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Allen voraus

Panik in der Disko, aber niemand hängt den DJ. Bis jetzt.

Enter Dave Allen, ehemals bassierendes Mitglied der grandiosen Gang Of Four und späterer Shrieckback- und King-Swamp-Gründer. Allen ist inzwischen nicht nur Chef des Indie-Labels Pampelmoose und der Beratungsfirma Fight, sondern er tritt hinsichtlich der anhaltenden Diskussionen rund um Musik im digitalen Zeitalter endlich auch mal denen in den Hintern, die bisher verschont blieben und die es dennoch verdient haben: Den Musikern.

Beim ewigen Warten darauf, dass endlich etwas passiert, richtet sich Allens Ungeduld nämlich nicht mehr gegen die Plattenfirmen, sondern gegen die Künstler. Plattenfirmen, so Allen, agieren wenigstens transparent: Sie existieren, um mit Musikern Geld zu verdienen.

Die Musiker selbst hingegen sollten dabei eigentlich in ihrer Kunst aufgehen, doch obwohl ihnen niemand jemals einen Unterhalt durch Musik garantieren konnte und kann, höre er von immer mehr Musikern die Argumente der Labels: Downloading und Filesharing zerstöre ihre Lebensgrundlage. Wann, fragt sich Dave Allen, nehmen diese Musiker die Sache endlich selbst in die Hand und nutzen die Werkzeuge, die das digitale Zeitalter ihnen bietet? Punkrock-DYI-Vergleiche verstehen sich in Anbetracht der musikalischen Vergangenheit von Dave Allen von selbst.

Der folgende, endlos scheinende Rant von Allen im Music Think Tank mit dem provokanten Titel „Dear Musicians – Please Be Brilliant or Get Out of The Way“ („Liebe Musiker, bitte seid brilliant oder geht aus dem Weg“) ist nicht in allen Punkten stimmig, dafür aber mit Leidenschaft geschrieben und absolut lesenswert, denn er beinhaltet viele richtige Argumente und Links zur Debatte.

Darüber hinaus aber ist Allens Artikel wichtig, um dem vorgestern in der NYT veröffentlichten Drama von Bono zwei oder drei Eimer Realität entgegenzusetzen. Ich gehöre ja eigentlich neben Bonos Gattin zu den letzten zwei Menschen mit Spuren von Restsympathie für den U2-Sänger, doch die Drohgebärde der technischen Machbarkeit von Inhaltsfiltern ist unerträglich. Bei allem Verständnis dafür, dass Bono die Internet Service Provider als diejenigen sieht, die am Filesharing etc. verdienen, ohne die Urheber der vertriebenen Inhalte zu beteiligen: Das tun Unternehmen wie MTV (oder auch MySpace) ebenfalls. Womit wir wieder bei Dave Allen und seinem Wunsch nach Musiker-Eigeninitiative wären.

Denn Allen fordert Kreativität und Engagement, Verbrüderung mit den Hörern, Innovation und Mut zur Gefahr und er erspart sich und seinen Lesern damit Bonos Frechheit, ausgerechnet „den nächsten Cole Porter“ als Stimme für seinen Feldzug gegen Musik- und Filmräuber finden zu wollen, sofern dieser „nicht schon zum Schreiben von Werbemusik gezwungen ist“.

Man möchte Bono erinnern: Es waren speziell zu Cole Porters Zeiten die Plattenfirmenbosse und Manager, die dafür gesorgt haben, dass Autoren und Interpreten von Welthits am Ende allein in ihrer Kammer verhungert sind. Und nicht das Publikum.

