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Dunkel war die Nacht

Seit sie Liechtenstein am Haken haben, hört man wieder häufiger von Wohltätigkeitsaktionen. Vor kurzem hab‘ ich an dieser Stelle noch vom War Child-Sampler berichtet, der Geld für notleidende Kinder in Krisenregionen sammelt. Am 16. Februar soll ‚War Child Heroes‘, in den Läden stehen. Zeitgleich mit der Kompilation einer anderen Wohltätigkeitsorganisation. Für die Red Hot Organization stellen sich seit 1989 ebenfalls Popkünstler in den Dienst für den Kampf gegen AIDS. Genau die veröffentlichen in zwei Wochen ihr 16tes Album. Und das hat es in sich.

Aaron und Bryce Dessner von The National haben das Doppelalbum (Tripple-Vinyl und Einfach-Download) ‚Dark was the night‘ produziert. Und die Besetzung, da stockt einem der Atem: David Byrne, Feist, Bon Iver, Grizzly Bear, Iron and Wine, Sufjan Stevens, Spoon, Arcade Fire (mit neuem Song), Beirut, Cat Power und und und. Sie alle spielen miteinander, untereinander, durcheinander. Jeder mit jedem. Neue Songs, alte Songs, Coversongs. Auf der Myspace-Seite von Red Hot wird jeden Tag ein neuer Song gestreamt. Heute ist’s ‚Blood Pt2‘ von Buck 65 plus Sufjan Stevens.

Sie haben auch dieses nette kleine Widget im Angebot, wo man sich drei Songs auswählen kann. Was für ’ne schwere Auswahl, deshalb frei nach meinem Gusto:

Und hier noch die komplette Playlist:

CD01

1 Knotty Pine — Dirty Projectors + David Byrne
2 Cello Song (Nick Drake) — The Books featuring Jose Gonzalez
3 Train Song (Vashti Bunyan recorded, written by Alasdair Clayre) — Feist + Ben Gibbard
4 Brackett, WI — Bon Iver
5 Deep Blue Sea — Grizzly Bear
6 So Far Around the Bend — The National (arrangement by Nico Muhly)
7 Tightrope — Yeasayer
8 Feeling Good (popularized by Nina Simone) — My Brightest Diamond
9 Dark Was the Night (Blind Willie Johnson) — Kronos Quartet
10 I Was Young When I Left Home (Bob Dylan) — Antony + Bryce Dessner
11 Big Red Machine — Justin Vernon + Aaron Dessner
12 Sleepless — The Decemberists
13 Stolen Houses (Die) — Iron and Wine
14 Service Bell — Grizzly Bear + Feist
15 You Are The Blood — Sufjan Stevens

CD02

1 Well-Alright — Spoon
2 Lenin — Arcade Fire
3 Mimizan — Beirut
4 El Caporal — My Morning Jacket
5 Inspiration Information (Shuggie Otis) — Sharon Jones & The Dap-Kings
6 With A Girl Like You (The Troggs) — Dave Sitek
7 Blood Pt 2 (based on original song „You are the Blood“ by the Castanets) — Buck 65 Remix (featuring Sufjan Stevens and Serengeti)
8 Hey, Snow White (Destroyer) — The New Pornographers
9 Gentle Hour (Snapper) — Yo La Tengo
10 Another Saturday (traditional song) — Stuart Murdoch
11 Happiness — Riceboy Sleeps
12 Amazing Grace (traditional song) — Cat Power and Dirty Delta Blues
13 The Giant Of Illinois (Handsome Family) — Andrew Bird
14 Lua — Conor Oberst + Gillian Welch
15 When the Road Runs Out — Blonde Redhead + Devastations
16 Love vs. Porn — Kevin Drew

Und um den Zynismus vom Anfang etwas entgegenzusetzen: Ich bin der festen Überzeugung, (Bono wäre stolz auf mich.) dass Popmusik etwas verändern kann. Und denke, dass der alte Adorno, verbittert wie er war, Unrecht hatte, als er der Popmusik jegliche politische Kraft absprach.

16 Kommentare

  1. 01
    Stefan

    Adorno klingt zwar verbittert, aber eins ist doch beeindruckend:

    Er schafft es, sein gesamtes Statement in einem Satz unterzubringen.
    Und der dauert ne ganze Minute.
    Da merkt man mal, was Philosophie bei einem Menschen anrichten kann…

  2. 02
    Thomas

    Adorno hin oder her… Ich kenne nicht eine einzige dieser Gruppen. Bin ich zu alt???

