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Rotten Media

Es geht wieder los. Kein Ereignis läßt den Ekel der etablierten Medien gegenüber den Neuen so krass aufbrechen wie ein Amoklauf. Haben sich die Zeitungen und Magazine bei der Amokberichterstattung bis vor kurzem noch auf die sogenannten Killerspiele (Entschuldigung) eingeschossen, dann ist es 2009 plötzlich Twitter. So kommt es, dass der Stern noch am selben Tag triumphierend berichten kann:

Wenn der Pöbel gleichzeitig zum Nachrichtenempfänger und Versender wird, bleibt häufig viel auf der Strecke. So werden Suchmaschinen virtuos genutzt und Personen aufgespürt, die den gleichen Namen haben, wie der mutmaßliche Täter. Die Fotos dieser Männer, gefunden bei Xing, Facebook, Myspace und anderen sozialen Netzwerken, werden per Mail oder Twitter verschickt.

Mit seinem Artikel offenbart Autor Gerd Blank nebenbei nicht nur die neuerlernte Unfähigkeit der klassischen Medien ihr kostbarstes Gut, die Glaubwürdigkeit, zu verkaufen, er beschreibt eher, wie @scanlines hinweist, die neuen Methoden seiner Kollegen (das sind die mit dem Kodex). Schließlich liefert Bild.de Namen und Foto des mutmaßlichen Täters, hat SpOn das Elternhaus in einer Klickstrecke und die Süddeutsche gleich eine ganze Biographie des jungen Mannes zur Hand.

Unter dem Deckmantel der Berichterstattung wird einmal mehr der massenmediale Knüppel heraus geholt und man kann sich sicher sein, dass auch die Computerspiele und Musiksammlung des mutmaßlichen Täters mehr Aufmerksamkeit erregen werden, als der scheinbar einfache Zugang zu einem umfangreichen Schusswaffenarsenal.

Die alten Medien zeigen mit diesem kulturkritischen Reflex einmal mehr ihre pure Angst und belegen gleichzeitig ihr kurzes Gedächtnis. Schließlich waren auch Zeitungen einmal ein Neues Medium. Und mussten sich dem Vorwurf der „žkranken und krank-machenden Fantasie [der sich] spätestens seit dem 18. Jahrhundert an jedes Medium heftet,“ aussetzen.

Das letzte Zitat entstammt dem Buch „Amok“ von Heiko Christians, 2008 im Aisthesis Verlag erschienen. Christians‘ Buch ist der Versuch einer Kultur- und Mediengeschichte des Phänomens. Dafür geht er bis an die malayischen Anfänge des „Amuck“ zurück, entdeckt frühe Beschreibungen in Reiseberichten über Dörfer, in denen das blutige Ereigniss so häufig vorkam, dass die Ordnungskräfte eigene Gabeln zum Einfangen der Amokläufer hatten.

Christians stellt außerdem und vor allem fest, dass Amok per se ein mediales Phänomen ist, dass es „žnie zu trennen [ist] von den Formen, in denen von ihm berichtet wird“, und dass es „žkeinen Kern einer substanzförmigen Auslösung oder einer eindeutigen Voraussetzung“ hat. In anderen Worten: Weder gibt es eine wirklich notwendige, noch eine hinreichende Bedingung für das „žZustandekommen“ von Amokläufen. Amok ist system-immanent, ist — wenn man so will — ein Musterbeispiel für Emergenz.

Ohne die mediale Berichterstattung über Columbine hätte sich die Trenchcoat-Mimese zum Beispiel nie gebildet. Statt also selbstkritisch die eigene Rolle zu hinterfragen, wird von einer ethisch und moralisch instabilen Empore herunter mit dem Zeigefinger gewedelt und damit eine Diskussion über die eigentlichen Zusammenhänge dieses komplexen, weder medizinisch, noch psychologisch, soziologisch, politisch oder pädagogisch faßbaren Phänomens, verhindert.

58 Kommentare

  1. 01
    OverFlow

    Reflektion ist immer gut. Dank der Nichtreflektion der heute-Nachrichten habe ich dem ZDF eine Mail geschrieben und sie danach in meinen Blog gestellt:

    http://wolfrevo.wordpress.com/2009/03/11/aktuelle-berichterstattung-uber-den-amok-lauf-in-winnenden/

    Selbstkritik gibt es in den Medien nicht.

