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Freiheit statt Angst: 116 Kameras begleiten die Demo-Route

Sebastian Heiser von der TAZ hat 116 Kameras entlang der „Freiheit statt Angst“—Demo-Route gezählt. Auf GoogleMaps sind sie dokumentiert und Fotos der Kameras (also … Fotos, welche die Kameras zeigen. Ich meine: Bilder der Kameras. Fotografien, auf denen die Kameras zu sehen sind. So.) gibt es hier.

Die Spreeblick-Autoren bringen auch ihre Kameras mit (zum Kameras fotografieren) und werden außerdem während der Demo twittern, für alle Nicht-Twitterererinnen werden unsere Tweets am Samstag hier bei spreeblick.com in einem Artikel live zusammenlaufen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Die Kameras sind dort immer installiert, sie wurden also nicht für die Demo aufgebaut.

[via]

27 Kommentare

  1. 01

    So richtig cool waere das ganze erst wenn ihr und jeder andere Eure Kameras zu Hause lassen wuerdet und es wirklich kein einziges Bild von der Demo gaebe. Ebenso keinen einzigen Tweet, nichts.

    So als ob es die Demo nie gegeben haette, obwohl jeder weiss das es sie gab und davon erzaehlen kann.

    Aber das wird wohl nicht passieren.

  2. 02

    @Armin: Ja, sowas wäre tatsächlich viel cooler. Zumal es sicher nicht viel zu berichten gibt, außer, dass viele Leute da sind. Hoffentlich.

    Aber ich glaube, die Sorge, dass die „großen“ Medien kaum berichten werden, ist nicht unberechtigt, ich empfand z.B. die Mainstream-Berichterstattung über die Anti-Atom-Demo subjektiv auffällig mau. Man will das halt dokumentieren für diejenigen, die nicht dabei sind. Die Aufmerksamkeitswelle ist in dem Fall wichtiger als Coolness.

  3. 03
    Franz

    Es wird ja auf jeden Fall Bilder von der Demo geben, wenn sie an 116 Kameras vorbeiflaniert. Ihr müsst garnicht fotografieren, ihr müsstet nur nen guten Cutter haben, der euch aus dieser Masse von Bildern einen super ironischen Film über Freiheit statt Angst zusammenschneidet… ;)

  4. 04
  5. 05

    Na Hauptsache Ihr vergesst das demonstieren nicht vor lauter geknipse und gezwitscher.

  6. 06

    auf der demo werden sicher noch viel mehr kameras sein und die einen wie die anderen fotografieren menschen ungefragt.

    nur wahren die überwachungskameras im normalfall das recht am eigenen bild, denn diese bilder werden nicht veröffentlicht. die demonstranten werden vermutlich aber auf das recht am eigenen bild pfeifen und ihren kram im internet veröffentlichen.

  7. 07

    @ovit: Das Recht am eigenen Bild gilt bei Demos, aber auch z.B. bei Sportereignissen nur beschränkt. Als Teil solcher öffentlichen Veranstaltungen darf dich jeder fotografieren und das Ergebnis auch veröffentlichen, ein Portraitfoto, auf dem nur du, unabhängig vom Ereignis, zu sehen bist, wäre in einer Zeitung hingegen nur nach Genehmigung möglich.

    Wenn ich zu einer öffentlichen Demo gehe, könnte ich also am nächsten Tag in der Zeitung erkennbar zu sehen sein. Und warum auch nicht?

  8. 08
    jens

    kann man den google street view Kamerawagen zur demo einladen?

  9. 09
    Frogster

    Zählt auch jemand die Kameras nach der Demo nochmal? ;)

  10. 10

    puh… tonight we’re gonna party like its 1984.

