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Rollstuhl, redesigned

Ich finde es in Gesprächen mit Rollstuhlfahrer/innen manchmal schwer zu entscheiden, ob ich weiter stehenbleiben soll, was dazu führt, dass ich unschön „von oben herab“ rede, oder lieber in die Hocke gehe, was nicht immer eine bequeme Haltung ist. Und wenn ich das schon alles etwas blöd finde, wie muss es dann erst dem Rolliefahrer gehen?

Eine Design-Studie des australischen Produktdesign-Studenten Jake Eadie schlägt einen Rollstuhl vor, der sich und damit auch seinen Benutzer aufrichten kann — ich weiß nicht, ob das bequem, in jedem Fall anwendbar und überhaupt umsetzbar ist, aber die Idee sieht gut aus.

Ich gehe übrigens fast immer in die Hocke, halte ich für respektvoller.

48 Kommentare

  1. 01

    In-die-Hocke-gehen finde ich komisch. Würde ich mich wie ein kleines Kind behandelt fühlen, als Rollstuhlfahrer.

    Ggf. bissle weiter weg gehen, dann ist der Winkel kleiner.

  2. 02
    42

    Ich finde in die Hocke gehen überhaupt nicht respektvoll, im Gegenteil: Normalerweise tut man das nämlich nur bei Kindern. Außerdem müsste man dann konsequenterweise beim Gespräch mit kleineren Mitmenschen auch in die Hocke gehen – mit meinen 1 Meter 90 rede ich gezwungenermaßen „von oben herab“.

    Ob zwei Gesprächspartner sich als gleichgestellt betrachten hängt nicht von der Position des Kopfes ab. ;)

  3. 03
    Hendrik

    um genau zu sein gibt es bereits aufstellbare Rollstühle, bei der „klassischen“ Querschnittslähmung unterhalb der Rippen stellt das aufrichten auch kein Problem dar.
    Davon abgesehen stellt sich das selbe Problem in kleinerer Ausführung ja schon bei Leuten oberhalb der 2m Körpergröße bzw. unterhalb von 1,55, oder im Extremfall: Bei Gesprächspartnern von 2m und 160cm-
    Vielfalt gehört eben zum Leben, sehe das ganz wie 42 ;)

  4. 04

    Ich gehe übrigens fast immer in die Hocke, halte ich für respektvoller.

    Ich halte es für respektvoller, die Behinderung nicht zu thematisieren und dazu gehört auch meine Körperhaltung. Davon mal abgesehen assoziiere ich mit einem Gespräch in der Hocke das Gespräch zwischen einem Kind und einem Erwachsenen. Am einfachsten ist es wohl, wenn ein Stuhl in Reichweite ist. ;-)

  5. 05

    Sie wollen keine Umstände machen und behandelt werden, wie alle anderen Menschen auch – soweit es eben geht. Jedenfalls ist das meine Erfahrung.
    In die Hocke gehen find ich alles andere als „normal“ und relativ umständlich, also kann man ruhigen Gewissens stehen bleiben ;)

    Das Rollstuhl-Design ist cool, aber die Frage ist ja eher, ob es auch praktisch ist. So ein Rollstuhl muss ja zum Beispiel auch mal transportfähig zerlegt werden, im günstigsten Fall auch vom Besitzer selbst…

  6. 06
    fredge

    Gehst du auch bei Menschen in die Hocke, die kleiner sind als du?

    Respektvoll finde ich, wenn man Menschen mit Respekt behandelt und nicht, wenn man in die Hocke geht oder nicht. Dass du überhaupt darüber nachdenkst, Menschen die im Rolli sitzen anders zu behandeln als andere, hätte ich nicht von dir – also Johnny Häusler, wie ich ihn so als Internetmenschen kenne – erwartet.

