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Inglourious Basterds


„Guten Tag, ich bin Frédéric Valins historisches Bewusstsein, und ich bin tot. Quentin Tarantino hat mich gerade erschlagen. Dies sind meine letzten Worte über das dritte Reich und Inglourious Basterds: what the hell. Übermorgen werde ich als Popart-Poster wiedergeboren, bitte kaufen Sie mich und hängen mich zwischen grünende Zimmerpflanzen, ich kann es brauchen.“

Wäre das geklärt. Zum Film: Nach den unzähligen Rezensionen, die ich gelesen habe, dachte ich: Super, der letzte aller Hitler-Filme, danach kann man Scheitel und Bart eintüten. Kein Regisseur wird sich je noch einmal auf Hitler beziehen, um seine Geschichte zu erzählen. Nie wieder Stauffenberg, ich hätts mir so gewünscht. Leider falsch.

Ein Haufen jüdischer GIs wird im von Nazis besetzten Frankreich abgeworfen, um Nazis zu töten. Sie erfahren davon, dass die gesammelte Nazi-Elite sich zu einer Premiere in Paris trifft. In einem Kino, das der jüdischen Französin Shosanna Dreyfus (Mélanie Laurent) gehört. Daran hindern will sie der deutsche Oberst Landa.

Shosanna Dreyfus ist Landa schon einmal begegnet, das war 1941, drei Jahre zuvor. Er ist verantwortlich für den Mord am Rest ihrer Familie. In Paris, wo sie ihr Kino betreibt, trifft sie oder wird getroffen von Frederick Zoller (Daniel Brühl), deutscher Kriegsheld und jetzt Schauspieler. Er verkörpert sich selbst und überredet Goebbels, die Premiere in Shosanna Dreyfus‘ Kino stattfinden zu lassen.

Sowohl die Basterds als auch Mlle Dreyfus planen einen Anschlag, die Nazielite zu töten und den Krieg zu beenden. Zur Premierenfeier. Der Rest ist Showdown.

Das ist nur ein Teil der Handlung. An diesem Film tatsächlich großartig sind die verschiedenen Stränge, die alle völlig klar ineinander übergehen und sich miteinander verbandeln. Mäandern nennt man das glaube ich in der ernstzunehmenden Kritik. Großartig kann man auch dazu sagen.

Noch großartiger wäre es gewesen, wenn die Erzählung das eingelöst hätte, was die Erzählweise verspricht: Mir ist es noch nie passiert, dass mich bei einem Tarantino-Film die Figuren nicht interessieren. Diesmal schon. Tarantino verlässt sich ganz auf das historische Panorama, Hitler wirds schon richten. Über Motivation oder Hintergrund der Charaktere spekuliert er nicht einmal. Der einzige abwegige Tick, der mal durchschimmert, ist, dass einer der Basterds gefangene deutsche Soldaten mit dem Baseball-Schläger totprügelt. Und dass die toten Deutschen skalpiert werden.

Die schauspielerische Leistung kann das nur unzureichend ausgleichen: Wir können Brad Pitt (Anführer der Basterds) den ganzen Film dabei zuschauen, wie er versucht, den gleichen Gesichtsausdruck hinzubekommen wie Marlon Brando als Vito Corleone. Daniel Brühl des Films ist als deutscher Kriegsheld und Asympath sehr gut besetzt. Und wir lernen, dass selbst Tarantino Til Schweiger (Mitglied der Basterds) nicht cool aussehen lassen kann. Ausnahme ist Christoph Waltz, der als deutscher Oberst Hans Landa alle an die Wand spielt.

Der Film ist eine Wohltat nach diesem pseudo-tragischen Genrefilm „Der Untergang“ und dem gleichermaßen plump-heroischen wie unerträglich tom-cruisigen Stauffenberg. Pitt hat im Interview gesagt: „Mit den Basterds ist zu diesem Genre alles gesagt. Der Film zerstört alle Symbole. Die Arbeit ist gemacht, Ende der Geschichte.“

Ich werde den Eindruck nicht los: Da geht noch was.

