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FC Bayern, Stern des Südens


Oder aber Sternschnuppe des Südens, ich hab sie zuerst gesehen, jetzt darf ich mir was wünschen. Zum Beispiel das Lied zur Saison:


Die Schröders – Bayern hat verloren

Ach, aber Spott und Schadenfreude machen nur halb soviel Spaß, wenn sich ein Gran Mitleid hineinverirrt hat (wie Lell in die Startformation der Bayern). Es bleibt die Frage: Was ist denn bloß los mit denen? Klemmen die Lederhosen? Ist das der Lohn für all die Jahre Festgeldkonto?

„Ein Schwabe in München“, klingt nach einer Fernsehproduktion des Bayrischen Rundfunks, Robert Atzorn in der Hauptrolle. Titelsong: Ich brauch Personal von Joint Venture. Nach Barcelona hat Klinsmann einen jungen, vielleicht talentierten, man weiß es nicht, Herrn mitgenommen, der auf den Namen Badstuber hört. Weil das Hinterteil der Mannschaft aussah, als hätte sich eine Maus durchgenagt. Mal im Ernst: wie kommt ein FC Bayern dazu, Daniel van Buyten zu vermissen, die limitierte Sonderedition eines Lichtdoubles für „Herrmann der Cherusker“-Verfilmungen? Limitierte Sondereditionen sind nur Magic-Kartenspielfans und Plattenliebhaber einen Seufzer wert.

Wenn die Titanic demnächst schreibt, Klinsmanns Kader sei nicht gut bestückt*, wird sie aber nur zur Hälfte Recht haben. (Bei Klinsmanns schwäbischer Humorschwäche allerdings wird sie das vermutlich sein lassen.) Denn das ist gar nicht Klinsmanns Kader, das ist der Kader seiner Vorgesetzten. Die, nachdem man Ribéry, Klose und Toni geholt hat, glaubhaft machen wollten, man habe sich jetzt fertig eingekauft in die Riege europäischer Spitzenmannschaften. Das ist teilweise wahr: nur heißen die Spitzenmannschaften nicht Arsenal, Chelsea, Barcelona, Manchester und Juventus Turin, sondern Inter Mailand, AS Rom, Real Madrid. Alles Anhänger des 80er Jahre-Konzepts, große Spieler einzukaufen, die der Mannschaft ein Gepräge geben, statt eine Identität von oben zu verordnen. Und dementsprechend international wenig reißen die letzte Zeit. Wäre der Kalauerzwerg anwesend, würfe er jetzt süffisant ein: Die Bayern spielen Fußball mit Köpfen statt mit Köpfchen.

Mit den Köpfen der Trainer auf jedenfall, sei es nun Hitzfeld, Magath oder demnächst vermutlich Klinsmann. Demnächst haben Beckenbauer, Rumenigge und Hoeneß acht Jahre europäische Erfolglosigkeit zu verantworten; wir erinnern uns an Mailand, an Petersburg. Das ist kein Klinsmann-Problem. Das ist grauer Alltag.

Wir halten fest (anders als Rensing): Rumenigge, Hoeneß und Breitner haben es nicht geschafft, ein Konzept zu etablieren. Klinsmann hat Ärger mit den Medien (schon immer gehabt) und demontiert die jungen Spieler, die er eigentlich hätte aufbauen wollen, einige personell fragwürdige Entscheidungen führen dazu, dass Ottl bei Barca für die Offensive gebracht wurde, und schön daran ist tatsächlich nur das Gesicht von Uli Hoeneß.

Dem FCB sollte demnächst mehr einfallen, als Klinsmann fallen zu lassen. Der hat letztens auf die 1:4-Niederlage in Italien kurz vor der WM angespielt und gesagt, sowas haut ihn nicht um, das kennt er schon, danach kam das Sommermärchen. Aber Dritter in der Liga, FCB, sind das denn Deine Ziele?

*Sowas in der Öffentlichkeit zu behaupten, dazu hat sich nicht einmal Lothar Matthäus hergegeben bisher.

21 Kommentare

  1. 01
    lork

    Klinsmann und der FC Bayern passen fast so gut zusammen wie Schmidt und Pocher

  2. 02
    Phil

    Das mit Hern Matthäus stimmt so nicht ganz, der hat doch mal irgend einer Frau am Flughafen gesagt (Über Mitspieler Valencia): „Unser Schwatter hat so einen langen“. Mit der entsprechenden Handbewegung (wohl ca. 50 cm). Und ansonsten hat er immer wieder gezeigt, dass er sich für nichts zu schade ist.

    Was nur beweist: Die richtig guten Fußballer können eben nur Fußball spielen und sonst nichts (Mätthaus, Gascoigne, Cantona usw.).

  3. 03

    Wollen wir mal hoffen,
    dass HSV und Werder morgen besser abschneiden!!!

