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Spielarten

Der Sport vermittelt Grundwerte, die in der Gesellschaft von elementarer Bedeutung sind. In kaum einem anderen gesellschaftlichen Bereich werden Werte wie Toleranz, das Prinzip der Chancengleichheit, das Leistungsprinzip und der Grundsatz der Fairness so konsequent vorgelebt, praktiziert und eingeübt wie im Sport. Doping gefährdet diese positiven Grundwerte.

Das hab ich mir ausnahmsweise mal nicht ausgedacht, sondern die Nada. Nada heißt Nationale Anti Doping Agentur. Die NADA wohnt auf einem sehr lustigen Planeten, auf dem Sportler kein Geld verdienen müssen, sondern Modell stehen für Skulpturen in Marmor zur Erbauung des Volkscharakters.

Sport ist die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln. Die Nada ist die Genfer Flüchtlingskonvention, bloß als Agentur. Das sind die Guten. Die glauben beide an das Gute im Menschen. Sogar an das Gute im Kugelstoßer.

Dabei sind die einzigen inneren Werte des Sportes die Blutwerte. Wenn ein Sportler eine Muse hätte, sie hieße Nandrolon oder EPO. Die Grundwerte, die der Sport vermittelt, sind: Durchsetzungsvermögen, Opportunismus, Gewinnmaximierung und Raubbau am eigenen Körper.

Ich verstehe das Getue um Doping nicht. Antidopingkontrollen sind nicht eingeführt worden, damit der Sport sauber bleibt, sondern weil ein bescheuerter, bis oben mit Amphetaminen vollgepumpter Radfahrer tot vom Sattel gefallen ist. Und das sah scheiße aus. Bis dahin hat Doping doch niemanden interessiert. Sport war noch nie sauber.

Gerade läuft die Siegerehrung der Frauen über 3000 Meter Hindernis. 3000 Meter Hindernis, wer denkt sich denn so einen Scheiß aus. Was macht man, wenn die kleine Tochter, vielleicht ist sie fünf, nachmittags nach Hause kommt und sagt: Mama, Papa, ich will auch in den Sportverein, ich lauf ab sofort 3000 Meter Hindernis. Da fragt man sich doch, Himmelherrgott, was hab ich falsch gemacht. Früher haben die Kinder einfach gespielt, und wenn einer auf einem Spiel hängen geblieben ist wie auf schlechtem Acid, haben sie eine olympische Disziplin draus gemacht, zum Beispiel beidhändiges Speerwerfen, Tauziehen und Querfeldeinlauf.

Ich habe gelesen, Kenianer liefen deswegen besonders schnell, weil sie weniger Sauerstoff brauchen. Das ist unfair, dafür müssten sie eigentlich ausgeschlossen werden. Das hat doch nichts mehr mit Chancengleichheit zu tun.

Wann ist ein Sport sauber, und wann nicht? Wer nur Karottensaft trinkt, weil das das Auge stärkt, dopt nicht. Wer sich mit Amphetaminen volldröhnt, dopt. Wer als Torhüter abends mal einen raucht, dopt. Wenn man als Schwimmstar kifft, dopt man nicht.

So Sportarten wie 3000 Meter Hindernis sind ja schon verwirrend genug. Noch verwirrender ist nur, dass offenbahr so viele Menschen glauben, Sport sei moralisch. Moralisch im Sinne Clausewitz‘ vielleicht.

Es läuft Sommerskispringen, ich verstehs nicht. Ich geh ne Runde trockenschwimmen.

38 Kommentare

  1. 01
    Jan(TM)

    NADA = National Anti Doping Agentur

  2. 02

    @Jan(TM): Klingt sinnvoll. :) Ist korrigiert, danke!

  3. 03
    rokr

    Ach Frédéric, darüber könntest du sicher ein ganzes Buch füllen. „Die Doppelmoral des Sportdopings – warum es ohne nicht geht“.
    Oder: Warum 3000m Hindernis olympisch sind, Inline-Skaten aber nicht.
    Oder: Warum wir uns den halben Winter lang im TV anschauen müssen, wie zwei Presswürste verbissen monoton durch einen Eiskanal scheppern (sie nennen es Zweier im Rennrodeln oder so), obwohl es auch spannende und vor allem ästhetische Sportarten gibt.

  4. 04

    Der „Tweet This“-Button zu diesem Artikel funktioniert nicht, bei allen anderen Artikeln schon. funktioniert mittlerweile wieder.