  7. 07

    muss zustimmen, Hocke ist glaube ich nicht respektvoller.
    Ich werde im August meinen Zivi in einer Behindetenwerkstatt ableisten, in dem die meisten auch Rollstuhlfahrer sind. Hatte auch schon einen Probetag, und es gibt tatsächlich Spezialrollstühle zum Stehen. Hauptsächlich für Toilette und so.
    Ansonsten glaube ich aber, ist sowas nicht unbedingt nötig.
    Denn die sitzende Position vom Rollstuhlfahrer mag vielleicht ein Problem sein, die Schranke im Kopf der anderen ist aber das größere.

  8. 08

    Ein geschätzer Bekannter von mir (Rollstuhlfahrer) besitzt für sein Ladengeschäft einen elektrischen Rollstuhl, der bei Bedarf „hochgefahren“ werden kann. Allerdings dann halt in der gleich Sitzposition.

    Sich hinzuhocken finde ich zwar bei näherer Betrachtung auch nicht „respektvoll“, aber ich respektiere ihn schon alleine durch unsere Gespräche. Und er mich genauso. Meistens bleibt man halt trotzdem stehen und das ist auch völlig okay.

  9. 09
    Sascha

    Einen solchen Rollstuhl, der hohfährt, und auch dann stehen bleiben oder weiterfahren kann. Während der Rollstuhl oben ist. Praktisch wenn an Theken.

    Ich denke mal, dass solch ein Rollstühl wie Jake Eadie’s nicht für jede Art der Behinderung geeignet ist.

  10. 10

    In der Montessoripädagogik gilt es als respektvoll sich der „Ebene“ des Kindes anzupassen – durch in-die-Hocke-gehen.

    Es st ja nur in der Höhe unterlegen, nicht in der Größe.

    Ich bleibe bisher aber auch stehen glaub ich.

    Aber wir „haben“ ja Rolli-Geeks. Was sagen die dazu?
    Raoul? Behindertenparkplatz? Mooose?

  11. 11

    Rollstühle, die sich elektrisch in der Höhe anpassen lassen, gibts tatsächlich schon länger. Auch die Möglichkeit sich komplett aufzurichten mit den entsprechenden Motoren wie beispielsweise hier (http://bit.ly/zqw2s)
    Problematisch sind dabei eher die Krankenkassen, die sowas nicht so ohne weiteres finanzieren mögen.

    Problematischer sind eher die Stehparties als die 1:1 Gespräche. Ist zumindest meine Erfahrung. Aber manches ist sicherlich auf gleicher Augenhöhe einfacher zu besprechen.

  12. 12
    dem Jod

    Der Erfinder des Seagways, Dean Kamen, baute schon vor relativen Ewigkeiten einen ähnlichen Stuhl, der sich dank des auch im Segway verbauten Gyros auf ein Rollenpaar auf richten und so den Fahrer zum Gegenüber hinauf bringen konnte. Außerdem wurden auf die Weise auch Treppen bewältigbar. iBOT heißt das Gerät, wird laut der Wiki nicht mehr länger her gestellt.

  13. 13
    peter h aus b

    Gähn, den Rollstuhl hat Dean Kamen, der Erfinder des Segway, schon vor 10 Jahren erfunden:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Dean_Kamen

    „Zuvor hatte Kamen bereits einen innovativen Rollstuhl erfunden, der Treppen steigen sowie seinen Benutzer auf Augenhöhe mit stehenden Personen heben kann“

    Edit:
    Ooops, sorry, mein Vorposter hat auch Kenntnis von der Sache..

  14. 14
    Thomas

    @fredge:

    Also wenn ich mich mit Menschen unterhalte, die sitzen (z. B. wenn ich jemand im Strassencafé treffe oder ähnliches), dann gehe ich in die Hocke. Zumindest, falls das Gespräch über ein kurzes „Tage, wie geht´s“ hinaus geht. Alles andere wär mir zu verkrampft. Dabei ist es für mich unerheblich, ob mein Gegenüber sitzt, weil er nicht stehen kann oder weil er nicht sthen will. Was daran respektlos sein soll, verstehe ich nicht – lasse mich aber sehr gerne eines besseren belehren und ggf. mein Verhalten auch ändern.

