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Bloggen ist nicht genug: Wohin Blogpolitik steuern könnte

Wenn am Wochenende in Berlin das Polticamp09 steigt, können rund 600 Teilnehmer zeigen, dass die Netzgemeinde in Deutschland nicht so unpolitisch ist, wie ihr gerne vorgeworfen wird.

Der Vorwurf ist zwar einerseits per se Blödsinn, denn Bloggen ist implizit immer politisch, weil auch jedes Strick- und Kochrezepteblog durch sein publiziertes Dasein an so brisante Felder wie Urheberrecht oder Datenschutz stößt. Politische Themen sind über diese theoretische Ebene hinaus fast überall auf deutschen Blogs zu finden. Tausende Netzbewohner nehmen an Online-Demos teil, genausoviele gehen gegen Vorratsdatenspeicherung auf die Straße.

Das ist alles ohne Ironie schön und gut. Denn das Netz ist unser virtueller Ort, der Ort, den wir in den Debatten um Schäuble2.0 und Zensursula verteidigen wollen, weil wir hier gern sind. Wo, wenn nicht hier, sollen wir anfangen mit politischem Handeln? Was, wenn nicht das Netz als Rechtsraum könnte unser gemeinsames Thema sein?

Allein, und das ist die andere Seite, das interessiert keinen außer uns selbst.

Auch ein im Netz und von netzaffinen Medien bestens aufgegriffener Online-Streik kommt weder bei der Masse der Bevölkerung an, noch wird er in den Entscheiderkreisen von jemand anderem als dem Praktikanten des Referenten ernsthaft wahrgenommen. Ein politischer Text auf einem Blog, das 30 Menschen lesen, hat entsprechend nur den Einfluss einer Kneipendiskussion. Insofern hatte Jakob Augstein auf der re:publica recht, als er sagte, deutsche Blogs sind nicht relevant, weil sie von den politischen Eliten nicht wahrgenommen werden (im Gegensatz zu den Kommentatoren der Mainstreammedien).

Das sollten wir ändern. Doch dazu braucht es mehr als Blogposts, Klick- und Latschdemos.
Wie werden wir relevant, wie von den Entscheidern wahr genommen?

Ein Weg dahin wäre eine eigene Lobby. Die muss in den Hinterzimmern die Gespräche suchen und ihre Veröffentlichungen so platzieren, dass sie die Aufmerksamkeit der Abendnachrichten erhält. So eine Lobby funktioniert nur mit viel Geld im Rücken. Mainstreamjournalisten mit Einfluss arbeiten ja auch nicht umsonst. Ein anderer Weg ist der der Bürgerrechtsbewegung, neudeutsch: Grassroots. Kostet zwar auch was, vor allem Zeit und Engagement, aber es ist der spontanere und kreativere Weg.

Es ist der Weg, auf dem wir und damit die Politik in Deutschland von Obama lernen können. Es geht bei einem Internetwahlkampf nämlich nicht um Kommentarfunktionen auf Parteiwebseiten. Es geht darum, dass aus dem Netz heraus und mit den Mitteln des Netzes eine Bewegung auf der Straße und von Haustür zu Haustür entsteht.

Wie wäre das, wenn wir gemeinsam kreativ werden, zeitgenössische Formen zivilen Ungehorsams zeigen (beweisen, das Netzsperren Schwachsinn sind, brisante Dokumente zur Not auch ohne Wikileaks veröffentlichen) oder mit ernst gemeintem Schwachsinn nerven (ein Dr. Udo Brömme fürs WWW zum Beispiel). Und dann überzeugen wir all unsere Verwandten, Freunde, Kollegen, Nachbarn von unseren Positionen (ungefähr: unzensiertes Netz für alle, virtuelle Basisdemokratie) und überreden sie, den Parteien die Stimme zu verweigern, die für Zensur, Datensammelwut und verkrustete Urheberrechte sind. 2009 wäre dann ein Superwahljahr, in dem kaum einer mehr etablierte Parteien wählte.
Bei netzpolitischen Sachen gibt es eine Allianz von links bis liberal, selbst CDU-Mitglieder nutzen im Netz so libertäre Dinge wie Creative-Commons-Lizenzen. Doch in der Gesetzgebung werfen uns Schäuble2.0, Zensursula und die entsprechenden Parteien (gelinde gesagt) dauernd Steine in den Weg durch ihr politisches Handeln.

Wieso lassen wir uns das gefallen von den sogenannten Volksvertretern?

Wenn wir mehr machen als alle vier bis fünf Jahre ein nach faulem Kompromiss stinkendes Kreuzchen und Meinungsartikel für unserem Mikrokosmos Netzwelt, wenn wir denen ernsthaft auf die Füße treten, die uns so unzureichend vertreten, erreichen wir vielleicht Bestandsschutz für unser Netz. Und nebenbei machen wir ein paar erste Schritte auf einem bitter nötigen Weg weg von verkrusteter Partei- hin zur Sachpolitik.

Zwischen Lobbyverführung (arm, wer keine eigenen Verführer hat) und Fraktionszwang werden ja nicht nur unsere Themen bis zur Unkenntlichkeit zerrieben und gegen die Meinung der Betroffenen oder gar der Mehrheit umgedeutet. Schlagworte aus anderen Feldern sind Privatisierung von öffentlichen Gütern wie der Bahn oder der Trinkwasserversorgung. Das uns alle betreffende Ungleichgewicht zwischen Bankenrettung und dem Abbau von Sozialleistungen gehört da auch hin.

Am Ende läuft es auf den alten Satz hinaus, dass der Staat für uns und nicht wir für den Staat da sind. In diesem Sinne brauchen wir politische Unruhe. Und nicht den politischen Einfluß der Konsensjournalisten der alten Medien dieser Republik. Auch bei netzpolitischen Themen. Bei Demokratie sollte der Mensch aktiv mitmachen. Irgendwer muss ja mal anfangen.

Eigenwerbung: Ich werde zu diesem Thema am Sonntag beim Politcamp09 mit Michael Seemann einen Workshop anbieten.

65 Kommentare

  1. 01
    Jan(TM)

    Blogs sind ja sowas von 2.0, echte Hipster twittern!