28 Kommentare

  1. 01
    RC

    Situationen wie diese erinnern mich immer deutlich daran, dass auch die Mächtigen und Reichen letztlich oft nur in einer Blase leben, ungeachtet der Tatsache das sie ja wirklich alle Mittel dazu hätten, genau dies nicht zu tun. Vielleicht ist diese Erkenntnis auch eine erlösende, dass selbst Millionen auf dem Konto keinen aufgeklärteren und gebildeteren Menschen ausmachen müssen. Dies auf breiterer Basis zu verinnerlichen, fände ich wünschenswert.
    Diese Sache könnte kaum deutlicher porträtieren, wie losgelöst vom Faktischen Menschen doch sind, von denen derlei Aussagen stammen.
    Das Bono z.B. nicht weiß, dass Provider üblicherweise einfach nur Geld für den Anschluss kriegen und somit gar keinen Profit an _was auch immer_ erwirtschaften können, was die User dann mit ihrem Anschluss machen, lässt nur die Möglichkeiten zu das er selbst entweder gar kein Internet hat, oder aber die Kleinigkeiten des Seins (in diesem Fall: Internet anmelden und Rechnungen bezahlen) auf so viele Handlanger abgewälzt hat (mit denen er dann keinen Umgang pflegt), dass seine Person mit Alltagsgeplänkel auf keiner Ebene mehr in Berührung kommt.
    Also gut für ihn, dass seine Berühmtheit dafür ausreichend ist, in Blättern wie der NYT trotzdem eine Plattform geboten zu bekommen. Aber da Popularität scheinbar in der Lage ist so ziemlich alles zu übertünchen, braucht man sich da wohl keine sonderlichen Gedanken zu machen.
    Am besten hat mir in dieser ganzen Sache der Satz gefallen, dass er seinen Weltruhm durch das Tragen bunter Sonnenbrillen erlangt hat. :D

  2. 02
    Hanoi

    im Deutschen brillant. Auch wenn’s komisch aussieht.

    Trotzdem super Denkanstoß! Wenn man in die richtigen Ecken schaut, sieht man das eh schon – die lokalen Bands scheißen auf große Labels, nehmen ein kleines oder ziehen halt schnell selbst eins auf. Wenig einfacher als das, so scheint es.

  3. 03

    @RC: Das mit den Providern ist dennoch nachvollziehbar, denn schnelles DSL und Flatrate braucht man nicht für Mails und News, sondern für mediale Schwergewichte. Über zwei Ecken haben die Provider also durchaus etwas von den Musik- und Filmdownloads. Und dass sie keinen Profit machen wage ich zu bezweifeln. Dennoch: Der LKW, der früher die Platten in die Läden gefahren hat, hat auch keine GEMA abgeführt.

    @Hanoi: Ein paar finanzielle Probleme bleiben trotzdem, schließlich waren Labels in erster Linie eine Art Risiko-Kapital-Geber für Musiker und im besten Fall auch Berater und Helfer. Alles alleine machen funktioniert vlt. nur auf bestimmten Ebenen, von denen Allen ja auch redet: Er spricht die „Indie-Szene“ an. Bei großen Acts ist eh alles anders.

  4. 04

    Mal blöd nachgefragt

    Ist es nicht mittlerweile so,
    dass Musiktitel nur noch per Stream gekauft werden?

    Meine Allerliebste lässt sich nicht davon abhalten, Original CD’s oder DVD’s zu
    kaufen. Sie meint: “ Da habe ich etwas in der Hand und kann im Booklet lesen“.

    Das Leben ist nur halb so teuer wie Ihr denkt.
    Nur muss man es bezahlen wollen u. können.

  5. 05

    @PiPi: Die Anteile von Downloads und Streams am gesamten Musik-Umsatz sind wohl noch relativ klein, 2008 waren es gerademal sieben Prozent in Deutschland. Ein anderes Problem ist, dass die Urheber und Künstler selbst bei massiven legalen Downloads in Millionenhöhe angeblich nicht besonders viel Geld sehen.

    Und auch den Wunsch nach Haptik kann man verstehen, hier liegt ein Potential für neue Produkte, die über eine CD mit Plastik-Hülle und Billig-Booklet hinausgehen, das machen ja manche Künstler schon und einige Käufer gehen wieder zum Vinyl. Weil’s schöner ist (und besser klingt, finde ich).

