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Pro No: Gedanken über den Berliner Volksentscheid zum Ethik- und Religionsunterricht (Update)

Update 26.4.09, 21:30: Die Initiative ProReli ist gescheitert.

Das Traurige an dem am Sonntag anstehenden Berliner Volksentscheid über den künftigen Ethik- beziehungsweise Religionsunterricht ist, dass sowohl Pro Reli als auch deren Gegner auf ihren Plakaten billig und blöd an der eigentlichen Sache vorbei argumentieren.

Es geht bei dieser Abstimmung nicht um Wahlzwang oder Wahlfreiheit. Beide Modelle (Ethik plus freiwillig Religion vs. Ethik oder Religion) zwingen einem eine Wahl auf, in beiden Fällen kann ich mich freiwillig für oder gegen Religionsunterricht entscheiden. Diese pseudopathetische Volksverdummung durch den sinnlosen Gebrauch des Wörter „žFreiheit“ und „žZwang“ auf beiden Seiten müsste eigentlich zur Ablehnung beider Seiten führen.

Andererseits geht es hier um eine brisante Frage, die Bildungs-, Integrations- sowie Kulturpolitik betrifft und darüber hinaus auch grundsätzlich das Selbstverständnis der Gesellschaft berührt. Deshalb auch hier ein paar Gedanken zum neuen Berliner Kulturkampf.

Zugegeben, in der von Pro Reli mit diesem Volksentscheid in Frage gestellten jetzigen Lösung für den Berliner Unterricht der Sekundarstufe I (und nur für die, also Klasse 7-10) steckt der Zwang, dass alle Schüler ohne Ansehen ihres Glaubens gemeinsam in den Ethikunterricht gehen, während sie Religionsunterricht auch in diesen Jahren weiter freiwillig machen können. Ist das so schlimm?

Mir erscheint es durchaus sinnvoll, Religion an Schulen zu unterrichten. Profundes Wissen über Religionen ist im besten Sinne aufklärerisch und hilft, jede Menge Zusammenhänge in allen möglichen Themenfeldern zu verstehen. Das geht los bei der durch Religion geprägten Kunstproduktion allerorten. Wer bibelfest ist, versteht jede Menge Kinofilme und Weltliteratur auf einmal viel besser. Kenntnisse in der Osterliturgie können in der Argumentation gegen das Tanzverbot am Karfreitag nicht schaden. Ein paar Lektionen zur Interpretationstradition Heiliger Texte zeigen schnell, dass diese nie ernsthaft wörtlich genommen werden können, weil es immer eine widersprüchliche Stelle ein paar Seiten weiter gibt. Eine solche Erkenntnis hilft gegen das Geschwätz mancher Fanatiker, ob sie nun für Köln, Allah oder Jesus sind.

Nur: Religionsunterricht als Wahlpflichtfach bedeutet, zwar unter staatlicher Aufsicht an staatlichen Hochschulen aber mit massivem Einfluss (bspw. bei Personalentscheidungen) der Kirche ausgebildete Lehrer unterrichten einen Stoff, den sie selbst nicht einigermaßen objektiv-analytisch anschauen, wie Physiklehrer die Thermodynamik, sondern an den sie selbst glauben. Religionslehrer sollen für die Kirche den Glauben unterrichten, nicht nur über Glauben. Also ersetzt auch der im Gesetzentwurf von Pro Reli eingeschriebene Kooperationszwang zwischen den Religionsunterrichten keine kirchenunabhängige Religionskunde.
Ein Grundbaustein aller modernen Demokratien ist die Trennung von Staat und Religion. Das klappt zwar in Deutschland nicht richtig, wie staatlich eingezogene Kirchensteuer, kirchliche Mitsprache in öffentlich-rechtlichen Medien und eben Religion als Wahlpflichtfach zeigen, aber das ist doch gerade ein Grund, diese Verquickung schleunigst zu lösen!
Denn spätestens, wenn Menschen verschiedener Religionen in einer Gesellschaft zusammenleben, sind die, deren Glauben nicht zum Staat gehört, mindestens strukturell benachteiligt. Einer Stadt wie Berlin, in der eine Vielzahl von Weltanschauungen nebeneinander bestehen, muss es im Sinne eines gemeinsamen Miteinanders daran gelegen sein, dass in den staatlichen Bildungseinrichtungen alle gemeinsam ohne kirchlichen Einfluss über ihre Religionen und auch areligiöse Wertesysteme lernen.

Pro Reli behauptet, dass es ihnen um Religionsunterricht für alle Religionen geht, doch wie ernst zu nehmen ist das?
Staatliche Ausbildungen für Wahlpflicht-Religionslehrer an öffentlichen Schulen gibt es momentan für Katholiken und Mainstream-Protestanten. Für den Islam wird derlei diskutiert. Doch der Islam ist zwar monotheistisch aber nicht monolithisch. Sunniten, Schiiten, Aleviten sind sich oft genausowenig einig wie die christlichen Konfessionen. Sollen die in einen Islamunterricht für alle gesteckt werden oder entwickeln wir schnell ganz viele Islamunterrichte? Jüdische Religion und Buddhismus werden in Berlin zwar wie Islamunterricht freiwillig angeboten, sogar alevitischen Unterricht gibt es für 128 Kinder. Aber all das nicht an jeder Schule und eben nicht in Form eines Wahlpflichtfachs . Auch hier müsste erstmal ein Lehrplan und eine Lehrerschaft ausgebildet werden. Ähnliches gilt für Freikirchen. Wie viele Hindus gibt es in Berlin? Und was ist mit Jesiden oder den Kindern unter den über 200 Bahá’í in Berlin?
Würde Pro Reli am Sonntag gewinnen, könnten sich die Schäfchen von Bischof Huber und Kardinal Sterzinsky ins relativ gemachte (s.u.) Unterrichtsnest setzen. Alle anderen Religionsanhänger schauen erstmal in die Röhre. Einige würden aus dem rein pragmatischen Grund, zu wenige zu sein, wohl nie ihre Religion als Wahlpflichtfach erleben. Auf freiwilliger Basis wie jetzt wäre ein solcher Unterricht einfacher einzuführen. Minderheitenschutz und echte Gleichberechtigung sehen anders aus. Die ist gegeben, wenn alle Schüler im gemeinsamen Unterricht etwas über Glauben, Werte und Religionen lernen.

Viele argumentieren an diesem Punkt, dass der Berliner Ethikunterricht schlecht sei. Falls dem so wäre, frage mich aber, ob das grundsätzlich gegen ihn oder für seine Reform spräche.