  2. 02

    „…Themen bis zur Unkenntlichkeit zerrieben und gegen die Meinung der Betroffenen oder gar der Mehrheit umgedeutet. Schlagworte aus anderen Feldern sind Privatisierung von öffentlichen Gütern wie der Bahn oder der Trinkwasserversorgung.“

    Ich fürchte, das ist Demokratie, wenn Dinge nicht im Sinne des einzelnen entschieden werden müssen. Die Sache mit der Privatisierung des Trinkwassers ist kein Problem. z.B. in Münster wurde das über die Gewerkschaften gestoppt. (Die Busfahrer sind auch bei den Stadtwerken angestellt).

    Ich glaube, wenn es wichtig ist, gibt es immer Lobby und Öffentlichkeit Dinge zu verhindern. JETZT geht es um Internet-Zensur. Und wie immer !! müssen Betroffene genau dazu Stellung nehmen, und zu genau diesem Thema, wo man sich auskennt Meinung machen.
    Blogger sollten sich als Laien in anderen Themen informieren und ein ungelesenes Wort auch mal ungelesen lassen.
    Es gibt zu allem Experten, und die haben schon Ihre Wege in unserer Demokratie. Keine Angst.
    Wie irrational und evtl. gefährlich Laien-Panik sein kann, sieht man zur Zeit bei der Grippe-Hysterie. Da gibt es betimmt bald Aktionismus, wie die Keule der Internetzensur… Denn nichts ist gefährlicher, als ein „Mainstreamjournalisten mit Einfluss“.

    Zusammenfassend: Da müßte man eine eigene Partei gründen. s. Piratebay sonst tut man allen anderen Themen unrecht.

  3. 03

    Eh, Grassroots sind spontan und kreativ? Sehe ich nicht so. Wenn es etwas aus dem Obamawahlkampf zu lernen gibt, dann doch, dass man eine große, finanzträchtige Organisation mit funktionierender Hierarchie und dazu die Illusion von Nähe braucht. Was aber die deutschen Blogs angeht: Da sollten sich ersteinmal ein paar Protagonisten von ihren Wichtigkeitsträumen verabschieden. So arrogant (und so beschränkt in ihrem Interesse — das geht kaum jenseits des Internets selbst), wie da mancher auf niedriger Fallhöhe auf Zeitungen und Parteien spuckt, so wenig Vorzeigbares hat das deutsche Web 2.0 doch bislang geleistet. Eine eigenartige Mischung aus Robin-Hood-Phantasien und Biertisch. Letzte Frage: Was sagt die Piratenpartei eigentlich zu Afghanistaneinsätzen, Finanzmarktregulierung und Rentenreform? Das sind doch die wichtigen Themen der Zeit.

  4. 04

    Mir würde schon reichen, wenn jeder der Politcamp-Besucher seine lokalen Bundestagsabgeordneten in der Bürgersprechstunde besucht und mit ihnen einfach mal über Netzpolitik spricht. Macht nur leider keiner.

  5. 05
    Jakob

    Kleiner Typo in der ersten Zeile beim Link zum Politcamp09.

    Ansonsten: Eine schöne Meinung. Dennoch kommt der Artikel nicht zum Punkt, redet viel drumrum. Mehr Prägnanz wäre wünschenswert gewesen.

    Zudem: Wenn ich meine Eltern, Freund oder sonstwen „nerve“, dass das Netz frei sein sollte und man gegen Internetzensur vorgehen sollte, schaut man mich verständnisvoll an – aber ansonsten wird nicht reagiert. Ich denke, das Problem ist eher, dass viele einfach nur User des Netzes sind und sich über Hintergründe keine Gedanken machen. Müssen sie auch nicht, letztlich kann man nicht für alles Zeit haben. Andererseits ist es wichtig und man sollte sich die Zeit nehmen.
    Ich weiß leider nicht, wie man dieses Dilemma lösen kann.

  6. 06

    @Hanno: Nette Idee. Einzig „meine“ MdB ist Justizministerin Brigitte „Browser? Was waren denn noch mal Browser?“ Zypries. Und die unterhält sich lieber in Darmstadt über „Die Künste und der Mut zum Tod“ und „Gewalt, Jugendkriminalität, Kampfsport – Kickboxen, ein Lösung?“ – auf ihrer Website ist schon mal kein Hinweis auf eine Sprechstunde.

    Ich bin mir nicht sicher, ob es einer eigenen Partei (wie der Piratenpartei) bedarf, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Eher nicht. Björns Hinweis auf die Online Kampagne Obamas und vor allem die seiner Unterstützer ist richtig.

  7. 07
    Martin2

    Vielleicht sollte einfach jeder Abgeordnete auf http://www.abgeordnetenwatch.de/ mit der gleichen kurzen, prägnanten Frage „belästigt“ werden. Ließe sich doch sicher organisieren.

  8. 08

    Dazu wäre es aber überhaupt erst einmal wichtig, dass die Leute wählen gehen. Ich prophezeie eine immer mehr sinkende Wahlbeteiligung, die darauf hinausläuft, dass Politik immer weniger legitimiert wird. Wir befinden uns da in einem ganzheitlichem Problem wovon die Gesetze, die das Internet betreffen, nur ein einziges Teilgebiet sind.

  9. 09

    Grundsätzlich ist es wünschenswert, wenn wir Blogger mehr wahrgenommen werden. Doch darf es keine Forderung an die Gesellschaft oder deren Eliten sein uns populär zu machen. Das müssen wir schon selbst in die Hand nehmen: Und zwar nicht durch Lamentieren über fehlende Öffentlichkeit, sondern durch gute Inhalte.

  10. 10

    @andreas: Auch Frau Zypries hat mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Bürgesprechstunde. Einfach ihr Büro anschreiben und um einen Termin bitten.

    Übrigens hast Du lt. abgeordnetenwatch noch einen weiteren MdB in Deinem Wahlkreis. Den kannst Du ebenso besuchen, obwohl der von der CDU ist.

    @Martin2: Nein, „konzertierte“ Aktionen auf abgeordnetenwatch, per Mail oder Fax sind ziemlicher Unsinn. Der persönliche Besuch, wo man im direkten Gespräch seine eigene Meinung und seine eigenen Sorgen artikuliert – das macht mehr Eindruck als eine abgesprochene „Belästigung“ (Deine Wortwahl).

  11. 11

    „JETZT geht es um Internet-Zensur.“

    ich dachte, es geht um die bekämpfung von kinderpornographie?

    „Bei Demokratie sollte der Mensch aktiv mitmachen. Irgendwer muss ja mal anfangen.“

    na dann mal los!