  6. 06

    Dieses Geseier ist so anti-Verstand, dass es kracht. Wenn man gute Musik macht, verkauft sie sich auch. Punkt. Das muss nicht mal per Album sein, es zahlt sich meist auf den Konzerten aus. „Maeckes“ z.B., ein deutschsprachiger Rapper, hat unter diesem Link -> http://www.chimperator.de/?p=630 <- sein Album zum Download zur Verfügung gestellt (wenn man es kaufen wollte, gab es einen Track mehr und einen stilvollen USB-Stick oder so, ich weiß es nicht, ich hab es nicht gekauft, aber finde es sehr gut). Sein Kollege, Plan B, (Link bitte selbst suchen) folgt seinem Beispiel. Und wenn Maeckes jetzt nach München kommt, ist auch klar, wer auf das Konzert gehen wird. Vor allem, weil beide durch gute Shows (Rap-Up-Comedy) zu überzeugen wissen. Weil sie sich hinsetzen und überlegen, okay, was wollen wir und wie können wir das umsetzen? Gibt es das und ist das wichtig? Vermutlich bleibt es nur ein Hobby und wir werden eh nicht davon leben können, aber wäre doch geil wenn? Scheiß drauf, wir machen es einfach. Gute Shows sind ein Geheimrezept. Weniger Feuerwerk, mehr Grips und Konzept. Jeder Künstler hat die passende Saalgröße. Anderes Beispiel: Casper, Rapper, der durch aggressive und emotionsgeladene Auftritte überzeugt. Oder nehmen wir Deichkind, der letzte Schrei, jetzt auch in Preppykreisen.

    Aber meckern geht simpler. Und genau jetzt werde ich Dieter Bohlen zitieren, weil er in einem besonderen Punkt Recht hatte, als er sagte: "Früher habe ich mir die Musik auf's Tape gezogen." Im Endeffekt liegt die Sache nämlich genau andersrum: Gerade weil so viele Leute Musik runterladen und die Musik hören (Stichwort "Aufmerksamkeit", Stichwort "Trend") sind die Künstler im nächsten Schritt auch so gefragt, wenn es um Auftritte geht (auf denen sie mehr verdienen, als mit den Anteilen an CDs, doch hierfür habe ich leider keine aktuellen Zahlen mehr, daher ist die These in "…" gesetzt). Jeder hört die Musik. Ratatat, Chromeo, Lily Allen, Florence & The Machine usw. Und selbst Sven Väth ist heute bei Gigs noch komplett ausverkauft. Daft Punk. Toco oder Egotronic, Robosonic. Tiefschwarz. Efdemin. Einfach mehr gute Musik (und manchmal das unheimlich wichtige, gute Konzept) dazu, bitte.

