, haben nun einen bisher unbehelligten Hort der Träg- und Gemütlichkeit ausgemacht. Spreed (kurz für Speed reading) will einer der ältesten Kulturtechniken überhaupt die Stechuhr umlegen: Dem Lesen.

Der gewöhnliche Mensch liest gedruckte Texte in 210 bis 250 Wörtern pro Minute (WpM). Größtes Hindernis für den Schnellleser sind dabei die circa 400-500 Augenbewegungen, im englischen saccades genannt, die bei einer Seite Text anfallen. Und genau bei diesen überflüssigen Bewegungen setzt die Technologie hinter Spreed an.

Mittels einer Sprachanalyse werden Newsfeeds in semantisch sinnvolle Stückchen herunter gebrochen und in einen Player eingebunden. Diesen startet man dann wie man Player gewöhnlich startet, woraufhin die Nachrichten-Bruchstücke hintereinander abgespielt werden. Man kann sich das ähnlich wie bei Untertiteln vorstellen. Nur schneller. Viel schneller. Optimierungssklaven und Zylonen können die Ablaufgeschwindigkeit des Textes bis auf 1500 WpM erhöhen.

You’ll find the more you use Spreed, the faster you’ll read. I’m reading 300 words per minute, whereas most people start in a 180 words.

Die junge Dame, die hier so stolz auf ihre Lesegeschwindigkeit ist (von Verstehen war auch nie die Rede) erklärt im folgenden Clip ganz anschaulich, wie das alles funktionieren soll. Allein die Huster aus dem Off haben mich kurz an der Ernsthaftigkeit des ganzen Projektes zweifeln lassen.

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22 Kommentare

  1. 01

    Wüäh, die ist mir so unsympathisch,

  2. 02
    H.

    Klassikerzitat: „I took a speed reading course and read ‚War and Peace‘ in twenty minutes. It involves Russia.“ Woody Allen

  3. 03
    Ede

    „Ich habe Kurse für Schnelllesen belegt, es ist mir gelungen, den ganzen Roman Krieg und Frieden in zwanzig Minuten zu lesen. Er handelt von Russland…“
    Woody Allen

  4. 04
    H.

    Zwei Doofe, ein Gedanke.

  5. 05
    Björn

    do it like woody allen:

    http://www.zapreader.com/

    jeder text direkt vom bildschirm ins hirn geknallt.

  6. 06

    @H. und @Ede: Das ‚Doof‘ würde ich nicht benutzen, mehr braucht man zu dieser „Errungenschaft“ nicht sagen!

  7. 07
    Nico [Jackpot Baby!]

    das ding ist totaler blödsinn. für uns ältere jedenfalls. ich muss einen text zuerst als ganzes aufnehmen, zurückgehen, wiederholen etc. nicht das lesen als encoding-prozess, sondern das verarbeiten macht ja eine information für uns erst wertvoll. auf der anderen seite verändert das netz bereits die art wie wir lesen. feedreader zum beispiel. was, wenn also die kids von morgen das drauf haben sollten?

  8. 08
    Chris

    Ich bin bei dem Ding auch sehr skeptisch. Jedoch würde ich das schnelle Lesen nicht von vornerein verteufeln. Wen es interessiert kann sich ja mal „schneller lesen“ von Wolfgang Schmitz angucken. Und das schnellere lesen muss auch nicht zwangsläufig zu schlechterem verstehen führen.
    Aber Lesegeschwindigkeiten über 800-1000 WpM halte ich für idiotisch.

  9. 09

    Kauft euch alle mal eine Zeitung und ein Buch. :)

  10. 10
    Henker

    blablabla, vielleicht genieße ich die zeit mich zu informieren, immer dieser informationsfaschismus, mich nerven schon diese blöden newsticker im nachrichtenfernsehen

  11. 11
    hannes

    moment mal, das ist doch alanis morissette!

  12. 12
    Patrick

    wie gerne würde ich (noch?) schneller lesen können… glaub aber nicht, dass mir das da oben sonderlich hilft, vorallem wenn wörter auch lange sind, aber gut, dass was in diese richtung getan wird hehe.

    und ja, ticker nerven wirklich :/

  13. 13
    Henker

    @Patrick: eben wenn ich nen nachrichtenüberblick im fernsehen haben will guck ich videotext

  14. 14

    „Größtes Hindernis für den Schnellleser sind dabei die circa 400-500 Augenbewegungen, im englischen saccades genannt, die bei einer Seite Text anfallen.“

    Im Deutschen übrigens Sakkaden genannt. ;)

  15. 15
    Nico [Jackpot Baby!]

    @Freddy: gut dass experten mitlesen. ;)

  16. 16
    Ben

    Noch mehr Informationen und noch mehr Burnout-Patienten in noch kürzerer Zeit.

  17. 17

    Nicht schlecht, auch die Web-Applikation gefällt.

  18. 18
    burninberlin

    Tolle Idee! …die es allerdings schon vor gut 10 Jahren für den Palm M100 gab. =)

    (Sorry, falls die Palm-Typen-Bezeichnung nicht ganz stimmt, zu faul, den jetzt zu suchen auf meinem Technik-Friedhof…)

  19. 19
    Laura

    Für Nachrichten ganz nett, zweifellos.
    Aber da, wo ich gerne schneller lesen würde, nämlich bei wissenschaftlichen Texten, bei denen man nicht nur das Thema, sondern auch den Kern erfassen will, kann man die Technik leider vollkommen in die Tonne kloppen.

  20. 20

    Für Gewisse Zwecke, kann ich mir Vorstellen das ein Tool wie diese geeignet ist. Es erlaubt aber nicht für „eigenständiges Arbeiten“ mit den Text.
    Ich habe versucht, Häufig gestellte Fragen über Speed Reading hier auf unsere Webseite zusammenzustellen:
    http://www.immediate-effects.com/de/faq

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