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Sarrazin hat Rechts [Update]

Update vom 13.10.2009 Sarrazin wurde von der Bundesbank degradiert.

Unser ursprünglicher Artikel:
Na bitte: Rassismus ist wieder in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Schon wird abgewogen, dass er ja „irgendwie recht“ habe, der Thilo Sarrazin. Selbiger lässt sich in der aktuellen Print-Ausgabe von Lettre International über den Zustand Berlins aus und erklärt, dass sich Menschen, die „nicht ökonomisch gebraucht werden“, „auswachsen müssen“. Sarrazin weist außerdem den Weg in eine bessere Zukunft für Berlin: „Weg von Geldleistungen, vor allem bei der Unterschicht“.

Die Unterschicht, speziell aber die türkisch- und arabischstämmigen Berliner haben es dem ehemaligen Berliner Finanzsenator und derzeitigem Bundesbankvorstand besonders angetan, denn der Großteil dieser habe laut Sarrazin einfach „keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel“. Und Sarazzin weiß, wieso das so ist: „Man muß davon ausgehen, daß menschliche Begabung zu einem Teil sozial bedingt ist, zu einem anderen Teil jedoch erblich.“

Solche Aussagen solle man „prüfen statt prügeln“, meint Peter von Becker im Tagesspiegel und Volker Zastrow nutzt in der FAZ die Gunst der Stunde und konstruiert ebenso wie rechte Blogs, in denen Sarrazin bereits als „Held“ gefeiert wird, aus der Kritik an Sarrazins Äußerungen eine Debatte um Meinungsfreiheit. Als sei das Gespräch mit Sarrazin nicht in einem bekannten Intellektuellen-Magazin erschienen.

Prüfen sollte man jedoch tatsächlich dringend. Nämlich ob Sarrazin und jene, die sich schützend vor ihn stellen, noch alle Tassen im Schrank haben.

Es ist nämlich völlig unerheblich, ob in Sarrazins Beschreibung der Stadt und seiner Einwohner irgendwo auch etwas richtiges zu finden ist. Was zählt ist die Tatsache, dass seine Äußerungen rassistisch und menschverachtend suggerieren, es gäbe für die im Bereich der Bildungs-, Sozial- und Migrationspolitik vorhandenen Probleme eine einseitige Verantwortlichkeit bei bestimmten Bevölkerungsgruppen. Sarrazin empfiehlt Müttern der „Unterschicht“, ihre Kinder „woanders“ zu bekommen; auf diesem Niveau bewegen sich große Teile des Interviews, ein gefundenes Fressen für all diejenigen, die nur darauf warten, ihrem Rassismus und ihrem Hass endlich wieder freien Lauf lassen zu können. Sarrazins Worte in Schutz zu nehmen bedeutet, den Weg zu ebnen für eine soziale Stimmung, die für die Gesamtdiskussion äußerst gefährlich ist. Der Politik kann dies nur recht sein: Hat der Bevölkerungskonsens in „den Türken, Arabern und der Unterschicht“ erst einmal Verantwortliche für gesellschaftliche Probleme gefunden, ruft keiner mehr nach politischen Lösungen außer, im harmlosen Fall, der Abschiebung.

Es geht auch anders. Man kann eine Bestandsaufnahme betreiben, ohne dabei in Rassismus oder Polemik abzugleiten oder falsche Schlüsse zu ziehen. Ein Beispiel dafür ist der Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky, der sich mit seinen Vorschlägen für den Bezirk und anderen Äußerungen auch nicht gerade beliebt gemacht hat, dem man jedoch weder Ausgrenzung noch Rassismus vorwerfen kann. Während sich Buschkowsky eine bessere Zukunft für alle wünscht und daran arbeitet, indem er sich bspw. im Ausland nach dortigen Lösungen umschaut, wünscht sich Sarrazin, dass diejenigen, die sich diese bessere Zukunft nicht selbst bauen können, verschwinden. Und in den einschlägigen Foren und Blogs werden schon die nächsten dafür nötigen Schritte diskutiert.

Das ist die Kritik an Sarrazins Äußerungen: Sie laden nicht ein, sondern sie schließen aus. Die notwendige Debatte kann nicht stattfinden, wenn sie auf einer rassistischen Ebene geführt wird. Es geht nicht um wirre Theorien, welches Volk angeblich dümmer als das andere sei, sondern allein um die Frage, wie die Versäumnisse der letzten Jahre möglichst schnell und fair in bessere Politik umgelenkt werden können. Dazu trägt Thilo Sarrazin nichts bei.