  7. 07
    RC

    @03

    Klar machen Provider Profite durch ihre Angebote (müssen sie ja natürlich auch), aber doch nicht direkt mit dem was sich alles im Netz bewegt. Ich glaube nicht das die Masse der User sich Breitband holt um Musik zu laden. Das Interessanteste an DSL war doch schon lange die Flat und die Flat hat man primär um von Minutenpreisen wegzukommen. Wer nach Jahren vom Telefon losgekommen ist und eine DSL-Flat erhielt, spürte dadurch doch zum ersten Mal so richtig die Freiheit im Netz. Wer lässt sich mal so richtig treiben, wenn er durch Volumen oder Zeit begrenzt ist? Das ist einfach nicht drin, wenn immer ein Auge auf der Uhr ist.
    Vielleicht bin ich hier auch zu sehr durch mein eigenes Verhalten geblendet, aber ich glaube nicht das Mehrheiten der User Internet an sich für bestimmte Downloads haben. Die werden nur irgendwann vielleicht gemacht weil es eben auch geht.
    Abgesehen davon muss man auch mal sagen, dass DSL/Breitband z.B. in Deutschland _älter ist als BitTorrent_, dass Protokoll das heute alles was sich P2P nennen möchte klar dominiert. Gerade damit kam P2P ja aber erst so richtig in Fahrt. Wäre es wirklich so und zöge man den Umkehrschluss, dann müsste man sich ja heute wundern, wieso sich vor 10 Jahren (=vor Torrent) dann überhaupt schon irgendwer DSL geholt hätte. Tatsächlich ist es doch aber eher so gewesen, dass sich auch da schon noch viel viel mehr Leute DSL gegönnt hätten, hätten sie es schon bekommen können (und mussten nur wegen dem schlechten Ausbau verzichten – ist ja bis heute teils recht finster).
    Ich kann mir ein Leben ohne Internet jedenfalls nicht mehr vorstellen und würde das keinesfalls wieder erleben wollen. Zwar schätze ich die Freiheit im Netz als ein sehr hohes und wichtiges Gut ein (das leider kontinuierlich verteidigt werden muss), jedoch müsste man schon so ziemlich alles sperren was das Internet heute ausmacht, bevor ich aufhören würde mir eine Flat etc. zu kaufen und somit „den Providern einen Profit zu verschaffen“.
    In diesem Punkt bin ich mir auch ziemlich sicher das er für nahezu alle Enthusiasten zutrifft, insofern tue ich mir wirklich schwer damit, davon abzugehen, dass diese Aussage von Bono (und vieler Sprecher der Musikindustrie, die gern in das gleiche Horn blasen) hier eine recht hanebüchene ist.
    Dabei will ich jetzt nicht mal damit anfangen, was alles IMHO weiterhin dagegen spricht, wie z.B. Downloads, deren Erlöse aus Verkäufen ja direkt an die jeweiligen Shops gehen und mit den Providern, durch die die Kunden dorthin gelangen, gar nichts zu tun haben. Um Bonos Behauptung wahr zu machen, in dem Sinne in dem ich ihn hier verstanden habe, müsste jeder ISP ja von jedem Shop (oder was Tauschbörsen angeht eher jedem Dienst), den es im Netz gibt, Geld abgreifen, zumindest sofern der Käufer durch dessen Netz dorthin surfte und das ist ja zum Glück nicht so…
    Zuletzt muss ich noch sagen, dass Provider vermeintliche „Vielnutzer“ ja gerne loswerden. Heute ist es meist nicht mehr so, aber vor Jahren war es bei so manchem Provider noch üblich „Powersauger“ (oder wie auch immer sie betitelt wurden) gnadenlos in die Wüste zu schicken. Wieso diese Leute loswerden wollen, wenn sie doch Profite bringen würden? Wenn man gezielt diese User als Kunden haben wollte? Das klingt für mich einfach völlig anders… Es hat doch sicherlich seinen Grund, dass es bis heute keinen Provider gibt, der wirklich deutlich damit wirbt, das man bei ihm schnell und viel runterladen kann – eine Strategie von der man sicherlich nicht absehen würde, wäre sie wirtschaftlich so reizvoll, wie Leute der Musikindustrie sich das da auszumalen versuchen um ihre Theorien am Leben zu erhalten.

  8. 08

    wer weiss, vielleicht hab ich ja nen account bei den „Internet Service Provider(n) (…) die am Filesharing etc. verdienen“, aber vielleicht würde ich das geld auch lieber den muskern geben, weiss aber nicht wie, zumindest, wenn es deren musik nicht auf vinyl gibt. bei den „providern“ bekommt man ja fast eine flatrate. evtl. könnte die musikindustrie das ganze geld ja statt den „providern“ bekommen, aber wie bloß??? andererseits gehöre ich vielleicht auch zu „Den Musikern“, aber habe mir auch vor anfang dieser dekade nie erträumt geld damit zu verdienen, was ich jetzt vermissen könnte…

  9. 09
    RC

    „wer weiss, vielleicht hab ich ja nen account bei den „Internet Service Provider(n) („¦) die am Filesharing etc. verdienen““

    Welche sollen das sein? Ich verstehe unter Provider sowas wie z.B. T-Online oder Manitu. Wo sollen die dafür Geld herkriegen?