48 Kommentare

  1. 01

    Ist das eine Filmkritik?

    „Mir hat nicht oder gut gefallen, weil…“
    Das liegt sicherlich in der ‚Gewalt‘ des Autors,
    der unbefangen seine Meinung äussert. Oder?

    @PiPi

  2. 02

    Klare Ansage, die zwar irgendwie negativ klingt, aber trotzdem Lust auf mehr macht. So klare Kritiken liest man nicht oft – top!

  3. 03

    Da geht noch was?
    Hoffentlich hat Mel Brooks oder ein Zucker das nicht gelesen.

  4. 04
    karmacoma

    Ich freue mich schon sehr auf den Film, wurde bislang noch nie von Tarantino enttäuscht, nicht mal bei Death Proof, den ja viele irgendwie blöd fanden. Ich mag auch seine Filme, die eher schwächer zu sein scheinen.

    Der Charakter heißt übrigens Landa.

  5. 05
    Roman

    Solange Uwe Boll noch nicht drüber gestiegen ist, geht da sicherlich noch was. Oder ist er schon?

  6. 06

    Alles unwichtig. Solange dieses Zitat (das mit der Hoelle und dem Whisky) da wirklich drin vorkommt muss der Film einfach gut sein.

  7. 07
    Julian

    Moin,

    kleine Verbesserungen:
    der kerl heißt LaNda,
    Im Satz nach „Vito Corleone“ fehlt irgend etwas, und Til Schweiger schreibt sich mit nur einem L ;)
    Ansonsten hast du einen interessanten Punkt aufgegriffen. Ich war gestern nach dem Film restlos begeistert, aber wegen der fehlenden Charakterliche Tiefe der Protagonisten hast du irgendwie recht. Allerdings stört mich das nicht so, ich fand den Film brilliant.

  8. 08
    schomsko

    Ach Quatsch – fehlende charakterliche Tiefe!!! In welchem Tara-Film hatte den je eine Figur eine charakterliche Tiefe. Ich habe den Film vor zwei Stunden gesehen und der ist großartig auch ohne charakterliche Tiefe. Was ist das überhaupt – Charakter…

    „Natürlich hast du Charakter – fragt sich nur was für einen!“

  9. 09
    Pavel

    Ja, abgesehen von Landa wurde keine der Figuren sinnvoll ausgearbeitet und entsprechend umgesetzt. Die jüdischen GIs wirken wie Komparsen. Ziemlich wenig – ich nenne das mal – „Judencontent“, dabei wäre soo viel mehr drin gewesen… Insgesamt war ich enttäuscht. Tarantino hat sich schon einen Etikettenschwindel geleistet. Ein unterhaltsamer Film und viele verpasste Gelegenheiten

    Ansonsten: Christoph Walz, Christoph Walz, Christoph Walz. Einfach großartig.

  10. 10

    Von Christoph Waltz brillianter Glanzleistung habe ich auch schon gehört. Ich glaube, ich muss mir den Film selbst ansehen, um mir eine Meinung bilden zu können / dürfen! Alles andere wäre an dieser Stelle Käse hoch zweiundvierzig! Aber besten Dank für Deine / Eure / Ihre Meinung!

  11. 11
    Frédéric Valin

    @Julian: Du bist mein Lektor, um jeden Preis. Danke!

    @claude: Hoffentlich.

    @PiPi: Auf jeden. Anarchie des Autors!

  12. 12
    mc bastard

    Film ist gut, aber anders als Tarantinos sonstige Filme. Bei keinem der teils langen Dialoge kam bei mir und meinen Kinomitgängern Langeweile auf. Aber irgendwie beschlich uns dann doch der Gedanken, dass Jugendliche mit wenig Grips in der Birne, Nazis nach dem Film „cool“ finden könnten. Zudem fand ich ihn sehr brutal für das 16er Ranking. Aber da geht bestimmt noch was, man darf gespannt sein auf Mel Gibsons „Die letzten Tage im Bunker“ oder wie auch immer das Werk heißen mag.