  2. 02

    wir aus dem web2.0 haben es da mal echt hart erwischt. total traurig dieses vorgehen.

  3. 03
    Phil

    Ich lese gerne den Stern aber solche Berichte…vom „Pöbel“ ahh

    Besonders weil der Stern ja auch nicht bekannt ist für seinen geniale Journalismus sondern eher für tolle Bilder und die geniale Kolumne von Jan Weiler.

    Aber was soll man sagen, es wird wohl noch dauern bis Blogs anerkannt sind, twitter finde ich allerdings auch so la la…benutze ich zwar manchmal zum unterwegs bloggen aber da steht schon viel Müll.

  4. 04

    Es ist doch aber nie das Medium oder die Technologie, sondern immer der sie Benutzende. Genau das muss jeder Journalist wissen, der seine Schreibmaschine auch gegen den Laptop eingetauscht und seinen Brockhaus zumindest um die Wikipedia erweitert hat. Und daher ist solch pauschalisierender Unsinn in einem Massenmedium umso ärgerlicher — was soll das, wofür ist das gut und was bezweckt man damit? Kann doch nicht sein, dass es einfach nur dämlich ist. Oder?

  5. 05

    Schöner, passender Artikel mal wieder :) Klingt ein wenig wie mein Artikel – nur halt in gut ;)

  6. 06

    Interessant ist aber, dass der Stern heute selbst reichlich getwittert hat, z.B. in Form vom Account view_foto! Ist schon interessant wie wichtig da interne Kommunikation ist, welche Linie man denn fahren will!

  7. 07
    Martin2

    @Johnny Haeusler: Völlig richtig. Ständig wird das Medium aufgrund seiner Nutzer charakterisiert. Dieser schwammige Blick ist für mich unbegreiflich.

  8. 08
    kurz_weiler

    schön zu lesen übrigens auch zum thema bei bildblog: amokVZ.

    Ich warte auch den Tag, an dem sich eine öffentliche Person traut, nein anmaßt, zu erklären, dass, selbst wenn alle sozialen, psychologischen, kulturellen, bildungspolitischen, familienhistorischen, etc. Ursachen und Probleme durchleuchtet, erkannt und erklärt sind, selbst dann eine solche Tat weder vorhergesagt, noch verhindert werden kann. Und wenn diese selbe Person es dann nicht bei einer schalen einzeiligen Beileidsbekundung der Opfer und Ihrer Familien belässt, sondern auf den Schmerz und und das Vollkommmene Entsetzen dieser eingeht, dann scheint die Sonne im Märchenland…

  9. 09

    Das Unschöne ist ja auch, dass solche News-Seiten niemals Kommentare zulassen und E-Mails normalerweise ignoriert werden. So kann man wunderbar seine Rants schreiben und sich dann aus der Affäre ziehen. Armselige Journalisten „¦

    Da lob‘ ich mir doch die HAZ, die nicht nur ordentlich twittert, sondern auch Kommentare auf ihrer Seite erlauben.

    Ansonsten möchte ich zu der Berichterstattung nichts mehr sagen, schon gar nicht zur Bild.

  10. 10

    ja, heute ist der richtige tag um sich verstärkt über ein pauschalisierendes massenmedium aufzuregen. total ärgerlich und diffamierend. wissen die eigentlich, was sie uns damit antun? die sind ja total unfair und doff!

    themen des tages: auch heute ausschließlich twitter, blogs, wikipedia und der stern. vielleicht geht mal einer von uns da ins gebäude rein?

  11. 11
    panama

    @04 @07 Das ist ganz und gar nicht unbegreiflich. Jedes Medium bringt eine eigene Dramaturgie hervor und produziert eigene Fehler – ganz unabhängig vom Nutzer und sogar unabhängig vom Inhalt. Selbst der Wechsel von der Schreibmaschine zum Laptop hat mehr verändert als nur die Bilanzen der Tipp-Ex-Industrie. Und natürlich sollte auch Twitter auf Grund seiner Funktionsweise charakterisiert werden und nicht auf Grund seiner Nutzer. Die Leute bleiben ja gleich. Die Medien ändern sich.

  12. 12
    Henker

    heute schon bei twitter gesacht https://twitter.com/DerHenker: freier zugang zu waffen führt so so ner scheiße.
    Da muss man doch nur über den Teich schauen. Die ganzen Morde und Totschläge kommen ja nicht von ungefähr.

