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Die Freiheit des Einen

Mein Kopf surrt von Themen, die mich überrennen und ratlos stehen lassen wie die fünf Zwölfjährigen, mit denen ich am Wochenende Fußball gespielt habe. Das Netz vibriert zur Zeit vor spannenden Fragen, doch ich schaffe es kaum, meine Gedanken in einen einzigen umfassenden Artikel zu packen. Ich hab’s probiert, ehrlich!

Stattdessen gibt’s Häppchen. Einwürfe. Einladungen zur Detail-Debatte, für die 140 Zeichen nicht genügen. Heute: Die Freiheit der Information.

Nicht erst seit Bestehen von Wikileaks gilt die Regel „Information must be free“ als einer der Grundsätze von Hackern und anderen, die sich als Aktivisten für Bürgerrechte sehen. Und in Wirtschaftskreisen gilt Whistleblowing, also das meist anonyme, weil nicht ungefährliche Veröffentlichen von Informationen, die zunächst nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren, als oft heldenhafter Akt, da es in der Regel um das Aufdecken von illegalen Tätigkeiten oder Absichten in Unternehmen geht.

Da wir alle Die Guten™ sind, gehen wir davon aus, dass veröffentlichte Informationen nur für Die Bösen™ schlecht sein können. Während wir uns auf der einen Seite zurecht für unsere Privatsphäre einsetzen, verlangen wir ebenfalls zurecht Transparenz in allen öffentlich relevanten Belangen. Dass beide Bereiche nicht immer leicht zu trennen sind, zeigt das jüngste Beispiel um David Rohde, Reporter der New York Times.

Rohdes war sieben Monate lang Geisel der Taliban, die ihn entführt hatten, und konnte sich kürzlich selbst befreien. Um sein Leben nicht zu gefährden, hatte die New York Times viele Medienhäuser darum gebeten, die Tatsache der Entführung nicht weiter zu kommunizieren. Auch die Wikipedia bat man um Mithilfe, und Jimmy Wales sagte selbige zu — für manche Wikipedianer ein klarer Fall von Zensur, endlose Edit-Wars begleiteten den Wikipedia-Eintrag von David Rohde.

NYT, via

Ein anderes, etwas weniger lebensbedrohendes Beispiel: Vor einigen Tagen machte das vorläufige Wahlprogramm der CDU in einer ersten, nicht bestätigten Fassung die Runde und landete auch bei Wikileaks. Die Empörung über die Passage zur sogenannten Three-Strikes-Regelung (Internet-Nutzern, die sich dreimal z.B. durch illegale Downloads strafbar gemacht haben, soll der Zugang zum Netz verboten werden) war groß, nur: Die Passage taucht im finalen Wahlprogramm gar nicht auf. Optimisten mögen hoffen, dass die Reaktionen im Netz die CDU zum Rückzieher verleitet haben, Pessimisten könnten meinen, die CDU sei feige und wolle ihre Sympathie für die Regelung einfach nur nicht öffentlich kommunizieren. Und Realisten fragen sich: Wofür die ganze Aufregung um einen Entwurf, der nicht für die Veröffentlichung bestimmt war?

Letztes Beispiel: Beim BitTorrent-Anbieter PirateBay waren im vergangenen Jahr die polizeilichen Ermittlungsunterlagen eines Mordfalls aufgetaucht, bei dem u.a. zwei Kinder mit einem Hammer erschlagen wurden. Der Vater der ermordeten Kinder bat die Betreiber von PirateBay, die Autopsie-Fotos nicht weiter zu verbreiten, PirateBay lehnte dies ab, denn es sei nicht Sache von PirateBay über ethische Fragen zu entscheiden. Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass Ermittlungsunterlagen in Schweden nach Abschluss der Ermittlungen von jedem bei den Behörden angefordert werden können — ins Netz gestellt werden sie jedoch nicht. Zwar schossen die Download-Zahlen für die Fotos erst wirklich in Höhe, nachdem der Fall öffentlich wurde, doch darf man sich fragen, welches öffentliche Interesse damit befriedigt werden soll, diese Autopsie-Fotos per Google auffindbar zu machen.

„Die Vorstellung einer unverfälschten Offenheit, einer reinen Demokratie ist naiv“, meint Joseph M. Reagle von der New York University, der die Wikipedia studiert. Er mag damit Recht haben, was noch lange nicht bedeuten muss, dass man sich nicht um die größtmögliche Offenheit bemühen sollte.

Mir stellt sich die Frage, wer entscheiden sollte, wo mögliche Grenzen liegen und wer für deren Einhaltung einstehen kann und soll. Im besten Fall ist natürlich ein gesellschaftlicher Konsens gefragt, doch wie kann Zivilcourage im Internet eigentlich aussehen? Schon die Debatten um die Netzsperren zeigen, dass der Teufel im Detail steckt: Während die einen Sperr-Gegner ein System ablehnen, dass Möglichkeiten zur Zensur etabliert und gegen die Verbreitung der Dokumentation von Kindesmisshandlungen so gut wie gar nichts bewirkt, scheint es anderen darum zu gehen, jegliche staatliche Restriktion und Intervention bei der Verbreitung digitaler Inhalte, gleich welcher Art, zu verhindern.

Und so landet man letztendlich bei der alten Frage: Wie weit kann die Freiheit des Einen gehen, ohne die des Anderen zu beschränken? Eine abschließende Antwort wird es wahrscheinlich nicht geben, zu individuell sind die Fälle, die Lebenseinstellungen und -sichtweisen, Sozialisierungen und Meinungen der Mitglieder jeder Gesellschaftsform, noch immer zu neu die Herausforderungen der digital vernetzten Welt. Und so wird am Ende der Debatte vermutlich wieder ein Kompromiss stehen.

Es gilt meiner Meinung nach, diesen Kompromiss weitgehend mit zu beeinflussen, wozu manchmal auch die Forderung des vielleicht Unmöglichen nötig ist. Kompromisse jedoch komplett abzulehnen, halte ich weder für zielführend noch erfolgsversprechend, sondern in erster Linie für ignorant gegenüber Andersdenkenden. Und das wiederum sollte keine Eigenschaft einer modernen Gesellschaft sein.

