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Die Tragweite der Copyright-Wars

Wenn wir hier über sogenannte Raubkopien, über Remixe und Copyright-Wars schreiben und diskutieren, geht es meist um Film- und Musikdownloads. Fred hat zuletzt das Feld um GoogleBooks und den Heidelberger Appell erweitert. Doch all das ist weit mehr als nur ein Hobby für kleptomanische Musikfans und Leseratten. Hier geht es um die Frage, wem geistiges Eigentum gehört und was dieser Besitz dem Besitzer für Exklusivrechte gibt. Und diese Fragen betreffen weit mehr als Filesharing, sie haben mit globaler Gerechtigkeit, Menschenwürde, letztlich sogar mit der Entscheidung um Leben und Tod zu tun.

Aber fangen wir mal klein an beim mit dem Heidelberger Appell vehement verteidigten Urheberrecht auf Texte:

Das Urheberrecht ist in aller erster Linie ein Verlegerrecht, denn es regelt die Vervielfältigung von schriftlich fixiertem Wissen, und die geschieht nunmal allermeist durch den Verleger. Hierbei nehmen wissenschaftliche Veröffentlichungen in Deutschland aber meist eine Sonderrolle ein.
Deren Autoren, die Wissenschaftler also, forschen im besten Falle mit Steuergeldern bezahlt an der Uni, müssen also nicht vom Verlag alimentiert werden. Im Gegenteil, oft zahlen Wissenschaftler, auch wenn sie keinen festen Job haben, dem Verlag hohe Zuschüsse zu den Produktionskosten. Vielfach sind das Privatgelder oder weitere Steuergelder. Die Fachbücher werden dann teuer an Unibibliotheken verkauft, die diese Bücher mit Steuergeldern zahlen.
Im Extremfall werden also in drei Schritten Steuergelder dafür ausgegeben, dass ein Verlag Geld verdient und Wissen in Kleinauflage nur in Fachbibliotheken steht, statt beispielsweise allgemeinfrei online verfügbar zu sein. Die Wissenschaftler als Urheber dieser Texte verdienen aber meist kein Geld an dem System.

Arme Bibliotheken können sich nur wenige solche Bücher leisten. Menschen, die keinen Zugang zu reichen Bibliotheken haben, haben also keinen Zugang zu diesem Wissen. Das gilt insbesondere in armen Ländern. Dabei wissen alle, das Bildung und Wissen wichtige Entwicklungshelfer sind.

Geistiges Eigentum sind aber nicht nur Popsongs oder Doktorarbeiten, sondern auch technische Verfahren. Wer (oft mit viel Investitionskosten) ein solches entwickelt hat, kann sich dieses für einige Zeit durch ein Patent schützen lassen, um so exklusiv mit diesem Verfahren Geld zu verdienen. Klingt erst einmal fair. Das soll vor Raubkopien im technischen Bereich schützen. So wie einst die Kennzeichnungspflicht „Made in Germany“ für Produkte des größten Raubkopierers der Industrialisierungszeit (Deutschland) den englischen Erfindern den Profit sichern sollte (Copyright-Wars wurden noch immer von den Copyrightfreunden verloren).

Aber Patente gibt es beispielsweise auch auf Zuchtverfahren von Saatgut oder Nutztieren. Der Clou ist dabei, dass nicht nur das Verfahren sondern auch dessen Ergebnisse durch das Patent geschützt sind und somit prinzipiell dem Patenthalter gehören. Der aktuellste Streitpunkt hierzu dreht sich in der Tierzucht um das so genannte Schweinepatent. Bei Pflanzen werden Bauern vertraglich verpflichtet, jedes Jahr neu Saatgut von den Chemiekonzernen zu kaufen, es ist ihnen verboten, von der aus dieser Saat hervorgehenden Ernte selbst neue Saat zu nehmen.
Und wieder sind wir bei den Armen. Arme Bauern, vorzugsweise in Entwicklungsländern, müssen sich derlei Markensaatgut erst einmal leisten können. Durch derlei Patente wird die Lebensmittelversorgung der Welt in die Hände einiger weniger Konzerne gelegt.

In den USA gibt es übrigens auch schon Patente auf menschliche Gene, beispielsweise in der Brustkrebstherapie. Mir ist nicht bekannt, dass diese Patente die Verwertungsrechte an den Produkten aus diesen Genen (also uns) beinhalten, aber immerhin können die Patenthalter anderen verbieten, an diesen Genen zu forschen, was medizinischen Fortschritt nicht gerade beschleunigt.

