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Google Earth Overlay von Haiti

Google hat sich mit GeoEye zusammen getan und ein KML-Overlay für Earth zur Verfügung gestellt, mit dem man das Ausmaß der Zerstörung, die das Erdbeben angerichtet hat, betrachten kann. Gibt es als KML-Download für Google Earth, aber auch zum direkt anschauen in Maps bzw. mit dem entsprechenden Browser Plugin für Earth, sichtbar nach dem Klick.

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20 Kommentare

  1. 01
    Sigbert

    Da bekommt der Begriff „gaffen“ eine ganz neue Dimension.

  2. 02
    newroses

    widerlich, gibt’s auch ne leichenzählmaschine ?

  3. 03

    @Sigbert, @newroses:
    Findet ihr das wirklich voyeuristisch?
    Ich finde, distanzierter als aus dem All kann man die Folgen eines Erdbebens kaum betrachten.
    Welche Art der Dokumentation wäre euch denn lieber?

  4. 04

    @newroses: @Sigbert: Ob das widerlich oder Gaffen ist, entscheidet der Betrachter, finde ich. Es ist ein Abbild der Tragödie, die dort passiert, dass man sich an dieser ergötzt würde ich niemandem unterstellen. Ansonsten müsste man den Titelseiten der heutigen Tageszeitungen schwere Vorwürfe machen.

  5. 05
    newroses

    idee für die nerds: google earth history: da bietet sich ja auschwitz an

  6. 06
    Sigbert

    @Tanja Haeusler: Die Entfernung zum Objekt macht keinen Unterschied, die Distanz zum Opfer ist doch erst das was gaffen ausmacht.

    @Johnny Haeusler: Natürlich entscheided der Betrachter ob es nun gaffen ist. Aber wo ist der Unterschied ob ich mich nun neben nen Unfall stelle, mit offener Gusche dastehe und gaffe oder wenn ich ne Katastrophe aus dem All anschaue und mit offener Gusche dasitze und gaffe?

    Warum machst google? Ganz klar, Clicks = Ad Revenue
    Den Vergleich mit Auschwitz find ich nich ganz so passend.

  7. 07

    @Sigbert: Kein eindeutig zu bewertendes Thema, finde ich. Natürlich macht Google alles, was Google macht, am Ende für Profit, glücklicherweise sind in diesem Fall aber keine Anzeigen zu sehen. Das wäre in der Tat sehr zynisch. Ist aber jeder, der nicht vor Ort hilft, ein Gaffer? Sehe ich nicht so.

    @newroses: Schon klar, wie dein Kommentar eigentlich gemeint ist, aber: Ein virtuelles historisches Museum, auf lange Sicht mit Hilfe von Augmented Reality: Was genau wäre verwerflich daran? Den Unterschied zwischen Sensationsgier und Information, zwischen Propaganda und Aufklärung machen Kontext, Absender und Empfänger, oder? Nicht ohne Grund hatten und haben totalitäre Regime großes Interesse daran, Information (und somit auch Fotos) zu kontrollieren.

    Die Frage von Tanja kann man daher nochmal aufgreifen: Welche Form der Dokumentation wäre moralisch vertretbarer/ besser?

  8. 08
    stroke

    schon mal was von schneller Katastrophenhilfe gehoert?
    schneller geht es doch nicht, als mit Satellitenbildern. schneller ueberblick ueber die Lage, und wie die nachrichten klingen ist der noetig.

  9. 09
    temper

    im ersten moment habe ich sigbert voll und ganz zugestimmt.
    Aber ich vielleicht gibt es da ja auch die kleine Möglichkeit, zumindest habe ich die Hoffnung, dass Hilfsorganisationen daraus einen kleinen Informationsgewinn ziehen könnten?