Bis in die 70er Jahre hinein bekamen Migranten aus der Türkei (und vermutlich auch aus anderen Ländern) bei ihrer Einreise nach Deutschland in Berlin einen Stempel in ihren Pass. Dieser Stempel genehmigte den Einwanderern die Wohnungssuche in vier Berliner Bezirken: Wedding, Kreuzberg, Neukölln und Schöneberg. Das Beziehen einer Wohnung in einem anderen Berliner Bezirk war den Immigranten untersagt. Integrationspolitik fand in den folgenden Jahrzehnten nicht statt, stattdessen die staatlich kontrollierte Ghettobildung. Es waren schließlich „Gastarbeiter“, und Gäste gehen ja irgendwann wieder. Als sie nicht gingen, verschloss die Politik die Augen, überließ ganze Bezirke sich selbst und schloss soziale Einrichtungen an allen Ecken. Die Integrationsarbeit delegierte man an Lehrer und Erzieher, deren Nerven in Berlin traditionell auch so schon blank genug lagen (und liegen).

Thilo Sarrazin war Teil einer gesellschaftlich gescheiterten Politik. Es ist ein Hohn, dass nun ausgerechnet von ihm auf solche Art und Weise Feindbilder kreiert werden. Selbstverständlich darf Sarrazin sagen, was er denkt. Ich mag nur nicht wortlos dabei zusehen, wie er dafür Applaus erntet.

Die türkischstämmige Verkäuferin, bei der ich mir die Lettre gekauft habe und die das Interview ebenfalls gelesen hat, sieht das alles etwas entspannter: „Vorstufe von Alzheimer. Hat mein Onkel auch. Man kann dann nicht mehr erkennen, was richtig und falsch ist, bringt alles durcheinander und sagt Dinge, ohne darüber nachzudenken. Sowas gibt’s halt. Traurig.“

Thilo Sarrazin hat sich entschuldigt für seine Äußerungen, die nicht immer geschickt formuliert gewesen wären.

70 Kommentare

  1. 01

    Vielen Dank für diesen Artikel! Wie gerne würde ich so durchdachte Worte auch mal an unerwarteter Stelle lesen…

  2. 02

    Grundsätzliche Zustimmung, aber ob Buschkowsky wirklich ein geeignetes Gegenbeispiel darstellt, mag ich doch anzweifeln.
    Die „Lösungen“, die er sich im Ausland angesehen und für gut befunden hat, bestehen aus „Daten sammeln, Daten austauschen, repressiv vorgehen“ und einer militärisch daherkommenden („Task Force“) Einwirkung auf Menschen, mit denen man nicht weiß, wie man mit ihnen umgehen soll („Risikopersonen“).
    Auch Buschkowsky erscheint mir viel zu oft als ein von klaren „Feindbildern“ geprägter Mann, der nach simplifizierenden Lösungen sucht.

  3. 03

    Nach dem Interview von T.S. meine ich:
    Raus aus der Bundesbank
    Rauf auf die Parkbank.

    Und die Lettre führt dann in 5 Jahren erneut ein Interview mit ihm…

  4. 04
    sol

    find ich gut, was du schreibst.
    kleinigkeit: konsenz -> konsens
    (kannst danach den kommentar auch wieder löschen)

  5. 05

    Ich verstehe nicht ganz, warum überhaupt irgendjemand auf diesen Mann hört: Gut, er bekleidet öffentliche Ämter, für die er offensichtlichst geistig und moralisch ungeeignet ist. Aber er redet seit Jahren Quatsch: Jedem Menschen mit ein bisschen Verstand muss doch auffallen, dass Sarrazin krank ist und bei ihm halt statt „Ööööh, Ficken!“ Worte wie „Unterschicht“ rausblubbern, wenn ihm mal wieder einer ein Mikrofon unter die Nase gehalten hat.

    Davon ab sollte es endlich ein grundlegendes Schnörres-Verbot in öffentlichen Ämtern geben.

  6. 06
    RA

    Probleme benennen ist nicht die eigentliche Kunst… aber selbst das hat Sarrazin versch*ssen.

    Verweis auf „Mithos“, der im lawblog zitierte:

    „Wie sagte noch gleich Hagen Rether:

    ‚Wenn sie ihr Kind in einen neuen Kindergarten geben und der Kleine steht nach einem halben Jahr immer noch allein in der Ecke rum, da kriegen sie aber nen richtigen Hals auf die Erzieherin, oder? Und dann erzählt die Erzieherin ihnen auch noch, dass der Kleine sich nicht integrieren wollte.‘

    Integration ist keine Einbahnstraße. Ähnlich ist es mit den weiteren genannten Gruppen.“

    Meiner Meinung nach muss man in erster Linie immer von Problemen der „sozialen Unterschicht“ und solangsam soger der „unteren Mittelschicht“ sprechen.

    Wer der Meinung ist dass „die Ausländer“ die Problemgruppen Deutschlands sind, hat wohl noch nie durchs TV-Programm gezappt.