Apropos Medizin: Jede Menge Patente gibt es auf Medikamente. Das hilft den Medikamentenentwicklern die immensen Forschungskosten wieder herein zu holen. Und es macht medikamentöse Behandlungen teuer.
Ein Musterbeispiel hierfür ist die antiretrovirale Behandlung von AIDS in der dritten Welt mit indischen Generika. Generika sind Medikamente, die in ihrer Wirkstoffkombination identisch mit dem Original sind, aber von einem anderen Hersteller als dem Entwickler quasi als Kopien produziert werden.
Die AIDS-Therapie mit diesen Generika kostet heute in Südafrika 85 Dollar pro Patient und Jahr. In Deutschland lägen die Kosten bei 20.000 Dollar. Doch damit nicht genug, die Behandlung ist in Deutschland so nicht möglich, da sie nämlich ein Pillen-Remix ist, der hier von Patenten verhindert wird. In Afrika werden Generika-Pillen zusammen eingenommen, deren Originale hier verschiedenen Patenthaltern gehören, die sich nicht auf eine Kooperation einigen können.

Leider sind diese Generika-Therapien gefährdet. Das TRIPS-Abkommen zwingt Indien seit einiger Zeit dazu, Patente auf unzählige Medikamente anzuerkennen. Der Chemiekonzern Bayer klagt in Indien in einem Musterprozess gegen ein Generikum der Krebstherapie, der Prozessausgang wird Auswirkungen auf die AIDS-Generika haben. In den Niederlanden und jüngst auch in Deutschland werden indische Generika mit dem Verdacht auf Patentverletzungen konfisziert, auch wenn sie sich nur auf der Durchreise in Länder befinden, in denen sie erlaubt sind.

Dass Urheber- und Patentrecht, Musikdownloads, wissenschaftliche Texte, Schweinezucht und Medikamente in dieser Debatte zusammengehören, zeigt nicht zuletzt, dass sie in sogenannten Freihandelsabkommen gemeinsam verhandelt werden. Oxfam und der Evangelische Entwicklungsdienst haben an der Universität von Buenos Aires eine Studie zu einem solchen in Verhandlung befindlichen Abkommen zwischen der EU und Indien in Auftrag gegeben, die heute veröffentlicht wird. Ich zitiere vier Passagen:

They [EU and India] seem to view IPRs [Intellectual Prpoerty Rights] as an end in themselves, rather than as an instrument to be applied in a way that permits countries to address their development constraints and needs.

Providing protection to digital works — currently under consideration at the national level in India — requires the determination of a delicate balance between public and private interests and, in particular, to ensure that the public domain is preserved from illegitimate appropriations. The provisions proposed by the EU, such as regarding „˜technology protection“™ and, particularly, „˜anti-circumvention“™ measures, may limit the use of copyrighted works even for legitimate purposes. This type of measures, if broadly defined, may drastically limit access to knowledge and put a significant obstacle to the implementation of educational policies.

[The Agreement] would impose on India the obligation to create a sui generis protection for test data submitted for the approval of pharmaceutical (and agrochemical products) a form ofprotection, not required by the TRIPS Agreement, that India has refused to grant. This type of protection would create market exclusivity after the approval of a product, thereby isolating it from generic competition. […] If this provision were adopted, Indian consumers may be deprived during the test data exclusivity period of access to low-priced drugs, even in the absence of a patent on the respective product.

The proposed chapter on IPRs in the draft FTA [Free Trade Agreement] between India and EU represents a clear attempt by the EU to increase the level of IPRs protection, without consideration to the development needs of India. The analysis made above suggests that EU may find difficult, however, to obtain the same concessions in the area of IPRs that it extracted in negotiations with other developing countries. Given the role that India has played in resisting the trends towards TRIPS-plus protection in areas of key economic and social relevance for developing countries, the outcome of these negotiations will set a significant precedent for the future of IPRs protection globally. It will also determine, in particular, the role that the pharmaceutical industry may play as a world supplier of low-cost medicines.

Mal sehen, wer sich durchsetzt.

Die Informationen rund um AIDS-Generika habe ich wie auch die generelle Anregung zu diesem Artikel durch die Konferenz der Linksfraktion im Bundestag „Wem gehört Wissen“ am 15. Mai erhalten. Die einzelnen Panels sind als CC-lizensierte Videos hier abruf- und downloadbar, hier der Vortrag zu den AIDS-Medikamenten.

49 Kommentare

  1. 01
    Mr.Blue

    Die Patentierung von Entwicklungen gilt als zivilisatorisches Merkmal, das Entwicklungen befördert. Dieses aufzugeben wäre ein Rückschritt mit vermutlich hemmenden Konsequenzen.
    Anderseits ist Wissen dann besonders gut weiterentwicklungsfähig, wenn es in einer breiten Öffentlichkeit, idealerweise im Internet, geprüft werden kann.
    Hier gilt es – wie so oft – einen Mittelweg zu finden, die Rechtsphilisophie ist hier gefordert und einfache Lösungen sind nicht zu erwarten, ein jahrzehntelanger Prozess steht an.
    Von Totschlagargumenten (AIDS etc.) gilt es Abstand zu halten.
    Soweit die konservative Sicht, hier scheint es dbzgl. beim Spreeblick einige Defizite zu geben, die Mr.Blue gerne bereit ist zu dezimieren. :)

  2. 02

    AIDS ist in der Tat ein ziemliches Totschlagargument für ca. 2 Mio. Menschen im Jahr. Ich glaube kaum, daß man das außen vor lassen kann.

