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Kauft die Süddeutsche Blogartikel? [Update]

Ich mag die Süddeutsche Zeitung. Trigami mag ich nicht so sehr. Die Kombination von beiden erzeugt daher Bauchschmerzen bei mir, denn während Trigami für Werbung in Artikelform steht (Werbekunde bezahlt für Blog-Inhalt, der zwar irgendwie als Werbung gekennzeichnet werden soll, dennoch in Form eines regulären Artikels und im Fluss der restlichen Blog-Posts daher kommt), sollte die Süddeutsche eigentlich klar dagegen stehen und sich meiner Meinung nach erst gar nicht mit dieser neudeutsch „Advertorial“ genannten Werbeform beschäftigen.

Tut sie aber laut Jan Tißler beim Upload Magazin, um ihre iPhone-App mit positiven Stimmen zu verbreiten. Und zwar nicht nur durch vorformulierte Blog-Posts, sondern auch durch die direkte Aufforderung zu positiven Bewertungen im AppStore.

Zyniker glauben übrigens, dass der SZ-Artikel „Keine unabhängige Berichterstattung: So lassen sich Blogs kaufen“ schon fertig geschrieben ist.

Update In den Kommentaren bei Upload meldet sich zunächst Peter Bilz-Wohlgemuth als Marketingverantwortlicher der SZ zu Wort — die Kampagne wurde offenbar gestoppt. Und auch Remo Uherek, Geschäftsführer von Trigami, hat kommentiert.

30 Kommentare

  1. 01
    Stefan

    Ach, so. Die Frage ist, wer Johnny Haeusler kauft oder gekauft hat. CHina wirds schon nicht gewesen sein, aber da gibts doch diesen interessanten Vortrag….moment mal.

  2. 02
    Thomas

    Frage am Rande: Warum heißt die Überrschrift eigentlich „Kauft die Süddeutsche Blogartikel?“ und nicht „Lassen sich Blogger kaufen?“? Aus dem gleichen Grund, wie der verlinkte Jan Tißler es zwar irgendwie total skandalös findet, wenn der Süddeutsche Verlag solche „Advertorials“ (kann ich noch garnicht, das Wort) anbietet, es aber völlig ok findet, wenn Blogger darauf eingehen und diese zweifellos mehr als grenzwertige Form der Werbung dann tatsächlich bedienen?

  3. 03

    @Thomas: Weil dem Süddeutschen Verlag dank der Süddeutschen Zeitung noch irgendsowas wie ein Ruf von gesellschaftlicher Verantwortung und als Garant für unabhängige Berichterstattung nachhängt.

  4. 04

    Hmm, das ist jetzt ne ziemlich schwierige Nummer, die ja irgendwie aus überhöhten moralischen Erwartungen an die „gesamtbloggerschaft“ resultiert…

  5. 05
    Tom

    Sixtus verhöhnt Holzmedien und lässt sich von 3sat bezahlen (denen scheint aber jetzt ein Licht aufzugehen), Johnny Haeusler will über seine Geldquellen nicht reden, Trennung von Verlag und Redaktion, das Markenzeichen von Qualitätsmedien, gibts hier gar nicht. Alles autistisch und dann 650tsd pis,,,,na ja

  6. 06

    Na gut, das heißt also die Presse entdeckt eine weitere Form des Online-Marketings. Wir werfen denen ja diesbezüglich immer Hinterwälder-Dasein vor. Nun also wollen sie mitspielen. Mit uns spielen. Und sie haben kapiert, dass sich niemand so billig einkaufen lässt, wie Blogger. Sicher nicht jeder aber sehr viele Blogger lassen sich erstaunlich billig einkaufen.

    Über eine solche Entdeckung würde ich mich als wirtschaftlich agierendes Unternehmen freuen und es natürlich herzlich gerne in Anspruch nehmen. Will sagen, das Problem sind wir Blogger dabei. Ja, wir sollen uns ruhig einkaufen lassen — warum nicht? Wir sollten aber immer mindestens das Dreifache verlangen, von dem, was sie uns anbieten.

    Money makes auch des Bloggers World go round.

    /pragmatismus-mode off

  7. 07

    Oh je, welch ein Drama…

  8. 08
    Stirle

    @Frédéric Valin: Und deshalb darf die Zeitung nicht werben? Komische Einstellung. Die Zielgruppe der Süddeutschen Zeitung weden Werbung auch als Werbung erkennen und somit ist über als „Werbung gekennzeichnete“ Werbung nichts zu bemängeln.

