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Wir werden niemals für Musik bezahlen

Wir werden niemals für Musik bezahlen. Denn das haben wir bisher auch nicht getan.

Warum nur diejenigen Unternehmen den Sprung ins Musikbusiness 2.0 schaffen werden, die diese simple Erkenntnis verinnerlicht haben: Nach dem Klick.

Auch wenn sich mittlerweile hier und da etwas tut: Noch immer jagt die alte Musikindustrie (es entwickelt sich ja längst eine neue) den Urheberrechtsverletzungen im Internet hinterher, noch immer gibt es Abmahnungen, Gerichtsprozesse, Strafverfolgung bei illegalen Up- oder Downloads, und noch immer suchen Teile der Branche nach einer Antwort auf die Frage, wie man in digitalen Zeiten Geld mit dem Verkauf von Musik verdienen soll.

Dabei ist die Antwort ganz einfach:
Gar nicht.

Ich habe in den 70ern Plattenspieler und dazu passende Vinyl-Platten gekauft. Zusätzlich habe ich mir einen Kassettenrekorder und viele, viele Leerkassetten gekauft, die ich mit den Songs der Vinyl-Platten bespielt habe, um sie dann an Freunde (okay: Freundinnen) zu verschenken.

Später in den 80ern habe ich mit einen CD-Spieler zugelegt und unglaublich viele CDs; teilweise habe ich sogar CDs gekauft, auf denen genau die gleiche Musik war wie auf meinen Vinyl-Platten und den nicht mehr ganz so leeren Leerkassetten. Damals wie heute habe ich außerdem Geld ausgegeben für Konzerte und T-Shirts und Musikmagazine … ich kann also ohne Übertreibung behaupten, dass ich in meinem Leben schon viel Bares bezahlt habe für die Kultur rund ums Musikhören.

Nur für die Musik selbst habe ich nie bezahlt. Sondern immer nur für die Möglichkeit, genau die Musik hören zu können, die ich hören wollte, und zwar wann und wie ich will und am besten auch noch wo ich will. Ich habe Geld bezahlt für verschiedene Möglichkeiten rund ums Musikhören, ich habe Geld ausgegeben, um die von mir favorisierte Musik hören zu können und nicht dem Geschmacksdiktat von Radio oder Fernsehen ausgesetzt zu sein. Ich habe mein Geld in Dienstleistungen, Events, Zubehör und Hardware investiert.

Und genau das tue ich heute noch: Seit den 90ern kaufe ich Festplatten und USB-Sticks und MP3- und Media-Player und lasse mein Geld in Musik-Downloads-Stores, um den Song, den ich hören will, jetzt und sofort genießen zu können. Ich bezahle Geld dafür, jederzeit beinahe jede Musik der Welt zu hören (solange ich Netz habe), um meinen Musikgeschmack anderen mitzuteilen oder um meine Lieblingssongs auf kürzestem Wege Freunden zukommen zu lassen. Dafür gebe ich Geld aus. Aber nicht für die Musik selbst. Weder gestern noch heute noch morgen.

Ich glaube, dass dies der Kern der Krise desjenigen Teils der Musikbranche ist, der noch immer glaubt, er würde Musik verkaufen. Die Branche steht meiner Meinung nach keiner Verendung, sondern einer Veränderung gegenüber; erkennt sie dies, wird sie überleben und mehr Geld verdienen als jemals zuvor.

Und der erste, der es schafft, die Musik- und Video-Industrie von ihren veralteten Restriktionen (Länder-Codes!) abzubringen, um einen kommerziellen BitTorrent-Service starten zu können, derjenige wird sie alle anführen.

Mehr Gedanken zum Thema gab es vor einem Jahr hier.

95 Kommentare

  1. 01

    @#718168: Danke! Ist korrigiert.

    @#718148: Copyright, bei uns Urheberrecht, ist keineswegs Schwachsinn, finde ich. Es braucht nur eine neue Definition, andere Kontrolle für die Urheber, Creative Commons geht da den richtigen Weg. Mag ja sein, dass meine Musik leicht kopierbar ist, dennoch möchte ich entscheiden können, ob Marke XYZ sie für ihren Spot benutzen darf und wieviel ich dafür verlange. Es geht beim Urheberrecht um etwas mehr als die Frage, ob man einen Song kopieren darf.