  3. 03
    Thomas

    Das ist ein ähnliches „Totschlagargument“ wie KiPo für Netzsperren. „Man muss doch für/gegen die Bekämpfung von AIDS/KiPo sein“!

  4. 04
    IS_NULL

    @Mr.Blue: Whoops, das ist dein Argument?

  5. 05
    Björn Grau

    Patente und Urheberrechte schützen im Idealfall denjenigen, der eine Idee in ein Produkt umgesetzt hat, in dem sie ihm für eine begrenzte Zeit Exklusivrechte an der Vermarktung des Produkts garantieren sollen.
    Ich halte das nicht per se für falsch.

    Es ist aber immer abzuwägen, wie lange dieser Schutz für was sinnvoll ist. Dabei gilt es, das Allgemeinwohl ind die Abwägung miteinzubeziehen.

    Hier habe ich ein paar Beispiele gesammelt, die zeigen, wo dieser Protektionsimus meiner Meinung nach mal unnötig (wissenschaftliche Texte), mal massiv schädlich (bspw. AIDS) ist.

    Das ist noch kein Appell zur Abschaffung jeglichen Schutzes von geistigem Eigentum. Aber eine Materialsammlung, die zeigen soll, wie dringend eine differenzierte Betrachtung und genauso ein ausdifferenzierter Schutz von geistigem Eigentum und öffentlichem Interesse ist.

    Auch wenn ich von der anderen Seite her argumentiere und Patente eher nicht als entwicklungsfördernd ansehe:
    @Mr.Blue (1): Ja, es geht um etwas, was wir gerne „Mittelweg“ nennen können. Die internationalen Freihandelsabkommen suchen zur Zeit aber eher keinen Mittelweg sondern Ausweitungen von Urheber- und Patentrechten.

    Und zum Thema AIDS als Totschlagargument sehe ich das ganz genauso wie @Sanníe.

  6. 06
    Mr.Blue

    @IS_NULL:
    Verständigkeit?
    LOL, tja, man muss bei komplexeren Anforderungsszenarien schrittweise vorgehen und auch Rückschritte hinnehmen.
    Eine Lösung habe ich (vermutlich im Gegensatz zur LINKEN) nicht am Start.
    Die Tendenz geht jedenfalls in Richtung Verbilligung des Zugriffs auf Gegenstände, die geistigem Eigentum unterliegen. Ist doch schon mal was. Bzgl. des geistigen Eigentums „Medikament“ gilt es vermutlich ebenfalls schrittweise vorzugehen um zumindest auf keinen Fall Weiterentwicklungen zu behindern.
    Weiterentwicklungen folgen immer einer wirtschaftlichen [1] Logik.

    [1] Ich mag die Worte Wirtschaft oder Ökonomie nicht sonderlich, da sie ein Wirt-Kundenverhältnis unterstellen, es handelt sich eigentlich bei der Wirtschaft um natürliche multilaterale Kooperation.

  7. 07

    Bei Patenten auf wissenschatfliche / Technische Verfahren zur Herstellung von Stoffen oder Medikamenten muss man sich auch vor Augen halten, dass dies nicht nur zur Folge hat, dass der Erfinder damit Geld verdienen kann, sondern eben auch, dass der Erfinder damit Geld verdienen kann obwohl alle wissen wie sie es nachmachen können. Würde man als Wissenschaftler darauf nicht zählen können, würde man einen Teufel tun und die Forschungsergebnisse publizieren, sondern eine Firma gründen und exklusiv den Stoff oder das Medikament aus einer Monopolstellung heraus herstellen. Das Patent sorgt dafür, dass Wissenschaftler mit ihrer Arbeit auch so Geld verdienen können.

    Hier geht das Patentrecht mit der freien Wissensgesellschaft eigentlich Hand in Hand. Zugegeben, sie treten sich auch manchmal auf die Füße.