    Das gleiche gilt auch für Kinder (z. b. für meine Tochter): wenn ich mich länger mit ihnen unterhalte, gehe ich in die Hocke. Automatisch.

  15. 15

    Na ist doch aber klasse, dass ich jetzt besser weiß: Hocke ist also doof. Danke, im Ernst.

    Ich mag es halt, wenn man auf halbwegs gleicher Kopfhöhe miteinander redet und finde es nicht abwertend, sich bei Nichtvorhandensein eines Stuhls eben hinzuhocken. Finde ich auch bei einem Kind überhaupt nicht abwertend, sondern entgegenkommend.

    Im Zweifel ist mir dann aber die Meinung eines Rollstuhlfahrers wichtiger (habe auch schon oft gefragt, ob er/sie das dämlich findet und bisher nichts dergleichen als Antwort bekommen). Ist ja vielleicht auch ne individuelle Ansichtssache.

    @fredge: Deine Enttäuschung darüber, dass ich darüber nachdenke, verstehe ich nicht ganz (ist ja jetzt nicht so, dass ich deshalb nicht schlafen kann, aber bei dem Design oben fiel mir auf, dass ich manchmal stehe, manchmal hocke). Ich finde es relativ selbstverständlich, dass man daran durchaus mal einen Gedanken verschwendet, ob ein Rolliefahrer es evtl. nervig findet, dauernd nach oben schauen zu müssen in einem Gespräch.

  16. 16

    Das Zauberwort heißt ernst nehmen – wie schon treffend geschrieben, kann es im wahrsten Sinne herablassend wirken, wenn du dich Rollstuhlfahrern gegenüber anders verhältst als erwachsenen Menschen, die nicht im Rollstuhl sitzen.

    Mal eine Stichprobe an dich selbst: Würdest du dich auch stets bücken, wenn ein Freund mit gebrochenem Bein nur bis zu seiner Genesung im Rollstuhl sitzt? Oder fühlt sich das irgendwie „anders“ an?

    Es ist natürlich gut, wenn Menschen sich selbst und die Signale, die sie aussenden hinterfragen. Das wichtigste aber bleibt, respektvoll zu sein und dir unbekannte Lebensperspektiven als genau so normal anzusehen, wie deine eigene.

  17. 17

    Hmm, die Editfunktion scheint im Moment nicht zu funktionieren, deshalb Entschuldigt den Doppelpost:

    Ein gesellschaftlicher Diskurs über den Umgang mit Behinderung scheint endlich auch außerhalb der TAZ Eingang in die Mainstreammedien zu finden. Ein Artikel der FAZ, wie häufig sind auch die Kommentare lesenswert: Ein Kind ist keine Zeitbombe.

    Und ein krasser Verriss deutsche Bildungs und Integrationspolitik in der TAZ Behinderte Müssen wählen können möchte ich für Interessierte an dieser Debatte empfehlen.

  18. 18
    Frédéric Valin

    Wolfgang, von mir während der Zivizeit betreuter Querschnittsgelähmter, meinte, gut fände er’s, wenn sich die Leute auch setzten. Wenn also ne Parkbank in der Nähe ist oder ein Stuhl oder von mir aus die Bordsteinkante, dann kann man sich einfach, wie er sagte, hinpflanzen.

    Allerdings nicht mit den Worten „Ich setz mich dann auch mal“ einleiten. Hab ich versehentlich mal gemacht, war nicht so gut.

  19. 19
    Jan(TM)

    Rollstuhlfahrer sind erstmal ganz normale Menschen und als solche völlig unterschiedliche Typen. Andererseits beissen die auch nicht wenn man fragt ob es ok ist, sich zu ihnen runter zu hocken. Es ist immer das beste direkt mit Leuten zu reden, als über dritte. Man merkt ja auch wie jemand drauf ist, bei einem Typ wie Schäuble ist hocken wahrscheinlich nicht empfehlenswert – andere mögen die Nähe und den Augenkontakt.

