12

Die Klasse

„žDie Klasse“ ist der Gewinner der Goldenen Palme von Cannes 2008, er läuft derzeit in deutschen Kinos und ich habe ihn noch nicht gesehen, unterhielt mich aber grade mit Johnny und Tanja über den Film.

Gedreht wurde er tatsächlich mit Kindern aus „žProblem“-Klassen, der Lehrer war auch im echten Leben einer, allerdings nicht der, den er spielt. Tatsächlich ist François Bégaudeau ehemaliger Punkrocker und Lehrer, bekannt dafür, grade Problemklassen anzupacken und zum Erfolg zu führen. Wie er das macht, zeigt der Film nicht, sondern das Gegenteil. Die Kids werden mit Häme und Spott behandelt, Lob ist zynisch, Verachtung allgegenwärtig. Warum die Problemklassen Problemklassen bleiben, liegt auf der Hand.

François Bégaudeau beschreibt mit seinem Film nicht seine Lehr-Methode, den Weg, den er selbst im echten Leben geht, sondern den Ist-Zustand an Schulen in den französischen Banlieus, der sich vielleicht auch auf deutsche Hauptschulen übertragen lässt. Und ich kann den Lehrern das nichtmal zum Vorwurf machen, der Zynismus schleicht sich wahrscheinlich automatisch ein, wenn man den Job ein paar Jahre macht und immer wieder sieht, welchen Weg die Kids gehen.

Dennoch: Der Job eines Lehrers ist nicht nur die Vermittlung von Wissen, sondern auch die Motivation zur Aufnahme von Wissen. Nicht sagen „žWas für eine beknackte Idee“, wenn eins der Kinder im Unterricht rappen will, sondern „žWarum eigentlich nicht?“ Der Film wirft Fragen auf, wie wir mit unseren Kindern und hier grade mit denen umgehen, deren Weg scheinbar vorgezeichnet in den Abgrund geht. Dafür hat er alleine schon die Goldene Palme verdient. Und heute abend sehe ich ihn mir an.


(Youtube Direktklasse)

12 Kommentare

  1. 01

    Aha. heute abend also. Gibt es dann noch einen Nachtrag, wie der Film war?

  2. 02

    wäre es nicht klüger, über den film zu schreiben, nachdem du ihn gesehen hast?

  3. 03

    Hey René,

    der Film ist wirklich der Hammer, habe ihn vor etwa 2 Wochen gesehen und bewegt mich noch immer. Deine Zusammenfassung verdient ebenso eine goldene Palme, treffender kann man nicht zusammenfassen.

  4. 04
    Wombel

    Ein guter Lehrer muss vor allem zum lernen motivieren. Wenn jemand wirklich an etwas interesse hat kann sich ja schließlich heute jeder darüber informieren. Leider sind unsere Schulen eher darin gut den Schülern die freude am lernen zu nehmen. Durch ihre engen Strukturen, ihre zum Teil ungerechten Noten und generell durch die ungerechte selektion die nur dafür sorgt, dass die schwächeren und die stärkeren unter sich bleiben, anstatt das potential des gemeinsamen und gegenseitigen lernens zu nutzen.
    Und dann kommen solche Problemklassen dabei heraus. Es wird wieder Zeit für engagierte Pädagogen die wissen was sie tun, wie sie es tun und nicht nur durch ihren hohen Kaffeekonsum auffallen!

  5. 05

    @köbi bünzli: Tanja hat ihn gesehen, ihre Eindrücke sind in Renés Text drin.

  6. 06

    Ich habe gerade die dazugehörige, deprimierende Buchvorlage zu Ende gelesen und bin begeistert. Es enthält Beschreibungs-Loops, (Ärger am Kopierer, Beschreibungen von Augenringen, Kaffeeautomat geht nie) die nach der ersten Wiederkehr irritieren, ab dem zweiten Mal aber zu einem unentrinnbaren Sog des unbeweglichen Eingesperrtseins werden, eher wie eine Gefängnisgeschichte.
    Bin sehr auf den Film gespannt, vor allen auf die filmische Umsetzung der im Buch völlig versagenden Lehrerschaft.

  7. 07
    fruddi

    Give link for download please!!

  8. 08
    viry

    ich hatte den film vor ein paar wochen gesehen und muss sagen,
    dass ich unglaublich begeistert war.
    überraschend, beeindruckend, augenöffnend, trotz allem immer motivert, wunderbar detailreich beobachtet und respektvoll – allen rollen / positionen gegenüber. -meiner meinung nach – auch wenn ihr sagt, dass der Film bei euch nicht so ankam. —
    ich fand sogar, dass, wenn es Häme als solches in dem Film gibt , diese bei den resignierten Lehrkräften / im Direktorenzimmer zu sehen waren.

    ich hab mehr respekt vor jeglichen lehrern bekommen, die nicht resignieren und die trotz kontinuierlichen gegenwind von allen seiten versuchen, unglaublich feingeistiges – wie eben da poesie & selbsterkenntnis / wahrnehmen der persönlichkeitzgrenzen anderer usw. – zu vermitteln.
    das passende bild dazu war – das ist wie, als ob man mit einer motorsäge versucht am herzen zu operieren, sicher das geht irgendwie, aber man muss verdammt verdammt vorsichtig sein & einfach nicht aufgeben.

  9. 09
    binko

    Manche Lehrer sehen halt den Wald vor lauter Bäumen nicht.

  10. 10
    randolf hodenstock

    warum die problemblogger problemblogger bleiben, liegt auf der hand. weil sie bis zum sanktnimmerleinstag cut-n-pasten werden. so wie du, herzelein.

  11. 11
    Jan(TM)

    Nur schade das sich das echte Leben so selten an Drehbücher hält.

  12. 12
    Badexp

    Danke für die indirekte Emphelung des Films, habe ich auch mal wieder ne Idee was ich mir anschauen könnte ;-)

Diesen Artikel kommentieren