  8. 08
    Hans Kuminall

    Lieber Björn,

    Du begehst gerade einen ähnlichen Fehler wie die Verfasser/innen des Heidelberger Manifests: Du vermischst unterschiedliche Sachverhalte, in diesem Fall nicht Open Access und Google Books, sondern das Heidelberger Manifest und das Wissenschaftsverlagwesen mit der Patentierung von Medikamenten etc.
    Damit scherst Du die recht unterschiedlichen Verhältnisse dieser beiden Bereich in den Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften über einen Kamm. Die Patentfrage spielt in den Geisteswissenschaften wohl eher eine untergeordnete Rolle und ist nicht mit der Frage mit dem Zugang zu Journals und Büchern verknüpft. Außerdem vernachlässigst Du die Dienstleistungen die Verlage bieten wie Redaktion, Werbung, Typographie etc., die von den Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen nicht adäquat übernommen werden können, ohne hohe Kosten zu verursachen. Nicht von ungefähr haben die großen amerikanischen Universitäten ihre eigenen Verlage ausgelagert und diese sind im Übrigen nicht gerade günstiger als die großen deutschen Verlage.

    Viele Grüße
    Hans

  9. 09

    Patente schützen Wissenschaftler?
    Das ist mir neu. Oder ist diese Erkenntnis eher veraltet?
    Früher war das mal so. Heute behindern Patente die Wissenschaft und Ideenproduktion und legen diese in die Hände einiger weniger, die sich einen dicken Haufen Patentanwälte leisten können.
    Ich war damals bei der OpenSource Bewegung dabei und Patente haben wir immer bekämpft. Nur so konnten die Kreativen und Guten Geld verdienen. Es war nicht das Patent, sondern das Forschen, das die Ergebnisse, die Motivation und die Entlohnung brachte.
    Patente sind nur da, um die Wissenschaftler in abhängige Beschäftigung zu bringen.
    Ein echter Wissenschaftler würde schon die nächste Verbesserung gebracht haben, während die Industrie noch den Verbrauch an Schrauben für die nächsten zehn Jahre berechnet und Währungsschwankungen einkalkuliert.

  10. 10
    Björn Grau

    @Hans Kuminall:
    Lieber Hans,

    ich sehe (wie die zitierte Studie) bei diesen Dingen durchaus Gemeinsamkeiten. Da wird geistiges Eigentum irgendwie geschützt und dabei einer breiten Öffentlichenkeit vorenthalten, obwohl es Wissen ist, dass dem Allgemeinwohl dienen sollte.

    Dass ich dabei abrissartig einen schemenhaften Überblick aufstelle und das alles viel differenzierter geht, ist mir klar. Da muss ich Dich dann wohl auf meine (nicht geplante) Dissertation verweisen. ;) Oder die Links zum weiterlesen/-hören empfehlen.

    Zu den Dienstleistungen der Verlage:
    Ich weiß aus eigener (geistes)wissenschaftlichen Erfahrung, was in den Verlagen passiert und was nicht. Redaktion und Satz laufen in der Regel an den Hochschulen oder kosten nochmal extra. Werbung treiben die Verlage, bei Auflagen in kleiner Hunderterzahl (üblicherweise), sehe ich da aber keinen Vorteil im Vergleich zu bspw. OpenAccess-Publikation, die Fächergruppen selbst und weitaus kostengünstiger erstellen können. Und die über solche Datenbanken leicht recherchierbar und überall verfügbar sein könnten. Aber natürlich würde so ein hoch subventionierter Wirtschaftszweig mit seinen Arbeitsplätzen massiv gefährdet.

    Und dieses Dilemma ist mir durchaus bewusst. Eine (radikale) Aufweichung des Schutzes geistigen Eigentums in all den unterschiedlichen Bereichen würde viele viele Menschen an Wissen und daraus entstehendem Nutzen teilhaben lassen, die im Moment ausgeschlossen sind. Andererseits würden Profite und Arbeitsplätze in Frage gestellt werden.
    Letzteres muss auf jeden Fall immer mitbedacht werden bei der Lösung dieses Dilemmas. Aber vielleicht gibt es ja kein Entweder/Oder sondern alternative Wege.

  11. 11
    Mr.Blue

    Da besteht mE auch ein Zusammenhang, letztlich prallen legitime Interessen der Rechtehalter oder -verwerter auf das legitime Interesse der (Welt-)Gemeinschaft.
    Das Web hat hier viel verändert.
    Google ist mit seiner (ausgezeichneten) Büchersuche auch nicht böse [1], sondern eher Vorreiter für Entwicklungen, die noch auf uns zukommen, und aus Nutzersicht pos. sind.
    Aus Sicht der Spartenvertreter mag es hier signifikante Unterschiede geben, aber man darf es zusammenmischen; zumindest zu Erörterungszwecken.

    [1] da gibts wohl Meinungsverschiedenheiten :)

  12. 12
    G. Hertz

    Schön das hier diskutiert wird. Doch:

    Geistiges Eigentum gibt es nicht. Was für ein bescheuertes Wort. Soll das was Spirituelles sein? Mein im Shoppingkanal für Esoteriker erworbener Heilstein?