64 Kommentare

  1. 01

    Es hat sich ein nicht unbedeutender Fehler in deine Überlegungen geschlichen:

    Wie weit darf die Freiheit des Einen gehen, ohne die des Anderen zu beschränken?

    Ist doch normativ eher anders rum zu sehen: Die Freiheit des Individuums hört da auf, wo sie die Freiheit des Nächsten beschneidet. So zumindest kann man „the golden rule“, den kategorischen Imperativ oder auch die Volksweisheit „was du nicht willst, dass man dir tu…“ übersetzen.

    Worauf du vielleicht hinauswillst, ist das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, das womöglich mit einem Grundrecht auf unbeschränkte Information in Konflikt gerät. Hier findet in der Tat immer wieder eine Güterabwägung oder moralische Überlegung statt, in wie weit die Gemeinschaft Anrecht auf höchst private Informationen eines Einzelnen hat. In diesem Spannungsfeld findet ja dank der Selbstentblößung in sozialen Netzwerken, aber auch dem Aufbegehren gegen Zensurbemühungen gerade ein gesellschaftlicher Wandel statt. Im Zuge dieses Wandels werden sicher auch die normativen Vorgaben neu verhandelt.

    Verhandeln ist dabei allerdings nicht wörtlich gemeint – die eigenen Taten sind es, die die Zukunft prägen. Und vor allem die Sozialisation, das Gefühl für richtig und falsch, das einen in Kindheit und Pubertät prägt ist entscheidend für den Wandel in der Gesellschaft, der immer erst durch einen Generationenkonflikt sichtbar wird. Heranwachsende Generationen müssen für den nachhaltigen Wandel eigentlich nur das aufbringen, was ihnen in ihrer Ablehnung der für sie unakzeptablen Werteverhältnisse am meisten fehlt: Geduld.

    Bis sie irgendwann die dominierende „alte“ Generation sind, deren Lebenserfahrungen und Weltanschauungen nicht mehr die ihrer Enkel sind.

  2. 02

    an tagen, an denen man in kommentarspalten verzweifelt, weil nur die wenigsten in einen konstruktiven dialog einsteigen wollen und die mehrheit ihre festgefahrenen meinungsbilder rechtfertigt, bejubelt und als einzig wahre lösung hinstellt, sind beiträge wie dieser balsam. puh.

  3. 03

    Informationen sind nur etwas Wert solange nicht alle darüber verfügen können! Wenn wir rigoros jeglichen Datenschutz aufheben würden hätten wir „das Problem“ aus gelöst. Es ist eben irgendwann unspannend anderen ins Schlafzimmer zu schauen, wenn man nicht genau weiß, wer einem selbst grad zuschaut und man feststellt, dass ohnehin fast überall das selbe zu sehen ist.

    Nana, nicht gleich losschreien ob man das will und man könne das ja nicht wollen weil … blablabla … versucht euch mal eine Minute lang zurück zu lehnen und das ganze „von aussen“ zu betrachten. Wenn man über Datenschutz redet muss Datenschutz auch für alle gleich gelten oder man sollte ich flächendeckend abschaffen! (meine Meinung) – Da es hier um Daten geht kann man das durchaus durch die 0 oder 1 Brille betrachten!

  4. 04

    @erz: Ich habe das „darf“ mal in „kann“ geändert, tatsächlich ist der Satz sonst etwas überflüssig. Danke dir!

  5. 05
    twinni

    Es gibt eine wunderbare Gabe die uns die Evolution im Paket mit der Intelligenz noch als kostenlose Beilage gegönnt hat: Sie nennt sich „Gesunder Menschenverstand“
    Dieser sollte einem eigentlich sagen wo die Grenze zu setzen ist, aber wie man heutzutage immer mehr erleben muss ist dieser Verstand bei viel zu vielen Leuten schon lange den Bach runter gegangen – wie das Beispiel von Piratebay zeigt.
    Ich bin ebenfalls gegen jede Art von Zensur und habe auch bei der Online-Petition mitgewirkt, aber mein gesunder Menschenverstand sagt mir das Bilder von ermordeten Kindern im Netz nichts zu suchen haben. Diese toten Kinder haben einen Anspruch auf ein Mindestmaß an Respekt und dieser wird ihnen mit einer solchen Veröffentlichung vollumfänglich versagt.
    Wer dann angerannt kommt und ZENSUR schreit wenn man solche Bilder wieder von der Seite herunter nimmt hat echt den Schuss nicht gehört… :/

    Und mal ein kurzes Wort zu dem geleakten Parteiprogramm der CDU. Das sowas überhaupt auftaucht – wenn auch nur in einem Entwurf – zeigt mir schon wo in deren Augen der Weg hinführen soll. Das es die Three-Strikes-Regelung nicht in die entgültige Fassung geschafft hat, hat für mich nur einen Grund. Es hat nichts damit zu tun das sie es nicht verwirklichen wollen (weil das wollen sie garantiert!), sie wollen es sich einfach nicht noch mehr mit der „Netzwelt“ verscherzen als es sowie schon getan haben. Deshalb wird es jetzt erstmal unter den Teppich gekehrt damit man damit nicht noch mehr negative Publicity generiert. Dieses 3-Strikes ist für Otto-Normal-Wähler (ich meine die Offline-Menschen ^^) nähmlich völlig unwichtig – und er wird es nicht vermissen…
    Wenn ich darüber nachdenke das die Big 5 in Deutschland den Obama-Effekt im Internet für sich nutzen wollten bringt mich das echt zum lachen. ^^

  6. 06
    Klim

    Ich werfe gern noch ein provokatives Häppchen dazu: Die Frage nach den Grenzen der Freiheit ist im Kern eine moralische. Moralische Fragen werden nicht durch formale Kompromisse (etwa Gesetze) beantwortet. Sollten gesellschaftliche Normen nicht auch Spielraum für persönliche moralische Entscheidungen lassen? Man muss „Whistleblowing“ weder verbieten noch erzwingen. Menschen treffen Entscheidungen, manchmal auch schlechte. Das ist Freiheit.