    Was soll man mit den reinrassig deutschen ‚Bodensatz‘ machen? Ver…dingsen?!

  7. 07

    @sol: Danke, ist korrigiert.

    @scanlines: Ich empfinde Buschkowsky als wesentlich umsichtiger und bedachter als Sarrazin, wobei deine Zitate natürlich nicht so klingen (hast du Quellen parat?). Aber wie gesagt: Nur beliebt ist er ja auch nicht.

  8. 08
    Moritz

    Ich habe Sarrazin (bei aller Kritik) immer als einen sehr fähigen Finanzsenator geschätzt und seinen Abgang in Berlin sehr bedauert. Die Aussagen sind aber unter aller Sau und geben all denjenigen recht, die Sarrazin schon immer gehasst haben.
    Was ich nicht verstehe sind seine Beweggründe, sich so zu äussern. Will er der Held einer neokonservativ-rechten Bewegung werden? Weder in der SPD noch bei der Bundesbank hat er jedenfalls noch was zu suchen, wenn er diese Überzeugungen hat und vertritt.

  9. 09
    at

    Ich glaube, hier wird einiges verwechselt. Zum einen sind weder Politiker noch Journalisten noch rechte Blogger die Mitte der Gesellschaft. Gleichzeitig ist es nach Ansicht der tatsächlichen Mitte der Gesellschaft leider so, dass unterprivilegierte Minderheiten an ihrer eigenen Lage sowie an der des gesamten Staates Schuld sein sollen. — Anders ist ein schwarz-gelber Wahlsieg ja auch kaum zu erklären.
    Kurz: Da betreibt einer einmal mehr Populismus, indem er ausspricht, was die Mehrheit denkt. Ihn als Boten der schlechten Nachricht einen Kopf kürzer zu machen, ändert daran leider wenig.

  10. 10
    danielj

    Erstmal kann er sich nicht entschuldigen sondern nur um selbige bitten; und nachdem es sich um ein authorisiertes Interview (btw eine grauenhafte Praxis) handelt sehe ich nicht warum man seine Hetze entschuldigen sollte. Er hattte reichlich Gelegenheit seine Aussagen zu überdenken, aber anscheinend hat er keine Notwendigkeit zur Korrektur gesehen. Was wenn man sich die Äußerungen dieses Herrn in der Vergangenheit so anschaut auch nicht weiter verwundert. Und wenn er sich jetzt mit ungeschickten Formulierungen rausreden möchte ist das schon ziemlich dreist.

  11. 11
    Imbissfreund

    typischer, unproduktiver Gegenartikel. Auf Sarrazin rumhaken aber keinen sachlichen Bezug zeigen ist auch keine große Leistung, Jonny!

  12. 12

    @at: Ich hoffe immer noch, dass das nicht stimmt (dass er die Meinung der gesellschaftlichen Mitte wiedergeben würde), aber in jedem Fall halte ich es für richtig, ihm Kontra zu geben. Sarrazin redet ja dauernd und schon lange Unsinn, mich erschrickt viel mehr diese teilweise „Naja, aber er hat doch Recht“-Haltung z.B. in der FAZ, die damit die Kritik beinahe lächerlich macht.

    Es ist ziemlich schwierig geworden, die ja tatsächlich bestehenden Herausforderungen sachlich zu diskutieren, und Sarrazin hat diese Schwierigkeit mit seinem Text weiter vergrößert. Das ist es, was mich so ärgert.

  13. 13

    @Imbissfreund: Johnny schreibt man mit „h“.

  14. 14

    Seltsam, dass so jemand ein SPD-Parteibuch in der Schublade liegen hat…

  15. 15
    scanlines

    @ Johnny Haeusler (5)

    Ich glaube auch, daß es sich bei Buschkowsky um „jene Kraft handelt, die stets das Gute (TM) will und stets das Böse (TM) schafft“.

    Ich habe eben starke Zweifel an den propagierten Methoden und v. a. auch Sorge, was die teilweise von ihm vorgetragene Radikalität angeht.
    Ich habe div. Interviews von ihm gelesen, ihn im Bewegtbild und auch schon live gesehen und gehört – besonders umsichtig erschien er mir da leider nicht, sondern doch recht scheuklappenhaft, scharf und, ja, auch etwas maßlos.

    Ja, er spricht durchaus Problembereiche an, aber leider in meiner Wahrnehmung auch auf eine sarrazinhafte Weise.

    Die von mir angeführten Beispiele stammen aus einem relativ kurzen Tagesspiegel-Artikel:
    http://www.tagesspiegel.de/berlin/Heinz-Buschkowsky-Neukoelln-Leserdebatte;art270,2902312

  16. 16
    Imbissfreund

    Sorry, Johnny, war nicht beabsichtigt.