  12. 12

    Abgesehen davon finde ich es auch nicht richtig, von „uns Bloggern“ als einer homogenen Masse auszugehen. Wie homogen wird wohl die politische Meinung der Bloggenden sein? Abgesehen von der Forderung nach der universellen Freiheit des Netzes wohl sehr wenig.

    Und nicht nur bezüglich Netzpolitik ist es selbstverständliche jederzeit wünschenswert, ja erforderlich, den Vertretern auf die Füße zu treten. In Sprechstunden, in Mails, in Briefen, bei Veranstaltungen. Die Kraft muss jede/r individuell aufbringen.

  13. 13

    @Frank: Ich denke bei drei verschiedenen Bloggern auch an drei verschiedene Meinungen „¦ hatte das mal kurz hier thematisiert, mit Hoffnung für zumindest gegenseiten Respekt als Gemeinsamkeit.

    Aber es muss ja am Ende auch nicht die gleiche Meinung sein, die vertreten wird. Ich denke, es geht Björn vor allem um den Aspekt des „Hinausgehens“.

  14. 14

    @Björn

    Super, Bravo, DaCapo ! In 30(0) Jahren wird es einmal eine Staatsform geben, die sich Blogokratie nennt. Da bin ich mir sicher – aber nicht 100%.
    Bis dahin müssen wir kreativ sein. Gegenseitigen Respekt haben und gute Ideen entwickeln ohne uns gegenseitig niederzuschrei(b)en.

    Ich konnte auf meinem Blog mehr Aufklärung über Unschooling leisten, als es mir im „Real-Life“ jemals gelungen wäre. Und nur durch Web2.0 hatten wir schon ein Gespräch im Bundestag vor der Kiko.

    Blogs sind schon viel weiter als wir denken.

  15. 15
  16. 16
    To

    Wie wäre es schon mal mit einer freiwilligen Selbstzensur:

    http://www.damnyeah.de/zensur/?http://www.tobiasamend.de/blog/

    Oder einfach jede andere Website „melden“. Dann noch ne tinyurl drüber… und fertig ist das „BKA-Rolling“.

  17. 17
    Alex

    Zensur greift scheinbar nur dann richtig, wenn sie politisch korrekt ist. ZAPP vom NDR hat heute auf rechte Inhalte bei StudiVZ und Facebook hingewiesen und damit eine Flucht der Werbeindustrie bei den Anbietern ausgelöst.

    Bei den Bloggern fällt auf, dass sie genau so lange für ihre Rechte streiten, solange sie ihre Ziele vertreten sehen. Kein (relevanter) Blogger stellt sich hin und fragt, ob man rechte Seiten sperren darf oder nicht. BILD ist böse und die NPD gehört verboten, aber bitte nicht das Internet. Sachlich ist das schon lange nicht mehr.

    So erschreckend das für manche ist, Schäuble ist nur ein Mensch im Rollstuhl und nicht das Böse. Gesetze werden nach Wunsch der gesamten Öffentlichkeit gemacht und nicht nach dem Wunsch der Blogger. Meine Mutter kennt keine Blogs und hat kein Internet, dennoch hat sie eine Meinung. Und der Bauer in Oberbayern hat genauso das Recht, seine altbekannte CSU zu wählen wie ein Blogger im Prenzlauer Berg die Grünen und der stellvertretende Bürgermeister in Brandenburg die Linke (weil er immer die SED(PDS gewählt hat.)

    Nehmt euch nicht so wichtig!

    Gruß

    Alex
    Wort zum Sonntag

  18. 18

    @Alex: Das stimmt so nicht. Bei der „Kann man Schwule heilen – ein Gesamtgesellschaftliches Problem“-Diskussion war ich von Anfang an dafür hier nicht zu sperren und auch nicht zu zensieren. Und viele andere Blogger auch. Meinungsfreiheit ist die Freiheit, dass jeder seine Meinung äußern kann. Nur Diskussion und Auseinandersetzung kann uns doch weiterbringen.
    Ansonsten stimme ich Dir zu. Schäuble wird als Person überschätzt, er setzt den gutbürgerlichen Willen durch. Und es ist einfach die Mehrheit, die vor lauter Schutzbedürftigkeit lieber im Gefängnis als in Freiheit lebt. Ich glaube auch, dass wir mittlerweile an einem Punkt angelangt sind, wo weder Merkel noch Schäuble Vernunftpolitik machen könnten. Unabhängig von den Lobbies – es gäbe dafür oft keine Mehrheit im Volk oder den Mainstream Journalisten, die die Meinung bilden.

  19. 19
    corax

    @Alex:

    ZAPP vom NDR hat heute auf rechte Inhalte bei StudiVZ und Facebook hingewiesen und damit eine Flucht der Werbeindustrie bei den Anbietern ausgelöst.

    […]

    Nehmt euch nicht so wichtig!

    Muharharharhar. Du bist zwei Wochen zu spät. Du ButtervomBrotVersuchDieb

    http://www.boocompany.com/index.cfm/content/story/id/15780/

    http://www.taz.de/1/leben/internet/artikel/1/nazis-bei-facebook/

  20. 20
    ajo

    „dass die Netzgemeinde in Deutschland nicht so unpolitisch ist, wie ihr gerne vorgeworfen wird.“

    Wer wirft ihr das denn gerne vor? Habe ich noch nie gehört.

  21. 21

    @1000Sunny: Aber 1000Sunny, ihr seid doch nicht eingeladen, weil ihr Blogger seid — sondern weil ihr Ahnung von der Sache und ein gewisses Maß an Sachlichkeit mitbringt. Und diese beiden Faktoren gehen eben gerade den lautesten Schreiern gegen Parteienstaat und für Bloggosphäre oftmals ab.

  22. 22
    isasun

    Ich werde das Gefühl nicht los, dass sich viele Blogger, die mehr oder minder politisch schreiben, sich zu einer Elite 2.0 zählen, die sich zu sehr darauf konzentriert nach einem Platz in der Mediengesellschaft zu suchen, als dass sie wirklich aktiv wird. Stattdessen wird immer nur gegen die traditionellen Medien gewettert und deren Niedergang vorhergesagt. Man sollte eher den Dialog zu Politikern sowie (traditionellen) Medienvertretern suchen, als ihnen den Kampf anzusagen. Dann Kann die Idee der partizipativen Demokratie auch voran getrieben werden.