    Provider wie 1und1 haben vor Jahren sogar Leute knallhart rausgeschmissen (bzw. „Vertrag aufgehoben“), verursachten sie (in den Augen von 1und1) zuviel Traffic (so war es jedenfalls „überall“ zu lesen). Die boten ebenfalls Anreize in Form von 100 Euro an, wenn User „freiwillig“ gingen und sich was neues suchten.

  10. 10
    herresser

    Man kann den Rant ja auch positv formulieren: Es ist wichtig, dass sich die Musiker ihrer eigenen Macht im Internet Zeitalter bewußt werden. Schön, dass es hier einen prominenten Arschtritt gegeben hat. Musiker können heute bis zu einer gewissen Größe tatsächlich ohne Label besser leben als mit, wenn man die Fans aktiv pflegt und hegt. Dann muss man aber auch die Einnahmen nicht teilen… Zumal es inzwischen Plattformen wie audiomagnet.com gibt, die einem durch online-Vertrieb und on demand Produktion von CDs und Merchandise Material doch recht umfassend vom finanziellen Risiko entlasten. Die heutigen Möglichkeiten für professionelle Eigenproduktionen erstaunen mich als alten Knacker eh immer wieder.
    (Achtung, ich bin für audiomagnet tätig. Dieser Post stellt allerdings auch meine persönliche Meinung dar =) ).
    Rock on! Peter

  11. 11

    @herresser: Ich habe den Rant von Allen absolut positiv verstanden und hoffe, das kommt oben auch rüber.

  12. 12
    quasi

    da sieht man den unterschied zwischen allesselbermacher allen und alleswasmirkeinenspaßmachtmachenandere einstellungen anderer künstler.

  13. 13
    rigoros

    ich war gegenüber bono bis vor kurzem auch noch relativ neutral eingestellt, bis ich dann gelesen habe, dass der sack mit daran schuld war, dass sst aufgelöst wurde! nicht irgendein plattenlabel… hallo… sst… sonic youth, black flag, hüsker dü… seitdem hat bono einen feind mehr!

  14. 14

    Das ist neu: ein Musiker macht Musiker für die Misere der Musikbranche verantwortlich! Dave Allen legt den Finger in die Wunde und nicht ganz zu Unrecht. Was mich als Musiker in einer kleinen aber feinen Band (http://www.myspace.com/lilyaffairs) interessieren würde, ist, wie zum Teufel einem das famose Web 2.0 zum Erfolg verhelfen kann? Am überzeugtesten scheinen von dieser Idee diejenigen zu sein, die mithilfe der traditionellen Musiklabels groß geworden sind. Für die kleinen und mittleren Bands bleibt ersmal nur möglichst viel Live zu spielen und nebenher zu jobben.

    Vielleicht ist die Musik als fulltime-job auch ein aussterbendes Geschäftsmodell…

  15. 15
    Fragezeichen

    @Johnny,

    kannst mir bitte die Cole Porter Analogie in diesem Text erklären.
    Es besteht meinerseits hierbei ein gewisser Erklärungsbedarf und ich sterbe nur ungern dumm ;)

  16. 16

    Der Appell an Musiker „macht’s selber, aber ansständig“ ist gut gedacht. Auf’s wesentliche konzentrieren, auf die Musik. Gut gedacht. Aber genau das passiert nicht, wenn man alles selber machen muss. Schnell hängt man ein Wochenende im Homerecording-Studio rum, ein Wochenende in dem man keine Songs geschrieben und nichts geübt hat, aber dafür mehr schlecht als recht eine Aufnahme gemischt hat. Die Kehrseite des neuen Zeitalters, in dem jeder aufnehmen und veröffentlichen kann: Man muss auf ein mal 1000 Sachen mehr können. Von Tontechnik bis Webdesign. Für die Musik bleibt nicht mehr so viel Zeit.