  17. 17

    @Lukas: Problem: In Berlin hat er nach diesen Maximen Politik gemacht. Man kann ihm natürlich verbieten, das auszusprechen, woran er glaubt und was er für richtig hält. Aber er ist eben nicht Lothar Matthäus, sondern jemand, der weitreichende Entscheidungen trifft.

  18. 18
    Elke Allenstein

    Immer nur Wortfetzen zu zitieren, verfälscht das Bild. Daher anbei ein Link meines Anwaltes (linker Strafverteidiger aus Kreuzberg!):

    http://www.kanzlei-hoenig.info/volksverhetzung

  19. 19

    @scanlines: Danke für den Link!

    Datensammlung klingt natürlich nicht super. Nur (und ich ziehe das absichtlich mal auf ein anderes Beispiel-Thema): Wenn irgendwo tote Kinder in einer Mülltonne gefunden werden, dann fragt man sich, wieso niemand vorher etwas gemerkt hat, warum Ämter nicht helfend eingegriffen haben usw. — Ob man dafür gleich Datensammlungen braucht, weiß ich nicht. Aber ich verstehe, dass man in einzelnen Bereichen nach neuen Lösungen sucht, nachdem bisherige nicht so richtig erfolgreich waren. Zu diesen Lösungen könnte bessere Kommunikation zwischen den beteiligten Ämtern gehören, wenn man es mal positiv lesen möchte.

  20. 20
  21. 21
    RA

    Buschkowsky ist nen rechts-außen SPD’ler.

    Selbst wenn er heute etwas besonnener Formuliert, ist die Seele doch tiefrotschwarzbraun. Hat das „bewaffnungsverhalten“ der kriminellen ausländischen Jugendlichen auch schon sehr erfolgreich mit der Herkunft erklärt (leider keine Quelle). Also, weil da unten (irgendwo) ja auch jeder mit ner Waffe in der Tasche rumläuft.

    Nur weil der nen SPD’ler ist, heisst das noch lange nichts. Die Wählerschaft in den „unterbezirken“ Berlin-Britz, Berlin-Buckow und Berlin-Rudow ist zu großen Teilen spießig und erzkonservativ. Die Wählen SPD und/oder CDU und/oder FDP, aber denken und sagen meistens das selbe.

    Sind Erfahrungswerte, inzwischen gibts auch in diesen Unterbezirken immer mehr Ausländer…
    Das sind die, die sichs leisten können aus Nord-Neukölln wegzuziehen.

  22. 22
    Martin

    Ich finde die Aussagen einfach wirr und unsinnig. Ich kann das gar nicht wirklich bewerten oder ernst nehmen, weil es einfach grober Unfug ist.

    Es scheinen sich ja wieder klare Frontlinien abzuzeichnen. Die einen wollen noch stärker die „Selbstverschuldung“ bestimmer Bevölkerungsteile an ihren Lebensumständen thematisieren, um sie nicht alimentieren zu müssen, die anderen forden z.B. ein Grundeinkommen. Darauf wird sich vermutlich zuspitzen in den nächsten Jahren. Ich mag klare übersichtliche Verhältnisse, deswegen begrüße ich das.

  23. 23
    Ben

    Herr Haeusler rettet – schon wieder – im Alleingang das Internet. Vielen Dank für den notwendigen Funkten Verstand in dieser Debatte.

  24. 24
    Elke Allenstein

    @Ben: Welche Debatte? Es sind sich doch offenbar alle einig in ihrer Selbstgerechtigkeit.

  25. 25

    Mir gefällt ebenfalls die Einstellung der Verkäuferin am besten. Sich stattdessen jederzeit über weiß der Kuckuck was aufzuregen, insbesondere was wie wer gesagt, gemeint, interpretiert hat, ob gut, böse und so fort, das ist nur albern. Sarrazin fand ich eh schon immer doof.

  26. 26

    @Ben: Mich freut ja Lob, natürlich, aber bei maßlosen Übertreibungen muss ich lachen „¦ Also: Danke, aber ich bin ja bei weitem nicht der Einzige, der sich darüber aufregt. Zum Glück.

  27. 27

    @Elke Allenstein: Wenn du die bisherigen Kommentare als „alle“ ansiehst „¦ vielleicht. Ich kann dir aber die gelöschten Kommentare, die auf „Beweise“ für „rassenabhängige Intelligenz“ verkinken, gerne zusenden, wenn dich das brennend interessiert.

  28. 28

    Wenn ich mir das Interview durchlese (in den Auszügen bei Kanzlei Hönig), habe ich nicht den Eindruck, dass Sarrazin rassistisch argumentiert. Er differenziert ja ganz ausdrücklich und bezieht sich eher auf ein „Unterschichtproblem“. Das Problem ist, dass in Berlin über weite Strecken Unterschicht mit türkischen/arabischen Migranten gleichzusetzen ist. Die Frage an der er sich abarbeitet ist warum das so ist, und wie man es ändern könnte. Beim Warum behauptet er ausdrücklich nicht, dass das an der rassischen Abstimmung liege, sondern spricht von Sprachkenntnissen, kulturellen Hindernissen, und der Integration in den Arbeitsmarkt.

