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Sandmalerei von Kseniya Simonova

Die ukrainische Künstlerin Kseniya Simonova hat den Preis der Fernsehshow „Ukraine’s Got Talent 2009“ gewonnen. Ich habe natürlich die anderen Teilnehmer nicht gesehen, kann mir aber kaum vorstellen, dass jemand etwas beeindruckenderes gezeigt hat: Simonova interpretiert die deutsche Besetzung der Ukraine im Zweiten Weltkrieg, indem sie mit ihren Händen und Fingern auf einem mit Sand bestreuten Leuchtkasten malt.

Und sie trägt ein hübsches Lätzchen. Video nach dem Klick.

Der Satz, den die Künstlerin am Ende schreibt, bedeutet lt. YouTube-Kommentar „Ihr werdet immer bei mir sein“.

[via, via]

30 Kommentare

  1. 01
    lie

    das ist wirklich ne unglaubliche vorstellung.. echt beeindruckend, wie sie die gesichter hinbekommt …
    da kann man nur sagen, die hat auf jedenfall ihren preis verdient.

  2. 02

    toll! genau deswegen gibt es bei uns kein „Deutschland hat Talent!“… nicht, dass sich noch jemand in der Primetime mit unserer Vergangenheit auseinandersetzt. ;)

  3. 03

    Ha, das gab’s bei mir schon vor Wochen: http://mapu.de/2408/das-ukrainische-supertalent/ ;-)

    ’schulligung! ;-)

  4. 04
    Tommy

    Für Nerdcore war das Video nicht nerdig genug ;-)

  5. 05

    @Marcus: Stimmt, und sogar gleich mit Werbung für ukrainische Frauen darunter! :)

    @Tommy: Heißt ja auch nicht Erdcore. ;)

  6. 06

    Ich finde es wirklich erstaunlich, was für klasse Videos du findest!

  7. 07

    Da irrt der Youtube-Kommentator. Das erste Wort ist eindeutig „Du“. Irgendwie auch logischer bei der Geschichte.

    @Marcus: Und? Gab’s schon im August bei Thomas Grohs filmtagebuch. Aber mokier ich mich? Nein. Weil: Man kann auf derlei Gänsehautfilme nicht oft genug hinweisen.

  8. 08
    martsky

    schön, einfach nur schön.
    Apokalyptisch schön, sozusagen.

  9. 09
    Chan

    Sehr schöne Live-Animation. Inhaltlich leider ein bedauerliches nationalistisches Rührstück. Formensprache, Pathos und Erzählung zeichnen ein Bild von der Ukraine als Opfer. Starke rechte und russland-orientierte Kräfte versuchen so derzeit die Geschichte umzuschreiben. Da wird dann überstrichen, dass die Nazi-Okkupation erst einmal als Befreiung gefeiert wurde und zahlreiche Ukrainer sich freiwillig zu SS-Divisionen meldeten und bis etwa 1943 an der Ermordung von tausenden osteuropäischen Juden mitmetzelten. Ein BRD-Pendant dazu ist zum Beispiel die Mär von der guten Wehrmacht. Die war ja auch immer ein Garant für Tränen im Publikum.

  10. 10
    John

    @Chan: genau und die Sandmalerin ist wahrscheinlich vom ukrainischen Geheimdienst engagiert worden… aber nicht weitersagen!

  11. 11
    Chan

    @John (10): Wahrscheinlich… Vielleicht ist es ja auch einfach ihre Sicht der Dinge (und warum sollten Künstler und Künsterinnen nicht auch dieser Variante verhaftet sein?). Oder sie wusste einfach, wo der Nerv der Jury und des Publikums am effektivsten zu packen ist, um so den Wettbewerb zu gewinnen (was wiederum ein Indiz wäre, wie die Stimmung bezüglich dieses Themas gerade ist).

  12. 12
    Speravir

    @Johnny & @tschill:

    „You can say you to me“ wurde mal – nein, nicht Guido Westerwave, sondern einem gewissen Kandisbunzler mit obstförmigem Haupt in den Mund gelegt.

    (In der russischen gibt es wie in der deutschen und anders als in der englischen Sprache noch immer einen Unterschied zwischen Du und Ihr/Sie. Die englische Übersetzung des YouTube-Kommentars stimmt, Johhny hat sich nur bei 50%iger Wahlmöglichkeit stilsicher für die andere Variante entschieden. Vgl. Ты bzw. kursiv Ты mit Ð’Ñ‹/Ð’Ñ‹. [edit: Igitt, man benötigt natürlich auch eine passende Schrift, die das Problem zeigt: Das kursive T sieht eigentlich für unsereinen mehr wie ein M aus, genauso im Video der erste Buchstabe.])

    Zum Video: Toll. Toll! TOLL!!!11
    Seit langem mal wieder etwas, das mich wirklich gebannt am Monitor sitzen ließ.

  13. 13
    Nicklas

    @Chan: War das erste was ich dachte: Schade, nationalistisch.

  14. 14

    @Chan: @Nicklas: Ich war da etwas unsischer und habe daher „interpretiert“ geschrieben „¦

    @Speravir: Danke für die kleine Lektion! :)

  15. 15

    ich kannte bisher nur etwas ähnliches, quasi sandillustrierte musik, von einem anderen sandkünstler.

  16. 16
    vera

    wie findet ihr bloss immer die leckerbissen? ich glaub ja, ihr habt ein faktotum, das 24/7 so was suchen muss. behandelt es gut!