  23. 23

    Hab leider erst viel zu spät von diesem ominösen PC erfahren, werden die nicht-interaktiven Inhalte irgendwo archiviert ?

  24. 24

    Ich mag ja diesen „ihr“ und „wir“-Ansatz nicht. „Blogger“ ist weder eine Betrufsbezeichnung noch ein wirklicher Oberbegriff wie z.B. „Handwerker“. Blogger sind Studenten, Angestellte, Freiberufler, Arbeitslose, Eltern, Kinder, Rechte, Linke, wasweißich.

    Einigt man sich also darauf, dass der Begriff „Blogger“ zwar so gut wie gar nichts konkretes beschreibt, bleibt dennoch die von Björn beschriebene Tatsache bestehen, dass jemand, der bloggt, schnell mit bestimmten Themen wie Urheberrecht usw. zu tun haben wird. An diesen Stellen sehe Gemeinsamkeiten und Möglichkeiten der Vernetzung.

    Da Blogs vermutlich endlos diskutieren und streiten würden, bevor es zur Gründung irgendeines Verbandes o.ä. kommen würde, von dem dann natürlich niemand Teil sein will ;) — bleibt das übrig, was Björn vorschlägt. Jeder für sich, aber eben nicht nur in seinem Blog.

    Das ist schwerstens idealistisch, na klar, und gilt nicht nur für Blogger.

  25. 25
    Edo Z.

    „Wahlen sind wichtig, Abgeordnete ansprechen, bla“

    Warum wird eigentlich in allen Blogs (zumindest die, die ich lese) politisches Handeln nur nach *ihren* Regeln angedacht?

    Warum soll es wichtig sein, Wählen zu gehen, wenn man eh keine richtige Wahl hat?

    Warum soll ich meine Zeit verschwenden und mich mit den Bütteln von Lobbyisten und Fraktionszwangsdurchsetzern aka „Abgeordneten“ unterhalten?

    Demokratie ist schön, aber die existierende Staatsparteienrealität ist ein Übel, das nicht durch Partizipation nur nach ihren Regeln als der allein legitime Weg geadelt werden darf. Von daher halte ich Nicht-Wahl für den gebotenen Weg. Wir brauchen: Organisation außerhalb der Parlamente, publizistisches Bekämpfen der so genannten „Volksvertreter“ statt in ihren Sprechstunden um Gehör zu betteln.

  26. 26
    Björn Grau

    Das deutsche Blogs im Vergleich zu den US-amerikanischen unpolitisch seien, ist ein Stereotyp, dass mir seit drei Jahren auf jeder Veranstaltung zu dem Thema begegnet.

    Blogger ist für mich ein Oberbegriff, der ganz klar eine heterogene Masse umschreibt, die aber einen kleinen gemeinsamen Nenner haben könnte (freies Netz). Für diesen Nenner könnten wir bei allen sonstigen Differenzen kämpfen, wenn wir denn wollen.

    Grundsätzlich muss das meiner Meinung nach der neue Weg politischer Teilhabe und politischer Entscheidung überhaupt sein. Menschen finden sich für konkrete Anliegen zusammen, bringen die zu demokratischen Abstimmungen und gehen dann wieder auseinander. Konkrete Sachfragen statt diffuser Partei-Ideologien. Das geht weit über Bloggen, Netz etc. hinaus.

    Aber das sind ein paar andere Artikel. Hier war aus gegebenem Anlass (Politcamp) ein gegebenes Thema („unser“ Netz) beispielhaft dran. Weiter ist das nur ein Teil aus einem Denkprozess, der für mich noch recht am Anfang steht, zum großen Thema „Partizipation am Gemeinwesen“. Mir geht die tendenziell passive Fügung in das aktuelle System gegen den Strich, weil ich dieses System für dringend zu erneuern erachte.

    (Achtung Eigenwerbung) Der Workshop auf dem Politcamp am Sonntag wird weitere Punkte und hoffentlich weiteres Feedback bringen, an dem ich weiterdenken will.

    Eins liegt dem aber klar zu Grunde, wie Johnny (13) richtig zusammengefasst hat: Es braucht aktive Anteilnahme am Gemeinwesen, die über pures Reden/Schreiben hinaus geht.

  27. 27

    @Edo Z.: Gewerkschaften, Kaninchenzüchtervereine, Parteien, AKW-Betreiber, Solaranlagenbauer, Autoindustrie, Fahrradindustrie… alles Lobbyisten. Gibt übrigens auch Anarcho-Lobbyisten. Nenn es Interessenvertretung, vielleicht gefällt dir das besser. „Ihre“ Regeln sind unsere Regeln. Staatsparteien? Hast du in der DDR gelebt? Dann weißt du was Staatsparteien sind.

    Ich erkläre dir mal in Kürze wie Parteien funktionieren: Parteien bestehen aus Mitgliedern. SPD und CDU haben jeweils über eine Million Mitglieder, die in Orts- und Landesverbänden organisiert sind und auf Parteitagen darüber entscheiden, wer sie auf Bundesebene vertreten soll. Und dann stellen diese Kandidaten sich dem Volk zur Wahl.

    Parteien entscheiden basisdemokratisch über die Inhalte.

    Die im Bundestag vertretenden Parteien haben derzeit insgesamt rund 1,2 Mio. Mitglieder, die größtenteils hinter den Entscheidungen der Fraktionen stehen.

    Wenn Du nun von Staatsparteien sprichst, dann meinst Du sicher die Fraktionen. Die Union hat derzeit 223 Sitze im Deutschen Bundestag. Das ist ein Bruchteil der gesamten Partei. Wir erinnern uns: eine halbe Millionen Mitglieder! Die Fraktion ist nicht die Partei, die Basis entscheidet darüber, wer zur Wahl antreten darf und wer nicht. Gerade bei den GRÜNEN hat man oft gesehen, daß die Basis durchaus in der Lage ist, Politiker abzustrafen.

    Im übrigen ist mir kein Fall bekannt, wo man einen Volksvertreter um Gehör anbetteln muß, schreib Ihnen was und Du bekommst eine Antwort. Dafür, daß diese Antwort Dir dann gefällt, gibt es allerdings keine Garantie.