    Wie üblich ist das alles pointiert bis überspitzt formuliert, aber ich denke nicht, dass er rassistische Positionen vertritt oder vertreten möchte, noch dass das in der Summe falsch ist. Die Verbindung zwischen Gemüsehandel und erblicher Begabung die ihr hier konstruiert ist im Interview nicht zu finden.

  29. 29

    Sodele, ich habe mir erst jetzt gerade den gesamten Lettre-Artikel gegeben und muss nun sagen: Recht hat’er. – Und dass da die linken Nazis und verkappten Gutmenschen gleich wieder aufschreien, kennen wir doch zur Genüge. – Lasst Euch ‚mal bitte endlich etwas Neues einfallen, als nur andauernd mit dem Finger rundum zu zeigen: Alles Rassisten!

  30. 30

    > Thilo Sarrazin hat sich inwzischen entschuldigt
    > für seine Äußerungen, die nicht immer geschickt
    > formuliert gewesen wären.

    Dann muss Herr Sarrazin vielleicht noch lernen, dass man sich im Deutschen nicht entschuldigen, sondern nur um Entschuldigung bitten kann. Der Akt der Entschuldigung liegt nämlich ganz auf Seite der Betroffenen. Und an deren Stelle würde ich vermutlich zweimal nachdenken, bevor ich derart gefährliches Gerede auf die leichte Schulter nehme oder als Alzheimer abtue ;-)

  31. 31
    Elke Allenstein

    @Johnny Haeusler: Nein danke. Das interssiert mich nicht. Das hat auch nix mit dem Interview zu tun. Die beiden letzten Kommentatoren haben sich die Mühe ja gemacht, es vollständig zu lesen. Das reicht mir schon. Ansosnten finde ich es gut, das zu diskutieren. Das wird viel zu selten getan in unserer demokratischen Gesellschaft.

  32. 32

    Vielen Dank für diesen Beitrag zur Debatte; er spricht mir aus der Seele.
    Ich habe mich die letzten drei Tage unzählige Blogs und Netzzeitungen gelesen, und was es da teilweise an braunem Bodensatz in den Kommentaren hochtreibt ist erschreckend und ekelerregend.

    Auf Missstände hinzuweisen ist ja in Ordnung, aber das ganze dann munter mit Verachtung und vor allem implizit rassentheoretischem Blödsinn zu würzen schlägt dem Faß den Boden aus.

    Am schockierensten ist allerdings das Lob und die Zustimmung die Sarrazin für seine Äußerungen erntet. Als würde man aus der Matrix aufwachen und plötzlich sehen wie es tatsächlich aussieht in der Welt: unter der bürgerlichen Maske versteckt sich die hässliche Fratze.

  33. 33

    @Martin Probst:
    „(…) habe ich nicht den Eindruck, dass Sarrazin rassistisch argumentiert.“

    Implizit tut er es schon:

    „Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate. Das würde mir gefallen, wenn es osteuropäische Juden wären mit einem um 15 Prozent höheren IQ als dem der deutschen Bevölkerung.“

    Daraus folgt, dass die Türken ja leider einen niedrigeren IQ haben und den haben sie deshalb, weil sie ja schliesslich Türken sind. Wenn das nicht rassistisch ist …

    PS: besonders perfide ist, dass er die osteuropäischen Juden zum Vergleich heranzieht. Wer die Juden lobt kann ja kein Rassist sein gelle?

  34. 34
  35. 35
  36. 36
    Merc

    Wenn man wissen will was der Pöbel wirklich denkt, und wie
    er sich seine Meinung „Bildet“ sollte man heute mal „Post von Wagner“
    lesen….meine Fresse….

  37. 37
    Elke Allenstein

    @stoertebeker: „… als dem der deutschen Bevölkerung.“ Wo steht in dem von Ihnen bemühten Zitat „Türken“?

  38. 38
    Yavuz

    der artikel ist aber mal ein griff ins klo. sicherlich hat thilo seine gedanken etwas drastisch formuliert, im kern aber hat er recht finde ich. wenn mein vater aus dem schuldienst scheidet weil der von schülern bedroht wird, ich weil ich (halb-)türke bin von den meisten leuten erstmal als assi abgestempelt werde und mein bruder deswegen zurück in die türkei geht, dann finde ich darf man ruhig mal etwas sagen und sollte auch etwas machen gegen diejenigen die dafür verantwortlich sind! in der türkei grenzt man sich bewußt von den landsleuten in deutschland ab, und hier können alle machen was sie wollen, es passiert ihnen nichts. da hat die ganze toleranz und der sozialstaat dazu geführt das es sich viele gemütlich gemacht haben, in ihrer eigenen welt leben und auf ihre weise geld verdienen. wie gesagt, die kernaussage ist durchaus richtig, und ich finde es wichitg und richtig das er dieses thema angestoßen hat!