Ich komme nochmal zur nötigen Ausbildungsoffensive im Falle eines Pro Reli-Sieges. Es gibt für diesen Fall noch nicht genug Religionslehrer (1/2) in der Stadt, denn in einem Wahlpflichtfach müssen Lehrer mit Staatsexamen unterrichten, in einem freiwilligen Fach nicht. Selbiges gilt für Ethik, dass ja im Moment nur in vier Schuljahren angeboten wird und nicht wie von Pro Reli gefordert neben Religion für alle Jahrgänge.
Allein diese dann nötigen neuen Lehrer müssen erst einmal angeworben oder ausgebildet und dann auch noch bezahlt werden. Berlin beteiligt sich jetzt schon mit 90 Prozent an den Kosten des freiwilligen Religionsunterricht. Die neuen Lehrer im Wahlpflichtfach würden deutliche Mehrkosten verursachen.
Dass in dieser Stadt die Steuereinnahmen nicht gerade wachsen und eine gewisser Geldmangel herrscht, daran kommt keiner vorbei. So toll es ist, wenn Menschen in Lohn und Brot genommen werden können, gibt es nicht dringenderes in der Bildungs- und Sozialpolitik als die massive Aufwertung eines Schulfachs, die nur den Einfluss der großen und mächtigen Kirchen an den Schulen stärkt?

Ein Sieg für Pro Reli wird teuer für Berlin, er trennt Schüler mehr als er verbindet und nützt in allererster Linie der katholischen und evangelischen Kirche, die sich so mit Steuergeldern ihren Einfluss als Weltanschauungslobbyisten bei unseren Kindern und in staatlichen Organen sichert.

Deshalb morgen: NEIN zu Pro Reli.

Weiterführende Links und Quellen:

Homepage Pro Reli / Pro Reli auf Twitter
Homepage Pro Ethik / Pro Ethik auf Twitter
Christen pro Ethik
Infos zum Volksentscheid (eines ProReli-Gegners, dennoch ausführlich und in sachlichem Ton)
Religionsunterricht in Deutschland
Toller Essay der Schriftstellerin Julia Franck zum Thema (via)

67 Kommentare

  1. 01
    Mat

    Ich kann deiner Ansicht vollkommen zustimmen. Außerdem bezweifel ich, dass ein Schulkind im Alter von 5, 6 oder 7 Jahren entscheiden kann, welches Wahlpflichtfach es besuchen möchte. Daher werden zwangsläufig die Eltern diese Entscheidung treffen. Wenn Kinder sowieso schon in einem sehr gläubigen Haushalt groß werden, bin ich der Ansicht, sollte die Schule einen Kontrast dazu bilden und ein ungläubiger, freier Raum bleiben.

  2. 02
    Dominik

    Schöner Artikel, auch wenn ich der Schlussfolgerung persönlich nicht folge.
    Nur der Absatz über die (nicht vollzogene) Trennung von Kirche und Staat hat mich gestört. EIne säkulare Gesellschaft und Demokratie zu haben bedeutet ja nicht den Ausschluss von Kirche, Gläubigen und Religion im allgemeinen aus Gesellschaft und Demokratie zu betreiben. Das wäre doch sehr undemokratisch. Religion muss somit ein MItspracherecht geniessen um die pluralen gesellschaftlichen Meinungen und Werte auch in die Schulen zu tragen und diskutieren zu können.
    Das es dabei ausgebildete Religionslehrer bedarf die MItglied einer christlichen Kirche sind, ist daher von Nöten als das man Religion wie auch Ethik nicht ohne einen eigenen religiösen/ethischen Background fundiert und glaubhaft unterrichten kann. Das der Religionslehrer nur weil er Mitglied einer Kirche ist nicht gleich alle Meinungen dieser Kirche teilt sollte wohl selbstverständlcih sein. Ansonsten würde man einem Großteil der Gesellschaft (z.B. auch Politikern und Ärzten) eine eigene Meinung absprechen, nur weil sie MItglied einer Kirche sind.
    Aber wie gesagt, ein schöner Artikel der alles fragwürdige an den Aktionen nochmal zusammenfasst.

    MIt freundlichen Grüßen
    Dominik
    Dominik

  3. 03

    Ich bin für konfessionellen Religionsunterricht als ordentliches Schulfach, aber der Artikel trifft trotzdem in vielen Punkten zu. Insbesondere haben sich die Kirchen mit der Art und Weise, wie die Debatte befeuert wurde, überhaupt keinen GEfallen getan. Wenn morgen also ein „Nein“ herauskommt, haben die Initiatoren sich das selbst zuzuschreiben, wenn die Mehrheit mit „Ja“ stimmt, bin ich auch nicht böse – schließlich wäre das in der Sache ein Fortschritt und besonders niveauvoll hat sich nach meinem Eindruck der Senat auch nicht verhalten.

  4. 04

    @Mat es geht nicht um 5jährige, sondern um 12, 13jährige +.
    daher find ich es schon traurig, dass in dieser wichtigen frage nicht die kinder gefragt werden. meiner meinung nach sollte man das tun. mitspracherecht als thema der diskussion wäre im übrigen ein super aufhänger für die pro ethik menschen gewesen (damit hätte man einen teil des unterrichts gleich einer breiteren masse zukommen lassen können). aber verpasst.
    ansonsten wie björn.

    pro ethik

  5. 05

    Ein guter Artikel, schon deshalb, weil er nicht so platt geschrieben ist, die die meisten Meinungsstücke in der Zeitung.

    Werde trotzdem mit ja stimmen, weil ich die jetzige Lösung besonders ungünstig finde. Außerdem tun mir die Schüler an Schulen kirchlicher Träger leid, denn die müssen momentan beide Fächer belegen, was durch die Verkürzung auf 12 Schuljahre und die Abschaffung des Samstagsunterricht ziemlicher Overkill ist.

    Man könnte natürlich argumentieren, daß es Selbstverschulden ist, wenn man nicht an einer staatlichen Schule ist. Jedoch kosten diese Schulen das Land weniger und sind teilweise qualitativ besser. Es gibt keine Gründe, dieser Schulform Hürden in den Weg zu legen.
    Daß das eine pro-atheistische „Linke“ anders sieht, ist natürlich auch klar.