    Ansonsten kann ich Fred von Herzen zustimmen.

  5. 05

    Es geht hier um Events, und da muss immer was besonderes passieren, Rekorde. Die machen sich auch gut im Lebenslauf eines Sportlers, wenn er zum Beispiel einen Werbvertrag abschliessen will. Events sind auch gut für den Tourismus, obwohl es Fernsehen gibt, komisch, ist aber so. Der Mensch hat anscheinend das Bedürfnis mal bei was besonderem dabei gewesen zu sein.

    Wenn man selbst Sport macht muss man nicht dopen. Es gibt Sachen im Leben die funktionieren auch ohne Konkurrenz. Große Erfindungen werden zum Beispiel alleine im stillen Kämmerlein gemacht, mitunter.

    Aber zurück zum Doping, wer einem Rekordler applaudiert, klatscht auch ein bischen mit für die Leistung des betreuenden Dopingarztes. Oder?

  6. 06
    dré

    Was willst du uns mit diesem Beitrag sagen?

    Übrigens: Wenn du als Radsportler mal einen rauchst, bist du weg vom Fenster, ab und zu koksten ist OK.

  7. 07
    dré

    OT: meine Beiträge verschwinden. (??)

  8. 08

    Köstlich!

    Chancengleichheit ist besonders gut im Sportunterricht zu beobachten, wo an alle Noten dafür verteilt werden, wie hoch und weit und schnell sie sich bewegen, unabhängig von Körperbau und (außerschulischem) Trainingsstand.

  9. 09

    Weil ich diese Gelegenheit so bald wohl nicht wieder haben werde: Ich stimme dir vorbehaltlos zu. Danke für diesen Artikel!
    Und weil der Mensch ja nur glücklich ist, wenn er was zu meckern hat: „…lustigen Planeten, in der Sportler kein Geld verdienen müssen…“
    Da ist dir ein kleines Versehen unterlaufen.

  10. 10
    Irreversibel

    Danke, sehr gut getroffen.
    Was sich erwachsene Menschen an Substanzen zuführen um schneller/weiter/höher zu laufen/schwimmen/springen sollte doch den Betroffenen überlassen werden. Die gesellschaftliche Bedeutung, welche die NADA bzw. die Funktionäre dem Leistungssport zuschreiben ist doch nichts weiter als PR um das eigene Produkt besser vermarkten zu können.

  11. 11

    Ich lese deine Texte immer gerne, aber dieser bringt mich doch ein wenig aus der mir angeborenen Ruhe. Wenn du es jetzt auf Profisport eingeschränkt hättest, wären wir vielleicht weniger weit auseinander. Vielleicht ist es auch nur Satire, keine Ahnung. Aber Sätze wie „Dabei sind die einzigen inneren Werte des Sportes die Blutwerte.“ empfinde ich als Laiengeschwätz eines Nichtsportlers. Ohne je einen Cent für meinen Sport (Feldhockey in der zweiten Bundesliga) bekommen zu haben, und ohne je ein leistungssteigerndes Mittel eingeworfen zu haben, gab mir der Sport mehr an sozialer Kompetenz mit, als das im Beruf der Fall war.

    Ich hoffe eindringlich, dass das Gros der Leser seinen Kindern den Wunsch nach Sport befördert. Und das unabhängig davon, wie blöd man diesen findet.

  12. 12

    Mmh! Interessante Sichtweise und definitiv nach zu vollziehen nur erkenne die den gewollten Versuch den Sport etwas blödsinning und stupide darstehen zu lassen, was ich leider so nicht akzeptieren kann.

    Aber ich will mal dazu was schreiben:

    1. Natürlich wurde schon immer im SPITZENSPORT gedopt.
    2. Natürlich geht es bei den Antidopingkampagne auch um Prestige
    3. Und ja bei den Spitzensportlern kommt es oft so rüber es seien stupide Maschinen

    Ich war Spitzensportler im Schwimmen und immerhin war auch mal eine Teilnahme beim World Cup in Berlin mit drin. Es war immer wieder erstaunlich wie viele Stpitzensportler Astma haben, wie viele kurz vor den Deutschen Meisterschaften nicht mehr auf zu finden waren, weil sie im Ausland für Monate Trainingslager machten.

    Doch deswegen Sport klein zu reden, deswegen einen Wettkampf klein zu reden oder gar 3000 Meter Hürden ist ignorant. Das machen die jenigen, die Sport noch nie verstanden haben, das machen die jenigen, die sich in ihrer Jugend leider nicht mehr hatten als Alkohol und Rauchen!