    Nennt die Sachen über die ihr sprecht doch beim Namen und erfindet nicht irgendwelche Worte die es in der Rechtsprechung überhaupt nicht gibt. Um Eigentum oder Besitz geht es nicht.

    Wir sprechen hier von Urheberecht, Patentrecht, Markenrecht u.s.w. Manche Menschen dürfen manche Sachen eben sagen, abbilden, verkaufen, drucken, kopieren, herstellen – und manche eben nicht.

    Darüber kann man dann diskutieren.

  13. 13
    Mr.Blue

    „Geistiges Eigentum“ ist ein Konzept, das es qua Konzepterstellung (ju. Art) gibt (und sich grundsätzlich bewährt hat).
    Denke schon, dass man sich in diese metaphorischen Höhen hinaufschwingen muss, um hier bearbeiten zu können.
    Recht heisst immer: Wer darf was.

  14. 14
    SiliconDawn

    Ganz richtig. Copyrightrevolutionaction. Bildungsbürgerwerte im Remix. Jens Jessen and Bad Company: Das Internet befindet sich am Scheideweg!

  15. 15
    Nachlesen

    Copyright oder Copyriot? Mein persönlicher Buchtipp dazu ist das gleichnamige Buch von Sabine Nuss. (Amazon-Link)

  16. 16
    G. Hertz

    @Mr.Blue: „‚Geistiges Eigentum‘ ist ein Konzept, das [„¦] sich grundsätzlich bewährt hat“ Das ist eine bedeutungslose Aussage – niemand kann sie überprüfen. Darum find ich sie doof.

    Und was bringt das aufschwingen in metaphorische Höhen wenn die Frage lautet was die sozialen Folgen dieser Rechtsprechung sind?

    Ich weiss es: Es lenkt von der Frage ab.

    Ich weiss ihr habt Hunger, aber es geht hier um große Konzepte die ihr nicht versteht.
    Ich weiss ihr braucht Medizin, aber es geht hier um große Konzepte die ihr nicht versteht.
    Ich weiss ihr braucht Bildung, aber es geht hier um große Konzepte die ihr nicht versteht.
    Ich weiss ihr wollt auf auf eure CDs brennen was ihr wollt, aber es geht hier um große Konzept die ihr nicht versteht.
    Große Konzepte my ass.

  17. 17

    Mal aus Wirtschaftlicher Sicht:
    1. Copyright ist zu jedem gegebene Zeitpunkt ein Schaden für die Gesellschaft, da es ein lokals Monopol darstellt. Denn dadurch werden Informationen zu überhöhten Preisen (>0) verkauft. (Jede verkaufte CD verursacht dem Gemeinwohl also einen Schaden in Höhe der Differenz CD-Preis – Preis des Herunterladens ohne Urheberrecht.)
    2. Die Gesellschaft geht diesen Schaden ein, um Anreize zu schaffen, neue Informationen zu generieren.
    3. Daraus folgt, das jegliches Urheberrecht bzw. Patent erlöschen muss:
    – sobald der Erschaffer genug (auf Kosten der Gesellschaft) vergütet wurde, das der Gewinn groß genug war, um die Informationserschaffung zu rechtfertigen.
    – sobald es eine tragfähige Alternative gibt, in der Menschen die Informationserschaffung leisten, ohne durch lokale Monopole vergütet werden zu müssen (Open Source, Wikipedia, universitäre Wissenschaft etc.)

    Gerade im Falle der Medikamentpatente gilt daher:
    Die Pharmakonzerne haben in den entwickelten Märkten genug Gewinnpotential, sodass ausreichender Anreiz besteht, die Medikamente zu erschaffen. Somit ist es pure Selbstbereicherung, wenn die Konzerne diese Patente auch in Entwicklungsländern durchsetzen wollen.

    Wobei das ein zusätzliches Problem anspricht: Solange der Anreiz für Medizinische Forschung die Gewinnchancen sind, wird mehr Geld für Pickelbekämpfung (bei westlichen Teens) ausgegeben als für Tuberkulosetherapien (für arme Drittweltler).

  18. 18

    Für freie Autoren sieht es etwas anders aus, als für solche, die in Institutionen abgesichert sind. Für ein stinknormales Sachbuch gibt es, wenn es gut läuft ca. 5000 Euro Verlags-Honorar. Da kann ein Autor aber schonmal 3 Jahre dran gearbeitet haben. Sollte er kein Copyright mehr auf seine Arbeit haben, wäre es besser, auf dem Bau Steine zu klopfen, statt Bücher zu schreiben. Das kann dann wirklich niemand mehr wollen.
    Ähnliches sehe ich bei befreundeten Musikern, die trotz erfolgreicher Band nebenbei im Callcenter arbeiten oder Fensterputzen, um sich die Musiziererei leisten zu können.
    Dem Kreativ-Prekariat außerhalb der Elfenbeintürme wäre wenig geholfen.