  10. 10
    Sigbert

    @stroke, @temper: Stimmt natürlich, der Informationsgewinn für Hilfskräfte ist da. Das hab ich auchnicht gleich erkannt. Aber für mich geht es hier um die Darstellung der Katastrophe als solche. Und ich finde es nicht gut das dieser Informationshunger unbedingt befriedigt werden muss. Diese Daten könnte man den Hilfskräften auch anderweitig bereitstellen. Auch wenn ich zugeben muss, dass es so recht effektiv ist.
    Auf die Gefahr hin mich zu wiederholen, für mich ist es trotzdem Gafferei. Ich finde Gaffer schlimm weil sie meist den Hilfskräften im Weg stehen und manchmal Folgeunfälle verursachen. Das ist hier natürlich nicht gegeben.
    Noch schlimmer find ich die Attitüde von Gaffern sich am Leiden anderer zu ergözen. Ob das nun bei nem Unfall, in BILD, im Unterschichten-TV oder eben hier ist, spielt in meinen Augen keine Rolle.
    Vielleicht könnte man sagen, dass man eher mitfühlt wenn die Katastrophe nicht so fern ist sondern digital zum Greifen nahe. Wenn es dann einen Unterschied macht bei der Überlegung zu spenden, kann ich akzeptieren das man es den Menschen so näher bringt. Aber warum bedarf es erst Bilder der Verwüstung um den Einzelnen Mitleid fühlen zu lassen?

    @Johnny Haeusler: „Ist aber jeder, der nicht vor Ort hilft, ein Gaffer?“ Ich finde schon. Welche andere Motivation gibt es sonst?

    Dennoch, soll sich jeder seine eigenen Gedanken machen.

  11. 11
    heidrun

    @Sigbert: Aber warum bedarf es erst Bilder der Verwüstung um den Einzelnen Mitleid fühlen zu lassen?

    weil man es sonst gar nicht mitbekommt? man könnte auch einfach weggucken und so tun, als wäre nichts passiert. ich finde bilder von katastrophen, kriegen etc. ungemein wichtig (so sie denn über die übliche „kleineskindmitgroßentraurigenaugen“-ästhetisierung hinausgehen) und bin der ansicht, dass der sozusagen pädagogische nutzen die ausschlachtung zwecks sensationsgier bei weitem übersteigt.
    ohne bilder bleibt eben doch alles sehr abstrakt und die linie zwischen gaffen und anteilnehmen ist oft eben nur hauchdünn bzw. verschiebt sich.
    ich wurde z.b. schon mal auf der straße blöd angemacht, weil ich hingeguckt habe, als jemand von polizisten recht brutal verhaftet wurde. ist es schlecht, wenn bei so etwas jemand hinsieht?
    andererseits gibt es eine geschichte von meinem lieblingsfotografen rene burri, die er erzählt hat und die ihn sehr sympathisch macht: er sah einen sterbenden im sechstagekrieg und wusste, dass er mit diesem foto reich werden würde, aber er hat es nicht gemacht, weil sich etwas in ihm gesträubt hat.
    wie gesagt, die linie ist hauchdünn und manchmal kaum auszumachen.
    davon abgesehen, schlagt mich, aber ich finde bei dem hier vorgestellten ding auch einfach rein sachlich interessant, wie so ein erdbeben eine stadt zerstört, auch ganz ohne die menschliche ebene der katastrophe.

  12. 12

    @Sigbert: Ohne bebilderte Dokumentation, ohne Foto- und Filmreportagen hätten es viele wichtige Themen wohl nicht in die Öffentlichkeit geschafft, aber ich denke, über die Wichtigkeit von Bildern (und natürlich auch die möglichen Gefahren) muss man ja auch nicht grundsätzlich reden.

    Was das hier angeht: Solange ich mich nicht als Gaffer empfinde, sehe ich das Earth-Werkzeug nicht als Mittel zum Gaffen an. Im Gegensatz zu den Boulevardmedien kann man dem Tool kaum etwas vorwerfen, finde ich. Ich glaube wirklich, dass sich niemand ernsthaft an Satellitenbildern eines Erdbebens aufgeilt.

    Aber klar: Das muss jeder für sich selbst bewerten.

  13. 13
    Sigbert

    @heidrun: Es stimmt natürlich, ohne ein (menschliches) Gesicht kann man einen Missstand einfacher ignorieren.
    Die von dir beschriebene Verhaftung würde ich wiederum nicht als Gaffen ansehen, also dir recht geben. Es geht bei sowas eher darum dem Staatsorgan auf die Finger zu schauen wenn es seine Arbeit verrichtet. Was anderes ist es wenn ich zukucke wie der Sani verzweifelt versucht nen überfahren Fußgänger wiederzubeleben. (Um mal grob die Grenze zu ziehen)

    @Johnny Haeusler: Dem Werkzeug kann man tatsächlich nichts vorwerfen, nur den Machern und den Nutzern. Aber das gilt dann für eine Zeitung wie für ein Google Earth. Beide Dinge sind Medien zum transportieren von Information.