  17. 17

    @vera: Du hast es doch auch gefunden. Nämlich hier.

    Wir zeigen ja durch das „via“ immer an, wenn wir etwas über andere Quellen gefunden haben. Und wir finden nur deshalb manchmal schneller Dinge, weil wir den halben Tag lang danach suchen. Wir sind ein Filter. Ein Blog eben. ;)

  18. 18

    Was mir unabhängig von der Geschichte an dem ganzen gefällt, ist dass die Künstlerin 8 Minuten lang auftreten darf. Bei der deutschen Version vom Supertalent und dem ganzen anderen Kack undenkbar, spätestens nach 90 Sekunden wäre hier Schluß.

    Und auch schön, dass es weder ein dicklicher Autoverkäufer der brilliant singen kann, noch ein Kunstfurzer oder ein miserabler Mundharmonikaspieler, der aber so geil ist, weil eben human interest, sondern einfach eine Künstlerin, die Kunst macht.

  19. 19
    Norman

    Ich hab das auch schon vor ein paar Monaten in einem anderen Blog gesehen. Der erste Eindruck war WOW. Bis ich dann feststellte, dass es hier einige Videos auf YouTube gibt, von Leuten die das gleiche machen. Das war dann etwas ernüchternd. Ich habe das ganze dann in die Kategorie „Pantomime auf der Straße“ eingeordnet. Vielleicht tue ich der Dame aber unrecht.

  20. 20

    Hallo Leute :)

    Was das Video im Hintergrund zeigen soll, ist mir völlig Schnurz. Die Hauptsache ist doch, dass hier eine klare Linie der Kunst vollführt wurde, mit wenigen Handgriffen und noch weniger Sand. Ich denke, das könnte man mit einer Art negativer (abgeleitet vom Negativ eines Bildes) Kunst bezeichnen, da hier, wo man in der normalen Zeichenkunst mühevoll Farbe hinsetzen muss, mit wenigem Verwischen detailierter etwas zum Tragen bringt, als es bei einem fertigen Bild der Fall ist – hier ist es etwas Lebendiges! Es genügt, zuzuschauen, und die Bilderfolgen brennen sich in der Psyche ein – was brauchen wir da noch ein Bild an der Wand?

    Wenn ich da an die kindlichen Versuche der Vergangenheit denke, wo man mit der Sandtafel klägliche Malversuche vollzog…, grins.

    Nee, das Video verschönt nichts und man sieht, die Künstlerin ist voll in ihrem Element. Da ist nichts gestellt – sie ist einfach sie. Die musikalische Untermalung ist auch nicht schlecht, wobei man als Deutscher natürlich nicht nachvollziehen kann, was da im Text gesungen wurde. Egal – Klasse Darbietung, bin etwas neidisch…! :)

  21. 21
    Vacksh

    Hallo Leute!
    Ein echt tolles Video. Schreibe erst heute, weil ich von einem Fall gehört habe, bei dem gestern jemand bei einer Veranstaltung bereits einen Sandkünstler eingesetzt hat, weil ihm das Video so gut gefallen hat. Auch jetzt erst habe ich die Kommentare gelesen.
    Der Text am Schluss heißt wörtlich übersetzt: Du bist immer neben uns! Was man mit „Du bist immer in unserer Nähe“ oder mit “ Du bist immer bei uns“ übersetzen kann.
    Die Lieder sind russische Kriegslieder, wie sie in der Sowjetunion am 9. Mai, dem „Tag des Sieges“ gesungen wurden und Millionen Menschen zu tränen rührten. Immer aus der Sicht der Opferrolle. Das gab es in Deutschland soweit ich weiß nicht. Die Auseinandersetzung mit dem Zweiten Weltkrieg ist ja in der Sowjetunion eine andere gewesen.
    Die Kooperation der Ukratiner mit der SS ist zum Teil belegt. Ohne jetzt den Guido Knop spielen zu wollen, möchte ich sagen, dass diese Kooperation darauf zurück geht, dass Stalin die Ukraine „die Kornkammer“ der Sowjetunion in den 30er Jahren hat verhungern lassen. Es sind mehr Ukrainer an Hunger gestorben in den 30ern als in den 5 Jahren Krieg.
    Wie dem auch sei. Die Arbeit der Künstlerin ist Top!
    Gruß

  22. 22

    Besser als GOETHE:
    Während der Meister die Seele des Menschen noch mit dem Wasser vergleicht, zieht uns ihr Gestalten und Umgestalten bereits in ihren Bann. Weil sie damit unserer inneren Realität unmittelbar entspricht, reisst sie uns mit und macht das Erleben synchron.
    Wo J.W. nur erklärte, verwirklicht sie (mit Sand).
    „Typisch Mann: nah dran …“
    (Das: „Typisch Frau: sehr genau!“ schenk‘ ich mir wohl besser.)

  23. 23
    Along

    wie werden derartige Schöpfungen mit einer OberflächenBehandlung unvergänglich gemacht?

    Wäre für Hinweise von Methoden und Materialien sehr dankbar.

  24. 24
    Dörges

    Es ist das Leben, das man lebt, was zählt,
    nicht das, was hätte sein können.. was früher war….
    Das Leben gehört der Zukunft, die Erinnerung gehört dazu, aber nicht nur die Erinnerung.
    Eine beeindruckende Künstlerin, aber sieh auch die Schönheit der Welt, sonst verpaßt Du Dein Leben…
    Reni

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