    Für mich hat dieser Blogbeitrag ehrlichgesagt Bildzeitung-Niveau – reisserischer Artikel mit wenig Substanz, aber hauptsache mal eine bekannte Marke durch den Kakao gezogen. Grosser Sport …

  9. 09
    Stirle

    „reisserische Ueberschrift“ sollte es heissen, aber leider kann ich nicht editieren, da mein Kommentar nocht nicht freigegeben wurde um ggf. zensieren zu können.

  10. 10
    Enervé

    @Frédéric Valin: Ganz klar: Bloggern, oder schlimmer noch: Bürgern, so etwas wie gesellschaftliche Verantwortung zu unterstellen wäre purer Unfug. Bekanntlich lassen sich moralische Maßstäbe grundsätzlich nur auf Organisationen anwenden, nicht auf Menschen. ;)

    P.S.: Warum eigentlich die reißerische Überschrift? Dass die Süddeutsche (gekennzeichnete) Blogartikel kauft, ist doch unbestritten, unabhängig von einer Bewertung dieses Umstands. Die Überschrift suggeriert nicht nur eine Enthüllung, sondern auch, dass diese Tatsache an sich bereits ein Skandal sei. Dieser Meinung kann man ja sein, aber sie ist nicht selbstverständlich.
    „Ködert die Süddeutsche Neukunden mit Gratis-Abos?“ Auch gut, oder? ;)

  11. 11

    PR ist eben PR. Du machst mit deinem Beitrag kostenlos Werbung für die App. :-D

  12. 12

    Es handelt sich um eine neue Erscheinungsform der Schleichwerbung, die unzulässig ist.
    http://www.internet-law.de/2010/01/suddeutsche-zahlt-fur-positive.html
    Auch ein Blogger der sowas macht, beteiligt sich aktiv an der Irreführung von Nutzern.

  13. 13
    peter h aus b

    We are all prostitutes…

  14. 14
    Wanda

    Bei dctpv sagte Johnny doch so schön, er finde die Frage, wie er sein Geld verdient „indiskret“.

  15. 15

    Wer einmal die SZ-App getestet hat, weiß auch weshalb die Süddeutsche das nötig haben könnte. Es ist sehr selten, dass eine Mobil-Seite sehr viel einfacher zu bedienen und viel übersichtlicher ist, als eine extra App, die mich am Anfang noch mit 10 Sekunden Werbung penetriert.

  16. 16

    @Stefan: Keine Ahnung, wir das bei dir ist, bei mir kauft man keineswegs meine Person, wenn man mich für eine Leistung (wie z.B. einen Vortrag) bezahlt.

    @Thomas: Trigami ist kein neues Thema, meine Haltung dazu ist bekannt und wie ich oben schrieb: Am Ende müssen sich Blogger fragen, ob sie das machen wollen, klar. Mich verwundert aber nicht, dass es Blogger gibt, die Trigami nutzen, sondern dass die SZ so vorgeht, wie sie es tut.

    @Tom: Es dürfte neben mir wenig andere Personen geben, die du nicht persönlich kennst, bei denen du aber ziemlich gut weißt, wie sie ihr Geld verdienen. Du siehst die Werbung, an der wir verdienen, die meisten meiner (auch eher raren) Vorträge sind im Netz angekündigt, die re:publica ist auch nicht gerade geheim. Wenn ich (was ebenfalls seit langer Zeit nicht mehr passiert ist) eine Website für jemanden erstelle, sehe ich allerdings tatsächlich wenig Gründe dafür, das auf Spreeblick anzukündigen. Denn:

    @Wanda: Richtig, solange es keinen direkten Zusammenhang mit Spreeblick gibt, geht es dich nichts an, womit ich Geld verdiene, genauso wenig wie mich dein Arbeitsleben etwas angeht. Daraus nun zu folgern, ich würde unser Geld mit unheimlich geheimen oder verwerflichen Dingen verdienen, könntest du allerhöchstens deiner Fantasie vorwerfen.

    @Kalliey: Auch um PR geht es nicht, finde ich. Wie überhaupt einige Kommentare am Thema vorbei laufen. Wie jeder von uns seine Brötchen verdient, ist doch jedem selbst überlassen. Bei uns weiß man das sehr gut und mir ist recht egal, ob Blogger bei trigami mitmachen. Für mich ist das nichts, aber was soll’s. Mich stört es aber, dass die SZ so vorgeht, denn positive Kommentare im AppStore zu kaufen könnte auch gegen Apples Richtlinien verstoßen. Das interesiert mich am Thema, nicht, ob Blogger bei Trigami 70 Euro verdienen (oder wieviel auch immer).