  20. 20
  21. 21
    Martin2

    Bei Rollstuhlfahrer habe ich immer Angst, dass Sie mir über den Fuss fahren. Ansonsten finde ich die völlig in Ordnung. Wirklich.

  22. 22

    Ach, wenn Hocken oder nicht das einzige Problem wäre, welches Rollifahrer hätten, dann hätten sie keins. Heute sieht man immer mehr Rollifahrer auf den Straßen — früher sind sie so gut wie nie zu sehen gewesen (jedenfalls im Osten). Was mir dennoch auffällt, ist die Unsicherheit, die gehende Menschen im Umgang mit Rollifahrern immer noch haben. Warum ist das so? Wir haben gelernt, daß alle, die anders sind als wir, „žtrotzdem“ respektiert werden müssen. Antrainiertes Wissen meiner Meinung nach, so wie ein Gedicht, daß man in der Schule aufsagen muß.

    Hocken oder stehen ist so was von scheißegal. Was nervt, sind so Sachen wie: „žDarf er denn ein Stück Schokolade essen?“ Über den Kopf meines zwölfjährigen im Rollstuhl sitzenden Sohnes zu mir gesprochen. „žFragen Sie ihn doch einfach.“ Meine Standardantwort an die „žmenschelnde“ Zufallsbegegnung.
    Zögern erst und Erstaunen dann ob der Eloquenz des kleinen Burschen im Rolli, der die so manches Erwachsenen an Krücken gehen läßt. Irgendwo haben wir das wahrscheinlich alle gelernt: Wer im Rollstuhl sitzt, ist sicher auch geistig behindert. Verdammte Scheiße!

    Vor ein paar Jahren bin ich in einem Supermarkt einmal praktisch geworden. Ich war mit meinem Sohn dort — aus dem Augenwinkel sah ich, wie eine ältere Frau, meinen Sohn samt Rolli beiseite schob, um an die Kühltruhe zu kommen. Adrenalin schoß in mir hoch. Ich ging rüber und schob die Dame ebenso vom Regal weg, wie sie es gerade mit meinem Sohn getan hatte. Sie kapierte sofort, wir hatten anschließend einen kleinen, freundlichen small talk. Ihr war ihr Verhalten peinlich.

    Kinder, die vor der Eisdiele fragen, ob „žder Junge sich ein Bein gebrochen hat.“ Mütter, die ihre Kinder dann tuschelnd beiseite ziehen und ein mitleidig-entschuldigendes Lächeln aufleuchten lassen. Schön dann der Kommentar meines Sohnes: „žPapi, hast Du gehört, was das Mädchen gesagt hat? Dabei sind meine Beine doch völlig in Ordnung — hier, guck mal.“ Und klopft sich bekräftigend auf seine Oberschenkel.

    Man kann das Problem nicht wegreden. Erzieherinnen und Lehrerinnen, die an der Körperbehindertenschule unterrichten und ihre Hintern noch nie in einen Rollstuhl gesetzt haben, um wenigstens einmal vom Klassenraum zum Klo zu fahren“¦ okay, ich denke, das reicht.

    Was war das Thema? Ach so ja. Die Entwürfe des Herrn Eadie scheinen mir zu schwer zu sein (um sie ins Auto zu heben beispielsweise) und damit nicht praktikabel.

    Ansonsten: Aufrichten? Ja, klar!
    Auch wenn Monk (Kommentar 7) da anderer Meinung ist. Zitat: „žAnsonsten glaube ich aber, ist sowas nicht unbedingt nötig.“ Ach ja? Schön, dass wir immer Menschen haben, die für andere entscheiden (oder es gerne tun würden). Naja, man muß ja nicht von jedem Thema Ahnung haben, darüber labern reicht doch meistens schon. ;-)
    Viel Spaß beim Zivildienst, Monk!

  23. 23
    pmn

    Wie wär’s mit einem Kompromiss: Hinsetzen oder anlehnen. ;) Wenn ich mal nen Rollo brauche, will ich aber auch so einen. Man kommt ja sonst nicht an die Regale.