  17. 17

    @Fragezeichen: Bono zieht den Vergleich heran und meint damit, dass es wegen Filseharing etc. u.U. keinen Cole Porter mehr geben kann. Ich erinnere daran, dass es gerade zu Zeiten Cole Porters nicht die Hörer waren, die dafür gesorgt haben, dass Musiker das ihnen zustehende Geld nicht bekommen haben. Viele Jazzmusiker sind wirklich quasi verhungert, denn ihr Geld ist woanders gelandet.

    @DrNI: Ab einem bestimmten Punkt braucht ein Musiker Unterstützung und dafür braucht er Geld, ganz klar. Bis zu diesem Punkt aber kann er Arbeiten, die er vor dem Netz auch machen musste (Helfer suchen, Eigenmarketing betreiben, günstige Studios auftreiben, Übungsraum finden, Flyer gestalten etc.) ins Netz verlagern. Mit potentiellen Fans in Kontakt zu treten ist leichter geworden, ist aber dennoch viel Arbeit.

    Es geht bei allem nicht darum, dass alles super wäre. Musiker brauchen wie jeder andere Geld und die illegale Verbreitung von Inhalten geht mir auch gegen den Strich, ich habe in meinem Leben nur ein einziges Mal ein (uraltes) Album illegal aus dem Netz gezogen, einfach, weil ich es legal nirgends im Netz bekommen konnte (und die Läden geschlossen waren und ich nur einen Song brauchte für ein DJ-Set). Es geht also nicht darum, Raubkopien toll zu finden, sondern darum, für neue Modelle zu sorgen, die fair für alle sind und die den Vertriebswandel und den neuen Umgang mit Musik berücksichtigen. Diese neuen Ideen scheitern oft gar nicht daran, dass es sie nicht gibt, sondern u.a. am Streit zwischen den Rechteinhabern und den Steinen, die denjenigen in den Weg gelegt werden, die Neues starten wollen. Nicht jeder mit guten Ideen hat die Marktmacht von Apple, die übrigens ohne recht brutales Vorgehen in Sachen iTunes sicher heute noch nicht online wären.

  18. 18

    @Hagen Kohn: Aber wie viele Bands kannten wir denn vor dem Netz, die von ihrer Musik leben konnten? Alle Bands, die ich kenne, haben viele Jahre lang gejobbt bzw. machen das teilweise noch heute. Es ist einfach so, dass es schon immer wenig Musiker gab, die sich von ihrer Musik ernähren konnten, das ist aber keine neue Tatsache. Ich habe knapp 20 Jahre lang Musik gemacht, davon leben konnte ich etwa fünf Jahre lang und dabei will ich lieber nicht gegeneinander aufrechnen, wie viel Geld ich davor investiert hatte „¦ von den hunderten mir bekannten Bands der letzten 30 Jahre kann ich die, die es „geschafft“ haben, an den Fingern einer Hand abzählen. Nicht jeder ist Peter Fox, aber so war das schon immer.

  19. 19

    @Johnny Haeusler: WORD!

    Wie gesagt, ich arbeite für audiomagnet.com: Hier ist es nun möglich, CDs und Merch Material on demand produzieren zu lassen und zu vertreiben – einige „lokal Heroes“ ohne Vertrag nutzen das bereits, um sich vom Risiko der Vorfinanzierung und der Last des Vertriebs zu entlasten – und verkaufen plötzlich auch mal eine CD von Schwaben nach Hamburg und nicht nur auf den Konzerten im Ländle. Das steckt alles noch in den Kinderschuhen und niemand weiss, wo es hinführen wird. Aber diese Möglichkeiten gab es so doch gar nicht: Junge Bands kommen in eine fremde Stadt und haben per Netz dort bereits einige Fans, die sicher zu den Konzerten kommen. Das hätte eine Band früher niemals abarbeiten können. Das Netz macht nicht mehr, es macht weniger Arbeit und vor allem auch weniger abhängig von Mittelsleuten, die einen im Zweifelsfall, well sagen wir, nicht ganz offen behandeln… Die Aussage von Dave Allen ist doch: Krempelt die Ärmel hoch und nutzt die neuen Möglichkeiten! Nicht mehr und nicht weniger. Als Preis wikt vielleicht ein besserer Labelvertrag oder unabhängiges Einkommen, weil man mit mehr eigenem Überblick und Selbstbewusstsein in die Verhandlungen geht.