  13. 13
    Sven

    Hallo, über den Film lesen ich zum ersten Mal etwas und kann nicht beurteilen, ob dich Deine Kritik teile. Ich habe den Film ja nicht gesehen. Was mich stört ist die Passage „…alle an die Wand spielt“. Solche Phrasen sagen sonst nur unreflektierte HiFi-Geräteverkäufer, die einem eine Endstufe verkaufen wollen. Eventuell kannst Du den Satz ändern und ihm einen weniger gewalttätigen Anstrich geben. Mein Vorschlag lautet „Ausnahme ist Christoph Waltz, dessen schauspielerische Leistung in der Rolle des deutschen Oberst Hans Landa herausragt.“

    Viele Grüße, Sven

  14. 14
  15. 15
    martin

    mich langweilt das nazi-thema eigentlich nur noch, insofern hatte „der untergang“ für mich eine doppelte bedeutung…
    ich hoffe aber, dass vielleicht noch ein film kommt und dann endlich auch der mainstream für die nächsten 10 jahre ruhe gibt (guido knopp, wie wärs denn mit ner mantel- und degen-reportage? und nen gescheiten western hatten wir auch schon länger nicht mehr).

  16. 16
    Nikolaus Nähler

    Sven, „an die Wand spielen“ ist nicht gewalttätig, sondern versinnbildlicht, dass alle anderen „an die Wand gedrückt“ werden, weil der betreffende Schauspieler den ganzen Raum einnimmt.

  17. 17
    Jan

    @Sven:

    Hallo Sven, deine Kritik ist ganz toll und so. Was mich stört ist die Passage: „Solche Phrasen sagen sonst nur unreflektierte HiFi-Geräteverkäufer, die einem eine Endstufe verkaufen wollen.“ Eventuell kannst du den Satz ändern und ihn weniger pseudo-intellektuell klingen lassen. Mein Vorschlag lautet „Solchen Scheiß sagen sonst nur strunzdoofe Elektroschrotthändler, die dir ne Endstufe andrehen wollen.“

    Viele Grüße, deine Sprachpolizei

  18. 18
    mc bastard

    @Martin

    Ein Western wäre wirklich wieder mal was feines…

  19. 19
    flache filme

    ich glaube nicht, dass tarantino die fähigkeiten für einen guten western besitzt, wenn er schon beim drehen von ns-streifen kläglich scheitert.
    lasse mich aber gern eines besseren belehren…

  20. 20
    Martin

    Tarantino will doch seine Trilogie mit einem Western beenden? Oder war das jemand anderes?

  21. 21
    Martin

    Nachtrag:
    Hoppla, das ist Fatih Akin. Ich bringe meinen süßen kleinen Lieblinge immer durcheinander. Ein Western von Akin, man darf also gespannt sein.

  22. 22
    Strandgut

    @mc bastard:
    “ Ein Western wäre wirklich wieder mal was feines“¦ “

    „Mantel und Degen“ hätte auch mal wieder was ;-)
    Vll ne „Simplicissimus“- oder „Wallensteins Lager“-Verfilmung. Wär cool.

  23. 23
    muss.sein@name.de

    bitte? immernoch nicht fertig? „da geht noch was?“ …NEIN…bitte nicht! genug jetzt über sich anbiedernden nazis und swastikas. zum psychodoc wer mehr davon braucht!

  24. 24
    Jan(TM)

    @muss.sein@name.de: Jawohl mein Führer!

  25. 25

    Was Du an der (Nicht-)Entwicklung der Figuren auszusetzen hast, kann ich nicht so richtig nachvollziehen und finde deine Kritik kurzsichtig.