    Nicht zu wählen, ist Dein gutes Recht. Allerdings gebe ich zu bedenken, daß 40 Prozent der Wahlberechtigten, die gerne mal eine Wahl auslassen, schon etwas verändern könnten, wenn sie nicht so ohnmächtig und frustriert wären. Diese 40 Prozent könnten im übrigen auch eine der 30 anderen Parteien wählen und so etwas verändern. Nazi-Parteien nehme ich hier ausdrücklich raus! Aber viele andere haben gute Ziele. Wir sollten nicht so tun, als gäbe es nur fünf Parteien in diesem Land. Man kann auch selbst eine gründen. Alles möglich in einer Demokratie, man soll es nicht glauben!

  28. 28

    @Daniel: Unschooler und Homeschooler werden nicht wegen ihrer Kompetenz eingeladen. Sie werden mit allen Mitteln still gehalten – oftmals wegen ihrer Kompetenz. Nur durch Web 2.0 konnten wir kurzzeitig soviel Druck aufbauen, dass wir eingeladen wurden. Am Ende sprach dann der kleine Moritz Neubronner (10 Jahre) mit der Kinderkommission über freie Bildung. Das war ein Erfolgserlebnis. Leider ist nicht viel passiert, außer dass eine Mitarbeiterin der Kiko entlassen wurde.

  29. 29

    @isasun: Der Platz in der Medienlandschaft ist doch aber auch wichtig. Denn ohne Platz werden wir doch nicht wahrgenommen. Meine Nachbarin ist eine „Profi-Journalistin“, die bezeichnet Blogs und Internet als die größte Lügenbörse der Welt – und nicht mehr.
    Im Gegenzug hält sie ihre Argumente frei von wissenschaftlichen Quellen – sie sagt: „Ihr Bauchgefühl ist ihr einziger Wegweiser.“ Und genauso fehl informiert und belogen habe ich mich ein ganzes Leben lang von den Holzmedien gefühlt. Schlecht recherchiert, keine Quellenangaben. Und ein Leserbrief als einzige Möglichkeit sich Luft zu machen.

  30. 30

    @Edo Z.: Finde ich auch. Nicht-Wahlen sind genauso demokratisch und bei einer schlechten Parteienauswahl oder zu hohen Hürden für Parteiengründung ein legitimes Mittel. Und dann noch die 5% Hürde, ob die „demokratisch“ ist, das müsste auch erstmal abgestimmt und diskutiert werden. Ich wette 4% wären dagegen :)

  31. 31

    @Björn Grau:
    >Grundsätzlich muss das meiner Meinung nach der neue Weg politischer Teilhabe und politischer Entscheidung überhaupt sein. Menschen finden sich für konkrete Anliegen zusammen, bringen die zu demokratischen Abstimmungen und gehen dann wieder auseinander. Konkrete Sachfragen statt diffuser Partei-Ideologien. Das geht weit über Bloggen, Netz etc. hinaus.<
    Das wäre eine schöne, fast ideale Vision für aktive Partizipation. Vielleicht wäre es mal an der Zeit so etwas Probehalber für ein kleines Gesetzchen zu probieren :) Z.B. Gesundheit, Bildung oder Rente (die allerkleinsten Themen)

  32. 32
    Irreversibel

    „Bei netzpolitischen Sachen gibt es eine Allianz von links bis liberal, selbst CDU-Mitglieder nutzen im Netz so libertäre Dinge wie Creative-Commons-Lizenzen.“

    Und deshalb gibt es angeblich eine netzpolitische Allianz quer durch alle Parteien? Sorry, aber das entspricht doch in keiner Weise der Realität. Die Konservativen sowie die SPD sind für Netzfilter gegen Konderpornos und was-weiß-ich-noch-alles während sich Mitglieder der Linken für die Sperrung von Naziseiten aussprechen. Bei den Themen Vorratsdatenspeicherung und Urheberrechten kann ich ebenfalls keinen Konsens in der Parteienlandschaft erkennen…..

    Unabhängig davon sollte man wirklich einmal realisieren, dass „Netzpolitik“ auf der politischen Präferenzliste des Durchschnittsbürgers ungefähr auf Platz 89 liegt- wenn überhaupt. Selbst Leute, die regelmäßig das Netz nutzen beschäftigen sich kaum damit, dass die Freiheit im Netz in Frage gestellt wird bzw. sind andere Themen für sie einfach wichtiger. Die Vorstellung Freunde/Verwandte dazu zu überreden ihre Wahlentscheidung von diesem Thema abhängig zu machen ist vor diesem Hintergrund völlig abwegig. Ein Problembewusstsein zu schaffen wäre schon genug Arbeit.

    Natürlich ist eine effiziente Artikulation der Interessen der „Netzgemeinde“ sinnvoll und wünschenswert aber man sollte dabei die realen Verhältnisse nicht aus den Augen verlieren.

  33. 33

    Ob der Hans Beier und die Jenni von der Wahl sich deinem Engagement hingeben?

    M.E.
    errreichst Du nur die, die eh‘ schon alles zu wissen vorgeben.

    Die breite Masse ist -sofern nicht vollkommen Besoffen- nicht zu erreichen.

    Alles wird Gut

  34. 34

    Ein Anfang einer „Aktion“ könnte doch schon sein, wenn hier z.B. einmal pro Woche ein Text vorgegeben würde der dann von allen Bloggern die ihn lesen im eigenen Weblog aufgenommen würde …. auf diesem Weg ließe sich eine schnellere Verbreitung erreichen, schneller, als wenn nur ein gelegentlicher Link zu einem Thema erfolgt ….

    Gerade die kommenden Wahlen sind da ein guter „Aufhänger“. Sogenannte „Wahlblogs“ haben in den letzten Jahren nichts gebracht, zu vereinzelt, zu speziell ….

    Man könnte z.B. an Interviews mit Politikern denken, die zu Fragen des Internets ihre Meinung/Einstellung sagen könnten:
    Bei den anstehenden Europawahlen und den dort vorhandenen Zensurbestrebungen wäre das einerseits eine gute Orientierungshilfe für die Wählenden und andererseits eine Möglichkeit zu erfahren was die Kandidaten denn in Brüssel so zu machen gedenken ….

    Wie wär’s?
    Einer muß den Anfang machen, richtig!
    Wenn nicht jetzt wann dann?

    PS
    Ein gutes Thema ist auch:
    Kann ein geändertes Wahlrecht für mehr Demokratie sorgen?