    Kleiner Tipp noch: Wenn man hier schon unbedingt als eine Person unter verschiedenen Namen kommentieren möchte, möge man sich doch bitte die Mühe machen, auch verschiedene IPs zu benutzen. Sonst ist das so leicht durchschaubar.

  17. 17
    Martin

    Wenn es um die Kohle geht, ist es Essig mit der Unabhängigkeit und dem schönen neuen freien Internet. Das betrifft spreeblick wie jeden anderen Blog auch, der Geld verdienen möchte. Und es ist ok, ich würde es genauso machen.

  18. 18
    Martin

    Naja peinlich ist diese Sache schon etwas, aber ich finde es zumindest erwähnenswert, dass ein Verantwortlicher der Süddeutschen sich dazu geäußert. Darauf würde ich fairerhalber verweisen.

  19. 19

    @Martin: Update kommt gleich, lese gerade die Kommentare bei Upload.

  20. 20

    Da scheinen sich zwei Fische im Blogmeer in den Schwanz gekniffen zu haben und dabei jeweils ordendlich Brackwasser geschluckt.

  21. 21

    Regelmässige Updates von unserer Seite gibt es in unserem Blog.

    Viele Grüsse
    Remo Uherek
    Geschäftsführer, Trigami AG

  22. 22

    Da hätte ich mir ein umfassenderes Update erwartet Herr Haueusler…die Überschrift sieht so interessant rüber und dann kommt ein Beitrag der wie die Mischung eines Tweets und eines Bild-Artikels erscheint. Schade, da gabs schon besseres!

  23. 23

    Gesehen als von den anderen als Selbstkritisch benannten Links.

    Tja, der Versuch ist letztlich nicht gescheitert.
    Nur die Ausführung hat Schiffbruch erlitten.

    @PiPi
    FAQ

  24. 24

    Ich blogge für Trigami und ich suche mir die Advertorial aus über die ich schreiben möchte. Ich blogge nicht über alles. Aber ich verdiene ganz gut damit, dass ich unter anderem auch für Trigami ab und an schreibe. Ich mache da auch kein Geheimnis draus.

    http://momworx.de/trigami-ist-mein-favorit

    Das Grundproblem scheint eher zu sein, dass Leute für 10 € alles bloggen. Das ist die Masche die dahinter steckt.

    Und gut. Trigami hat ein Fehler gemacht. Remo hat es zugegeben und damit ist es auch gut.

    Diese Panik jetzt kann ich nicht nachvollziehen.

    90% der Blogger/innen machen sich auch zum Affen, wenn es irgendwo einen iPod, iPhone oder iMac zu gewinnen gibt.

    Grüße
    Marcus

  25. 25
    Seifroh

    Mann oh Mann, dreht Ihr Blogger Euch um Euch selbst!

  26. 26

    Grundsätzlich kann man doch niemanden einen Vorwurf machen, der PR für Geld betreibt. Weder den Auftraggebern, noch den Schreibern. Ob das nun bezahlte Blogposts, Advertorials oder Produktbesprechungen sind. So läuft das halt. Das war und ist bei Zeitschriften so, und in den Blogs ist es auch nicht anders. Es hilft mir persönliich immer ganz gut, beim Lesen das Denken einzuschalten.

    Klar, der eine Blogger fühlt sich mehr dazu berufen, seine Integrität zu wahren- finde ich voll okay. Ich finde es aber auch okay, wenn sich Blogger für Posts bezahlen lassen. Ob die Posts jetzt gekennzeichnet werden oder nicht- da kann man jetzt endlos drüber diskutieren. Ist doch toll, wenn Blogger für Posts bezahlt werden. Der Großteil der Blogger in Deutschland haben sicherlich nicht die Möglichkeit, damit ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

    Ich weiss nicht genau, wie Trigami arbeitet, ich kenne nur den Affen von Trigema. Die SZ war scheinbar schlecht beraten, diesen Partner zu wählen. Aus welchem Grund auch immer. Wenn die Kommentatoren zu diesem aus ihrer Sicht krassen Eklat wirklich so schlau sind, wie sie im Augenblick zu diesem Thema tun: macht doch einfach ein Business daraus, geht zur SZ und schlagt eine Online-Strategie vor, so wie Ihr sie euch vorstellt.

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