    War ich jetzt provozierend? Ist das Urteil korrekt?

    Was ist mit all denjenigen, die morgens Kaffee trinken, um auf der Arbeit wacher zu sein, all die jenigen die Dextro Ernegy oder gar effektiveres Pulver vor einer wichtigen Abschlussprüfung nehmen?

    Da kommt jetzt: Das ist ja was anderes!

    Warum darf ein Vater rauchen? Sollte er nicht Vorbild sein? Ist ein Vater somit nicht absolut unverantwortlich in seinem Handeln – moralisch gesehen?

    Dürfen die Eltern im Kino flunkern, wenn das Kind aussieht wie 11, aber 13 ist, um billiger in die Vorstellung zu kommen?

    Spiegelt nicht der Sport unsere Gesellschaft wider?

    Seid nicht IHR daran Schuld, dass der Sport so ist wie er ist?

    Wer verurteilt wen?

  13. 13
    ötze

    nilsn: WORRD
    clemens: WORRRD

  14. 14
    Tim

    Gestern war in arte eine Sendung; „Im Körper der Topathleten“. Die haben Michael Phelps analysiert, noch vor Peking 2008. Fazit: Sein biegsamer, stromlinienförmigen Körper von 1,93 Metern und der außergewöhnlichen Armspanne von 201 Zentimetern und 35 cm Fusslänge bringt ihm mind. 20% Vorteil. Ein Wunder, dass der trotz des zusätzlichen extrem harten Trainings nicht mit einer halbe Bahn Vorsprung gewinnt. Dass dies nicht der Fall ist, zeigt eigentlich, dass nicht der „Beste“ gewinnt, sondern der sich optimal vom Standrad unterscheidet. Wären wir in „Waterworld“ würde die genetisvche Auslsese irgendwann alle so wie Phelbs aussehen lassen.

    Wer dies nicht mitbringt muss halt anders nachhelfen.

  15. 15

    Der Spitzensport taugt längst nicht mehr als Vorbild der Gesellschaft, ist zu ihrem Abbild geworden. Das Problem ist, dass die Sportverbände alles dafür tun, das wir das nicht merken. Und sie sind dabei sehr erfolgreich!

    Das Problem des Sports ist nicht das Doping, sondern seine Verlogenheit, Doppelmoral und Intransparenz.

  16. 16
    mister t

    Mein Vater ist mit dem Beruf des Lehrers gestraft. Grundschullehrer sogar. Eine der wenigen positiven Erfahrungen, die er durch alle Jahre machen konnte, war die Begeisterung seiner Schüler sich zu einer Fußball-AG außerhalb des regulären Unterrichts zu treffen und zu spielen. Damit wurden vor allem die dummen Nüsse aufgelesen, die ansonsten nichts gepeilt haben, und haben das eine oder andere Erfolgserlebnis erleben dürfen.

    Mit dem Zulassen einer zynischen Sichtweise, nach der eigene Anstrengung im Sport sowieso wertlos sind, weil es am Ende sowieso nur darum geht, den besten Drogendoktor im Team zu haben, zerlatscht man denen das letzte Bisschen Respekt, dass sie für sich und die Welt noch haben. Insofern ergibt es schon einen Sinn Grenzen zu ziehen und diese auch durchzusetzen. Auch wenn es, wie bei jedem ethischen Problem, keinen absoluten Punkt gibt, an dem man Dinge festmachen kann. Aber genau wie bei anderen Themen (Abtreibung, Sterbehilfe, Managergehälter etc.) lohnt es sich trotzdem, es zu versuchen. Ob das einem Spitzenathleten selbst was bringt, ist mir komplett egal.

  17. 17
    pmn

    Also ich versteh diese ganze Aufregung um Sport überhaupt nicht. Was ist den so toll daran, wenn irgend so ein Typ aus Jamaika ganz, ganz schnell läuft? Ich kenne den ja gar nicht, da kann ich mich also eigentlich gar nicht drüber freuen oder ärgern. Genauso beim Fußball: Zehntausende übergewichtige „Fans“, die seit zehn Jahren keinen Ball mehr mit dem Fuß berührt haben, freuen sich über den Erfolg „ihrer“ Mannschaft. Da müssen irgendwelche archaischen Kräfte am Werk sein, die ich nicht verstehe. Ist doch viel toller mit ein paar Freunden und deren Freunden und irgendwelchen Leuten, die zufällig da sind, ein kleines Fußballturnier zu spielen, statt fürs Zugucken auch noch Geld zu bezahlen.