  20. 20

    @Johnny Haeusler:
    Das Problem ist, dass die meisten Leute nicht die Fähigkeiten haben, von Tontechnik bis Webdesign kompetent genug zu sein. Und selbst wenn sie diese hätten, dann würde das zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Wenn man aber in den vorderen Reihen mitspielen will, dann muss alles möglichst top sein – nicht nur die Musik. Und bis man Geld hat, jmd zu bezahlen, kann einige Zeit ins Land ziehen.

    Aber Rumheulen nützt nix. Die Plattenfirmen wollen auch immer weniger diese Arbeiten übernehmen. Also müssen alle Beteiligten neue Wege finden. Allen voran natürlich die Musiker, wobei da die meisten mutiger und innovativer sein dürften als große staubige Konzerne.

    Um Raubkopien ging es mir nicht im geringsten. Die Zentrale Frage ist: Wie kann ein Musiker oder eine Band Leute für sich begeistern? Das wird immer schwieriger, Radio ist ja komplett weggefallen. Vielleicht Sites wie MySpace, aber da fallen dann schon wieder ganze Generationen von Hörern weg. Auf die Frage wird in den nächsten Jahren eine neue Antwort gefunden werden müssen.

  21. 21

    @DrNI: Ähnliches war zu hören, als es mit MTV losging. Dass Musiker selten visuelle Kompetenz hätten, dass keine kleine Band sowas teures bezahlen kann „¦ am Ende hat die Ära der Musikvideos unglaubliche kreative Leistungen hervorgebracht.

    Und funktioniert das „sich Fans erspielen“ nicht heute noch so wie damals? Nämlich über Mundpropganda bzw. heute eben zusätzlich Mails und Blogs? Guck dir doch mal das aktuelle Beispiel Katzenjammer an: Ich habe nur in Blogs von denen gehört, im letzten Jahr spielten sie in ganz kleinen Räumen, nun sind sie *etwas* größer „¦ das dauert eben alles. Und hat nicht nur mit Talent zu tun, sondern auch mit Glück und ein paar Sachen, für die es keine Worte gibt. Zufall, Zeitgeist, das alles spielt eine Rolle und man kann es selten planen oder voraussehen. Was ja auch wieder das tolle am Musikmachen ist.

  22. 22

    @Johnny Haeusler:
    Gibt es Anleitungen für faule?

    Wie schon richtig erkannt u. beschrieben.
    Man muss wohl wissen welches Ziel man
    verfolgt, indem man einen Blog oder gar
    eine eigene Seite betreibt. Lustig sind be-
    stenfalls die unqualifizierten Kommentare.

    @PuuPs

  23. 23

    @Johnny: du solltest echt mal die Schriftgröße der Kommentare erhöhen, da bekomm ich kene Lust zu Lesen. Gerade wenn schon der erste Kommentar so lang ist… Sorry, sist später Abend.

  24. 24

    @Johnny:
    Ok, Punkt für dich :-)
    Ich meinte auch in erster Linie, dass die neuen Möglichkeiten der Selbstvermarkting zu sehr gehyped werden. Für Nine Inch Nails oder den Sci-Fi-Autor Cory Doctorow ist die Situation eben eine andere, als für den Newcomer. Die Möglichkeiten, sich eine Fangemeinde aufzubauen und mit dieser zu kommunizieen, sind allerdings gigantisch, das möchte ich nicht missen.

  25. 25

    @Steffen: Mac: Command-+ (Pluszeichen) PC: STRG-+, glaube ich.

  26. 26

    Wie ich schon an #22 und darüber hinaus sagte: Man muss nicht studiert haben,
    um Blödsinn zu verbreiten. Da reicht es, auf Seiten/Sites zu verweisen, die alles
    was man sich so vorstellt in Idealerweise bedient.
    http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Tastaturkombination.html

    Alles Gute
    @PiPi

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