    Naja ich sehe ein das der Overlayer durchaus einen Nutzen hat und das man die ganze Sache doch etwas differenzierter betrachten sollte. Bleibe aber weiter der Meinung, dass das zumindest sehr nah ans Gaffen kommt und das man so detailierte Katastrophen-Berichterstattung sehr kritisch betrachten sollte.

  14. 14
    Volker

    Die Bewertung des Tools hätte ich eher im eigentlichen Blogbeitrag erwartet. Also eher ein Artikel der Kategorie „Positionen“ und nicht „Produkte“.

  15. 15

    Als im August 2002 die Elbe-Flut Dresden und viele andere Orte überschwemmte, war auch eine Menge Presse vor Ort. Jeden Tag die Fernsehbilder vor Augen, das hat mich dazu gebracht, meinen Jahresurlaub zu nehmen, hinzufahren und zu helfen. Weil ich diese Bilder nicht mehr ausgehalten habe und deshalb unbedingt was machen wollte. Vor Ort hatte ich auch das Gefühl, von Foto- und TV-Kameras begafft zu werden, andererseits machte ich mir dann klar, dass ich ohne diese Bilder wohl nicht hin gefahren wäre.
    Der Grad zwischen Voyeurismus und Dokumentation ist schmal, oft überlappt es sich auch. Aber deshalb würde ich nicht (mehr) grundsätzlich die Meinung vertreten, dass das Zeigen von Katastrophen nur den Voyeurismus bedient.
    Und, klar: Ohne Bilder ist eine solche Katastrophe eben nicht wirklich präsent, das kann man scheiße finden, ist aber so. Erst die Bilder von AIDS-Kranken im Sterbebett haben das Bewusstsein über die Gefährlichkeit dieser Krankheit bewusst gemacht. Es waren auch die Bilder vom Kopfschuss in Saigon und dem flüchtenden nackten Kind, das den wirklichen Charakter des Vietnamkriegs in Europa und den USA sichtbar gemacht haben.

  16. 16

    Als im August 2002 die Elbe-Flut Dresden und viele andere Orte überschwemmte, war auch eine Menge Presse vor Ort. Jeden Tag die Fernsehbilder vor Augen, das hat mich dazu gebracht, meinen Jahresurlaub zu nehmen, nach Wittenberg zu fahren und zu helfen. Weil ich diese Bilder nicht mehr ausgehalten habe und deshalb unbedingt was machen wollte. Vor Ort hatte ich auch das Gefühl, von Foto- und TV-Kameras begafft zu werden, andererseits machte ich mir dann klar, dass ich ohne diese Bilder wohl nicht hin gefahren wäre.
    Der Grad zwischen Voyeurismus und Dokumentation ist schmal, oft überlappt es sich auch. Aber deshalb würde ich nicht (mehr) grundsätzlich die Meinung vertreten, dass das Zeigen von Katastrophen nur den Voyeurismus bedient.
    Und, klar: Ohne Bilder ist eine solche Katastrophe eben nicht wirklich präsent, das kann man scheiße finden, ist aber so. Erst die Bilder von AIDS-Kranken im Sterbebett haben das Bewusstsein über die Gefährlichkeit dieser Krankheit bewusst gemacht. Es waren auch die Bilder vom Kopfschuss in Saigon und dem flüchtenden nackten Kind, das den wirklichen Charakter des Vietnamkriegs in Europa und den USA sichtbar gemacht haben.

  17. 17
    mackenzen

    all die bildersucht entsteht die eigentlich durch diese furchtbare (ver)’bildung‘ oder ist das dann doch nur das pure kapitale interesse an einem medienbewusstsein dass sich vom sein immer weiter entfernt?!

    super wenn alles in google ist: digitalisiert und fertig: da klebt nie blut dran! maschine maschine tolle technik die begeistert… tolles technisches ‚tool‘ bringt super effizienz: geil! ick habs mir och ma von oben anjekiekt!

    jezze aber ganz ploetzlich bitte genau den menschen helfen die einen voher einen schei** interessiert haben und die einen im grunde immer noch einen schei** interessieren! aber das kann man ja nicht zugeben das waere dann ploetzlich ganz unmenschlich inmitten der ganzen unmenschlichkeit! google machts moeglich: wir danken und klicken morgen wieder rein!

    ob wohl in haiti das internet noch funktioniert? hoffentlich! das kommt naemlich noch vor dem fressen…

    in the name of love!

  18. 18
    newroses

    @mackenzen:

    genau so: BRAVO !

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