  4. 04
    Marcus

    Nun lasst doch die Bayern mal in Ruhe verlieren. Alle wollen die Champions-League gewinnen, aber nur einer kann es pro Jahr schaffen. Arsenal und Chelsea ist es noch nie gelungen, den Bayern immerhin schon 4 mal.
    Ich bin ein begeisterter Anti-Bayern-Fan aber meine Schadenfreude über ein verlorenes Spiel in Barcelona hält sich in Grenzen. Ich würde die Tatsache, dass Bayern im Viertelfinale rausfliegt, als normal bezeichnen.
    Statistisch gesehen, werden sie irgendwann mal wieder gewinnen. Vielleicht warten sie auf den 5. Titel genauso lange wie auf den 4., nämlich 25 Jahre. Mit oder ohne Klinsmann.

  5. 05

    das ist das original-lied:

    http://www.youtube.com/watch?v=OFmgRzcixfo

    deutlich besser.

  6. 06

    2. in der Tabelle und im CL-Viertelfinale gegen Barca rausfliegen sind wirklich Luxussorgen.

    Nichtsdestotrotz ist das Personal z.Zt. an vielen Stellen verbesserungswürdig.

  7. 07

    Ich find Fußball von Fred toll; sollte es (wieder) öfter geben.
    (Ja, Bliblablub, nicht unter Druck setzen, doofe Erwartungshaltung, ist klar. Aber „Gut finden“ lässt sich schwer von „mehr wollen“ trennen.)

  8. 08

    @Phil: Ja, darauf wollte ich anspielen ;)

    @Joe: Danke!

    @christoph kratistos: Gibts ab sofort jeden Samstag, bis Bundesliga-Ende.

  9. 09
    Lebedjew

    Ich persönlich freue mich ja immer, wenn Bayern rausfliegt und glaube, dass das noch nicht mal aus penetrantem Antinationalismus geschieht (wobei ein unpenetranter ja durchaus okay wäre), sondern weil man nur ertragreich hassen kann, was man kennt: den nur angepisst zu ertragenen U. Hoeness, P. Breitner, das notorische Querdenkerchen, sowie die irgendwie assoziierten B. Becker, H. Markwort“¦
    Deshalb könnte es mir eigentlich egal sein, woran es liegt.
    Aber zwischen O. Hitzfeld und J. Klinsmann liegen halt doch mehrere Welten. Obwohl ich mir das Sommermärchen erspart habe, bin ich doch mit genügend Details aus dem Film versorgt worden, um festzuhalten, dass ich, selbst in meinen Jugend- und Kreisligazeiten niemals mit derart infantilen Instruktionen und Leidenschaftseinforderungen bombardiert worden bin. Von seinem blöden Gegriene mal abgesehen.

  10. 10
    behindthebeat

    nun ja, teams wie chelsea, manu und arsenal haben doch ein ähnliches konzept wie madrid, rom oder bayern: gute, nein, sehr gute spieler kaufen. solange der vorrat reicht. beim spiel arsenal gegen villareal z.b. standen gestern sage und schreibe 2(!) engländer auf dem platz, der rest? topspieler aus dem ausland. aber das ist ja eigentlich total egal.

    geld allein nicht aus, schließlich muss die mannschaft ja auch zusammenpassen, harmonieren, usw. darüber hinaus leisten teams wie arsenal eine hervorragende jugendarbeit und bauen spieler schon in jungen jahren insofern auf, dass sie später einmal super ins konzept des teams passen.

    und natürlich braucht bayern spieler, vor allem, weil ribery nur noch bis zum ende der saison 2009/2010 zu halten sein wird. außerdem eine fähige abwehr und einen guten torwart.

  11. 11
    Frédéric Valin

    @behindthebeat: Nein, Barca, Aresnal und Chelsea kaufen nicht einfach gute Spieler, sie kaufen Spieler, die ins Konzept passen. Sehen kann man das unter anderem daran, wie sich der Marktwert von jetzigen Superstars à la Adebayor oder Fernando Torres entwickelt hat. Du kannst einen talentierten Spieler nicht auf jede erdenkliche Position stellen und der macht das dann. Das System muss den Spielern entgegenkommen, damit sie ihre Stärken ausspielen können und ihre Schwächen nicht so sehr zu Tage treten. Dann sehen sie besser aus, das steigert den Marktwert (anderes auch, aber das führt jetzt zu weit). Da liegt es nahe, Positionen zu besetzen statt Spieler zu kaufen.

    Beispiel Ribéry: In der Bundesliga geht das natürlich, dass er in der Defensive maximal als Begleitkraft bis zehn Meter hinter der Mittellinie mitarbeitet. Wenn er dann allerdings nur noch Lell hinter sich hat und auf der Gegenseite einen offensiven Außenverteidiger wie Alves plus im Sturm Messi, wirds eben eng für den ehrlichen Arbeiter Lell da hinten. Die hatten auf ihrer Seite so viel Platz, da hätten die noch alle bairischen Fanbusse hinstellen können. Ribéry ist ein Außenstürmer, der gegen schwächere Mannschaften auch im Mittelfeld spielen kann, wenn sichergestellt ist, dass die hinten mit dem Andrang klarkommen.