    @#718169: „Der erste“ ist ungleich „der einzige“, solche Monopole kann man leicht vermeiden. | „Freie“ Zugänge: Werden kommen, als Stadtnetze etc., außerdem werden meine Zugänge seit Jahren günstiger, deine nicht? | Die GEMA weigert sich seit vielen Jahren, Urhebern freiere Wahl bei der Lizenz-Form zu gewähren, das verstehe ich u.a. unter „hemmen“, und was Europa angeht, dort streiten sich die diversen Vertreter u.a. um Zuständigkeiten. | Flatrate: Langes Thema „¦ kurz: ich befürchte ähnliche Verteilungschlüssel wie bei den Radio- und TV-Abgaben, die ich ebenfalls unfair finde.

    Das wichtigste ist aber, dass es im Artikel nicht um die Details geht, die wir ja hier ebenfalls schon oft diskutiert haben und bei denen ich nach wie vor die Unterscheidung zwischen Urhebern und Musikern für enorm wichtig halte, da wir über verschiedene Ansprüche und Vergütungen reden müssen. Es geht auch nicht darum, dass Musiker plötzlich kein Geld verdienen sollen, ganz im Gegenteil.

    Es geht mir darum, darzustellen, dass das Geld schon immer und auf sehr vielen Ebenen mit dem „Drumrum“ verdient wurde. Nie mit dem Klang an sich.

  2. 02

    Ich zahle für manche Musik. Nicht für die Tonträger, die sie enthalten, sondern für die Musik auf ihnen.
    (Allerdings ist mancherlei „artwork“ einfach so verdammt geil…)

    Gut, Chartsmucke verdient keinen Cent. Bekommt auch keinen von mir.

  3. 03
    lork

    Ich bin für Zwangs-Musikflatrate. Anders geht’s nicht, kopiert wird so oder so. Aber wer soll die Einnahmen so an die Musiker verteilen, dass diese sinnvoll gefördert werden? Irgendjemand muss ja entscheiden, wer „gut“ genug ist und wer nicht. Die Musikindustrie?!

  4. 04

    @lork: Die Grund-Idee wäre ja ein technisches System, das gerecht verteilt. Wer also viel runtergeladen wurde, bekommt viel. Nur (meine Vermutung), dass so ein System Millionen verschlingen würde, speziell, da es weltweit funktionieren müsste, und man sich am Ende daher doch wieder auf eine Pauschalverteilung einigen müsste, die nur die Großen berücksichtigt, wird eher selten bedacht.

  5. 05

    Auch eine lesenswerte Ansicht: http://sivers.org/ppay

  6. 06

    Ich als DJ achte sehr wohl auf legale Musik und gebe sehr viel Geld dafür aus. Ob Musicload oder Vinyl-Shop. Im Schnitt sind da schon 20-30 Euro pro Monat drin. Aussderm wird die Musikindustrie durch die Gema und die GVA gestützt, die von (Web-)Radios teuer bezahlt werden müssen.

    Alternative: iTunes- und co. Radios hören, die so ziemlich jeden Geschmack treffen.

    Oder wir schauen es von dem Nachbarn ab: In Frankreich wird die Musikindustrie statt durch GEZ etc. durch einen festen Steuersatz finanziert.

  7. 07

    Seit jeher und hat man für das Medium, das Musik speichert, bezahlt, und nicht für die Musik an sich, außer bei Konzerten. Das ist heutzutage nicht anders, nur hat sich die Währung erweitert, in: ISP Gebühren und Aufmerksamkeit.

    @Johnny, Der Auffassung, dass Musik nicht mit dem Klang Geld verdiente, sondern stets über das Drumherum, kann ich nicht ganz zustimmen: außer du betrachtest Klang als sterile Einheit, ohne die Denotation von Emotionen und Vorstellungen. Ich bin davon überzeugt, dass sich Elvis nicht nur wegen seines Aussehens, sondern auch wegen seines Sounds und den damit auslösenden Gefühlen gut verkaufte.

    Einer Kulturflatrate stehe ich aus Gründen ähnlich wie Johnny sehr kritisch gegenüber: Würde sie doch bedeuten, dass jede Person mit einem Breitbandzugang Gebühren entrichten muss, ungeachtet wie viel „žKultur“ sie konsumiert. (Kultur konsumieren klingt doch furchtbar, oder?!). Da würden einige nicht-„žheavy-user“ – aus meiner Sicht verständlich — was dagegen haben. Außerdem: wie könnte denn tatsächlich ein Ausschüttungsschlüssel zur Vergütung aussehen: ist ein Song weniger wert als ein ebook, oder wiederum mehr als ein Film, oder gleich viel wie ein Foto? Mir fällt es schwer Kulturgüter in so pauschal geformte ökonomische Güter zu sehen.