  24. 24
    fredge

    @Johnny Haeusler: Ich habe mich auch nicht so gut ausgedrückt. Natürlich hat man mal den Gedanken – den hatte ich auch schon das ein oder andere Mal. Nur, dass es – so wie ich es aus deinem Post gelesen hatte – dann zu einem ernsthaften Thema für einen so bedachten, selbstreflektierten und intelligenten Menschen werden könnte, wie Du es meinem Eindruck nach bist, finde ich erstaunlich.

    Hat man nicht kurz diesen Gedanken und entscheidet sich für das Richtige (nicht weiter drüber nachzudenken und gut schlafen zu können) und dann ist gut? – Das war so mein Verwundern und das hast Du ja auch dann so nochmal beantwortet.

  25. 25
    christoph

    @Rupert
    schon mal dran gedacht, dass Du Deinen Mitmenschen nicht gerade behilflich bist, die Unsicherheit im Umgang mit deinem Sohn abzulegen sondern diese geradezu herausforderst?

  26. 26

    @fredge: Alles kein Problem! :) Wie gesagt: Fiel mir als Nebensatz ein und auf, hatte auch nicht erwartet, dass das jetzt so ein Thema wird!

    @Rupert Gandorff: Ich verstehe ja Ärger und Wut über Unsicherheit im Umgang mit Rollstuhlfahrern, das muss alles sehr nerven. Aber ein Stück Verständnis dafür, dass man auch mal verunsichert sein kann, hilft ja auch. Es ist doch nicht allzu verwunderlich, dass Leute nicht immer perfekt mit jeder nicht alltäglichen Situation umgehen können und das Beispiel mit der Frau, die deinen Sohn einfach zur Seite geschoben hat, zeigt: Nicht alles, was blöd ist, ist böse gemeint.

    Wir machen und doch etwas vor, wenn wir so tun, als würden wir mit jeder einfach nicht gewohnten Situation ganz locker umgehen können. Und manchmal benimmt man sich umso dämlicher, je mehr man versucht, sich „ganz normal“ zu benehmen.

    Geh‘ mal über eine belebte Ampelkreuzung und achte dabei sehr genau darauf, dass du ja niemanden anrempelst (was du sonst sowieso nie tust beim Überqueren einer Straße): Du wirst wirr umherlaufen und Leuten unnötigerweise ausweichen. Und sie wahrscheinlich anrempeln. :)

  27. 27

    Zunächst mal: auf den Rollstuhl angewiesene Menschen sind individuelle Menschen, die unterschiedliche Dinge unterschiedlich gerne mögen. Es gibt keine auf alle Menschen passende Regel.

    Wen man im Umgang mit ihnen unsicher ist, kann man das ansprechen. Sie werden einem nicht den Kopf abreissen sondern pragmatisch erklären, ob sie lieber hoch gucken oder jemanden lieber auf gleicher Höhe in die Augen gucken. Dann ist das geklärt und jut ist es. Und wenn es keine Sitzgelegenheit gibt, löst sich das Problem eh von selbst. Im übrigen hat man auch als stehender Gesprächspartner sehr wohl das Recht mangels Sitzgelegenheit sich hinzuhocken, wenn man es persönlich schätzt, dem sitzenden Gesprächspartner in die Augen zu gucken. Denn natürlich bleibt man auch einem Menschen mit irgendeinem körperlichen Merkmal gegenüber völlig autonom, wenn man mit ihm kommuniziert. Das schätzen Menschen mehr als verkrampftes Verhalten. Im übrigen haben auch Menschen, ob nun im Rollstuhl, an Gehhilfen oder anderweitig besonders talentiert sind, auch Tage an denen ihnen das alles auf den Geist geht und Tage, an denen sie alles mit Humor nehmen. Jetzt von einem einmal gereizt reagierenden Menschen im Rollstuhl sitzend auf alle anderen zu schließen, wäre unpraktisch.