    Es sind doch die „Parteigrößen“, die eine Veränderung blockieren, sie sitzen auf den sicheren Listenplätzen, verstehen die Welt nicht mehr und machen daher Front gegen das, was sie nicht verstehen:
    Weg mit den Listen, Abgeordnete in Direktwahl, Begrenzung der Mandate auf zwei Legislaturperioden – auch das wäre ‚mal ein Anfang von „mehr Demokratie“ ….

    2. PS @ 07
    Schau‘ ‚mal da [Abgeordnetenwatch] rein – es sind bestimmte Politiker die „0“ Antworten geben – entweder halten sie sich für etwas Besseres, oder sie haben keine Ahnung, oder sie antworten nicht weil sie – völlig unabhängig von der Meinung der Wählerschaft – sowieso wieder auf ihren Posten sitzen. Dank der Landeslisten, das ist das Übel!

  35. 35
    Moses

    „Zensursula“, „Schäuble2.0“ (was eigentlich Schily 2.0 heißen müsste), bleiben noch fragen, warum die Auslassungen von ‚Blogger-Börn‘ reaktionslos bleiben?

    Der ätherische Charakter einer Netzinitiative ist darin begründet, dass sie VIRTUELL bleibt. Das ist nicht erst seit dem Mattspiegel der Fall, mit dem hier jeder spricht; auch die ‚Salonkommunisten‘ und ‚Kaffeehausrevolutionäre‘ sind nicht von ihrem Sessel hochgekommen.

    Wie kommt die Blogosphäre in diesem Zug eigentlich darauf in einem anderen rechtlichen Kosmos zu schweben, wenn sie über Politik sinniert? Was macht das Netz zu einem Raum, über dessen gesetzliche Konstituierung separiert entschieden werden könnte? Ob ich eine CD aus dem (untergehenden) Karstadt stehle oder Pirate Bay bemühe, wo liegt der Unterschied? Ob im Netz oder der Realität mit jedem erdenklichen Mittel – und angesichts der Delokalisierung der Kinderpornoserver gibt es derzeit kaum andere Möglichkeiten (selbst, wenn diese lächerlich schwach erscheinen müssen) – gegen die Weiterverbreitung von Kinderpornographie vorgegangen wird, wo liegt hier die moralische Begründbarkeit der Untätigkeit dieses Mediums?

    Wenn jeder der mit dem Internet hantieren könnte, an der Wahlurne seine erste demokratische Partizipationsmöglichkeit sähe, würde die Wahlbeteiligung nicht um die 50 Prozent tändeln (gern auch darunter, wie das kosmopolitische Berlin in der – kolportiert – um Leben und Tod entscheidenden Abstimmung zur Gestaltung der Gesinnungsfächerwahl bewiesen hat).
    Alles was das Internetz bisher produziert hat, stellt sich mir als leere Geste dar. Man spannt eine Menschenkette rund um den Globus und weiß eigentlich gar nicht, was man da in den Händen hält. Bis dato, daran hat auch das 2.0 Update nichts geändert, bleiben die Netzaktivisten dadurch gekennzeichnet reale Debatten im Hyperraum aufzublähen und endlos zu vervielfältigen.
    Bisher hat sich die ‚Vierte Gewalt‘ weder demokratisch legitimiert (das schafft auch das pluralistische Netz in seiner bezugslosen Kakophonie nicht), noch sind aus der perpetuierenden Reflexion neue Ansätze hervorgegangen (darin steht der rauschende Blätterwald im übrigen in nichts nach). Immer sind die Wege in oder durch eine Zeitenwende von Denkern aufgezeigt worden; nicht vom großen Palaver, indem jeder mal was gehört hat, dann vermutet und am Ende noch selbst schon immer gewusst zu haben glaubt.
    Was das Netz schafft, ist nichts als eine ungesunde Transformation des wissenschaftlichen Diskurses in Popularwissen.
    Erkenntnis war noch nie demokratisch, für den Rest gibt es schlecht besuchte Parlamente.
    Punktum.

  36. 36

    das ist im prinzip schon richtig, aber insgesamt trotzdem falsch, weil in die irre führend. das vordringliche problem ist es nicht, in blogs die individuellen stimmen zu erheben, damit einem die politiker zuhören.

    das vordringliche problem ist es, ein webkultur für „virtuelle graswurzeldemokratie“ *erst zu schaffen*, die dann auch in den mainstream wirkt. und das ist eine sache konkreter initiativen (in form von 2.0 start-ups), nicht von meinungsäußerungen.

    vgl. das thema „Action“ der diesjährigen reboot11, vgl. diesen exzellenten blogpost: http://www.paulmiller.org/?p=352#more-352

    „Building Communities With Software“! man kann auch die software nehmen, die es schon gibt. aber man muss kleine selbstorganisierende, auf sich selbst rückkoppelnde polit-systeme designen, mit blogs oder nicht. nicht einfach nur „auch mitreden“ wollen.

  37. 37

    „Ein politischer Text auf einem Blog, das 30 Menschen lesen, hat entsprechend nur den Einfluss einer Kneipendiskussion.“

    Und was ist, wenn zwar nur 30 Mitlesen, davon aber großteils Mitglieder des Bundestages und 2-3 Mainstream-Blogs, die die gebrachten Themen auch aufgreifen – ist es dann immer noch eine Kneipendiskussion?

    Als ob sich Einfluss alleine über Masse definiert – der typische Fehler von Blogs: „Ich habe aber 1000 Mitleser bei Feedburner, ich muss wichtig sein.“ Dass im Ergebnis nicht die Reichweite zählt, sondern die Frage wer mitliest und die Blog-Posts aufgreift ist eine Erkenntnis, die bei allen Medien gilt – und dann auch der Grund ist, warum Möchtergern-Streiks nichts bringen.

    Im Ergebnis herrlich unreflektiert, genau sowas erwarte ich dann auch auf solchen Pseudo-Veranstaltungen zum Thema Politik – und werde dort deswegen auch nicht zu sehen sein.

  38. 38

    „Und dann überzeugen wir all unsere Verwandten, Freunde, Kollegen, Nachbarn von unseren Positionen (ungefähr: unzensiertes Netz für alle, virtuelle Basisdemokratie) und überreden sie, den Parteien die Stimme zu verweigern, die für Zensur, Datensammelwut und verkrustete Urheberrechte sind.“

    Na da werden sich die Kolleginnen und Kollegen aber freuen! Endlich eine Thematik, die sie von ihren existenziellen Sorgen ablenkt! Endlich Gespräche am Frühstückstisch, die sich nicht nur um DSDS oder das Outfit von Kollg. H drehen!