    Sehr spannend finde ich die Frage, für welchen Mehrwert, die/der MusikkonsumentIn bereit wäre tatsächlich zu bezahlen. Bzw. ob das Phänomen, dass auf 1 gekauften Song 8 illegal bezogene kommen, rein über den Faktor „žgratis“ zu erklären ist.
    Ich wage zu mutmaßen, dass das u.a. eine Problematik der Transparenz ist und appelliere an zukünftige Moral. Kauft der Otto Normalverbraucher einen Tonträger bzw. mp3 via iTunes weiß er rein gar nichts darüber, wer was und warum von seinem Geld bekommt. Er weiß mittlerweile nur, dass die MI schlecht und nicht unterstützenswert ist, und auf die Frage, ob das Sinn macht, Musik von Musikern zu klauen, die er wertschätzt, hört man selten überzeugende und überzeugte Aussagen.

    Stell sich mal einer vor es gäbe ein „žFair-Trade-Zertifikat“ (ähnlich Kaffee) für Musik:
    Es garantiert, dass xy% an Künstler, xy% an Label, xy% an Vertrieb, xy%,……………, vom „žmeinem“ bezahlten Geld gehen.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass damit Leute eher dazu bereit wären für „žihre“ Musiker und Bands zu bezahlen, wenn sie wüssten wo tatsächlich ihr Geld landet.

    Übrigens: ich glaube nicht an eine „žall-in-one-Killerapplikation“, die die komplette MI aufrollt von heute auf morgen verändert und „žsie alle anführt“; viel zu sehr fragementiert ist dafür der Markt mittlerweile.

  8. 08

    one usb stick to rule them all :-)

  9. 09
    Andreas Habicher

    Ja, Ländercodes… wie ich sie hasse! Da bekommt man ganz normal als völlig legales Geburtstagsgeschenk (Geburtstagsgeschenke sind doch noch legal…?) eine DVD – aber halt aus Amerika. Pech gehabt.

  10. 10

    Wow, so grandios am Problem vorbei geschrieben, dass es schon wieder Kunst ist.
    Zunächst einmal ist es doch eine reine Spitzfindigkeit, ob ich sage ich bezahle für die Musik, oder für die Möglichkeit, mir selbstbestimmt den Zugang zur Musik zu ermöglichen (@Chris Wochagg: Selbes gilt wohl für Konzerte, hier zahle ich für das Privileg an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort zu stehen).
    Entscheidend ist doch vielmehr, dass ich Musik als etwas wahrnehme, dass es verdient wertgeschätzt zu werden. Und Wertschätzen geht letztlich nur, wenn ich etwas anderes freiwillig dafür opfere, den Gegenstand meiner Wertschätzung zu konsumieren/zu genießen/in Anspruch zu nehmen.
    Was fehlt sind Ansätze. Eine Lösung für die Musikindustrie bleibst Du schuldig, denn die ergibt sich aus deiner angeblich so tiefen Erkenntnis heraus ebensowenig wie aus den bisherigen Versuchen der Musikindustrie mittels Kopierschutzmechanismen das Problem der Geizmentalität in den Griff zu bekommen.
    Hier liegt das eigentliche Problem: Viele Leute wissen es einfach nicht mehr zu schätzen, was andere Leute für sie erschaffen. Klar ist es praktisch, Musik kostenfrei und jederzeit per Download zu bekommen, nur, das die Leute, die sie erschaffen haben letztlich dabei die Dummen sind. Das ist auch ein Fehler der Plattenindustrie, weil die den Künstlern kaum ordentlich Gelegenheit bietet, sich eine ordentliche Fanbas zu erarbeiten. Statt dessen hört man im Radio nur noch Songs die größtenteils völlig austauschbar sind. Jeder Song ist gleich ein Hit und nächste Woche ist der Hit von letzter Woche schon wieder vergessen.
    Wer allerdings wirklich Musik zu schätzen weiß und sich ernsthaft damit beschäftigt, der sollte auch nicht so geizig sein, gelegentlich 10 – 20 € dafür hinzulegen. Gegen gelegentliche Weitergabe an Freunde habe ich gar nichts, und die Musikindustrie im übrigen auch nicht. Aber die ungeheure Potenzierung, die diese Weitergabe dann erreicht, wenn man über Torrent-Portale an völlig Fremde und völlig unkontigentiert weitergibt, wird über kurz oder lang die Industrie kaputt machen.
    Im übrigen sicher auch ein Grund dafür, dass man heute schon fast standardmäßig für ein Konzert mittelmäßig bekannter Bands um die 40 € hinlegen muss. Danke, liebe Torrent-User!
    Ich habe bisher meine Musik (oder das Privileg des Genuss derselben) gekauft und werde dies auch weiterhin tun. Wer sich im Netz bedient, sollte dies nie tun, ohne auch etwas zurückzugeben. Und sei es bloß schnöder Mammon.