  3. 03
    Nico [Jackpot Baby!]

    @Thomas: kommt drauf an, hast du adorno noch live gesehen?

  4. 04

    the books covern mit jose gonzalez zusammen nick drake? ich geh kaputt..

  5. 05
    rio

    @Thomas: vielleicht. hier sind aber wirklich gute indie bands vertreten – spoon z.b. ist super, beirut & bon iver & the decemberists auch toll…

  6. 06
    Jan(TM)

    Adorno hat was, auch wenn ich denke das Musik durchaus verändern kann. Aber das beziehe ich nur auf Musik die der Musik wegen gemacht wird, nicht auf diese moderne Art des Ablasshandels.

    Andererseits ist es schon praktisch auf Sätze wie „Und was hast du gemacht um die Welt zu verändern?“ mal locker den IPod rauszuholen und auf die Albenliste zu tippen:

    – Anti Nazi Sampler
    – Rettet den Regenwald Sampler
    – Anti AIDS Sampler
    – Rettet den Wald
    – Save a Child Part 1 Africa
    – Save a Child Part 2 Asia
    – Save a Child Part 3 South America
    – Save a Child Part 4 Tibet
    – Pro Amerika Sampler
    – Alphabetisierungssampler
    – Cui Bono? II
    – Anti Sampler Sampler I – IV
    – Gegen Denglish Liedersammlung
    .
    .
    .

  7. 07
    Nico [Jackpot Baby!]

    @Jan(TM): sein kulturpessimismus war ja durchaus begründet, er hat ja hollywood und das amerikanische fernsehsystem vor ort kennen gelernt, und dennoch werd ich den eindruck nicht los, dass es ein typ war, der sich nicht einfach mal locker machen konnte.

  8. 08

    @Nico: das Gefühl hab ich aber auch… „diese popular music also ich meine die Unterhaltungsmusik“… allein das Wort scheint ihm ein Graus gewesen zu sein.

  9. 09
    Lutz

    @Thomas:

    Puh.. ich dachte schon, ich wäre der Einzige, dem es so ginge… Mit Ausnahme von Feist ist mir keiner der Künstler bekannt.

  10. 10
    Nico [Jackpot Baby!]

    @Lutz: wenn du feist kennst dann sagt dir cat power nichts? und david byrne von den talking heads?

  11. 11
    Thomas

    @Nico [Jackpot Baby!]: Talking Heads? Endlich mal ein Name, der mir geläufug ist :D

  12. 12

    Schon komisch, daß bei allen Aufreger-Themen wie Blogindizierungen, Nahost-Konflikten und Anti-Atomkraftaktionen immer die Emotionen hochkochen, sich die Community bei solchen Themen wie hier aber immer sehr zurückhält.

    Regt euch mal bitte darüber auf, daß es solche Produktionen überhaupt geben muß!

    Manchmal glaube ich, es geht beim Bloggen nur um Profilierung und Streitsucht, bloßes Ausleben von Aggressionen. Zum Thema wird selten was geliefert und wenn dann nichts Konstruktives. Ist ja alles okay. Aber manchmal wünscht man sich schon ein bißchen mehr. Ich jedenfalls.

    Es geht hier um Kinder in Not, es geht um Aids…!

    Immerhin sind solche Alben eine Möglichkeit, auch die zu erreichen, die sich für das Leid in der Welt nicht so sehr interessieren. Schlimm ist nur, daß vom Verkaufspreis oft nur 50 Cent dorthin gehen, wo sie hin sollen. Natürlich werden damit auch Geschäfte gemacht. Aber lieber das als gar nichts zu tun.

  13. 13

    Wenn es gute, ernsthafte Musik ist kann jede Art von Musik etwas bewirken. Aber speziell bei Pop gibt es halt sehr viel kommerz-quietsch-bunt Kram. (Im Computer-Jargon würde man „klicki-bunti“ sagen! :-) )

  14. 14
    beentheredonethat

    Im NPR das passende Livekonzert (auch als Download)
    http://www.npr.org/templates/story/story.php?storyId=104655046

    „Though not all 31 songs from the record were performed, you could still hear David Byrne, The Dirty Projectors, Bon Iver, The National, Sharon Jones and the Dap Kings, My Brightest Diamond and Feist, often in unique configurations.“

  15. 15

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