    Die Motivation der jüdischen GIs ist eher Nebensache. Sind aber auch eher Nebenfiguren. Und dafür, dass sie Nebenfiguren sind, werden sie ganz ordentlich eingeführt. Mal abgesehen davon, dass die fast alle aus Deutschland abgehauen sind, bevor sie zur Armee gingen und daher schon genug Gründe erlebt haben dürften. Das muss man sich dann aber dazu denken, gebe ich dazu.
    Warum die GIs Nazis skalpieren, finde ich klar verständlich – natürlich auch ein wenig absurd, klar.
    Völlig eindeutig finde ich die Motivation von Shosanna Dreyfus (bei der ich mich nur gefragt habe, warum im Abspann ihr Nachname nicht mehr auftaucht, wenn der von anderen Personen doch genannt wird).

    Mal ganz abgesehen davon, dass wir uns wahrscheinlich auch alle etwas entnervt abwenden würden, wenn jeder Jude, Amerikaner oder Franzose in diesem Film erklären würde, warum er gegen die Nazis ist. Oder Hitler. Oder Goebbels. Was die gerade so machen und warum eigentlich, wird zum Beispiel auch überhaupt nicht erklärt. Man könnte nach diesem Film auch Hitler mit dem Sonnenkönig verwechseln und Goebbels für einen prima Regisseur halten. Das ist wieder diese Sache mit dem Mit-denken…

  26. 26
    Fritze

    @muss.sein@name.de schuehsch
    >(bei der ich mich nur gefragt habe, warum im Abspann ihr Nachname
    > nicht mehr auftaucht, wenn der von anderen Personen doch genannt
    > wird).

    Ich glaube, ich kenne den Grund…

    …some Spoiler ahead…
    Basterds war ein großartiger Film, hat mich mitgerissen – bis zum Treffen von Brühl und Shosanna im Kino.
    Laurent war meine Sympathiefigur, die großartig gespielt hat und eben eine eindeutige Motivation für ihr Handeln hatte. Und dann dieses absolut unnötige Treffen.
    Ab da war ich raus aus dem Film. Was sollte das? Man mußte die Nazis gar nicht weiter charakterisieren. Und der Film war doch schon gelaufen. Sowas geht einfach nicht.

  27. 27

    Christoph Waltz war mal sowas von unfassbar gut. Goebbels war auch großartig gespielt, aber nicht SO klasse.

  28. 28

    Allein die Szene in der Kellerbar, fast unerträglich spannend. Und dann Shosanna zu „Putting out the Fire with Gasoline“, die Kriegsbemalung auflegen zu sehen, wow.

    Der Songtitel bringt es auf den Punkt: Tarantino hat für sein bereits in KillBill und auch DeathProof breit ausgelegtes Rache-Motiv endlich einen passenden Hintergrund gefunden: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Aber diesmal macht T. die Sache für den Zuschauer schwieriger: Ist das in Ordnung? Sind doch immerhin Nazis?! Vor der moralischen Abwägung zwischen westlich-demokratischen Wertekanon und dem eher inhumanem Allerlei, das einem beim Anblick der Nazi-Verbrechen simplerweise zuerst in dem Sinn kommt, kann sich hier keiner drücken. Von einer inhaltlich nicht belastbaren, leicht verdaulichen Gewaltorgie in schönen Bildern kann bei I.B. jedenfalls keiner mehr sprechen.
    Der Stoff ist philosophisch durchaus zäh.

    Überhaupt, den Film aus „kläglich gescheitert“ zu bezeichen, wie in @Kommentar 19 ist nur vor dem Hintergrund der aktuellen Anti-Tarantino-Atmospähre zu begreifen. Es ist schlicht lächerlich, denn selbst wer den Film hasst, wird die dramaturgische und szenische Meisterleistung, die ihm zugrunde liegt, kaum ernsthaft leugnen können. Eine Szene, wie im Schneideraum zwischen Brühl und Shoshanna, dieses etwas andere Romeo&Julia Remake in kaum 15 Sekunden, scheinbar einfach so „dahin gefilmt“. Etc.

