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Bayer Leverkusen – Werder Bremen 0:1 (0:0)

Ein Spiel des Konjunktivs. Man hätte sich freuen dürfen. Man hätte sich freuen dürfen auf zwei Mannschaften, die mit Hoffenheim den besten Fussball des letzten Jahres hätten gespielt haben können. Man hätte sich freuen dürfen auf Kombinationsfussball, auf Geniestreichpässe, auf ungewöhnliche Laufwege. Jeder Laufweg war so gewöhnlich wie die Route, die der Klaus mit dem Wauz durch den Wald jeden Abend gehen will: geradeaus. Es war ein Spiel wie Boenisch. Solide, aber uninspiriert.

Bayer und Werder, die beiden Schmuddelkinder der Bundesligasaison: schöne Bengel, die zu sehr im Mittelmaß gewühlt haben. Und das Spiel der beiden begabtesten Nachwuchsspieler Deutschlands: Özil und Adler, wir werden noch viel Spaß an ihnen haben. Heute Abend nicht. Wenn beide Märchenkinder sind, dann ist Bremen das zur bösen Stiefmutter erwachsene Dornröschen, und Bayer schläft noch.

Es ist Konsens zu glauben, Diegos Abgang tötet Bremens Mittelfeld. Das Problem ist nicht Diegos Abgang. Er mag Herz und Hirn des Bremer Spiels sein: was fehlt, sind die Lunge (Frings braucht demnächst einen Privatsponsor, der ihm einen Bernsteinrollstuhl baut), die Nieren (seit die Außenverteidigerpositionen als Platzhalter aufgestellt werden) und die Leber (Baumann sieht aber auch Gelb jedes Spiel). Özil kann, wird ihn ersetzen: wenn er denn Stürmer vor die Naswe gesetzt bekommt, die ansonsten nicht bei besseren Zweitligisten spielten.

Im Gegensatz zum CL-Finale sah das Spiel aus, als würden Labbadia und Netzer mit einem freien Mann kickern. Und als wäre der freie Mann bei Bremen Diego, als kleiner Diktator eingestellt, aber ein wenig Stalin: ohne Weitblick.

Bemerkenswert war in erster Linie die purpurne, mit beißenden Farben kombinierte Krawatte von Günter Netzer: aua, aua, aua.

Leverkusen startete mit einem Krampf im Steiß: nach dieser Saison noch was gewinnen zu können, klingt nach Geisterbahn. Wahrscheinlich ist Arturo Vidal der begabteste Fussballer der Bundesliga, wahrscheinlich ist Helmes mit einer der besten Stürmer Europas, wahrscheinlich können die was, Und das reicht für das Pokal-Finale? Daran haben sie selbst nicht geglaubt.

Die 58. Minute: das Tor der Bremer. Später wird sich herausstellen, dass es das Siegtor war. Ein Bulimikertor: das haben sich die Leverkusener doppelt reingewürgt. Darauf haben die Werderaner gewartet: the golden shot. Dementsprechend endete das Spiil: zwar teilweise nicht dem Rhythmus entsprechend, aber stringent, schleppend wie golden brown.

Obwohl: Leverkusen mühte sich. Als braver Schüler. Als braver Schüler, der dringend das Klassenziel erreichen will. Ein braver Schüler, dem im nächsten Jahr der große Durchbruch droht, wie das bei Leverkusen Jahr für Jahr der Fall ist. Leverkusen, die Mannschaft der Konjunktive: könnte, aber hätte. Und am Ende hält der Gegner den Pott in Händen.

Dieser Post ist ohne Doppelpunkt nicht lesbar.

14 Kommentare

  1. 01

    Lieber Fred

    Wenn Du so gut mit dem Ball umgehen könntest wie mit den Worten… wärst Du sicherlich iim Kader eines Erstligisten:-)

    Danke @ All

  2. 02
    Frédéric Valin

    @PiPi: Jetzt bin ich sehr geschmeichelt. Andererseits kann ich den Ball 86 mal hochhalten. Im Schnitt. Ha!

  3. 03

    Hat es sich also doch ausgezahlt, das Spiel nicht im TV zu verfolgen sondern mit sinnvolleren Unwichtigkeiten die Zeit verstreichen zu lassen und sich letztlich über den Endstand zu freuen …
    PS: Wo bleibt eigentlich der Spielbericht zum Frauen-DFB-Pokalfinale, immerhin sind da 7 Tore gefallen gegen die Turbine!

  4. 04
    Martin2

    Delling hat sich eben mit den Worten von Allofs verabschiedet:“Und grüßen Sie mir die Mannschaft“.
    Natürlich ist das nur eine Floskel.
    Aber wenn man sich das mal vorstellt, dass Allofs in die Kabine geht und sagt:“Hey noch einen schönen Gruß vom Delling“. Schon amüsant irgendwie.

  5. 05

    Die sind doch wahrscheinlich ohnehin schon so besoffen, dass sie das nicht mehr merken.