  6. 06
    Andi

    Staatlicher Religionsunterricht wäre eine extrem beunruhigende Vorstellung, denn es folgt ja gerade aus dem Gebot weltanschaulicher Neutralität, dass der Staat selbst keine religiösen Inhalte verbreitet. Daher ist völlig selbstverständlich, dass Religionsunterricht nur von Vertretern der jeweiligen Religion erteilt werden kann; der Inhalt wiederum folgt allgemeinen Lehrplänen und nicht dem reinen Gutdünken der jeweiligen Lehrkraft. Der „Vorsprung“ christlicher Kirchen dabei hängt damit zusammen, dass anderswo eindeutige Ansprechpartner für den Staat fehlen. Das kann man aber kaum dem Staat anlasten.

    An der Kirchensteuer verdient der Staat übrigens, weil die Kirchen für diese Dienstleistung Gebühren bezahlen müssen, die die tatsächlichen Kosten der Verwaltung übersteigen. Und bezüglich der Bedeutung von Religion für die Gesellschaft gilt das Böckenförde-Paradoxon.

  7. 07
    earl

    Nett beschrieben, ich werde auch für „Nein“ stimmen.

    Aber ich will anmerken, dass ich noch keinen gläubigen Theologen kennen gelernt habe.

  8. 08

    Bin ich froh in Brandenburg zuleben. So bleibt mir diese inzwischen unseelige Debatte und Wahl erspart!

    Obgleich eine gesunde, profunde Glaubensvielfalt unserem Land gut zu Gesicht stünde! Nur so wie eben in Berlin, so wird das unter Garantie nichts. Niemals!

  9. 09
    *ch*

    Danke für einen wirklich guten Artikel.

    Was ist am allerbesten bei den proReli-Leuten finde, ist die oftmals vorkommende Wahl einer Bekenntnisschule (Schule mit privatem Träger) für ihre Kinder… Das zeigt für mich auch die Lächerlichkeit dieser Initiative.

    Nichtsdestotrotz geht – wie von björn gut beschrieben – diese Abstimmung am Problem vorbei. Ich finde als ehemailger Schüler einer o.g. Lehranstalt auch weiterhin gut, Religionsunterricht, der sich mehr an Philosophie orientierte, genossen zu haben.
    Aus Integrationsgründen bin ich aber für die Beibehaltung von Ethik. Aber nicht unter dem Schirm des HVD. Die Aussagen finde ich genauso verblendet, wie von der ProReli-Initiative…

  10. 10

    Ich kann mich noch gut an meinen katholischen Religionsunterricht in der Grundschule erinnern. Wir haben Kreise an die Tafel gemalt, um die Unendlichkeit Gottes aufzuzeigen und uns tierisch gefreut als wir die Antwort auf die Frage „Wen gab es früher, die Katholiken oder die Protestanten?“ hörten. Immer brav getrennt von den Andersdenkenden. Natürlich musste ich später Ministrant werden (nicht aus direktem Zwang, sondern als logische Schlussfolgerung dieser Gehirnwäsche).
    Wie kann man das nur wollen und gleichzeitig über mangelnde Integration und Toleranz jammern? Man kann doch nicht Toleranz lehren und eine Trennung nach Glauben (was gerade in Berlin einer Trennung nach Ethnie gleichkommt) durchführen. Aber wenn man der Zukunft den Rücken kehrt, kann man auch das sicher als Fortschritt verkaufen.

  11. 11
    peter h aus b

    Toller Artikel, der die Misere auf den Punkt bringt. Ich stimme mit Nein.

  12. 12
    fh

    Der in meinen Augen relevante Punkt versteckt sich in einem Absatz: Die der Qualität des Unterrichts. Ich habe bei einem sehr guten und offenem evangelischem Religionslehrer in meiner Schulzeit viel über das ganze Spektrum „Glauben“ gelernt, von den Unterschieden und Gemeinsamkeiten der verschiedenen Religionen, Erkenntnissen zum „geschichtlichen Jesus“, ethische Überlegungen, und auch die Geschichte der christlichen Kirche von Ablassbrief bis Hexenverbrennung. Dazu noch etwas Kultur und Sozialtheorie, und das ganze fast nie als Frontalunterricht, sondern als ziemlich interessantes Miteinander. Der Ethikunterricht parallel hingegen war eher so ein „wir lesen mal nonstop sozialkritische Texte miteinander, und wenn wir fertig sind machen wir mit dem nächsten weiter“ Null-Aufwand-Für-Den-Lehrer-Ding. Das einzige was da für mich hängen blieb ist ein nicht unbedingt rational gerechtfertigter Fluchtinstinkt wenn ich Adorno höre.

    Wenn ich diese beiden Alternativen miteinander vergleiche bin ich ganz klar „Pro Reli“, aber sowas von.

    Wenn ich aber – ich stamme aus einer erzkonservativen süddeutschen Region – den katholischen Religionsunterricht mit Ethik vergleichen würde, dann sähe die Entscheidung mit Sicherheit plötzlich sehr, sehr anders aus. Es steht und fällt mit dem Lehrer, die Inhalte sind in Ethik und Religion so unterschiedlich nicht, wenn man modern, ehrlich und aufgeklärt agiert.

    Daher habe ich mich dafür entschieden, morgen gar nicht abzustimmen. Beide Optionen haben Vor- und Nachteile, und der Stil der Kampagne auf beiden Seiten war typisch Berliner Politk, in erster Linie unter aller Sau.

  13. 13
    Stephan

    Ein interessant geschriebener Artikel, dem ich in den Punkten, in denen es um die Argumentationsweise beider „Parteien“ geht, zustimme. Ich finde die Plakate und Handzettel auf der Straße platt und nicht den Kern treffend. Es geht nicht um Wahlfreiheit oder irgendwelche Machtspielchen zwischen Senat und Kirche. Es geht um die ordentliche Vorbereitung der Schüler auf das Leben nach der Schule. Und da gehört meiner Meinung nach Religionsunterricht dazu, in dem Werte vermittelt und die verschiedenen Religionen vorgestellt werden. Nur so kann jeder Einzelne sich ein Bild vom gesamten machen und sich für oder gegen etwas entscheiden oder von mir aus auch für nichts.
    Ich bin neu nach Berlin gezogen und war entsetzt darüber, dass den Kindern Leute in frei wählbaren Religionsfächern vorgesetzt werden, die keinerlei Ausbildung haben und nicht „kontrolliert“ werden. Warum gibt es diese Angebote denn in der Schule? Schule ist eine Form staatlicher Bildung und kein Raum für mögliche ungeschützte Propaganda.

    Also: Pro Reli stimmen!