  7. 07

    Der letzte Punkt, den du ansprichst, der ist glaube ich, der springende Punkt bei den vielen Netzdebatten. Es geht da oft gar nicht um irgendeinen Konsens. Ich will das jetzt nicht pauschalisieren, aber mir kommt es oft so vor, als würde es nur die eine richtige Alternative zu den Vorschlägen aus der Politik geben. Dabei beruft man sich doch immer auf die demokratischen Kräfte des Internets.
    Aber wo sind sie? Es scheint nur schwarz oder weiß zu geben. Dabei gibt es so viel Potential, wenn eine so unglaublich große Masse die Möglichkeit hat, einfach und unkompliziert zu kommunizieren und so zu einem Konsens zu kommen.
    Man müsste dem Gegner vielleicht einfach mal ein Stück entgegen kommen. Politiker da abholen, wo sie stehen und nicht versuchen, sie auf das Podest zu hieven, auf dem man gerade steht.

  8. 08

    endlich mal wieder ein echter ’spreeblick‘ und weit über den tellerrand der eigenen position hinaus. großen respekt dafür.

  9. 09

    Wer beim letzten Terminator schön aufgepasst hat, der weiß doch, was uns von Maschinen unterscheidet: Das Herz. Im Ernst: Einfühlungsvermögen ist eine wesentliche menschliche Eigenschaft, wer das aufgeben will und meint höhere Ziele damit zu verfolgen, ist mir suspekt.

  10. 10

    Hm, ich persönlich hab immer ein kleines Problem mit diesem freien Zugang zu wissen. Das heißt doch egentlich, dass dann Wissen nur von solchen Leuten verbreitet werden kann, die das in ihrer Freizeit tun, quasi als Hobby. Und ob die Qualität der bereitgestellten Infos dann noch so gut ist…

    Oder lieg ich da gerad total falsch? Dann bitte aufklären!

  11. 11

    “ Heranwachsende Generationen müssen für den nachhaltigen Wandel eigentlich nur das aufbringen, was ihnen in ihrer Ablehnung der für sie unakzeptablen Werteverhältnisse am meisten fehlt: Geduld.

    Bis sie irgendwann die dominierende „alte“ Generation sind, deren Lebenserfahrungen und Weltanschauungen nicht mehr die ihrer Enkel sind.“

    das ist einerseits richtig andererseits wird diese dialektik des umbruchs durch den demographischen wandel und insbesondere die steigende lebenserwartung nachhaltig gehemmt.

    wir werden alle prinz charles.

    ob die zunehmende ökonomische spaltung der gesellschaft anschauungen und werthaltungen nicht doch verstärkt entlang dieser bruchlinen anstatt entlang wie auch immer gearteter generationaler grenzen verfestigt wird abzuwarten bleiben.

  12. 12
    fabiank22

    Johnny, können wir die Argmentation nicht etwas vereinfachen? Wir sind, wie du leider leicht ironisch anmerkst, „die Guten“. Gehen wir doch bitte davon aus das es wirklich so ist, den jeder, der sich sich selbst für Böse oder zumindest eigennützig neutral hält, disqualifiziert sich doch eigentlich selbst aus einer Diskussion um Freiheit. Dann ist die Wahl auch einfach: Gut ist die Veröffentlichung jeder Information die ich, als der gute, für relevant und deren Veröffentlichung ich für wichtig halte. Du differenzierst doch selbst zwischen guten und schlechten Informationen!

  13. 13
    cjs

    Johnny, falls Du Lust hast, dich mit dem Thema gründlich zu befassen, möchte ich Dir Beate Rösslers „Der Wert des Privaten“ Suhrkamp 2002 empfehlen. Rösslers Grundthese ist, dass ein gesicherter Bereich der Privatheit notwendig ist, um ein autonomes Leben führen zu können. Abstrakt gesprochen ist die Grenze zwischen privat und öffentlich dann da zu ziehen, wo die öffentliche Verfügbarkeit einer Information das Recht der Betroffenen auf ein selbstbestimmtes Leben verletzt. Natürlich wird es immer Grenzfälle geben (wie du sie oben angeführt hast), die dann von Gerichten zu entscheiden sind, aber die Tatsache, dass es Morgengrauen und Dämmerung gibt, hält uns ja auch nicht davon ab, einen klaren Begriff von Tag und Nacht zu haben. D.h. natürlich ist es richtig, dass öffentliche Amtsträger dazu verpflichtet sind ihre Nebeneinkünfte zu veröffentlichen und natürlich ist es richtig, dass man Dein polizeiliches Führungszeugnis nicht öffentlich zum Download anbietet. Wie man mit Ermittlungsakten hingegen umgeht ist notorisch schwierig, da es sowohl um die Persönlichkeitsrechte der Opfer geht, als auch um das Recht der Bürger, staatliche Institutionen überwachen zu können (deswegen Akteneinsicht). Wie unterschiedlich solche Fälle in unterschiedlichen Ländern geregelt sind, ist ein guter Hinweis darauf, dass diese Rechte legitimer Weise unterschiedlich gewichtet werden können. Das sollte man dann getrost dem demokratischen Prozess überlassen (und daran ggf. aktiv teilnehmen).

  14. 14
    Tarantoga

    Ich glaube, Du verkennst das Problem. Auch die „typischen“ Hacker und sonstigen Anhänger freier Information fordern gar nicht die totale Informationsfreiheit. Diese Kreise sind typischerweise diejenigen, die sich mit Datenschutz mit am besten auskennen. Niemand aus diesen Kreisen käme überhaupt nur auf die Idee, seine eigene Festplatte unbegrenzt im Netz freizugeben. Stattdessen zielt die Forderung der Informationsfreiheit eher darauf ab, dass Informationen nicht nur begrenzten Öffentlichkeiten zur Verfügung gestellt werden sollen, sondern wenn sie veröffentlicht werden, dann bitte allen.
    Im Grunde geht es dabei um die Verhinderung einer Schichtengesellschaft, wie sie in der Welt der physikalischen Dinge vorherrscht. Es geht mehr um Gleichheit als um Freiheit.