  39. 39

    @stoertebeker: das ist ein schwieriges Thema, aber ich möchte Sarrazin zugute halten das zum einen Ashkenazi Juden in der Tat bei Intelligenztests deutlich besser abschneiden als der Durchschnitt, zum anderen dass er ja (auch wenn es in dem Satz nicht so präzise steht) von einer spezifischen Gruppe spricht, nämlich den Türken in Berlin. Wie es da aussieht weiß ich nicht, aber der Fakt, dass die meisten türkischen Einwanderer aus ländlichen Gegenden stammen und für einfache Arbeiten eingestellt wurden spricht eventuell für Sarrazins These.

    Es gibt zu der Korrelation von Bevölkerungsgruppen und Intelligenzquotienten einige Forschung und statistische Untersuchungen. Das kollidiert leider größtenteils ganz massiv mit meinem Weltbild, Begabung scheint aber in der Tat zu einem nicht unerheblichen Teil erblich zu sein.

    Ich verstehe das Interview im Kontext so, dass Sarrazin sagen wollte, dass unsere aktuelle Sozialgesetzgebung so funktioniert, dass vor allem diejenigen Menschen Anreize haben, viele Kinder zu bekommen, die nachher große Schwierigkeiten haben werden, ihren Kindern ausreichende Deutschkenntnisse, Bildung usw. zu ermöglichen. Das hält Sarrazin für ein demographisches und finanzielles Problem. Das er da verallgemeinernd von Türken redet ist sicher so falsch, aber die Gleichsetzung ist in Berlin wie gesagt statistisch gesehen wahrscheinlich korrekt, und im Kontext glaube ich nicht, dass er allgemein Türken für blöde hält.

    Das kann man richtig finden, muss man aber nicht. Aber ich halte es nicht für rassistisch.

  40. 40

    @Martin Probst: Die Zitate stammen aus dem Interview, das in Gänze nur in der Printversion von Lettre vorliegt. Auch der Satz mit dem Gemüsehandel.

    @GMU: Es fällt schwer, sich auf eine Diskussion einzulassen mit jemandem, der von „linken Nazis“ redet und behauptet, man würde „Alles Rassisten!“ schreien. Weshalb ich es einfach lasse.

  41. 41

    @Martin Probst:

    Und genau deshalb finde ich seine Äusserungen in der Form, wie er sie gemacht hat einfach nur widerlich: er suggeriert, dass es eine Korrelation gäbe zwischen IQ und Volks-/Rassenzugehörigkeit. Das ist Mupitz! Ausgemachter Blödsinn und längst widerlegt.

    Zwar ist Intelligenz auch genetisch bedingt, aber dass hat nichts damit zu tun ob ich schwarz oder weiß bin oder welcher Nation ich angehöre sondern schlicht mit der normalen genetischen Diversität wie sie nun mal überall -auch unter Nachbarn gleicher Volkszugehörigkeit- vorhanden ist. Die Forschungen und statistischen Untersuchungen stellen tatsächlich Unterschiede fest, allerdings haben diese mit sozikulturellem Hintergrund, Bildung und Wohlstand alles und mit Nationalität gar nichts zu tun.

    Dann kommt da so ein Herr Sarrazin und macht diesen pseudowissenschaftlichen und brandgefährlichen Unsinn wieder salonfähig. DAS ist es warum das Interview so unglaublich daneben ist. Nicht weil er die unbequeme Wahrheit ausspricht, dass wir ein dickes Problem mit der Integration unserer Einwanderer haben.

  42. 42
    CDomingo

    Grundsätzlich stimme ich ihnen zu, jedoch hat sich Herr Sarrazin auch auf den demographischen Wandel unsere Gesellschaft bezogen. Und da ist es dann doch bedenklich, wenn die Geburtenrate gerade in der „Unterschicht“ oder in den Teilen der Gesellschaft am höchsten ist, die sich nicht integrieren wollen oder können.

    Die Wortwahl von Herrn Sarrazin ist durchaus widerwärtig, jedoch hat der Mann in fast allem was er sagt – egal wie abstoßend es sein mag – leider recht. :(

    Das Interview kann man übrigens hier (http://www.lettre.de/aktuell/86-Sarrazin.html) nachlesen.