  18. 18

    Schach u. E-Sport sind sind frei von jeglicher Gefahr des testen auf BTM.(Text)

    Frei nach Reinhard dem Fendrich
    http://www.youtube.com/watch?v=igZcTCx11K8

  19. 19

    @PiPi: Da muss ich dich leider enttäuschen. Auch im Schach gibt es inzwischen Dopingkontrollen und die BTM fallen unter die unerlaubten Substanzen: http://gkl-bw.de/doping-tests.htm

    Grüße

  20. 20

    @corax:
    Richtig,
    BTM wäre Kontraproduktiv -wg. Bewusstseinserweiterung.
    Dass Kontrollen bei Schachturnieren durchgeführt werden.
    ist mir bisher nicht bekannt. Bin aber durchaus Lernbereit.

    Danke

  21. 21
  22. 22

    Herr Valin dieser Text war genial! Also richtig gut geschrieben und extrem lustig.
    Eine Perle auf Spreeblick.com xD

  23. 23

    Wer die Relevanz dieses Produktes des menschlichen Geistes nicht schätzen kann, verpasst etwas. Das ist schon OK, es muss ja auch nicht jeder alles mögen. Kulturbanausen gibt es zuhauf und ich persönlich finde Motorsport zum davonlaufen, genau wie Sloterdijk übrigens ganz regelmäßig oder James Joyce.

    Sport ist jedoch eine kulturelle Errungenschaft, deren gesellschaftliche Relevanz kaum von der Hand zu weisen ist. Allein das dürfte schon zum Nachdenken anregen. Sport ist ein Mikrokosmos, der in schlichte Regeln fasst, was uns an komplexen Zusammenhängen in der Welt begegnet. In ihm fügen sich die Lust am Spiel, die Sehn­sucht nach schlich­ten Regeln und die ge­zähm­te Ag­gres­si­on un­se­rer Gat­tung zu einem my­thisch auf­ge­la­de­nen Modell der Welt zu­sam­men. Damit bietet er die per­fek­te Pro­jek­ti­ons­flä­che für Ge­schich­ten, die Ge­schich­te er­leb­bar machen.

    Ohne Sport gäbe es Geschichten, wie die von Jesse Owens und Luz Long nicht, aus der man so viel über unsere Welt lernen kann. In der Ver­dich­tung von his­to­ri­schen Strö­mun­gen auf mensch­li­che Ein­zel­schick­sa­le werden große Zu­sam­men­hän­ge nach­voll­zieh­bar. Darin liegt ein Ver­dienst des Sports, das größer ist als die Mit­wir­kung seiner Ath­le­ten. Schicksale, die berühren.

    Ich hoffe wirklich, dass sich auch der ein oder andere Sportablehner für diese Geschichte erwärmen kann. Vielleicht erkennt er dann ein anderes Gesicht des Sports.

  24. 24

    Auch hier noch mal mein Weltverbesserungsvorschlag: Man übernehme das Konzept „Konstrukteurswertung“ aus dem Motorsport für das medizinische Personal in humanoid betriebenen Sportarten. Dann muss Doping nicht mehr bekämpft werden, sondern wird Teil des Wettkampfs. [Ironie off.]

  25. 25
    alex

    Interessanter Text, ja. Und ich verstehe die Kritik.

    Trozdem finde ich es nicht richtig, den Sport nur aus diesem Blickwinkel zu betrachten. Erstmal geht es hier ja nur um den Profisport, oder? Und es gibt weitaus mehr Sportler als die, die du bei der WM im Fernsehen siehst. Und die betreiben den Sport oft aus ganz einfachen Gründen wie Freude an Bewegung, Verbesserung der Gesundheit, Treffen von Freunden etc. Und da möchte ich anknüpfen – Ich denke nämlich nicht, dass man von „dem Sport“ reden kann, ohne die Mannschaftssportarten auch nur zu erwähnen.
    Gerade für Kinder können die beim Aufwachsen eine sehr wichtige Rolle in der Vermittlung von Werten wie Toleranz und Fairness spielen, die Kinder knüpfen Kontakte, lernen, Niederlagen zu akzeptieren, und natürlich auch Disziplin und Durchhaltevermögen zu entwickeln. Wo sind diese positiven Punkte in dem Text?
    Da findet sich kein Wort darüber, dass Sport vor allem Spaß machen kann und nicht immer die Leistung im Vordergrund steht.