  13. 13

    Gleicht geht’s los in „hart aber fair“: „Was machen Internet und Ballerspiele mit Jugendlichen?“

    http://www.wdr.de/tv/hartaberfair/sendungen/2009/20090311.php5?akt=1

  14. 14

    gerd blank twittert für stern.de. als profi und nicht-pöbel fand er natürlich gleich das richtige wort für so eine tragödie:

    „mist.“

    http://twitter.com/stern_digital/status/1309868406

    manchmal schämt man sich wirklich, den gleichen beruf zu haben wie diese leute.

  15. 15
    kurz_weil

    http://www.titanic-magazin.de/

    also das ist schon grenzwertig, ein Amok-Ankündigungsformular…, aber ich musste trotzdem grinsen. die mädchen-landschaft hätt’s gefreut.

  16. 16
  17. 17

    „Es gab wohl Tote“ ist der Nachsatz in dem von Stefan zitierten Tweet des Stern-Mannes. Aha – ungefähr genau so informativ-seriös war die Live-Schalte vom WDR 2 spät morgens in ein Klassenzimmer der Realschule via Handy. „Wir wissen nix genaues und haben Angst“ lautete sinngemäß der O-Ton, der da über den Äther ging, untermalt von dem unsicheren Lachen eines Teenagers.

    Das ist natürlich glasklarer Journalismus, hart recherchiert und faktenorientiert.

    Schon eine prima Sache, wenn in der Berichterstattung über Unglücksfälle gleich noch Technik und deren Nutzung irgendwie miteinander verschwurbelt und abgemeiert werden können.

  18. 18
    handzon

    Hart aber fair war furchtbar.
    Warum darf man in deutschen Medien nicht gegen Schützenvereine und Waffennarren vorgehen?

  19. 19

    weil es am ende genauso populistisch ist wie das wettern gegen videospiele

  20. 20

    @handzon:

    Ich hab es zum Glück nicht gesehen. Ich würde es auch begrüßen, wenn man sich mehr mit Schützenvereinen beschäftigt. Zumindest könnte die Politik endlich mal durchsetzen, daß Waffen in diesen Vereinen gelagert werden (ist eh der einzige Ort, an dem man sie benutzen darf). Damit würde man sehr elegant verhindern, daß Mitglieder ihre Waffen im Schlafzimmer horten, wo der Sohn einfach rankommt.

    Aber es ist eine Utopie, daß dieser Amoklauf anders behandelt wird als die vorherigen. Stattdessen ist es gerade wieder ungemein wichtig, welche Computerspiele und Musik der Täter auf seinem Recher hatte. Ich hoffe, daß er ein großer Fan von Tetris und Phil Collins war ;)

  21. 21
    Florian

    Wobei der Einfluss (und die Feststellung was Ursache und was Wirkung ist) von Videospielen auf solche Taten deutlich umstrittener ist, als der von Schusswaffen.
    Sorry, populistisch, ich weiss.

  22. 22

    Diese Schmerzen:

    „Wie wäre es dann mit Schießeisen nur in speziellen Depots, jedenfalls nicht in Privathäusern? Joachim Streitberger will davon nichts wissen: „Und dann? Solche Zeughäuser für Schützenvereine liegen vielleicht draußen im Wald“, da sei es kein Problem einzubrechen und sich eine Waffe zu besorgen. Streitberger ist Lobbyist, Sprecher des in Baden-Württemberg beheimateten „Forum Waffenrecht“.“

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,612735,00.html

  23. 23
    Sonja

    Gestern hab ich gleich zwei mal im Zusammenhang mit dem Nachahmeffekt usw. gehört, dass das Cafeteria-Video von Columbine heute immer noch im Internet abrufbar ist. Fünf Minuten später zeigt man in derselben Sendung… na was wohl?

  24. 24
  25. 25
  26. 26

    Ich habe eine Idee, wie man das Nachrichtenniveau bei Twitter durch #tags verbessern kann. Jetzt auf schomsko.de

  27. 27

    Der Stern ist vor allem verlogen, weil er selbst via Twitter vom Amoklauf berichtet hat.
    http://www.internet-law.de/2009/03/winnenden-der-stern-und-twitter.html