  43. 43

    @Johnny Haeusler: ja, aber die Geschichte mit dem Gemüsehandel und die mit der Begabung stehen weit auseinander. Die Verbindung, die du unterstellst mit „Und Sarazzin weiß, wieso das so ist“, gibt es da einfach nicht. Der Abschnitt zu Begabung und Vererbung derselben bezieht sich IMHO allgemein auf die Bevölkerung, mit Sicherheit nicht auf den Gemüsehändler, und so wie ich es lese auch nicht auf Türken i.A. oder Türken in Berlin.

    @stoertebeker: wie gesagt, dass ist sicherlich zumindest missverständlich, vor allem wenn man das Zitat so herrausschnippselt. Aber im Kontext des Interviews glaube ich nicht, dass Sarrazin meint oder sagen wollte, Türken im Allgemeinen seien nunmal dümmer als Juden, oder gar Juden seien wegen ihrer Hautfarbe schlauer (was natürlich beides gefährlicher Blödsinn ist!). Alles was davor kommt bezieht sich auf spezifische Gruppen, und er sagt ja auch ausdrücklich, dass Integration seiner Meinung nach vor allem durch Sprachkenntnisse, Arbeit, etc. bedingt wird.

  44. 44
    Professor Muh

    Ich als Türke lese als aus dem Interview nichts rassistisches heraus. Dass Begabung teils sozial bedingt und teils erblich bedingt sein kann ist wohl auch unstrittig und eignet sich nicht dafür ihm irgendwelche rassistischen Hintergedanken zu unterstellen.
    Mag sein, dass er sich etwas direkter ausdrückt als andere Menschen. Solche Leute sind mir immer aber noch lieber als jene, die „politisch korrekt“ bleiben wollen.

    Dein Artikel ist leider überflüssig.

    @stoertebeker (32):
    „Daraus folgt, dass die Türken ja leider einen niedrigeren IQ haben und den haben sie deshalb, weil sie ja schliesslich Türken sind.“

    Falsch. Aus „je niedriger der IQ, desto höher die Geburten“ folgt nicht zwangläufig der Umkehrschluss „je höher die GEburten, desto niedriger der IQ“.

    Dass sie einen niedrigen IQ haben, WEIL sie Türken sind geht aus Sarazins Aussagen nirgends hervor, auch nicht implizit. Es kann sein dass eine Korrelation besteht, aber die Gründe sind sicher woanders zu suchen, als in der „Rasse“.

  45. 45

    @Martin Probst: Ich bin mir auch nicht sicher, ob er es tatsächlich so gemeint hat oder nicht. Aber das Kind ist leider längst in den Brunnen gefallen. Das Interview hat ein riesen Medienecho ausgelöst und ist ein gefundenes Fressen für Rassisten und sie werden sich immer und immer wieder darauf beziehen. Aber das schlimmste ist, dass viele wesentlich unreflektierter mit diesen Aussagen umgehen und dann setzt sich u.U. dieser falsche Zusammenhang in den Köpfen fest.

  46. 46
    CDomingo

    @stoertebeker: Nunja… wieso aber war das Medienecho denn so groß? Für mich liegt das vor allem daran, dass Sarrazin nie im Ganzen zitiert wurde. So gab es immer nur einen Ausschnitt dessen, was er sagte.

    Dass darunter solche Possenreisser sind, wie jene die auch hier gern aufgeführt werden ist doch nur ein weiteres Armutszeugnis der heutigen Presse-/Medienlandschaft.
    Dass die „alten Medien“ somit einer vernünftige Meinungsbildung entgegenwirkt ist doch nur die Spitze des Eisbergs.

    Mein Tipp: das ganze Interview auf der Seite von Lettre International durchlesen und sich seine eigene Meinung bilden. http://www.lettre.de/aktuell/86-Sarrazin.html

  47. 47

    @CDomingo: Bei Lettre gibt es online nur einen kleinen Auszug aus dem Interview, dein Link (den man auch oben im Artikel findet) ist also nicht annähernd der gesamte Artikel.

    @Professor Muh: Teilst du dir deine IP mit jemandem, der hier sonst ganz anders, und vor allem nicht als Türke, kommentiert? Ich frag nur lieber mal nach.

  48. 48

    @Professor Muh: Sarrazin spricht davon, dass es ihm gefallen würde, wenn die osteuropäischen Juden mit ihrem höheren IQ Deutschland (durch ihre höhere Geburtenrate) erobern würden anstatt die (implizit weniger intelligenten) Türken.

    Diese Aussage ist für mich ziemlich Eindeutig.

    Selbst wenn sie nur missverständlich wäre, wäre es schlimm genug.

  49. 49
    CDomingo

    @Johnny Haeusler: Tschuldigung, hab den Link übersehen.

    Trotzdem: liest man den Auszug auf der Seite von Lettre Interational, so ergibt sich ein komplett anderes Bild von dem was Herr Sarrazin sagte und dem was in den Medien wiedergegeben wird.