  15. 15

    Ich gebe erz in dieser Form Recht: Erst kommt das große Prinzip (Grundrecht auf unbeschränkte Information) und dann die Abwägung im Kleinen (informationelle Selbstbestimmung). Das fängt schon ganz, ganz klein an: Tim und Tom spielen Fußball im Park. Tim möchte für seine Freundin, seinen größten Fan, das Video von seinem besten Torschuss online einstellen, aber Tom ist im Hintergrund zu sehen – und hatte an diesem Nachmittag Hausarrest, konnte sich nur aus dem Haus schleichen, weil seine Eltern nicht da waren. Klar, dass da Rücksicht zu nehmen ist!

    Das gilt auch für das größte Projekt im Sinne des Grundrechts auf unbeschränkte Information, die Abschaffung des Urheberverwertungsrechts: Urheber schaffen Informationen für die Öffentlichkeit. Also sollten diese Informationen für die gesamte Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, um beim Rezipienten Wissen zu schaffen. Der Zugang muss frei – völlig unbeschränkt im Sinne der Wissensgesellschaft – sein, um die für eine Wissensgesellschaft typischen Synergien zu ermöglichen. Dass die Urheber, die Geistesarbeiter ein Einkommen zum Auskommen benötigen, ist natürlich zu berücksichtigen. Dies kann jedoch nicht Aufgabe des Einzelnen sein – war es ja bislang auch nicht! Oder welches Auskommen hat der Autor, der in der Diogenes Worstseller-Liste 2008 mit drei in einem Jahr verkauften Exemplaren seines Buches verzeichnet ist? Dies ist vielmehr die Aufgabe der Wissensgesellschaft als Ganzes, dafür Sorge zu tragen, dass ihre besten Köpfe nicht am Hungertuch nagen.

  16. 16

    Gleichheit statt Freiheit ist eine sehr schöne Beobachtung – für die Informatiker, die einerseits für ihr Recht auf informationelles Selbstbestimmung streiten, andererseits aber den gleichberechtigten Zugang zu Informationen fordern gilt das sicherlich.

    Der Generationenumbruch ist als Paradigma gesellschaftlichen Wandels alleine deswegen nicht abgeschafft, weil „neue“ Werte immer erst für eine neue Generation gelten. Jenseits der 20 ist es einfach viel schwerer, alte Gewohnheiten abzulegen, als sich nur welche anzuschaffen, entwicklungspsychologisch gesehen. Trotzdem hat @westernworld natürlich recht, dass die „Machtergreifungsphasen“ heute dank des demographischen Wandels andere sind.

    Wenn wir dazu aber ein neues Fass aufmachen wollen – die Linien gesellschaftlicher Identifikation verändern sich für die kommende Generation. Die Globalisierung macht auch vor Identitätsbildung nicht halt. Echte „Weltbürger“ definieren sich einfach weniger anhand nationalstaatlicher Zugehörigkeit und in der Folge erodiert die Bedeutung des Nationalstaates. Wenn also 4 Milliarden junge Chinesen auf deiner Seite sind, fühlst du dich vielleicht im Kampf um die Meinungshoheit gegen die Rentner nicht so ganz alleine.

    Die wahre Spaltung der nationalen Gesellschaften wird in Zukunft wohl eher einer neuen Form der Urbanisierung geschuldet sein. Globalisierung als neues Urbanisierungsphänomen – das Internet als zusätzliche globale Metropole, die Unvernetztheit als das Land. Anhand dieser generationsunabhängigen Trennlinie verläuft doch gerade auch der politische Streit um Zensur.

    @Johnny gern geschehen. Ich handle hier natürlich nur aus purem Eigennutz. Meine Ausführungen sind nichts als unverschämte Werbung ;-)

  17. 17

    heisst die regel nicht „information WANTS to be free‘?
    klingt weniger dogmatisch

  18. 18

    @nextstage: Ich meine, es mit „must“ zu kennen, aber es wäre nicht das erste Mal, dass ich irre. ;) Schlag ich später nach (bin unterwegs gerade).

    @erz: Eigennutz: Kein Problem, meistens. :)

    Das Beispiel der vier Milliarden junger Chinesen ist recht spannend. Denn was, wenn sie aufgrund von völlig anderer Sozialisierung und Kultur ganz anderer Meinung sind als du oder ich? Gibt es den Weltbürger tatsächlich schon?

  19. 19

    @Tarantoga: Dass es nicht um die persönlichen Daten gehen darf, ist klar, das meinte ich oben mit dem Unterschied zwischen Privatsphäre (meine Festplatte geht in der Tat niemanden etwas an) und Informationen des öffentlichen Interesses.

    Ist das Leben eines Popstars, der nur Popstar ist, weil sehr viele Menschen ihn dazu gemacht haben, seine Privatsache oder eine des öffentlichen Interesses?

  20. 20

    @Tarantoga: und @Johnny Haeusler:

    Um den Gedanken mal weiterzuspinnen, was ist denn „veroeffentlichen“?

    Angenommen besagter Popstar hat eine nicht-gelistete (Mobil-)Telefonnummer, die er nur guten Freunden und Bekannten geben moechte (und gegeben hat). Ist die dann schon oeffentlich (bzw veroeffentlicht) und darf und sollte damit ueberall verbreitet werden? Oder hat er ein „Recht“ darauf diese Nummer nicht ueberall zu sehen und von jedem zu jeder Zeit angerufen zu werden?

  21. 21
    Tarantoga

    @Johnny Haeusler: Zu solchen Fragen gibt es imho genug Grenzziehungen deutscher Gerichte.
    Ich meine, dass der Unterschied zwischen einem Musiker und einem Popstar in der öffentlichen Vermarktung weiter Teile des Lebens des Letzteren besteht. Wer daraus sein Einkommen generiert, der hat in die Öffentlichkeit eingewilligt und zwar auch über den Versuch feiner Grenzziehungen hinweg. Popstar wird man ja auch nicht gegen seinen Willen. Dass bei Michael Jackson diese Willensbildung durch die Eltern vorgenommen wurde, ist eine andere Sache. Hierbei ist nur entscheidend, dass Jackson mit 18 jederzeit hätte aussteigen können, er tat es nicht.