    Diese Unsicherheiten werden nicht besser, wenn man sie nicht einfach kommuniziert. Das verkompliziert alles. Außerdem wissen Menschen im Rollstuhl im Allgemeinen, dass andere Menschen nicht immer Erfahrungen haben und etwaige Berührungsängste haben. Das Eistruhen-Erlebnis von Rupert geschildert, trifft es auf den Punkt. Nichts über den Kopf des anderen hinweg machen, nur weil man glaubt, das könnte so richtig sein, wenn man es tatsächlich gar nicht wirklich weiß. Vor allem dann nicht, wenn man sich gerade erst kennenlernt.

    Und glaubt mir, es wird Menschen im Rollstuhl geben, die mir jetzt zustimmen und genauso viele, die es nicht tun: Autonomie eben! ,-)

  28. 28

    @christoph (25): Nicht behilflich? Ja, kann sein. An manchen Tagen. Wenn ich selber nicht so gut drauf bin, wenn wir schon ein paar der beschriebenen Situationen durch haben – sicher, dann erlaube ich mir, die Nase auch mal voll zu haben. Doch Unsicherheit herausfordern? Hm, ich weiß nicht. Eher im Gegenteil. Kannst Du mir erklären, was Du meinst?

    @ Johnny (26): Ja, ich bin Deiner Meinung – das versuchte ich zu sagen.
    Hm, scheint nicht perfekt rübergekommen zu sein.

    Ich bin kein Misanthrop, meistens kann ich die Situation mit einem Lächeln und einem Spruch auflockern – und schwupps! ist die Entspannung da.

    Ach, und: Es gibt natürlich mindestens ebenso viele Menschen, die einfach relaxed im Umgang mit Behinderten sind. Ich wünsche mir eben nur, das entspanntes Umgehen miteinander irgendwann mal gesellschaftlicher Konsens ist. Möglichst bald! :-)

    @ creezy (27): Danke!

  29. 29

    Bist du mal selbst in nem Rollstuhl gefahren? Ich hab das mal nen halben Tag lang mitgemacht (zu zweit abwechselnd als Rollstuhlfahrer und als Begleitung).

    Ist eine fasznierende Erfahrung, die wirklich einen ganz anderen Einblick in die Lebenswelt von Rollstuhlfahrern ermöglicht.

    Hab damals nen kleinen Erfahrungsbericht gebloggt: http://www.henningschuerig.de/blog/2008/06/04/als-ich-im-rollstuhl-sass/

  30. 30
    christoph

    @Rupert
    dass die Ursache für in deinen Augen unangemessenes Verhalten meist Unsicherheit und nicht Bosheit ist, hast du doch selbst schon erkannt.

    Auf Unsicherheit offensiv oder gar aggressiv zu reagieren wird die Unsicherheit sicher nicht mildern.

    Dir scheint ja resolutes Ignorieren (evtl. hätte die Frau im Supermarkt jedes Kind beiseite geschoben, ob nun im Rolli oder nicht) genauso aufzustoßen wie ein mitleidig-entschuldigendes Lächeln, da wirds für deine Mitmenschen evtl. manchmal schwierig.

  31. 31
    Thomas

    @christoph: Ist natürlich eigentlich müßig, da jetzt zu spekulieren – aber ich glaube kaum, dass die betreffende Frau ein Kind (12-jähriger!) einfach so auf die Seite geschoben hätte, ohn das Kind vorher nicht zumindest anzusprechen und zu fragen, ob es Platz macht….

  32. 32
    Bernd

    Als ich den Design-Entwurf sah war mir sofort klar, dass ich das Prinzip schon mal gesehen hatte.

    http://www.youtube.com/watch?v=2Or4sMmP_vI&feature=related

    Und achtet mal drauf, wie der Mann von den Vorzügen einer aufrechten Körperhaltung spricht. Besonders im Bezug auf seine Gesundheit.
    Es mag vielleicht sein, dass jeder Patient individuelle Erfahrungen macht (wäre eigentlich nur zu logisch), aber der Design-Entwurf scheint den richtigen Weg zu deuten.