  28. 28

    Ich bin Journalist, und ich behaupte: Wir werden duch all die neuen Möglichkeiten der Kommunikation mit zehn Mal mehr Information zugekübelt, und 99 Prozent der Informationen sind falsch. Das war schon beim 11. September so, und das wird sich anscheinend nicht so schnell ändern. Bei N24 und bei ntv übernehmen sie sogar gegenseitig die Falschmeldungen. Noch nicht mal die gestandenen Medien sind also in der Lage richtig zu berichten – von Kurzmitteilungen irgendwelcher Hobby-Hemingways ganz zu schweigen.
    Journalismus bedeutet doch nicht, schnell Informationen herausgegen, die sich dann als falsch herausstellen. Jeder weiß doch, dass man Dinge verifizieren sollte, bevor man sie publik macht – egal um welche Art der Information es sich handelt. Und wie soll man eine Nachricht verifizieren, wenn man sie binnen ein paaar Sekunden nach Erhalt publizieren möchte? Die vielen Möglichkeiten haben bisher nichts gebracht als nochmehr Verwirrung.

    Wenn jemand schreibt, der Amokläufer habe zwei Leute erschossen und sei jetzt festgenommen, dann ist das meiner Meinung nach grob fahrlässig.

  29. 29

    Oh, interessant, dass du auch Christians‘ Arbeit zitierst, den hab ich heute auch gerade empfohlen. Entspannte Reflexion zu dem Thema ist nämlich doch möglich.

  30. 30

    die teilweise fast sensationslüsterne Betroffenheitsberichterstattung und die Spekulationen über die Motive und Auslöser für diese Tat tragen Früchte – meine Oma macht sich ernsthaft Gedanken darüber, wer in unserer Familie wen niedermetzeln könnte und in welchen Nachbarskindern zukünftige Amokläufer schlummern. Sollte es darauf hinauslaufen?

  31. 31

    Großeltern sind sowieso klasse für sowas. Zu viel Zeit/ZDF und ein gewisser Abbau führen zu ganz eigentümlichen Thesen. Da ich mir das am Ende eh anhören muß, habe ich über die Jahre eine Tugend daraus gemacht.

    Ich habe mich diesmal für die Diskussion mit meinem Großvater gewappnet. Als am Telefon die Phrase „früher gab es das nicht“ kam, hatte ich schon längst das Attentat von Volkhoven ’64 rausgesucht. Daraufhin kurze Stille am anderen Ende. Dann kam nur noch der Satz „aber ganz früher gab es das nicht“. Ich hab es dann dabei belassen und ihn nach dem Befinden seiner Goldfische gefragt…

  32. 32

    Bin ich eigentlich der einzige der das dumme Gefuehl hat diesen Artikel haette man mit nicht sehr vielen Aenderungen auch exakt andersherum schreiben koennen?

    Ohne jetzt gross verfolgt zu haben was und wie da in der Deutschen Presse berichtet wurde (ist etwas schwierig von hier aus), aber sowie ich irgendwo den ersten Eintrag und die ersten dazugehoerigen Kommentare gelesen hatte konnte ich mir nicht helfen, zu denken:

    Oh, geht wieder los. Das Pressebashing der Blogger und der ach so avantgardistischen bloggenden Journalisten die alles besser als ihre Kollegen wissen. Die Kommentare ueber das Killerspielebashing das jetzt wieder kommen wuerde. Die genauso hilflosen Deutungs- und Erklaerungsversuche von genau den gleichen Hobbypsychologen die sich ueber die Talkshowamateure mit Dauerkarte beschweren.

    Ihr gebt Euch beide nicht viel.

  33. 33

    wobei, so Blogs, wo irgendwelche Namensvettern schon mal flux an die Wand postiert wurden, mit amokanalyse per xing psychogramm, fühlte ich mich schon auch genötigt mal den Zeigefinger drohend zu erheben gegenüber….

    ah ja, die Sensationsgeilheit…

    morgen: next…

  34. 34

    A B C= Amok?!

    Es ist zweifellos unglaublich womit sich die Welt gerade beschäftigen muss. Da ist ein Junge der gut situiert, scheinbar gut sozialisiert und sozial belastet, aber bei weitem noch nicht auffällig im Sinne der Indikatoren unserer Gesellschaft. Er durchlebt nur eine Jugend die Millionen anderer Jungendlichen gerade versuchen zu überstehen und macht „žso etwas“!