    Mein Gott: Bloggen nimmt schon genug Zeit in Anspruch, und nun auch noch die Welt retten! Ich fühle mich überfordert!

  39. 39
    Manuel

    @Jan(TM):
    Joa, und atomisieren damit Ihr Kneipengespräch noch mehr. Wiviel Twitter-User gibt es in D:A:CH ? Und wie viele Leute die nicht twittern, wissen wie man an die Nachrichten auch von außen ran kommt?

    Und wieviele politischen Statements kann man nochmal in 140 Zeichen pressen??

    Hmmm… (jaja, ich hab die Ironie-Tags gesucht und nicht gefunden)

    Gruß, Manuel (Provinzpop)

  40. 40
    Moritz Berger

    Was mich an diesem Artikel überrascht, ist die Tatsache, dass in Unternehmen einmal im Jahr eine Bilanz aufgestellt wird, dass die Controller wenigstens einmal im Monat einen Blick auf Ihre Zahlen werfen:-)

    Im Gensatz dazu jammern wir über unsere Volksvertreter.

    Wir haben in den letzten Jahren immer mehr Verantwortung “ wegdelegiert “

    Die da oben machen doch was sie wollen

    Einer der vielen Sprüche…

    Wann war eigentlichg einer der Blogger in den letzten Monat in der “ realworld “ soll heissen hat einmal sich in seiner Kommunen an öffentlichen Diskussion beteiligt?

    Wer hat z.B. einmal ein Anliegen an seinen Landtagsabgeordneten/ seinen Bundestagsabgeordneten vorgebracht (z.B. auf der http://www.abgeordnetenwatch.de Seite? )

    Jetzt wieder eine neuen Lobbyismus zu kreiieren ist für mich der Schnee von gestern.

    Besinnen wir uns doch einmal wieder auf unsere Bürgerrechte und nicht zu vergessen Bürgerpflichten.

    Letzteres heißt doch wohl nicht einmal alle 4 Jahre zur Wahl zu gehen.

    Es ist ein Kreuz mit dem vierjährigen Kreuz :-)

    Und was heißt hier : Rufen wir unsere Verwandte und facebook Freunde auf den Parteien die Stimme zu verweigern.

    Nehmen wir doch wieder unsere Pflichten in die eigene Hand .

  41. 41
    gerrit

    „Von Laien regiert“
    Der Spruch hätte in den vergangenen Jahren auch gut zu den Arbeitgeberverbänden und Finanzlobbygruppen gepasst. Ist schon klar, in die Richtung denkt ihr nicht. Aber, dass euch die Dialektik dieser Sentenz nicht auffällt, beweist eigentlich nur die Begrenztheit eures Politikverständnisses, weist es möglicherweise sogar als technokratisch aus. Was bedeutet es denn, von Profis regiert zu werden? Und, ist es nicht eigentlich genau das, was wir nicht mehr haben wollen?

  42. 42

    „Der Vorwurf ist zwar einerseits per se Blödsinn, denn Bloggen ist implizit immer politisch, weil auch jedes Strick- und Kochrezepteblog durch sein publiziertes Dasein an [sic!] so brisante Felder wie Urheberrecht oder Datenschutz stößt.“

    Folgt man dieser Argumentation ist das Kochen selbst eine äußerst politische Tätigkeit, da man da auf so brisante Felder wie Energiepolitik oder Agrarsubventionen stößt.

    Folgt man dieser Argumentation ist also alles politisch. Auch die kochende Hausfrau.

    Und genau da sehe ich persönlich das Problem: In einem gewissen Egozentrismus, einer Überschätzung der eigenen Bedeutung bei den Bloggern. Daraus folgt:Solange sie keine Themen aufgreifen, die über die Netzwelt hinausgehen, wird ihnen auch niemand viel Beachtung schenken. Dazu eine persönliche Beobachtung: Vor einem Jahr habe ich noch über 30 verschiedene, deutsche Blogs gelesen. Heute sind es 3. Meine Tageszeitung lese ich wieder regelmäßiger. Der Grund ist einfach:

    1. Bis auf wenige Ausnahmen sprechen mich Blogbeiträge sprachlich und stilistisch nicht an. Das wäre aber nicht so schlimm,

    wenn 2. neue Fakten und Infos geliefert werden. Dafür muss man aber das Netz verlassen, zum Telefon greifen, mal persönlich mit Leuten sprechen. Das „Netz“ produziert keine Infos – ausser netzinterne. Für die habe ich aber die drei oben angesprochenen Blogs. Der Rest ist ein Diskussionsangebot – ohne dass ich auch Leben kann. Denn es ist ein zumeist dürftiges, weil einseitig und monothematisch. Man kann über die „Konsensjournalisten“ denken, was man will, aber derzeit sind sie schlicht besser als viele Blogger. Das muss aber nicht so bleiben.

    Oder um mal ein Beispiel zu nennen: Erst, wenn ich in Blogs solche präzisen, glasklaren Analysen lesen kann wie diese hier von Hans-Ulrich Jörges zum Wahlkampf der SPD (http://www.stern.de/politik/deutschland/zwischenruf/:Zwischenruf-Mein-Freund,-Feind/662582.html) oder solche Reportagen (http://www.zeit.de/2009/17/Billigbestatter) werde ich wieder mehr deutsche Blogs lesen.

    Und dann, wenn sie bewiesen hat, dass man auf sie hören sollte durch gute Fakten oder Infos aber auch durch Demos, achten auch die Politiker auf die Blogosphäre. Bis jetzt haben sie schlicht keinen Grund dazu.

  43. 43

    PiPi:
    Grosses BLABLA“¦

    Ihr,
    die so Engagiert Eure Meinung zu Themen postet,
    glaubt doch nicht ernsthaft, dass die Masse der
    „˜User“™ bereit ist mehr als zehn Zeilen zu lesen.

    Mist ist aber auch, mich ständig zu Wiederholen.

    Mein ja nur“¦ :-D
    Remember the First Time

    Dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar.

  44. 44

    Bevor den Bloggern unpolitische Artikel vorgeworfen werden, muss dem Bürger unpolitisches Interesse vorgeworfen werden.

  45. 45
    Jan(TM)

    @Manuel: Du hast dir die Antwort doch selbst gegeben. Die Weltrevolution auszurufen nur weil es jetzt Blogs oder Twitter gibt ist lächerlich, wenn die meisten Menschen da draußen noch nicht mal etwas von deren Existenz wissen.