  19. 19
    Björn Grau

    @generator:
    Die jetzige Situation hilft aber auch nicht, wenn 5000 Euro drei Jahre Arbeit honorieren oder prekäre Nebenjobs die Bandkarriere stützen müssen.

    Es geht ja auch nicht darum, dass Menschen für ihr geistig-kreatives tun nichts mehr bekommen sollen, sondern darum, dass möglichst viele (inkl. der Urheber!) davon profitieren können.
    Was habe ich von meinem Sachbuch, wenn es kaum einer lesen kann, weil es nur in fünf Fachbibliotheken steht?
    Wie gesagt, ich will gar nicht für eine völlige Abschaffung von Urheberrechten etc. plädieren, sondern für eine sinnvolle und faire Differenzierung.

  20. 20
    Jan(TM)

    @Björn Grau: Schon mal was von Open Access gehört?

  21. 21
    Björn Grau

    @Jan(TM):
    Nein, natürlich nicht. Ich lese auch die Artikel nicht, die ich oben verlinkt habe.
    Aber mal im Ernst: Ja, wieso fragst Du?

  22. 22

    „Es geht ja auch nicht darum, dass Menschen für ihr geistig-kreatives tun nichts mehr bekommen sollen, sondern darum, dass möglichst viele (inkl. der Urheber!) davon profitieren können.“

    Nur profitieren bei allen denbaren Lockerungen in dem Bereich halt schon sehr viele Menschen – außer dem Urheber. Ich steh in dem Fall deutlich auf der Seite der Künstler, weil ich selbst weiß, wie verdammt schwierig es ist, auch nur halbwegs über die Runden zu kommen, wenn man mit kreativen Sachen Geld verdienen will. Geht nicht – die Leute haben schon gar kein Bewusstsein mehr dafür, dass sowas auch Geld wert ist. Das Urheberrecht ist doch sowieso schon begrenzt. Sag mal einem Firmeninhaber, dass seine Erben 70 Jahre nach seinem Tod seine Firma nicht mehr nutzen dürfen, sondern dass die dann der Allgemeinheit gehört. Der lacht Dich aus. Bei kreativen Arbeiten ist das Gesetz.

    „Was habe ich von meinem Sachbuch, wenn es kaum einer lesen kann, weil es nur in fünf Fachbibliotheken steht?“

    Nichts. In einem solchen Fall wäre evtl. Digitialisierung und die Verfügbarkeit bei Google Books eine Lösung.

    „Wie gesagt, ich will gar nicht für eine völlige Abschaffung von Urheberrechten etc. plädieren, sondern für eine sinnvolle und faire Differenzierung.“

    Ja. Und wie sieht die aus? Die kann doch nur darin bestehen, dass die Leute doch alles frei kopieren dürfen und dass der Urheber dann eben so gut wie nichts mehr davon hat. Die Leute zahlen nicht freiwillig für Sachen, da tun sie vielleicht bei richtig großen Bands, die entsprechende Fanzahlen haben und die Leute auch emotional ansprechen, aber ansonsten? Ne. Ich kenne zig Leute, die sich in ihrem Leben noch nie eine Original-CD/DVD gekauft haben und das werden vermutlich keine Einzelfälle sein. Und denen willst Du vermitteln, dass sie in Zukunft für ihre Downloads doch bitte freiwillig einen Betrag abgeben sollen? Klappt nicht.

  23. 23
    Mr.Blue

    @Björn:
    Sehr viel richtig von dem, was Du schreibst, aber warum das T-Argument und die LINKE als Referenz?
    Als Brainstorming natürlich ein wertvoller Beitrag. Was rät denn hier die Piratenpartei?

  24. 24
    Björn Grau

    @Mr.Blue:
    Warum nicht die LINKE als Referenz?
    Was für ein T-Argument? „Tod“? Nun, weil es bei AIDS-Medikamenten und letztlich auch bei der Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln auch darum geht.

  25. 25
    Mr.Blue

    Weil nicht erforderlich [1]? :)
    Na, vllt hast Du es nicht als T-Argument gemeint (habe ich in 1 beschrieben); das mit der Piratenpartei war durchaus ernst gemeint, die machen sich da Gedanken.
    Auch Pirate Bay und so sind natürlich schon interessante „Diskussionsbeiträge“.
    Hast Du den Vortrag/Vorstoss der deutschen Verlage genau verstanden?
    Beste Grüße!

    [1] Die LINKE ist teilweise linksradikal und in „Basisgruppen“ auch teilweise linksextremistisch.