  11. 11

    was sagt mir das jetzt wenn da 100 kameras sind? klärt mich kurz einer auf ;P

  12. 12

    @Johnny Haeusler: richtig, in der masse darf ich fotografiert werden, bzw. darf eine menschenmasse fotografiert werden. aber im letzten jahr erschienen auch auf der seite der veranstalter fotos, auf denen einzelne personen dargestellt wurden, bzw. personen, die sich in einer gruppe befanden, portraitiert wurden.

    das verstößt klar gegen das recht am eigenen bild. auch auf einer öffentlichen demonstration, die das recht am eigenen bild in keinster weise einschränkt.

    und warum ich nicht am nächsten tag in einer zeitung veröffentlicht sehen möchte?

    weil ich zum beispiel gegen die überwachung meiner person bin und weil ich das recht auf informelle selbstbestimmung habe. ich will darüber entscheiden, wer über meinen demonstrationsbesuch bescheid weiß. ich will entscheiden, ob und welches bild von mir im internet veröffentlich wird usw.

    oder aber herr k. muss eigentlich arbeiten, dem brennt es aber unter den nägeln, sich für diese sache einzusetzen, also meldet er sich auf arbeit krank um für sein recht zu demonstrieren. am nächsten tag sieht sein chef die fotos und videos von herrn k. auf twitter, flickr, youtube und co. herr k. verliert seinen job, weil jeder mit einer kamera meint, er dürfte nicht nur alles festhalten und dokumentieren, sondern auch noch veröffentlichen.

    hier wird es doch mal zeit, für eine gewisse sensibilität zu sorgen. denn jeder mit einer kamera in der hand sollte sich seiner verantwortung genauso bewusstsein wie er es auch vom staat verlangt. und das gilt auch außerhalb dieses demonstrationskontextes.

  13. 13

    und ist doch schlimm, dass man überhaupt gucken muss, wie weit man legalerweise als fotografierender teilnehmer gehen darf, dabei sollte es doch gerade hier normal sein, dass man die per gesetz geregelte grenze weder erreichen noch überschreiten will.

    oder heißt freiheit hier: ich darf veröffentlichen was ich will und das recht am eigenen bild ist nur ein beschnitt meiner ‚fotografen’freiheit? die auslegung dieser freiheit begegnet einem im internet ja auch immer öfter.

    ich halte es da wie armin(1). ich bin gegen überwachung und gehe genau aus diesem grund auch nicht auf diese demo.

  14. 14

    Ich gebe ovit vollkommen recht, der Kamera-zu-Demonstrationsteilnehmer-Ratio war bei der letzten Freiheit-statt-Angst-Demo größer als 1, was mich davon abhalten wird bei der nächsten Demo dabei zu sein.

  15. 15
    Jan(TM)

    Cool. Wasch mich, aber mach mich nicht nass. Was aber wenn man das Recht am eigenen Bild genauso behandelt, wie die Piraten das Urheberrecht?

  16. 16
    T. Sommer

    @ovit: Normalerweise dürfen Fotos von Dir nur dann veröffentlicht werden, wenn Du auf dem Foto nur als „Beiwerk neben einer Landschaft oder sonstigen Örtlichkeit“ erscheinst (so § 23 Absatz 1 des Kunsturheberrechtsgesetzes). Es gibt aber eine Ausnahme, die extra für Versammlungen im Sinne des Versammlungsgesetzes gilt (also für Demonstrationen). Der Gesetzestext: „Ohne die nach § 22 erforderliche Einwilligung dürfen verbreitet und zur Schau gestellt werden: (…) 3. Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben“.

    http://bundesrecht.juris.de/kunsturhg/BJNR000070907.html

    Die Idee dabei: Wer an einer Demo teilnimmt, will ja gerade, dass sein Anliegen und seine Teilnahme an der Demo auch bekannt wird. Ob diese Annahme immer zutrifft, sei dahingestellt. Jedenfalls sieht das Gesetz vor: Von Demoteilnehmern dürfen auch Portraitfotos ohne deren Zustimmung veröffentlicht werden.