  11. 11

    Unsere (Schnucki&Ich) Zigtausende Titel tragende Musiksammlung wurde schon gekauft, als die Umstellung auf Digital (CD) noch gar nicht Populär war. Im Nachhinein gesehen war die Musik (Tonträger) nicht teurer als heute.
    Mit dem Unterschied, dass sich aufgrund der modernen Technik die Produktion
    und die Vermarktung vereinfachen lässt. Das war ein „Klugscheiss“. Ernstzunehmende Beiträge findet man … auch. ;-)

  12. 12
    Andi

    Hier mal meine Gedanken dazu:

    1. Habe ich sehr wohl früher für Musik Geld ausgegeben. Das waren damals Alben, wie es sieh heute von der Qualität her kaum noch gibt. Aber es war auch viel Schrott dabei.

    2. Ja, ich gebe heute für Musik kaum noch Geld aus. Das liegt imho an drei verschiedenen Gründen:
    a) Die Qualität der Musik ist einfach schlechter wie früher. Heute ist vieles auf Kommerz ausgelegt. Das war früher nicht ganz so krass. Aber dieser Punkt spielt bei mir kaum eine Rolle.
    b) Es gibt die Musik heute gratis zum runterladen (vieles legal, vieles aber auch illegal). Viele Sachen höre ich mir mal an, und entscheide mich gegen einen Kauf. Manche Sachen kaufe ich dann aber auch. Aber auch dieser Punkt spielt bei meinem (fehlenden) Kaufverhalten eigentlich kaum eine Rolle.
    Der wahre Punkt, warum ich kaum noch Musik kaufe (und ich bin mir sicher, dass das der wahre Grund ist, warum die Plattenverkäufe so stark zurückgegangen ist), ist der Punkt c):
    Meine Eltern haben früher erst sehr spät Kabelfernsehen angeschafft. Ich glaube, ich war damals erst 16 oder so. Bis dahin musste ich mit den wenigen öffentlich-rechtlichen Programmen auskommen. Zwar hatte ich damals einen PC, aber der Internetzugang war damals auch sehr teuer. Und Spielzeug hatte ich auch kaum. Was mir blieb (bis auf das draußen-mit-Freunden-spielen) war also fast nur das Lesen und das Musikhören. Deshalb habe ich früher sehr viel Radio gehört und sehr viele CDs gekauft.
    Heute geht das mit der Musik einfach unter neben dem Privatfernsehen; der ständigen Verfügbarkeit des Internets; der Spielekonsolen, die die meisten Kinder haben; bzw. dem ganzen Spielsachen; etc. pp.
    Die ganzen Kinder haben doch heute daheim kaum noch Gelegenheit, so richtig Musik zu hören. Und wenn sie Bock auf Musik haben, dann schalten sie MTV oder Viva an. Das gab es bei mir damals so nicht.
    Daher denke ich, der Grund, dass heute so wenig Musik gekauft wird, ist nicht der, dass es die Musik kostenlos gibt, sondern ganz einfach, dass Musik heutzutage einfach nicht mehr so einen Stellenwert hat, wie früher. Es gibt heutzutage einfach so viel anderes Zeugs, mit denen sich die Kinder und Jugendlichen beschäftigen (PC, Konsolenspiele, etc.). Dorthin fließt jetzt das Geld. Das ist einfach eine Bewegung, die durch den ganzen Kommerz und den Überfluss entstand, und weniger durch das Internet. Und diese Bewegung kann auch kein Kopierschutz und sonst was bremsen.
    Ich hoffe, es ist klar geworden, was ich meine.
    Wie denkt ihr darüber?
    Grüße
    Andi

  13. 13

    Weil’s mit dem Trackback irgendwie nicht funktioniert: http://www.meine-url-ist-laenger-als-deine.de/?p=1793 – Wir werden niemals für Essen bezahlen

  14. 14

    #57

    Das von Dir angesprochene ‚TrackBack‘
    würde einem so einiges erleichtern.