    Ps: Die Sache mit dem Geld finde ich Augenwischerei. Berlin ist das einzige Bundesland in Deutschland, das noch an dieser altertümlichen Regelung festhält. Wir können ja auch weiter auf Kutschen fahren, wennuns die Autos zu teuer sind.

  14. 14

    @häusler: das mit den 5/6/7- vs. 11/12- jährigen stimmt nicht ganz. Der Pro Reli-Entwurf sieht ja vor, dass das Wahlpflichtfach dann ab der 1. Klasse eingeführt wird. Daher sind schon auch die ganz Kleinen „betroffen“. Aber grundsätzlich hast du auf jeden Fall recht.

    Es gibt übrigens vom LandesschülerInnenausschuss und von der Landesschülervertretung jeweils Mitteilungen, die den Pro Reli-Entwurf ablehnen und zum Kreuzchen beim Nein aufrufen. (via)

  15. 15

    Ich kann mich noch gut an meinen (katholischen) Religionsunterricht in der Grundschule erinnern. Wir haben Kreise an die Tafel gemalt um die Unendlichkeit Gottes aufzuzeigen und uns tierisch gefreut, als wir dir Antwort auf die Frage „Wer war zuerst da, die Katholiken oder die Protestanten?“ hörten. Immer brav getrennt den allen Andersdenkenden. Natürlich musste ich später Ministrant werden (nicht durch direkten Zwang, sondern als Resultat aus dieser Gehirnwäsche).
    Sicherlich hängt der Unterricht zu 90% vom Engagement und den Fähigkeiten des Lehrers ab. Wer aber sollte in Zukunft die Rahmenbedingungen, die Auswahl des Lehrers und seinen Lehrplan, bestimmen? Für mich ganz klar: Nicht die Kirchen. Egal welche.
    Ich kann einfach nicht verstehen, warum wir uns als Gesellschaft auf dem Gebiet der Ideologiefreiheit nicht weiterentwickeln können. Toleranz und Integration zu wollen, sie hoffentlich sogar zu lehren, gleichzeitig aber die Schüler nach Glauben (und gerade in Berlin damit größtenteils nach Ethnie) zu trennen, wie soll das funktionieren? Aber wenn man der Zukunft den Rücken kehrt, kann man so etwas sicherlich auch als Fortschritt verkaufen.

  16. 16

    Für mich fängt die Kritik bereits viel früher an, auf einer formalen Ebene: Der von Pro Reli propagierte Gegensatz ist eine falsche Dichotomie, eben aufgrund des unterschiedlichen Anspruches – das ist im Übrigen ein Argument, mit dem auch die (leider recht minder vertretenen) staatsfernen Christen etwas anfangen können.
    Was die Sache mit dem Wahlzwang angeht: Klar, das ist plump – aber es stimmt ja, man wird danach nicht beides belegen können. Es geht hier also im Kern um die Schaffung von Parallelgesellschaften, deren Basis die Unvernunft und Unmündigkeit des Einzelnen ist; nicht gerade ein toller Ausblick.

  17. 17
    shortee

    Propaganda für alle! Jedes Grüppchen in seinen Käfig!

  18. 18
  19. 19
    Stephan

    …besser als „alle gleich“! Das ist vorbei!!

  20. 20
    monk

    Ich verstehe die Diskussion irgendwie nicht. Denn ich verfolge sie nun in der taz schon über längere Zeit… aus Sachsen. Hier wird seit jeher zwischen Ethik und Religion entschieden. Zu allem Überdruss war ich sogar noch auf einer christlichen Grundschule; geschadet hat es mir kein bisschen. Und die Qualität des Unterrichts ganz objektiv betrachtet würde ich über der des Ethikunterrichts ansiedeln.
    Ich habe den Unterricht nicht regelmäßig besucht aber saß eben doch immer mal drinnen (da vielleicht 90% aller Ethik besuchten, hatte ich da eben oftmals eine Freistunde). Und das war zwecklos! Irgendwie waren es immer seltsame Diskussionen über gesellschaftliche Themen, deren Bedeutung man sich aber nie bewusst werden konnte. Weil wirklich kritisch nie wurde. Stattdessen wieder eine Gruppenarbeit, wieder ein unterirdischer Vortrag usw.
    Die kritische Brille der Religionslehrer hilft da enorm. So kritisch man das als Laizist betrachten möge – es hilft wirklich. Ob man nun in der Konsequenz dann zu eine christlichen Ansicht der Dinge kommt, ist den Religionslehrern nämlich ziemlich egal. Die Religionslehrer, die ich kennenlernen durfte waren alles engagierte Menschen, die die Bildung, aber keinesfalls die Indoktrination der Schüler.
    Das mag nun im Einzelfall abweichen, aber ich kann nur aus meiner Erfahrung sprechen. Und die ist ausnahmslos gut.

  21. 21
    shortee

    Aha, richtig gutes Argument.
    Da bringen wir doch lieber den Kleinen bei, dass die Anderen anders sind, arm dran, weniger wert, weil sie nicht an (hier bitte irgendeinen imaginären Freund eintragen) glauben.

  22. 22

    @Dominik: Wäre Religion eventuell 100% so aufgebaut und demokratisch wie der Staat und seine Parteien könnte man ein Mitspracherecht einräumen, aber da dei katholische Kirche zum Beispiel einer ausländischen Monarchie folgt ist dies nicht sonderlich demoktatisch und warum sollte andere Staaten dadurch einen Einfluss in hier gewinnen ?

    Über Ethik kann eine Grundlage geschaffen werden mit dem die Kinder über Religionen lernen und so eine freie Entscheidung treffen können ob und welche Religion sie haben wollen.

    Für diese freie Wahl steht nicht ein Religionsunterricht der sogar religöse Ansichten dann, wie hier auch im Artikel beschrieben, ausschliesst.

    Ferner muss man Religion als Fach dann auch benoten, wie soll das gehen ?
    Wenn man dann kritisch am Unterricht mitarbeitet kann es daraufhin kommen das man schlechter benotet wird ?

  23. 23
    Peter Nord

    Hört mit eurer Zwangskacke auf: Gegen Ethikunterricht! Gegen Religionsunterricht! Weltanschauung ist Privatsache! Nur in totalitären Systemen ist das anders.

  24. 24
    desordenpublico

    Eigentlich ist alles gesagt. Ich möchte aber noch einmal auf zwei Punkte hinweisen:

    1. Es geht hier nicht um irgendwelche persönlichen Erfahrungen, sondern um eine Grundsatzentscheidung pro Ethik oder pro Reli! Wie gut Unterricht ist hängt von der Ausbildung der Lehrer/innen, von deren Persönlichkeit und von den Inhalten des Unterrichts ab.