    Und, was ja z.B. „Der Untergang“ nicht wagte: Hitler ist jetzt tot. Sehr tot. Da geht definitv nichts mehr.

  29. 29

    Frederic, vieles richtig beobachtet, aber die falschen Schlüsse gezogen. Brad Pitt ist … ah, das braucht natürlich einen

    SPOILER!

    …also Brad Pitt ist nicht Brando wie die Basterds nicht das dreckige Dutzend, ja nicht einmal Castellaris Inglorious Bastards sind. Sie sind nicht mal die Hauptfiguren des Filmes, denn auch das will uns Tarantino mitgeben – die Zeit ist auch für die amerikanische Heldengeschichtsschreibung vorbei, weshalb Aldo Raine nur eine arme Imitation von Velinski und Reisman sein kann. Es ist die Zeit, wenn auch nur eine Alternativzeit, in der eine jüdische Frau und ein schwarzer Mann im Alleingang mit den Mitteln der Kunst das Bild der Nazis vernichten und noch im Tod über ihrer Asche lachen. Allein das ist so wunderbar ikonoklastisch, daß man sich wundert, warum mit viel Geduld die Diskutanten da noch eine Beziehung zu den realen Geschehnissen im WWII aufzeigen wollen. Tarantinos Film will uns nicht von der Geschichte befreien, was er nicht kann und darum auch weiß, sondern von dem vorherrschenden Bild darüber. Einem Bild, das mit seiner neurotischen Hitlerfixierung dazu dient, Mittäter und Opfer zu vergessen und die Mechanismen der faschistischen Herrschaft auszublenden.

    Schuehsch, warum sie die Nazis skalpieren? Reversed Winnetou. Sie sind eben nur ein verwirrter Haufen, der u.a. gern Indianer und Cowboy spielt. Das große Heldenepos wird erst später um sie gestrickt werden.

    Ach ja, Frederic. Das Mitfiebern ist natürlich subjektiv angelegt. Aber ich kann mich wirklich nicht erinnern, daß ich mich schon mal bei einem Film erschrocken habe, als jemand drei Whisky bestellte. Ganz abgesehen davon, als in einer anderen Szene jemand ein Glas Milch für eine nette Frau im Cafe bestellt oder anfängt, mit Italienern in ihrer Muttersprache zu reden. Atemberaubend, für mich.

  30. 30

    Immer wieder interessant, dass man sich der deutschen Vergangenheitsbefindlichkeit doch in einem enorm hohen Maße ausgesetzt fühlt. Bei einem herkömmlichen Actionfilm im WWII-Sujet oder irgendeinem der pseudo-aufklärerischen Nazi-Dramen wie Schindlers Liste darf man seiner Moralität freien Lauf lassen, denn dies ist ja ernst und wertvoll. Wenn ein Trash-Ästhet wie Tarantino das Nazi-Sujet (eigentlich ist es ein Western) wählt, muss den moralischen Implikationen zunächst Genüge getan werden. Ein Subtext, an dem sich kollektive Denkstrukturen sehr schön ablesen lassen. Wie ich schon vor dem Kinostart bemerkte: Tarantino geht es in seinen Filmen nie um charakterliche Tiefe oder historische Zusammenhänge im Sinne bildungsbürgerlicher Moralität. Es geht allein um höchst mögliche Dichte an Referentialität und, mittels dieser, Selbstreferentialität auf die Popkultur im Allgemeinen und auf das (post)moderne Kinoerlebnis im Speziellen. Eben das ist auch seine ganz große Stärke, sein persönlicher Stil — Rekombination und Dekontextualisierung im referentiellen Schema, visualisiert durch eine grandiose Ästhetik. Hier ist das historische Gewissen a priori nicht von Nöten.