    Wenn Hoeneß und Breitner davon reden, dass die Typen fehlen in der Mannschaft, dass es mehr Leute braucht wie van Bommel, dann zeigen sie, dass sie diese Entwicklung nicht begriffen haben. Der größte Star bei Arsenal ist Wenger, bei ManU Ferguson. Das hat mit ihrem Standing zu tun, aber auch damit, dass das Spielsystem, oder wie es hochgestochen immer wieder heißt, die Philosophie entscheidend ist. Nicht der Einzelkönner.

    Hingegen, der Personenkult in der Bundesliga, das ist reinstes 80er Jahre-Stargehabe.

  12. 12
    behindthebeat

    Naja, unter Hiddink passt es bei Chelsea, aber mit Mourinho, Grant und Scolari waren die Verantwortlichen doch nicht wirklich zufrieden.

    Außerdem kann Chelsea es sich leisten, auf dem Transfermarkt auch mal daneben zu greifen, siehe Shevchenko, siehe Robben…beides Topspieler. Wer hätte gedacht, dass die beiden nicht ins System passen? Aber gekauft wurden sie trotzdem. Natürlich führt erst eine Kombination aus vielen Faktoren zum gewünschten Erfolg, aber es ist doch klar, dass Teams wie Chelsea, ManU, etc. einfach mehr Möglichkeiten haben als z.B. die Bayern und entsprechend flexibler aufgestellt sind als die Teams aus der Bundesliga.

    Ein Grund für die herbe Niederlage Bayerns ist wie du schon richtig erkannt hast natürlich die mangelnde (individuelle) Qualität des gesamten Teams, jedenfalls auf europäischer Ebene, oder jedenfalls im Vergleich zu Barcelona, denn in den Spielen zuvor haben sich die Bayern doch super präsentiert. Barcelona ist diese Saison definitiv eine Ausnahme. Es läuft einfach. Nächste Saison kann das aber auch wieder ganz anders aussehen. Und um dieses Level, oder ein ähnliches zu erreichen, reicht es eben nicht, ein passendes Team zusammenzustellen, nein, du brauchst ein Team aus Topspielern, die gut zusammenspielen…und das kostet. Gestern hat das Spiel in Porto auch nur ein Mann entschieden.

    Was den Personenkult in der Bundesliga betrifft: Logische Konsequenz, schließlich verirren sich Topspieler selten in die Bundesliga, in Italien, Spanien und England hingegen spielen haufenweise Stars, von daher hat man sich an die Präsenz (sehr) guter Leute gewöhnt, gehört halt dazu. Gäbe es in Deutschland mehr als 2-3 Topspieler, würde vom Personenkult auch nicht viel übrig bleiben.

  13. 13
    James Tea Kirk

    Das Spiel Barca – Bayern hätte mal lieber nicht im Fernsehen laufen sollen. Seither redet „Fussballdeutschland“ ja über nix anderes mehr.
    Verwunderlich ist eigentlich nur mit welcher Selbstverständlichkeit sich Anhänger des FC Bayern einbilden, sie gehören dieses Jahr zu den 4 besten Mannschaften in Europa. Und die Suche nach dem Schuldigen dauert auch nicht lange .. Armer Klinsi.

  14. 14
    Keule

    ich als leidenschaftlicher bielefelder finde es toll, dass die bayern endlich mal in 90 minuten gespürt haben, wie ich mich in 90% aller spiele fühle. ich denke, da spreche ich für alle karslruher, gladbacher, bochumer, cottbusser etc.

  15. 15

    du brauchst vor allem ein konzept, das über jahre durchgezogen wird. von der jugend an. und dann holtst du spieler, die da rein passen. wie lange hat henry in barcelona gebraucht!!! aber es hat sich gelohnt.

    und: vor allem brauchen die bayern mal einen hochkaräter in der defensive.

  16. 16

    @Frédéric: Gibts dann Samstags wieder Lebensmittel zum Spieltag? Büddebüddebüdde… Oder kommt ein neues Konzept weil dir keine Assoziationen mehr einfallen?

  17. 17
    Frédéric Valin

    @Tobias K.: Doch, Assoziationen gibts noch genug: es werden wieder Lebensmittel gereicht.
    (Bloß Lebensmittel fallen mir keine mehr ein.)

  18. 18

    Klinsmann ist einfach ein hervorragender Manager und Abzocker aber kein Trainer. Wie war das noch mal mit dem Zitronenfalter?

  19. 19
    bunki

    Immer Samstags? Hier? Oder mal wieder bei Fooligan?

  20. 20
    Frédéric Valin

    Hier! Kommt auch sofort, ich hab ihn Rerik bloß keine Premiere-Sportsbar gefunden.

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