    Das es mit den Blogs nicht so funktioniert hat, haben eigentlich schon die meisten gecheckt – weswegen jetzt Twitter als neuer Erlöser gefeiert wird. Der Artikel oben liest sich wie per Zeitmaschine aus dem 2.0 Zeitalter rübergebeamt, so herrlich altmodisch.

    Schönen Gruß aus dem sonnigen Sachsen!

  46. 46

    wenn, dann dient das netz auch nur der meinungsbildung. wird per se aber nicht so angewandt. das fängt mit diesem beitrag an, der polemisch die bösen CDUler geisselt, die mitbeschliessende spd aber ausklammert. nicht einmal hier, funktioniert es neutralit eine gemeinsame sache zu formulieren.

    das web 2.0, mit der communitisierung unserer gesellschaft, mag hier zwar hoffnung auf mehr bewegung geben, doch es ermüdet. schlussendlich landet ohnehin jeder nur wieder in seiner ecke und liest, was seiner meinung entspricht. oder diskutiert, was nicht seine meinung ist. geändert wird dadurch nichts und allein das, verhindert die bewegung. selbst dann, wenn konsens im details herrscht.

    warum nun wieder bloggen für sich gesehen muss und man nicht in der lage ist zu sagen, dass internetpublizistik jedweder form nicht die gleichen interessen haben kann / sollte, erschliesst sich mir ebenfalls nicht. selbstbeschränkung vermag den kreis der mitläufer nicht zu erhöhen. das internet besteht ebenso aus boards oder normalen internetseitenbetreibern .. sie alle haben eine meinung. sie alle spüren die repressionen.

    aber demokratie in deutschland führt lediglich zur lagerbildung für ansichten, nicht aber zu einer lobby für richtige entscheidungen und der einfluss des bürgers auf die politik, ist faktisch noch nie vorhanden gewesen. sie nimmt mehr als sie gibt nur nicht zu gleichen teilen.

    wenn das grundsätzliche prinzip bereits versagt, braucht man sich über die änderungen des großen keine gedanken mehr zu machen und gesellschaftliche umwälzungen gab es nie aus der diskussion heraus, sie wurde erzwungen.

    so kommt die zeit für alles. fürs internet ist momentan die zeit der bedenkenträger. wer will es dem deutschen verübeln, bei all den krisen die er täglich zu bewältigen hat und die nur durch gelegentliche wunder am rande unterbrochen werden.

  47. 47

    @PiPi:
    Nachtrag

    Für in Deutschland gesperrte Seiten zu umgehen,
    braucht es nicht viel. (Fleissige Netznutzer wissen
    es schon längst) Über ‚Umwege‘ an Internet-Inhalte
    durch Verschleierung der IP-Adresse zu kommen.
    [Ländercode]

    Bin nicht gescheiter als die Meisten unter uns.
    Darum benenne ich nur http://www.vtunnel.com ;-)

  48. 48

    Nachtrag zu #43

    Zitat:
    Der klassische Leserbrief inklusive seiner zeitlichen Verzögerungen und Redigierungen durch Redaktionen hat damit ausgedient. Was nicht bedeutet, dass die jeweiligen Blog-Autoren nicht auch mal einen Kommentar löschen, denn man muss sich ja nicht alles gefallen lassen. Aber: Wer Spaß an Kommunikation, Austausch und Diskursen hat, ist herzlich willkommen, sich zu beteiligen. Denn ohne Leserinnen und Leser ist das Schreiben wenig sinnvoll.

    Egal

    Im Zusammenhang benenne ich http://www.vtunnel.com

    Mal sehen was daraus wird, wenn man keine Angst
    haben muss seine Menung zu äussern. Oder Inhalte
    auf anderem Wege als Gedacht zu Empfangen. ;-)

  49. 49

    @PiPi:
    Meine Hinweise werden derzeit unterdrückt.
    Ob zu Recht o. Willkürlich kann ich nicht aus-
    machen.

    Wahrscheinlich liegt es an http://www.vtunnel.com, wodurch die eigentliche IP-Adresse verschleiert wird.
    Das ist Legal!

  50. 50
  51. 51
    PiPi

    Mein ja nur“¦ :-D

    Für etwaige Missverständnisse bitte ich um Nachsicht.
    Hege keinerlei böse oder gar berechnende Absichten.

    Alles Gute

  52. 52

    der blogpost selbst wirft ja eine sinnvolle frage auf. aber das niveau dieser diskussion nervt. die pro- wie die contra-seite. die ganze gschaftlhuberische und inhaltlich flache deutsche web-politik-szene. das bestätigt alles noch einmal marcel weiss in seinem netzwertig-blogpost zu Deutschland als Web-Entwicklungsland. kann man nicht bitte mal bei den guten us/uk-leuten nachschauen, um auf das intellektuelle niveau zu kommen? weinberger, searls, tom coates, jeff jarvis, um einfach mal ein paar zu nennen? ok, das würde ja heißen, fünf jahre blogposts nachzulesen …

  53. 53
    Jan(TM)

    BTW Blogs: Weiss zufällig jemand warum Blogger.de seit gestern down ist?

  54. 54

    Ohne Institutionen wird es nicht gehen: Zeitungen, Magazin, Verlage sind Institutionen. Einzelpersonen und Blog-Netzwerke sind keine.
    Die Institution verspricht Glaubwürdigkeit und Stetigkeit. Das kann der Einzelne nicht und das kann auch das Netzwerk nicht.

    Ich weiß – das ist old school. Aber ich bin fest davon überzeugt: Wenn netztypische Kommunikaionsformen Relevanz erlangen wollen, wenn die Veränderungen der medialen Kultur durch das Netz bis in politisch relevante Bereich vordringen soll, dann wird das nur gehen, wenn das Netz sich bestimmten Gesetzmäßigkeiten beugt – eine davon lautet: Ohne Institution ist alles nichts.

    Das bedeutet, ein Stück dessen zu opfern, was das Netz von den klassischen Medien unterscheidet: Freiheit, Hierarchieferne. Es sind genau diese Eigenschaften, die das Netz sympathisch machen. Aber eben auch wirkungslos.

    (Man könnte sagen: So ist das in Schweinesystemen :) )

  55. 55

    ergibt sich das nicht ohnehin zwangsläufig durch die zunehmende organisation?

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