    http://www.ghostofthemovie.de/2009/06/01/the-reel-basterds/

  31. 31
    luminanzmuster

    frédéric , ich teile deinen eindruck & hoffe das kevin smith da mehr draus macht ;-)

  32. 32
    Sweetshark

    @Armin: Wenn es so waere ist es wie fast alles bei Taranito nur gut geklaut. In „Kelly’s Heroes“ meine ich wird etwas ganz aehnliches gesagt, als Eastwood einen deutschen Offizier abfuellt um Infos aus ihm rauszuholen. Uebrigens ein grosser Film: Der war schon 1970 so etwas wie ein Tarantino ueber WW2. Schade, dass der Film (zumindest in D) weitgehend unbekannt geblieben ist, wahrscheinlich weil die Zeit noch nicht reif war fuer so einen trockenen, scharfen und zynischen Mix aus Action und Comedy.
    @Timo: Richtig. Tarantino hat nie einen Film ueber ein Thema gedreht. Er hat immer Filme ueber die Filme ueber ein Thema gedreht.

  33. 33
    T-Dog

    Meine Freundin war drin. Sie sagt, der Film sei schlechter als „Kill Bill“. Also geh ich nicht rein.

  34. 34

    @ t-dog
    mach dir ein eigenes bild. ich finde, der film ist es wert.

  35. 35
    Frédéric Valin

    @Timo: Ich habe kein einzige Rezension gelesen, die Deinem Einwand nicht Sorge getragen hätte. Wogegen richtet sich Deine Einschätzung?

    @tschill: So, wie Du das schreibst, kann ich das absolut nachempfinden. Die Szenen sind tatsächlich ungemein spannend, und das meinte ich auch mit „großartiger Erzählführung“. Aber: Ich bin ein bisschen enttäuscht, dass sich Tarantino weniger als in Pulp Fiction oder Jacky Brown für seine Figuren zu interessieren scheint. Die ganzen beinah überflüssigen kleinen Gesten, die (fast) nur der Charakterisierung der Figuren dienen, das hat mir gefehlt. Ich fand das Rachemotiv in Kill Bill auch wesentlich eingängiger.

    Vermutlich bin ich ein bisschen enttäuscht, weil ich einen Tarantino erwartet habe, und einen (guten, ohne Frage) Pop-Antikriegsfilm präsentiert bekommen habe.

    @schuehsch: Zustimmung bei Dreyfus, aber nicht bei den GIs: Das sind ja keine traumatisierten Opfer, sondern allesamt irre. Bloß: warum sind die so irre? Ich verstehs nicht.

  36. 36

    @Sven: Mein Vorschlag wäre „alle an die Wand stellt“.

  37. 37

    Meine Einschätzung richtet sich nicht gegen irgendetwas. Meine Einschätzung trägt dem Umstand Rechnung, dass es in den Rezensionen offenbar überhaupt von Nöten ist, eine Art historischen Bewußtseins zu erwähnen, ob es nun zum Tragen kommt oder nicht. Oder lass mich die Sache anders angehen. Kannst du mir einen Film mit WWII bzw. Nazi-Sujet nennen, der dein historisches Bewußtsein nicht erschlagen würde (meint, bei dem du dich nicht gezwungen siehst, dies voranzuschicken)? Und was bedeutet in der Bewertung von Film für dich überhaupt „historisches Bewußtsein“? Eine Begriffsfüllung würde mir an dieser Stelle sehr weiter helfen.

  38. 38
    Frédéric Valin

    @form: Darüber denk ich jetzt schon länger nach, aber ach…

    @Timo: Es geht thematisch um Hitler und das dritte Reich. Um genau das nicht zu diskutieren, sondern den Film, habe ich präventiv vorausgeschickt, dass ich genau das nicht diskutieren will. Wie ich das sehe, haben das alle so verstanden. Außer Dir, der bedauert, dass das überhaupt noch diskutiert werden muss. Du musst zugeben, das ist ziemlich witzig.