  22. 22

    @fabiank22: Aber selbst, wenn wir beide uns gegenseitig für gut halten: Es wird andere geben, die das für sich auch beanspruchen und in meinen Augen trotzdem Arschlöcher sind „¦ und so geht das denen vlt. auch mit uns, was ihr gutes Recht ist. Ich bin, obwohl ich mich selbstverständlich wie die meisten Menschen für grundsätzlich „gut“ halte, schon von zu vielen Leuten, die mich nicht kennen sondern nach ihrem eigenen Weltbild klassifizieren, als „böse“ eingeschätzt worden. Eine moralische Entscheidung über Informationsfreigabe finde ich daher extrem heikel, weil zu individuell, siehe PirateBay-Beispiel: Ich finde, man hätte dem Wunsch des Vaters nachkommen müssen. PirateBay sah das anders. Bin ich „guter“ oder die?

    Ich glaube, Informationen sind nicht per se gut oder schlecht und übrigens auch nicht per se sinnvoll oder überflüssig, sie benötigen einen Kontext, in dem sie betrachtet werden und Empfänger, die sie be- oder verwerten können.

    Es ist ja nicht so, dass grundlegende Informationen (Geschichte, allgemeine Politik, wissenschaftliche Grundlagen) vor dem Netz nicht verfügbar waren, öffentliche Bibliotheken waren und sind eben das: öffentlich. Trotzdem gibt es Menschen, die Homosexualität für eine Krankheit halten, die eigene Religion für die einzig wahre usw“¦

    @cjs: Danke für den Buchtipp und den schönen Tag-/Nacht-Vergleich!

  23. 23
  24. 24

    @Tarantoga:
    dieses argument, dass ein popstar seine privatsphäre aufgibt, weil er ja mit der öffentlichkeit einnahmen generiert halte ich ehrlich gesagt für ziemlich ekelhaft. denn ein zum popstar gewordener musiker generiert sein auskommen vor allem erstmal durch seine musik, also seine leistung, die wir dann kaufen. die annahme, wir hätten darüber hinaus noch mehr rechte an ihm und seinem leben ist ziemlich anmaßend.

  25. 25

    Sehr erfrischend. Habe das Gefühl alle anderen (netzpolitik, fefe, „¦) versuchen grad so zu tun als wäre das Internet ja ganz harmlos, bloß kein rechtsfreier Raum und so, genau wie in echt. Dabei aber Wikileaks abfeiern, obwohl die ganz offen dem Rechtssystem der BRD entgegenstehende Grundsätze haben. Naja, ich schreib da jetzt schon seit längerem (http://blog.adrianlang.de/?tag=freiraum-internet) gegen an. Das Internet ist ein Raum in dem vieles anders läuft.

  26. 26
    KayHH

    Realisten lesen aus „Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Wo es angesichts der geringen Schwere von Straftaten vertretbar ist, soll eine Selbstregulierung greifen. Wir wollen Rechtsverletzungen effektiv unterbinden. Wir werden auf den Ausbau der internationalen Zusammenarbeit gegen Internet-Kriminalität drängen. In Deutschland treten wir für eine stärkere Bündelung der Aktivitäten im Kampf gegen Internet-Kriminalität ein. Bundeskriminalamt, Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und die entsprechenden Einrichtungen der Länder sind hierfür personell und technisch weiter zu stärken.“ [aus dem fertigen CDU-Papier] das Three-Skrikes trotzdem forciert werden wird, auch wenn es aus wahltaktischen Gründen umformuliert wurde.

  27. 27

    Thema: ‚Rhodes‘

    Irgendwer -ja. ein Mensch- hat eine Meldung abgegeben.
    Weshalb braucht es eine Diskussion darüber?

    Wo man nichts bekannt macht weis man auch nichts.
    Doof ist halt nur der, der scheinbar auf den ganzen
    Mist hereinfällt u. über Zensur im Ansatz nachdenkt.

    Alles Gute
    @ PiPi

  28. 28
    big brother

    Information, die uns „ungerechtfertigterweise“ vorenthalten wird, muss frei sein. Dazu zählt sicher nicht ein gerade aufgenommenes und käuflich im Laden zu erwerbendes Album von Madonna oder ein Bild mit KiPo. Das regeln unsere Gesetze ziemlich eindeutig. Was aber dazu zählt, ist die Information wer eigentlich für Sasse verantwortlich ist, oder Informationen darüber, wie politische Maßnahmen eigentlich wirklich wirken, wie z.B. dass die Schichtdurchlässigkeit zu Zeiten der SPD Regierung abgenommen hat.
    Ich würde mir wünschen, die Szene würde sich ebenso deutlich von den Internetsaugern absetzen, wie von den lobbygetriebenen Politikern. Sonst versauen wir uns eine große Chance.

  29. 29
    lass uns Namen tauchen

    Das wird jetzt kaum erhellend sein, aber mir is das was zum Symbolbild aufgefallen. Angenommen die Kurve zeigt tatsächlich die Beziehung zwischen Freiheit und Verantwortung.
    Wäre es dann nicht sinnvoller die Freiheit ein klein wenig unter ihrem Maximum anzusetzen? Dann gäbe es dafür nähmlich 2 Verantwortungswerten, und man könnte sich darauf konzentrieren den Höheren einzunehmen, statt im ewigen Dilemma ziwschen Frieheits und Verantwortungs Optimierung festzustecken.

  30. 30
    quasi

    es ist fast schon ironisch, das uns das denken an dinge wie ethik und moral in diesem kontext nicht loslassen will. vielleicht ist der grundsatz – was du nicht willst, das man dir antut, das füg auch keinem andern zu – ganz brauchbar.

  31. 31
    peter h aus b

    @Johnny Haeusler:
    Das Leben eines Popstars/Politikers etc ist immer privat. Es sei denn, er kommuniziert sein Leben oder er tut Dinge, die den Menschen Schaden zufügen.
    Es hat niemand etwas anzugehen, mit wem Mick Jagger poppt oder wo MJ essen gegangen ist. Nur weil jemand die Massen mit seinem Beruf begeistert oder ankotzt, ist das noch lange kein Grund automatisch seine Privatsphäre auf Null zu setzen.

    Zeitschriften wie Gala oder Bunte haben keinerlei Daseinsberechtigung.

    Klatsch ist Müll.