    Leider ermöglicht es die eingeschränkte Version von http://wordpress.org/
    nicht, seine alten Beiträge mit einem Klick zu sichten.
    Wenn der Porenbetreiber kein Problem erläutern kann, möge er doch bitte zu den alten ANSICHTEN zurückkehren.

    Allen Alles Gute :-)

  15. 15
    twinni

    Vollste Zustimmung zu dem Beitrag von Andi.
    Ich hab das selber gar nicht so wahr genommen aber er hat absolut Recht. Wenn ich mal drüber nachdenke ist es bei mir genau so.
    Auch ich habe vor einigen Jahren viel Geld für Platten und/oder CDs ausgegeben, obwohl es schon damals die Möglichkeiten gab sich die CDs irgendwo auszuleihen (Videothek, Freunde) und dann zu kopieren. Ich habe diese Musik damals einfach intensiver genutzt als das heute der Fall ist. Heute höre ich Musik mehr oder weniger nur noch auf dem Weg zur Arbeit oder ich nutze Abends mal dieses neue Programm auf der PS3 mit dem man sich Tausende Musikvideos online onDemand anschauen kann – und das ganze völlig kostenlos.
    Wo ich mich früher mal hingesetzt habe und ein wenig in die Plattensammlung reingehört habe, habe ich heute viel mehr Möglichkeiten mich zu beschäftigen, wie z.B. Internet, Spiele auf PC oder Konsole etc. etc. – das mediale Angebot ist in kürzester Zeit einfach viel grösser geworden und die Musik hat einen riesigen Teil der Nutzzeit schlicht verloren.
    Kurz – ich brauche schlicht und ergreifend keinen physischen Datenträger mehr. Radio und Streams reichen mir völlig aus.

    Naja… das und der Mist der sich heutzutage „Hit“ nennt. Jede neue Retourtenband hat gleich bei der ersten Veröffentlichung schon „den nächsten Nr. 1 Hit“ (laut Werbung) und die Bands kommen und gehen so schnell das ich gar nicht mehr mitbekomme wer grad „hip“ ist. ^^ Wie kommen die da oben überhaupt auf das schmale Brett das man für sowas schnelllebiges sein schwer verdientes Geld ausgeben sollte?

    Und zuguterletzt noch ein nicht unwichtiger Punkt in diesen Zeiten. Es gibt viele viele Leute die schlicht nicht das notwendige Kleingeld übrig haben um Monat für Monat 20-30 Euro für Musik auszugeben. Was erwartet ihr z.B. von einem Kind das unter solchen wirtschaftlichen Umständen aufwächst – das es komplett auf die Musik verzichtet oder wird es sich einmalig für 15 Euro einen MP3-Player kaufen und sich dann die Musik „besorgen“? Tut mir leid wenn ich solch ein Kind nicht verurteilen könnte, aber die „Musik“industrie kann wie wir alle wissen.

    Sorry wegen der Überlänge. :)

  16. 16
    Chriss

    Hallo liebe Musiknutzer,

    durch googeln bin ich zufällig auf dieser Seite gestoßen und habe mir mal die mühe gemacht auch alle Kommentare durchzulesen. Vorab, ich selbst bin Produzent, Verleger und auch ausübender Künstler. D.h. ich produziere Musik, verkaufe und performe – das besondere daran ist, das ich alles in Eigenregie mache, wodurch ich natürlich „alle“ entstandenen Kosten selber tragen muss. In der Heutigen Zeit, wo Diebstahl von Musik an der Tagesordnung steht, ist dies ein echter Nachteil für mich geworden. Was meinen die lieben Nutzer, was solch eine Mp3-Datei Kostet? Wir sprechen doch hier nicht von einem Ausgabeformat, sondern hinter solch einer Datei steckt eine aufwändige Produktion! Habt ihr euch schon mal überlegt, wie viel Zeit und Geld in solchen Produktionen investiert werden, wie viel arbeit und Kreativität es verlangt erst mal ein Konzept auf die Beine zu stellen!?