  39. 39

    Nun, also gescheitert finde ich den Film in keinstem Fall, wirklich nicht. Dass die Basterds in weiten Teilen der Handlung garkeine Rolle spielen, nun gut… Tarantino erzeugt einen Verlauf der Handlung, das einem Plätschern gleichkommt. Plätschern wäre der richtige Ausdruck, suggerierte er nicht Langeweile.

    Wie schon erwähnt, gibt es einfach göttliche Szenen in dem Film. Und ja: auch ich kann vor Waltz‘ Leistung nicht an mich halten. Und natürlich kann ich auch nciht umhin, den Filmkommentar auf meinem eigenen Blog zu verlinken: http://www.querbeet-deluxe.com/2009/08/sadismus-und-konversation-tarantinos-inglourious-basterds/

  40. 40

    @Frédéric Valin: Nicht alle haben das verstanden, wie ein Blick auf so lustige Paranoikerseiten wie Altermedia.info zeigt. Auch ein guter Grund, den neuen Tarantino zu lieben.

  41. 41

    Stimmt, ich bedaure, dass man überhaupt in so einem Fall schreiben muss, dass man sich der historisch orientierten Sicht- und Deutungsweise enthält. Und ich bedaure zudem, dass man Film immer noch einen aufklärerischen Charakter beimißt, weswegen seitens der Filmkritik zwar übermütig historische Rechenschaftsberichte abgelegt (oder negiert), ideologische Strukturen mit Rückschluß auf unser System jedoch ganz selten untersucht werden. Dies führt aber jetzt zu weit. Ich finde es darüber hinaus tatsächlich witzig, dass ich der einzige bin, dem ein solches Detail wie die vorausgehende Negierung des historischen Diskurses wichtiger ist, als der Rest des Kritikergeschreibsel (damit meine ich nicht dein Geschmacksurteil). Vielleicht wollte ich auch nur mal auf den Zustand hinweisen, dass (zumindest deutsche Filmkritik) im Allgemeinen zu kurz gegriffen, unerfreulich oberflächlich und zumeist blutleer und ‚feige‘ ist. Das hat wiederum mit den wirtschaftlichen Zwängen und der Selbstzensur des deutschen Journalismus zu tun, was aber auch eine andere Diskussion ist. Ich danke dir für Rede und Antwort und freue mich darüber, dass ihr des Öfteren populistische Filmphänomene aufgreift.

  42. 42
    quasi

    Und am Ende sind se alle tot – fast alle.
    Das mit den Charakteren stimmt leider – die Musik ist auch nicht gut in Szene gesetzt worden, außer dem einen Mal wo die Fränzösin im roten Kleid wie in einem Bild von Musik umrahmt eingefangen wurde. Von der restlichen Musik ist mir leider nichts aufgefallen.
    Leider war der Gesichtsausdruck von Brad Pit auch eher störend als irgendwie interessant – nur die letzte Szene mit Landa hatte was – etwas Trantino.
    Das ganze war wie abgespeckt und a la man in black auf drei bis vier herausragende Szenen nich so viel wie man erwartet hat.

  43. 43

    Eben. Fast alle. Wichtig ist eigentlich eher, wer überlebt. Da steckt dann überraschenderweise wiederum so viel historische Wahrheit drin, daß sich der gesamte Untergang beschämt mit Traudl Junge zum Diktat in den Führerbunker verkrümelt.

  44. 44
    Frédéric Valin

    @tschill: So hab ich das noch gar nicht gesehen. Interessant.

  45. 45
    pare

    Basterds wird mit tz geschrieben! Und wer ist Trantino? Und eigentlich auch geil den Film mit „Man in Black“ zu vergleichen… Ich sag dann mal, es war ein würdiger Nachfolger der „Die Hard“ Reihe.

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