  32. 32
    icke

    Jede Generation und jede Rebellion macht diese Erfahrung. Und deswegen sind es häufig die Älteren die weise lächelnd die Rebellen in den Wahnsinn treiben. Denn auch die Hippiegeneration musste dies erleben: Der Traum von Freiheit platzte schnell wenn sich in Kommunen und freien Bauernhöfe die Anarchie ausbreitete und spätestens wenn im heißen Sommer Müll und Toiletten überliefen und sich notorische Schnorrer breit machten, wurde vielen klar, dass 100% Freiheit eben nicht möglich ist. Auch damals wurde erkannt, dass nicht alle Willkommen sind und viele Kommunen zerbrachen dann mehr an dieser Problematik als an dem eigentlichen Müllproblem oder dem Schnorren. Und gleiches jetzt hier – Freiheit darf immer nur so weit gehen, wie sie keinen gefährdet oder in seinen Grundrechten verletzt. Das veröffentlichte Video von der erschossenen und sterbenden Iranerin war pietetlos bis zur Unendlichkeit. Einen unfreiweillig sterbenden Menschen zu Filmen – egal zu welchem Zweck – ist einfach nur abscheulich und Twitterer und Facebookler und weißdergeier feierten sich selber über ihre Popularität. Widerlich. Und auch wikileaks: Denkt mal weiter Leute – nicht alles was der Staat geheimhält muss veröffentlicht werden. Es gibt andere Weltvorstellung als ClubMate und Prenzlauerberg. Große Teile dieser Welt sind weiterhin von Gewalt und Machtstreben getrieben und ich würde es schon als katastrophal bezeichnen wenn Natopläne, Notfallpläne etc. dort landen würden. Transparenz ist wichtig aber es muss immer eine Abwägung stattfinden. Und die Netzaktivisten dürfen sich hier nicht selbstüberschätzen und die jahrhundertelange Menschheitserfahrung auch in Sachen Rechtssprechung und Geheimhaltung einfach mal so komplett über Bord werfen. Das ist anmaßend. Es muss immer alle schön verhältnismäßig bleiben, das fordern Demonstranten von der Polizei ja auch.

  33. 33

    @Johnny Das Beispiel mit den Chinesen war natürlich polemisch zugespitzt, um zu verdeutlichen, dass Identität nicht mehr notwendigerweise zuerst nationale Identität ist. Du hast recht, dass die kulturelle Prägung chinesischer Jugendlicher sich deutlich von der deutscher Jugendlicher unterscheidet. Aber:

    Es gibt eine Studie der Universität Berlin, die sich mit Englisch als Zweitsprache beschäftigt. In dieser Studie wird unter anderem deutlich, dass Berliner Studenten, die Englisch als Lingua Franca der Globalisierung verstehen, sich durch den ständigen fremdsprachlichen Umgang mit anderen Netzbewohnern viel weniger als „in erster Linie Deutsch“ definieren, als die jungen Deutschen, für die Englisch keine Lingua Franca ist.

    Das ist gerade ein riesen Faß, was du da angstoßen hast, mit ewig vielen Facetten. Englisch als Weltsprache und identitätsstiftendes Merkmal für Weltbürger werde ich in nächster Zukunft vielleicht mal näher beleuchten. Dann hoffe ich natürlich auf ordentlich Linkliebe. ;-)

  34. 34

    @Armin: Es geht doch immer darum, jemandem die Kontrolle nicht zu entreißen, oder? Wenn einer der „Freunde“ des Popstars gegen seinen Willen dessen Moibilnummer ins Netz stellt (aus Boshaftigkeit, Rache, wasweißich), dann wäre die nächste Frage, ob der Popstar ihn dafür belangen können sollte.

    @lass uns Namen tauchen: Ich hab das nicht ganz verstanden, glaube ich. :)

    @peter h aus b: Sehe ich anders. Promi-Klatsch ist banal, aber eben: Unterhaltung. Dass es dabei Grenzen geben muss, sehe ich auch so.

    @erz: Wieso denn englisch? Wieso nicht Hindi, Spanisch oder die Sprache, die die meisten bereits sprechen: Mandarin? :)

  35. 35

    @Johnny Haeusler:

    Klar, darum geht es ja, die Kontrolle ueber Informationen:

    Der eine (in diesem Fall der Popstar) moechte die Information (in diesem Fall die Telefonnummer) in ihrer Verbreitung einschraenken (in diesem Fall auf einen wie auch immer definierten Personenkreis).

    Die andere Seite (nennen wir sie Informationsfreiheitsaktivisten) sieht diese Kontrolle bzw Einschraenkung auf einen bestimmten Personenkreis als falsch an und ist daher der Meinung die Nummer ist oeffentlich sowie mehrere sie kennen und sollte ueberall verfuegbar sein. Wenn diese Seite also irgendwie an diese Information kommt sieht sie es als vollkommen legitim an die Telefonnummer weiter zu verbreiten.

    Und zu Deiner naechsten Frage:

    Die Frage nach der Moeglichkeit jemanden zu belangen der „vertrauliche“ Informationen ausplaudert gibt’s uebrigens nicht nur fuer „Prominente“, das kann auch ganz andere treffen. Ob Kim immer noch Harvii’s Freundin ist? Und was koennen Harvii’s Eltern (er selber wird’s wohl nicht koennen) gegen Gawker unternehmen?

  36. 36

    @johnny die meistgesprochene Sprache ist in der Tat Englisch, nicht Mandarin. Es sprechen zwar mehr Menschen Chinesisch als erste Sprache als Englisch (immerhin Platz 3 bei den Sprachen mit den meisten Muttersprachlern) aber dank diverser Faktoren (nicht zuletzt den vielen Chinesen, die für die Globalisierung Englisch lernen) ist Englisch die meistgesprochene Sprache in absoluten Zahlen. Dank dieser Verbreitung hat es wohl die kritische Schwelle überschritten, die Spanisch etc. nicht mehr werden einholen können.

    Das rettende Moment für Antiamerikanisten daran ist, dass die normative Kraft der Muttersprachler erodiert und ein „Weltenglisch“ entsteht, das sich von den lokalen Englischen emanzipiert. Puh, jetzt kommen wir aber weit ab…

  37. 37
    Jan

    Endlich mal ein etwas reflexiverer Blogartikel, als die ständigen Schmähungen gegen Politik und Regierung und Selbstbeweihräiucherungen der Alphablogs und ihrer Anhänger. Sehr interessante Fragestellung, die ja auch bereits seit längerem bei meiner Kritik im Zentrum steht.