    2. Werte haben nicht zwingend etwas mit Glauben zu tun und wenn sich Gläubige oder Ungläubige auf gemeinsame Werte für unser Zusammenleben einigen wollen müssen diese „jenseits“ von religiösen Werten liegen. Der Ethikunterricht wäre ein Ort dafür, voneinander getrennt geht so etwas schlecht.

  25. 25
    Andreas

    Diese Initiative zeigt genau wie der Volksentscheid zur Schließung von Tempelhof die Gefahr solcher Volksentscheide. Eine Organisation mit viel Geld veranstaltet eine Unterschriftensammlung mit großem Brimborium. Viele Leute dafür zu finden, ist auf diese Weise nicht schwer, zumal der Eindruck erweckt wurde, es wäre den Schülern nicht möglich, sich frei für Religionsunterricht zu entscheiden.

    Im Grunde geht es den Unterstützern von ProReli doch nur darum, dass Religion als zusätzliches Fach gewählt werden muss, was zu mehr Stunden führt. Das war immer so in Berlin – bereits vor dem Fach Ethik.

    Dann kam es zur Einführung des Faches Ethik, weil es der Wandel der Gesellschaftsstruktur erforderte, übergreifend Moralvorstellungen zu vermitteln. Wenn man sich den Lehrplan des Faches Ethik ansieht, sieht man, dass Ethik nicht in Konkurrenz zur Religion steht, weil die Hauptthemen nicht die Religion betreffen. Es wäre fatal, Religionsunterricht als Ersatz zum Ethikunterricht zu ermöglichen.

    „Der Berliner Pfarrer Stephan Frielinghaus sagte, er wolle nicht, dass Migranten nur aus der Sicht des Islams etwas über Homosexualität erfahren. Und katholische Kinder sollten nicht nur im katholischen Religionsunterricht etwas über Abtreibungen hören.“

    Das denke ich auch.

    http://www.berlin.de/sen/bildung/schulorganisation/lehrplaene/
    http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,604247,00.html

  26. 26
    Dominik

    @Sebastian: Gruppierungen aus der Gesellschaft (und dem Willensbildungsprozess) auszuschließen nur weil sie nicht 100% demokratisch organisiert sind kann nicht Sinn und Zweck von Demokratie sein. So ist weder die Wirtschaft, die Medien noch die Politik 100% demokratisch organisiert in jedem Bereich gibt es Machtkonzentrationen und Interessenverbände. Auch Physik, Mathe oder Chemie sind nicht 100% demokratisch organisiert und trotzdem werden diese Fächer gelehrt.

    Damit kommen wir zum zweiten Punkt, natürlich kann man auch Religionsunterricht bewerten, da Theologie wie Germanistik oder Philosophie eine wissenschaft ist und im Religionsunterricht nicht Glauben gelehrt wird sondern es wird über Glauben gelehrt/berichtet (und nicht nur über den christlichen)

    Desweiteren bin ich für einen Wahlpflicht Religionsunterricht da man besser lernen kann wenn man vom Bekannten zum Unbekannten voranschreitet. Jeder kennt zum Beispiel Weihnachten und hat sofort assoziationen zu diesem Fest, zu Chanuka fällt einem jedoch sicher weniger ein.
    Es ist einfacher den Glauben anderer über eigene Glaubenserfahrungen (damit meine ich zum Beispiel Ostern, Weihnachten und Beerdigungen und nicht „göttliche Offenbarungen“ o.ä.) zu erarbeiten, verstehen und zu respektieren.

  27. 27
    earl

    Ein Berliner Lehrer hat mir gestern gesagt, dass das neue Fach Ethik auch nicht mit dem alten „Lebenskunde“-Religionsunterrichtsersatz vergleichbar sein wird.

    Das neue Fach Ethik wird wohl nicht nur einfach ein paar allgemeingültige moralische Regeln für persönliches Handeln vorsetzen (quasi als kleinster gemeinsamer Nenner der Kulturen), sondern wirklich Ethik im Sinne der praktischen Philosophie umfassen und somit auch Fragen stellen (und beantworten), die die Religion gar nicht stellt.

    Die Details sind mir leider auch nicht bekannt, aber das ist ein wichtiger Punkt, wenn die Qualität des alten Unterrichts als Argument angeführt wird.

  28. 28
    Andreas

    @earl (27) Welches neue Fach Ethik? Ethik wird bereits unterrichtet und nach bekanntem Lehrplan.

  29. 29
    Michael

    Wenn es ohnehin Schulen mit kirchlichen Trägern gibt, wie nerdbert schreibt, warum soll dann an staatlichen Schulen Religion gelehrt werden? (Ich meine hier Religion im Sinne von „den eigenen Glauben verbreiten“, wie es auch hier in Österreich gehandhabt wird, und nicht Aufklärung über religiöse Systeme, wie sie im Fach Ethik gelehrt werden sollte). Religiöse Eltern können ihre Kinder ja dort unterrichten lassen.

    Grundsätzlich finde ich die gesamte Debatte absurd. Es ist, als würde ich fragen: Sollen meine Kinder im Fach Politische Bildung neutral über politische Systeme aufgeklärt oder von NPD-Regionalpolitikern bzw. Mitgliedern der militanten gruppe unterrichtet werden?

  30. 30

    Guter Artikel.
    Ich stimme 100% zu.
    Schule und Politik sind 2 Themen, die nicht miteinander vermischt werden sollen.
    Wer einer Religion angehört, darf dies gerne ausleben, aber nicht an einer staatlichen Schule in der Zeit, wo mein Kind Unterricht haben soll..

    Ich finde, dass ProReli dazu führt, dass Glaubensgemeinschaften eher noch weiter getrennt werden, nicht integriert, wie ProReli gerne plädiert…

    ich stimme für NEIN

  31. 31

    Diese Idee, dass Schule irgendwie neutral ist, halte ich für absurd. Das betrifft Reli genauso wie jedes andere Fach.
    Diese Wortmonster wie Wahlpflichtfach sind meiner Meinung nach idiotisch. Vielleicht wäre es mal an der Zeit umzudenken und die Bildung der Kinder nicht genau den Leuten anzuvertrauen, die auch das Internet zensieren.
    Fehlinformation ist das Geschäft der Politik. Und genau diese Leute machen unser Bildungssystem. Da kann ich mich nur wundern.