    Zum Spiel: Der Artikel trifft’s.

  6. 06
    Fahabian

    Wie wurden eigentlich früher über Spiele ohne Metaphern geschrieben?

  7. 07

    Hm, so schlecht war es nicht. Zumindest, wenn man im Oly live dabei war. Ich finde, du hast dich zu sehr von der schlechten Kommentierung hinreißen lassen. Und nur weil Helmes strebend sich müht, bereits vor dem Transfer ins Schwabenland in Gomez‘ Fußstapfen zu treten, muss man doch nicht alles gleich schlecht machen.

    Es waren zwei Mannschaften des Bundesliga-Mittelmaßes, von der eine den Umbruch jetzt einleiten muss. Und die andere ihren Trainer nach Hamburg fahren darf.

    Was hast du allen ernstens von dieser Partie erwartet?

    P.S. Ach und danke, dass du das Frauen-Finale nicht kommentiert hast

  8. 08

    mensch fred, biste auch so besoffen wie ich?

  9. 09

    Etwas selbstverliebt der Kommentar, oder? Was haste denn nach der Bundesliga-Leistung der beiden Mannschaften erwartet? Sind nun mal nicht Barcelona oder ManU, die sich hier gegenüber standen. Und seien wir ehrlich, welches Finale hat in den letzten Jahren berauschenden Fußball von beiden Teams geboten? Fällt mir spontan nix zu ein..

  10. 10
    Berliner

    ah.. es nervt jedesmal … der ganze Zoo ist voll und man kommt nach der arbeit nicht in die U2.

    freu mich fuer bremen.

  11. 11
    Stephan

    Find den Kommentar ein bisschen unpassend. Wenn ich ihn nach dem UEFA-Cup-Finale gelesen hätte, hätte ich vielleicht zugestimmt. Aber nach dem Spiel gestern – Nein! Entschieden Nein!
    Erst mal vorweg: Was hat das Pokalfinale mit der Bundesliga-Saison zutun? Was hat der Weggang Diegos mit dem Pokalfinale zutun? Was hat die Zuneigung Helmes‘ zu Stuttgart mit dem Pokalfinale zutun. Ich denke, nichts. Nun zum Spiel. Es war kein berauschendes Spiel. Wäre ja auch komisch gewesen, ist ja ein Finale. Da geht es nicht darum, berauschend zu spielen. Schon mal Sport gemacht, bei dem es um Erfolg geht? Vermutlich nicht. Da geht es um’s gewinnen. Und das haben die Bremer. Gut so. Wie?1 Ist wurscht…ein Tor mehr. Punkt. Sie haben nicht so nervös gespielt, wie man es hätte erwarten können. Von Leverkusen hatte ich mehr erwartet. Das war nix. Es gab überdurchschnittlich viele Torraumszenen für ein Pokalfinale. Das steht fest. Alsso war es ein gutes Spiel! Oder nicht?! Darum geht es einem als Fußballfan doch, oder?! Oder geht es darum, jeden Tag ein bisschen besser?! …wie 2006. Das ist Geschichte. Das hat einmal funktioniert. Jetzt ist Bremen Pokalsieger. Und ich fand das Spiel unglaublich spannend!
    Und der Vergleich mit anderen Nationen hinkt gewaltig. Da wird Geld gezahlt, das den Vereinen nicht gehört. Wollen wir in Deutschland Geldgeber, denen nichts am Fußball und am Verein liegt. Denen es nur um den Ertrag geht? Ich bin für ehrlichen Fußball. Werder ist in ein Verein, der mit den Millionen aus der künftigen Euro-League nicht vorher rechnet….wie Hertha oder Hamburg. Die sie dann vielleicht nicht erreichen und dann die Spieler verkaufen. Das gibt’s bei ehrlichen Vereinen nicht. Darauf sind alle Bremer stolz. Es geht auch ohne das große Geld. Drauf können wir in Deutschland stolz sein. Wir waren schließlich doppelt im Uefa-Cup-Halbfinale und dann im Fianle vertreten und in der Champions-League im Halbfinale vertreten. Das ist schön.

  12. 12
    pat

    dieses ewige rumgehacke auf boenisch ist lächerlich und du hast es dir aus dem rest der medienlandschaft abgeschaut (leider). ansonsten stimme ich zu…

  13. 13
    Frédéric Valin

    @pat: Die Medienlandschaft hackt auf Boenisch rum? Das überrascht mich ehrlich.

    @ovit: Nicht mehr!

  14. 14

    :-) Der Boenisch hat schon seinen Sinn, der zieht seine Kollegen mit. Wenn der den Kopf senkt und losstartet wie ein Stier, dann kann das belebend fürs Spiel sein, zumindest, wenn er dabei nicht den Ball verliert…
    Das dieses Spiel kein supergeniales wird, hab ich mir schon vorher gedacht und daher ging es letzendlich nur um eins: den Pott. Und den ham wa jetzt…

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