    Die Annahme vieler, ihre individuelle Freiheit hätte keien Auswirkungen auf andere ist natürlich naiv, bei vielen ist das anscheinend noch nicht angekommen, bzw. vielen ist das egal, sie wollen nur einen möglichst entscheidungsfreiheitlichen Raum im Netz erhalten/schaffen, nchts zuletzt weil sie auch davon erwarten zu profitieren.

    Der Autor geht schon in die richtige Richtung, allerdings sollte er imho noch berücksichtigen, dass die Natur von Macht und Herrschaft in jeder sozialen Beziehung zwischen Menschen immer Verhältnisse schafft, die die mächtigeren begünstigen. Und die liberale Lebenseinstellung, wie sie von vielen Aktivisten gepflegt wird, hat die Eigenschaft, dass sie durch ihre Passivität (soll doch jeder machen was er will) und Überlegenheit (mehrheitlich sind Menschen dieser Ansicht) eine Form von Herrschaft über Andersdenkende darstellt. Eine Herrschaft, die ein großes Konfliktpotential schafft, wenn entweder keine starken Regulatorien aufgebaut werden, die vermitteln und schlichten, oder die liberale Lebenseinstellung im Sinne solidarischerer Zusammenlebensprinizipien zurückgeschraubt wird.

  38. 38

    @erz: Haste da mal ’ne Quelle? Für die meistgesprochenen Sprachen?

  39. 39

    @Johnny Haeusler: Klar, außer Wikipedia hätte ich da Gordon, Raymond G., Jr. (ed.), (2005) zu bieten. Bekannter unter dem Namen Ethnologue zu bieten. Den Deeplink hab ich gerade nicht, aber ich bin sehr zuversichtlich, dass ich mich auf festem Boden bewege mit meiner Aussage. Die meistgesprochene Zweitsprache ist Englisch. Ist ja auch plausibel – überleg mal, wie viel Kolonialüberreste allein Englisch als Amtssprache bedingen. Häufig ist das in multiethnischen Regionen (z.B. Indien) die einzige Lösung, nicht ein Idiom vorzuziehen und damit andere zu brüskieren.

    Um den Bogen zurück zur Freiheitsdebatte zu schlagen – im Falle Indiens beschränken sich also alle Mitglieder einer durch nationale Grenzen definierten Gesellschaft, indem sie keine Muttersprache, sondern die allen geläufige Sprache des ehemaligen Kolonialherren zur Amtsspraache erheben. Der freiwillige Verzicht individueller Freiheit ist es, der gesellschaftliche Freiheit ermöglicht.

  40. 40
    rage

    das netzt als der objektive geist. da muss ich lachen. das netz als metaper der freiheit – da muss sich noch lauter lachen. so wenig wie rasende informationswut das denken beschleunigt, so wenig bedeutet der ungehinderte zugriff darauf freiheit. er ist nicht einmal deren voraussetzung. Und was die zensur angeht: die größte zensurbehörde ist das netzt selbst. In vorderster front wikipedia. besonders wenn es um inhalte mit gesellschaftspolitischer relevanz geht, hat sich im deutschen wiki eine art linkes wikipedia-beamtemtum etabliert, dass es den hund jammert.. Da zeigt z.b. eine „žschwarze feder“ den ketztern gern mal die instrumente. inzwischen findet man die „žschwarze feder“-beiträge 1:1 bei google knol. hier allerdings unter den namen andreas kemper, seines zeichens doktorand an der wilhelms uni in münster. fragt man nach, stellt sich heraus, dass der mann weder hier noch an einer anderen einrichtung prokura zu höheren akademischen weihen hat, also nichts weiter ist als ein selbsternannter zensor, der vor allem die seiner meinung rechte meingsspreu aus dem ach so freien netzt bläst. mit hilfe von netzwerken und netzwerkern. und die community nimmt’s hin wie den segen nach der frühmesse. das kann nicht die freiheit sein, die wir meinen.

  41. 41
    Hank

    Hi,

    ein sehr interessanter Artikel. Es scheint mir so als ob wir dazu verdammt oder positiv ausgedrückt als ob wir das Privileg und die Pflicht hab einen ständigen Diskurs über Recht und Ethik zu führen.
    Ich habe letztens in einem anderen (medizinischen) Zusammenhang etwas interessantes gelesen, dass ich hier nicht vorenthalten will.

    http://www.ev-akademie-tutzing.de/doku/aktuell/upload/Medizin-Eth-Recht.htm

    Die moderne Medizin ist ja zumindest ein ähnliches Thema, wie ich finde, bei dem es auch darum geht was man nicht tun darf und was man tun darf aber vielleicht nicht tun sollte.

  42. 42

    Freiheit und Beschränkung, Globalisierung, Identität und Wissensgesellschaft, veröffentlichen und verschweigen, Gut und Böse: Zwischen allem dem, worin sich diese Diskussion bewegt, ergibt sich ein unglaublich komplexes Spannungsfeld.

    In einem Spannungsfeld, dass das alles umfasst, lebe ich schon eine ganze Zeit, und ich bin dabei, zu erkennen, dass es da noch etwas gibt, was nötig ist: Man muss, wenn man etwas Verborgenes sichtbar machen will, was nie wirklich ganz verborgen war – wenn es auch kaum einer weiß – , erstmal wahrgenommen werden.

    So, wie etwas, was doch ruhig irgendwo hätte unbeachtet bleiben können, wie unachtsam ins Netz gestellte Fotos, plötzlich in einem Mittelpunkt steht, so gibt es anderes, was immer nur zu einem Teil oder gar nicht wahrgenommen wird, obwohl genau das Gegenteil der Fall sein müsste, und obwohl es nützlich wäre.

    Es geht oft entgegen dem Interesse – mal so und mal umgekehrt.

    Aber Wahrnehmen, etwas rechercheren und weitertragen kann lohnend sein.

    Die Geduld, die hier auch irgendwo angesprochen worden ist, braucht man zum Lesen und Verstehen – aber dann müsste sich eher so etwas wie Ungeduld breit machen.