  17. 17
    kein-freiwild-und-kein-angsthase

    @ovit: > weil ich zum beispiel gegen die überwachung meiner person bin …
    Ich nicht unbedingt. Jedenfalls nur, wenn ich davon nix weiß.
    Bei der Demo geht’s doch um ‚Freiheit‘ statt ‚Angst‘. Also nicht darum, sämtliche digitale Dokumentierung zu verbieten, sondern zu sagen: Die „Gefahr“, überwacht zu werden ist immer da – und sei es, wenn ein Nachbar klammheimlich das Treiben eines anderen per Notizblock [sic] – auf Schritt und Tritt verfolgt und festhält. Die Frage ist doch, wie damit umgegangen wird und vor allem wer dann damit was treibt. Außerdem geht’s m.E. auch darum, dass man keine Angst haben muss, dass jemand (eine Behörde z.B.) über einen etwas weiß, was man lieber nicht preisgegeben hätte. Und wenn du nicht willst, dass jemand weiß, dass du gegen die Dokumentation deines Bekenntnisses bist – klar, dann geh‘ halt nicht zur Demo. Oder verkleide dich, damit du trotzdem demonstrierst: es gibt da noch jemanden, der sich auch gegen diese Datensammlungswut und aber vor allem gegen das Schindluder, das damit getrieben werden _kann_, positioniert. Und dass er aber (berechtigter Weise) Angst hat, wenn er sein Gesicht dabei zeigte, dass sich jemand diese Information über ihn – in welcher Form auch immer – zunutze macht.
    Ich bin jedenfalls z. B. dafür, dass ich irgendwann mal meine Stasi 2.0 – Akte aufschlagen darf und frank und frei nachverfolgen kann, wer eigentlich z.B. alles schon mal meinen Namen gegoogelt hat. Wer wüsste, dass diese Akteneinsicht mal möglich würde, würde sich vielleicht selbst auch den einen oder anderen eigenen voyeuristischen Akt sparen …

  18. 18

    Wollte jetzt virtuell noch schnell meine mentale Unterstützung für die Demo kundtun. Wäre ich in Berlin, dann ginge ich auch mit, so aber bleibt eben nur die mentale und virtuelle Unterstützung.

  19. 19

    @T. Sommer:

    „Bei Demonstrationen und auch bei anderen Gelegenheiten dürfen die folgenden Personen fotografiert werden:- die Versammlung oder Demonstration als solche, wobei wichtig ist, dass keine Porträtaufnahmen, also keine von einzelnen Personen oder Gruppen, angefertigt werden dürfen (Urteil des OLG Celle vom 25.09.1979, Az. S 157/78)- einzelne Personen bei einer Demonstration (Porträtaufnahmen) nur dann, wenn dies durch die Polizei geschieht und wenn eine erhebliche Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung vorliegt, z.B. wenn von Versammlungsteilnehmern schwere Straftaten begangen werden oder unmittelbar bevorstehen (Urteil des OVG Bremen vom 24.04.1990, Az. 1 BA 18/89, zu finden )- einzelne Personen bei einer Demonstration (Porträtaufnahmen) nur dann, wenn damit später Straftäter identifiziert werden können (Urteil des BGH vom 12.08.1975, Az. 1 StR 42/75).

    Bei einer Demonstration und auch bei anderen Gelegenheiten dürfen die folgenden Personen nicht fotografiert werden:- alle „Normalmenschen“, die hierfür ihre Einwilligung nicht geben,- alle friedlichen und „normalen“ Demonstrationsteilnehmer (Beschluss des VG Schleswig-Holstein vom 14.10.2005, Az. 3 A 212/05).“

    und du zitierst ja selbst: „3. Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben“. “

    ein bild von einer versammlung, an der ich teilgenommen habe, darf veröffentlich werden. ein bild von mir jedoch noch immer nicht ohne mein einverständnis. ist doch eigentlich ganz einfach.

  20. 20

    @Armin:

    Das widerspricht jedoch ein wenig dem Grundgedanken jeder „Demonstration“ von lat. demonstrare: darlegen, zeigen, beweisen.
    Dazu braucht es Aufmerksamkeit.

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