    Cooles Produkt. Mit Marktpotential.

  33. 33
  34. 34
    christoph

    @Rupert und Thomas
    mein Eindruck war halt: Ich bitte alle um einen lockeren, unverkrampften Umgang, Verfehlungen werden hart geahndet.
    paradox eben.

  35. 35

    @Rupert:
    Hast Du Dir eigentlich schon mal überlegt, wie nervig es in Supermärkten ist, wenn Du Deinen Wagen irgendwo hinstellst und ich dann als Rollstuhlfahrer nicht mehr an die Regale komme?
    Gleiches gilt für Autos, die ja überall parken und abgeflachte Gehwege einfach zustellen. Sehr „nette“ Angewohnheit, ist aber wohl den meistten überhaupt nicht bewusst.

    Seit ich Ende der Siebziger mit dem Rollstuhl unterwegs bin, hat sich wirklich viel geändert. Die ersten Jahre ist man praktisch permanent angestarrt worden, da damals wirklich sehr wenige Rollstühle in den Strassen zu sehen waren. Das hat sich mittlerweile doch sehr geändert. Allerdings ist mein Eindruck, dass fast immer Unsicherheit mitspielt, wenn jemand mit einem Rollstuhlfahrer nicht zurecht kommt. Mal abgesehen, wenn es menschlich nicht klappt, aber das ist ja bei Rollstuhlfahrern auch nicht anders als bei Normalos.

    Aber wo ihr gerade so schön am Diskutieren seid. Bei vielen Veranstaltungen stelle ich fest, dass die oft nicht rollstuhlgerecht oder barrierefrei sind. Wenn ich irgendwo auf eine Verstaltung will, dann muss ich in der Regel erstmal telefonieren und sehen, ob man zum Einen mit dem Rollstuhl Zugang hat und zum Anderen ob möglicherweise die Sanitäranlagen entsprechend sind.

    Nochmal zum Produkt: iBOT kannte ich gar nicht, schade dass es wohl eingestellt worden ist. Die Designentwürfe hapern meines Erachtens an dem Problem, dass man damit kaum eine einzelne Stufe überwinden kann, da die Räder einfach zu unterschiedlich von der Größe sind. Und auch einzelne Hinterräder sind da eher kritisch zu sehen. Überlegt einfach mal selbst, ob ihr damit in die nächste Kneipe, die U-Bahn oder auf die Toillette kommen würdet.

    @Henning: ja ist wirklich empfehlenswert, den anderen Blick mal zu bekommen und hilft. In München beim Streetlife kann man beispielsweise oft Rollstuhle selber „testen“. Gibts sicherlich auch anderswo. Und bei manchen Berufsgruppen gehört das ja sogar zur Ausbildung.

  36. 36

    @ Mooose (35): Natürlich habe ich das.

    Ich mag auch die Leute, die unseren Rolliparkplatz belegen und (manchmal) eine Handynummer hinter die Windschutzscheibe legen. Die ein Rollifahrer gar nicht sehen kann.

    Und voller Zärtlichkeit erinnere ich mich an die vier baumlangen Potsdamer Skinheads, die unseren Platz zuparkten und mir mit einem geklauten Rollischild vor der Nase rumwedelten.

  37. 37

    @Rupert: das mit den Parkplätzen liegt einfach nur an den niedrigen Gebühren. Als ich vor zig Jahren in den USA war und einen Freund fragte, warum er nicht den Behindertenparkplatz benutzt, da ich ja dabei bin, sagte er nur „$150 is too much, if they do not believe me“
    Weiss gar nicht, wie die Preise hier liegen ;)

  38. 38
    Thomas

    @Mooose: Kostet bei uns nur 35,- Euro, allerdings wird man i. d. R. abgeschleppt – und das kostet dann mehr als $ 150,-.