  32. 32
    Gerold

    Vielen Dank für den Artikel. Auch wenn ich mit der Schlussfolgerung persönlich nicht übereinstimme- dieses Niveau hätte ich mir in der gesamten Diskussion gewünscht. Ich verstehe diese Aufregung nicht wirklich, zu meiner Schulzeit vor 20 Jahren in Niedersachsen gab es bereits den „Wahlpflichtfach-Komplex“, entweder ev. oder kath. Religion, alternativ „Werte und Normen“. Hat nicht weniger oder mehr Psychopathen oder erfolgreiche Existenzen hervorgebracht als woanders auch. Der Witz: Werte und Normen wurde oftmals von den Religionslehrern unterrichtet, ab und an mal ein Gemeinschaftskunde-Lehrer. Irgendjemand musste das nämlich anbieten. Und, mal genauer hingesehen, im Religionsunterricht wird ja nicht den ganzen Tag mit der Synopse an der Bibel rumgedeutet. Die thematische Überschneidung zwischen Werte und Normen (heute dann wohl Ethik) und Religion lag bei 80%: Themen wie Umweltschutz, Freundschaft, Sexualität, Friedensbewegung, Okkultismus, Drogenprävention etc. standen auf allen Stundenplänen.
    Ich habe die Möglichkeit einer intensiveren Betrachtung, meine Frau ist Religionslehrerin. Und eines sei angemerkt- sie kann sehr wohl zwischen eigenem Glauben und Unterrichtsstoff unterscheiden. Dieses Maß an Professionalität sollte (!) jeder Lehrer mitbringen. Ich selber bin zwar in einer gewissen Form gläubig, allerdings aus der Kirche ausgetreten. Ich habe ein Problem mit der Institution Kirche, dabei war ich mal für 6 Jahre Kirchenältester in meiner Gemeinde. Sicherlich eine merkwürdige Konstellation, aber das soll nicht das Thema sein. Und wir wählen übrigens beide auch nicht CDU, auch wenn man gerne in den Topf geworfen wird.
    Im Vergleich zu Berlin bietet Hamburg einen wirklich interessanten Religionsunterricht. Meine Frau hat dort alle Schüler bezogen auf ihre Religion im gleichen Unterricht betreut. Jede Konfession hatte ihren ebenbürtigen Platz, egal ob Christen, Moslems, Juden oder Buddhisten (kleinere Religionsformen waren dort nicht vertreten). Neben den oben genannten gemeinsamen weltlichen Themen wurden alle Religionen behandelt und gemeinsam diskutiert- und das war durchaus eine große Aufgabe. Vermittel mal zwischen frischkonfirmierten Evangelen, die Jesus als Sohn Gottes verstehen und gläubigen Muslimen, die Jesus nur als Propheten ansehen, der Mohammed ankündigt. Die Diskussionen waren breit, oft auch emotional. Aber neben der Vermittlung der kulturhistorischen Sicht ging es vor allem um das Finden einer Identität, Verständnis für andere Welt- und Glaubensansichten und den gegenseitigen Respekt. So eine Form würde ich mir auch für Berlin wünschen.
    Egal wie man persönlich zum Volksbegehren steht- mich ärgert der platte Populismus, die verschwendeten Millionen und der angeschlossene Parteikampf. Ein Senat, der wissentlich nicht erlaubt Steuergelder verschwendet, ein Bürgermeister, der mal wieder Sonnenkönig spielt und vorab ankündigt, dass, egal wie das Ergebnis aussehen wird, die Forderung nicht umgesetzt wird- sind denn Volksentscheide nur ein Placebo, damit der Bürger das Gefühl hat, er hätte wirklich eine Stimme? Dieser Nebenschauplatz passt einfach ins Konzept des Superwahljahres mit seinen politischen Denkschubladen. Und führt bei mir zu allem zu eins: Politikverdrossenheit.

  33. 33

    Stimme auf jeden Fall auch mit Nein.

    Bin trotzdem sehr unsicher wie es ausgeht. Ich befürchte ja, dass der Großteil der Berliner die morgen wählen, die Fragestellung gar nicht richtig verstanden haben… Diese ganze „Freie Wahl“-Kampagne war da sehr irreführend, finde ich.

  34. 34
  35. 35
    Jan(TM)

    Religion hat in Schulen nichts verloren.

    Auch Ethikunterricht ist eigentlich relativ sinnfrei wenn er, wie hier in Sachsen, scheinbar nur erklärt was andere glauben – aber darauf verzichtet atheistische Kinder auch atheistisch zu erziehen. Geht ja auch nicht, wenn die mit Muselmanen, ZJs usw. in einen Topf geworfen werden.

  36. 36
    Moses

    Moses sagt: Ihr sollt das Diesseits verspotten und Malak Tawus ein Lamm darbringen.
    Moses wird seine Gedanken zum Zeitgeist später in Stein meißeln und jeden damit erschlagen der widerspricht.
    Moses mag grüne Götterspeise und ist der Meinung, dass sie als schleimgeborene Vertretung des Engel Pfau auf Erden verehrt werden sollte. Achtet ihr Wabbeln! Es währt ewig und verkündet die Wahrheit.
    Außerdem mag Moses diese neumodische Musik nicht hören. Hört auf „Mash-Ups“ zu machen und lernt Geige zu spielen!
    Verdammt! – Moses mag das Fluchen. Mehr davon.
    Moses hat keine Zeit mehr. Tötet euch beim Versuch, den/seinen Grund zu ergründen…

  37. 37

    Ich möchte hier um die Unterstützung der vielen Pro Reli – Aktivistinnen und Aktivisten bitten, die ihr Projekt ja heute Abend auf die eine oder andere Art beendet haben werden. Ich möchte zur Initiative „Pro Astro“ aufrufen!

    Mit einem Mehr an Wahlfreiheit soll den Kindern eine sinnvolle Ergänzung ihrer schulischen Ausbildung gegeben werden. Sie sollen zwischen einem alltagsrelevanten Fach „Astrologie“ und dem eher unnützen Fach „Mathematik“ gleichberechtigt wählen dürfen.

    Die Zukunft unserer Kinder schützen! Die Freiheit wählen! Pro Astro helfen!

  38. 38

    Du schreibst, daß ein bekennender Religionsunterricht den Einfluß der Kirchen stärken würde. Religionsfreiheit heißt aber nicht nur, daß der Staat sich nicht in die Religion seiner Bürger einmischt, sondern auch, daß freie Religionsausübung ermöglicht wird. Ob dafür Religionsunterricht nötig ist oder nicht, darüber kann man streiten.