    U.a. wurde die Qualität einer CD angesprochen. (CD´s halten nicht ewig). Dann verratet mir doch mal bitte, wie lange hält eine Glühbirne für ein paar Euro? Im Endeffekt versucht doch der Raubkopierer lediglich durch solche Aussagen sein Diebstahl zu rechtfertigen. Wenn wirklich nur die Qualität einer CD in der Kritik stände, dann gäbe es tausend Möglichkeiten dafür doch eine Lösung zu finden. (z.B. man könne dem Nutzer, der eine CD legal erworben hat, ein neues Exemplar gegen Austausch des alten kostenlos zukommen lassen).

    Darüber hinaus wurden die Preise angesprochen. Habt ihr euch denn schon mal gefragt, warum Musik inzwischen so teuer geworden ist? Ich denke jeder der ein wenig gebildet ist, kennt aus unserer Wirtschaft „Angebot und Nachfrage“. Da nun nur noch die wenigsten bereit sind, für Musik Geld auszugeben, bleibt bzw. blieb der Musikindustrie doch gar keine Wahl mehr übrig.

    Fazit: Wer für Musik nicht zahlt, macht sie obdachlos, im wahrsten Sinne des Wortes. Und sollte sich in dieser Hinsicht zukünftig nichts ändern, dann könnt ihr gewiss davon ausgehen das Musik früher oder später nur noch in Geschichtsbüchern zu finden sein wird. Glaubt mir, sollte Musik nicht mehr finanzierbar sein, wie soll sie dann bitte noch existieren können? Es würde sicherlich Ausnahmen geben, nur dann habt ihr im Regal eine Auswahl zwischen 8 Interpreten zu jeweils 2 Alben. Denn die Musikindustrie geht durch diesen Raubkopien langsam (da angesammeltes Kapital) aber sicher zu Grunde! Wenn dies Tatsächlich euer Wille ist, dann seit ihr auf dem richtigen Wege…

    Die Musikindustrie arbeit auch nicht gegen ihren Kunden!..
    Wie soll ein Raubkopierer ein Kunde sein, wenn er stiehlt!?..

    Grüße, Chriss

  17. 17

    @Chriss: Chriss, das ist leider alles etwas „¦ naja, fehlvermutet.

    Niemand sagt, dass du als Musiker kein Geld verdienen sollst. Nur wird dir das — wie in allen künstlerischen Bereichen auch — niemand garantieren, es wird nicht mehr mit dem Verkauf der reinen Musik passieren und, damit bleibe ich beim Artikel, es ist auch nie damit passiert. Früher hat man eine LP verkauft, dann eine CD, beides haptische Dinge, deren Produktion etwas kostet. Die Produktion der Kopie einer Datei kostet genau: nichts. Die Produktion der Musik hat auch vor dem Internet schon Geld gekostet und die wenigsten Musiker konnten diese Investition, so sie diese selbst getätigt haben, durch den Verkauf von CDs wieder einspielen. Diejenigen, die es geschafft haben, hatten ein Label als Geldgeber, als Risikokapitalgeber, als VC, als Bank. Das gibt es auch heute noch, doch es gibt eben auch Wege daran vorbei:

    Als Musiker hast du wie jeder andere Künstler, wie jeder Selbständige auch, risikoreiche Anfangsinvestitionen. Während der Tischler eine Werkstatt braucht, um seine (selbständige) Arbeit auszuführen, brauchst du ein Studio, Instrumente, etc.. Der Tischler verkauft Tische, du verkaufst deine Kunst, deine Ausstrahlung, dein Talent, deine Gabe, deine Kreativität. Wenn deine Songs, die du auf deiner Seite verschenkst, ankommen und viele Fans finden, werden diese auch die haptische Sonderedition mit CD und Booklet kaufen, oder dein T-Shirt oder sie werden den Sponsor besuchen, der deine Seite unterstützt oder sie werden viel Geld ausgeben, um dich live sehen zu können. Vielleicht werden sie sogar freiwillig etwas zahlen.