    Die Äusserungen waren sicher politisch nicht korrekt, jedoch waren sie richtig. Ich hoffe nur, dass die Medien zu einer objektiveren Betrachtung kommen, anstatt sofort „Rassist“ zu schreien.

  50. 50
    Professor Muh

    @Johnny Haeusler:
    Ich bin gerade in der Firma. Es ist nicht auszuschließen, dass ein Kollege hier auch postet. Ich bin aber der einzige Türke in der Firma :)

    @stoertebeker (48):
    Für mich klingt das nicht eindeutig, aber jeder hat eine andere Wahrnehmung. Außerdem würde ich mich nicht auf diese eine Aussage fixieren. Im Großen und Ganzen hat er einfach Recht. Ich jedenfalls kann es nachvollziehen, wenn er bemängelt, dass für die hiesigen heiratswilligen türkischen Jungs irgendwelche anatolischen Dorfmädel importiert werden. Das ist keine Spinnerei, sondern gängige Praxis und das anzuprangern finde ich in keinster Weise rassistisch.

  51. 51

    @stoertebeker: „Das Interview hat ein riesen Medienecho ausgelöst und ist ein gefundenes Fressen für Rassisten und sie werden sich immer und immer wieder darauf beziehen.“

    Ich frage mich da halt ob es nicht besser wäre, solche Themen zu besetzen und zu diskutieren, anstatt sie Rassisten zu überlassen, die dann erwartbare Kommentare dazu abliefern.

    @#732609: „Gründe für den niedrigeren IQ […] in deren Genetik zu suchen“

    Das ist genau die Art von gefährlicher Aussage. Türken, Isländer oder wer auch immer sind nicht aufgrund ihrer genetischen Ausstattung Untermenschen. Man kann bestimmte Gruppen identifizieren, die einen höheren IQ als andere Gruppen haben, ja. Aber das scheint eher an den Lebensumständen eben dieser Gruppen zu liegen – wenn Gruppen lange fast ausschließlich in Städten leben haben sie einen höheren IQ. Man kann auch sehen, dass sich Gruppen bei entsprechender Änderung der Umgebung anpassen bzw. nachziehen. Und der IQ als Messwert ist eh ziemlich problematisch, zB steigt der angeblich neutrale Mittelwert pro Jahrzehnt deutlich an.

    Und mal völlig abgesehen davon sind statistisch signifikante Abweichungen meistens immer noch so klein, dass sie im praktischen Leben eben nicht signifikant sind. Und natürlich überhaupt nichts über Individuen aussagen. Eine Politik die sich daran orientierte wäre menschenverachtend.

  52. 52

    @Professor Muh: Es geht leider nicht darum, ob ich mich auf diese Aussage fixiere oder nicht. Das machen dann schon ganz andere und nutzen sie für ihre Argumentation. Leider hat Sarrazin mit dieser einen einzigen Aussage alles möglicherweise Richtige an seinen Beobachtungen komplett vergiftet.

    Es ist unerheblich ob ich oder die angesprochenen Migranten oder wer auch immer dem Herrn Sarrazin das verzeihen. Es ist Wasser auf die Mühlen der Dunkelbraunen und absolut kontraproduktiv wenn man an einer Lösung des Problems interessiert ist.

    Ich rege mich einfach drüber auf, wie man so bescheuert sein kann, bestimmten Kreisen eine solche Steilvorlage zu bieten.

    @Martin Probst: Ich bin ganz deiner Meinung. Genau das hätte Sarrazin tun können, hat es aber total verbockt.

  53. 53

    @CDomingo: Bitte: Wir drehen uns doch im Kreis, wenn wir von Auszügen reden. Ich habe das Heft hier liegen, die Auszüge auf der Seite sind ein Bruchteil. Wie kannst du sagen „er hat recht“, wenn du den ganzen Artikel nicht kennst?

    @Professor Muh: Danke für die Klärung. :)

    Ich kenne einige Türken, die ähnlich wie du auch nicht kritiklos an manchen ihrer Landsleute sind. Die Debatte darf nur meiner Meinung nach einfach nicht auf diesem Niveau und mit solchen Sätzen geführt werden, wie Sarrazin es tut. Es geht nicht, dass seine Äußerungen relativiert werden, wenn damit ganze Bevölkerungsschichten ausgegrenzt werden.

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    Wie zu erwarten war, trudeln nun die Kommentare ein, die es außerdem als bewiesen ansehen, dass Schwarze dümmer sind als Weiße. Da ich solchen Müll in den kommenden Stunden nicht beobachten kann, sind die Kommentare geschlossen.

    Vielen Dank bis hierhin für die sachliche Diskussion, die sicher an anderer Stelle weitergehen wird „¦