    Daß es aber den Einfluß der großen Kirchen gerade in Berlin unverhältnismäßig stärken würde, sehe ich nicht so — der atheistisch-weltanschauliche Unterricht, den der Humanistische Verband anbietet, wird im Moment genauso gefördert wie christlicher oder islamischer Religionsunterricht.

  39. 39

    Wieso hat man als bekennender Pastafari eigentlich nicht die Möglichkeit über das FSM zu erfahren?
    In heutigen Zeiten ist es immer wichtiger sich die ethische Frage auch aus dieser Richtung zu stellen. Besonders an den dogmatischen Staatsschulen ist diese Perspektive wichtig :)
    Nicht ganz ernst gemeint.

  40. 40

    Pro Esperanto

    Ich unterstütze Pro Astro und Pro No und fordere zudem ein Pro Esperanto. Das kulturbelastete Fach Deutsch, das wohl für die stärkste Ungleichheit in Schulen zwischen Deutschen und Migranten sorgt, muss abgeschafft werden und dafür Esperanto als Wahlpflichtzwangfreiwilligfach eingeführt werden.

    Pro Fantasie

    Zudem sollte Geschichte und Politik, also Fächer in denen die jeweiligen Landesregierungen den Kindern beliebiges erzählen (je nachdem ob Rot oder Schwarz oder der Lehrer gerade Links oder Rechts), durch das Fach Fantasie ersetzt werden. Fantasie ist viel zu wenig vorhanden und das was die Schulen uns in Geschichte und Politik erzählen ist teilweise eh frei erfunden … äh interpretiert.

    Es geht ja schließlich um unsere Freiheit fremde Kinder zu beliebigen Sachen zu zwingen und das ganze Bildung zu nennen.

  41. 41
    Björn Grau

    @stralau (37) Natürlich bedeutet Religionsfreiheit freie Religionsausübung. Aber muss das als ordentliches Schulfach unter Einfluss der Kirche sein? Chemieunterricht wird doch auch nicht von BASF-Werkslehrern gegeben. Selbst Sportunterricht ist nicht Aufgabe der örtlichen Turnvereine.
    Überhaupt gibt es ja auch in Berlin Religionsunterricht mit Kircheneinfluss, nur eben freiwillig aber dennoch staatlich mitfinanziert.
    Ich denke schon, dass zunächst einmal der Einfluss der großen Kirchen steigen würde. Die könnten fürs beim Wahlpflichtfach nötige Staatsexamen als einzige auf bundesweit etablierte Strukturen zurückgreifen, im Gegensatz auch zum Humanistischen Verband.

    Nur zur Klarheit für alle: Der weltanschauliche Unterricht des Humanistischen Verbandes ist NICHT der Pflichtunterricht Ethik (dessen Lehrplan ich im Text verlinkt habe, falls es interessiert).

    @Alle: Großes Danke für die ungemein sachliche Diskussion hier. Bei dem Krawall der dieses Thema sonst begleitet hat, muss das m.E. ernsthaft hervorgehoben werden.

    Noch ca. sieben Stunden und 15 Minuten sind die Wahllokale offen.

    Ich plädiere ebenfalls für Pastafari-Unterricht! ;-)

  42. 42
    Björn Grau

    Was mich von den Pro Reli-Menschen ernsthaft interessieren würde und hier in den Kommentaren keine Berücksichtigung findet:

    Ihr argumentiert alle aus christlicher Sicht. Wie stellt ihr Euch einen Wahlpflichtunterricht für kleinere Religionsgemeinschaften vor?

  43. 43

    Ach ja, was ich vergaß:

    Pro Schulzwang

    Ganz wichtig finde ich auch das Fach „Schule hilft allen bei allem gegen alles“. Hier lernen Menschen ganz früh, dass die Schule das einzige und das legitime und das eigentliche Mittel gegen alle Dummheit und für alles was gut ist ist. Pro Schulzwang soll Kindern helfen sich später leichter an andere Zwänge zu gewöhnen und auch in leyenhaft regierten Demokratien seine Ketten nicht zu spüren und Zensuren verständnisvoll zum eigenen Schutze zu begegnen. Zudem lernt man dort, dass Schule wirksam ist und uns allen ein besseres Leben ermöglicht und somit jegliche andere soziale Neuerung überflüssig macht. Dafür braucht man auch kein anderes Fach zu streichen, da die Schüler dort lernen, dass Schule so wichtig ist, dass sie gerne 8 Wochenstunden mehr vom Leben abknappsen darf.

  44. 44

    @Björn Grau
    :)
    Was würde ein Pirat tun? – sollte generell den nur schwer verständlichen und oberflächlich gelehrten Kantschen Imperativ in unseren Lehrplänen ersetzen.

    Ramen

  45. 45

    @Björn Grau: Das mit der Sachlichkeit gebe ich zurück, ich habe einen solchen unaufgeregten Artikel von Spreeblick bei diesem Thema nicht mehr erwartet. Zur Sache: die Wahlfreiheit betrifft ja zunächst sowieso nur die Schüler, die zum Religionsunterricht gehen wollen. Wer da nicht hinwill, für den ändert sich im Vergleich zu heute gar nichts.

    Was Lehrer mit Staatsexamen angeht, da sind Christen momentan im Vorteil, aber ich vermute, daß sich das gerade in Berlin für den Islamunterricht schnell ändern wird, daß also die Nachfrage zu einer ordentlichen Ausbildung an Univrsitäten fürhren wird, was ich als Chance sehe.

    Brauche Religionsgemeinschaften eine besondere Behandlung durch den Staat? Wenn man Religionsfreiheit nicht nur im negativen Sinne sieht, ergibt sich eine ähnliche Lage wie bei der Informationsfreiheit: man kann öffentlich-rechtliche Sender als unnütz und wettbewerbsverzerrend sehen. Oder man sieht sie als nötig gerade für die Informationsfreiheit an.

    Wo ich nun gerade den Bogen geschlagen habe :-) Ich bin ja sehr dafür, Rundfunkräte zu entschlacken. Da sind aber von Sportvereinen über Gewerkschaften bis hin zu Parteien alle möglichen gesellschaftlich relevanten Gruppen vertreten, insofern passen die Kirchen da auch rein.