    Nur: Das muss man anbieten, man muss den Leuten die Chance geben. Es ist doch absurd: Da schreibst du als Musiker hier in den Kommentaren und verlinkst nicht einmal deine Seite und deine Musik. Wie kommt’s? Hast du Angst, es könnte dich jemand kennenlernen? Wenn du das nicht selbst machen kannst oder willst: Es gibt Services, die dafür sorgen, dass deine Songs auf iTunes und in anderen legalen Download-Plattformen erhältlich sind.

    Wirklich, ich finde das bezeichnend für eine Generation von Musikern, die den Blödsinn der Industrie, die sie nicht mehr brauchen, wiederkauen: „Ich kann von meiner Musik nicht leben, weil alle nur noch kopieren“. Falsch. Du kannst von deiner Musik nicht leben, weil sie nirgends zu finden ist und ich dir nicht mal Geld geben könnte, wenn ich wollte.

    MySpace, iTunes, Facebook, Blogs: Diese ganzen Plattformen sind dein neuer Vertrieb, deine neue Marketingwelt. Früher hat dir das Label dafür bis zu 95% deiner Einnahmen aus dem Verkauf abgenommen, heute kannst du das selbst. Überleg mal, wie viel weniger Geld du verdienen musst, bevor du Gewinne machst.

  18. 18

    @Andi: Du hast vollkommen Recht und das, was du aus persönlicher Erfahrung vermutest, ist auch mit Studien belegt (die ich natürlich gerade nicht zur Hand habe):

    Das Feld des Unterhaltungskonsums ist einfach viel viel breiter, als es „früher“ war. TV, Internet, Kleidung, (ganz besonders wichtig:) Videospiele, DVDs, Musik — die alle teilen sich heute den Etat, der früher vlt. für Musik und den Rummelplatz draufgegangen ist. Die Industrie weiß das auch sehr genau und steckt Energien schon lange in die Vermarktung von Musik via Videogames, deren Umsätze die der Filmindustrie längst überholt haben. Merkwürdigerweise aber ziemlich „unter dem Radar“ „¦ wenn Videogames im Mainstream auftauchen, dann als Teufelszeug. Wo sind die TV-Shows zum Thema (gut, die gab es auch für gute Musik nie wirklich), wo sind Games in der Mainstream-Presse, die tägliche Games-Kolumne in der FAZ? Games sind wie Comics und „Underground“-Musik: Existiert nicht im Mainstream und macht Milliarden Umsätze.

    Eigentlich muss man das gut finden.

  19. 19
    Chriss

    @Johnny Haeusler: Hallo Johnny, vielen Dank für dein Feedback.
    Wenn alle so denken würden wie du, dann wäre ich ja noch froh darüber. Nur: Es spielt meiner Meinung nach schon garkeine Rolle mehr, ob ich ein kundenfreundliches Angebot präsentiere oder nicht – ob ich nun meinen Song zu 1,69 EUR oder zu 0,29 EUR verkaufe, sie werden es trotzdem kopieren. D.h. automatisch ich mache so oder so Verluste, weil die meisten einfach zu faul geworden sind für Musik etwas zu zahlen, da man es über Umwege doch auch kostenlos kriegt. Und ich bin ehrlich gesagt sehr skeptisch, ob sich daran nochmal was ändern wird, sprich das auch die Massen an Kopierer einsieht, das dieses umgehen von solch geringen Kosten für Musik nicht fair gegenüber den Produzenten und Musikern ist.

    Das die Zukunft in der Digitalen Welt steckt, wage ich garnicht zu bezweifeln. Meine Songverkäufe liefen bisher ausschließlich über das World Wide Web. Und ich finde dieses Medium an sich, sehr kompfortabel gegenüber den Kunden sowie gegenüber den Musikern. Und meine Absicht liegt darin, darauf aufzubauen.

    Meine Internetseite habe ich bewusst nicht mit angegeben, da sie momentan überarbeitet wird. (www.drallax.com)

    Grüße, Chriss

  20. 20
    Andi

    Hallo Chriss,

    hast du es denn schon überhaupt probiert, über das Internet was zu verkaufen?
    Deine Webseite ist z.Zt. offline, bei myspace gibt es nur ein einziges Lied zum anhören und bei http://www.mp3.de habe ich zwei mp3s gefunden, die man sich kostenlos runterladen kann.
    Nirgends jedoch sehe ich die Möglichkeit, von dir etwas zu kaufen (vielleicht habe ich aber auch etwas übersehen).