    Dieser eine von Millionen Gamern, Medienkonsumenten, Webbloglesern, Youtube schauern. Die Ursachen lagen eben auf der Hand: Es müssen die Killerspiele sein, vielleicht weil ich etwas bei „Hart aber Fair“ gesehen, selber von meinem Nachbarn gehört, bei Jugendlichen zugeschaut, auch mal angetestet, neulich noch auf dem Pranger gestellt und heute so wunderbar hinterfragt habe, weil es doch irgendwie jedes Medium als mein Vorbild, Meinungsgeber, Nachsager, aus dem Internet Finder – schön aufbereitet mit den alten, friedfertigen, klar Strukturierten, einfach erklärten Worten präsentiert.

    Oder ist es das Internet? Teufelswerk! Keine Kontrolle, kein klares richtig und flasch, keine schönen Bilder zu den Texten. Ist das was ich da gerade lese Links oder rechts, richtig oder falsch? Man kann doch nicht tatsächlich erwarten dass ich mich positionieren soll! Ich will doch einfach nur glücklich sein und das möglichst ohne mich zu bewegen.

    Ich brauche einen Schuldigen der plausibel und einfach ist. Killerspeile bieten sich an, die Bild, der Spiegel, Youtube konsuliert jeder also kann man die doch auch als schuldigen präsentieren. Alle sind schuldig. Für einen Menschen wie mich der nie feststellen konnte, das sich die Welt in eine Richtung verändert hat die nicht mehr einfach ist und das in einem Bereich der für mich nie interessant war. Die totale Zugänglichkeit von Positionen, die ich nicht verstehe aber Sinn ergeben müssen weil es ja in der großen Tagesschau um 20 Uhr berichtet wurde. Oder in der Bild die ich ernst nehme weil es mich dort abholt wo ich bin, in meinem Selbstmitleid, in meiner Ich bezogenen, subjektiv so furchtbaren Welt voller unbefriedigter Bedürfnisse und meiner Insel voller Neid.

    Da gibt es tatsächlich Menschen die Spass daran haben sich gegenseitig abzuballern und dabei keinerlei moralische Bedenken haben? Was ist nur mit unserer Jugend los? Das ist doch nicht normal! Oder doch? Kann nicht irgendwer beschließen 150 000 000 000 Euro in Bildungsprogramme und soziale Auffangnetze zu investieren? Metallditektoren, Schulpolizisten? Waffen mit Fingerabdruckscanner oder so? Eine Regulierung der globalen Waffenflüsse?

    Das hat doch neulich noch so gut funktioniert! Zugegeben, die Medien machen sich langsam. Während sie nach Columbine die Schuldigen noch klarer waren, seien es die Medien, Konsummittel wie „žBallerspiele“, leicht zu erhaltende und zu haltende Waffen mit großen Magazinen für Sportschützen und die Berichtserstattung im kleinsten Detail, die den einen ermutigt, die anderern erschocken haben, gibt es mittlerweile durchaus Tendenzen sich vielseitiger mit Problemen zu beschäftigen.

    Doch wo bleibe ich? Ich will doch nur gesagt bekommen was richtig und falsch ist, wofür ich Stimmen muss damit so etwas nicht mehr passiert und ich in meinem Bla Bla glücklich leben kann. Gleich kommt die Tagesschau, dann bin ich wieder schlauer und muss weniger Angst haben.

  35. 35
    edirosso

    @Johnny Haeusler:
    Die „passenden“ Antworten auf die Reflexe der Öffentlichkeit: „Mein Gott ist das schrecklich-wer war das-wie konnte es dazu kommen?“ lassen sich doch besser vermarkten (Aufmerksamkeitsökonomie) als eine fundierte Betrachtung des „Amok“-Phänomens oder der Erlebniswelt von Teenagern.
    Schließlich wird ja auch nicht auf Werbung (davor und danach) verzichtet, wenn über diese schreckliche Tat berichtet wird.
    Und es ist auch bequemer dem Killerspiel, dem Schießsport und natürlich dem Internet generell die Schuld am Amoklauf zu geben, anstatt den Menschen nach ihrer Verantwortung zu fragen.
    Für mich haben die klassischen Medien (Fernsehen, Radio und einige Tageszeitungen mit ihren Bild.de-Blogs) als kritisches Medium ausgedient.
    Deshalb habe ich dieser Tage erst gar nicht eingeschaltet.

    Es sind nicht die Waffen die Menschen töten, sondern der Mensch der diese Waffen benutzt.

    Es sind nicht die Medien, die Schlechtigkeiten verbreiten sondern die Menschen, die solche Inhalte produzieren.
    Da stimme ich dir zu.

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