  26. 26
    Björn Grau

    @Mr.Blue:
    Vielleicht bin ich ja selbst linksradikal und in meinen Basisgruppen teilweise linksextremistisch? ;-) Ich ganz persönlich habe jedenfalls kein grundsätzliches Problem mit der die LINKE (außer mit diesem blöden Namen vielleicht), habe aber auch deren Parteibuch nicht.

    Erforderlich war die Referenz aber egal wie, weil ich bei Zahlen wie denen zu den AIDS-Generika doch ganz gern meine Quellen nenne. Und das war nun mal diese Konferenz.

    Zum T-Argument habe ich in 5 schon meine Position verdeutlicht.

    Die Piraten habe ich zu diesem Thema jetzt und hier nicht konsultiert, freue mich aber über Lesetipps.

    Wenn du mit „Vorstoß der deutschen Verlage“ den Heidelberger Appell meinst, den habe ich in seiner m.E. wirren und undurchdachten Position nicht verstanden. Aber das ist in seiner Detailiertheit auch wieder ein eigenes Thema.

  27. 27
    Mr.Blue

    Yup, der Appell war gemeint, dem konnte ich inhaltlich durchaus folgen, nur was wollen die wirklich (und wie arbeiten die Hintergrund lobbymässig)?
    Ich habe mich vor einigen Monaten, etwas ungesteuert, mit den Piraten beschäftigt, die gehören hier in die Debatte.
    Wie auch der CCC (allerdings auch etwas mit Vorsicht zu geniessen).
    Einfach mal bzgl. „Piraten CCC geistiges Eigentum“ recherchieren, da gibts einiges.

  28. 28
    Frogster

    Geistiges Eigentum? Eine Frage der nationalen Sicherheit. Frankreich lässt mittlerweile den Militärgeheimdienst geistige Piraten jagen:
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30484/1.html
    Kriegsrecht und Ausgangssperren sollten dringend diskutiert werden. Zumindest ist klar, dass in Zeiten wie diesen an atomare Abrüstung nicht zu denken ist.

  29. 29
  30. 30

    schöne erläuterung, passt gut in den kontext der allgemeinen unzufriedenheit.
    sicher ein anderes kaliber wie generika patente oder monsanto schweinereien, aber trotzdem verwandt und nicht minder zum kotzen finde ich die privatisierung der sprache – das thema „hardcore“ machte ja unlängst die runde
    (s. http://www.markenmagazin.de/hardcore-als-rechte-marke/ ) und auch wir haben jeden tag neue wörter aufm tisch, die man nicht mehr (auf ein t-shirt) drucken darf, weil das plötzlich jemand für sich als marke entdeckt hat.

  31. 31
    schomsko

    Innovation, sei es auf kulturellem oder technischem Gebiet, hat im wesentlichen zwei Motoren:

    1. Der Antrieb durch die Aussicht auf finanziellen Erfolg durch exklusive Verwertung.
    2. Die Kreativitätsmaximierung durch Durchlaufen möglichst vieler Gehirne.

    Eine Verbesserung der Kommunikationsinfrastruktur (z.B. Internet) schwächt die Potenz des 1. und stärkt die Potenz des 2. Motors.

    Übrigens, klar hat das Patentsystem den Vorteil, das Innovationen nicht geheim gehalten werden. Es hat allerdings auch den ethischen Makel, dass das Verwertungsmonopol z.B. im Falle AIDS-Generika klar gegen Menschenrechte steht.
    Im Internet-Zeitalter ist eben auch das Geschäftsmodel der Pharmaindustrie veraltet. IMHO reicht der „First Mover Advantage“ nach Abzug aller Marketingkosten durchaus aus, um kollaborative Forschung zu finanzieren. Denn man sollte das Know-How eines Produktes nicht mit dem Know How an effizienten Produktionsmittel gleichsetzen.

    Letztendlich ist das Patent nicht die einzige Lösung, um Veröffentlichung von Innovation zu garantieren. Mann könnte „leicht“ jeden Hersteller per Gesetz dazu zwingen, die Innovation von verkauften Produkten zu veröffentlichen.

  32. 32

    @schomsko
    Ich finde das sehr gut dargelegt.
    Ich würde gerne zur Geheimhaltung etwas sagen. Im Fall ohne Patente.
    Forschung ist ja immer ein reger Austausch in der Gemeinde der Forschenden. Dieser Austausch würde noch weiter gesteigert werden und Patente beinhalten ja immer nur vermarktbare Eisspitzen von dieser Forschung. Deswegen gibt es auch die riesen Kanzleien, die in dicken Dokumenten darlegen, warum ihre Erfindung doch etwas neues ist und nicht einfach nur den Wissenstand zusammenfasst.
    Die Patentierung dauert meistens viel länger, bis jeder andere Forscher (der sich mit dem Gebiet befasst) auch drauf gekommen ist. Es gibt heute keine Firma, die ihrer Konkurrenz um mehr als 5 Jahre voraus ist.