  46. 46

    @Andreas: Nein, Ethik gibt es nicht an der Grundschule; «Lebenskunde» meistens auch nicht „” wohl aber Religion. Alle Kinder die nicht daran teilnehmen, müssen anderweitig während des Religionsunterrichts betreut werden. Und da viele Eltern Ihre Kinder nicht anders behandelt haben wollen denken sie halt: «Was soll“™s schick ich halt mein Kind in den Religionsunterricht. Es kann ja ab 14 (7. Klasse) selbst entscheiden ob“™s weiterhin Reli haben will.»

    Und genau das ist für mich der Grund Pro-Reli zu stimmen: Damit es schon ab der 1. Klasse Ethikunterricht gibt.

    Und machen wir uns doch nichts vor von wg. Trennung von Staat und Religion: der Religionsunterricht ist (bisher) nicht freiwillig „” zumindest von der 1. bis 6. Klasse „” und das Fach wird zu 90% vom Staat bezahlt „” und damit auch gefördert.

    Was mich interessieren würde: wieviel der Kommentatoren hier haben Kinder im Schulpflichtigen Alter?

    Wie siehst Du das Johnny? Was wilst Du für Deine Kinder? Ich will für meine Tochter Ethikunterricht. Und die Logik zeigt mir nur den Weg über «Pro-Reli»; zumal so der Unterricht auch mehr einer Staatlichen Kontrolle unterliegen würde.

  47. 47
    Thomas

    @björn(42): Ich hatte selber Religionsunterricht im Abitur als Grundkurs. Und wenn ich deinen Artikel lese, scheint es mir, als reden wir von verschiedenen Dingen. Du schreibst: „Pro Reli behauptet, dass es ihnen um Religionsunterricht für alle Religionen geht, doch wie ernst zu nehmen ist das?“

    Also ich wurde damals im Religionsunterricht tatsächlich über die Weltreligionen informiert. Der Schwerpunkt lag natürlich auf dem Christentum, gefolgt von Islam und Judentum, sowie Buddhismus und Hinduismus. Wir hatten auch ein Semester über Ethik.

    „Religionslehrer sollen für die Kirche den Glauben unterrichten, nicht nur über Glauben.“ Kann ich ebenfalls nicht bestätigen. Hattest du selber Religionsunterricht? Ist der Reliunterricht in Berlin so viel anders als in Mecklenburg?

  48. 48

    Schöner Text, der hoffentlich auch andere zum Nachdenken und vor allem auch zum Wählen anregt!

  49. 49
    Björn Grau

    @Thomas: Ebenso. Religions-Abitur mit 14 Punkten, jahrelang kirchlich aktiv. In Baden Württemberg. Und erst vor wenigen Wochen aus dem Verein ausgetreten.

    Der Satz mit „alle Religionen“ bezog sich nicht darauf, dass über alle Religionen gelehrt wird, sondern darauf, dass alle Religionen als Fach angeboten werden müssten im Sinne der Gleichbehandlung. Ich halte diese Separation für nicht gut, aber davon unabhängig ist sie auch noch ein Modell nur für Mehrheitsvertreter. Das halte ich für egoistisch und intolerant.

    Das einzelne Religionslehrer sehr guten Unterricht machen, steht für mich außer Frage. Aber das ändert nichts an der strukturellen Probleamtik der Verquickung von Staat und Kirche. Siehe dazu auch:
    http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/die-kirche-in-der-schule/

  50. 50

    @1000Sunny
    Der Artikel in der TAZ und auch das Gutachten sind ziemlich wertlos – meiner Meinung. Es berücksichtigt nämlich nicht die andere deutsche Besonderheit – den anderen deutschen Sonderweg. Keines der genannten Länder hat einen Schulzwang im deutschen Sinne. So können religiöse Leute – oder Religionsverweigerer oder Pastafaris ihre Kinder aus der Schule nehmen und sie im Rahmen einer Bildungspflicht bilden. Deutschland bietet diese Option nicht. Durch den deutschen Zwang zur aktiven Anwesenheit gestaltet sich bei uns die Fragestellung komplett unterschiedlich. Und die Regierung muss es allen recht machen.

  51. 51
    graup

    100%ige Zustimmung

  52. 52
    Vahan

    Manchmal wünsche ich mir, der Monotheismus wäre nie entwickelt worden.
    In der heidnischen Zeit hatte jeder seine Götter zuhause und ließ dem Nachbarn die seinigen. Oder er hing irgendeiner griechischen Philosophie an. Einen „wahren Gott“ gab es nicht.

    Erst die abrahamitischen Glaubenssysteme drängen doch in die Öffentlichkeit und wollen dass jeder sich ihren empirophoben Dogmen unterwirft.
    Jetzt haben wir seit gut 200 Jahren die Kirche weitgehend gezähmt und werden nun mit einem ungezähmten Islam konfrontiert, der an die Öffentlichkeit drängt.
    Ich bin für strikten, römisch-republikanischen Laizismus !

  53. 53

    @Vahan
    Wie unterscheidet sich eigentlich der Monotheismus von der Idee her von einem Nationalstaat mit Gewaltmonopol?

  54. 54
    Frank Schenk

    Bei der Abstimmung gings doch nicht um Religionsunterricht oder nicht – es ging um christlichen Religionsunterricht oder nicht.

    Echter Religionsunterricht, der über den Rand der eigenen Bibel/Thora/des Koran/der Suren etc. hinausgegangen wäre – ja das wär spannend gewesen. Aber es geht doch nur um christliche Gehirnwäsche. Sorry, anders kann ich das nicht bezeichnen. Knapp 2000 Jahre Menschenrechtsverletzungen/Bereicherungen durch die christliche Kirche lassen keinen anderen Schluß zu. Auch wenn man nach außen hin sich vielleicht weniger konservativ gibt.

    Natürlich ist das Christentum teil unserer Kultur – genau wie viele andere Religionen ebenso.

    gruß, Frank
    Agnostiker

  55. 55
    Vahan

    @Sunny
    Der Monotheismus ist das Fundament des spätantiken/mittelalterlichen Staates gewesen, wie heute das GG.

    @Frank
    Ich würde den Impact, den das Christentum auf unsere Kultur hatte, nicht unterschätzen. Islamischer Unterricht soll nun an den Schulen gegeben werden. Wie viel Tellerrand da vermittelt wird, ist fraglich.
    Es geht hier um eine Religion bzw. Kirche, die Reformation und Aufklärung durchgemacht hat und eine solche, deren Kritiker, Ketzer und Apostaten heute noch um Leib und Leben fürchten müssen, das sollte man nicht vergessen.

    Gruß, Vahan
    Agnostiker

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