    Gerade an dieser Aufzählung hier stoße ich mich: „Die Grundwerte, die der Sport vermittelt, sind: Durchsetzungsvermögen, Opportunismus, Gewinnmaximierung und Raubbau am eigenen Körper.“ Durchsetzungsvermögen, ja. Das ist nichts Schlechtes. Die anderen Punkte finde ich wirklich lächerlich, wenn man sie auch auf den Gesundheits- und Breitensport anwenden möchte.

    Ich selbst trainiere mehrere (nicht hochklassige und vor allem junge) Volleyballmannschaften. Und wisst ihr was? Es macht Spaß. Den Kindern und Jugendlichen macht es Spaß. Viele haben sich dadurch einen neuen Freundeskreis aufgebaut, haben einen Ausgleich zum Schulstress, Möglichkeiten, sich einzubringen und zu zeigen, dass sie etwas können, sie bewegen sich mit Freude und haben viele Erfolgserlebnisse (die sie in der Familie oder Schule evtl. überhaupt nicht kennen). Es tut ihnen gut, und das auf so viele verschiedene Arten. Das sehe ich jeden Tag.

    Und dann so etwas Realitätsfernes, Polemisches über „den Sport“ hier zu lesen, das macht mich sauer.

  26. 26

    Das ist jetzt ein bisschen frustrierend, weil ich einen längeren Kommentar geschrieben habe, der im Nirvana verschwand – als ich den allerdings einfach noch mal abschickte, warnte mich euer WordPress vor doppeltem Content. Steckt der noch in der Moderation?

    Ich wollte nämlich gerne einen Versuch wagen, dem Autoren eine neue Perspektive auf Sport zu eröffnen. Sport ist schließlich genau so ein Kulturprodukt des Menschen, wie das Theater oder Computerspiele. Sport ist allerdings nicht ohne Grund so gesellschaftlich relevant, er erfüllt einige Bedürfnisse sehr gut. Ich habe versucht, in einem Artikel diese besondere Qualität des Sports darzulegen:

    „Sport bietet die per­fek­te Pro­jek­ti­ons­flä­che für Ge­schich­ten, die Ge­schich­te er­leb­bar machen. In der Ver­dich­tung von his­to­ri­schen Strö­mun­gen auf mensch­li­che Ein­zel­schick­sa­le werden große Zu­sam­men­hän­ge nach­voll­zieh­bar. Darin liegt ein Ver­dienst des Sports, das tat­säch­lich größer ist als die Mit­wir­kung seiner Ath­le­ten.“

    Die Geschichte, die aus der Begegnung von Jesse Owens und Luz Long entstand ist eine der schönsten, die ich kenne. Ich würde mir wünschen, dass der ein oder andere Sportmuffel den Artikel unvoreingenommen liest.

    Und ein Gegenargument zur Pervertierung des Sports: Obwohl Snuff-Porn scheiße ist, gehe ich trotzdem gerne ins Kino. Das Medium an sich wird schließlich nicht korrumpiert.

  27. 27
    Frédéric Valin

    @Tim: Das ist interessant. die werde ich mir gleich mal in der Videothek ansehen gehen.

    @dré: Ja? Im Spamfilter ist nichts, und ich habe nix gelöscht.

    Ich hab jahrzehntelang Fußball gespielt, vom Bolzplatz bis zur Auswahlmannschaft. Ich kenne den Amateursport aus eigener Anschauung. Es ist nicht einmal da so, dass „Werte wie Toleranz, das Prinzip der Chancengleichheit, das Leistungsprinzip und der Grundsatz der Fairness“ vermittelt werden.

    Wenn Kinder sich austoben, okay. Bestimmt super für die Kinder. Aber mehr ist es nicht. Der Sport taugt nicht zur Überhöhung. Man muss den Pathos, der da dran klebt, mal ein bisschen abkratzen.

  28. 28

    Nu taucht auch der alte Kommentar bei mir auf. Seltsam.

  29. 29
    Frédéric

    @erz: Ja, er is im Spamfilter gefangen gewesen, und ich habe ihn heldenhaft befreit ;)

  30. 30

    @Frédéric danke!