    Woran ich dabei denke?

    An das, was findet, wer mein Pseudonym anklickt, um auf die zugehörige Website zu kommen :-) und das ist weder Werbung noch Spinnerei, keine bloße Theorie und nachweisbar – ein erster schriftlicher Nachweis ist ja schon beigefügt, und Kontaktmöglichkeit auch.

  43. 43

    @Querine: „weder Werbung noch Spinnerei“ „¦

    Och. Über beides könnte man streiten. Aber ich versteh‘ schon den Kommentar nicht.

  44. 44

    @Johnny Haeusler:

    Da gibt es nichts dran zu streiten, weil es ja real so abgelaufen ist, wie es dort beschrieben ist, was durch das dort verlinkte Schreiben dann auch bestätigt wird. Wenn man das Satz für Satz liest, versteht man es auch. Schließlich wird man ja im Text immer wieder neu „mitgenommen“ – auch mit einer Zusammenfassung zwischendurch. Eigentlich ist alles nur eine Minimalzusammenfassung, soviel könnte ich darüber inzwischen schreiben. Aber über einen Geschehensablauf kann es keinen Streit geben.

    Warum das keine Werbung ist, steht dort auch drin. Werbung bedeutet ja, dass jemand etwas erwerben wollen muss. Hier müsste aber die Politik das Begonnene umsetzen – unter Einbeziehung der Initiatoren, so wie sie es zuerst richtig angefangen hat.

    Und der Kommentar? Hm, also da habe ich das, was mir in der Diskussion hier begegnet ist – ja, hab ich alles erstmal gelesen – aufgegriffen. Im nächsten Schritt habe ich dann die Situation einbezogen, etwas Verborgenes sichtbar machen zu wollen. Dann habe ich gegenübergestellt: Was nicht entdeckt werden müsste, gerät leicht ungewollt ins Licht der Öffentlichkeit, was ins Licht der Öffentichkeit soll, bleibt (von der Presse gewollt?) verborgen. So, und der Rest müsste jetzt aber verständlich sein. :-)

    Hier in das Thema passt es insofern, als Verheimlichungsbemühungen der Politik und eigene Veröffentlichungsbemühungen hier aufeinandertreffen.

    Nochmal: lesen lohnt sich. Sooo viel ist es auch wieder nicht. Und dann ggfs. nachfragen per eMail …. .

    Dass hier was Unverstandenes herumgeistert, und dann noch sowas, was jahrelang verheimlicht wird, kann ja auch nicht richtig sein. Wenn es anderswo schneller öffentlich wird, und sich dann die Erkenntnis einstellt: „hier hats auch gestanden, hat aber nicht so interessiert“, kann das mega-ärgerlich sein.

    Es gibt keine dummen Fragen, aber aufgrund von „egalsein“ kann es leicht sowas wie „dumm gelaufen“ geben, und das soll nun wirklich niemanden treffen.

  45. 45

    @Querine: Also ich muss Johnny anschliessen. Ich verstehe kein Wort was Du eigentlich sagen willst…

  46. 46

    @Armin: „Querine“ weiß, wie man Arbeitsplätze schafft, aber es ist ein bisschen geheim, sozusagen, aber nicht wirklich, und gäbe es nicht so viele Verschwörungen, wäre alles viel besser. Aber nicht weitersagen!

  47. 47

    @Johnny Haeusler:

    Ich habe es nochmal eränzt, aber lesen muss man schon, und zwar alles, auch das integrierte Schreiben, das gehört auch dazu.

    http://work-local-for-global.blogspot.com/

  48. 48

    @Johnny Haeusler: Ah, psssssst, ganz leise. Wenn wir fluestern bekommt das auch bestimmt keiner mit. So ist das also, da stecken bestimmt die, na Du weisst schon, die, dahinter…

  49. 49

    @Armin: Pssssssst!

    @Querine: Nu‘ ist dann auch mal wieder gut mit den Links. Daran liegt’s dann wohl, dass deine Kommentare im Spam landen.

  50. 50
    Tester

    Test, ob hier tatsächlich seitens des Blogbetreibers ein User ausgesperrt wurde, wie mir zwischenzeitlich per email-Kopie nachgewiesen ist, nur weil man meint, ganz superschlau zu sein.

    Übrigens, verehrte Diskutanten: Verschwörungstheoretisch lässt sich einfacher mobben, auch in angeblich demokratischen Verhältnissen Deutschlands, wie ja gerade wieder der Spiegel nachweist:

    JUSTIZ
    Der Mann, der kein Spion sein wollte

    Von Andreas Ulrich

    Mit Sonarsystemen hat Klaus-Erich Kremer lange Zeit gutes Geld verdient – bis Agenten vom Bundesnachrichtendienst mit einer Bitte zu dem Ingenieur kamen. Aber der 71-Jährige wollte kein Spion werden. Seit dem BND-Besuch hat Kremer Ärger und schlägt sich mit einer Anklage herum.

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,633903,00.html

    Man sollte also bestrebt sich die Demokratie zu BEWAHREN statt zu beschädigen. Auch in einem Spreeblick-Blog.

  51. 51

    Alles klar, beim ersten Beitrag war ein Link kein Problem, deshalb wäre ich darauf nicht gekommen, dass jetzt der Link die Ursache sein könnte. Ich hatte auf ein Problem mit Cookies getippt …. .

    Ich verheimliche allerdings nichts, also gibt auch kein Grund, das mit „Pssssst“ ins Lächerliche zu ziehen.

    Zum Lachen ist das alles sicher nicht.

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  53. 53

    @Johnny Haeusler:

    Trolle sehen anders aus :-)

    Irgendwie scheint aber „Plonk“ auch eine Zufluchtsstätte für Leute zu werden, die nicht lesen mögen.

    Manchmal ist es besser, man holt das nach. Mit dem Lesen. Sicherheitshalber :-)

  54. 54
    marcel

    @spreeblick #fishingforhelp zum beispiel das hier…

    auch hier eventuell mit ausgewählten kommentaren und zur „folgediskussionsprovokation“.
    auf jedenfall was aus deinen fingern (oder du schleppst einen deiner autoren mit und läßt lesen)

    ;¬)

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