    Ein Pharmakonzern, der in dem neuen Modell Geheimhaltung praktizieren würde, wäre isoliert und würde an Geschwindigkeit und Kraft verlieren. Das kann man gut in der Open-Source Entwicklung sehen. Die Entwicklung von Programmen kosten ähnlich viel (und ist ähnlich komplex), wie die Forschung in der Medizin. Firmen, die nach dem Closed-Source-Verfahren vorgehen verlieren stark an Attraktivität, Geschwindigkeit, Manpower (Gehirnen) und isolieren sich in der Gemeinschaft.
    Bei Open-Source kann jeder beitragen.
    Ich stimme dem zu, dass das aktuelle Geschäftsmodell von Pharmaindustrie komplett veraltet ist und Forschung eher lähmt, als anstachelt.
    Damals konnten wir einfach Programme entwickeln und mussten keine Angst haben, dass Patentanwälte vorbeischauen und uns alles geklaut wird. Wenn heute ein paar Mediziner so verfahren würden, dann würde das Patentrecht und ein paar Anwälte sie ganz schnell enteignen können.
    Der Punkt mit den Marketingkosten entzieht sich für mich bei Medikamenten – wenn sie funktionieren und man von einem wirklichen Bedarf ausgeht (z.B. AIDS). Hier ist die Frage, ob Marketing nicht eher gesunde Forschung zerstört.

  33. 33
    Mr.Blue

    „Gesunde“ Forschung gabs wohl im Osten.
    Ansonsten natürlich vieles richtig.
    MFG

  34. 34
  35. 35
    Martin

    Das ist ja einfach, Herr Grau. Man nehme zwei „böse“ Beispiele, in diesem Fall mal aus der Debatte über Patente und stelle damit das ganze System in Frage. Prima Polemik, aber enorm kurz gedacht.
    Ich geh mal nur auf das erste Beispiel ein:
    Wissenschaftliche Veröffentlichungen sind im Bereich der Gesamtbuchveröffentlichungen im unteren Prozentbereich angesiedelt. Sie nehmen im Buch (und Zeitschriften-)markt eine (ziemlich) kleine Sonderrolle ein.
    Autoren haben es in Deutschland sehr sehr schwer mit ihrer Arbeit Geld zu verdienen. Ohne „Patente“ könnte in Deutschland kein Buch mehr veröffentlicht werden. Nicht, weil Verlage nichts mehr verdienen würden, denn da könnte ja noch einer vom anderen kopieren, sondern weil Autoren kein Geld mehr verdienen würden.
    Und, bitte, keine Diskussionen darüber, dass Autoren dann eben „anders“ gefördert werden müssten. Woher käme das Geld? Wer wollte entscheiden wer wann wieviel Geld bekäme?
    Nein Danke.
    Prinzipiell hätte ich mir dann schon gewünscht, dass Ihr Kommentar 05 sich auch im Ursprungstext wiedergefunden hätte. Aber dann hätte der Artikel wohl differenzierter ausfallen müssen.

  36. 36

    @Nils: Das mit Watt ist ja wirklich interessant.

    @Martin
    Einfach mal gucken, wie andere Leute, die nicht durch „Patente“ geschützt sind ihr Geld verdienen. Kostet zwar ein bisschen mehr Mühe und „Kundenkontakt“ aber es ist machbar – es funktioniert halt nur anders.

  37. 37
    Mr.Blue

    @Sunny:
    Mir scheint, dass Du besser zwischen Enwicklungsleistungen und Forschungsleistungen unterscheiden solltest, Du kannst OS-Erfolge nicht auf Forschungserfolge projizieren.
    Ansonsten hat Martin natürlich einfach recht.

    BTW, ohne Patentrecht würden Forschungsleistungen schlichtweg geheimgehalten werden, wer das auch noch verhindern will landet zwangsläufig im Osten oder bei den Braunen.

  38. 38

    Kann ich nicht? Die Begründung würde mich interessieren.

    Was heißt denn im Osten landen? Geht’s noch?

  39. 39
    Tranz

    @Martin: Du glaubst also alle Autoren würden nur deshalb Bücher schreiben weil sie hoffen damit Geld zu verdienen?

    Haha. Ja stimmt, Menschen haben ja schon seit jeher Dinge nur für Geld getan. Ich Stricke, sammle Briefmarken, Spiele Playstation, treffe mich mit meinen Freunden, drehe Kurzfilme, babysitte die Kinder meiner Nachbarin, forsche dem Aussterben der Schmetterlinge und den Arbeitsbedingungen bei Lidel nach weil ich damit Geld verdienen will.

    Du redest über Menschen als hättest keine Ahnung von ihnen. Bist du eigentlich einer?

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