    Und? Kann ich dich nicht doch bekehren? Es taugt kaum so viel zur Überhöhung, wie der Sport. Das liegt aber an dessen Funktion in der Gesellschaft, die Mythen für die Selbstverortung braucht. Die Ansprüche von Funktionären haben damit nichts zu tun. Ich habe zum Beispiel entgegen diversen Werbekampagnen selten so viel Drogen konsumiert gesehen wie in den systematischen Besäufnissen im Vereinssport.

    Die Leistung des Sports muss ja nicht deckungsgleich mit den fehlgeleiteten Deutungen seiner Protagonisten sein. Das Werk ist größer als der Autor. Kennt man doch aus anderen Kulturbereichen.

  31. 31
    Frédéric Valin

    @erz: Ich sehe das in großen Teilen ähnlich, gerade wenn es um Fußball geht. Das entspricht aber nicht der momentanen Metaerzählung des Sports, die von den Verbänden und den befreundeten Sportjournalisten, von den Ausrüstern und den Werbepartnern erzählt wird. Innerhalb des Profisports werden die großen Geschichten, wie Jesse Owens, ja überhaupt nicht mehr erzählt.

    Die Frage nach dem Autor ist irrelevant, da gebe ich Dir Recht. Aber, und das ist entscheidend, die Protagonisten sind nicht diejenigen, die deuten.

  32. 32

    @Frédéric Valin: Hol dir doch einfach die Deutungshoheit zurück. Ich lasse mir den Spaß sicher nicht von ein paar Besitzstandswahrern verderben. Große Geschichten finden sich immer wieder, man muss nur suchen – mal abgesehen davon, dass Luz Long und Jesse Owens wohl sehr lange unerreicht bleiben.

    Ich bin ja schon froh, dass du meine Einschätzung in Teilen nachvollziehen kannst. Mit Protagonisten meinte ich außer den Athleten die leider allseits beliebten Funktionäre, Sponsoren und Hofberichterstatter, die leider zum modernen Sport dazugehören. Auf die sollte man schimpfen, wenn sie mal wieder unsäglich klebriges von sich geben, da hast du recht. Aber deswegen muss man den Sport an sich ja nicht in Bausch und Bogen verurteilen. Sondern sich emanzipieren.

  33. 33

    Hat Phelps überhaupt gekifft? Ich bin der Meinung, das er nur Wasserpfeife geraucht hat und die Medien einfach über die Inhaltsstoffe des gerauchten Krautes spekuliert haben.

  34. 34

    das schon immer irgendwie gemogelt wurde.. sorry aber das ist doch nun wirklich keine überraschung..

    however. es gibt ja immer noch leute die glauben in der NFL ginge es um sport…. genauso wie in der 1. 2. bundesliga des deutschen fussballs..

    lächerlich. es geht hier um kohle und nicht um menschen.. es geht darum mehr kohle zu machen als die anderen..

    mir fehlt jegliches verständnis für leistungssport.. aber hey.. ich verstehe soviele dinge nicht… vielleicht bin ich auch einfach dumm

  35. 35
    Linus

    Schöner Text. Eigentlich.

    Ich verstehe das Getue um Doping nicht.(…) Sport war noch nie sauber.

    Stimmt. Ja. Nur geht ein ganz großer Teil der Öffentlichkeit immer noch davon aus, dass Doping die Ausnahme ist und fairer Wettkampf die Regel.

    Man vergisst bei aller „Selbst dran doof“-Mentalität auch gerne, dass die wenigsten der tatsächlichen Doper überhaupt kapieren, was sie da vor allem mit sich selbst anrichten. Das eklige Gestrüpp aus Betreuern, Ärzten, Verbänden, Journalisten und letztendlich der Politik, die mit dem Sport ihr eigenes Süppchen kochen, spielt nicht nur mit Leben und Gesundheit der Athleten, sondern verarscht auch gleich ganz massiv den Zuschauer, Fan und Steuerzahler. Und das will ich eigentlich nicht einfach so achselzuckend hinnehmen.

    Man macht es sich ein klein wenig zu einfach, wenn man all diejenigen, die Sport treiben (und hier vor allem Leistungssport) wollen, als geldgeile, depperte, sozial unfähige Wesen bezeichnet.

    Diese Attribute kann man ohne weiteres auf sämtliche anderen Berufe und Berufungen ausweiten, die einem grad nicht in den Kram passen. Nur sollte man die eigene Fallhöhe dabei überprüfen.

  36. 36
    Nickname

    Skulpturen in Marmor? Dann sieht man die ja gar nicht…

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