    Woher nimmst du also Informationen für deine Argumentation, niemand würde etwas bei dir kaufen, und du würdest sowieso nur Verluste machen?

    Grüße
    Andi

  21. 21
    Chriss

    @Andi: Hallo Andi,

    im Jahr 2006 habe ich erstmalig meine Musik über meine Internetseite verkauft, allerdings nicht als mp3, sondern stink normal als CD. Etwas später hab ich dann Alben und einzelne Songs auch über mp3.de vermarktet. Allerdings dort mit wenig erfolg. Werbung war zum Zeitpunkt on mass im Umlauf, sei es durch Internetbanner-/werbung oder auch durch Zeitungsartikel im regionalen Bereich (NRW).

    Wie schon gesagt, momentan wird „alles“ überarbeitet, neue Internetseite, neue Sängerinnen, neue Alben, neue Songs, neue Bilder, neue Konzepte und über die Preise mache ich mir ja nun auch schon gedanken. Wenn alles gut läuft, hoffe ich Ende das Jahres oder Anfang nächsten Jahres komplett alles auf die Beine gestellt zu haben.

    Ja, verluste habe ich gemacht. Natürlich gibt es auch faire Nutzer die dafür bezahlt haben (keine Frage, wird ja alles Statistisch festgehalten), aber die Mehrheit hat sich dann doch wohl ehr für die kostenlose Variante über Saugstuben entschieden. Kontrollieren kann ich das natürlich garnicht, dafür fehlt mir ganz einfach die Zeit und abgesehen davon, möchte ich eigentlich auch ungern vier mal in der Woche beim Anwalt sitzen um solche zur Rechenschaft zu ziehen, ist quatsch. Was für mich Sinnvoll wäre, ist ein kopierschutz, der auch „funktioniert“ oder irgendwelche Alternativen die Wirkungsvoll sind. Nur welche!?

    Grüße, Chriss

  22. 22

    @Chriss: Mal ehrlich, hat DRM in den vergangenen Jahren irgendetwas dazu beigetragen, dass jetzt weniger Leute raubkopierte Inhalte aus Tauschbörsen nutzen?

    Im Gegenteil. Ich persönlich kaufe prinzipiell keine Musik, die mir vorschreibt, welche (proprietäre) Abspielsoftware ich verwende oder welchen MP3-Player ich benutze (den dass muss sie vorschreiben, denn wenn die Kopierschutztechnik veröffentlicht werden würde, damit jeder Programme dafür schreiben könnte, so könnte man mit dem Wissen den Kopierschutz ja auch knacken)

    Generell ist ein Kopierschutz (Neusprech für Abspielschutz) für lineare Inhalte weniger sinnvoll, da man ja alles aufnehmen und speichern kann. Das braucht nur einer zu machen und schon stehen die Inhalte wieder im Filesharing-Netzwerk zur Verfügung. Deswegen gibt es ja schon Ansätze für einen Hardwarekopierschutz, in dem die eingesetze Hardware das kopieren verhindert, indem z.B die Übertragung vom Datenträger zum Bildschirm komplett verschlüsselt wird. Allerdings birgt solche Technik ein sehr hohes Missbrauchspotenzial (z.B Zensur, Monopolmissbrauch). Wie kann man denn guten Gewissens Leuten Geld anvertrauen, die z.B Rootkits auf seinem System installieren und es überwachen?

  23. 23

    @Chriss: ich will dir nicht zu nahe treten, aber vielleicht war deine Musik und dein Auftreten als Künstler bisher noch nicht gut genug, dass die Leute für dich und deine Musik zahlen wollten. Vielleicht haben sie mal bei dir hineingehört, einige Songs (illegal) heruntergeladen und ihr knappes Geld für etwas ausgegeben, dass ihnen besser gefällt.
    Frage dich doch auch mal, welche Möglichkeiten du vor 20 Jahren gehabt hättest, Hörer zu finden. Die Erfolgswahrscheinlichkeit war ungefähr identisch mit der Wahrscheinlichkeit, bei einem Label unterzukommen, das dich dann aggressiv promoten kann. Wieviele Künstler haben einen dieser wenigen begehrten Plätze ergattert – und um welchen Preis?

    Ein interessanter Artikel zum Thema Musikvermarktung, der dir vielleicht neue Ideen gibt: http://www.futureofmusicbook.com/2009/08/the-marketing-is-the-message/

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