  39. 39
    christoph

    @Thomas
    in Hamburg knapp 300 €
    Schnäppchen quasi

  40. 40

    Schade eigentlich, dass hier so viele Kommentare von wohlmeinenden Nichtrollstuhlfahreren, und so wenige Kommentare von Rollstullfahrern zu lesen sind. Zur Sache mit dem Bücken hätte ich eigentlich gerne noch eine Stellungnahme von einem Rollstuhlfahrer gelesen.

  41. 41
    anonym

    Es gab/gibt auch einen Prototyp für einen Rollstuhl der den Fahrer in eine „steh-ähnliche Lage“ bringt. Ist dan auch für den Fahrer gesünder. Ist wahrscheinlich eine bessere Lage als den Rollstuhl einfach zu erhöhen.

  42. 42

    Na, wenn wir gerade so schön dabei sind zu diskutieren und uns gegenseitig die Augen zu öffnen, möchte ich auch noch anmerken, dass das was von Menschen, die beispielsweise auf Gehhilfen oder Rollstühle angewiesen sind in der Fortbewegung als barriefrefrei begrüßen, wiederum für die Menschen mit sehr starker Sehbehinderung, beispielsweise der auf Straßenniveau herab gelassene Bordstein oder andere Wege ohne erkennbare Niveauunterschiede gegebenenfalls tödliche Konsequenzen haben können.

    Das ist alles nicht so leicht und die vollkommene Lösung wird es nie geben.

  43. 43

    Interessant finde ich: In Ländern wie Thailand stellt sich die Frage nicht. Da ist es immer richtig, wenn der der den niedrigeren Rang hat (meist: jünger ist) den Kopf niedriger hat als der andere. Also je nachdem Stehen Bleiben, auf gleiche Höhe begeben oder sogar auf den Boden setzen…

  44. 44

    Ja logo, ein Rollsuhlfahrer kann ja nie nen höheren Rang haben als einer der gehen kann.

    Ehm. NOT

    Merke: bem Linksapmmen auf minimales Intelligenzlevel der Kommentare achten ;)

  45. 45

    @OliverG

    Da sind wir der gleichen Meinung.

    Natürlich kann der Rollstuhlfahrer den höheren Rang haben. Dann muss man aber nicht überlegen was höflicher oder einem von beiden angenehmer ist, sondern es ist klar dass man sich hinhocken und ggf. sogar noch ein bißchen ducken sollte. Darum gings.

  46. 46

    Hm, wollen wir die autoritären gesellshaft mit Rabndstufen und Protokollen zurück?

    Wobei ich auch immer wate (fastt) bis die Dame oder der ältere das Du anbietet ;)

    ach ja: und sorry wegen missverständnis ;)

  47. 47

    Ich bin Rollstuhlfahrerin. Es kommt sehr auf die Situation an, ob ich es angemessen finde, wenn jemand in die Hocke geht oder nicht. Das Problem ist weniger, dass ich das nicht mag, sondern dass die Person nach 5 Minuten „rumwackelt“, weil man nun mal nicht lange bequem in der Hocke sitzen kann. Wenn das Gespräch länger dauert, biete ich an, dass wir zu einem Stuhl gehen und sich die Person hinsetzen kann. Das ist am besten. Wenn es nicht zu laut ist, habe ich aber auch keine Probleme, wenn jemand stehen bleibt. Ich bin gewohnt, nach oben zu sprechen. Es ist aber manchmal ein Hörproblem, gerade auf Stehpartys wenn es laut ist. Ich finde weder das Stehenbleiben noch das IndieHockegehen unangmessen. Es muss nur zur Situation passen und für beide Gesprächspartner angenehm sein.

  48. 48
    Peterzen oder

    Ganz einfach, der gegenüber soll sich setzen oder in die Knie gehen. Warum soll ich als Rollstuhlfahrer ihm ständig auf sein Geschlechtsteil schauen.
    Und das ich mir den Hals verrenke und ständig wie ein Bittsteller aufwärts schaue hab ich nicht nötig.

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